Von Bücherblogs und Autorinnen

Hei, hallo und herzlich willkommen,

für viele gehört zum Marketing, dass ihre Bücher in Bücherblogs rezensiert werden. Doch erfolgreiche Blogs haben ein Problem, ihr SuB (Stapel ungelesener Bücher) ist extrem hoch. Das bedeutet, sie müssen Bücher ablehnen. Aber gibt es doch eine Möglichkeit bei ihnen mit einer Rezension zu erscheinen?

Kurze Vorgedanken

Vor einigen Tagen hab ich den Beitrag „Wie bringe ich Blogger dazu, mein Buch zu lesen?“ von Stehlblüten. Ich empfehl Dir, diesen Beitrag durchzulesen, da er aus der Sicht der Buchbloggerinnen erklärt, was viele Autorinnen bei der Bewerbung für eine Rezension falsch machen.

Ja, Du hast richtig gelesen, Bewerbung. Viele Bloggerinnen, die schon länger dabei sind, haben sehr viele Bücher, die sie lesen sollen, dass sie gar nicht mehr hinterher kommen. Die Bücher stammen nicht nur von einer exzessiven Einkaufstour, es gibt auch viele Verlage, die Rezensionsexemplare verteilen. Letztendlich wollen die auch gelesen und natürlich rezensiert werden.

Daher kann es passieren, dass nach einer gewissen Zeit die Bloggerinnen sagen, Schluss, bis hierhin und nicht mehr weiter. Ich lese nur noch Bücher, die mir gefallen oder auch Bücher von Autorinnen, die sich korrekt beworben haben.

Mit anderen Worten, Du konkurrierst also mit anderen Autorinnen um die Zeit der Bloggerinnen. Man unfair klingen, aber ist nur logisch. Denn die meisten Bloggerinnen betreiben ihre Blogs nicht des Ruhms oder gar des Geldes wegen (sofern sie überhaupt Geld bekommen). Sie betreiben es als Leidenschaft neben ihrem alltäglichen Leben. Und da haben sie nicht Zeit jedes Buch zu lesen, welches ihnen angeboten wird. Das ist leider ein Fakt.

Doch was können wir Autorinnen tun, um bei unserer Bewerbung erfolgreich zu sein? Darüber hab ich mir heute Gedanken gemacht, wie ich die Sache angehen würde.

Die Suche

Bevor Du eine E-Mail losschickst, um Dein Buch zu bewerben, solltest Du natürlich wissen, welche Blogs überhaupt infrage kommen. Es bringt überhaupt nichts, wenn Du willkürlich Bücherblogs anschreibst, welche gar nicht Dein Genre liest.

Nehmen wir an, Du schreibst einen Thriller. Dann ist es absolute Zeitverschwendung Blogs anzuschreiben, die sich auf Liebesromane oder Fantasy spezialisiert haben. Es mag sein, dass Dein Klappentext und Dein Schreiben so dermaßen interessant klingen, dass sie es probieren werden. Aber viele bleiben ihrem Genre treu und möchten einfach nichts anderes ausprobieren. Und darüber brauchst Du auch erst gar nicht zu diskutieren. Denn die Bloggerinnen sitzen am längeren Hebel.

Daher such Bücherblogs, die Rezensionen geschrieben haben, welche Deinem Genre entsprechen. Gerade auch, wenn Du ein eher Selteneres bedienen möchtest (wie ich zum Beispiel mit Steampunk). Dann schau bei Deinem Genre noch einmal genau hin und überprüf, ob er nicht auch andere Genres bedient, wie zum Beispiel dem Krimi oder dem Liebesroman.

Wenn Du einen Blog gefunden hast, schau auch in deren Linklisten nach. Denn häufig vernetzen sich die Buchlogs untereinander. Und über diese findest Du dann weitere Bücherblogs, die Dich vielleicht interessieren könnten.

Vielleicht magst Du Dir auch eine Excel- oder Word-Tabelle anlegen, in denen Du die wichtigsten Eckdaten notierst.

Dazu zähle ich den Namen des Blogs, den Namen der Bloggerin, die Mailadresse, welche Genres dort gelesen und veröffentlicht werden (markiere auch Dein Genre), wann die Beiträge erscheinen und sonstige für Dich wichtige Informationen.

Übrigens, Du kannst und solltest durchaus anfangen jetzt zu suchen, auch wenn Du noch gar kein Buch veröffentlicht hast. Was Du jetzt schon recherchiert hast, musst Du nachher nicht. Zumal Du dann den nächsten Schritt vornehmen kannst.

Auf Dich aufmerksam machen

Wenn Du Deine Wunschblogs gefunden hast, wird es Zeit, dass Du auf Dich aufmerksam machst. Du willst was von den Bloggerinnen? Kein Problem, dann gib erst einmal etwas. Und zwar Kommentare, Verlinkungen, Likes, was auch immer angesagt ist.

Wie schon erwähnt, am besten fängst Du damit an, wenn Du diesen Beitrag fertig gelesen hast. Mit kommentieren meine ich übrigens nicht nur, dass Du schreibst, toller Beitrag und so weiter. Damit meine ich, dass Du Dich mit dem Beitrag durchaus auseinandersetzt und auf den Inhalt eingehst. Genauso wie es mit Rezensionen geschehen sollte.

Sicherlich wünschst Du Dir auch eine ausführliche Rezension. Daher ist es durchaus in Ordnung, wenn Du einen ausführlichen Kommentar schreibst. Widme dem Beitrag durchaus einige Minuten und kommentiere ausführlich. Und das bitte von nun an regelmäßig.

Natürlich musst Du nicht jeden Beitrag kommentieren. Gerade, wenn Du nichts zu sagen hast. Aber wenn Du das Bedürfnis hast Dich zu äußern, dann mach es gerne.

Deine Bewerbung

Dann ist es so weit, Dein Buch ist fertig und bereit veröffentlicht zu werden. Schmeiß Deine Marketingmaschinerie an und bewirb Dich rechtzeitig bei Deinen Wunschblogs.

Denn denk bitte daran, ein Buch will natürlich auch gelesen werden, bevor es rezensiert wird. Daher solltest Du durchaus ein paar Wochen vor der Veröffentlichung die Bloggerinnen anschreiben, damit sie auch die Möglichkeit haben, es zu lesen und auf ihre individuelle Art zu besprechen. Manche machen sich nämlich ausführliche Notizen oder haben andere Besonderheiten, mit dem Buch umzugehen.

Bei Stehlblüten hab ich ein Media-Kit entdeckt und überlege mir, ebenfalls ein solches zu erstellen.

Was ist ein Media-Kit

Eigentlich ist es eine Zusammenstellung von Informationen, um zu zeigen, dass es sich lohnt, dem Blog ein Rezensionsexemplar zu Verfügung zu stellen (als Beispiel). Denn Verlage oder auch Autorinnen möchte natürlich eine gewisse Reichweite haben, wenn sie kostenfrei ein Buch stellen. Denn so sollen so viele Leserinnen wie nur möglich erreicht werden, damit sich das Buch entsprechend verkauft.

Mit Deinem eigenen Media-Kit könntest Du theoretisch die Buchbloggerinnen kurz und prägnant über Dein Buch informieren. Dazu könnten folgende Elemente gehören:

  • das Cover
  • der Klappentext
  • eine kurze Zusammenfassung der Geschichte
  • Genrezuordnung
  • Seitenzahl / Wortzahl
  • was Du sonst noch liefern würdest
  • Optional (sofern schon vorhanden): Leserinnenstimmen
  • Lektorat und Korrektorat (wichtiger bei SP-Autorinnen)
  • wenn vorhanden: Der Verlag
  • was Dir sonst noch wichtig ist

Zum Cover und Klappentext muss ich sicherlich nichts schreiben. Bei der Zusammenfassung der Geschichte geht es wirklich um eine kurze Übersicht, worum es sich bei der Geschichte handelt, welche Charaktere auftreten und weitere wichtige Informationen. Das darf ausführlicher sein als der Klappentext, aber nicht übertrieben lang.

Bei der Genrezuordnung geht es darum, dass die Bloggerin sofort sehen kann, ob es überhaupt zu ihren Interessen passt. Bei der Seitenzahl (Wortzahl ist optional) denke ich in erster Linie daran, dass Du die Bloggerin informierst, wie lang es ist, damit sie abschätzen kann, wie lang sie fürs Lesen braucht.

Bei dem „Was Du sonst noch liefern würdest“ denke ich an Interviews, Gewinnspiele, Blogtouren und Derartiges. Viele Blogs bestehen nicht nur aus Rezensionen (wie Du sicherlich schon festgestellt hast). Und viele Bloggerinnen möchten durchaus, dass die Autorinnen sich ein wenig mehr einbringen, damit der Buchlog etwas präsentieren kann.

Letztendlich haben beide Seiten etwas davon, weil Du Werbung für Dich machen kannst und dadurch auch neue Leserinnen lockst. Und der Buchblog hat einen weiteren Beitrag, der veröffentlicht werden kann und ebenfalls für sie Werbung bringt. Denn es zeigt, dass die Bloggerin sich auch anderweitig mit dem Thema auseinandersetzt.

Bei den Leserinnenstimmen denke ich eher an Personen, die bekannt sind. Vielleicht hast Du bereits Kontakt zu einer bekannteren Autorin, die Dein Buch gelesen und eine Meinung kundgetan hat. Warum das nicht für Dich verwenden? Das könnte der Bloggerin zeigen, dass es sich doch lohnt, sich mit Deinem Buch auseinanderzusetzen.

Beim Lektorat und Korrektorat lohnt es sich eher, wenn Du als Selfpublisherin auftrittst. Denn viele Bloggerinnen haben immer noch das Vorurteil, dass beim SP jeder Schund veröffentlicht wird. Zeigst Du aber, dass Du Dir professionelle Hilfe geholt hast, könnte es diese Hürde vielleicht sogar abbauen. Immerhin dürfte Deine Geschichte dann nicht vor lauter Rechtschreibfehler überquellen.

Zum Thema Verlag denke ich mal, dass es selbsterklärend ist. Und zum letzten Punkt, es könnte ja sein, dass Dir noch etwas wichtig ist. Dann füge es ein.

Wobei ich empfehlen würde, dass Dein persönliches Media-Kit entweder als Flyer aufgebaut wird oder nicht länger als zwei DIN-A4-Seiten lang ist. Denn immerhin willst Du Deine Bloggerin nicht erschlagen.

Deine Bewerbung

Auch wenn Du ein Media-Kit erstellt hast, reicht es nicht aus, die Datei einfach anzuhängen und einen Dreizeiler zu verfassen. Ein wenig Mühe sollte schon dabei sein. Wenn Du ein Media-Kit erstellst, kannst Du Dich in der Mail auf andere Dinge konzentrieren.

Und hier kommt der Grund, warum Du Dich rechtzeitig bei den Blogs in Form der Kommentare vorstellen könntest, vielleicht sogar solltest. Denn in Deiner E-Mail kannst Du nun schreiben, dass Du schon länger den Blog verfolgst und die Beiträge toll/interessant/kritisch oder was auch immer siehst.

Hast Du unter einem anderen Namen kommentiert, dann erwähne dies auch in Deiner E-Mail, sodass die Bloggerin Dich zuordnen kann.

Das Wichtigste zuerst, schreib bitte nicht als Begrüßung „Hallo Blogger“ oder „Hallo Bloggerin“. Das wirkt unpersönlich und unhöflich. Und vor allem, es zeigt, dass Du Dir wohl gar keine Mühe gemacht hast herauszufinden, mit wem Du es zu tun hast.

Jede Internetseite und jeder Blog muss ein Impressum führen. Wenn Du keine Informationen gesammelt hast, dann solltest Du spätestens jetzt herausfinden, wie der korrekte Name lautet. Dann kopier ihn in Deine E-Mail, falls er doch kompliziert sein sollte. Und kürz bitte auch den Namen nicht ab. Als aus Samira wird bitte keine Sam. Denn Du weißt nicht, ob sie so genannt werden möchte. Nutz also den vollen Namen. Wenn sie Dir anbietet, dass Du sie Sam nennst, ist das etwas anderes.

Danach kannst Du erwähnen, sofern Du es getan hast, dass Du schon länger den Blog folgst und unter einen bestimmten Internetnamen öfters kommentiert hast. Damit baust Du eine ganz andere Bindung zu der Bloggerin auf. Von einer fremden Person wirst Du dann zu einer Art Bekannten. Und ich kann mir gut vorstellen, dass man dann ganz anders reagiert.

Zumindest war es bei mir so. Denn die Autorin Nora Bendzko hat auch zuerst auf meinem Blog einige Beiträge kommentiert. Und dann kam sie privat auf mich zu und fragte, ob ich nicht Lust hätte mit ihr etwas onlinemäßig zu unternehmen. Zuerst eine Beitragsreihe und dann eine Blogtour. Da ich sie schon vorher kannte, hatte ich einen ganz anderen Bezug zu ihr, als wenn sie mich spontan angeschrieben hätte.

Dann stellst Du kurz Dein Buch vor, unabhängig, ob Du ein Media-Kit erstellt hast oder nicht. Wiederhol Dich jedoch nicht nur, biete immer völlig eigene, unabhängige Informationen an. Notfalls kannst Du auf Dein Media-Kit verweisen. Und vor allem auch erklärst Du bitte, warum Du glaubst, dass Dein Buch und ihr Blog zusammenarbeiten könnten.

Wenn Du damit fertig bist, schick notfalls Dein Text durch den Duden Korrektor. Der findet zwar nicht alle Fehler, aber die gröbsten. Und das ist mehr, als wenn Du einen fehlerhaften Text losschickst.

Wichtig ist auch, ob es einen bestimmten Stichtag gibt, wann Du gerne die Rezension sehen würdest. Meine Empfehlung, gib es als Wunsch an, nie als Bedingung. Denn Du kannst einfach nicht über die Zeit der Bloggerinnen verfügen. Aber wenn sie weiß, wann die Veröffentlichung ist, kann sie für sich entscheiden, ob sie Dein Buch liest und es sogar vorzieht.

Denn trotz allem, viele Bloggerinnen sind durchaus daran interessante Neulinge zu unterstützen. Und das tun sie eben mit einer Rezension.

Ganz wichtig sei noch erwähnt: wie bei einer Bewerbung um eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle solltest Du versuchen immer individuelle Mails zu schreiben. Denn jeder Blog ist individuell und sollte daher auch behandelt werden. Während Du bei einer Stellenbewerbung auf viele Stilmittel achten musst, ist bei dieser Mail doch möglich, lockerer zu sein. Das ist eindeutig der Vorteil.

Aber reine Copy & Paste Mails kommen nicht gut an. Denn das merkt man und die Bloggerinnen bekommen das Gefühl, dass Du einfach nur Blogs ausgesucht, Dich nicht weiter mit ihnen beschäftigst hast und einfach nur anschreibst. Merke Dir, das kann zu Ablehnungen führen.

Es gibt durchaus Teile, die Du kopieren kannst, zum Beispiel die Zusammenfassung zu Deiner Geschichte. Warum solltest Du das Rad immer wieder neu erfinden? Aber das Anschreiben selbst sollte im Idealfall individuell sein.

Und noch ganz wichtig, Du bittest um eine Rezension, niemals um eine Rezession. Mit letzteren können die Buchbloggerinnen Dir nicht dienen.

Überwachung der Bewerbungen

In Deiner Liste, die Du vielleicht erstellt hast, kannst Du nun noch einige Spalten hinzufügen. Die Autorin Tanja Hanika hat in ihrem Schreibratgeber „Arbeitsbuch für Schriftsteller“ eine entsprechende Vorlage eingefügt. Vielleicht ist dies auch für Dich interessant.

Füge das Datum hinein, wann Du Deine Bewerbung losgeschickt hast. Sollte eine Zwischenmeldung kommen in Form von, ich melde mich, kannst Du das ebenfalls vermerken und sobald eine Antwort gekommen ist. Und natürlich, ob überhaupt eine gekommen ist.

Eins ist Fakt, Du kannst Dir noch so viel Mühe geben, es werden nicht alle Antworten. Natürlich könntest Du jetzt sagen, dass dann die Zeit, die Du in dem Blog investiert hast, umsonst war. Und ich antworte, mag sein. Aber die Wahrscheinlichkeit ist höher, wenn Du Zeit investierst, weil Dich die Bloggerinnen kennen.

Auf alle Fälle musst Du herausfinden, was sich für Dich lohnt. Und ob Du dann mit den Blogs, welche Dir nicht geantwortet haben, noch weiter irgendwie zusammenarbeiten möchtest. Auch das musst Du für Dich klären.

Sie hat Ja gesagt

Dann sag ich erst einmal, herzlichen Glückwunsch.

Wenn Deine Wunschbloggerin ja gesagt hat, heißt das natürlich, dass ihr nun einiges gemeinsam klären müsst. Und vor allem, Du musst zuverlässig sein. Das gilt für die Versendung Deines Buches sowie über das ganze Zusatzmaterial, worüber ihr euch dann einigt.

Klär ab, ob Du ein Printbuch senden sollst oder ein E-Book. Und wenn es ein Printbuch sein darf, ob es signiert sein soll. Bei Gewinnspielen gilt auch, welche Bücher zur Verfügung gestellt werden und ob Du noch Zusatzmaterial hast. Dazu zähle ich Autogrammkarten, Lesezeichen und was auch immer Dich als Autorin ausmacht.

Dann besorg die Bücher und schick sie rechtzeitig los. Nur so kannst Du garantieren, dass das Buch rechtzeitig ankommt, von der Bloggerin gelesen, individuell betrachtet und dann die Rezension veröffentlicht wird.

Wenn ihr noch andere Themen abgesprochen habt, dann liegt es an Dir, Dich darum zu kümmern. Soll es ein Interview geben, dann füll die Fragen aus. Hier ein kleiner Tipp: Fragen wiederholen sich immer und immer wieder, das kannst Du nicht verhindern. Versuch aber trotzdem jede Frage individuell zu beantworten.

Denn Deine (zukünftige) Leserinnen wollen etwas über Dich erfahren. Und das bedeutet, dass Du ihnen immer wieder etwas Neues bieten solltest. Immerhin machst Du Werbung für Dich, nutz sie also bitte.

Die Veröffentlichung ist da

Wenn dann Dein Buch rezensiert und veröffentlicht wurde, bist Du natürlich noch nicht entlassen. Je nachdem, was ihr zuvor abgemacht habt, geht es natürlich nun zum Gewinnspiel oder zum Interview und so weiter.

Aber es geht natürlich auch um das Teilen des Beitrages auf allen sozialen Netzwerken, an denen Du teilnimmst. Also Facebook, Twitter, Instagram und so weiter. Es geht darum, dass nicht nur der Buchblog für Dich etwas tut, sondern Du auch für den Buchblog. Also wieder gegenseitige Werbung.

Und klar, ein Danke schön sollte natürlich auch drin sein. Persönlich per E-Mail oder wie ihr beide auch immer Kontakt habt.

Keine Rezension

Ja, das kann auch passieren. Du und Deine Bloggerin habt euch gut verstanden und es sah danach aus, dass sie über Dein Buch was schreiben wird. Und dann passiert es, die Rezension bleibt aus.

Was könnte passiert sein?

Es kann eine Menge geschehen sein. Unter anderem, auch wenn das schwer zu glauben ist, dass ihr schlicht Dein Buch nicht gefallen hat. Und einige entscheiden sich, bevor sie eine negative Rezension schreiben, dass sie gar nichts schreiben.

Bitte merke Dir immer eines, Geschmäcker sind verschieden. Und auch wenn hundert Menschen sagen, dass sie Dein Buch lieben, wird die hundertunderste Person sagen, nein, es ist nicht mein Buch, ich liebe es nicht. Und damit musst Du halt klarkommen. Tut mir leid, das sagen zu müssen. Aber das ist halt ein Fakt.

Wenn die Bloggerin sich ein wenig vor der Wahrheit drückt, sprich sie freundlich an und erkundige Dich, warum es keine Rezension gibt. Und sei fair ihr gegenüber. Denn sie hat wahrscheinlich durchaus Dein Buch gelesen, um sich eine Meinung zu bilden.

Vielleicht könnt ihr euch darauf einigen, dass sie doch eine Rezension schreibt, aber dazu eine neutrale Meinung zum Buch gibt. Dann kann sie auch gerne schreiben, warum es ihr persönlich nicht gefallen hat. Denn denke bitte daran, auch eine negative Rezension kann für Dich gut sein.

Warum?

Viele lesen allein aufgrund einer negativen Rezension doch ein Buch, um zu sehen, ob die Meinung stimmt. Und gelegentlich kann es auch passieren, dass sie ganz anderer Meinung sind und dies auch öffentlich kundtun möchten. Daher lehne eine negative Rezension nicht ab, solange sie offen, ehrlich und fair geschrieben ist.

An die Bloggerinnen

Immer wieder lese ich, dass ihr überlastet seid. Und sicherlich stimmt das auch. Es sind ja nicht nur eure Bücher auf den SuBs, sondern auch viele Verlagsbücher und andere von Autorinnen, die alle darauf warten, dass sie gelesen werden wollen.

Und das ist völlig in Ordnung. Gut, zumindest für die meisten Autorinnen. Wir wissen alle, dass manche ihre gute Kinderstube vergessen und unhöflich werden, wenn es um sie und ihre Babys geht, leider.

Doch leider müsst ihr Bloggerinnen auch an die eigene Nase fassen, was die Höflichkeit betrifft. Nicht alle, glücklicherweise, aber es gibt sie, die unhöflichen Bloggerinnen.

Was meine ich damit?

Immer wieder lese ich von Autorinnen, dass sie nicht wissen, was sie machen sollen. Da haben sie einem Blog ein Rezensionsexemplar als Printversion zur Verfügung gestellt und bekommen einfach keine Antwort, was denn nun mit der Rezension ist.

Der Grund der Verzweiflung ist einfach, es kommt nichts. Es gibt weder eine Rezension noch eine E-Mail, was los ist. Und einige der Autorinnen haben sogar öfters nachgefragt.

Mit anderen Worten, hier wurde ein Buch abgegriffen und es gab keine Rezension dafür. Natürlich sind Bloggerinnen nicht verpflichtet eine Rezension zu liefern, nur weil sie ein Buch geschenkt bekommen haben. Das will ich nicht sagen.

Aber hei, seien wir doch mal ehrlich, eine kurze E-Mail, dass man das Buch nicht öffentlich rezensieren kann oder das es noch dauert, das tut einfach nicht weh. Damit wissen die Autorinnen Bescheid und können sich entsprechend darauf einstellen.

Aber nichts zu schreiben, keine Reaktion zu zeigen, nichts gar nichts, es tut mir leid, das ist aber alles andere als unhöflich.

Und hier noch ein kleiner Hinweis liebe Bloggerinnen. Es heißt, dass ihr sehr gut untereinander vernetzt seid. Und es heißt auch, dass ihr wisst, wenn sich eine Autorin daneben benimmt. Das Gleiche trifft auch auf Autorinnen zu.

Wenn ich erfahren würde, dass ein Buchblog eher Bücher abgreift und nicht rezensiert (und das auch regelmäßig), ganz unter uns, ich würde um den dann einen ganz schön großen Bogen machen.

Wie geschrieben, Du bist zu keinem Zeitpunkt verpflichtet, eine Rezension zu schreiben. Noch nicht einmal Dich zu melden, wenn Du es nicht willst. Aber auf Dauer wäre das eine gute Idee, damit Du weiterhin guten Kontakt zu den Autorinnen behalten kannst. Zudem, es ist einfach höflich.

Daher meine Bitte melde Dich.

Abschlussgedanken

Eigentlich ist es einfach, sich bei den Bücherblogs zu bewerben. Mach Dich vorher sichtbar, danach schreib eine persönliche und individuelle Mail und zu guter Letzt versuch ein wenig Geduld mitzubringen. Wenn Du das berücksichtigst, dürfte es wahrscheinlicher sein, dass es mit Deinem Wunschbuchblog eher klappt.

Natürlich ist dieses Vorgehen keine Garantie, dass es wirklich klappt. Wobei, bei mir funktionierte es. Und letztendlich, was hast Du zu verlieren? Probier es aus und mach Deine eigenen Erfahrungen.

Recherche

Wenn Du mit dem Beitrag fertig bist, such nun nach den korrekten Buchblogs, welche Dich interessieren könnten. Dann notier Dir die wichtigen Informationen, die Du benötigst.

Melde Dich!

Nun geht es darum, dass Du Dich regelmäßig einbringst. Kommentier die Beiträge und schreib Deine offene und ehrliche Meinung dazu. Und wenn Dir ein Beitrag gefällt, teil ihn auch gerne.

Erstell Dein eigenes Media-Kit

Wenn Du daran Interesse hast, erstell nach und nach Dein eigenes Media-Kit. Oder zumindest die Vorlage. Dann kannst Du es nach und nach füllen, wenn es so weit ist.

Bewirb Dich

Wenn es so weit ist, trau Dich und melde Dich bei den Bloggerinnen. Viel Erfolg!

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Wer hat Angst vorm gendern?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

seit Jahren geht eine regelrechte panische Angst umher, welche die Seelen der Menschen erfasst und manche regelrecht erstarren lässt, das Binnen-I. Oder anders ausgedrückt, eine gegenderte Sprache.

Kurze Vorgedanken

In der Zeitschrift „Federwelt“ Nummer 123 gab es eine pro und contra Seite zu dem Thema „Gendern – Ja oder Nein?„. Hier durften sich Sandra Ushtrin und Andreas Eschbach äußern. Und Nike Leonhard hat die Beiträge sehr genau unter die Lupe genommen.

Doch ist gendern wirklich gerechter, als die aktuelle Sprache? Und wie könnte man das überhaupt angehen? Darüber möchte ich mir heute Gedanken machen. Dabei gehe ich auf die Frage ein, was gendern überhaupt ist, wieso es vielleicht doch wichtig sein könnte und wie man es in der Praxis anwenden kann.

Was ist jetzt gendern?

Ursprünglich hatte das gendern nichts mit der Sprache, sondern eher mit der Biologie bzw. der Medizin zu tun gehabt. Zwischenzeitlich wird es schon fast inflationär für alles verwendet, bei denen es um weiblich, männlich oder auch sächlich geht.

Die sogenannte Gendermedizin ist ungemein wichtig. Denn der weibliche und der männliche Körper sind unterschiedlich und benötigen daher unterschiedliche Medikamente. Aber auch Reaktionen auf Krankheiten zeigen sich unterschiedlich (vielleicht ist das bekannteste Beispiel immer noch der Herzinfarkt, der sich bei Männern und Frauen unterschiedlich ankündigt).

Das wird erst in den letzten Jahren so nach und nach anerkannt, um die korrekten Behandlungen durchführen zu können. Aber noch nicht von allen.

Im Zusammenhang dieses Beitrages geht es um die Sprache. Wenn Du meine Beiträge ein wenig länger verfolgst, wirst Du sicherlich schon gesehen haben, dass ich nicht über Autoren, sondern über AutorInnen schreibe. Das bedeutet, ich gendere die Sprache.

Dabei könnte ich auch über Autoren und Autorinnen bzw. über Autorinnen und Autoren schreiben, oder auch über Autor*innen. Das ist egal. Der Hauptaugenmerk in der gegenderten Sprache ist, dass die weibliche Bezeichnung in irgendeiner Art und Weise aufgeführt wird.

Warum ist jetzt gendern so wichtig?

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ist gendern überhaupt wichtig? Und wenn ja, warum? Gleich eines vorneweg, ich halt gendern für extrem wichtig. Daher kann es sein, dass der Beitrag ein wenig tendenziös ist.

„Sag mal, wo ist denn der Klempner?“

„Keine Ahnung, ich glaub runtergegangen, um etwas zu holen.“

„Das Wasser läuft und läuft und läuft. Hoffentlich kommt sie schnell wieder.“

Jetzt mal ganz ehrlich, also Du von dem Klempner gelesen hast, was ist in Deinem Kopf vorgegangen? Natürlich ist die Klempnerei (noch) traditionell ein Männerberuf. Das ist und die Bezeichnung Klempner dürfte sehr wahrscheinlich dafür gesorgt haben, dass bei Dir sich das Bild eines Mannes geformt hat, oder?

Vielleicht hast Du auch das Sie überlesen (daher hab ich es fett hervorgehoben), weil Dein Gehirn der festen Überzeugung ist, der Klempner ist ein Mann. Das ich Dein „faules“ Gehirn (ich beziehe mich hier auf das Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahnemann) dazu zwinge, nun umzudenken, dürfte ihn nicht sonderlich gefallen.

Das ist auch eine der Gründe, warum ich gendern durchaus für wichtig halte. Die Welt besteht aus circa 50 Prozent Frauen (je nach Studie ist das unterschiedlich). Doch wenn wir uns die Sprache anschauen (wobei ich mich hier auf die deutsche Sprache konzentriere, da ich mit ihr aufgewachsen bin), scheint es teilweise gar keine Frauen zu existieren.

In meiner Mittelstufenzeit erklärte mir meine Französischlehrerin, dass die französische Sprache sehr sexistisch sei. Da können eine Million Frauen auf einem Haufen sein, befindet sich dort ein männlicher Hund, ist die Gruppe automatisch männlich. Und in meiner ersten Arbeitsstelle hab ich etwas Ähnliches am eigenen Leib erlebt.

Wir waren eine Arbeitsgruppe aus sieben Frauen und einem Mann. Und obwohl ich schon damals versucht habe, die weibliche und männliche Bezeichnung zu verwenden, rutschte mir eine rein weibliche Benennung für unsere Arbeitsgruppe heraus. Da kommentierte eine Kollegin, dass ich doch nicht so diskriminierend gegenüber unserem einzigen Mann sein soll. Immerhin soll er ja nicht unsichtbar sein. Das aber durch die rein männliche Bezeichnung gleich sieben Frauen unsichtbar werden, das war völlig in Ordnung.

Gendern macht sichtbar. Und zwar eine ganze Hälfte der Menschheit.

Sichtbarkeit? Wir haben doch die Gleichberechtigung

Von einer kompletten Gleichberechtigung sind wir noch sehr weit entfernt. Damit meine ich nicht nur eine ungleiche Bezahlung, sondern auch die Tatsache, dass Frauen für die gleichen Produkte mehr bezahlen als Männer (Einwegrasierer zum Beispiel sind für Frauen teurer, weil sie pink sind).

Wenn ich Frauen nicht anspreche, dann existieren sie irgendwo nicht in meiner Welt. Und wenn sie dort nicht existieren, dann kann ich sie auch ganz leicht ignorieren. Das bedeutet, wenn ich sie ignoriere, kann ich ihnen, über kurz oder lang, auch die Rechte verwehren, auf die sie ein Anrecht haben.

Stell Dir mal folgende Situation bitte vor: Du bist auf einer Party und einer der Gäste macht Witze, sagen wir mal, über Türken, Araber oder Afrodeutsche. Die gehen wirklich tief unter die Gürtellinie (was viele trotzdem lustig finden). Auf einmal meldet sich einer der Gäste und sagt, ich bin TürKin, AraberIn oder Afrodeutsche. Was passiert jetzt?

Einige werden sicherlich sagen, dass das nicht so gemeint ist, andere werden auf ihr Recht pochen Witze machen zu dürfen, wie es ihnen gefällt. Und die Dritten werden sich schämen, weil sie sich bewusst geworden sind, dass es diese Gruppen tatsächlich gibt (um es überspitzt auszudrücken).

Solange die Gruppen, über die in meinem Beispiel Witze gemacht wurden, nicht anwesend sind, kann ich sie ignorieren. Denn ich sehe sie nicht und nehme sie nicht so wahr, wie sie es verdient haben. Muss ich sie aber sprachlich benennen, sieht das Ganze schon anders aus. Damit rücken sie in meinem Bewusstsein und ich nehme sie wahr. Und kann dann nicht mehr so leicht über ihre Köpfe hinweg entscheiden.

Denn die angeblich so neutrale Sprache birgt durchaus einige Risiken. Vor Jahren las ich in einem Blog (der leider nie wirklich geführt wurde) einen durchaus interessanten Artikel (von den paar, die veröffentlicht wurden). Es ging um die Schweizer Garde.

Sie erklärte, wenn Frauen immer und überall mitgemeint seien, dann doch auch in der Schweizer Garde. Dass es sich hierbei um einen reinen Männerverein handelt, das erwähne ich einfach nur. Wie kann ich dann als Frau immer und überall mitgemeint sein?

Wobei ich es noch schlimmer finde, wenn die rein männliche Form in Büchern oder anderen Medien verwendet wird, die sich rein an Frauen richtet. So habe ich vor Jahren das Buch „Die Kraft einer Frau“ (kein Affiliate Link) von Louise Hay und von Barbara G. WalkerDie spirituellen Rituale der Frauen“ (ebenfalls kein Affiliate Link) gelesen.

Wie sind uns doch sicherlich einig, wenn in dem Titel Frau erwähnt wird, dass wir durchaus davon ausgehen können, dass der Inhalt sich an eine Frau richtet, oder? Gut, dem ist so. Aber können wir uns vielleicht darauf einigen, dass dann auch die weiblichen Bezeichnungen verwendet werden? Denn scheinbar konnten die ÜbersetzerInnen es nicht ertragen, dass die Männer überhaupt nicht erwähnt wurden. Es wurden durchgehend die männlichen Bezeichnungen verwendet.

Wenn aber die männlichen Bezeichnungen so neutral sind, dann frag ich mich Folgendes: In so gut wie jedem Sachbuch (und ich lese sehr viele) wir erwähnt, dass mit der eigentlich ach so neutralen Sprache doch Frauen auch mitgemeint sind. Warum sollte ich das dann erwähnen? Erwähne ich etwas, muss mit diesem Etwas nicht stimmen. Ansonsten würde ich doch kein Bedarf sehen, etwas zu schreiben oder nicht zu schreiben. Dementsprechend sind sich diese AutorInnen durchaus bewusst, dass etwas da nicht stimmen kann.

Wobei die Peinlichkeit dann erreicht wird, wenn eine Autorin in einem Buch erklärt, dass sie deswegen die rein männliche Bezeichnung, weil sie als Frau nicht sexistisch sein kann. Doch, auch Frauen können sexistisch sein.

Aber das ändert doch nichts

Es stimmt. Mit einer gegenderten Sprache retten wir nicht die Welt, beschützen nicht die Witwen oder Waisen oder bewahren die Buckelwale vor dem Ertrinken.

Aber wie oben schon erwähnt, wenn wir Frauen sichtbar machen, dann ist das durchaus schon einmal ein gewaltiger Schritt. Danach (bzw. gleichzeitig) können wir auch alle anderen Dinge angehen. Aber wichtig ist eben, wir müssen sichtbar machen, wo es nur geht. Und zwar nicht nur Frauen, aber auch.

Daher finde ich es selbst wichtig, dass wir hier einen Anfang machen.

Vorschläge wie man gendern kann

Es mag sein, dass meine Vorschläge nicht elegant sind. Aber für den Anfang durchaus praktikabel. Daher kann man sie gerne anwenden und sich dann nach und nach überlegen, wie man es besser hinbekommt.

Einzelpersonen

Wenn Du in einer Geschichte über eine einzelne Frau schreibst, warum solltest Du sie nicht als solche bezeichnen? Dann ist sie nicht Rechtsanwalt Heike Frau, sondern Rechtsanwältin Heike Frau. So bist Du als Frau auch kein Autor, sondern eine Autorin.

Eigentlich sollte man meinen, dass es sehr einfach ist. Und doch scheitern schon hier sehr viele. Denn häufig höre ich, wenn über Frauen oder Mädchen gesprochen wird, dass sie trotzdem mit den männlichen Bezeichnungen angesprochen werden. Zum Beispiel Vegetarier oder Rechtsanwalt und so weiter.

Daher kann ich nur empfehlen, wenn es um Mädchen oder Frauen geht, dann schreib die Bezeichnungen für sie auch als solche. Sie sind weiblich, basta.

Frauengruppen

Wenn wir über Gruppen sprechen, die zu einhundert Prozent aus Frauen bestehen, warum dann darüber nachdenken, aus ihnen eine Männergruppe zu machen. Wohlgemerkt, es sind nur Frauen in dieser Gruppe. Von Gemischten schreibe ich hier noch nicht.

In der Tat hab ich in einem Roman gelesen, dass eine reine Frauengruppe zu einer Männergruppe umwandelt wurde. Und ja, auch aus einzelnen Frauen wurden auf einmal Männer. Lag sicherlich nur an der Übersetzung, aber da sieht man, dass es hier auch zu Problemen kommen kann.

Wenn Du also in Deinem Roman über eine reine Frauengruppe schreibst, dann bezeichne sie auch als solche. So sind sie Soldatinnen, Jägerinnen oder Autorinnen.

Gemischte Gruppen

Zugegeben, über gemischte Gruppen in Sachbüchern zu schreiben ist einfach. Die Autorin Irene Fleiß hat in ihren beiden Büchern „Als alle Menschen Schwestern waren“ das einfach gehandhabt. Bei einer etwa gleichen Verteilung von Frauen und Männer verwendete sie das Binnen-I. Überwogen die Frauen, benutzte sie nur die weibliche Form, bei Männern eben die männliche Form.

Mir ist bewusst, dass das in Romanen nicht so einfach ist. Wenn dort auf einmal von SoldatInnen oder JägerInnen zu lesen ist, dann kann das durchaus verwirren. Und noch sind viele LeserInnen sicherlich nicht bereit, sich auf solch ein Experiment einzulassen. Was aber nicht bedeutet, dass man es nicht doch versuchen kann oder gar sollte.

Daher hier in der Tat ein reiner Vorschlag. Wie wäre es, wenn Du versuchst, die Mehrzahl der Personen in der Gruppe zu berücksichtigen. Also, wenn es mehr Frauen gibt, dann ist die Gruppe weiblich. Und bei Männern ist sie eben männlich. In einem kurzen Vorwort könntest Du die Wahl der Bezeichnungen erklären. Oder Du verwendest immer die weibliche und die männliche Bezeichnung, also Autorinnen und Autoren.

In Deiner ersten Fassung kannst Du das gerne ausprobieren. Immerhin sieht das ja noch niemand. Und das könntest Du Deinen BetaleserInnen geben, damit sie sehen, wie gut oder wie schlecht es sie liest. Kleiner Hinweis, kritische Personen wären hier natürlich wünschenswert.

Dass es noch keine ideale Lösung ist, weiß ich. Aber ein Anfang ist es allemal.

Weder weiblich, noch männlich

Es gibt auch Menschen, deren Geschlecht als binär, intersexuel oder mit anderen Bezeichnungen definiert wird. Und zugegeben, hier bin ich mir noch nicht sicher, wie man sie sprachlich sichtbar machen könnte. Dass man es hingegen machen sollte, da bin ich mir durchaus sicher. Dabei ist es mir egal, ob sie auch nur einen unbedeutenden Prozentsatz der Weltbevölkerung ausmachen. Sie sind da und das reicht mir als Erklärung aus.

Wenn Du also einen Lösungsvorschlag für mich hast, ich freue mich von Dir zu hören.

Abschlussgedanken

Mir ist bewusst, dass dieser Beitrag vielen (mal wieder) nicht gefallen wird. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es wichtig ist, darüber zu reden, zu schreiben, nachzudenken. In vielen Beiträgen lese ich immer wieder, dass Menschen der Meinung sind, dass die männlich geprägte Sprache doch die neutrale Sprache sei. Warum werden aber dann Männer angesprochen? Neutral wäre der Gebrauch der sächlichen Bezeichnungen.

Bei manchen hab ich sogar das Gefühl, das sie regelrechte Ängste durchstehen müssen, wenn man Frauen mitmeint. Nein, ihr müsst keine Angst haben. Männer werden nicht unsichtbar, nur weil Frauen sichtbar sind.

Aus diesem Grund werde ich aber radikal. Da die meisten AutorInnen die ich kenne, eigentlich Autorinnen sind und die meisten KommentatorInnen eigentlich Kommentatorinnen sind, benutze ich von nun an, die weibliche Form. Das macht es definitiv einfacher die Beiträge zu schreiben und ich spreche damit die Hauptgruppe meiner Leserinnen an. Aber keine Sorge meine Herren, ihr seit immer und überall mitgemeint.

Wie sieht es in Büchern aus?

Sicherlich liest Du gerade ein Buch. Wie sieht es da, mit dem gendern aus? Wird darauf Rücksicht genommen oder ist es doch eher so, dass die angeblich so neutrale Sprache verwendet wurde? Was sind Deine Erfahrungen?

Eine Probe

Wenn Du gerade an einer Geschichte oder an einem Sachbuch schreibst, probier doch einfach mal die neutrale Sprache aus. Wie liest es sich? Könntest Du es so verwenden? Oder gar besser machen? Schick das mal an eine Kollegin? Was sagt sie darüber?

Laut und Luise: der Blog von Luise F. Pusch, einer feministischen Linguistin. Dort bekommst Du Glossen, die zumindest mich immer wieder zum Denken anregen. Viele der Glossen findest Du zwischenzeitlich auch in ihren Büchern.
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Wie kann ich eine (gute) Sex-Szene schreiben?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

zu einem guten Liebesroman gehört für viele, dass dort auch gute erotische Szenen zu finden sind. Doch viele AutorInnen stehen mit ihren Charakteren vor der Schlafzimmertür und wollen, dass die Figuren reingehen und loslegen. Aber sie wissen nicht wie.

Kurze Vorgedanken

In einem Kommentar bat Andrea mich darum, ob ich nicht darüber bloggen könnte, wie man gute erotische Szenen schreiben könnte. Klar, denn das Thema lag mir durchaus schon länger am Herzen.

Gerade in einer Zeit, in denen es scheinbar gang und gäbe ist, dass sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Stalking und ähnliche Straftatbestände in Romanen vorkommen, als wäre das romantisch. Und an dieser Stelle kann ich Dir schon einmal garantieren, Tipps, wie Du solche Romane schreiben kannst, findest Du hier nicht.

Ansonsten möchte ich Dir erst einmal allgemeine Tipps geben, was Du beachten kannst. Dann Hinweise zur Vorbereitung des Schreibens einer erotischen Szene. Und dann zu guter Letzt noch, was Du beim Schreiben direkt beachten kannst bzw. solltest.

Allgemeine Hinweise zum schreiben von erotischen Szenen

Gute Charaktere

Wie bei jedem guten Roman wäre es auch bei einem erotischen Liebesroman schön, wenn Du mit runden Charakteren schreibst. Was ich damit meine? Dass sie sowohl Stärken, als auch Schwächen haben. Je mehr Du über die Charaktere weißt, desto besser kannst Du den Plot planen und zudem auch besser schreiben.

Und je tiefer Deine Charaktere gehen, desto glaubwürdiger werden sie am Ende sein. Da ich dazu bereits den einen oder anderen Beitrag geschrieben habe, werde ich mich hier nicht weiter dazu auslassen. Am Ende dieses Beitrages findest Du einige Verlinkungen dazu.

Sexuell aktive Charaktere

Jede Geschichte steht und fällt mit den Charakteren. Auch wenn das für viele selbstverständlich scheint, so wird das nicht immer angewandt. Wenn Du zum Beispiel einen Krimi schreiben willst, brauchst Du mindestens einen Charakter, der einen Mord begeht und einen Charakter, welcher dann ermittelt. Ansonsten klappt das mit dem Krimi nicht. Und natürlich gilt das auch für einen erotischen Roman. Hier brauchst Du mindestens zwei Charaktere, die Sex haben wollen (gut, mindestens einen Charakter, der selbst Spaß mit sich hat, aber das wäre dann wohl kein klassischer, erotischer Roman).

Wenn Du also über einen Charakter schreiben möchtest, der asexuell ist und sich zudem vor dem Austausch von Körperflüssigkeiten (beim Küssen und Geschlechtsverkehr zum Beispiel) regelrecht ekelt, dann wird es für Dich schwierig, sie oder ihn ins Bett zu kriegen. Klar, auch solch eine Person kann Sex haben. Sogar ihren Spaß daran finden. Doch das musst Du sehr gut darstellen, wie die Figur ihre persönlichen Ansichten ändert. Wenn Du nur schreibst, die beiden haben nun Sex, wirkt das, gelinde gesagt, nicht überzeugend. Und damit verärgerst Du wohlmöglich einige Deiner LeserInnen.

Das gilt auch für Charaktere, die eigentlich kaum, bis gar keine sexuellen Erfahrungen haben. Inwiefern können gerade solche Figuren zu kleinen SexheldInnen werden? Besonders dann, wenn sie keine Ahnung haben, was sie selbst wollen oder eben auch nicht wollen?

Natürlich kannst Du auch jungfräuliche Charaktere in Deine Geschichte schicken. Das will ich nicht sagen. Aber sie sollten zumindest für eine sexuelle Beziehung offen sein. Denn häufig lese ich Liebesromane mit erotischen Teilen, in denen zumeist die Frau eine Jungfrau ist und gelegentlich noch nicht einmal weiß, wie man Orgasmus buchstabiert.

Versuch daher Charaktere zu erschaffen, die zumindest Interesse an Sex und sexuelle Praktiken haben. Damit gewinnst Du dann überzeugende Figuren, denen man abkauft, dass sie wirklich das, was sie im Schlafzimmer (oder wo auch immer) tun, auch wirklich wollen.

Denn wollen Deine Charaktere wirklich Sex, brauchst Du Dir keine wirklichen Gedanken machen, wie Du sie dazu bringen sollst. Vor zwei Jahren wollte ich gerne einen erotischen Roman schreiben. Am Ende gab es keine einzige Sexszene, weil sich die Charaktere dazu geweigert hatten. Sie waren einfach nicht auf Sex aus. Und dazu zwingen konnte ich sie nicht, weil das nicht ihrem Typ entsprochen hätte.

Bitte keine Vergewaltigungsszenen

Was auch immer gerade los ist, aber aus mir unbekannten, und vor allem, unerklärlichen Gründen sind manche AutorInnen der Meinung, eine Vergewaltigung sei wirklich romantisch.

Daher möchte ich persönlich eines klarstellen: es ist nichts Romantisches dabei einen Charakter (dabei ist es egal, ob diese weiblich oder männlich ist, auch wenn die Betroffenen weitgehend weiblich sind) zu stalken, sie zu bevormunden, ihr Leben zu überwachen, Befehle zu geben, die gegen ihre Persönlichkeit gehen, ihr Freundschaften oder Kontakte zu verbieten, ihr den Job vorzuschreiben, sexuelle Gewalt aufzudrücken oder eben zu vergewaltigen.

Doch genau diese Punkte habe ich in einigen Rezensionen zu Büchern gefunden, die von den Verlagen (und auch von SelfpublisherInnen) Highlight der Saison angepriesen werden. Was bitte schön ist daran hipp, ein Highlight oder Sonstiges?

Dazu möchte ich mich nicht weiter auslassen, da ich dazu mich schon ausführlich geäußert. Aber ich bitte Dich höflichst, schreib keine Vergewaltigungsszenen. Sex schreiben ist schon schwierig genug. Dann die seelischen Reaktionen darauf sind dann ein eigenes Thema.

Mir ist jedoch bewusst, dass für viele Frauen Vergewaltigungsfantasien durchaus wichtig sind. Natürlich sind sich diese Frauen bewusst, dass es eben nur Fantasien sind und niemand das im realen Leben erleben wollen. Aber sie sind da. Und wir können uns gerne darüber unterhalten, woher sie kommen.

Wenn Du dieses Thema also in Deiner Geschichte aufgreifen möchtest, dann ist das in Ordnung. Aber es wäre wirklich schön, wenn Du dann auch wirklich schreibst, dass es eben nur Fantasien sind. Geschieht dies aber in der Realität, wäre es schön, wenn Du Deinen Charakteren erlaubst, dies zu verurteilen.

Wenn Du mit dem Thema differenzierter umgehst, dann ist das in Ordnung. Wenn nicht, dann … ???

Wie schreibe ich nun Erotik – die Vorbereitung?

Es gibt mehrere Schritte, um einen erotischen Roman zu schreiben. Auf diese möchte ich erst an dieser Stelle dann nach und nach eingehen.

Schritt 1: Womit fühlst Du Dich am wohlsten?

Dieser Ratschlag gilt für alle Geschichten, die Du in Deinem Leben jemals schreiben möchtest. Wenn Du Dich beim Schreiben nicht wohlfühlst, dann läuft etwas schief.

Einige haben Probleme damit, wenn sie jemanden in ihrer Geschichte brutal abschlachten wollen oder die Charaktere eben intim werden sollen. Dann können selbst die talentiertesten AutorInnen auf einmal eine Schreibblockade erleben.

Wenn Du Dich also absolut unwohl bei dem Gedanken fühlst, über den Geschlechtsverkehr zu schreiben, dann gibt es nur einen Ratschlag, lass es. Denn auf Dauer werden es Deine LeserInnen merken, wenn Du mit der Erotik Probleme hast, es aber krampfhaft versuchst, eine Sexszene zu schreiben.

Das gilt auch, wenn Du zwar erotische Szenen schreiben kannst, aber Probleme mit bestimmten Untergenres hast. Es mag sein, dass aktuell BDSM seinen Reiz hat. Wenn Du aber nicht darüber schreiben kannst, wie zwei sich den Hintern versohlen, lass es einfach.

Schritt 2: Lass Deine Charaktere über die Intimität entscheiden

Natürlich ist dieser Punkt ein wenig schwer einzuhalten. Denn willst Du in einem Publikationsverlag erscheinen, kann es sein, dass sie in die Anzahl und in die Intensität Deiner erotischen Szenen sich einmischen.

Trotzdem solltest Du Deine Charaktere handeln lassen. Wenn Du sie gut angelegt hast (also auch eine erotische Seite haben), dann ist es sehr wahrscheinlich, dass sie dann miteinander ins Bett gehen. Und diese Energie solltest Du einfach fließen lassen.

Misch Dich nicht ein und entscheide Dich, dass nach so und so vielen Seiten die Charaktere Sex haben sollen. Das wirkt befremdlich (und solche Bücher hab ich durchaus gelesen). Lass sie einfach machen, sie wissen schon, was sie tun.

Schritt 3: Gib Deinen LeserInnen, was Du ihnen versprochen hast

Deine LeserInnen investieren in Dich und Deine Geschichte nicht nur wertvolle Lesezeit, sondern auch Geld. Und einige werden Deinen Roman vielleicht sogar rezensieren. Also verwenden sie noch einmal Zeit auf Deine Geschichte.

LeserInnen wollen eigentlich nur, dass Du das Versprechen, dass Du selbst gegeben hast, auch den kompletten Roman hältst. Damit hast Du es in den Händen, ob sie am Ende zufrieden das Buch zuklappen, oder dabei extrem enttäuscht sind.

Doch was bedeutet das?

Wenn Du einen fröhlichen Liebesroman schreibst, dann kannst Du daraus keine Horrorstory am Ende machen. Es sollte durchgehend ein fröhlicher Liebesroman bleiben. Außer Du hast von Anfang an Spuren gelegt, dass es in diese Richtung geht. Schreibst Du einen Horrorroman, dann sollte es dabei bleiben.

Zwar bin ich durchaus dafür, dass Experimente gewagt werden. Doch wenn Du das machst, sorg dafür, dass Deine LeserInnen damit rechnen können, dass die Geschichte nicht durchgehend in einem Stil bleibt. Dann ist die Enttäuschung am Ende nicht so groß, wenn es passiert.

Was das mit der Erotik zu tun hat?

In sofern hat es etwas damit zu tun, dass Du in dem jeweiligen Genre eine andere Art von Erotik aufwarten kannst und solltest. Schreibst Du einen fröhlichen Liebesroman, wirst Du aller Wahrscheinlichkeit keinen schmutzigen Sex schreiben, weil es einfach nicht dazu passt. Anders sieht es bei einem Hard Boiled Krimi.

Und das wissen auch durchaus Deine Leserinnen. Das bedeutet, dass sie eben damit rechnen, dass in einem fröhlichen Liebesroman es erotisch anders zugeht, als in einem anderen Genre. Bleibst Du konsequent, sind sie durchaus glücklich dabei.

Schritt 4: Realistisch ist immer gut

Wenn Du erotische Szenen schreibst, dann kann das manchmal intensiver sein, als viele andere Szenen. Denn gerade hier kann es häufig passieren, dass man Dir als AutorIn vorwirft, dass Du nicht realistisch genug geschrieben hast.

Recherchiere daher, was theoretisch möglich ist und wie der Sexualakt funktioniert. Dann hast Du schon einmal einen ersten wichtigen Schritt getan. Häufig lese ich erotische Szenen auf Twitter (siehe bei den Linktipps unten), bei denen ich mich frage, wie das biologisch überhaupt gehen soll.

Daher schau bitte genau hin, was Du schreibst und ob das möglich ist. Wenn nicht, ändere es einfach.

Schritt 5: Erschaffe ein gemeinsames Bewusstsein

Häufig schüttelte ich in den erotischen Liebesromanen den Kopf. Dass innerhalb weniger Tage ein Bund für die Ewigkeit geschlossen wird, das akzeptiere ich zwischenzeitlich schon. Doch häufig fehlt einfach die Grundlage dafür.

Man sieht sich an und dann war es auch schon. Sie verlieben sich, landen im Bett und dann vor dem Altar.

Lass sie daher gerne immer wieder zusammenkommen, ein Gefühl füreinander entwickeln, sich öfters berühren, sich ansehen, einander näherkommen. Denn selten ist Dein Paar von Anfang an ein Liebespaar. Daher kannst Du über kleine Gesten zeigen, wie sie immer mehr und mehr zusammenwachsen, sodass sie am Ende auch wirklich zusammengehören.

Wenn sie nicht aneinander vorbeileben, sondern miteinander agieren, wirkt das ewige Liebespaar dann um einiges realistischer.

Schritt 6: Nenne die Dinge ruhig beim Namen

Das beste Stück des Mannes oder der Intimbereich der Frau. Wenn Du diese Worte einem Ratgeber verwendest und dort vielleicht noch entspannt wirken mag, ist in einem erotischen Roman eher fehl am Platz. Denn dort wollen Deine LeserInnen durchaus lesen, wie es zur Sache geht. Und da ist es für viele in Ordnung, wenn die Dinge eben direkt beim Namen genannt werden.

Entscheide Dich daher, welche Worte Du benutzen willst und benutze sie. Scheu Dich nicht, diese Worte auch zu schreiben, egal wie es sich anhören mag. In der richtigen Geschichte sind es auch die richtigen Worte.

Schritt 7: Verwende die richtigen Wörter

In einem Ratgeber habe ich mal gelesen, dass im angloamerikanischen Raum scheinbar für das beste Stück des Mannes unter anderem das Wort „dingadong“ verwendet wird. Ob das stimmt, sei dahin gestellt.

Es kommt immer auf die Geschichte an, welche Worte Du benutzt. Stell Dir mal folgende Szene vor: Ein heißer Mann verführt gerade eine wunderschöne Frau, er zieht sich sein Hemd aus und präsentiert seine wunderbar geformten Muskeln. Er küsst sie immer wieder, um sie heißzumachen. Dann greif er zu seinem Gürtel, um diesen zu öffnen, macht die Hose auf und holt ihn heraus, seinen dingadong.

Spätestens jetzt dürften so einige Deiner LeserInnen unter dem Tisch liegen und lachen. Bei einem Kinderbuch mag das noch gehen, bei einem Erwachsenenbuch eher weniger.

Recherchier daher, welche Worte Du überhaupt verwenden könntest und welche doch eher überholt sind (zum Beispiel Schwert, Prügel, Venusmund). Und dann verwende sie in Deiner Geschichte.

Schritt 8: Bring Dich selbst in Stimmung

Wer eine Kampfszene schreibt, sollte sich in eine kämpferische Stimmung bringen. Wer eine erotische Szene schreiben möchte, darf dies ebenfalls tun. Zumindest habe ich schon öfters die Empfehlung gelesen, dass man das tun sollte, um realistischere Szenen zu schreiben, egal, um was es sich handelt.

Daher gilt auch, wenn Du Dich gerade nicht danach fühlst, eine erotische Szene zu schreiben, dann lass es. Schreib einfach in fetten Buchstaben hin „Insert Sex Scene here – Füge eine Sexszene hier ein“ und schreib weiter, als hätten Deine Charaktere gerade Sex gehabt.

Und wenn Du Dich dann bereit fühlst, kehre zu dieser Szene zurück und leg los.

Schritt 9: Nutze die Geschichte Deiner Charaktere und ihren Erfahrungsschatz

Auch wenn Deine Figuren eine Erfindung aus Deinem Kopf sind, so erschaffst Du für sie einen Hintergrund. Also die Elemente, die vor der ersten Seite Deines Romans geschehen ist. Und dieser Hintergrund hat Einfluss auf die aktuellen Ereignisse.

Aber auch die bisherigen sexuellen Erfahrungen haben Einfluss auf das, was sich die Charaktere wünschen oder eben auch nicht wünschen. Daher solltest Du das alles durchaus in Deine Geschichte einfließen lassen. Und erst recht die sexuellen Erfahrungen oder zumindest die sexuellen Wünsche.

Schritt 10: Eine gute Sexszene ist kein guter Sex

Meistens schreiben AutorInnen darüber, dass die beiden Charaktere nur guten Sex haben. Dabei kommt es jedoch nicht darauf an, dass Deine Charaktere wirklichen guten Sex haben. Das macht eine gute Sexszene nicht aus.

Selbst wenn der Sex selbst für Deine Charaktere in die Hose geht, beschreibe die Szene gut und realistisch, dann ist sie an sich perfekt.

Schritt 11: Weniger ist oft mehr

Es kommt nicht darauf an, möglichst viele Sexszenen unterzubringen, wie das Buch hergibt. Auch nicht darum, zehn, zwölf oder mehr Seiten zu füllen. Auch wenn Du nur eine einzige Sexszene in Deinem Roman schreibst und sie nur eine halbe Seite lang ist, kann sie mehr bringen, als alles andere.

Denn es kommt darauf an, dass Du mit der Sexszene etwas vermittelst. Auch sie soll letztendlich die Geschichte voranbringen und nicht unnötig aufhalten. Daher gib für jede Szene alles, was Dein aktuelles Schreibtalent hergibt, um daraus die beste Szene zu machen, zu der Du aktuell in der Lage bist.

Und das Gleiche machst Du dann bei der nächsten Szene. Aber achte darauf, dass die Szenen perfekt passen und nicht einfach als Lückenfüller dienen.

Schritt 12: Guter Sex rettet keine schlechte Geschichte

Häufig denken AutorInnen, dass sie ihre schlechte Geschichte damit retten, dass sie ihre Charaktere einige Male in die Kiste schicken (oder wohin auch immer). Doch wenn Deine Geschichte schlecht ist oder sie keine gute Grundlage hat, schwache Charaktere oder was auch immer, kann kein Sex der Welt dies retten.

Ganz im Gegenteil, es kann dann sogar noch einmal ordentlich in die Hose gehen, wenn Du zu einer schlechten Geschichte noch einmal versuchst, Erotik einzubauen. So im Sinne von, die Leute werden es lesen, weil es Sex enthält.

Schreiben wir eine erotische Szene – die Vorarbeit

Wie genau darf es denn sein?

Das Wichtigste vorneweg. Eine erotische Szene ist keine Anleitung, wie man überhaupt Sex hat. Häufig hab ich schon gelesen, wie das Pärchen miteinander im Bett ihren Spaß haben, und war am Ende total verwirrt.

Wo war jetzt das Bein des Mannes und wie hat die Frau es geschafft, ihren linken Arm mit dem dritten Bein des siebten Mannes zu verknoten?

Häufig kommt es vor, dass wir ein ganz klares Bild davon haben, wie etwas geschehen soll. Nur leider bleibt dieses Bild im Kopf und wir schaffen es nicht, es aufs Papier zu bringen. Das ist bei erotischen Szenen auch kein Muss.

Sehr häufig kommt der besondere Kick, wenn Du Dinge nur andeutest, sie also umschreibst. In dem Sachbuch „Erotik schreiben“ von Elizabeth Benedict gab es eine erotische Szene, die nur aus einem Dialog bestand. Trotzdem war sie erotischer, als jede Beschreibung, die ich danach gelesen habe.

Recherche und Recherche

Wenn Du Dir nicht sicher bist, wie etwas aussehen könnte, weil Du damit keine Erfahrung hast, dann heißt es Recherche, Recherche und noch mehr Recherche. Dazu zählen einschlägige Sachbücher (also Erotikratgeber), andere erotische Romane oder auch Pornos.

Ja, Du hast richtig gelesen, Pornos.

Und natürlich, ja, über Pornos kann man diskutieren und ich finde sie teilweise mehr als nur grenzwertig. Aber es gibt Produktionen, die unter humanen Bedingungen entstehen und niemand zu Schaden kommt (was man nicht bei allen sagen kann). Welche das sind, kann ich selbst nicht genau sagen. Aber ich vermute, dass alle, die in öffentlichen Onlineshops verkauft werden, durchaus akzeptabel sind.

Aber durch solche Filme kannst Du genau sehen, wie etwas gehandhabt wird, was mit Beschreibungen oder Bilder nicht immer funktioniert. Denn hier siehst Du (mindestens) zwei Personen, die miteinander agieren. Und das kannst Du gerne als Vorbild für Deine Szene verwenden.

Wähle die richtigen Bezeichnungen

Schon oben hab ich erwähnt, dass man die richtigen Worte wählen sollte, um die Geschlechtsteile der Person zu benennen. Manche gehen so weit, dass man jedoch nicht einmal Nippel oder Vagina schreiben soll. Um es mal so auszudrücken, man muss es nicht übertreiben.

Find schöne Bezeichnungen für die Geschlechtsteile, welche nicht klischeehaft klingen und zur Geschichte passen. In einem viktorianischen Umfeld wirst Du wahrscheinlich völlig andere Bezeichnungen verwenden wollen als in einem Paranormal Romance Roman.

Erstell für Dich selbst ein Glossar, welche Wörter Du benutzen möchtest und welche Du sogar schon benutzt hast. In einer Geschichte würde ich Dir empfehlen, dass Du immer dieselben Wörter benutzt. Außer Du lässt einem Charakter sagen, dass sie oder er die Bezeichnung nicht mag. Dann kannst Du das natürlich auch streichen.

Deine Charaktere dürfen gerne Spaß haben

Manchmal hab ich das Gefühl, dass der Sex in den Geschichten eher Pflicht ist, als Spaß. Dabei soll es ja genauso sein. Wenn also Deine Charaktere sich entscheiden ins Bett zu gehen, dann darf auch mal was schief gehen, sie dürfen gerne lachen und eben einfach nur Spaß haben.

Und das ohne das komplette Kama Sutra durchzuarbeiten. Es kann gerne immer die gleiche Technik angewandt werden, solange sie einander näherkommen.

Vorsicht bei den Dialogen

Wenn Du Dir einen Porno anschaust, dann achte Mal auf die Dialoge (sofern welche vorkommen). Notier sie Dir, klebe sie an Dein Monitor und verwenden sie bitte unter keinen Umständen. Denn im normalen Leben und in Romanen spricht niemand wie ein Pornostar, wenn man miteinander Spaß hat.

Die Sinne Deiner Charaktere bestehen mehr als aus Sehen und Hören

Der Mensch hat fünf Sinne (hören, sehen, schmecken, fühlen und riechen). In jeder Szene kannst Du gerne diese fünf Sinne einsetzen. Und das gilt auch für Deine erotische Szene. Wie fühlt es sich an, wenn Dein Charakter die Haut der anderen Person küsst, wie riecht die Umgebung oder wie fühlt sich die Bettdecke an?

Je genauer Du das alles beschreibst, desto eher fühlt man sich in die Szene hinein.

Es gibt auch ein Vorspiel

Wenn Du Dir wirklich Pornos angeguckt hast, dann wirst Du wahrscheinlich merken (und spätestens jetzt hab ich mich wohl geoutet), dass das Thema Vorspiel wenig Zeit gewidmet wird. Meistens kommen sie zusammen und los geht es. Das trifft auch auf sehr viele Romane zu, die ich lesen durfte.

Dabei kann auch das Vorspiel unheimlich romantisch und auch erregend für Deine Charaktere sein. In einem Buch hab ich mal gelesen, dass es sehr viel Druck aus vielen Beziehungen nehmen würde, wenn man sich mehr auf das Vorspiel konzentrieren würde und nicht auf den Orgasmus. Denn Frauen haben weitaus seltener einen, während der Mann fast immer einen bekommt (das sind statische Fakten).

Und wenn das stimmt, dann wäre es zumindest ein Versuch wert im Roman (und auch im realen Leben), mehr Energie und Seiten auf das Vorspiel zu verwenden, als auf den Höhepunkt. Sprich, lass das Vorspiel zum Hauptakt werden und den Orgasmus als schönen Ausklang.

Hei, ein Versuch ist es allemal wert, oder?

Gleitgel, Kondome und so weiter

Es wäre schön, wenn zwei Personen zusammenkommen würden und sie ohne Sorgen einfach Sex haben könnten. Die Realität sieht doch ein wenig anders aus. Gerade beim Analsex ist Gleitgel nicht gerade unwichtig. Und Frauen können, unglaublich aber wahr, beim ungeschützten Sex schwanger werden. Zudem können beide Seiten ÜberträgerInnen von Geschlechtskrankheiten sein.

Natürlich kommt es darauf an, in welchem Jahrhundert Deine Geschichte spielt. In einem historischen oder futuristischen Roman könnte das HI-Virus keine Rolle spielen. Spielt er aber in der Gegenwart, ist es durchaus ein Thema.

Schwangerschaften sind immer ein Thema (außer bei homosexuellen Charakteren) oder Geschlechtskrankheiten. Berücksichtige dies bitte und denk darüber nach, wie Deine Charaktere sich schützen. Natürlich können sie auch überstürzt in ein sexuelles Abenteuer rutschen. Aber spätestens am nächsten Morgen ist es Zeit sich darüber Gedanken zu machen, was sie getan haben.

Der Mythos vom gemeinsamen Orgasmus

Die Romancharaktere müssen eigentlich Übermenschen sein. Denn so gut wie jedes Mal, wenn ich eine erotische Szene lese, dann kommen Heldin und Held entweder gemeinsam oder sehr zeitnah zum Höhepunkt.

Wie oben schon erwähnt, kann es passieren, dass Frauen überhaupt nicht zum Höhepunkt kommen. Und ja, auch Männer müssen nicht immer einen Orgasmus haben. Zwar passiert dies eher seltener, kann aber durchaus geschehen.

Erkundige Dich daher (sofern Du keine eigenen Erfahrungen mitbringst), wie weit beide Orgasmen durchschnittlich auseinanderliegen. Und dann kannst Du es auch gerne für Deine Geschichte verwenden.

Ob das stimmt oder nicht, kann ich nicht sagen, aber der Grund, warum Frauen länger brauchen, um stimuliert zu werden, soll ein biologischer, historischer sein. Denn, wenn ein Mann sich bemüht, eine Frau zufriedenzustellen, soll sie wissen, dass er sich auch gut um die Kinder kümmern wird.

Das abgeschaltete Gehirn

Es gibt wohl das Gerücht, dass Menschen während des Sex entweder nur an die andere Person denken oder gar nicht mehr in der Lage sind, an etwas zu denken. Dabei sind Menschen durchaus in der Lage, auch während des besten Sexes an den nächsten Einkauf zu denken.

Natürlich kann man darüber diskutieren, dass das in einem erotischen Liebesroman total unromantisch ist, aber darüber solltest Du Dir bewusst sein. Menschen denken während des Sexes auch an andere Dinge. Sogar wohl sehr häufig.

Je nachdem also, was für eine Geschichte Du schreibst, kannst Du dieses Thema auch gerne aufgreifen und zum Teil Deiner Geschichte machen. Zumindest wird es nicht kitschig romantisch, wenn Deine Heldin oder der Held an den nächsten Einkauf denken.

Üben, üben, üben

Gerne auch in der Realität mit Deinem Schatz, hier meine ich aber das Schreiben solcher Szenen. Die ersten erotischen Szenen werden garantiert holprig und einfach nur schlecht sein. Das liegt wohl auch daran, dass viele trotz allem Hemmungen haben, das zu schreiben. Denn Sex ist etwas, worüber man nicht spricht.

Auch wenn wir durchaus anders erzogen wurden, so hängt das vielen irgendwie immer noch im Ohr. Daher haben einige erst einmal große Hemmungen darüber zu schreiben. Das ist auch völlig normal. Daher üb einfach immer und immer wieder. Irgendwann, sofern Du es wirklich willst, wird es Dir sehr leicht von der Hand kommen. Und Du wirst locker darüber schreiben können.

Deine Charaktere müssen keinen Sex haben

Es scheint, dass die Charaktere immer und zu jeder Zeit spitz sind, also Lust auf Sex haben. In der Realität haben Frauen Migräne (um einmal ganz tief in die Klischeekiste zu greifen), doch nie in den Romanen. Auch Männer scheinen dauerpotent zu sein.

Du kannst also auch jederzeit Deine Charaktere erlauben, dass sie sich gegen den Sex entscheiden.

Jetzt aber … wie schreib ich denn eine erotische Szene?

Der Sex muss zur Geschichte passen

In einem paranormalen Roman hab ich mal gelesen, dass die Charaktere an einem bestimmten Ort waren und auf einmal ein Zauber ausgelöst wurde. An die Szene erinnere ich mich besonders, weil die Hauptfigur mit einem der Männer mitten im Wald und an der Seite ihrer GefährtInnen Sex hatte. Das wirkte so dermaßen unglaubwürdig, dass mir schon ganz schwindelig wurde.

Daher hier der wichtigste Ratschlag, den ich nur geben kann. Bitte, bitte sorge dafür, dass der Sex auch wirklich zur Geschichte passt. Wenn die Situation gerade einfach nicht passt, dann passt sie einfach nicht. Da müssen die Charaktere auch keinen Sex haben.

Das könnte auch sein, dass die Charaktere in einem Lagerhaus gefangen sind (um ein weiteres Beispiel zu nennen). Was tun sie dort? Sehr wahrscheinlich werden sie alles tun, um von dort zu fliehen. Tun sie das, wirken sie durchaus realistisch als Charaktere. Wenn sie aber auch nach Stunden auf einmal übereinander herfallen, würde ich mich fragen, ob die Figuren noch alle Tassen im Schrank haben.

Schau daher bitte genau hin und frag Dich, ist es realistisch, dass sie jetzt Sex haben? Und passt es an dieser Stelle, dass sie Sex haben? Wenn Du beide Fragen mit einem klaren Ja beantworten kannst und die Charaktere es auch wollen, dann leg los. Ansonsten würde ich das durchaus kritisch betrachten.

Notfalls frag einfach andere Personen (AutorInnen wie LeserInnen), wie sie die Szene betrachten. Häufig haben sie einen realistischeren Bezug dazu. Und das kann Dir sehr weiterhelfen.

Zeig Deine Charaktere in Aktion

In einem erotischen Roman geht es um die Charaktere und wie diese Charaktere miteinander Sex haben. Daher ist es wichtig, dass Du genau kennst, wer die Figuren sind und was für einen Hintergrund haben. Das gilt natürlich auch für ihre Erfahrungen im erotischen Bereich.

Das gilt nicht für die pornografischen Geschichten. Dort geht es letztendlich darum, dass eine bestimmte erotische Stellung beschrieben wird, damit die LeserInnen erregt werden. Das darfst Du sogar wortwörtlich nehmen. In den meisten Fällen ist es egal, mit was für Figuren wir es in der Geschichte zu tun haben. Ihre Vergangenheit und ihre persönlichen Vorlieben sind dabei völlig egal. Hauptsache es liest sich gut.

Daher konzentriere Dich nicht darauf, eine bestimmte Sexposition zu zeigen, nur weil Du das gerade ansprechend findest. Sondern finde heraus, was Deine Charaktere wollen und was sie bereit sind, auch wirklich zu tun. Je eher Du das weißt, desto besser wird auch Deine erotische Szene.

Lass Deine Charaktere sprechen – Dialog

Jeder Charakter hat eine eigene Sprache. Und das kannst Du auch in solchen pikanten Szenen gerne ausleben lassen. Lass sie keine unnötigen Pornosprüche sagen (wie oben bereits erwähnt), sondern genau das, was sie wirklich sagen wollen.

Stell Dir vor, es ist ein Dialog unter besonderen Bedingungen. Das bedeutet, dass auch hier alles so realistisch wie nur möglich sein sollte.

Unterschiedliche Szenen

Vor Jahren habe ich mal eine Reihe von Fanfiction zu der Serie Sailor Moon gelesen. Es handelte sich hierbei um Kurzgeschichten zu jeder der Senshis. Das Problem war, dass jede Geschichte fast gleich war, nur ein paar Feinheiten wurden geändert. Langweilig!

Glücklicherweise ist jede Szene in einem Buch individuell. Das trifft leider nicht auf die erotischen Szenen zu. Es gab in der Tat schon ein oder zwei Bücher in meinem Leben, da haben sich die Sexszenen kaum voneinander unterschieden. Gut, in der Wortwahl, aber nicht in der Ausführung.

Es mag sein, dass im realen Leben der Sex immer wieder ähnlich abspielen mag. Aber das ist eben Fiktion. Da lassen sich beide Charaktere (oder über wie viele Du auch immer schreiben magst) etwas einfallen. Du musst ja nicht viele Szenen schreiben. Aber es ist immer gut, wenn sie allesamt unterschiedlich sind. Dann haben Deine LeserInnen etwas, worauf sie sich freuen können.

Du musst nicht alles erwähnen

Manche AutorInnen haben das Gefühl, sie müssen wirklich jeden einzelnen Schweißtropfen erwähnen, der sich beim Sex bildet. Und natürlich darüber hinaus noch jede verlorene Kalorie und Stellung.

Hier die gute Nachricht, nein, musst Du nicht.

Beim Sex haben wir alle unsere eigenen Vorstellungen. Das bedeutet, dass Du auch gerne gewisse Dinge der Fantasie Deiner LeserInnen überlassen kannst. Das gilt für viele Szenen. Und eben insbesondere für Erotische. Beschreib, was notwendig ist. Und den Rest kannst Du über Dialoge klären und letztendlich über die Fantasie Deiner LeserInnen.

Häufig können nämlich erotische Szenen noch ein wenig erotischer werden, wenn Du nicht alles bis ins letzte Detail erläuterst. Dann kann alles um einiges faszinierender werden.

Du hast einen Porno geschrieben

Hier noch eine wichtige Information. Egal wie viel oder wie wenig Sex Du schreibst, Du wirst dafür kritisiert. Schreibst Du zu viel, hast Du einen Porno geschrieben, schreibst Du zu wenig, dann geht es den Leuten nicht weit genug. Vielleicht wird man Dir sogar vorwerfen, dass Du Prüde seist.

Daher kann ich Dir nur noch einmal empfehlen, schreib guten Sex, der sich harmonisch in die Geschichte einfügen lässt, mit Charakteren, die individuell interagieren und gerne Sex haben. Damit bist Du immer noch nicht gefeit, dass man Dich als prüde oder Pornotante bzw. Pornoonkel bezeichnet. Aber die meisten werden dann spüren, dass Du eine harmonische Geschichte geschrieben hast.

Und ich denke, das ist wichtiger.

Abschlussgedanken

Das ist nun ein ziemlich langer Beitrag. Trotzdem meine Frage hat er Dir was gebracht? Oder brauchst Du noch mehr Informationen? Wenn ja, meld Dich kurz. Ansonsten hoffe ich, dass Dir die Vorschläge weiterhelfen, Deine erotische Szene zu schreiben. Und dabei wünsche ich Dir viel Spaß und noch mehr Erfolg.

Eine erotische Szene lesen – und analysieren

Nichts schult besser, als wenn Du erotische Szenen liest und sie analysierst. Wie haben es die anderen AutorInnen vor Dir getan und was kannst Du von ihnen lernen? Welche Worte verwenden sie? Und wie genau sind sie dabei?

Eine Pornogeschichte

Es gibt im Internet oder auch als Buchform diverse Pornogeschichten, die Du legal lesen kannst (aber am besten mit einem sehr aktiven Virenschutz, ich übernehme dafür keine Verantwortung). Lies Dir eine solche Geschichte durch und vergleich die mit der erotischen Szene aus der ersten Übung.

Such nach Ähnlichkeiten, Unterschiede und was Du da mitnehmen kannst.

Schreib die eine oder andere erotische Szene

Nun schreib selbst die eine oder andere erotische Szene. Eine angedeutete Szene, eine Szene, in denen Du wirklich alles beschreibst, eine, die nur aus Dialogen besteht, eine pornografische und so weiter. Je mehr Du übst, desto besser wirst Du.

  • Ein Beitrag einer Erotikautorin über ihre Arbeit und ihre Leserinnen.
  • Disasterotik ist einer der besten Twitteraccounts, die es gibt. Es werden einzelne Szenen oder Sätze aus erotischen Büchern aufgeführt, die, gelinde gesagt, einfach nur wehtun.
    Du kannst den Account lesen, auch wenn Du selbst Twitter nicht für Dich nutzt. Ich würd ihn Dir trotzdem empfehlen zu verfolgen.

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Veröffentlicht unter Erotik, Grundlage | 8 Kommentare

Ohnmachtsanfälle für Deine Charaktere

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vor Jahren habe ich an einem Schreibkurs teilgenommen, indem eine Mitteilnehmerin ihren Charakter in einer Szene hat ohnmächtig werden lassen. Unsere Schreibtrainerin hatte das nicht gut gefunden. Heute mache ich mir Gedanken darüber, ob sie recht hatte oder eben nicht.

Kurze Vorgedanken

Zwar kommt es eher selten vor, aber auch in Filmen können Charaktere aus diversen Gründen ausgeschaltet werden. Das bedeutet, sie sind kurzfristig für den weiteren Verlauf der Geschichte nicht verfügbar. Solche Kniffs können unterschiedliche Gründe haben und vor allem, unterschiedliche Auswirkungen.

Daher möchte ich erst einmal eine Worterklärung anbieten, was ich genau mit den Ohnmachtsanfällen meine. Danach ob sie überhaupt verwendet werden sollten oder nicht. Und natürlich auch wann.

Kurze Begriffsdefinition: Was meine ich mit Ohnmachtsanfällen?

Diesen Begriff hab ich gewählt, weil er einerseits ein wenig reißerisch ist und mir die Arbeit ein wenig erleichtern soll. Da bin ich jetzt ganz ehrlich.

Aber kommen wir dazu, warum ich diesen Begriff gewählt habe. Wenn ein Charakter ausgeschaltet wird, dann ist er für kurze Zeit ohnmächtig. Dabei ist es egal, ob die Nerven überstrapaziert werden oder der Charakter eins mit dem Lattenzaun abbekommen hat.

Würde ich aber jetzt jede Eventualität in diesen Beitrag miteinbeziehen wollen, würden die Sätze zu unmögliche Wortungetüme werden. Daher hab ich für mich beschlossen, aus reiner Einfachheit, nur das Wort Ohnmacht zu verwenden. Damit meine ich aber jegliche Art vom Ausschalten eines Charakters, an die Du jetzt vielleicht gerade denkst.

Denn mir geht es in diesem Beitrag nicht darum, wie Du Deinen Charakter ausschalten könntest, sondern ob es Sinn macht und welche Konsequenzen es mit sich bringt.

Warum sich überhaupt mit diesem Thema beschäftigen?

Es kann passieren, dass man eine Szene schreibt und plötzlich bekommt Dein Held oder Deine Heldin eine Flasche über den Kopf gezogen. Sie oder er fällt dann in Ohnmacht und ist für einige Seiten ausgeschaltet.

Das bedeutet, dass die anderen Charaktere weiterhin an der Geschichte arbeiten können, damit sie vorankommt. Aber Deine ausgeschaltete Figur hingegen nicht. Theoretisch können die anderen Charaktere nun tun und lassen, was auch immer sie wollen. Niemand hält sie jetzt erst einmal auf.

In solchen Szenen könntest Du dann einen anderen Charakter dann davon laufen lassen. Oder einen Einbruch durchführen lassen. Oder was auch immer wichtig ist und nicht dabei gestört werden soll. Weiterhin könnte Dein ohnmächtiger Charakter auch irgendwo hingebracht werden, damit dort die Geschichte weitergeht. Da denke ich an das Geheimversteck des Gegners, um ein Beispiel zu nennen.

Es gibt also durchaus gute Gründe, warum Du Dir durchaus Gedanken darüber machen kannst, ob Du Deinen Charakter kurzfristig aus der Geschichte herausnehmen solltest. Und herausnehmen meine ich, dass sie oder er sich noch vor Ort befindet, aber nicht eingreifen kann.

Zusätzlich kannst Du noch den Druck auf Deinen ohnmächtigen Charakter erhöhen. Zum einen könnte ein weiterer Charakter nun geflohen sein und die ohnmächtige Figur muss nun Energie und Seitenzahl aufwenden, um die andere Person zu finden. Gerade dann interessant, wenn die Zeit drängt.

Oder einem anderen Charakter passiert etwas und Deine ohnmächtige Figur kann das nicht verhindern. Selbstvorwürfe lassen grüßen.

Es gibt also genügend Gründe, um sich mit einer solchen Szene zu beschäftigen.

Wann sollte Dein Charakter nicht ohnmächtig werden?

Wenn Du keine Ahnung hast, wie Du Deinen Charakter von A nach B bringst, diese Figur dann ohnmächtig werden lässt, um sie dann nach B zu bringen. Zwar kann es gut sein, um Deinen Charakter in ein Geheimversteck zu bringen. Aber es kann auch zu viel des Guten werden und es wirkt so, als würdest Du Dich vor einer schwierigen Szene drücken wollen.

Es ist wichtig, dass Dein Charakter dann bei Bewusstsein ist, wenn aktives Handeln vor ihr bzw. ihm gefordert wird. Da einen Ohnmachtsanfall in die Szene zu zaubern, kann eine denklich ungünstige Situation hervorrufen.

Nehmen wir an, Dein Charakter befindet sich in großer Gefahr und muss da heraus. An der Seite ist noch jemand anderes, der Deiner Figur helfen könnte. Wenn es dann brenzlig wird, wird auf einmal Dein Charakter ohnmächtig. Und sobald alles vorbei ist, wacht sie oder er in Sicherheit auf.

Jetzt mal ganz ehrlich würdest Du der Szene oder gar der Geschichte noch glauben und diesem Charakter folgen wollen? Ich persönlich hätte da so meine Probleme.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Geschichte unglaubwürdig sein muss. Nur ich fände es nicht schön, wenn der Charakter so aus der Geschichte gezogen werden würde. Und wenn das dann noch häufiger passiert, ich würde wohl das Buch nicht auf Dauer zu Ende lesen wollen.

Es sollte sich idealerweise also nicht so lesen, als wüsstest Du nicht, wie Du eine Szene auflösen kannst und dann den Ohnmachtsanfall als Ausrede benutzt. Mal ist das durchaus in Ordnung. Aber nicht auf Dauer. Ansonsten könntest Du schnell den Ruf weghaben, dass Du als AutorIn giltst, die gerne Ausreden für ihre Szenen sucht. Und ich persönlich würde diesen Ruf nicht gerne haben wollen, wenn ich ehrlich bin.

Und wann geht so ein Ohnmachtsanfall?

Ganz klar, wenn es der Geschichte dient. So kann es durchaus passen, wenn Dein Charakter ausgeschaltet wird, damit dieser ins Geheimversteck des Gegners oder der Gegnerin gebracht wird. Was dort geschieht, ist dann Deiner Geschichte überlassen.

Der Vorteil dieser Ohnmacht liegt auf der Hand. Dein Charakter weiß nicht unbedingt, wo das Geheimversteck ist. Eine Flucht mag dann möglich sein, ist aber erschwert, weil sie oder er nicht weiß, was alles mitgenommen werden muss und wohin es zum Beispiel zur nächsten Stadt geht. Damit ist es Dir möglich, noch mehr Spannung in Deine Geschichte einzubauen.

Weiterhin können die anderen Charaktere durch die Ohnmacht die Geschichte erst einmal vorantreiben. Vor Kurzem habe ich „Logan – The Wolverine“ gesehen. An dieser Stelle möchte ich nicht zu sehr Spoilern, daher bleibe ich sehr allgemein. Doch in dem Film wurde Logan einige Male bewusstlos. Dadurch konnten die anderen Charaktere weiter machen und Logan in ein Dilemma bringen. Läuft er den anderen Charakteren nach oder zieht er sich aus der Geschichte zurück?

In diesem Fall war es sogar wichtig, dass Logan sein Bewusstsein verlor und daher nicht in die Geschichte eingreifen konnte. Einmal geschah es, als er nichts mehr zur Geschichte beitragen konnte. Und ein anderes Mal durfte er es nicht. Beide Ereignisse waren wichtig für den weiteren Verlauf.

Daher schau Dir Deine Geschichte genau an und überleg Dir, ob in diesem Moment ein Ohnmachtsanfall wirklich angebracht ist oder nicht. Wenn ja, tu es einfach. Zieh Deinem Charakter eine Flasche über den Schädel und schreib weiter. Nur sorg dafür, dass sie oder er dann zurückkommt. Wenn nicht, dann gib Dir Mühe, um aus der Situation herauszukommen. Mit einem wachen Charakter.

 

Noch ein zwei Ratschläge von mir

Zwar hab ich im Beitrag geschrieben, dass es völlig in Ordnung ist, wenn Du Deinem Charakter eine Flasche über den Kopf ziehen kannst. Aber für die Glaubwürdigkeit Deiner Geschichte trifft dies nicht so ganz zu.

Denn Hollywood schwindelt in einigen Fällen und so leicht, wie es in den Filmen aussieht, gehen Flaschen nicht kaputt. Ich bin der Meinung, dass die Mythbusters diesen Mythos untersucht haben. Und wenn ich mich recht erinnere, dann ging die Flasche nur schwer kaputt. Doch vorher wurde der Schädel der Person zertrümmert.

Daher empfehle ich Dir, recherchier vorher genau, was wirklich möglich ist und was nicht. Das gilt auch für Vergiftungen oder andere Verletzungen. Der Großteil Deiner LeserInnen wird vielleicht nicht realisieren, dass da ein Fehler ist. Aber immer mehr interessieren sich für die Forensik und Wissenschaft. Und denen fällt es garantiert auf.

Weiterhin empfehle ich Dir, die Ohnmachtsanfälle nicht zu übertreiben. Wenn Dein Charakter nicht gerade eine Krankheit hat, bei denen das üblich ist, würde ich es auf maximal eine Handvoll Ohnmachtsanfälle reduzieren. Wenn nicht sogar weniger.

Der Grund ist ganz simpel. Übertreibst Du es, gilt Deine Geschichte als Ohnmachtsgeschichte. Und man wird sich eher darauf konzentrieren, wann Dein Charakter das nächste Mal umkippt, als auf die Geschichte selbst. Du würdest daher Gefahr laufen, Deine LeserInnen von der Geschichte abzulenken. Und ich glaube nicht, dass das der Sinne ist, oder?

Abschlussgedanken

Vielleicht mag dieser Beitrag für Dich eher sinnlos erscheinen. Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass Du Dir darüber noch nicht unbedingt Gedanken gemacht hast, oder? Daher lad ich Dich ein, genau das jetzt zu tun. Schau Dir Deine Geschichte an und überleg Dir, ob nicht der eine oder andere Ohnmachtsanfall passen könnte. Oder doch eher gestrichen werden sollte.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Ohnmachtsanfälle in anderen Geschichten

Schau Dir Filme an oder lies Dir Geschichten durch, in denen Ohnmachtsanfälle vorkommen. Wie werden sie dargestellt und waren sie wirklich nützlich? Gleichzeitig kannst Du Dir die Frage stellen, was gewesen wäre, wenn der Charakter nicht so aus der Geschichte genommen worden wäre.

Dein eigener Ohnmachtsanfall

Überleg Dir, wie in Deiner Geschichte eine solche Szene eingebaut werden könnte. Und zur Übung kannst Du sie auch gerne schreiben. Wie würde sich danach die Energie der Geschichte ändern? Und würde sie Deine Charaktere weiterbringen?
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[Offener Brief] Was soll das mit den RapeFiction Romanen?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

in letzter Zeit bekomme ich immer häufiger über Twitter mit, dass Bücher veröffentlicht werden, die, gelinde gesagt, sehr fragwürdig sind. Frauen werden gestalked, negativ dominiert oder gar sexuell missbraucht und vergewaltigt. Und die Männer scheinen es nicht hinzubekommen eine Frau den Hof zu machen, als sich primitiver zu benehmen, als es die Höhlenmenschen jemals getan hätten.

Daher wird es Zeit, sich darüber öffentlich zu äußern.

Kurze Vorgedanken

Egal ob es sich um „50 Shades of Grey“ oder das neueste Machwerk handelt „Paper Princess“, aktuell kommen Bücher auf den Markt, die ein Frauen- und auch Männerbild zeigen, dass nicht nur bedenklich, sondern regelrecht primitiv ist.

Und doch werden diese Bücher als romantisch beworben, die neue Akzente setzen und damit als lesenswert gelten. Scheinbar werden diese Bücher nicht kritisch betrachtet oder gilt es hier, Hauptsache es bringt Geld, egal was für ein Bild sie vermitteln?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Autorinnen (soweit ich gesehen habe, werden diese Bücher mehrheitlich von Frauen geschrieben), die Verlage und wer auch immer dahinter steht, nicht über den Tellerrand hinausschauen. Sie schustern eine fürchterliche Geschichte zusammen und veröffentliche diese oder lassen sie veröffentlichen.

Und leider ruft niemand, haha, das war ein Scherz. Wir wollten euch zeigen, wie schlecht das alles ist und ihr kauft noch diesen Mist.

Liebe Verlage (sowohl große als auch Indieverlage), liebe Agenturen, liebe AutorInnen und auch liebe SelfpublisherInnen,

dieser Brief richtet sich direkt an euch. Denn ihr schreibt diese Geschichten, vermittelt diese und veröffentlicht sie letztendlich auch. Und ja, ihr findet eure LeserInnen, darüber will ich nicht diskutieren.

Denn letztendlich, egal ob ihr ein Verlag seid, eine Agentur oder AutorInnen, ihr wollt von den Geschichten leben. Bedeutet das aber, dass ihr schreiben und veröffentlicht könnt, was ihr wollt? Ohne darüber nachzudenken, was für ein Bild ihr letztendlich über Frauen und auch über Männer vermittelt?

So, was genau ist jetzt mein Problem?

Mein Problem mit dem Thema „Rape Fiction“ hatte ich schon einmal sehr ausführlich besprochen. Was mich dabei stört, ist das Weltbild, dass mit solchen Geschichten von euch vermittelt werden.

Frauen sollen hier als starke Persönlichkeiten vorgestellt werden. Trotzdem werden sie gestalked, geben ihr Leben in die Hände ihres angeblich ach so tollen Traummannes und es kann sogar zu sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung kommen. Doch sie wehrt sich nicht, prangert dies nicht an. Solange sie sich auf einen Mann konzentrieren kann, ist das alles in Ordnung.

Wirklich?

Haben wir es wirklich mit einer starken Frau zu tun, wenn sie alles mit sich machen lässt, was andere von ihr wollen? Ohne Gegenwehr? Ohne das alles zu hinterfragen? Das bezeichnet ihr als stark?

Und die ach so tollen Männer scheinen wohl ein geringes Ego zu haben. Wie sonst lässt es sich erklären, dass sie die Heldin nicht mit allen Mitteln der Kunst verführen können. Also so, wie man es von einem romantischen Helden irgendwie erwartet. Und wenn man das nicht schon erwarten darf, dann erhofft man es sich doch.

Ein Abendessen bei einem Candle Light Dinner von mir aus. Oder er unterstützt sie bei einer besonders schwierigen Angelegenheit und verlangt als Gegenleistung dafür … nichts! Denn auch Männer dürfen nett sein und Frauen einfach helfen und sich damit als sexy erweisen.

Nein, sie müssen sie kontrollieren und missbrauchen, um sie an sich zu binden. Sind sie dann doch nicht so sexy, sodass sie Angst haben müssen, dass die Frau von ihm abhaut? Oder warum schreibt ihr AutorInnen über solche Helden?

Was ist daran bitte schön romantisch?

Für mich (und das nicht nur als Leserin, sondern als Frau) ist romantisch, wenn eine Frau stark genug ist, dass sie allein leben kann, weil sie keinen Mann in ihrem Leben braucht. Sie ist sich ihrer Person und ihres eigenen Wertes bewusst und weiß genau, was sie will und was sie nicht will. Und doch sie lädt einen Mann ein, Teil ihres Lebens zu sein, weil sie das selbst will. Nicht, weil sie das muss.

Und romantisch ist ein Mann, wenn er keine Angst vor einer starken und emanzipierten Frau hat. Er ist selbst stark genug, um ihr ein eigenes Leben zu lassen, ohne sie kontrollieren oder gar manipulieren zu müssen. Denn er weiß, dass er niemals eine Frau besitzen wird, egal wie reich oder sexy er ist. Daher muss er sich andere Qualitäten zulegen, um zu erreichen, dass sie bei ihm bleibt. Freiwillig, wohlgemerkt.

Beide Charaktere begegnen sich auf Augenhöhe und wissen um ihren eigenen Wert. Sie sind stark und damit auch zugleich verletzlich. Denn sie müssen etwas, was mehr Stärke verlangt, als einen Kampf gegen einen übermächtigen Feind verlangt, und zwar vertrauen können.

Vertrauen ist auch etwas, was in vielen eurer Geschichten durchaus fehlt. Und das kann ich schon sagen, obwohl ich die Romane nicht einmal gelesen habe. Aber die fundierten Rezensionen, welche sich kritisch mit solchen Romanen auseinandersetzen, sprechen eine eigene, sehr aussagekräftige Sprache.

Die Heldin vertraut nicht sich selbst und ihrer eigenen Stärke. Daher gibt sie ihr Leben einem Mann in die Hände, damit er für sie entscheidet. Er entscheidet daher, wie sie ihr Leben zu führen hat, welchen Job sie nachgehen soll, wen sie treffen darf und wie oft sie Sex haben.

Und er vertraut weder ihr noch sich selbst. Ihr, weil sie nichts machen darf, ohne das er darüber Bescheid weiß. Sich selbst, weil er nicht glaubt, dass sie freiwillig bei ihm bleibt, wenn er die Hand offen lässt. Denn sie könnte sich auch entscheiden, ihn einfach sitzen zu lassen, weil er eben nicht der Mann ihrer Träume ist.

Wir leben in einem freien Land …

Ja, ja, ich kenne die Sprüche. Wir leben in einem freien Land und haben die Meinungsfreiheit und so weiter und so fort. Das bedeutet für viele wohl, dass sie jeden Mist publizieren dürfen, ohne sich darüber Gedanken zu machen, welche Auswirkungen es hat.

Vor Jahren hatte ein Künstler mal gesagt, dass er seine Werke nur für seinen persönlichen Mikrokosmos erschaffen würde. Als er dies jedoch in den Makrokosmos entließ, war er überrascht, über die vielen negativen Reaktionen. Und er wollte dafür keine Verantwortung übernehmen.

Das Problem ist jedoch, wenn ich etwas in den Makrokosmos entlasse (also die Geschichten veröffentliche), dann hab ich bis zu einem gewissen Grad durchaus die Verantwortung dafür zu tragen.

Nein, natürlich kann ich nicht an alle Eventualitäten denken. Das will ich euch nicht zumuten. Denn häufig interpretieren die Leute Dinge in Geschichten, Bilder oder Lieder, an die man beim besten Willen niemals gedacht hätte. Und für einige dieser Gedanken erwarte ich nicht, dass ihr die Verantwortung trägt. Denn manche Assoziationen sind mehr als nur abwegig. Dazu verweise ich auf die heftigen Diskussionen rund um Harry Potter, um ein Beispiel anzusprechen. In diese Geschichte wurden Dinge hinein interpretiert, die jenseits von Gut und Böse sind.

Aber wenn man gewisse Themen anspricht, muss man damit rechnen, dass man dafür Kritik erntet. Und bei den Rape Fiction Geschichten muss ich wohl nicht schreiben, welche Themen das genau sind, oder?

Zudem kann man eindeutig sagen, dass Stalking und Vergewaltigung in Deutschland Straftaten sind. Glücklicherweise. Denn das war leider nicht immer so. Und beinahe hätte man sogar verhindert, dass die Vergewaltigung in der Ehe straffrei geblieben wäre. Mit anderen Worten, es gab in der Tat eine Zeit in Deutschland, da war es legal, dass ein Ehemann seine Frau vergewaltigt hat, solange sie verheiratet waren (und auch andersherum, was aber statistisch immer noch seltener passiert).

Warum wird dies also in Romanen verharmlost?

Kann man das wirklich noch mit Meinungsfreiheit entschuldigen? Denn erklären kann man dies, meiner Meinung nach, überhaupt nicht mehr. Daher fallen solche Geschichten schon lange nicht mehr unter die Bezeichnung Meinungsfreiheit. Man sollte das Etikett „Schund“ eher raufpacken. Denn das trifft es eher.

Wer ist eigentlich die Zielgruppe?

Sind es wirklich selbstbewusste Frauen, welche solche Bücher lesen und lieben sollen (ja, es gibt genügend, welche diesen Mist kaufen)? Da möchte ich euch gerne eine Frage stellen:

Sollen eure Töchter dieses Vorbild leben? Sollen sie sich von einem Mann dominieren und vorschreiben lassen, wie sie zu leben und zu lieben haben? Und vor allem möchtet ihr, dass es völlig in Ordnung für sie ist, dass sie sich von einem Mann vergewaltigen lassen?

Ist das euer Weltbild einer idealen Frau?

Und was ist mit euren Söhnen? Wollt ihr tatsächlich potenzielle Straftäter auf die Welt entlassen? Straftäter, welche es als völlig normal ansehen, dass man Frauen wie Gegenstände behandelt? Ist es das, was ihr euch erträumt?

Wollt ihr wirklich eine solche Welt haben?

Nein? Das glaube ich momentan nicht? Denn sonst würdet ihr solchen Mist nicht schreiben, vermitteln oder auch veröffentlichen. Es gab genügend Studien, dass die „Twilight“ Romane ein falsches Bild der Liebe vermittelte. Das bedeutet ganz klar, es gibt dort draußen Menschen, eure LeserInnen, die das, was ihr da publiziert, in irgendeiner Art und Weise aufnehmen.

Und damit tragt ihr durchaus eine Verantwortung dafür, was ihr da schreibt. Natürlich, jetzt kann man sagen, dass ihr nicht für das Denken der Anderen etwas könnt. Aber so einfach ist das nicht. Vermutlich haben auch einige von euch mitgeschrien, als es hieß, man solle doch die „Killerspiele“ verbieten. Warum also nicht solchen Mist verbieten?

Was ich mir wünsche?

Natürlich sind nicht alle Bücher das Geld wert, was ihr verlangt, welche von euch Verlagen veröffentlicht werden. Doch bei einigen sind es einfach nur Fehlgriffe, bei denen man durchaus Hoffnung hatte, dass es gute Romane sind. Darüber sehe ich hinweg. Denn gelesen hab ich auch einige davon. Sogar mit Genuss.

Doch ich wünsche mir, dass ihr aufhört, solchen Mist zu schreiben, zu vermitteln und zu veröffentlichen. Und das auch noch in diesen Massen. Denn sie zeigen ein Weltbild, dass man nicht unterstützen muss. Die Fünfziger Jahre will nun wirklich niemand wieder haben.

Seid daher bitte kritischer, wenn ihr ein Manuskript plottet und schreibt. Denkt daran, dass ihr nicht nur einfach eine Geschichte schreibt, sondern ein Weltbild erschafft. Und auch wenn ihr jetzt noch keine Kinder habt, eure Freundinnen oder Freunde haben sie vielleicht. Wollt ihr ihnen dann sagen, dass es in Ordnung ist, dass sie dieses Leben führen?

Liebe Agenturen, liebe Verlage, auch ihr habt eine Verantwortung, was bearbeitet und letztendlich veröffentlicht wird. Ich bin nicht naiv genug, um zu verstehen, dass ihr letztendlich Geld verdienen wollt. Wir leben nun einmal in einer kapitalistischen Gesellschaft. Das bedeutet, dass Moral sehr teuer sein kann. Und somit verkauft und veröffentlicht ihr, was gelesen wird. Leider wird eben dieser Mist gelesen.

Doch denkt an eure eigenen Kinder. Oder an die Kinder eurer KollegInnen oder FreundInnen bzw. Geschwister. Möchtet ihr denen sagen, dass es in Ordnung ist, Opfer bzw. Täter zu sein? Wirklich?

Geht bitte in euch und fragt euch, ob ihr das wirklich wollt und ob es dann in Ordnung ist, solch einen Mist zu veröffentlichen.

Liebe LeserInnen

Auch ihr habt es in der Hand. Mir ist bewusst, dass ihr einen hohen Bedarf an Lesestoff habt. Und um diesen zu befriedigen, wird alles gelesen, was euch in die Hände kommt. Doch muss das wirklich alles sein, was Verlage bzw. SelfpublisherInnen vorsetzen? Wollt ihr denn nicht auch mal hinterfragen, was ihr da lest?

Was würdet ihr machen, wenn euch ein Mann so behandelt und sexuell missbraucht? Ist das wirklich euer Traum von einem Mann? Und liebe Männer, akzeptiert ihr es wirklich, dass man euch so hinstellt? Dass ihr nicht in der Lage seid, eine Frau zu verführen? Dass ihr sie missbrauchen müsst, um sie an euch zu binden?

Wollt ihr das nicht wirklich kritisch hinterfragen? Und dann zur nächsten Stufe zu kommen, solche Bücher nicht mehr zu kaufen?

Sicherlich behandelt ihr euren Körper gut, achtet darauf, was ihr trägt und was ihr zu euch nimmt. Ist es dann nicht an der Zeit, dass ihr auch darauf achtet, was ihr eure Seele und euren Geist (und damit eurem Gehirn) zumutet? Und muss das wirklich so etwas sein, solche Vergewaltigungsgeschichten?

Abschlussgedanken

Vielleicht ist dieser offene Brief auch nur reine Zeitverschwendung gewesen. Sicherlich werden die Verlage, Agenturen und AutorInnen nicht so schnell eine melkende Kuh töten (symbolisch geschrieben natürlich). Denn diese Geschichten werden gelesen und vor allem, sie werden gekauft.

Trotzdem hoffe ich, dass vielleicht doch die eine oder der andere offen sagt, ja, es gibt solche Geschichten und Nein, ich werde sie nicht schreiben, vermitteln oder gar veröffentlichen.

Wenn das auch nur eine Person sagt, dann hat sich die Zeit doch gelohnt.

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[Schreibsonntag] Mein März 2017

Hei, hallo und herzlich willkommen,

ganz ehrlich? Normalerweise gehöre ich zu den Menschen, die versucht jeden Tag zu genießen. Auch wenn dieser nicht sonderlich schön war. Und ich freue mich nicht unbedingt aufs Wochenende, weil ich eben jeden Tag zu einem besonderen machen möchte. Aber wenn man so richtig auf dem Zahnfleisch läuft und nicht mehr kann, dann ist man wirklich dankbar, wenn eine gewisse Zeit vorbei ist.

Kurze Vorgedanken

Wie auf meiner Facebook-Seite und in meinem letzten Newsletter geschrieben, schreibe ich anfang April meine schriftliche Abschlussprüfung. Dementsprechend lerne ich die ganze Zeit. Und bin dabei völlig am Ende. Liegt auch daran, dass ich mich selbst völlig unter Druck setze.

Was hab ich als geschafft?

Da ich den Plot zu meiner Novelle gerade nach dem 7-Punkte-System überarbeite, springe ich quasi von Punkt zu Punkt weiter. Wobei ich den Plot immer aus der Sicht der Heldin und des Helden schreibe. Und wenn ich das so betrachte, benötige ich nur noch Punkt 6. Mehr nicht. Dann könnte ich mir der Überarbeitung weitermachen.

Immerhin hab ich doch geschafft, neben dem Lernen die letzten Wochenenden mich hinzusetzen und zu schreiben. Das beruhigt mich durchaus. Den einen Punkt werd ich dann auch noch schaffen und zu Ende bearbeiten.

Zudem hab ich für mich entdeckt, dass ich mit der Plotmethode durchaus sehr gut klarkomme. Weitaus besser, als ich bisher gedacht habe. Das fand ich dann doch ein wenig überraschend, weil ich bisher immer ein Fan der Heldenreise war. Aber gut, ich lerne immer gerne dazu, und wenn die Methode mir hilft, benutze ich sie gerne erst einmal weiter.

Zudem hab ich mir zur Entspannung mein erstes Buch Ausmalbilder gekauft (im Postkartenformat).

Zu meiner Überraschung schaltete ich nach einer gewissen Weile wirklich ab und konnte mich richtig auf das Bild und das Ausmalen konzentrieren. Und wenn mir irgendwelche Gedanken durch den Kopf gegangen sind, waren die um einiges ruhiger, als sonst. Zwischenzeitlich reagierte ich durchaus auf gewisse Dinge ein wenig aggressiv. Doch während dieser Zeit (ich glaub, es waren circa 1,5 Stunden) nicht.

Und was hab ich nicht geschafft?

Eigentlich wollte ich wenigstens den Plotplan diesen Monat fertig schreiben. Aber dazu werde ich mir erst einmal keine Zeit mehr nehmen. Denn ich hab nur noch eine Woche wirklich Zeit zum Lernen. Und dann steck ich schon mitten in der Prüfungswoche. Da schwirrt mir definitiv anderes durch den Kopf.

Denn momentan sieht mein Tag wie folgt aus: Arbeit, Schule oder Lehrgang, danach nach Hause, etwas Essen, kurz entspannen und dann bis 20 Uhr lernen. Und danach bin ich viel zu groggy, um noch irgendetwas zu machen.

Aus diesem Grund hab ich für mich entschieden, dass das in Ordnung ist. Immerhin schaff ich es noch nicht einmal mein Bullet Journal zu füllen. Daher akzeptiere ich, dass der März in dieser Hinsicht verloren ist. Dafür hab ich den April.

Aussicht für den April 2017

Für den kommenden Monat hab ich einiges geplant. Natürlich erst einmal meinen Plot fertigschreiben. Weiterhin ist das Camp NaNoWriMo angesagt. An dem möchte ich teilnehmen und dabei meine Novelle komplett überarbeiten.

Während meines Urlaubs les ich abends einen Roman (einen ganz speziellen) und werd diesen auf Twitter entsprechend kommentieren. Dürfte vielleicht sogar lustig werden.

Zudem werd ich ein wenig zeichnen. Heute hab ich mir ein Skizzenbuch zum Üben geholt. Und mal sehen, was dabei herauskommt.

Abschlussgedanken

Klar, ich könnte mich darüber ärgern, dass ich eben nicht weitergekommen bin. Aber das bringt nichts. Vorerst bin ich auf einen Brotjob angewiesen und aus diesem Grund lerne ich halt für die Abschlussprüfung. Und wenn es so weit ist, dann kann ich immer noch sagen, ich hab eben eine zweite Ausbildung in der Tasche.
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[Plot] Freytags Pyramide

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es gibt unendlich viele Möglichkeiten, eine Geschichte zu plotten. Und auch Gustav Freytag hat eine Methode gefunden, die zwischenzeitlich als „Freytags Pyramide“ bekannt ist. Und die möchte ich Dir heute gerne vorstellen.

Kurze Vorgedanken

Nicht jede Plotmethode passt auf jede Autorin oder jeden Autor. Daher ist es verständlich, dass verschiedene AutorInnen verschiedene Plotmethoden überlegen, erfinden oder definieren.

Und auch wenn an dieser Methode schon der Staub angesetzt hat, so ist die Idee dahinter durchaus noch sehr modern. Daher empfehle ich Dir, Dich damit gerne zu beschäftigen. Vielleicht findest Du Deinen Nutzen daraus.

Wer war denn dieser Freytag?

Gustav Freytag (* 13 Juli 1816 in Kreuzburg Oberschlesien, + 30. April 1895 in Wiesbaden) war ein deutscher Schriftsteller. Sein Buch „Technik des Dramas“ gehört zu den wichtigsten Werken über Dramaturgie seiner Zeit. Und vor allem, es wird immer noch aufgelegt, was durchaus für die Zeitlosigkeit seines Textes spricht.

In seiner Dramatheorie fasst Freytag das geschlossene Drama zusammen, welche von Aristoteles bis hin zu Friedrich Schiller funktionierte. Dazu benutzte er eine sogenannte Pyramide, welche die Punkte Exposition und erregendes Moment, Höhepunkte mit Peripetie, retardierendes Moment und Lösung bzw. Katastrophe enthält.

Der Aufbau der Pyramide

Im Folgenden beschreibe ich Dir, wie die Struktur seiner Pyramide aufgebaut ist, und erkläre dies anhand des Films „Star Wars – Krieg der Sterne„. Vermutlich muss ich hier keine Spoilerwarnung aussprechen, oder?

Der 1 Akt:

Sie enthält die Exposition. Hier bekomme ich als Leserin erzählt, wo ich mich zeitlich und örtlich in der Geschichte befinde. Wie lautet die Vorgeschichte zu dem, was ich nach und nach vorgesetzt bekomme und wer sind die wichtigen Figuren, die mich durch die Handlung begleiten? Weiterhin sollte meine Aufmerksamkeit auf den sogenannten Keim des Konfliktes und der Spannung gelenkt werden.

Sehr häufig lese ich in Schreibratgebern, dass man in den ersten Seiten schon wissen sollte, wo befinde ich mich ganz genau, was für ein Roman lese ich und mit wem habe ich es fast die ganze Zeit zu tun.

Anders ausgedrückt, willst Du Deinen Roman in den Sand setzen, dann erzähle mir bloss nicht, dass es ein Fantasyroman ist, wo genau ich mich in diesem Roman befinde, welche Zeit es ist und so weiter.

Natürlich musst Du nicht gleich alle wichtigen Charaktere einführen. Es kann auch sein, dass es für die Handlung wichtig ist, dass eine Figur erst ein wenig später auftritt. Aber die meisten wichtigen sollten von Anfang an klar definiert sein.

Kleiner Tipp: Du kannst auch einige Erzählstränge parallel laufen lassen. Damit schaffst Du es mehrere Charaktere einzuführen, ohne das diese erst einmal etwas miteinander zu tun haben.

Schau Dir StarWars IV zum Beispiel an: Wir kennen die Vorgeschichte (die Gefangennahme von Prinzessin Leia), wir kennen die wichtigen Figuren, eben noch einmal Prinzessin Leia und Luke Skywalker (bis zu einem gewissen Grad auch Obi-Wan Kenobi) und später kommt noch Han Solo dazu (mit Chewbacca natürlich). Wir wissen genau, dass es eine Sci-Fi Geschichte ist, weil wir es mit Raumschiffen zu tun haben. Und können uns daher denken, dass es in der Zukunft spielen kann (wobei, ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es das wirklich ist oder einfach nur in einem anderen Teil des Universums, wo eben zufällig auch Menschen herumwimmeln).

Der 2. Akt.

Hier geht es zum erregenden Moment. Die Handlungsfäden werden verknüpft und auch verschlungen. Es kommt, dass Interessen aufeinanderstoßen, hier werden Intrigen gesponnen, die Entwicklung der Geschichte beschleunigt sich, sie nimmt Fahrt auf und bewegt sich in eine bestimmte Richtung. Hier soll die Spannung auf den weiteren Verlauf der Geschichte gesteigert werden und natürlich auf das Ende (die sogenannte Finalspannung).

Die Geschichte nimmt also Fahrt auf. Natürlich darfst Du bei der Exposition keine Zeit verlieren, damit ich als Leserin nicht das Buch zur Seite lege. Aber hier geht es noch einmal rund und es soll die erste Spannung entstehen.

Ich sehe hier bei StarWars IV die Ereignisse in der Bar, wo unsere Helden auf Han Solo treffen, die Vernichtung von Leias „Heimatplaneten“ durch Darth Vader und die Suche nach der Prinzessin. Und vor allem die Verfolgung des Helden durch den Antagonisten Darth Vader.

Der 3. Akt.

Unser Konflikt erreicht hier ihren Höhepunkt. Der Held steht in der entscheidenden Auseinandersetzung. Hier heißt es Sieg oder Niederlage. Ganz einfach, keine Ummalung.

In StarWars IV sehe ich hier den Kampf zwischen Obi-Wan Kenobi und Darth Vader. Hier wird der Mentor zum Helden. Er kämpft gegen den Schatten, um den wahren Helden (Luke Skywalker) zu retten.

Diese können fliehen, um dann zum vierten Akt überzugehen.

Der 4. Akt.

Hier geht die Handlung auf das Ende zu (die fallende Handlung). Die Spannung wird hier jedoch noch einmal gesteigert, in dem sogenannten retardierenden Moment verzögert sich die Auflösung und es geht noch einmal weiter. Der Held kann gerettet werden (das nennt sich Tragödie) oder sein Sieg wird infrage gestellt (das wieder herum Schauspiel).

Es soll also noch einmal spannend werden, von mir aus, es soll noch ein wenig Screentime oder ein paar Seiten aufgebaut werden, damit die Leute noch bei der Stange bleiben. Ich als Leserin soll erst einmal Luft schnappen, damit es noch einmal so richtig rundgeht.

In StarWars IV sehe ich die Szene nach dem Kampf zwischen Meister und Schatten. Leia ist gerettet und eigentlich könnten jetzt alle nach Hause gehen. Doch da gibt es noch das eine oder andere Problem zu lösen. Zum einen sind die Jäger, welche die Falcon verfolgen und vernichten sollen. Also muss hier Luke zeigen, dass die Trauer über den Verlust seines Meisters ihn nicht ganz am Boden hält. Zudem gibt es da noch einen gewissen Todesstern, welche das All in Furcht und Schrecken versetzt und den nächsten Planeten platt machen will.

Der 5. Akt.

Hier kommen wir dann endlich zur Lösung des Konfliktes. Dies kann in einer Katastrophe geschehen (also im Untergang des Helden – Tragödie) oder durch seinen Sieg und der dazugehörigen Verklärung (Schauspiel).

StarWars IV zeigt hier den Kampf der Piloten gegen den Todesstern. Schaffen sie es diesen zu vernichten, bevor dieser den Planeten der Rebellen vernichtet? Oder wird Luke zuvor von Darth Vader abgeschossen und dabei getötet? Natürlich schafft er es (ich denke nicht, dass das noch ein Spoiler ist, oder?) und am Ende als Held gefeiert.

Wenn wir an dieser Stelle sind, dann geht es zum Schluss und ich kann als Leserin endlich aufatmen, das Buch zur Seite legen (mich hoffentlich ärgern, weil das Buch so schnell ausgelesen ist) und mich auf Band 2 freuen oder auf ein neues Buch, das hoffentlich genauso gut geschrieben ist.

Kurze Zusammenfassung

1. Akt: Exposition

  • Ort, Zeit, Person und Handlung werden vorgestellt
  • Der Konflikt wird angedeutet

2. Akt: Ansteigen der Handlung / erregendes Moment

  • Die Handlungsfäden werden verknüpft
  • Intrigen werden gesponnen
  • Die Entwicklung des Geschehens geht in Richtung Spannung (es soll ja weiter gelesen ggf. der Film weiter gesehen werden).

3. Akt: Höhepunkt und Peripetie

  • Der Konflikt gelangt zum Höhepunkt
  • HeldInnen stehen vor der entscheidenden Auseinandersetzung
  • Peripetie = es kommt zur dramatischen Wende und es heißt Sieg oder Niederlage

4. Akt: Fallende Handlung mit retardierenden Moment

  • „Kann sich der Held noch einmal retten?“

5. Akt: Katastrophe

  • Lösung des Konflikts (entweder Tragödie oder Schauspiel)

StarWars und die Heldenreise

Natürlich ist mir bewusst, dass George Lucas gerade den ersten Teil der alten StarWars-Saga auf der Grundlage der Heldensage aufgebaut hat.

Aber wie Du siehst, funktioniert diese Technik auch bei einem Film, der mit einer anderen Methode aufgebaut wurde.

Zusammenfassung und Schlusswort

Man kann natürlich diesen Aufbau ein wenig mit der Fünf-Akt-Struktur verwechseln (immerhin hat diese Pyramide auch fünf Akte). Aber beides hat eine eigene Dynamik. Es geht hierbei letztendlich darum, dass die Lösung des Konflikts einmal verzögert wird. Dabei soll ich als Leserin noch einmal die Luft anhalten und mich fragen, wow, wie geht es jetzt weiter, schaffen es die HeldInnen wirklich oder geht alles in die Hose?

Diese Technik wirst Du aller Wahrscheinlichkeit auch in vielen Schreibratgebern finden (ich bin zwischenzeitlich drei oder vier Mal darüber gestolpert) und es hat durchaus seine Gültigkeit. Ansonsten hätte es nicht gut 2.000 Jahren (seit Aristoteles) bis heute überlebt.

Film- oder Buchanalyse

Nimm Dir Deinen Lieblingsfilm oder Lieblingsbuch und analysiere es anhand dieser Methode. Was kannst Du davon lernen und wo siehst Du Schwächen für Dich?

Übeararbeite Dein aktuelles Projekt mit dieser Methode

Vielleicht möchtest Du Dein aktuelles Projekt anhand dieser Plotmethode ergänzen oder überarbeiten? Sicherlich kannst Du eine Menge mitnehmen, woran Du vielleicht vorher nicht gedacht hast. Probier es gerne aus.

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Wie Du einen Paranormal Romance (nicht) schreiben kannst

Hei, hallo und herzlich willkommen,

Paranormal Romance Geschichten gehören mitunter zu den beliebtesten Subgenres des Liebesromans. Der Grund ist unter anderem der, dass man weitaus mehr Spielarten hat, als in einem klassischen Liebesroman. Egal ob Vampir, GestaltenwandlerIn oder Engel, alles ist erlaubt, was gefällt.

Kurze Vorgedanken

Wenn man es so will, dann gab es schon immer eine Form von paranormalen Geschichten. Seien es die Göttergeschichten aus dem alten Griechenland und früher oder der gute alte Graf Dracula. Schon immer waren sie also ein Teil unseres Lebens.

Und heute sind sie beliebter als je zuvor. In so gut wie jeder Buchhandlung gibt es zwischenzeitlich ein Regal, welche für diese Art von Literatur reserviert ist. Auch wenn eines der Kreaturen nicht mehr so beliebt ist wie früher (aktuell die Vampire), so finden sie und ihre Geschwister durchaus ihre LeserInnen.

Daher möchte ich heute auf die Definition eingehen, was das überhaupt ist, wie man in diesem Genre schreiben kann und was Du am besten nicht machst.

Definition: Was ist eigentlich „Paranormal Romance“?

Sicherlich hast Du schon mal von diesem Genre gehört. Aber die eine oder der andere wird vielleicht spontan keine Definition finden, was das nun genau ist.

Es handelt sich hierbei um ein Subgenre des Liebesroman Genre und beinhaltet die klassischen Elemente eines Liebesromans. Also Heldin und Held (oder auch Heldin und Heldin bzw. Held und Held und welche Konstellationen es noch so gibt), eine antagonistische Kraft, die große, wahre und ewige Liebe und diese Dinge eben.

Das Besondere hierbei ist, dass in diesem Genre Vampire, Werwölfe bzw. Wehrwesen, Geister, Hexen und weitere fantastische Kreaturen auftauchen und auftauchen dürfen, die wir als Fabelwesen bezeichnen können. Also Wesen, die wir aus Märchen, Geschichten und Legenden kennen, nehmen in solchen Geschichten eine große Rolle ein. Nicht als Nebenfigur, sondern als Hauptfigur. Also Deine Heldin oder Dein Held (ich bleibe bei der heterosexuellen Version dieser Geschichten, es ist aber durchaus möglich eine homosexuelle Geschichte zu schreiben) ist eines der gerade genannten Wesen.

Sehr häufig ist es so, dass diese Wesen ein Teil unserer Welt sind und neben den Menschen leben. Entweder im Verborgenen (als eine Parallelgesellschaft) oder sie leben offen mit uns. Das liegt natürlich an der Geschichte, was hier besser passt.

Aber auch Zeitreisen, Kontakt zu Aliens können ebenfalls hierzu gehören.

Einen Paranormalen Liebesroman schreiben

Momentan ist es ein Genre, das durchaus sehr beliebt ist. So findest Du beim Lyx-Verlag eine hohe Anzahl von entsprechenden Büchern. Und momentan, so kann man durchaus sagen, dürfte wohl dieses Genre mitunter zu den beliebtesten zählen.

Auf alle Fälle ist es schwer, daran vorbeizukommen. Sei es bei den Büchern für Erwachsene (nicht nur im Romance Bereich findest Du das Thema Paranormal, sondern auch in anderen) oder für Jugendliche und Kinder. Harry Potter dürfte hier eines der bekanntesten Beispiele sein.

Du könntest also durchaus Deine Leserinnen und einige Leser in diesem Bereich finden, wenn Du Dich entscheidest, einen paranormalen Liebesroman zu schreiben. Wenn Du Dir aber sagst, hei, geil, ich kann hier Geld verdienen, aber ansonsten habe ich davon keine Ahnung, dann solltest Du die Finger davon lassen. Denn man spürt meistens, wenn man keinen Bezug zu einem bestimmten Genre hat.

Brauchst Du nun ein paar Ratschläge für die ersten Schritte, dann lies einfach weiter.

1. Kenne das Genre

Wie bei jedem anderen Genre auch, solltest Du durchaus wissen, mit was Du es hier zu tun hast. Wenn Du Dir denkst, es reicht aus ein Vampir ins Rennen zu schicken, um einen paranormalen Roman zu schreiben, werden Dich Deine LeserInnen eines besseren belehren.

Daher empfehle ich Dir, dass Du Dich in Deinem Wunschgenre auskennen solltest. Was wurde bisher geschrieben, worüber möchtest Du schreiben, was sind die Regeln, wo gibt es Ausnahmen davon.

Das bedeutet natürlich auch, dass Du sehr viel liest. Aber das sollte sowieso selbstverständlich für uns AutorInnen sein, oder?

Mein Arbeitsvorschlag

Such Dir Deine Lieblingsbücher raus und lies sie Dir noch einmal durch. Was genau hat Dich an diesen Geschichten so fasziniert? Und wie soll am Ende Dein eigener Roman aussehen? Mach Dir an dieser Stelle durchaus Notizen, damit Du nichts vergisst.

2. Sei einzigartig

Du musst nur ein wenig im Internet recherchieren, wie viele Romane in den letzten Jahren in diesem Genre veröffentlicht wurden. Du wirst mit Titeln förmlich erschlagen. Und jedes Jahr kommen weitere heraus. Sowohl im Verlagsbereich als auch im Selfpublishing. Da kann es durchaus schwer sein, sich in dieser Masse hervorzutun.

Daher ist einer wichtigsten Empfehlungen, sei einzigartig, hebe Dich von den anderen Werken ab. Kopiere auf keinen Fall andere Werke, füge etwas hinzu und veröffentliche es (oder lasse es veröffentlichen). Denn warum soll ich eine Kopie lesen, wenn ich doch das Original haben kann?

Überlege Dir also, wie Du Deine Geschichte einzigartig machen kannst. Ein Schlüsselelement also, was man nicht wegnehmen kann, ohne das Deine komplette Geschichte in sich zusammenbricht. Und ein Element, dass Deine Geschichte zu etwas Besonderem macht.

Schau Dir die Romane an, die ganz weit oben in den Bestsellerlisten sind. Sie alle haben ihr Genre aus einer völlig anderen Perspektive betrachtet und etwas Neues gemacht. Anne Rice schreibt aus der Sicht der Vampire und Harry Potter geht in ein magisches Internat (Internatsgeschichten gab es viele, wie Hanni und Nanni, sie waren aber nicht magisch).

Überlege Dir also, was die anderen geschrieben haben. Es ist wichtig, dass Du den Markt kennst. Was wurde in den letzten ein bis zwei Jahren veröffentlicht? Was verkauft sich gut? Was interessiert auch Dich? Gerade die letzte Frage ist wichtig. Wenn Dir etwas nicht gefällt, schreibe nicht darüber.

Wenn Du, zum Beispiel, die Krise von Vampiren bekommst, aber Vampire gerade (wieder) wahnsinnig beliebt sind, dann lasse es. Orientiere Dich dann an Wesen, die Du mehr magst, und sei da einzigartig.

Lerne also Dein Genre kennen, schaue, was es gibt, was andere geschrieben haben und überlege Dir, was Du schreiben kannst, um anders zu sein, einzigartig. Was würde Dir gefallen. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass es dann auch den anderen gefällt.

Mein Arbeitsvorschlag

Wenn Du genügend recherchiert hast, nimm Dir Dein Notizbuch zur Hand und schreibe zwischen zwanzig Minuten und einer halben Stunde Schlagwörter auf. Einfach alle Themen, die Dich interessieren und wo Du Dir vorstellen könntest, dass Du darüber schreiben könntest. Bitte zensiere Dich an dieser Stelle auf gar keinen Fall. Denn es geht erst einmal darum, dass Du überhaupt siehst (also wirklich schwarz auf weiß), was Dich interessieren könnte.

Erst im zweiten Schritt darfst Du dann kritisch sein. Schaue Deine Liste genau an und markiere entweder mit bunten Stiften oder mit einem Marker die Themen, wo Du genau weißt, dass diese Dich lange genug fesseln. Es sollten nicht mehr als eine Handvoll Punkte auf Deiner Liste sein. Aber ich denke, dass Du durchaus ein Punkt aufgeschrieben haben könntest, dass anders ist, als was man so liest. Und damit machst Du aus einer Paranormal Romance Geschichte Deine Paranormal Romance Geschichte.

3. Mythologiegrundlagenarbeit

Vampire vertragen kein Sonnenlicht und Werwölfe tötest Du am besten mit Silberkugeln. Ich denke, wir alle kennen die mythologischen Hintergründe vieler magischer Wesen. Sie haben sich über die Jahrhunderte entwickelt und werden auch von vielen Autorinnen und Autoren verwendet.

Das bedeutet aber nicht, dass Du das auch machen musst. Wenn Du Dich entscheidest, etwas zu ändern, dann mache es. Wenn Du willst, dass Deine Vampire sich in Spiegel sehen können, dann können sie das. Oder sie sollen in der Sonne braun werden können? In Ordnung, dann ist nicht die Sonne ihre Schwachstelle. Finde dann eine andere.

Überlege Dir genau, woher Deine Wesen kommen, was sie sind und vor allem, was ihre Stärken und Schwächen sind. Erstelle Dir eine Liste mit Fragen, die Du beantwortest und damit dann Deine Wesen besser kennenlernst und mit ihnen dann arbeiten kannst:

  • Woher kommen Deine Wesen?
  • Welche Fähigkeiten haben sie?
  • Was sind ihre Stärken?
  • Was sind ihre Schwächen?
  • Wie viele gibt es von ihnen?
  • Wie sind sie organisiert?
    Haben sie Stämme, sind sie Einzelgänger / Einzelgängerinnen? Gibt es neben ihnen noch andere (mystische) Lebewesen?
  • Leben sie mit den Menschen zusammen oder bleiben sie von ihnen getrennt?
  • Welche Regeln, Gesetze, Gebote, Moralvorstellungen haben sie?
  • Wie haben sie bis heute überlebt?
  • Gibt es in der Vergangenheit Anzeichen, dass man sie schon einmal gesehen hat?
  • Haben sie Feinde? Natürliche Feinde, selbst erschaffene Feinde?

Du musst nicht alle Informationen am Ende in Deiner Geschichte verwenden. Je mehr Du aber über sie weißt, desto besser kannst Du uns ihre Welt in Deinem Roman vorstellen. Daher ist es durchaus eine gute Idee, wenn Du Dich mit ihnen beschäftigst.

Und wenn Du Hilfe beim Weltenbau benötigst.

Mein Arbeitsvorschlag

Recherchiere erst einmal über die historischen Hintergründe Deines Wunschwesens. So gut wie alle Fabelwesen haben eine eigene historische Geschichte, die sich nach und nach entwickelt haben. Und häufig kennen wir noch nicht einmal alle Daten zu den Wesen, auch wenn sie durchaus berühmt sind, wie zum Beispiel die Vampire oder die Werwölfe.

Allein schon die Faktenlage wird Dich sicherlich inspirieren, neue und tolle Geschichten zu schreiben. Wenn Du aber weniger bekannte Wesen aussuchst oder gar Wesen aus anderen Kulturkreisen, dann dürfte Deiner Geschichte und Deiner Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt sein.

Erarbeite Dir daher erst einmal die reine Faktenlage und schau dann, was Du für Deine Geschichte übernehmen möchtest und was nicht. Und dann, was Du dann hinzufügen willst. Meine Empfehlung ist, dass Du immer klar unterscheiden kannst, was von Dir und was sich historisch entwickelt hat.

4. Eine starke Heldin

In den letzten Jahren haben sich die Heldinnen in den Romanen zu starken Persönlichkeiten gemausert. Sie müssen nicht mehr gerettet werden, sondern sie retten den Tag. Eine durchaus positive Entwicklung, wie ich persönlich finde.

Damit meine ich nicht, dass Deine Heldin sich wie Buffy prügeln muss (auch wenn das eine sehr angenehme Abwechslung ist). Es geht mir hierbei um die Persönlichkeit der Figur. Sie schreit nicht mehr herum und ein starker Retter in der Not befreit sie aus der misslichen Lage. Das kann sie durchaus selbst. Und dafür kann sie gerne ihre Muskelkraft verwenden. Aber vor allem ihr Gehirn.

Sie darf aber auch etwas aggressiver auftreten, mehr bissiger und frecher als Heldinnen in anderen Liebesromangenres. Denn sie hat es häufig mit Werwölfen, Vampiren und anderen mächtigen Wesen zu tun. Da kann sie kein Mäuschen sein, das vor diesen Wesen kuscht und bei jedem Knurren eingeschüchtert ist. Das könnte ihr als Schwäche ausgelegt werden und wer weiß, am Ende würde man sie deswegen vielleicht sogar töten?

Wenn Du eine schwache Heldin einführst, ist das in Ordnung. Damit hast Du eine Grundlage, um sie wachsen zu lassen und dadurch kann sie am Ende eine starke Frau werden, die in der Lage ist, den Mann ihrer Träume zu retten. Es kann also eine gute Idee sein, sie schwach anzulegen und dann stark werden zu lassen. Aber den Roman mit einer schwachen Frau enden zu lassen, ich persönlich halte das nicht für eine sehr gute Idee. Aber andererseits wäre das etwas für das Thema „Originalität“?

3 Tipps für eine starke Heldin

1. Jede Heldin hat ihre eigene Geschichte

Wie jede andere Figur, so hat auch Deine Heldin ihre eigene Geschichte. Sie wurde geboren, hat eine Herkunftsfamilie, verließ diese und wurde über die Jahre zu der Frau, die wir in der Geschichte sehen und kennenlernen dürfen. Als Autorin oder Autor solltest Du also ihre persönliche Geschichte kennen und jederzeit in der Lage sein, diese auch in der Geschichte zu erwähnen und einzubauen.

Schreibe ihre Geschichte auf, wer sie ist, was sie macht, was sie in der Vergangenheit getan hat, was sie in der Zukunft tun will, was sie liebt, was sie hasst und all diese Dinge. Kenne sie wirklich sehr genau. Und überlege Dir besonders, was ihre Stärken und ihre Schwächen sind. Denn sie gehören zu Deiner Heldin dazu. Und sie können Deine Geschichte spannend machen.

2. Fühle Dich in Deine Heldin hinein

Du solltest fühlen, was Deine Heldin fühlt. Schreibe nicht nur, dass sie Schmerzen hat, fühle, wie es ist sich ein Bein gebrochen zu haben oder wie es ist, wenn das Herz zerfetzt wurde (symbolisch gesprochen). Je mehr ich die Heldin als Leserin verstehe, desto eher kann ich mich auch mit ihr identifizieren. Und wenn mir das als Leserin gelingt, gehe ich mit ihr durch dick und dünn.

Ich habe einen Paranormal Romance Roman versucht zu lesen, in dem die Heldin für mich absolut unlogisch reagiert. Mein rationales Gehirn hat sich verabschiedet, weil es keine vernünftige Erklärung für ihre Handlungen findet. Mal ist sie eine starke und selbstbewusste Frau, auf der nächsten Seite benimmt sie sich wie ein unreifes kleines Kind. Nur um sich dann von dem Helden der Geschichte retten zu lassen, den sie hasst und liebt und doch wieder hasst. Und dadurch bin ich emotional nicht in der Lage ihr zu folgen. Warum sollte ich das Buch also zu Ende lesen? Daher hab ich es abgebrochen und bin am Überlegen das Buch an die Wand zu klatschen. Das ist eine Schwäche des Buches. Mache ihn bitte nicht.

3. Lasse sie eine vernünftige Schwäche haben

Viele Autorinnen und Autoren scheinen Angst davor zu haben, eine Frau eine vernünftige Schwäche zu geben. Dann kann es schon mal passieren, dass sie sich lediglich zu sehr um andere sorgt. Tolle Schwäche, die im Grunde genommen nichtssagend ist. Und sogar noch weniger als das ist.

Wenn eine Frau sich permanent um andere sorgt, dann stellt sie deren Wohlergehen in den Mittelpunkt, ihrem Mittelpunkt. Dort wo sie also sein sollte, sind alle anderen. Und das ist, gelinde gesagt, ziemlich schwach. Lasse sie ruhig zickig sein oder ängstlich, lasse sie schwach sein oder selbstverliebt. Aber lasse sie jemand sein, die sich selbst wichtig nimmt. Dann kann ich als Leserin sie auch ernst nehmen. Denn durch solche Schwächen wird sie erst realistisch.

Und dann nutze diese Schwäche und verwandele sie in eine Stärke um. Denn die Figuren sollen ja während der Geschichte wachsen. Also nutze dies über ihre eigenen Charaktereigenschaften. Traue Dich und schaue nach, was Deine Figuren für Schwächen hat, um aus ihr eine starke Heldin zu machen.

Mein Arbeitsvorschlag

Unter den Thema Sexismus habe ich in meinem Blog einige Punkte aufgeführt, die Frauen (und auch Männer) in Romanen nicht mehr erleben sollten. Und trotzdem kann man diese Punkte immer und immer wieder lesen. Schaue also genau hin, wie Du eine starke und inviduelle Frauenfigur für Deinen Roman schaffen kannst.

Um eine starke Figur zu erschaffen, reicht es häufig aus, dass Du sie kennst und ihr eine Aufgabe zuweist, die nur sie lösen kann. Würde sie fehlen, würde der ganze Roman dann in sich zusammenfallen. Überlege Dir also bitte, was ihre einzigartige Aufgabe sein könnte, um sie dann wichtig werden zu lassen.

5. Der Held

Sehr häufig sind die Helden die paranormalen Wesen der Geschichte. Also der Vampir, der gefallene Engel, der Gestaltenwandler und all die anderen Wesen, die es gibt oder geben kann. Vermutlich hat es damit was zu tun, dass die Liebesromane meistens von Frauen gelesen werden (nicht nur, es gibt durchaus auch Männer, die dieses Genre lesen). Daher würde ich sagen, dass sie sich lieber mit der Heldin identifizieren wollen und sie daher ein Mensch sein sollte.

Kleine Inspiration: Muss das immer so sein? Oder könnte auch die Heldin ein paranormales Wesen sein und der Held ein Mensch?

Hier ein paar Ratschläge für Deinen Helden.

1. Er fällt definitiv auf

Er muss auffallen, um jeden Preis. Natürlich kann er unscheinbar sein, aber er hat das gewisse Extra, dass Deine Heldin aufhorchen lässt. Aber meistens sieht der Held unverschämt gut aus, als käme er direkt aus einem Katalog, wo man sexy Kerle bestellen kann. Und dieses gewisse Extra, dieses einmalige, das ist das Sahnehäubchen auf der ganzen Sache.

Du darfst also Dich bei ihm austoben. Sei kreativ und erschaffe einen Mann, der sowohl Deine Heldin als auch Deine Leserinnen und Leser anspricht. Und ich habe mal gelernt, neben dem Aussehen gibt es noch eine Komponente, die wichtig ist: sein Geruch. Er muss nach etwas riechen, was Du dann in Deiner Geschichte einbauen kannst. Denn wir riechen unsere zukünftigen Ehemänner und Väter unserer Kinder eher, als das wir sie sehen (soll was mit der Evolution zu tun haben, denn Frauen können über den Geruchssinn riechen, wer gute Gene hat und nehmen dann einen Mann, der gesunde Kinder zeugen kann).

Erwähne also nicht nur, wie heiß er aussieht, sondern auch, wie gut er riecht. Und natürlich auch, wie sein Geruch genau ist.

2. Die paranormale Gabe

Wie schon oben geschrieben, ist er es meistens, der das paranormale Wesen ist. Aber zugleich hat er noch einen dunklen Charme, eine gewisse Aura, welche Deine Heldin fasziniert und zugleich ein wenig zurückschrecken lässt.

Und er kann etwas, was kein anderer Mann in der Umgebung Deiner Heldin kann, er sieht in ihre Seele. Er weiß, dass sie etwas Besonderes ist, dass sie eine wundervolle Frau ist, dass sie einmalig ist, auch wenn Deine Heldin das noch nicht sieht. Nicht so offen, aber er ist es letztendlich auch, der sie rettet, damit sie ihn retten kann.

3. Gewalttätige Helden

Gesetz Nummer 1, Dein Held schlägt keine Kinder und natürlich auch keine Frauen (Ausnahmen bestätigen im gewissen Rahmen jedoch die Regel, zumindest das zuschlagen bei Frauen, sie kann ja die Feindin sein). Er darf also kein gewalttätiger Typ sein. Das ist dem Bösewicht überlassen. Und wenn er Gewalt einsetzt oder gar jemanden tötet, dann muss ich als Leserin verstehen, warum er das getan hat. Zudem muss ich trotzdem Mitgefühl mit ihm haben. Er sollte also vernünftig handeln, damit ich die Geschichte über bei ihm bleibe.

Wenn also Dein Held in die nächste Kneipe geht und sinnlos eine Schlägerei anfängt, ohne Sinn und Verstand, dann riskierst Du, dass ich die Sympathie für Deinen Helden verliere. Ist er aber in eine Schlägerei verwickelt, weil er jemanden retten will und es nicht anders tun konnte, dann fühle ich sogar mit ihm und seinen Verletzungen.

In den letzten Jahren ist der Trend zu düsteren Helden über gegangen. Also Helden, die durchaus als böse Jungs bezeichnet werden können. Das ist auch völlig in Ordnung. Denn je tiefer Dein Held gefallen ist, desto größer ist der Aufstieg, wenn Deine Heldin ihn gerettet hat. Das bedeutet natürlich aber auch, wenn Du einen solchen düsteren Helden schaffen willst, dass Du vorsichtig bist. Er sollte kein Auftragsmörder von Witwen und Waisen sein. Denn auch diesen werden wir schwerlich folgen können. Aber jemand, der Mafialeute tötet, der darf gerettet werden.

Zwischenzeitlich hat sich der Trend aber auch ganz schön geändert. Denn nun dürfen die Helden so richtig düsterer sein, als sie es sowieso schon sind.

Bei der LoveLetter Convention 2016 erfuhr ich, dass die Helden zwischenzeitlich sogar Verbrechen begehen dürfen. Früher war es immer so, waren sie im Knast, dann waren sie meistens unschuldig. Zwischenzeitlich dürfen sie jedoch richtige Verbrechen begangen haben und sind bzw. waren zurecht hinter Gittern. Also kurz gesagt, sie haben Verbrechen aus eigenem Antrieb begangen.

Das bedeutet, dass Dir nun fast keine Grenzen mehr gesetzt werden, was Deinem Helden betrifft. Doch was für die Männer gelten, trifft noch lange nicht auf die Frauen zu, leider. Und ob dieser Trend wirklich wünschenswert ist, darüber können wir auch sehr gerne diskutieren.

Mein Arbeitsvorschlag

Überlege Dir, was für eine Sorte Held Deine männliche Hautfigur überhaupt sein soll. Nett und freundlich oder doch eher düster und vielleicht sogar richtig böse. Die einzige Regel, die Du hierbei beachten solltest, ist die, wie weit Du selbst gehen willst. Wenn Du Deinen Helden abgrundtief böse gestalten willst und damit zufrieden bist, dann darfst Du ihn gerne so erschaffen. Geht Dir das zu weit, dann lass Dich von aktuellen Trends nicht verunsichern. Es ist Deine Geschichte und Du allein entscheidest.

Weiterhin überlege Dir bitte, was genau an ihm einzigartig ist. Wie sieht er aus. Hier darf natürlich auch Dein persönlicher Geschmack eine sehr entscheidende Rolle spielen. Wenn Du eher Männer mit Brusthaaren magst, dann darf auch Dein Held Brusthaare haben. Wenn nicht, rasiere ihn. Kleiner Tipp, hier darf auch gerne immer eine gewisse Variation eine Rolle spielen, damit alle Deine Leserinnen und Leser sich bzw. ihre persönlichen Vorlieben mal angesprochen werden.

6. Von Konflikten und Gegnern / Gegnerinnen

Ohne einen Konflikt wirst Du es schwer haben, dass Deine Leserinnen und Leser bei Dir und Deiner Geschichte bleiben. Deine Figuren müssen über die komplette Geschichte hin beschäftigt sein. Erst gegen Ende kannst Du ihnen erlauben, endlich zu Luft und zur Ruhe zu kommen. Aber bis dahin haben sie alle Hände voll zu tun, Deine Leserinnen und Leser zu unterhalten.

Konflikttypen

1. Der persönliche Konflikt

Egal, mit was für Wesen Du mich als Leserin konfrontierst, wie mächtig oder wie alt sie sind, sie haben idealerweise eine persönliche Ebene. Und diese Ebene ist die Beziehung zwischen Deiner Heldin und Deinem Helden.

Lasse uns an der Entwicklung Deiner Figuren teilhaben und zeige, wie sie sich nach und nach entwickeln. Von zwei Menschen (oder sagen wir mal Wesen), die sich am Anfang des Romans nicht kannten oder nicht ausstehen konnten, bis hin zum Liebespaar. Wir wissen alle, dass die Heldin und der Held sich am Ende bekommen. Das ist also nicht die Frage in Deinem Liebesroman (egal, in welchem Subgenre Du Deine Geschichte letztendlich ansiedelst). Es geht darum, wie sich bekommen. Und hier bist Du als Autorin oder als Autor gefragt.

2. Der Konflikt des Übernatürlichen

Das hat nichts mit der Persönlichkeit zu tun, sondern mit der Herkunft Deiner Wesen. Dein Held ist ein Vampir und verliebt sich in eine Menschenfrau? Dann wird es wohl allein durch die Lebenserwartung Probleme geben. Oder er ist ein Werwolf und es könnte passieren, dass er sie tötet? Oder ein Engel, der sich nicht in einen Menschen verlieben darf? Hier gibt es genügend Möglichkeiten, um die Herkunft Deines Wesens zum Konflikt aufzubauen.

Deswegen empfehle ich Dir, finde heraus, was einmal die historischen Stärken, Schwächen und Besonderheiten dieser Kreaturen sind, damit Du Dich hier schon einmal bedienen kannst. Und dann schau noch einmal bei der Persönlichkeit nach. Du wirst sicherlich viele interessante Dinge entdecken, um Dein Konflikt noch spannender zu gestalten.

3. Der Konflikt der Ereignisse

Es gibt in der Geschichte Ereignisse, auf die Deine Figuren schlichtweg keinen Einfluss haben, also die externen Konflikte (das hat noch nichts mit dem Bösewicht zu tun). Irgendjemand oder irgendetwas legt Deinem Paar Steine in den Weg und sie müssen alle nach und nach aus dem Weg räumen, um zu erkennen, dass da noch mehr sind. Erst am Ende der Geschichte haben sie alle Steine weggeräumt.

Mithilfe dieser Konflikte kannst Du dafür Sorgen, dass Deine Heldin und Dein Held zusammenarbeiten müssen, auch wenn sie es nicht wollen. Und die kannst Du in der Gesellschaft finden, in der beide leben. Vielleicht will die Familie der Heldin nicht, dass sie sich mit einem düsteren Kerl einlässt. Es könnte aber auch sein, dass die Leute unseres Helden nicht verstehen können, warum er sich auf einmal verliebt hat. Und all diese Dinge.

Der Gegner oder die Gegnerin

In Paranormal Romance Romanen darf es einen physischen Gegner oder Gegnerin geben, mit denen es Deine Heldin und Dein Held zu tun bekommen. In „normalen“ Liebesromanen darf es ein innerer Konflikt oder die Gesellschaft als Gegnerin sein, der es zu überwinden gilt, hier nicht zwangsläufig.

Du darfst hier einen richtig fiesen Typen an den Start bringen, der auch kein Problem hat anderen wehzutun oder gar zu töten. Während Dein Held (auch der böse Junge) noch moralische Werte hat, kannst Du es Deinem Bösewicht ruhig absprechen. Natürlich sollte er realistisch sein und Gründe für das haben, was er tut. Aber für ihn darf es kein zurückgeben. Er darf die letzte Grenze überschreiten, damit Deine Heldin und Dein Held ihn zu Strecke bringen dürfen.

Er ist das Böse und darf am Ende entsprechend besiegt werden. Egal wie, er wird nicht gerettet, sondern er fällt. Zumindest ins Gefängnis wird er gesteckt. Daher sorge für einen guten Gegner (oder auch Gegnerin) für Dein Paar, den ich durchaus verstehen kann und mich freue, wenn er oder sie für die Taten entsprechend büßen muss.

Meine Arbeitsempfehlung

Überlege Dir genau, was ist der Konflikt in Deiner Geschichte und wie sieht das Böse aus. Definiere es und schreibe alles auf, was Du darüber weißt und wissen musst. Und überleg Dir bitte gute Gründe, warum Deine Konflikte so sind, wie Du sie uns vorstellst. Vor allem, warum handelt Dein Gegner oder Deine Gegnerin? Je realistischer die Gründe sind, desto eher habe ich auch Lust in Deine Geschichte einzutauchen.

7. Die Gewaltstufe

Bei der Gewalt solltest Du vorsichtig sein. Denn es gibt Leserinnen und Leser, die am liebsten nichts darüber lesen möchten, während andere einen Hauch von Gewalt akzeptieren. Und natürlich gibt es die, die Deinen Roman lesen obwohl oder gerade, weil es Gewalt enthält.

Gewaltorgien dürften wohl für ein Genre im Liebesromanbereich nicht ganz geeignet sein. Das wäre eher ein Thema für Krimi, Thriller oder Fantasygenre. Überlege daher, was Du mit der Gewalt ausdrücken willst und ob es nicht andere Wege gibt, dieses Ziel zu erreichen. Denn sinnlose Gewaltdarstellung ist eben genau das, sinnlos. Aber wenn Du sagst, ich brauche diese Szene, um mein Ziel besser darzustellen, dann ist es in Ordnung. Hier ist aber weniger mehr.

Mein Arbeitsvorschlag

Überlege Dir genau, wie weit Du mit Deiner Geschichte wirklich gehen willst. Wenn es Dir zu weit geht, dass überhaupt eine Ohrfeige verteilt wird, dann notier es Dir und belasse es dabei. Wenn Du aber weiter gehen kannst, überlege Dir, wie weit es sein darf und wo Deine persönliche Grenze ist. Darüber solltest Du dann momentan auch nicht hinausgehen. Denn dann wirkt Deine Geschichte eher künstlich.

8. Und sie lebten glücklich und zufrieden … HEA

Egal ob es sich hierbei um ein Paranormal Romance Roman oder ein Roman aus einem anderen Subgenre handelt, ein Liebesroman braucht ein sogenanntes HEA, ein happily ever after. Es muss also klar sein, dass Deine Heldin und Dein Held sich gefunden haben und sie glücklich bis an ihr gemeinsames Lebensende zusammenleben.

Denn das ist ja einer der Gründe, warum wir überhaupt Liebesromane lesen. Wir wissen doch bereits, dass die erste Frau, die uns über die Seiten läuft und der erste Mann, der ihr folgt, am Ende ein Paar werden. Das ist ja das Hauptthema dieses Genres. Es ist wie mit der Titanic. Sie geht am Ende unter. Punkt! Sie finden sich und lieben sich (mit den entsprechenden Problemen zuvor).

Es gibt Romane, wo das HEA bedeutet, dass die Heldin zu sich findet und gar keinen Mann an ihrer Seite braucht. Wenn Du eine Reihe schreibst, dann ist das auch in Ordnung. Aber sorge bitte für ein schönes Happy End am Ende, damit Deine Leserinnen und Leser beruhigt das Buch zur Seite legen können.

Mein Arbeitsvorschlag

Überlege Dir schon am Anfang Deiner Plotarbeit, wie Dein Roman am Ende ausgeht. Es ist egal, ob Du am Ende wirklich die Geschichte so ausgehen lässt, wie Du es Dir überlegt hast. Aber wenn Du schon einmal eine grobe Richtung ausgedacht hast, dann weißt Du, wohin die Reise geht.

Schreibe also eine Zusammenfassung und eventuell sogar die letzte Szene Deines Romans und speichere sie gut ab. Am Ende kannst Du sehen, ob Deine Geschichte wirklich so ausgeht oder sie sich in eine völlig andere Richtung entwickelt hat.

Wie Du einen Paranormal Roman NICHT schreiben solltest

Natürlich gibt es auch Punkte, die Du in Deinem Paranormal Roman nicht unbedingt verwenden solltest. Viele davon sind universal, gelten also für alle Romane. Aber einige speziell für dieses Genre.

1. Infomüll

Gerade AnfängerInnen haben immer wieder Angst davor, dass die LeserInnen nicht verstehen, in was für einer Welt wir uns befinden. Diese Angst kann ich durchaus nachvollziehen, hatte ich diese früher auch.

Daher kann es passieren, dass man in den ersten Kapiteln nicht auf die Geschichte selbst eingeht, sondern erst einmal ausführlich, sehr ausführlich die Welt erläutert. Dabei ist das nicht notwendig.

Die meisten LeserInnen haben Erfahrung im Lesen von Geschichten, die jenseits unserer Welt spielen. Und wenn sie ein Buch mit einem entsprechenden Cover in die Hand nehmen, wissen sie schon, worauf sie sich einlassen. Es ist also nicht notwendig, dass Du sie mit den ganzen Informationen rund um die Welt regelrecht erschlägst.

Lass sie daher erst einmal in Deiner Geschichte ankommen. Also die Heldin und den Helden kennenlernen, die Welt in Aktion und das Problem. Dann, so ab dem dritten Kapitel, kannst Du dann gerne ein paar Hintergrundinformationen einstreuen.

Und wenn Du der absolut festen Überzeugung bist, dass ein oder zwei Informationen superwichtig sind, weil sie sonst wirklich nichts verstehen, wie wäre es denn mit einem ganz kurzen Prolog? Dabei meine ich wirklich kurz.

2. Das Paranormale als Fetisch

Es kann passieren, dass man sich zu sehr auf den paranormalen Teil der Geschichte konzentriert. Zum Beispiel, dass man in allen Einzelheiten über das Blutsaugen eines Vampirs berichtet. Wie er sich an die Heldin anschleicht, ihren Blut riecht, ihren Duft wahrnimmt, das Blut in den Adern und Venen fließen sieht, den Herzschlag hört, spürt, wie seine Zähne in ihr weiches Fleisch eindringen, er ihr Blut auf seiner Zunge schmeckt, dabei sogar eine Erektion bekommt, ihre Erektion spürt und sein Hunger gestillt wird.

Wenn Du den letzten Absatz zu viel fandest, dann hast Du recht. Aber in einigen Geschichten wird sehr viel Wert auf diese Elemente gelegt. Eben zu viel Wert. Natürlich müssen sie erwähnt werden. Immerhin ist das Paranormale ein Teil der Geschichte. Ansonsten hätten wir einen klassischen Liebesroman.

Aber sich so intensiv darauf zu konzentrieren, dass man schon keine Lust mehr hat, weiterzulesen, das ist zu viel des Guten. Daher finde eine Balance zwischen dem Paranormalen und der normalen Welt. Dann wird alles eine runde Sache.

3. Achtung, Dialoge!

Glücklicherweise sind die meisten Dialoge in den paranormalen Geschichten, die ich lesen durfte, gut. Aber trotzdem sollte man hier eine gewisse Aufmerksamkeit geben, damit es auch weiterhin gut bleibt.

Denn paranormale Wesen reden sehr wahrscheinlich nicht so, wie es normale Menschen tun. Natürlich haben sie auch Alltagsprobleme, doch ob es wirklich der kläffende Nachbarshund ist oder die Versicherung, die nicht zahlt, ich halte das eher für unwahrscheinlich.

Auch wenn es durchaus eine interessante Idee wäre, wenn man über so etwas in einer Geschichte schreiben würde.

Daher achte darauf, dass die Dialoge in Deinen Geschichten (das gilt natürlich nicht nur für paranormale Romane) kurz und intensiv sind. Sie sollen die Geschichte voranbringen und Informationen vermitteln.

Aus diesem Grund ist es kein guter Ratschlag, sich die Dialoge in der realen Welt als Vorbild zu nehmen. Denn ein Gespräch zwischen Dir und einer vertrauten Person kann über Stunden gehen und von einem Thema zum nächsten springen. In einem Roman kann man das nur in einem sehr kleinen Rahmen darstellen. Aus diesem Grund, wirf ruhig ein besonderes Auge auf dieses Thema.

4. Weniger ist mehr – gerade bei übernatürlichen Elementen

Trifft ein Vampir auf eine Elbin und sie unterhalten sich in einer Orkbar über einen Troll. Dann kommt eine Hexe auf ihren fliegenden Besen herbei und verflucht gerade einen Zwerg, der ihr zu dumm gekommen ist. Der Außerirdische aus dem Pferdekopfnebel schaut erstaunt den Zwerg an, der nun ein Zentaur ist, und unterhält sich dann mit dem Menschen über die Rechte der Magielosen, welche in einem Getto eingesperrt ist, während Zeus eine Sterbliche verführt.

Würdest Du einen Roman über so viele Elemente schreiben, irgendwann wären Deine LeserInnen schlichtweg überfordert. Sie wüssten gar nicht mehr, worauf sie sich zuerst konzentrieren sollten.

Daher ist es durchaus empfehlenswert, wenn Du Dich auf wenige Elemente konzentrieren würdest und diese dann ordentlich einführst. Mir ist bewusst, dass man manchmal gerne dieses Element erwähnen möchte, dann jenes und noch einiges mehr. Ich bin da nicht besser.

Aber ich möchte unterhalten, Leute zum lesen animieren und nicht, dass sie vor lauter Überforderung sagen, nie wieder. Wenn Du mehr Elemente möchtest, dann verteil es auf eine ganze Reihe. Damit meine ich, dass in einem Band ein Element auftaucht und dann im zweiten Band ein Zweites. Aber immer Schritt für Schritt. Was Du benötigst, führst Du auf. Alles andere hingegen fliegt raus.

5. Zu viel Gewalt

Wie oben schon erwähnt, sei bitte vorsichtig mit der Menge an Gewalt, die Du in Deine Geschichte einfügen möchtest. Gerade, weil es ein Liebesroman ist, sollte nicht die Gewalt, sondern die Liebe im Vordergrund stehen.

Natürlich können auch Schlachten entstehen. Aber sie müssen nicht im Vordergrund stehen. Dafür gibt es andere Genres, die dafür weitaus besser geeignet sind, als ein klassischer Liebesroman.

Daher kann ich Dir nur empfehlen, wenn Du Gewalt erwähnen möchtest, dann sollte sie weniger Platz einnehmen, als der Rest der Geschichte. Ansonsten, Krimi oder Fantasyromane eigenen sich dafür hervorragend.

6. Der Ort für Deinen Glossar

Ehrlich gesagt, ich liebe Glossare. Und ich lese sie total gerne durch. Für mich gehören sie aber ans Ende des Buches und niemals an den Anfang. Doch zwischenzeitlich ist es mir einige Male passiert, dass ich am Anfang von diesem überrascht wurde.

Aus zwei Gründen ist das ärgerlich.

Bei einem E-Book muss ich mich erst einmal durch diese Seiten lesen, damit ich dann zum eigentlichen Roman komme. Klar, ich könnte sie auch überspringen. Nur gehöre ich zu der Sorte Leserin, die das nicht kann. Ich will halt wissen, was dort steht. Und daher lese ich sie.

Zum nächsten ist es auch häufig passiert, dass bei mir Erwartungen geweckt wurden, die dann nicht eingehalten wurden. Denn durch das Glossar hatte ich eine gewisse Idee von der Geschichte. Nur haben mir die AutorInnen nicht den Gefallen getan, diese Idee halt zu befriedigen.

Wäre das Glossar erst am Ende aufgetaucht, dann hätte ich nur einen Aha-Moment. In dem Sinne, dass ich tiefer gehende Informationen bekommen hätte. Aber so bekam ich die Informationen vornweg und aus diesem Grund machte sich sogar eine gewisse Enttäuschung in mir breit.

Zudem können einige LeserInnen es als arrogant empfinden, wenn man ihnen das Glossar vorher aufbürdet. In dem Sinne, dass man die eigene Welt so toll findet, dass man ihnen alles vornweg erzählen muss. Zudem kann man das auch als Infomüll bezeichnen.

Wie Du siehst, es spricht eigentlich viel gegen ein Glossar am Anfang. Ich selbst würde das nie machen. Daher überleg Dir bitte sehr gut, ob das wirklich in Deinem Roman sein muss.

7. Mary Sue und Gary Stu Charaktere

Mary Sue und Gary Stu Charaktere sind schlichtweg gefährlich. Zumindest sehe ich sie so. Und in vielen Heldinnen und Helden dieses Genres erkenne ich persönlich durchaus Elemente, die man diesem Charaktertyp durchaus zusprechen kann.

So ist sie durch und durch schön, hat einen besonderen Schimmer (sowohl im Haar als auch in den Augen), einen sexy Knackarsch und große Brüste. Aber sie ist rank und schlank. Und wenn sie dick ist, dann sieht sie immer noch gut aus.

Aber zugleich ist sie so super drauf, dass ihr niemand Angst einjagen kann, sie mit High Heels den bösen Jungs in den Hintern tretet und trotzdem den Nachwuchs rechtzeitig aus dem Kindergarten abholt.

Er hingegen darf ein richtiger Bastard sein. Aber so richtig abgrundtief. Trotzdem kriegt er die Heldin ab, die ihm alles verzeiht (im realen Leben würde das bei der Hälfte der Frauen durchaus anders aussehen). Eben der Bad Boy, der sie stalken und sogar vergewaltigen darf. Sie liebt ihn und alles ist gut.

Übrigens, Frauen dürfen selbst keine Bastarde sein. Das würde man ihnen niemals verzeihen.

Abschlussworte

Vielleicht wirst Du Dich fragen, wo bleibt die Erotik, wo bleibt bitte schön der Sex? Das sind Punkte, die ich eher als Kür erachte, weniger als Pflicht. Hast Du eine gute Geschichte, interessante Charaktere und überraschende Plotttwists, dann kannst Du nach als Sahnehäubchen die Erotik einführen.

Häufig nutzen Autorinnen und Autoren den Sex dafür, eine Geschichte zu retten, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Wenn die Geschichte schon schlecht ist, dann wird der Sex sie auch nicht mehr retten können. Das ist ein Fakt. Einer, der auch gerne übersehen wird. Daher habe ich mich in diesem Beitrag eher auf die Geschichte, die Charaktere und die Hintergründe konzentriert.

So gesehen gehört eigentlich nicht viel, einen Paranormal Romance zu schreiben. Du brauchst in erster Linie eine Idee, über was Du schreiben möchtest und eine ordentliche Portion Originalität. Dann schreiben Du und ich einen einmaligen Roman in diesem Genre.

Und auch wenn ich die ganze Zeit von Heldin und Helden geschrieben habe, es spricht nichts dagegen, einen Roman über zwei Heldinnen oder zwei Helden zu schreiben. In diesem Bereich gibt es, zumindest im deutschsprachigen Bereich, noch sehr wenig Literatur. Da sind die Amerikanerinnen und Amerikaner uns (mal wieder) weit voraus.

In dem Sinne wünsche ich Dir viel Spaß beim Schreiben.

Über welche paranormale Wesen möchtest Du schreiben? Wie stark siehst Du Deine Heldin? Möchtest Du vielleicht eine Lesbian oder Gay Paranormal Romance Geschichte schreiben?

Was darf es denn sein?

Überlege Dir, was für Art Geschichten Du aus diesem Bereich gerne liest und welche nicht. Gegebenenfalls besorge Dir noch ein paar Bücher, räume Dein Regal aus und lies noch einige, welche Dir gefallen und welche Dir nicht gefallen haben.

Frage Dich auch, warum hat Dir eine Geschichte besonders gut gefallen, während die andere Geschichte Dir weniger gefallen hat. Es wird sicherlich einen guten Grund dafür geben. Analysiere es und notiere Dir Deine Erkenntnisse.

Wie schreiben sie?

Die Autorinnen und Autoren, die Du Dir ausgesucht hast und Dir gefallen, worüber schreiben sie? Und vor allem geben sie dem Mythos der entsprechenden Wesen etwas Neues hinzu? Etwas, was die Wesen in ein anderes Licht erscheinen lassen?

Lerne von denen, die es vorgemacht haben. Dann kannst Du sehen, wie sie es gemacht haben und was Dir gefällt und Du auch gerne so schreiben möchtest. Und vor allem, was Du nicht machen möchtest. Sicherlich gibt es auch da einige Punkte, wo Du Dir sagst, dass sie nicht ganz deins sind.

Deine Planung

Nun bist Du dran. Plane Deinen Eigenen Paranormal Romance Roman. Wie soll er aussehen? Was für eine Heldin möchtest Du? Was für einen Helden? Mit welchen magischen Wesen willst Du arbeiten? Und was für einen Antagonisten möchtest Du gerne haben?

Wenn Du damit fertig bist, dann schreibe Deinen Paranormal Romance Roman.
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  • Original: 17. November 2015
  • Erste Überarbeitung: 15. Mai 2016
  • Zweite Überarbeitung: 20. März 2017

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[Charaktere] Mary Sue und Gary Stu

Hei, hallo und herzlich willkommen,

für FanfictionautorInnen ist es die schlimmste Ehre, wenn man die Charaktere als Mary Sue oder als Gary Stu bezeichnet. Dabei handelt es sich um Charaktertypen, hinter denen sich die Autorin bzw. der Autor versteckt und ihre geheimsten Wünsche über sie ausleben lassen kann.

Doch schon lange ist dieser Charaktertyp nicht nur auf den Fanfictionbereich reduziert. Denn auch in veröffentlichten Romanen findet man sie zwischenzeitlich sehr häufig. Daher schauen wir uns diesen Charaktertyp doch mal genauer an.

Kurze Vorgedanken

Zuerst tauchte Mary Sue auf. Und zuerst war sie ein Charakter wie jeder andere. Doch zwischenzeitlich hat sich diese Bezeichnung als ein Synonym für Figuren entwickelt, die eher eindimensional sind und überquellen von Klischees.

Daher fürchten einige AutorInnen durchaus das Urteil, ihr Charakter erinnere doch sehr an Mary Sue. Oder dieser sei eben eine Mary Sue. Im Laufe der Jahre hat sich noch ihr Zwillingsbruder Gary Stu hinzugesellt. Bei ihm gelten fast die gleichen Regeln wie bei Mary Sue.

Doch während FanfictionautorInnen durchaus wissen, wer Mary Sue ist, scheinen das RomanautorInnen nicht immer zu wissen. Deren LeserInnen übrigens auch nicht immer. Ansonsten gäbe es nicht auf Goodreads eine Liste mit Büchern, welche von Mary Sue Charakteren nur so wimmelt. Für mich überraschend ist durchaus, dass dabei Namen wie Laurell K. Hamilton oder auch (ja, Du liest richtig) Stephen King dabei sind. Aber auch Bücher, die verfilmt wurden. Man kann durchaus sagen, sogar die Großen der Literaturbranche laden sich diesen Charaktertyp in ihre Geschichten ein.

Vor einigen Monaten las ich eine englischsprachige Rezension zu einem Mary Sue Buch durch das ich mich immer noch kämpfe. Die Rezensentin merkte zurecht an, dass dieses Buch neben endlosen Fehlern auch eben eine Mary Sue als Hauptcharakter habe. Eine Userin schrieb darauf, dass eben dieser Charakter doch so wundervoll sei, und zählte dann gerade ihre Mary Sue Qualitäten auf. Nun, auch LeserInnen wissen nicht immer, wer sie eigentlich ist.

Daher möchte ich Dir heute einen sehr umfangreichen Beitrag dazu bieten, wer diese Zwillinge überhaupt sind, wie man sie verhindern kann, oder retten, sofern Du einen erschaffen hast und auch einige Beispiele nennen.

Wer ist eigentlich Mary Sue?

Mary Sue war eine Halbvulkanierin, die auf dem Schiff der U.S.S. Enterprise unter Captain Kirk diente. Sie war sowohl ihm als auch Mr. Spock und auch Dr. McCoy in jeder erdenklichen Lage überlegen, wunderschön, tapfer und alle drehten sich nach ihr um. Während eines Einsatzes war sie es dann, die am Ende der Crew und das Schiff rettete. Dabei opferte sie ihr eigenes Leben.

Wenn Du jetzt das Bedürfnis hast, schreiend wegzurennen, dann hast Du das grundlegende Problem von Mary Sue Charakteren erfasst. Denn ihre Charakter ist nicht dafür geschaffen, sie auf Dauer sympathisch zu finden, auch wenn man eigentlich versucht, das mit ihr zu erreichen.

Die perfekte Mary Sue

Mary Sue ist in allen Bereichen perfekt. Sie ist wunderschön, hat die richtigen Kurven an den richtigen Stellen, schöne lange Haare, tolle Augen und einen süßen Schmollmund sowie eine Stupsnase. Zudem ist sie intelligent und brillant zugleich. Aller Wahrscheinlichkeit hat sie sogar einen Doktortitel, und zwar als jüngste Frau in ihrem Fachgebiet, wo sie natürlich zur Weltspitze gehört. Alternativ kann sie auch der jüngste Detective sein, die jemals den Polizeidienst angetreten hat und so weiter.

Zugleich ist sie unglaublich zäh. Wenn sich ihr etwas in die Quere stellt, kann es ihr zwar den Teppich unter den Füßen wegziehen. Doch sie ist es dann, die sich alleine aufrappelt und die ganze Angelegenheit klärt. Und nebenbei reißt sie mit ihrer Leidenschaft noch ihre Umgebung mit, die ansonsten aufgegeben hätten. Gerade in brenzligen Situationen ist sie es dann, die alle Menschen rettet, die ihr wichtig sind.

Alle Menschen, die sich in der Geschichte als positiv herausstellen, lieben Mary Sue. Das gilt sowohl für die Männer als auch die Frauen. Natürlich finden sie Mary Sue auch sexuell attraktiv. Und je nach Geschichte kann sie sich aussuchen, mit wem sie ins Bett geht.

Jedoch wollen sie auch alle retten, wenn sie sich zurückzieht und es ihr schlecht geht. Und ist Mary Sue in Gefahr, dann werden ganze Planeten riskiert, damit sie überleben kann. Denn alle lieben sie und alle stehen fest hinter ihr.

Leider keine Parodie

Wenn Du das Gefühl hast, dass diese Aufzählung eine Parodie sei, dann muss ich Dich leider enttäuschen. Denn es gibt in der Tat Figuren, die nach diesem Muster gestrickt sind. Das Buch, durch das ich mich immer noch kämpfe ist „Kushiel – Das Zeichen“ von Jacqueline Carey. Und Phédre, die Heldin der Geschichte, ist eine Mary Sue. Ich will nicht zu viel verraten, für den Fall, dass Du Dir das Buch bzw. die Reihe selbst durchlesen möchtest. Auf alle Fälle scheint sie irgendwie alles zu können, auch wenn die Autorin das manchmal relativiert. Also ihr in den Mund legt, dass sie in gewissen Dingen doch nicht so bewandert sei. Und zugleich ist sie die Einzige, die selbst in schweren Zeiten einen Überlebenswillen hat, während ihre Umgebung, wohlgemerkt, darunter befindet sich auch ein Krieger, dass schon lange aufgegeben haben.

Trotzdem wurde dieses Buch in Amerika, so wie ich gelesen habe, zum Bestseller. Und in Deutschland haben auch sehr viele Leute die drei übersetzten Bücher gelesen (von insgesamt sechs). Aber auch in anderen Büchern findest Du Mary Sue Charaktere wie „Twilight“, „Harry Potter“ und auch „James Bond“.

Kritik zu Mary Sue

Mary Sue ist der Albtraum einer jeden kritischen Leserin und eines jeden kritischen Lesers. Sie möchten nicht mit einem zu perfekten Charakter belästigt werden, wo man alle paar Seiten (oder alle paar Filminuten) die Augen verdreht und sich fragt, was das bitte sein soll. Natürlich ist die Heldin im Mittelpunkt des Geschehens, das ist ein Fakt. Ansonsten wäre sie keine Heldin. Jedoch ist es immer eine gute Idee ihr Schwächen zu geben, die sie menschlich erscheinen lässt. Mary Sue ist davon jedoch Lichtjahre entfernt (um mal auf ihren Ursprung zurückzukommen).

Weitere Bezeichnungen für Mary Sue

  • Einstein Sue – wenn sie besonders intelligent ist (im Bereich Genie)
  • Jerk Sue – bezeichnet ein Charakter, die sehr schnell ausflippt
  • Sympathetic Sue – sie will unbedingt Deine Sympathie als Figur

Ihr Bruder Gary Stu

Kurz vorab, Gary Stu hat nicht auf der U.S.S. Enterprise als Bruder von Mary Sue gedient. Ich habe mir nur angewöhnt, die beiden als Geschwister zu bezeichnen. Denn sie haben die gleiche, unheilige Aufgabe (uns Leserinnen und Leser auf die Nerven zu gehen) und ähnelt ihr sehr.

Doch er ist ein Kind der späteren Generation. Man könnte ihn also als kleinen Bruder von Mary Sue bezeichnen, auch wenn es ihn schon länger gibt. Wie eben James Bond, den es durchaus schon einige Jahrzehnte gibt.

Wer oder was ist genau Gary Stu

Kurz gesagt, Gary Stu ist der männliche Gegenpart von Mary Sue. Er ist gut aussehend, hat perfekte Manieren, ist ein ausgezeichneter Kämpfer und alle Frauen und auch die Männer, fliegen auf ihn. Er kann jedes Gefährt steuern, kennt sich mit Waffen aus und ist in mindestens drei verschiedenen Kampfkünsten unterwiesen.

Wenn er auf dem Plan tritt, dann drehen sich alle nach ihm um und wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Er erregt alle Aufmerksamkeit. Denn er ist jung, intelligent und hat einiges auf dem Kasten. Und wenn er Feinde hat, dann aber so richtig. Man will ihn nicht nur töten, man will ihn regelrecht vernichten. Seine Erinnerung aus den Analen der Geschichte löschen, auch wenn er dort noch nicht einmal angekommen ist. Aber das ist egal.

Ein Beispiel

Das wohl bekannteste Beispiel ist immer noch Wesley Crusher von der U.S.S. Enterprise unter dem Kommando von Captain Jean Luc Picard. Es ist nicht nur so, dass er das Schiff rettet, wenn alle anderen versagen (Deus ex Machina lässt hier eindeutig grüßen), sondern darf auch das Schiff fliegen, obwohl er die Akademie noch gar nicht abgeschlossen hatte. Kein Wunder, dass alle diesen Charakter nicht mögen. Noch nicht einmal der Schauspieler selbst kann mit ihm etwas anfangen.

Gary Stu ist …

Entweder ist Gary Stu ein durchtrainierter Athlet oder so schwach gebaut, dass er zierlich und beinahe feminin wirkt. Vermutlich soll er damit einer Frau sehr ähneln. Auf alle Fälle zeigen sich hier die vielen Idealbilder der Frau gegenüber einem Mann. Also Waschbrettbauch anstelle eines Bierbauches. Oder lange Haare, damit diese schön das Gesicht verdecken können. All diese Dinge halt.

Natürlich drehen sich auch bei Gary Stu alle anderen Figuren nach ihm um. Und sehr häufig darf er schwul sein. Entweder ist er es, der erkennt, dass der andere Held schwul ist oder er muss davon überzeugt werden. Und Gary Stu schafft es auch, dass sich zwei Helden in ihn verlieben. Und wenn es eine sogenannte Polyamore Geschichte handelt (wo drei Personen eine gemeinsame Beziehung führen), dann bleiben alle am Ende miteinander zusammen, weil sie sich verstehen.

Weitere Bezeichnungen von Gary Stu

  • Larry Stu
  • Marty Stu
  • Mary Joe
  • Marty Sam

Zwischengedanken

Diese Informationen sollten Dir helfen zu sehen, wer oder was genau eine Mary Sue bzw. ein Gary Stu ist. Doch wie identifiziert man sie jetzt eigentlich?

Mary Sue

Fangen wir mit der Schwester an. Immerhin ist sie auch um einiges älter als Gary Stu und zwischenzeitlich gibt es genaue Identifizierungsmerkmale, wie man sie erkennen kann.

Physische Erscheinung

Sehr häufig haben wir es mit einer absoluten Schönheit zu tun, die auch einen, sagen wir mal, exotischen Touch hat. Entweder hat sie eine ungewöhnliche Haarfarbe oder Augenfarbe, die sie dann als besonders, einmalig, einzigartig kennzeichnet.

Dazu gehören zum Beispiel goldene, rote oder violette Augen, brünette Frauen mit heller Haut, wunderschöne Mädchen aus der ärmeren Schicht (also Bauernmädchen, Bettlerinnen und so weiter) und Mädchen bzw. Frauen, deren Äußeres besonders detailliert beschrieben wird.

Überlassen die Autorinnen und Autoren die Selbstbeschreibung dem Charakter, dann kommt so etwas heraus wie, dass zu dünn seien, dass die Augen oder der Mund zu groß sei. Also körperliche Makel, die keine sind. Damit wird wohl der Versuch gestartet, sie doch irgendwie menschlich und liebenswürdig zu gestalten. Immerhin haben sie ja auch Probleme mit ihrem Äußeren.

Ihre Talente und/oder Fähigkeiten

Hier kann in zwei extreme Richtungen gehen.

Die erste Richtung ist, dass sie ein weit gefächertes Repertoire an Fähigkeiten und Talenten hat. Mehr, als die Realität erlaubt. Das kann also sein, dass sie besonders athletisch ist, dass sie ein hohes Maß an akademisches Wissen hat, natürlich auf verschiedensten Ebenen, sie ist künstlerisch begabt und was es noch geben kann, damit die Geschichte eine Mary Sue hervorbringt.

Häufig ist sie ihren Altersgenossinnen und Altersgenossen weitaus überlegen. Und meistens gibt es dafür noch nicht einmal einen guten Grund. Es ist halt so. Zu allem Überfluss kann es noch dazu kommen, dass sie göttliche Macht haben kann. Besonders in Geschichten, wo es um Magie geht oder wenn Menschen von Geburt auf an übernatürliche Fähigkeiten haben. Sie ist natürlich die Königin dieser Gruppe.

Das andere Extrem ist, sie ist absolut nutzlos. Sie kann nichts, rein gar nichts. Also keine besonderen Talente oder Fähigkeiten. Man könnte sich schon fragen, wie sie es überhaupt schafft, in der Geschichte zu überleben. Aber da gibt es natürlich den Helden. Er findet sie so wundervoll, attraktiv und noch so einiges mehr, dass er es sich zur Aufgabe gemacht hat, sie zu retten. Und wenn er dafür sein eigenes Leben dafür opfern muss. Nun, Problem gelöst würde ich sagen. Zumindest für Mary Sue.

Ihr Hintergrund

Ihre Hintergrundgeschichte kann übertrieben dramatisch oder tragisch sein. Damit soll eigentlich garantiert werden, dass wir beim Lesen sagen, oh, dieses arme, arme Mädchen. Das kann sein, dass sie aus einer extrem glücklichen Familie kommt, wo sie geliebt wurde, wo alles in Ordnung war, wo alles einfach nur erdrückend war. Zumindest für uns. Denn es gab kein Grund mal die Eltern anzuschnauzen, weil sie einfach perfekt waren und der Tochter alles erlaubt haben und auch kein Grund, um einfach mal auf dem Tisch zu hauen. Gerade in dem Alter wo Kinder nun einmal auf den Tisch hauen und zeigen wollen, dass sie erwachsen sind (oder es zumindest glauben).

Die Alternative ist hier (ja, auch hier gibt es zwei Extremen), dass sie aus einer Familie kommt, wo sie und ihre Besonderheit unterdrückt wurden. Niemand verstand sie, niemand liebte sie und es kann sogar zu Misshandlungen gekommen sein, aus denen sie als Siegerin hervorging. Immerhin hat sie ihre Kindheit überlebt. Aber das ist natürlich dann auch ein Grund, warum es ihr schwer fällt, anderen zu vertrauen und die dann darum kämpfen müssen, dass sie dann zum erlesenen Zirkel der Heldinnen und Helden gehören. Oder anders ausgedrückt, dass die anderen zu ihrem erlesenen Zirkel gehören.

Zu der zweiten Hintergrundgeschichte ist der berühmteste Vertreter der Gary Stu Fraktion immer noch Harry Potter.

Sehr häufig kommt es auch vor, dass Mary Sue nicht in ihrer Ursprungsfamilie aufwächst. Das bedeutet, dass diese sie entweder weggegeben, verkauft oder einfach vor der Tür irgendeiner seltsamen Familie ausgesetzt wurde. Doch eigentlich entstammt sie einer königlichen Familie oder ist die Tochter einer supermächtigen Hexe oder eines supergeheimen Zauberers. Also von jemanden die oder der was in der Geschichte zu sagen hat. Sie kann natürlich auch ein Halbling sein. Also, sie ist nur zur Hälfte ein Mensch. Die andere Hälfte kann eben die Hexe sein, eine Elbin, eine Vampirin, such es Dir einfach aus.

Ihre Aufgabe, ihr Zweck, ihr Schicksal

Ich denke nicht, dass ich noch erwähnen muss, dass sie „Die Auserwählte“ ist. Die Person, die den Tag rettet, dass Volk vor der Sklaverei und was auch immer in der Geschichte gerettet werden muss. Sie schafft das schon. Dabei hat sie noch nicht einmal irgendeine Autorität, um irgendetwas zu erreichen oder jemanden zu befehligen. Aber sie rettet alle. Und auch dann, wenn sie eigentlich gar keine besonderen Fähigkeiten hat, um das zu schaffen (siehe weiter oben).

Ihre Persönlichkeit

Ihre Charakterschwäche soll darüber hinwegtäuschen, dass sie gar keinen Charakter hat. Zumindest keinen Realistischen. Das bedeutet, dass sie halt schnell ärgerlich wird, stur ist oder feindselig reagieren kann. Aber sie kann auch tollpatschig sein. Doch all diese Charakterschwächen haben über lange Hinsicht keine Auswirkung auf sie, auf die Umgebung oder auf die Geschichte. Denn letztendlich, sie ist perfekt und hat daher keine Charakterschwächen. Oder man kann ihr diese vergeben.

Ergo, egal wie mies sie sich auch benehmen mag, man ist ihr vielleicht ein paar Tage böse und man bestraft sie auch, aber über längere Zeit vergibt man ihr, dass sie sich mies benommen haben mag. Man verträgt sich, man versteht ihre Handlungen oder warum sie so reagiert hat, wie sie reagierte.

Ihre (romantischen) Beziehungen

Die Beziehungen zu anderen kann man sich nicht immer erklären. Denn diese gehen von ganz unten bis ganz oben. Aus allen Gesellschaftsschichten hat sie Freundschaften, die ihr gerne alles beibringen, was diese können und gerne mit ihr Zeit verbringen.

Das bedeutet natürlich auch, dass selbst mächtige Menschen wie Könige oder Königinnen, Hexen oder Zauberer, Präsidentinnen oder Minister ihr die Gunst schenken. Und wenn sie deren Hilfe braucht, bekommt sie diese sofort und ohne zu zögern und natürlich auch zeitnah. Wo kämen wir ansonsten hin.

Und egal wie sehr sie sich spinnefeind mit jemandem war, bzw. die Person sie nicht leiden konnte oder diese einander egal waren, am Ende empfinden sie etwas füreinander. Es gibt eigentlich keinen guten Grund, warum beide sich ineinander verlieben. Sie tun es aber trotzdem und am Ende wird aus den unwahrscheinlichsten zwei Figuren des Romans ein romantisches Traumpaar.

Gary Stu

Im Grunde genommen unterscheidet sich Gary Stu nicht von Mary Sue. Wenn Du Dir die oben aufgeführten Beschreibungen durchliest und sie auf einen Mann ummünzt, dann hast Du die Beschreibung für ihren Bruder.

Es gibt jedoch eine Besonderheit, die nur ein Gary haben kann. Eben, weil er ein Mann ist. Und zwar die Anzahl seiner Bauchmuskeln. Denn es gibt eine Form von Gary Stu, der ist genau richtig muskulös. Also Bauchmuskeln, Armmuskeln und natürlich der Knackarsch darf hier auch nicht fehlen.

Seinem Pendant fehlen genau diese sexy Muskeln. Er wirkt daher ein wenig androgyn. Manchmal hat er auch lange Haare, natürlich schwarz und sein Pony fällt ihm ins Gesicht. Er wirkt daher auch hilflos und man möchte ihn halt beschützen.

Aber ansonsten kannst Du die Liste oben auch für Gary Stu verwenden und fährst damit durchaus gut.

Zwischengedanken

Mit dieser Liste kannst Du Dich eigentlich schon auf die Suche machen, um Mary Sues in Geschichten zu identifizieren. Doch ich möchte Dir gerne ein, zwei Beispiele vorstellen, um Dir die Liste noch einmal deutlich vorzustellen.

Mary Sue Charaktere

Usagi „Bunny“ Tsukino aus Sailor Moon

In Deutschland ist sie unter den Namen Bunny Tsukino bekannt, ihr richtiger Name ist jedoch Usagi. Sie ist die Heldin der Serie Sailor Moon und kämpft unter diesen Namen gegen allerlei böse Kreaturen, welche die Welt und das ganze Universum erobern oder vernichten wollen (je nach Staffel). Ihr zur Seite stehen weitere Kriegerinnen (auch Senshi genannt), welche die erdnahen Planeten repräsentieren. Also um genau zu sein Merkur, Mars, Jupiter und Venus. Ihre Aufgabe ist es Prinzessin Serenity (die wahre Identität von Usagi) zu beschützen. Die Kriegerinnen der Planeten Saturn, Neptun, Uranus und Pluto hingegen sollen das ganze Sonnensystem beschützen.

Und sagen wir mal so, während der Animeserie (den Manga habe ich zwar hier zu Hause, hab ihn aber noch nicht komplett gelesen), macht sie eine Menge Verwandlungen durch.

Physische Erscheinung

Sailor Moon hat zwei Besonderheiten. Einmal ihre blonden Haare (aus japanischer Sicht natürlich gesehen) und dann ihre Frisur (die beiden Kugeln an ihrem Kopf). Niemand sonst in ihrer Umgebung trägt die Haare auf diese ungewöhnliche Art und Weise.

Weiterhin ist sie durchaus als extrem schlank zu bezeichnen (auch wenn sie selbst der Meinung ist, zu dick zu sein und daher eine Diät braucht, ein Typisches Mary Sue Phänomen).

Ihre Talente und/oder Fähigkeiten

Usagi gehört zu der Sorte „nutzloser Mary Sue“. Denn sie hat eigentlich keine wirklichen Talente. Weder ist sie in der Schule gut, noch kann sie sich wirklich als Hausfrau behaupten (sei es das Kochen oder Handarbeiten oder was auch immer), auch wenn sie es mehrere Male versucht.

Jedoch beherrscht sie zwei Dinge doch sehr gut. Und zwar einmal das Werfen des Frisbees (das liegt daran, dass ihr Diadem dann zu einer Waffe werden kann) und dann ihr ungewöhnliches Talent mit der ganzen Welt Freundschaft zu schließen.

Selbst als Sailor Moon ist sie eigentlich eher nutzlos. Denn die anderen Senshis kümmern sich darum, dass die Dämoninnen und Dämonen geschwächt werden und sie sahnt dann den Sieg ab. Sie ist es nämlich, die verschiedenste Variationen von Mondstäben hat (die meiner Meinung nach immer üppiger und immer alberner Aussehen) und allein in der Lage ist, die Gegnerinnen und Gegner zu vernichten oder gegebenenfalls zu heilen.

Aber sie kann keine Feuerbälle (Mars), Wasserstrahl (Merkur), Blitzschläge (Jupiter) oder eine Feuerherzenkette (ja, Du hast richtig gelesen, dass ist Venus) durch die Gegend schleudern. Trotzdem gilt sie als mächtigste der Sailor Kriegerinnen.

Ihr Hintergrund

Usagi ist die wiedergeborene Prinzessin Serenity. Sie war die Tochter der Königin des Mondreiches, welches von Königin Perilia vernichtet wurde. Durch die Macht der Mondkönigin wurden sie und ihre Kriegerinnen gerettet und auf die Erde gebracht, damit sie dort als normale Mädchen wiedergeboren werden können.

Und auf der Erde ist sie die Tochter ihrer menschlichen Eltern und die ältere Schwester eines nervigen Bruders. Also wenn man es so will, sie lebt unter ihrem Stand.

Ihre Aufgabe, ihr Zweck, ihr Schicksal

Ihre Aufgabe ist keine geringere, als regelmäßig die Welt zu retten. Dabei muss sie auch regelmäßig ihr Leben riskieren und opfern. Denn sie ist die Einzige, welche den Mondkristall verwenden kann. Der ist aber so mächtig, dass sie diesen nur unter Einsatz ihres Lebens verwenden darf.

Ansonsten ist sie die Anführerin der Inner Senshis (also der Sailor Kriegerinnen, die ich oben aufgeführt habe). Warum auch immer, denn als Anführerin eignet sie sich nicht unbedingt.

Ihre Persönlichkeit

Die Anime-Usagi geht mir persönlich teilweise sehr auf die Nerven. Denn sie heult permanent. Immerhin ist sie so einsichtig, dass sie selbst erkennt, dass sie eine Heulsuse (OT) ist.

Ansonsten wird sie immer wieder von anderen gelobt, dass sie eigentlich ein herzensguter Mensch ist (von den Guten) und zugleich hasst das Böse sie abgrundtief. Nicht einmal die anderen, aktiveren Senshis ziehen so viel Hass auf sich, wie sie es tut.

Ihre (romantischen) Beziehungen

Mary Sues liebt man oder hasst man. Das trifft bei Usagi ebenfalls zu. Ehrlich gesagt, ich frage mich, warum Mamoru Chiba (Tuxedo Mask, der schon ihr Geliebter im vorherigen Leben war), sich überhaupt mit ihr abgibt. Und das fragt er sich manchmal auch. Immerhin ist der Altersunterschied ziemlich groß (er ist Student, sie geht noch in die Mittelstufe) und auch sonst haben sie eigentlich wenig gemeinsam. Außer ihrer Vergangenheit.

Und auch sonst schafft sie sogar die bösesten der Bösen auf die gute Seite der Macht … äh, falscher Film … auf die gute Seite zu ziehen. Und das allein aufgrund der erwähnten Herzensgüte.

Tauriel aus Der Hobbit (Film)

Tauriel ist ein erfundener Charakter von Peter Jackson für den Dreiteiler „Der Hobbit“. Da die Buchvorlage keine weibliche Figur vorgesehen hat, erfand er sie wohl, um auch Zuschauerinnen ins Kino zu locken. Leider zeigte sich schnell, dass die arme Tauriel, obwohl sie eigentlich das Talent hatte, ein guter Charakter zu werden, einfach eine klassische Mary Sue Figur ist.

Physische Erscheinung

Tauriel selbst sieht aus, wie alle anderen Elbinnen und Elben. Ihre Besonderheit ist, dass sie rostbraunes Haar hat. Ich selbst bezeichne sie als rothaarig. Alle anderen Elbinnen und Elben um sie herum haben jedoch entweder blondes bis weißes Haar oder schwarzes Haar. Damit sticht sie eindeutig sehr stark hervor.

Ihre Talente und/oder Fähigkeiten

Sie ist eine sehr talentierte Bogenschützin, kämpft gegen übermächtige Gegner und ist als Einzige in der Lage Kili von seiner tödlichen Verwundung zu heilen. Und mir fallen gerade keine Beispiele ein, was sie eigentlich nicht kann.

Ihr Hintergrund

Sie ist die Anführerin der Grenz- und Palastwache. Hat also einen sehr hohen Posten im Reiche Thranduil (der Vater von Legolas) inne. Und ich kann mir gut vorstellen, dass dieser sie auch dazu ernannt hat (viel über ihre Biografie konnte ich nicht finden).

Und im Film kann man deutlich sehen, dass Prinz Legolas das eine oder andere Auge auf sie geworfen hat.

Ihre Aufgabe, ihr Zweck, ihr Schicksal

Eigentlich soll Tauriel die Grenzen des Düsterwaldes (das Königreich Thranduils) beschützen. Das bedeutet unter anderem auch der ewige Kampf gegen irgendwelche Riesenspinnen. Und natürlich ist sie in der Lage, diese Aufgabe hervorragend zu erledigen.

Aber ansonsten scheint sie immer dann aufzutauchen, wenn man ihre besonderen Fähigkeiten benötigt (Legolas wird von einem Ork angegriffen, sie besiegt ihn, Kili stirbt fast, sie kann ihn heilen).

Ihre Persönlichkeit

Einerseits ist Tauriel eine tapfere Kriegerin und zum anderen wirkt sie auf mich ein wenig naiv. Leider kann ich das nicht genauer erklären. Aber das zeigt, dass sie zwischen Genie und nutzlos gefangen ist.

Doch wenn sie eine Niederlage erleidet, dann leidet sie so richtig. Und zwar so sehr, dass sie am liebsten nie mehr etwas fühlen würde.

Ihre (romantischen) Beziehungen

Natürlich hat der Sohn des Königs, Prinz Legolas, ein Auge auf sie geworfen. Und sie liebt ihn ebenfalls. Das Thranduil, dass Ganze nicht gut findet, macht er ihr auch deutlich. Das ist der eine Beziehungsstrang. Doch es scheint, dass sie den hübschen Prinzen gleich vergisst, als sie den hübschen Zwerg Kili entdeckt. Da kann man ihr durchaus vorwerfen, dass sie Legolas nicht wirklich geliebt hat. Immerhin hat er sein Reich für sie riskiert (indem er es, entgegen dem Befehl seines Vaters, verlassen hat) um sie zu beschützen.

Und als Thranduil ihr wahres Leid und ihre wahren Gefühle erkennt, erweicht sie damit sein Herz.

Abschlussgedanken zu den Mary Sues

Wie Du siehst, können Mary Sues nicht nur Einzug in Filme, Serien oder Bücher haben (wie Tauriel), sie schaffen es sogar, Kultstatus zu erlangen (wie Usagi als Sailor Moon). Das bedeutet aber nicht, dass Du dem nachmachen musst. Denn diese Figuren hatten letztendlich auch Glück (Sailor Moon war der erste Manga und Anime, der in Deutschland groß rausgebracht wurde) oder waren schmückendes Beiwerk (Tauriel war nicht die Hauptfigur).

Doch wie sieht es mit Gary Stu aus?

Bond, James Bond aus Diversen Filmen und Bücher (Ian Fleming)

Vermutlich muss ich zu unserem berühmtesten Geheimagenten Ihrer Majestät nichts mehr sagen. In den letzten über fünfzig Jahren haben verschiedene britische und irische Schauspieler diesem Agenten verkörpert. Dabei geht man von genial bis hin zu man-ist-das-albern.

Physische Erscheinung

Natürlich ist James Bond ein attraktiver Mann. Und auch wenn er in die Jahre gekommen ist (gerade bei den ersten Darstellern), ist er immer noch attraktiv genug, damit die Frauen (und gerade die Bondgirls) ihm reihenweise um den Hals fallen.

Besonderheiten, wie seltsame Augen oder besondere Haarfarbe fehlt hier (außer vielleicht beim ersten blonden Bond). Aber das macht er mit seiner Sexyness definitiv wett.

Seine Talente und/oder Fähigkeiten

Bond hat die Lizenz zu töten. Muss man dazu noch mehr sagen? Er ist ein guter Kämpfer, kann mit den verschiedensten Waffentypen umgehen, auch mit den verschiedensten Fortbewegungsmitteln. Und was noch ganz wichtig ist, während die Ladys bei einer leichten Ohrfeige schon für mindestens drei Wochen ins Koma fallen, Bond kann man durch einen ganzen Zug prügeln und er ist nur ordentlich außer Atem, mehr nicht (siehe Spectre).

Und, ganz wichtig, er kriegt die Bondgirls ins Bett. Sein wichtigstes Talent (tut mir leid, aber darauf werde ich jetzt ein wenig herumreiten).

Sein Hintergrund

Das ist von Bond zu Bond verschieden. Denn früher haben die Agenten lediglich den Namen angenommen. Daniel Craig verkörpert den ersten Bond, der diesen Namen sogar in seiner Geburtsurkunde hat. Und dieser Bond ist natürlich der beste Agent aufgrund der Tatsache, dass er ein Waise ist. Soweit ich in Skyfall gesehen habe, hatte er auch keine allzu glückliche Kindheit.

Na, kommt uns das nicht bekannt vor?

Seine Aufgabe, sein Zweck, sein Schicksal

Natürlich soll er die Welt vor dem Bösen retten, egal, in welcher Form dieses gerade in Erscheinung tritt. Dabei ist es dem britischen Geheimdienst auch egal, ob Bond dabei ums Leben kommt. Hauptsache er erfüllt seinen Auftrag. Immerhin hat er einen entsprechenden Vertrag unterschrieben und wurde dafür ausgebildet.

In den früheren Filmen hat das Bond auch immer hingenommen und keine Zweifel an seinen Auftrag gehabt. Daniel Craig brachte durchaus das menschliche in Bond hervor, was ihn für mich als durchaus Interessante Alternative aufweist.

Seine Persönlichkeit

Cool, smart und ein Wodka Martini, nicht geschüttelt, sondern gerührt in der Hand. Das war Bond bisher immer. Man merkte ihn nie an, ob ihm ein Auftrag zu schwer erschien, ob er Selbstzweifel hatte oder er an die Grenze seiner Belastbarkeit gebracht wurde. Das ist wenigstens mit Daniel Craig anders.

Aber auch wenn er Zweifel oder Angst hat, so ist er doch immer in der Lage Unmenschliches zu erreichen, damit er seinen Auftrag erfüllen kann. Das glaubst Du nicht, dann schau Dir Spectre an, als er in den Händen seines Erzfeindes ist.

Seine (romantischen) Beziehungen

Zu den Bondgirls muss ich natürlich nichts sagen. Selbst wenn sie sich weigert, mit ihm ins Bett zu gehen, die starke Frau im Film ist, ihm das Leben rettet, selbst eine Agentin ist und die Welt retten kann, sie landet am Ende mit Bond im Bett. Natürlich gehört das zu den Filmen dazu, aber es ist halt zugleich auch ein absolutes Klischee. Egal wie alt Bond ist, er wird jedes Bondgirl um den Finger wickeln können. Und er ist natürlich auch eine Granate im Bett.

Und die Gegner hassen Bond so richtig. Sie haben schon die wildesten Pläne geschmiedet, um Bond nicht nur zu töten. Sie wollen ihn aus der Geschichte tilgen, ihn vernichten. Anstatt eine Waffe zu nehmen, um ihm eine Kugel durch den Kopf zu jagen, spielen sie mit ihm Katz und Maus, sodass er jederzeit die Möglichkeit hat zu entkommen.

Bruce Wayne alias Batman aus Diversen Batman Serien, Filmen, Comicbüchern

Egal ob wir hier Bruce Wayne oder auch Clark Kent nehmen, beide sind typische Gary Stus. Da aber Clark ein Alien ist und Bruce nicht, habe ich mich hier für ihn entschieden. Denn der Rächer der Nacht ist, wenn man genauer hinsieht, ein Gary Stu. Seltsam, dass es mir nicht vorher aufgefallen ist.

Physische Erscheinung

Er ist muskulös, ist sportlich und ein gut aussehender Milliardär (auch ein Bankkonto kann über die Attraktivität entscheiden). Da er nicht nur ein Milliardär ist, sondern auch eine Person des öffentlichen Lebens, hat er natürlich eine gute Auswahl an Anzügen, die ihn ins beste Licht rücken sollen.

Seine Talente und/oder Fähigkeiten

Puh, wo soll ich hier anfangen? Vielleicht kennst Du das Bild auf Facebook, wo Tony Stark (IronMan) sagt, dass er ein Milliardär, Philanthrop und Playboy sei. Und ein Bild drunter ist dann Bruce Wayne zu sehen, wo er auflistet, wie viele Sprachen er kann, welche Kampfsportarten er beherrscht und vieles mehr.

Und dann schauen wir uns seinen Gürtel an, wo er für jede Situation natürlich die richtige Waffe besitzt (ach ja, er verwendet natürlich keine Schusswaffen). Und wenn er sich für den Endkampf vorbereitet, dann weiß er auch genau, was er mitnehmen muss, um zu überleben.

Kurz geschrieben, er kann alles, schafft alles und rettet den Tag. Nun gut, die Nacht.

Sein Hintergrund

Als er noch ein Junge war, wurden seine Eltern in einer Gasse ermordet. Soweit ich mich erinnern kann, lag es daran, dass sie im Theater waren  und er herumjammerte, dass er nach Hause möchte. Sie taten ihm den Gefallen und wurden dann vom Joker (zu diesem Zeitpunkt war er noch nicht unser bekannter Joker) erschossen. Er war der Einzige, der leben durfte.

Er reiste dann um die Welt, um dann zu der Waffe zu werden, den wir heute kennen (ich glaube, dazu reichten gerade Mal zehn Jahre aus). Dann schneiderte er sich ein Kostüm (sehr naheliegend) und wurde zum Rächer der Nacht.

Seine Aufgabe, sein Zweck, sein Schicksal

Er muss nicht unbedingt die Welt retten, es reicht bei ihm Gotham City. Batman sieht sich als Einzigen, der dem Wahnsinn, der in der Stadt herrscht (ausgelöst durch den Joker, Pinguin, dem Riddler, Catwoman und all die anderen Bösewichter), zu besiegen. Und natürlich ist sein Zweck zu leiden. Immerhin sind seine Eltern tot (durch seine Schuld) und niemand kann ihm diese Bürde abnehmen.

Es ist halt sein Schicksal einsam zu sein, niemanden lieben zu können (ansonsten könnte sie oder das gemeinsame Kind sterben) und eben der Schatten der Nacht zu sein. Ach ja, wie vorhersehbar.

Seine Persönlichkeit

Er ist höfflich, nett und verschlossen. Bis auf seinem Diener/Butler/Lehrer Alfred, kennt niemand sein Geheimnis (okay, bis auf die ganzen anderen Superheldinnen und Superhelden am Ende, aber ich gehe jetzt von seiner eigenen Serie aus). Bruce ist der typische Einzelgänger, der niemand an sich heranlässt. Einerseits, weil er Angst hat, dass man ihn verletzt und zum anderen will er nicht zulassen, dass jemand anderes die Menschen, die er liebt, verletzten könnte.

Im Grunde genommen ist er der Charakter, den man aus der Ecke hervorlocken muss, damit er lernt, dass das Leben wunderschön sein kann.

Seine (romantischen) Beziehungen

Die meisten wollen mit dem Milliardär befreundet sein und seine Firma übernehmen. Gleichzeitig will jeder Bösewicht Batman regelrecht vernichten. Gerade der Joker hat es auf Batman (auch liebevoll Batsi genannt) abgesehen.

Und in den ganzen Comicheften, Serien und Filmen hat er eigentlich so richtig als Love Interest nur Selina Kyle alias Catwoman wirklich an sich herangelassen. Und je nachdem in welchem DC Universum wir uns befinden klappt es mal mit der Beziehung und klappt es mal nicht.

Abschlussgedanken zu den Gary Stus

Wie Du siehst, gibt es auch gute Beispiele für Gary  Stus. Sie tauchen überall auf, in Filmen, in Büchern und auch Comicheften. Batman und James Bond haben schon einige Jahrzehnte auf den Buckel und man kann hier erklären, dass zur Zeit ihrer Erfindung die Welt ein wenig anders war. Andere Charaktere (die ich hier nicht weiter aufgeführt habe) hingegen sind jung und dementsprechend kann das also nicht als Entschuldigung benutzt werden. Dazu zähle ich Harry Potter.

Zwischengedanken

So, jetzt weißt Du, was Mary Sues sind und Gary Stus. Du kennst die Liste, wie man sie genau identifizieren kann, und hast anhand von zwei Beispielen gesehen, dass sie in der populären Literatur bzw. Filmwelt ihren Eingang gefunden haben und finden. Doch wie kann man einen solchen Charakter verhindern bzw. retten, wenn man solch eine Figur erschaffen hat?

Erster Schritt: Kenne Deine Geschichte

Viele Romane mit Mary Sues können durchaus unnötige Längen haben. Der oben aufgeführte Roman ist gut 900 Seiten lang. Würde man die unnötigen Längen rauslassen, käme man wohl auf 500 bis 600 Seiten. Hier kann man durchaus das Gefühl gewinnen, dass die Autorin ohne Rücksicht auf Verluste einfach einen unglaublich dicken Roman schreiben wollte.

Ein guter Roman ist ein Wechselspiel zwischen den Charakteren und dem Plot. Zwar gibt es durchaus charaktergetriebene Geschichten (wie Liebesromane) und plotgetriebene Geschichten (wie Krimis). Aber dieses Wechselspiel muss gegeben sein. Ansonsten hast Du nur etwas Langes, was behauptet ein Roman zu sein.

Setz Dich also hin und schau Dir Deinen Plot noch einmal ganz genau an. Und sei jetzt mal wirklich ehrlich zu Dir. Hast Du einen Plot oder eher nur eine lange Reihe von Szenen, die Deinem Charakter eher schmeicheln oder die Geschichte in die Länge ziehen soll? Es lohnt sich auf alle Fälle, hier noch einmal ordentlich Arbeit zu investieren. Denn das ist der erste Schritt, um zu verhindern, überhaupt eine Mary Sue bzw. einen Gary Stu zu erschaffen. Denn die werden erst notwendig, wenn Du keine Geschichte hast. Und wenn Du sie doch schon haben solltest, dann überarbeite den Plot und sie werden unnötig.

Zweiter Schritt: Sorge für eine logische Verbindung der Charaktere

Eine Schwäche der Mary Sue und des Gary Stu ist ihre Beziehung. Häufig neigen sie dazu mit irgendwelchen Charakteren Beziehungen zu haben, die schlichtweg nicht logisch sind. Bei Romanen kann man das noch umgehen, indem man von vornherein plant, dass Mary Sue oder Gary Stu die Schwester oder der Onkel einer der Figuren ist. Wobei diese Gefahr in Fanfiction besonders groß ist. Dort haben sie zu den wichtigen Figuren dann Beziehungen, bei denen es absolut unlogisch ist.

Überlege Dir daher Folgendes:

  • Welche Charaktere kennen sich schon vor der Geschichte?
  • Wer lernt sich erst innerhalb der Geschichte kennen?
  • Welcher der Charaktere sind miteinander verwandt?
  • Wie sind die emotionalen Beziehungen der Charaktere untereinander?

Wenn Du die Beziehungen untereinander kennst, dann kann es Dir nicht passieren, dass eine Figur auftaucht und auf einmal eine besondere Beziehung zu Deiner Mary Sue oder Deinem Gary Stu hat.

Dritter Schritt: Alle haben ihre besondere Rolle

Jetzt halte mal Deiner Mary Sue oder Deinem Gary Stu kurz die Ohren zu. Denn folgende Wahrheit könnte denen nicht schmecken. Aber eines ist sicher, sie sind nicht das Zentrum des Universums. Und somit auch nicht das Zentrum Deines Romans.

Schreibst Du über mindestens zwei Figuren oder gar über eine Gruppe, dann solltest Du bedenken, dass sie alle ihre besondere Rolle in Deiner Geschichte haben. Deine Hauptfigur kann natürlich ein wenig besser sein, als der Rest der Gruppe. Aber sie überragen niemals alle. Das ist einfach nicht glaubwürdig.

Vierter Schritt: Jede und jeder darf mal ins Rampenlicht

Wenn Du eine Gruppe um Deine Hauptfigur herum entwickelst, dann sollten alle eine bestimmte Anzahl von Seiten und Szenen bekommen, wo sie ihre Geschichte erzählen können. Eine kleine Ausnahme wäre bei der Ich-Perspektive zu erwähnen. Da ist es natürlich nicht möglich, dass andere Charaktere die Perspektive einnehmen können. Aber sie tragen trotzdem, durch ihre Arbeit, ihren Teil zur Lösung des Plots bei.

Sorge also für ein etwas ausgewogeneres Verhältnis zwischen den Charakteren, auch wenn Deine Hauptfigur natürlich ein wenig mehr im Mittelpunkt stehen darf.

Fünfter Schritt: Ein realistischer Name tut wirklich gut

Häufig erkennt man eine Mary Sue oder einen Gary Stu an ihren ungewöhnlichen Namen (und nicht nur am Aussehen). In Büchern, welche die Realwelt darstellen, kann es sein, dass sie keltisch geprägte Namen haben. Oder Namen, die eher unaussprechlich sind (in Fantasy oder Science-Fiction Geschichten).

Schau Dir alle anderen Namen an, die Du für Deinen Roman verwendet hast und überlege, wie Deine Hauptfigur namentlich da reinpassen kann. Natürlich darf er ein wenig hervorstechen. Aber nicht so dermaßen, dass sie Deine Leserinnen und Leser regelrecht überfallen und anbrüllen, dass sie es hier mit einer Mary Sue oder einem Gary Stu zu tun haben.

Sechster Schritt: Gib Deiner Figur wirkliche Schwächen

Sehr häufig bekommt dieser Charaktertyp folgende Schwäche: Sie oder er kümmert sich zu sehr um die anderen. Oder liebt zu sehr. Alternativ, sie versucht einfach perfekt zu sein. Was für eine Schwäche.

Das Besondere hierbei ist, dass sie keine Konsequenz für Deine Figur hat, wenn sie sich zu sehr um die anderen kümmert. Denen geht es gut und die Hauptfigur leidet vielleicht ein wenig an Schlafmangel.

Wäre sie arrogant, uneinsichtig ihrer eigenen Fehler gegenüber, wenigstens nachtblind oder was auch immer in dieser Richtung alles gehen kann, sähe die Geschichte anders aus. Das würde diesem Charaktertyp eine menschlichere Note geben und zudem sie interessanter machen.

Überlege Dir daher, was für Schwächen Deiner Figuren haben können, die auch realistisch sind. Notfalls nimm Dir die großen Charaktere der Weltliteratur als Vorlage (Jane Eyre, Huckleberry Finn und ähnliche Figuren).

Siebter Schritt: Am Anfang darf es ruhig schwierig für sie oder ihn sein

Sehr häufig können Mary Sues und Gary Stus Dinge von Anfang an sehr gut oder sie lernen neue Fertigkeiten innerhalb einer Rekordzeit. Jetzt sei mal ehrlich, wie schnell hast Du etwas völlig Neues gelernt? Fahrrad fahren, Häkeln, ein Musikinstrument? Ich gehe davon aus, dass Du dafür mehr als ein paar Stunden gebraucht hast. Und einige Fertigkeiten werden wir ein ganzes Leben lang schulen. Wie realistisch ist es dann, wenn Deine Figur dafür nur ein paar Stunden, Wochen oder innerhalb von einigen Jahren mehr lernt, als andere in ihrem Leben es schaffen? (Ich erwähne an dieser Stelle Bruce Wayne.)

Am besten ist es also, dass Deine Figur nicht alles kann. Und wenn sie etwas Neues lernt, dann brauch sie ihre Zeit, macht Fehler, macht auch Fortschritte und erst nach einer gewissen Lehrzeit darf sie ihre Fertigkeiten gerne vorführen.

Achter Schritt: Dein Charakter sollte Dir nicht ähneln

Eine große Schwäche von Mary Sue und Gary Stu ist, dass sie der Autorin bzw. dem Autor ähneln. Oder sie sind so, wie Autorin / Autor gerne sein möchte. Vermutlich ist das auch der wahre Geburtsgrund für diesen Charaktertyp. Man sieht sich selbst an und entdeckt dabei all diese Schwächen. Sie sind nicht immer nett, aber vorhanden. Und anstatt uns aufzuraffen, um mal ein wenig Sport zu machen, gesünder zu leben oder sich mit anderen Menschen in Verbindung zu setzen, projizieren wir unsere Wünsche und Träume in diesen Charakter. Sie oder er soll unser Leben führen. Und wir schreiben darüber.

Akzeptiere Dich, wie Du bist und versuche die besten Seiten an Dir hervorzukitzeln (damit werden Deine schlechten Seiten nach und nach schwächer und verschwinden dann auch). Und zwischenzeitlich schreibst Du über realistische Charaktere, die nicht Dein, sondern ihr eigenes Leben führen. Denn Dein Leben kannst sowieso nur Du leben.

Neunter Schritt: Jeder Charakter darf und soll anderes reagieren

Es mag manchmal unglaublich klingen, aber jeder Mensch reagiert auf eine Situation auf unterschiedliche Art und Weise. Das gilt auch für Deine Charaktere. Zwei Charaktere reagieren auf eine Situation oder auch auf eine Person völlig anders. Natürlich können sie sich ähneln, werden aber niemals gleich sein.

Wenn also Deine Hauptfigur zu einer bestehenden Gruppe hinzukommt, werden aller Wahrscheinlichkeit nicht alle vor lauter Freude aus dem Häuschen sein. Die einen mögen sich freuen, dass sie Unterstützung bekommen. Die anderen können aber reservierter reagieren. Und die Dritten sogar ablehnend.

Auch wenn Du Deine Hauptfigur liebst, gestehe Deinen anderen Figuren ihre eigene Gefühlswelt zu und lasse zu, dass diese Deinen kleinen Liebling auch nicht leiden können. Ja sie dürfen Deine Figur sogar hassen. Wenn Du willst, dass am Ende alle anderen Deine Hauptfigur mögen, dann lasse sie dafür arbeiten. Denn Respekt und Liebe können auch verdient werden. Dafür ist auch Deine Geschichte da.

Zehnter Schritt: Lasse zu, dass alle etwas zur Lösung beitragen

Wir sind uns sicherlich zwischenzeitlich einig, dass Deine Hauptfigur nicht alle Fähigkeiten und Fertigkeiten besitzt, welche Du brauchst, um Deinen Roman zum Ende zu bringen. Das bedeutet auch, dass sie nicht jedes einzelne Rätsel Deines Romans lösen kann, darf oder gar muss.

Das bedeutet natürlich, dass jemand anderes die Fähigkeiten und Fertigkeiten besitzen muss, welcher Deiner Hauptfigur fehlt. Und das bedeutet wieder herum, dass Deine Hauptfigur ab und an mal zur Seite treten darf, damit andere im Rampenlicht stehen, um zum Ziel der Geschichte zu kommen.

Sorge dafür, dass alle ihre eigene Rätsel lösen dürfen und für einige Seiten die Heldin oder der Held der Geschichte sein darf. Das letzte Rätsel oder auch die letzte große Schlacht ist dann für Deine Heldin oder Deinem Helden vorbehalten. Aber um das zu erreichen, ist Teamwork gefragt.

Elfter Schritt: Vorsicht mit der Romantik

Einer der Schwächen von Mary Sue und Gary Stu ist, dass alle anderen Charaktere sie ablehnen, oder noch schlimmer, sich in sie verlieben. Es ist realistisch, dass sich ein Charakter in sie verliebt, vielleicht auch ein Zweiter oder Dritter. Darüber können wir gerne diskutieren. Aber bei Mary Sue und Gary Stu verlieben sich alle wichtigen Charaktere in sie. Und das ist wieder herum nicht realistisch.

Wenn Du willst, dass Deine Hauptfigur eine Partnerin oder Partner bekommt, dann belasse es auch bei einer (außer Deine Geschichte verlangt etwas anderes, also zwei oder drei Partnerinnen bzw. Partner). Eventuell darf auch noch jemand dabei sein, der oder die sich in Deine Hauptfigur verliebt. Alles andere ist dann nur noch mit einem Liebeszauber zu erklären.

Und hier noch etwas Wagemutiges als Inspiration. Wie wäre es, wenn Deine Hauptfigur eventuell Single bleibt?

Zwölfter Schritt: Lass Dir Zeit

Einer der größten Schwächen bei der Erschaffung eines Charakters ist, wenn wir diesen nicht erschaffen, sondern eher zusammenschustern. Wir nehmen uns keine Zeit, ihr oder ihm Höhen und Tiefen zu geben. Daher bleiben wir an der Oberfläche und dabei kann es passieren, dass am Ende eben einer Mary Sue oder ein Gary Stu herauskommt.

Nimm Dir also Zeit, wenn Du Deine Charaktere erarbeitest, sie kennenlernst und über ihre Stärken, Schwächen, Ziele, Wünsche und alles andere schreibst. Das ist der beste Ratschlag, den Du befolgen solltest, wenn Du verhindern willst, dass Dein Charakter den Stempel einer Mary Sue oder eines Gary Stus bekommt.

Abschlussgedanken

Eigentlich gehört nicht viel, um einen guten Charakter zu erschaffen. Aber es braucht eben sehr viel Zeit. Du hast mit diesem Beitrag hoffentlich alle Werkzeuge erhalten, um Mary Sue und Gary Stu Charaktere zu vermeiden. Zum Training kannst Du Dir einige Bücher durchlesen, die gerade solche Charaktere in den Mittelpunkt gesetzt haben. Dann wirst Du verstehen, warum diese Figuren nervig sind.

Recherche ist gut, Übung ist gut und ein wenig Zeit investieren ist gut. Und dann wirst Du sicherlich interessante und vielseitige Charaktere erschaffen. Davon bin ich überzeugt.

Such mal nach Geschichten von denen

Um ein Roman zu schreiben, gehört es dazu, auch mal Recherchen zu betreiben. Daher geht es in der heutigen Übung mal darum.

Such in den Weiten des Internets nach Geschichten von unserem Geschwisterpaar. Dabei ist es völlig egal, ob es Fanfiktion sind oder veröffentlichte Romane. Wichtig ist, dass die Hauptfigur das Prädikat, wir haben es hier mit einer Mary Sue oder einem Gary Stu zu tun, bekommen hat.

Wenn Du einen Roman zu Hause hast, dann nimm ihn Dir ruhig vor und lese die Stellen, wo die Heldin oder der Held stark präsent ist. Und notiere Dir auch, was Dir so auffällt, nachdem Du den Beitrag gelesen hast. Siehst Du die Figur nun ein wenig anders?

Und wenn Du möchtest, kannst Du den Charakter anhand der oben aufgeführten Liste auseinandernehmen und sehen, wie viele Punkte sie erfüllen. Und vor allem auch, wie.

Kreiere mal Deinen eigenen Charakter im Sinne der Geschwister

Wenn Du gut in der Charakterarbeit bist, dürfte diese Übung für Dich die Hölle sein. Aber um zu sehen, wie es ist solche Charaktere zu erschaffen, und wie es sich anfühlt, kannst Du gerne mal eine Mary Sue oder Gary Stu erschaffen.

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Veröffentlicht unter Charakter | 6 Kommentare