4 Ratschläge, wie Du Charaktere mit körperlichen – geistigen Besonderheiten schreiben kannst

Hei, hallo und herzlich willkommen,

über behinderte Charaktere kann man nicht schreiben, man ist doch nicht selbst betroffen, wie soll man denn das bitte schön so sensibel hinbekommen?

Kurze Vorgedanken

Wer über Menschen mit körperlichen oder geistigen Besonderheiten, Einschränkungen oder wie man das alles auch immer politisch korrekt bezeichnen möchte, schreiben will, könnte erst einmal verschreckt sein. Denn, wenn man selbst nicht im Rollstuhl sitzt oder eine Depression hatte, wie soll man das bitte realistisch darstellen?

Jetzt könnte man sagen, wenn man respektvoll mit der Figur und dem besonderen Zustand vorgeht, reicht das schon. Natürlich, Respekt ist eine wichtige Voraussetzung, um überhaupt über etwas Bestimmtes zu schreiben. Aber das allein reicht nicht aus.

Aber es gibt sehr viele Geschichten, die über Menschen mit Besonderheiten geschrieben oder verfilmt wurde, ohne das die (Drehbuch-)Autorinnen oder RegisseurInnen selbst davon betroffen sind. Es muss also mehr geben, um über diese Gruppe zu schreiben.

Mit vier einfachen Empfehlungen kannst Du Deine Geschichten mit Menschen mit Besonderheiten befüllen, ohne dass Du Dir darüber Gedanken machst, wie Du sie darstellst.

Noch ein kleiner Hinweis: Es gibt zwischenzeitlich viele Empfehlungen zur politischen korrekten Sprache für Menschen mit Einschränkungen. Aber da ich nicht nur über sie schreibe, sondern auch über Menschen mit psychischen Krankheiten, werde ich die Bezeichnung Besonderheiten oder Menschen mit Besonderheiten verwenden. Es mag sein, dass auch diese Bezeichnung nicht sonderlich korrekt ist. Aber ich finde dies immer noch besser, als Menschen mit Einschränkungen zu nehmen.

Empfehlung Nummer 1: Recherche

Natürlich könntest Du Dich in einem Rollstuhl setzen, um nachzuvollziehen, wie es ist, nur auf die Hände angewiesen sein. Oder verbind Dir die Augen und geh mit einem Blindenstock durch die Welt. Das sind durchaus Möglichkeiten, um ein wenig einer Gruppe näherzukommen.

Aber wenn Du über ein Mobbingopfer schreiben willst, nie aber gemobbt wurdest oder über eine Person mit Depressionen, sieht die Sache anders aus. Wie willst Du nachempfinden, wie es ist eine Schizophrenie zu haben? Oder Alzheimer?

Daher ist eine ausführliche Recherche hier durchaus angebracht. Finde heraus, was eine Krankheit, Einschränkung, Besonderheit ausmacht. Und zwar erst einmal auf der theoretischen Ebene.

Wenn Du zum Beispiel über einen Charakter schreiben möchtest, die oder der eine Depression hat, dann reicht es nicht aus, diese nur als Depression zu bezeichnen. In meinem Kurs zur Heilpraktikerin begrenzt auf dem Gebiet der Psychotherapie habe ich gelernt, dass es mehrere Einteilungen gibt. Unter anderem die leichte Depression, die mittelschwere Depression, die schwere Depression und die schwere Depression mit somatoformer Störung.

Dann empfiehlt es sich zu wissen, wie die Depression entsteht (auch wenn es eine klare Antwort noch nicht gibt), wie sie sich zeigt, wie die Phasen sind und wie man sie behandelt (sowohl mit Medikamenten, als auch mit anderen Methoden).

Also zuerst die Theorie, dann die Praxis. Also, wie es sich in der Realität zeigt, wie die Gefahr einer Selbsttötung ist, wie die Menschen der Umgebung damit umgehen (könnten) und so weiter. Es ist nicht leicht, aber hier gehört eine Menge dazu.

Wenn Du Dich mit Menschen unterhalten kannst, dann ist das hervorragend. Aber es gibt auch genügend Berichte oder Romane zu den verschiedensten Themen, dass Du Dich auch darüber belesen kannst.

Das gilt natürlich auch für alle anderen Besonderheiten. Wie ist es nur ein Bein zu haben? Oder das Asperger-Syndrom zu haben? Kleiner Tipp an dieser Stelle, auf Englisch bekommst Du häufig die besseren Bücher, da die medizinische Weltsprache englisch ist. Zudem gibt es auch im englischsprachigen Bereich Romane, die bis heute noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden, obwohl sie es verdient hätten.

Wenn Du Deine Ergebnisse in einer Geschichte dann präsentieren möchtest, dann ist es hier wichtig zu schauen, was für eine Geschichte Du schreibst. In einem Roman aus der Gegenwart oder Zukunft kannst Du natürlich das Wort Depression verwenden. Aber in einem historischen Roman, eventuell auch Fantasyroman sieht das anders aus.

Hier ist es fast unmöglich zu sagen, dass ein Charakter Depression hat (beim Fantasyroman können wir natürlich darüber diskutieren). Daher musst Du es hier zeigen, dass der Charakter eben depressiv ist. Und dazu kommt noch die Recherche, wie man damals darauf reagiert hat bzw. haben könnte.

In diesem Teil wirst Du wahrscheinlich die meiste Arbeit stecken. Aber wie bei einem guten Plot, wenn Du das tust, hast Du es am Ende leichter, wenn Du darüber schreibst.

Empfehlung Nummer 2: Es geht nicht um die Besonderheit in Deiner Geschichte

Wenn man über Menschen mit Besonderheiten schreibt, könnte man leicht verführt werden, diese ins Zentrum der Geschichte zu stellen. Doch das würde dazu führen, dass man den Charakter eben nicht mit Respekt behandelt. Zumindest aus meiner Sicht.

Nehmen wir an, Dein Charakter hat ein Bein verloren. Natürlich wird die Figur weinen, heulen und fluchen. Das ist auch völlig in Ordnung. Und sie oder er darf auch mal in die Welt schreien, warum ich.

Aber letztendlich geht es nicht um die Besonderheit selbst, sondern um das Leben der Person. Idealerweise integriert sie oder er die Besonderheit im Leben und wächst darüber hinaus.

Achtung: Spoiler zu Dr. Strange

Dr. Strange zum Beispiel hatte einen schweren Unfall. Dadurch verliert er seine Arbeit und seine Besonderheit. Der erste Teil des Films dreht sich um seine Besonderheit. Doch dann nimmt er die Einschränkung an und wird zu dem, den wir am Ende des Films kennen. Seine Besonderheit hat er weiterhin. Aber er hat sie in sein Leben integriert. Und trotzdem ist er nicht gesund geworden.

Integriere also über die Dauer der Geschichte die Besonderheit in den Plot hinein. Und dann zeig Deinen Charakter, wie sie oder er über sich hinauswächst und wie die Besonderheit im eigenen Leben integriert.

Empfehlung Nummer 3: Zaubere die Besonderheit nicht einfach weg

Kennst Du Toph aus der Serie „Avatar – Der Herr der Elemente„? Bei ihr handelt es sich um eine Erdbändigerin, welche blind zur Welt gekommen ist. Sie hat gelernt sowohl mit ihrer Blindheit zurechtzukommen, als auch diese mit ihren besonderen Kräften (die Erde zu bändigen) zu kompensieren. Doch wenn sie etwas sehen soll, dann ist sie eben blind. Toph nimmt ihre Umgebung auf andere Weise war.

Während der ganzen Geschichte bleibt Toph blind. Sie kann ihre Blindheit ausgleichen, aber sie wird nicht spontan geheilt und kann am Ende sehen. Das ist das Besondere an ihr.

Auf der anderen Seite haben wir Barbara Gordon alias Batgirl. Bei einem Angriff des Jokers auf sie, landete sie im Rollstuhl und wurde zu Oracle. Doch dann entschieden die AutorInnen, dass sie als Batgirl scheinbar viel zu wertvoll oder auch beliebt ist und dann ließ man sie heilen. Sie kann nun wieder laufen.

Natürlich gibt es sie, die Heilungen von schweren Besonderheiten. Darüber gibt es genügend Beispiele (und ich gestehe, dass ich, wenn ich das im Fernseher sehe, dass ich mir schon einige Tränchen verkneifen muss). Aber der Großteil der Menschen mit den Besonderheiten behält dies für ein ganzes Leben.

Daher solltest Du Dir überlegen, ob es wirklich korrekt ist, wenn Du unbedingt Deine Charaktere von ihrer Besonderheit heilen musst. Denn amputierte Körperteile wachsen nicht nach (außer in der Zukunft vielleicht) und viele psychische Krankheiten bleiben häufig ein ganzes Leben lang.

Der Respekt für den Charakter bedeutet auch, dass sie in dieser Hinsicht kein Happy End kriegt.

Empfehlung Nummer 4: Benenne die Besonderheit ganz klar

Wenn jemand in Deiner Geschichte auftritt, der eine Besonderheit hat, dann benenne diese ganz klar. Oder zeig zumindest, dass sie oder er eine hat. Kehre sie nicht einfach unter dem Teppich und tu so, als ob da nichts wäre.

Klar, in einem historischen Roman kann niemand kommen und sagen, die Frau ist keine Hexe, sie hat nur Schizophrenie. Damals kannte man diese Krankheit nicht und man hatte eben andere Erklärungen dafür. Aber für Du als AutorIn weißt, was für eine Besonderheit Deine Figur hat. Zeig sie also daher klar und versteck Dich nicht hinter Halbwahrheiten oder Möglichkeiten.

Wenn Du also eine Besonderheit einführst, dann zeig uns diese genau. Du musst sie nicht benennen, aber zeig ganz klar, dass etwas nicht stimmt und das dies ein Teil des Lebens dieses Charakters ist.

Abschlussgedanken

Natürlich werden jetzt keine Geschichten aus dem Boden schießen, in denen es um Menschen mit Besonderheiten geht. Das ist mir bewusst. Aber wenn Du eine entsprechende Geschichte schreiben möchtest, ich denke, Du hast nun eine gute Liste, um solche Charaktere zu schreiben.

Und vielleicht wagst Du Dich in Deiner Geschichte an solche Charaktere heran. Zumindest würde ich mich persönlich freuen.

Serien, Filme oder auch Bücher

Schau Dir Serien oder Filme an bzw. lies Bücher über Menschen mit Besonderheiten. Wie werden sie dargestellt? Kannst Du die oben aufgeführten Punkte nachvollziehen, fehlt etwas in der Geschichte? Oder in meinen Ausführungen?

Dein Charakter

Für Deine nächste Geschichte könntest Du vielleicht einen Charakter mit einer Besonderheit vorstellen. Wie würde sie oder er aussehen, welche Besonderheit wählst Du? Und lässt Du diesen Charakter auch wirklich auftreten?
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[Sexismus] Feminine Beleidigungen in Texten

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn es um sexualisierte Beleidigungen unterhalb der Gürtellinie geht, dann gibt es für Frauen eine Vielzahl von Worten, die es für Männer noch nicht einmal ansatzhalber gibt. Und bedauerlicherweise werden diese auch in Geschichten verwendet.

Kurze Vorgedanken

Kennst Du die Kinderdetektivserie „Die drei !!!„? Um es kurz zu machen, es handelt sich dabei um die Mädchenversion von „Die drei ???„. „Die drei !!!“ sind für Mädchen um die zehn Jahre, wobei hier typisch Mädchensachen als Grundlage der Fälle verwendet werden (ich hab schon was von Modellwettbewerb gelesen und Ähnliches).

Vor zwei oder drei Tagen entdeckte ich zufällig auf Facebook einen offenen Brief einer Mutter zu dieser Serie. Den kompletten Sachverhalt kann ich nicht wiedergeben, da ich das mit einem halben Auge gelesen und ich mir erst danach Gedanken dazu gemacht habe. Ansonsten hätte ich den Brief gerne hier verlinkt.

In einer der Hörbuchfolgen hat sich wohl eines der Mädchen einen Jungen genähert und geküsst. Soweit ich gelesen habe, scheint dieser Junge jedoch mit einer anderen eine Beziehung zu haben. Als Reaktion durfte sich das Mädchen von einer anderen das Wort „Schlampe“ gefallen lassen.

Und das ist etwas, worüber sich die Mutter aufregte. Wie ich finde, zurecht.

Was meine ich mit femininen Beleidigungen?

Damit meine ich Beleidigungen, die sexualisiert sind, aber nur bei Frauen funktionieren. Das liegt in erster Linie daran, dass im Grunde genommen, fast nur Beleidigungen in dieser Hinsicht für Frauen gibt.

Im Folgenden habe ich kursiv einige dieser Beleidigungen und Beschimpfungen aufgeführt. Solltest Du sie nicht lesen wollen, einfach gerne überspringen.

Ich meine konkrete Wörter wie Schlampe, Fotze, Hure, Nutte, Schickse, Schnalle, Luder, Flittchen, Chica, Bitch, Tussi, Hurentochter (was sich auf die Mutter bezieht).

Auch wenn es auf einigen Seiten mehr Beleidigungen im allgemeinen Sinne für Männer gibt, so beziehen sie sich selten bis gar nicht direkt auf deren Geschlecht, Geschlechtsteile oder sexuelles Leben. Genau hier sehe ich das Problem. Und noch mehr, wenn solche Wörter verwendet, aber nicht kritisch betrachtet werden.

Meine eigene Erfahrung mit solchen Wörtern

In der Mittelstufe war mir auf einer Klassenfahrt ziemlich langweilig und ich besorgte mir damals meinen ersten Shadowrun-Roman. Zwar erinnere ich mich noch an den Titel und den Autor, möchte dies aber an dieser Stelle nicht erwähnen. Zumal ich den Roman abgebrochen habe, weil mir ein Wort auf die Nerven ging, was der Autor immer und immer wieder verwendete: Schnalle.

Man muss noch nicht einmal wissen, was das bedeutet, um zu ahnen, dass es nicht nett ist. Wenn Du die Übersetzung wissen willst, dann hilft Dir diese Liste sicherlich weiter. Zumal eine der Frauen sich selbst immer wieder mit diesem Wort bezeichnet hatte. „Ich Schnalle hier, ich Schnalle da.“

Und auch wenn ich manchmal ein sehr geduldiger Mensch bin, in diesem Fall entschied ich mich, das Buch abzubrechen und ihm einen Freiflug zu gönnen. Es gibt Dinge, die muss man sich nicht weiter antun.

Was ist mein Problem damit?

Versuch mal die von mir oben aufgeführten Beispiele der Beleidigungen auf einen Mann umzumünzen. Wenn ich einen Mann als Nutte bezeichnen würde, da stellt sich mir die Frage, ob er sich überhaupt angesprochen fühlt. Oder sag ihm mal, er sei eine Schnalle. Solltest Du mit einem Mann in Streit geraten sein, der könnte schnell vorbei sein. Mit einem Lachkrampf streitet es sich schlecht.

Aber auch so gibt es kaum Beleidigungen für einen Mann, der sich auf sein Geschlecht, seine Geschlechtsorgane und seine sexuelle Aktivitäten beziehen. Klar, Playboy, Casanova oder Stecher sind ja auch solche Beleidigungen. Selten so gelacht. Diese Worte waren entweder schon immer mit der Manneskraft verbunden oder wurden nach und nach dazu umgedeutet.

Selbst, wenn Du Beleidigungen rund um das männliche Geschlechtsteil benutzt, geht das nicht auf sein Eigenes zurück. Da fällt mir gerade Schwanzlutscher ein. Aber auch, wenn Du einen Mann „Du Schwanz“ an den Kopf werfen würdest, noch ist das keine Beleidigung wie „Du Fotze“.

Vielleicht gibt es Beleidigungen für Männer, welche die gleiche Qualität haben, wie die für die Frauen. Aber ehrlich gesagt, mir fallen da wirklich keine ein. Zumindest sind diese nicht weitverbreitet.

Das bedeutet für mich ganz klar, dass hier die Sexualität der Frau nicht respektiert wird, um es mal gelinde auszudrücken. Sie selbst werden als sexuell offenherzig bezeichnet, indem sie mit allen und jeden ins Bett gehen (Hure, Nutte, Schlampe), man müsste mal wieder über sie steigen (u. a. Schnalle) oder ihre Geschlechtsorgane sind Opfer des Spots (Fotze).

Und das finden die Leute in Ordnung? Tut mir Leid das sagen zu müssen, aber das ist es nicht. Denn es ist sexistisch. Und Sexismus ist halt nicht in Ordnung.

Verwendung in der Literatur

Glücklicherweise kommt es nicht so häufig vor, dass diese Beleidigungen in der Literatur vorkommen. Zumindest sind mir diese Arten von Beleidigungen nicht so häufig über den Weg gekommen. Aber immer wieder passiert es doch, dass man von einer Schlampe oder Zicke liest. Oder, wie in dem Shadowrun-Roman, dass es in der Dauerschleife verwendet wird.

Es zeigt für mich persönlich jedoch Folgendes: Die Person scheint sich keine Gedanken darüber gemacht zu haben, was für Wörter sie verwendet. Und noch schlimmer, sie zeigt keinerlei Respekt für die Frau und ihr Geschlecht im Allgemeinen.

Dabei ist es egal, ob die Bücher für Erwachsene oder für Kinder sind, warum muss man solche Beleidigungen überhaupt verwenden? Häufig machen sie noch nicht einmal Sinn.

Und die Jugendliteratur?

Zugegeben, in den letzten Jahren habe ich wenig bis gar keine Jugendbücher gelesen. Dürfte wohl meinem Alter geschuldet sein. Doch, wie das oben genannte Beispiel zeigt, haben sich entsprechende Wörter auch dort etabliert. Und persönlich finde ich, dass das ein sehr bedenklicher Trend ist.

Denn sicherlich hast Du schon selbst gehört, wie Jugendliche sich oder andere als „behindert“ oder auch „schwul“ bezeichnen. Eine ehemalige Kollegin (damals 18 Jahre) erzählte mir, dass es bei ihr und ihren Freundinnen üblich ist, sich selbst als Schlampen zu bezeichnen. Als ich erwähnte, dass mich niemand so nennen dürfte, ohne einen Satz heiße Ohren zu bekommen, ruderte sie zurück.

Würden aber Jugendliche in Büchern lesen, dass sich die Charaktere entsprechende Beleidigungen an den Kopf werfen, was für eine Aussage machen wir AutorInnen damit? Auf der einen Seite beschweren wir uns, dass man so etwas nicht sagt. Doch auf der anderen Seite werden solche Worte verwendet? Und das scheinbar, ohne aufzuklären, dass solche Verwendungen nicht richtig sind?

Klar, solche Worte werden benutzt. Aber ich finde, man sollte dann auch die Möglichkeit nutzen, um den Charakteren (und damit den LeserInnen) zu erklären, dass das nicht korrekt ist.

Mag sein, dass sich das nach erhobenem Finger anhört. Aber wer die Büchse der Pandora öffnet, muss dafür auch die Verantwortung tragen.

Wie sollte man damit umgehen?

Egal was für Bücher Du schreibst, verwende keine sexualisierten Beleidigungen. So einfach ist das. Gut, von mir aus, in der ersten Version ist es in Ordnung, wenn Dir partout nichts einfallen will. Aber spätestens in der zweiten Version kannst Du dann alle Beleidigungen dieser Art streichen.

Und damit hat es sich schon eigentlich. Man muss also nicht viel tun. Einfach nur neue Formulierungen verwenden.

Gut, jetzt wirst Du vielleicht sagen, dass es manchmal notwendig wäre, dass man bestimmte Beleidigungen verwendet. Denn ein Gangster, der eine Frau als Nutte bezeichnet, hat eine ganz andere Energie, als wenn er Arschloch sagen würde. Das gestehe ich ein.

Aber mir stellt sich dann die Frage, ob er die Beleidigungen dann in einer Dauerschleife verwenden muss. Zudem darf man einem Gangster durchaus den Hintern versohlen, eben weil er solche Wörter in den Mund genommen hat.

Ansonsten sehe ich keinen Grund dafür, solche Wörter zu verwenden. Lass uns doch ein wenig mehr Respekt in den Geschichten einbringen.

Abschlussgedanken

Mir ist bewusst, dass viele mir mit diesem Beitrag nicht zustimmen werden. Und vermutlich werden einige sagen, jetzt erst recht. Aber bitte denk einfach mal darüber nach, welche Aussage Du mit Wörtern wie „Schnalle“ oder „Schlampe“ in die Welt schickst.

Und vielleicht entdeckst Du, dass Du diese Wörter gar nicht brauchst.

Recherche

In welchen Geschichten hörst oder liest Du wie oft entsprechende Beleidigungen? Du kannst die Wörter gerne zählen, wenn Du das möchtest. Schau Dir auch gerne Filme mit einem R-Rating bzw. einer FSK 18 Freigabe an. Ist die Wortwahl dort anders?

Deine eigene Geschichte

Wie sieht es mit Deiner Geschichte aus? Hast Du das Bedürfnis entsprechende Wörter zu verwenden? Hab ich Dich auf die Idee dazu gebracht?

Schreib einfach mal eine Szene mit Beleidigungen aller Art. Und dann überarbeite sie und werd richtig kreativ. Welche Version gefällt Dir da nun besser?
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[Klischee] Die glorreiche Vergangenheit

Hei, hallo und herzlich willkommen,

früher war alles besser. Diese geflügelten Worte hört man regelmäßig, wenn man über die Gegenwart schimpft, weil alles gerade auseinanderzubrechen droht. Als Antwort kommt gelegentlich dann schon einmal, früher hatten wir einen Kaiser. Damit ist Kaiser Wilhelm II, den man nachsagt, dass er den Zweiten Weltkrieg ausgelöst hat.

Kurze Vorgedanken

Was bei uns Menschen geht, klappt natürlich auch in Fantasy oder auch in Science-Fiction Geschichten. Eben die Tatsache, dass früher alles besser war. Früher gab es ein Volk mit unglaublich hoher Technologie. Oder es hatte Innovationen eingeführt, die schon fast an Magie grenzt.

Doch dann ist dieses Volk entschwunden und mit ihnen ist die Technologie und was auch immer sie erfunden haben, nicht mehr nutzbar. Man hat nur noch Relikte davon und weiß teilweise nichts mehr damit anzufangen. Oder man kann diese Dinge nutzen, aber man kann sie nicht neu herstellen.

Warum das ein Problem sein könnte, weil es klischeehaft ist, darüber möchte ich heute mit Dir reden.

Die Klischeevölker – Eine Erklärung

„Der Herr der Ringe“ hat ihn. „Das Rad der Zeit“ ebenfalls. Aber auch „Mad Max“. Und per Zufall hab ich auch gesehen, dass „Game of Thrones“ ebenfalls einen hat. Ein Volk mit einer glorreichen Vergangenheit.

Schauen wir uns „Das Rad der Zeit“ mit einem Beispiel genauer an (da ich die Serie am besten kenne). Dort gibt es das sogenannte „Zeitalter der Legenden“. In diesem Zeitalter konnten die Aes Sedai Dinge, die nahezu unmöglich zu sein schienen. Denn sie waren nicht nur in der Lage Frieden zu schaffen, sondern sogar den Tod zu heilen, solange noch ein Funken Leben in dem Körper existierte.

Eintausend Jahre später wissen die Aes Sedai nicht mehr, wie das alles umgesetzt werden konnte. Es gibt noch Relikte aus dieser Zeit, die sie anwenden können. Aber eine Reproduktion ist nicht mehr möglich. Das Wissen ist scheinbar auf ewig in der Zeit verloren gegangen.

Meistens ist ein globaler Krieg oder ähnliche Katastrophe dafür schuld, dass solche wunderbare Gesellschaftsformen untergegangen sind. Und mit ihnen ihr ganzes Wissen. Daher wirken ihre Erfindungen wie Magie auf die spätere Generation (selbst in einer Science-Fiction Geschichte).

Man kann sagen, dass in Fantasygeschichten die Magie früher mächtiger, tolle, größer und besser war. Und in Science-Fiction Geschichten gab es Elektrizität, medizinische Ausrüstung, bessere Fahrzeuge, Technologien um zu den Sternen zu reißen und so weiter und noch viel mehr.

Warum wird das verwendet?

Es muss ja einen höheren Sinn haben, warum sich nicht nur ein Autor bzw. eine Autorin dieser Idee bedient, sondern Dutzende und mehr. Schon Tolkien hat sich dieser Idee bedient mit den Elben und ihrer großen Vergangenheit.

Und genau hier könnte auch gleichzeitig das Problem liegen. Tolkien hat es geschrieben, also schreiben das viele auch. Gerade die, welche sich als legitime ErbInnen von ihm sehen (oder als solche bezeichnet werden). Und wenn Tolkien darüber geschrieben hat, dann kann es natürlich nicht schlecht sein.

Das kann durchaus auch für Science-Fiction Geschichten gelten, auch wenn hier die AutorInnen nicht als ErbInnen von Tolkien bezeichnet werden. Aber er gilt in vielen Bereichen durchaus als literarisches Vorbild. Und aus diesem Grund werden seine Ideen in vielerlei Hinsicht gerne genutzt.

Der praktische Hintergrund

Aber auch wenn sich viele aller Wahrscheinlichkeit bei Tolkien bedient haben mögen, so gibt es doch durchaus einen praktischen Hintergrund dafür. Denn wir kann man eine Welt besser darstellen, als den großen Unterschied zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart?

Gerade wenn Du eine dystopische Geschichte schreibst, ist das sehr praktisch. Denn wir kennen unseren eigenen Stand der Technik und wissen, was Strom ist, teilweise auch, wie eine Glühbirne funktioniert oder eine Mikrowelle bedient. Sehen wir dann diese Geräte in einem Film oder lesen darüber in einem Buch, können wir uns denken, dass etwas passiert ist, was dieses Wissen verschütt gehen ließ.

Mit solchen Beschreibungen kannst Du nicht problemlos erklären, wo wir uns befinden (in einer zukünftigen Welt), sondern sogar noch eine Charakterisierung einbauen. Und das ganz ohne Probleme. Nur ein paar Geräte einbauen, mit denen Dein Charakter nichts anzufangen weiß und die Reaktionen darauf beschreiben und Du hast schon die erste Miete gezahlt.

In Fantasygeschichten hingegen kannst Du diesen Unterschied nutzen, um zu zeigen, was alles verloren gegangen ist. Damit kann man durchaus auch zeigen, mit welchen Widrigkeiten Deine HeldInnen da eigentlich zu kämpfen haben. Und das sie trotzdem gewinnen können.

Immerhin ist meistens ihre Magie eingeschränkter oder ihr Wissen um das, was sie da eigentlich tun. Daher scheint es durchaus manchmal ungewöhnlich, dass sie trotzdem den nächsten Tag überleben, geschweige den Sieg davon tragen.

Warum ist das überhaupt ein Klischee?

Nicht alles, was man in Geschichten immer wieder verwendet, muss automatisch ein Klischee sein. Aber es kann sehr schnell zu einem werden. Schauen wir uns dieses Beispiel ein wenig genauer an.

Aus einer Idee wird dann immer ein Klischee, wenn sie andauernd in den verschiedensten Varianten benutzt wird, aber Menschen sehr wahrscheinlich so nicht reagieren würden. Zudem können wir fast hellseherisch voraussagen, wie die Geschichte ausgeht, wenn ein bestimmtes Klischee verwendet wird.

Wissen geht nicht so schnell verloren, wie man glauben mag oder uns weismachen will. Auch wenn Völker in der Vergangenheit isoliert waren (und es gibt durchaus historische Beispiele auf der ganzen Welt und durch die komplette Geschichte hindurch), so haben sie sich weiterentwickelt. Viele durchaus im Einklang mit der Natur, andere nicht.

Natürlich gibt es durchaus Beispiele von verlorenem Wissen. Denn noch heute Rätseln ArchäologInnen, wie die Pyramiden gebaut wurden. Doch es sind eher vereinzelte Dinge, die auf Dauer verloren gegangen sind. Wobei wir gerade dabei sind, dem Wissen auf die Spur zu kommen (es gibt Beiträge, welche den Bau der Pyramiden erklären und andere, dass man kurz davor ist, dieses Geheimnis zu entschlüsseln).

Aber das sind eher Einzelfälle. Noch heute wissen wir, wie die ersten Bogen erstellt wurden, und haben es weiter entwickelt. Zudem kamen immer wieder neue Erfindungen dazu. Und damit auch Wissen. Und das alles wurde detailgetreu aufgeschrieben, damit die nachfolgenden Generationen davon profitieren können. Ja, auch hier ist einiges verloren gegangen. Aber eben nicht alles.

Menschen mögen Einzelheiten vergessen, aber nicht das große Ganze. Und wenn, dann werden sie Mittel und Wege finden, um an dieses Wissen wieder ranzukommen. Oder sie gehen weiter und suchen neue Wege, um wieder auf den alten Stand der Dinge zu kommen, den sie vor der Katastrophe hatten.

Das gilt aber auch für die Magie. In Fantasygeschichten werden Hexen und Zauberer als Menschen (oder zu welcher Rasse sie auch immer gehören) bezeichnet, die alles aufschreiben, um ja nichts zu vergessen. Und zudem wird dieses Wissen auch geschützt in irgendwelchen Katakomben gepackt, damit die Bücher nicht beschädigt oder gar zerstört werden. Und dann ist auf einmal alles weg?

Nehmen wir also an, das Wissen wurde allesamt gesammelt und in einem „Elfenbeinturm“ gepackt. Dann kann das durchaus vernichtet werden. Klar, eine schöne magische Explosion und dann ist alles verbrannt. Aber meistens müssen die Hexen und Zauberer vieles davon lernen, um es anwenden zu können. Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass alle andauernd mit einer riesigen Bibliothek durch die Welt ziehen, um ihre Magie zu wirken.

Und wenn dieser „Elfenbeinturm“ vernichtet wurde, natürlich wird ein Teil des Wissens verloren sein. Denn sehr wahrscheinlich werden auch viele der Menschen sterben, welche dieses Wissen angesammelt oder erfunden haben. Doch nicht alle. Wie sonst sollten die kommenden Generationen gelehrt und unterwiesen werden?

Das ist ein positiver Aspekt an Star Wars. So gut wie alle Jedis wurden ermordet, bis auf wenige Ausnahmen. Obi-Wan Kenobi ist einer der Jedis, der überlebte und am Ende die nächste Generation unterweisen konnte, damit das alte Wissen nicht ausstirbt (er und Meister Yoda).

Häufig können wir aber sagen, wie die Geschichten dann letztendlich enden werden. Jemand hat Zugang zu diesem alten Wissen. Dabei ist es egal, ob es die Technologie oder die Magie ist. Sie oder er weiß, wie man damit umgeht, und kann es gegen die Gruppe der HeldInnen verwenden. Und unsere Heldin oder unser Held muss sich dem entgegenstellen, um die Welt und den Tag zu retten. Dabei hat sie oder er immer noch keine Ahnung, was für Auswirkungen die verlorene Technologie/Magie hat, kann aber dagegen angehen. Und danach ist das Wissen immer noch verloren.

Natürlich ist es durchaus interessant, über das verlorene Wissen zu schreiben. Aber es wirkt auf Dauer doch eher unglaubwürdig. Gut, von mir aus, lassen wir es einhundert oder zweihundert Jahre so laufen. Doch irgendwann muss man doch darauf kommen, dass da früher mal was war. Gerade dann, wenn man von dem alten Wissen umgeben ist. Dann muss man doch darauf kommen, dass da etwas verloren ist. Nun kommt es darauf an, sich dieses alte Wissen wieder anzueignen.

Es mag sein, dass es lange dauert, bis das alte Wissen entschlüsselt wurde, aber auf Dauer bleibt kein Geheimnis verborgen. Denn nicht nur das Leben findet einen Weg, das Wissen ebenfalls.

Lass es uns anders schreiben

Gut gehen wir mal davon aus, dass die Technologie verloren ist, erst einmal. Man wird es doch vermissen? Gerade dann, wenn man noch davon umgeben ist. Daher wird man sich aufmachen und versuchen, das alte Wissen wieder hervorzuholen.

Genauso, wie es heute in der Archäologie passiert. Warum wollen wir wissen, wie die Pyramiden aufgebaut sind? Will heutzutage jemand sich wirklich hinstellen und eine Neue erbauen? Nein, man will es einfach nur wissen. Man möchte dem Geheimnis schlichtweg auf dem Grund gehen.

In der Geschichte könnte jemand die Ergebnisse des alten Wissens sammeln. Dabei ist es egal, ob es Mikrochips sind oder alte Artefakte. Dein Charakter könnte versuchen selbst herauszufinden, wie man diese Dinge anwendet oder jemanden übergeben, die oder der sich damit auskennen könnte. Natürlich wird dann Dein Charakter in die Geschichte hineingezogen, damit die Welt gerettet wird.

Auf der gegnerischen Seite finden wir dann eine oder mehrere Personen, die jedoch aus eigensüchtigen Gründen versuchen, das alte Wissen zu unterdrücken. Denn nur so können sie ihren Herrschaftsanspruch überhaupt wahren. Würden sie zulassen, dass dieses wieder zum Leben erwacht, wären ihre Tage gezählt.

Aber gehen wir einen Schritt weiter. Vielleicht wurde die Technologie oder die Magie mit Absicht vernichtet? Weil sie zu gefährlich waren? Oder, weil sie die Welt wirklich zerstört haben? Dann könnte eine einzelne Person oder eine Gruppe von Personen entschieden haben, dass alles vernichtet wird, um die Welt zu beschützen.

Dein Volk lebt daher im Einklang mit der Natur, vielleicht in einer Welt des Mittelalters und scheint zufrieden zu sein. Doch Deine Heldin oder Dein Held ist der Meinung, dass das purer Blödsinn, vielleicht sogar Wahnsinn ist. Und aus diesem Grund macht sie oder er sich auf die Suche nach dem alten Wissen und findet diesen.

Sie oder er meinte es nur gut, als sie/er sich auf die Suche machte. Das Endergebnis ist aber genau das Gegenteil.

Abschlussgedanken

Natürlich kannst Du über die verlorenen Reiche und das verlorene Wissen schreiben. Leg los. Doch ich hoffe, dass Du nun selbst kritischer mit Deinem Material umgehst. Vielleicht fällt Dir nun ein, wie Du mit dieser Idee kreativer umgehen kannst.

Klischees bedeuten durchaus, dass wir uns in vertrauten Gefilden befinden. Aber als AutorInnen dürfen wir unsere LeserInnen gerne da herausführen. Solange wir sie sicher wieder nach Hause bringen.

Recherche

Lies Dir bitte entsprechende Bücher oder schau Dir die Serien bzw. Filme zu dem oben genannten Thema durch. Wie geht man dort damit um? Ist es so klischeehaft, wie ich es beschrieben habe? Oder ist es sogar schlimmer? Haben die AutorInnen sich sogar etwas Interessantes einfallen lassen, um das Klischee zu umgehen?

Deine Geschichte

Wenn Du an einer entsprechenden Geschichte schreibst oder schreiben möchtest, wie könntest Du diesen Punkt umgehen, damit daraus kein Klischee wird? Manchmal musst Du nur ein paar Punkte ändern, um die Kurve zu kriegen. Aber da musst Du ein wenig genauer hinschauen.

Dazu lade ich Dich heute ein.

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Wir basteln uns eine sexy Heldin oder einen sexy Helden

Hei, hallo und herzlich willkommen,

egal ob Du einen Liebesroman schreibst, einen Krimi, eine Fantasygeschichte oder was auch immer, eine Heldin oder Helden kann da gerne eine (entscheidende) Rolle spielen. Da viele LeserInnen bemängeln, dass sie sich kein Bild von den Charakteren machen können, machen wir sie uns heute.

Kurze Vorgedanken

Okay, eines vorneweg, die Überschrift sollte Dich in erster Linie einfangen, weiter den Beitrag zu lesen. Denn ich bin der Meinung, dass „sexy“ reine Auslegungssache ist (auch wenn Studien das Gegenteil beweisen – wollen).

Das Aussehen kann durchaus auch vom Genre abhängig sein. So werden bei einem Liebesroman ganz andere Ansprüche gestellt, als an einem Krimi. Oder die Heldin bzw. der Held sieht in einem Fantasyroman anders aus, als in einer Science-Fiction-Geschichte.

Daher gehen wir einen Schritt nach dem anderen vor.

Eine Beschreibungscheckliste

In den meisten Fällen sehen wir zuerst einen Menschen, bevor wir mit diesem direkten Kontakt haben. Und da nicht jeder Roman damit beginnt, dass sich die Charaktere im Internet kennenlernen (und das auf Dauer auch langweilig wäre, wenn das so geschrieben werden würde), ist es in meinen Augen durchaus wichtig, das Äußere der Charaktere zu kennen.

Es gibt eine Übersicht an Punkten, die Du nach und nach abarbeiten kannst, wenn Du es sehr detailliert liebst. Dazu gehören folgende fünf Unterpunkte:

  1. Das äußere Erscheinungsbild,
  2. die soziale Situation,
  3. die Eigenschaften,
  4. Verhaltensweisen
    und
  5. Handlungen.

Dann gehen wir mal auf den ersten Fragekatalog ein und ich führe alle Punkte auf, die mir einfallen, die man dazu fragen kann.

Das Äußere

Was willst Du über das Äußere Deiner Figur alles mitteilen?

  1. Das Geschlecht (neben weiblich und männlich kannst Du auch an Transgender denken oder zwischenzeitlich gibt es auch die Möglichkeit gar kein Geschlecht im Pass eintragen zu lassen, Zwitterwesen, und wenn Du über ein Fantasyvolk bzw. Aliens schreibst, dann kannst Du noch kreativer sein)
  2. Alter (eventuell weitere Daten wie Geburtstag, Sternzeichen, etc.),
  3. Körperbau (hier geht es um die Fakten, wie der Körper Deiner Figur gebaut ist)
  4. Aussehen (hier darfst Du Dich ein wenig in Details verlieren, also Besonderheiten wie Tätowierungen, Narben und all diese Dinge)
  5. Gesicht (da wir meistens den Menschen ins Gesicht schauen, ist es durchaus besonders wichtig, wenn Du hier ein wenig detaillierter bist, es geht nicht nur darum zu sagen, sie/er hat blaue Augen und grüne Haare, sondern wie sieht das Kinn aus, die Wangenknochen, die Ohren und all diese Dinge)
  6. Figur (hier darfst Du subjektiv Deine Figur beschreiben, muskulös, mollig und so weiter)
  7. Kleidung (Kleider machen Leute, beschreibe daher genau, wie Deine Figur aussieht, was sie gerne trägt, was sie nicht gerne trägt und all diese Dinge, zur Kleidung zählen auch Schuhe, für mich zudem Schmuck und andere Accessoires wie auch Rucksäcke, Handtaschen und so weiter).

Das ist eine der Gründe, warum ich gerne mit Bildern arbeite, sie erleichtern mir persönlich die Arbeit. Du kannst auch detaillierte Bilder suchen. Zum Beispiel, wenn Deine Figur tätowiert ist, kannst Du ein Bild suchen, welches für Dich als Vorlage dient.

Für die Kleidung kannst Du ein Ankleidezimmer kreieren. Schneide aus Katalogen oder sammele in Onlineshops Beispielkleidung für Deine Figuren. Und wenn Du magst, kannst Du für jede Szene die entsprechende Kleidung zusammenstellen, damit Du zumindest vor Deinem geistigen Auge siehst, in welcher Kleidung Deine Figuren laufen. Beschreiben musst Du sie nicht immer bis ins letzte Detail.

Es mag eine unnötige Spielerei sein und ist sie vielleicht auch. Aber ich selbst mal solche spielerein (und mache sie nicht immer, nicht das wir uns hier falsch verstehen) und nutze sie daher auch gerne mal.

Das Soziale

Was willst Du uns über die soziale Situation Deiner Figur sagen? Da gibt es einiges. Denn wenn Deine Figur aus der unteren Schicht kommt, dann erzählt sie eine andere Geschichte, als wenn sie das Kind von MillionärInnen ist. Aber auch die Erziehung sagt einiges aus. Wenn jemand andauernd zu Bestleistungen getriezt wird, sieht die Welt anders, als wenn man in einer Familie groß wird, die einen mit Liebe geführt hat.

Du musst nichts über die Familie oder die Herkunft Deiner Figur sagen, solltest aber schon wissen, woher sie/er kommt. Dadurch bestimmt sich auch das Verhalten der Figur. Überlege Dir also genau, woher Deine Figur kommt und was es über den Charakter aussagt bzw. aussagen könnte.

Hier sind die wichtigsten Punkte:

  1. Beruf (gerne auch die vergangenen Berufe, Ausbildung, Studium und auch der Berufswunsch, und wenn es nicht geklappt hat, warum nicht, und wenn doch, wie die Figur zum Beruf steht, ist sie/er glücklich oder hat sie/er sich etwas anderes darunter vorgestellt?),
  2. gesellschaftliche Stellung (wenn Deine Figur auf dem Bau arbeitet, sieht sie/er die Welt anders als jemand in der obersten Führungsetage, dementsprechend ist auch der Einfluss, welche die beiden auf die Welt haben oder zumindest meinen zu haben),
  3. soziale Beziehungen (dazu zähle ich die Ursprungsfamilie, die gegenwärtige Familie (sofern vorhanden), Freundschaften, KollegInnen, Ex-KollegInnen, Beziehungen, Ex-Beziehungen, Vorgesetzte, Untergebene, Feindschaften und so weiter und so fort …).

Das Verhalten

Zu den äußeren Verhaltensweisen zählt alles, was man sieht und beschreiben kann. Wenn jemand andauernd Hand-Kung-Fu betreibt, während sie/er redet, dann ist das durchaus auffällig. Genauso wie jemand, der/die andauernd die Arme verschränkt. Mit solchen Verhaltensweisen kannst Du mehr über eine Figur sagen, als wenn Du versuchst, diese Dinge zu beschreiben. Denn es gibt Körpercodes, die fast überall auf der Welt gelten (mit regionalen Unterschieden). Verschränkt jemand die Arme vor dem Körper, gilt dies als reserviertes Verhalten, komm mir nicht zu nahe, bleib weg.

Das erleichtert Dir nicht nur die Arbeit, sondern setzt das berühmt berüchtigte „Show, don’t tell“ um.

  1. Eigenarten (was macht also Deine Figur besonders, eben eigenartig aber auch einzigartig),
  2. Gewohnheiten (wie läuft der Tag ab, was macht Dein Charakter immer wieder),
  3. Verhaltens- und Handlungsweisen (was tut Deine Figur in besonderen Situationen),
  4. Sprache und Sprechweise (ist die Sprache eher einfach gehalten oder benutzt Deine Figur gerne Fachwörter und so weiter und so fort).

Das Seelische

Das psychische Verhalten ist nicht so offensichtlich wie eben das physische Verhalten. Wie können nicht sehen, dass jemand Angst, sondern nur eine Reaktion, wenn die Person diese auch zeigt. Wenn jemand beim Anblick einer Tarantel hysterisch herumbrüllt und in den Wald rennt, ist es sehr eindeutig, dass die Person wohl vor der Spinne Angst haben dürfte. Zeigt sie aber, auf dem ersten Blick, keine Reaktion, können wir nur noch mutmaßen. Dann müssen wir genauer hinsehen und genauer beschreiben.

  1. Interessen (wofür interessiert sie sich, Sport, Musik, Bücher, Filme und so weiter),
  2. Gefühle (natürlich die der Figur zu bestimmten Themen, wobei Du Dich ruhig auf die Themen zu Deiner Geschichte konzentrieren kannst und nicht zu abstrakten Themen, die mit Deinem Roman nichts zu tun haben, ansonsten wird es schlicht zu viel),
  3. Denkweisen (wie denkt Deine Figur zu bestimmten Dingen),
  4. Einstellungen (politische, religiöse und so weiter),
  5. Problemorientierungen (wie löst Deine Figur Probleme, wenn sie diese löst, logisch mit dem Verstand, mit dem Bauchgefühl oder eher emotional).

Die Ergänzung

Hier sind noch einige Fragen, die Du zu Deinen Figuren stellen kannst, wenn Du Deinen Roman schreibst. Diese Fragen sind als Hinweise gedacht, wie Du etwas über Deine wichtigen Figuren mitteilen willst, weniger, was Du über sie herausfinden möchtest.

Fragenkatalog:

    1. Wie geht Deine Figur mit den anderen Personen im Roman um (immer aus der Sicht der aktuellen Figur bitte beschreiben) – gegebenenfalls kannst Du Dir auch hier überlegen, wie die entsprechenden Figuren darauf reagieren?
    2. Welche Angaben möchtest Du zum Beruf Deiner Figur machen (eventuell auch zu den vergangenen Berufen) und zu den Finanzen?
    3. Inwiefern sind das äußere und das psychische Verhalten Deiner Figur durch die Gesellschaft und durch die Persönlichkeit bedingt?
    4. Was möchtest Du über die Biografie Deiner Figur mitteilen, in welchem Rahmen und warum gerade diese Details (also was sollen diese mir als Leserin mitteilen?)?
    5. Welche Informationen zu Vorlieben und Abneigungen möchtest Du mitteilen und warum gerade diese, welche Auswirkungen haben sie für die Geschichte (sind sie also wirklich notwendig – wobei die Notwendigkeit sich auch daraus erschließen kann, die Figur besser zu beschreiben)?
    6. Was möchtest Du und über die Lebensbedingungen der Figur mitteilen?
    7. Was zeigst Du uns über die Verhaltensweisen? Was sagt die Figur in welcher Situation? Sind die Aussagen eventuell doppeldeutig (durchaus wichtig bei Krimis oder Figuren die etwas zu verbergen haben)? Wie verhält sie sich in bestimmten Situationen?
    8. Wie und was zeigst Du uns über die Einstellung Deiner Figur (zu Problemen, Fragen, Politik, Frauen, etc.) und warum könnte das wichtig sein
    9. Welche charakterliche Eigenschaften willst Du hervorheben und warum gerade diese? Zeigen sich die anderen auch oder warum ist das keine gute Idee?

 

Ein paar Schreibübungen

Eine Übersicht ausfüllen

Du kannst zu folgenden Punkten Notizen machen:

  • Größe
  • Haarfarbe / Haarlänge / Haarstruktur (sind sie gesund oder haben sie Spliss, sind sie gewellt oder glatt)
  • Augenfarbe, Augenformen
  • Gesicht (Lippen, Kinn, Wangen, Ohren, etc)
  • Größe
  • Statur (dick, dünn, muskulös, klein geraten, etc.)
  • geschlechtsspezifische Details (hat die Dame größe oder kleine Brüste, wie ist das Gesäß, wie gut bestückt ist der Mann – auch wenn es keine EroRom werden soll, solltest Du auch solche Details wissen, gerade wenn die Hose doch mal ausbeulen sollte oder die Oberweite der Dame eine Rolle spielen könnte, weil sie ein zu enges Hemd angezogen hat)
  • besondere Details wie Narben, Tatoos, Sommersprossen etc.
  • Hände und Füße (sind sie besonders geformt, besonders normal, was auch immer)

Wenn Du mit diesen Details fertig bist, dann kannst Du Dich um die Gaderobe und den Schmuck kümmern:

  • Kleidung
  • Schuhe
  • Schmuck (Ringe, Armbänder, Ketten, Ohrringe, Uhr/en)
  • Schminke (gilt zwischenzeitlich auch für Männer 🙂 )
  • Haarstyling
  • Zubehör (z.B. Taschen)

Dein Charakter im Aussehen

Nimm Dir ein Blatt Papier (gerne aus Deinem Schreibblock) oder eine Seite aus Deinem Schreibprogramm und überlege Dir, wie Deine Figur aussieht.

Stell Dir vor, sie oder er steht vor Dir und Du darfst Dich um sie herumlaufen und jedes noch so kleine Detail an Kleidung, Haaren, von mir aus Bart und so weiter betrachten. Auch wenn es Deiner Figur nicht gefallen würde, so auseinandergenommen zu werden, hier ist es legitim.

Und dann nutze die Seite und schreib einen Bericht darüber, wie Deine Figur aussieht. Ganz objektiv und so genau wie nur möglich. Aber bleib auf der einen Seite.

Warum?

Du sollst Dich letztendlich auf das Wesentliche konzentrieren. Jeder noch so kleine Kaffeefleck muss jetzt nicht in der Beschreibung auftauchen, weil man das gegebenenfalls waschen kann. Es geht hier um Merkmale, welche Deine Figur durch die ganze Geschichte trägt.

Ja, ich weiß, Haare können geschnitten werden oder wachsen und das gilt auch für Bärte. Und Tätowierungen sind in einigen Stunden gestochen. Aber ich denke, Du weißt, worauf ich hinaus will.

Also beschreib als Erstes Deine Figur aus DEINER Perspektive. Wie Du sie also siehst. Dann nutze die Perspektive von ein oder zwei Figuren aus Deinem Roman. Wie sieht der Held oder die Heldin (sofern Du nicht gerade diese Person beschreibst) die Figur. Achte dabei aber darauf, dass Du die Beschreibung so gestaltet, wie der Charakter sie / ihn wirklich sehen würde.

Wenn Du es also mit einer eher oberflächlichen Figur zu tun hast, dann wird diese Deinen aktuellen Charakter nicht so tiefgründig beschreiben. Das ist ein Fakt.

Und dann nimmst Du noch die / den AntagonistIn und beschreibst Deine Figur aus deren Sicht. Natürlich ebenfalls so, wie Du sie konzipiert hast und diese die Menschen sieht.

Diese Sachen solltest Du auf keinen Fall wegschmeißen. Denn es ist nicht nur gut zu wissen, worauf die jeweiligen Figuren achten, wenn sie zum ersten Mal auf die anderen Charaktere treffen. Sondern Du könntest durchaus (vermutlich in einer eher geschnittenen Version) diese Beschreibung auch in Deinem Roman schreiben.

Wichtiger Hinweis: Nutze diese Technik für alle Deine Figuren. Damit kennst Du auch Deine Nebencharaktere, auch wenn Du sie nicht so detailliert aufführen wirst. Es geht hier um das Hintergrundkennen, weniger um die Verwendung in Deinem Text am Ende.

Dein Charakter in Bewegung

Nun schicke Deine Figur aufs Parkett (das darfst Du auch gerne wörtlich nehmen). Damit meine ich, wie benimmt sich Deine Figur in Aktion.

Als Beispiel: Wenn Du eine adlige Person hast, dann lass sie auf eine Festlichkeit gehen, wo Du sie beobachten kannst. Wie läuft sie, bewegt sie sich, redet sie und so weiter. Alles, was Dir auffällt. Benutze Metaphern, beschreibe genau bis ins letzte Detail.

Auch hier gilt, nur in diesem Text darfst Du bis zum Abwinken alles aufschreiben. Ob Du es am Ende in Deinem fertigen Text machst, das ist etwas anderes. Da kannst Du es dann gerne kürzen.

Hierbei geht es um einen Text, der sich in Bewegung befindet. Denn Deine Figur bewegt sich. Also folg ihr und sie zu, was am Ende dabei herauskommt.

Und ich schlage vor, maximal drei bis vier Seiten und dann sollte auch Schluss sein.

Auch hier kannst Du wieder einen Deiner anderen Charaktere in die Übung mit einfließen lassen. Wenn Du gerade einen Liebesroman schreibst und Deine Heldin beschreibst, wie sieht Dein Held sie. Was beobachtet er, was Dein Bösewicht nicht sieht. Und was sieht Dein Bösewicht, was Dein Held vielleicht sogar ignoriert?

Hier geht ebenfalls, alles aufschreiben, gerne auch überarbeiten und nicht die Texte wegwerfen. Vielleicht inspirieren sie Dich zu einer besonders schönen Szene oder Du kannst sie direkt in Deinem Roman verwenden.

Unterschiedliche Charaktertypen

Es kommt natürlich auch auf Deinen persönlichen Geschmack an, was für Charaktere Du letztendlich erschaffst. So kann es sein, dass Du auf Männer mit Brustbehaarung stehst oder auf Frauen mit großen Brüsten.

Gerne darfst Du auch Deine persönlichen Präferenzen in der einen oder anderen Geschichte ausleben. Immerhin schreibst Du sie ja. Aber ich würde Dir empfehlen, auch andere Geschmäcker zu bedienen. Gerade dann, wenn Du Liebesromane schreibst. Da sollte für jede Leserin etwas dabei sein.

Abschlussgedanken

Gut, der Sex-Appeal ist ein wenig schwächer ausgefallen, als selbst gedacht. Aber um einen sexy Charakter zu erschaffen, benötigt es überhaupt eine gute Grundlage. Daher gönn der Arbeit an Deinen Charakteren ein paar Minuten und länger. Und der Rest erledigt sich sicherlich von selbst.

Bearbeite die Aufgaben im Text

Im Text hab ich einige Aufgaben gestellt, die sind für Dich zum Bearbeiten. Dabei wünsch ich Dir viel Spaß.
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Der Mako Mori Test

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn in einem Buch oder in einem Film nur eine einzige weibliche Hauptfigur auftaucht, kann diese feministischer dargestellt werden, als wenn wir den Bechdel-Test kritisch anwenden? Mako Mori aus dem Film Pacific Rim soll dieser eine besondere Charakter sein.

Warum? Darüber möchte ich heute mir Dir sprechen.

Kurze Vorgedanken

Pacific Rim ist ein Science-Fiction-Film des Regisseurs Guillermo del Toro (der unter anderem auch Hellboy oder auch Crimson Peak gedreht hat). Wenn Du Dir die Castliste ansiehst, wirst Du feststellen, dass es nur eine einzige Frauenrolle gibt. Eben die von Mako Mori (gespielt von Rinko Kikuchi).

Während meiner Recherche zum Bechdel-Test bin ich eher zufällig über den Mako Mori Test gestolpert. Und die MacherInnen behaupten, dass man mit deren drei Fragen einen weitaus besseren weiblichen Charakter schaffen kann.

Jetzt muss ich gestehen, dass ich den Film selbst vor einiger Zeit im Fernsehen zwar gesehen, mich aber nicht mehr an alle Details erinnern kann. Für mich hatte er jedoch definitiv Elemente der legendären Serien wie Saber Rider oder auch Voltron (also Kämpfe mit riesigen Robotern austragen).

Da ich den Film für diesen Beitrag nicht noch einmal sehen konnte, werde ich mich erst einmal allgemein auf die Punkte beziehen. Sobald ich den Film gesehen habe, werde ich den Beitrag entsprechend erweitern.

Es kommt auch das Thema „Charakterbogen“ (engl. character arc) auf. Diesen habe ich noch nicht besprochen, werde ich aber zeitnah nachholen.

Die Fragestellung

Auch dieser Test hat lediglich drei Fragen, die positiv beantwortet werden sollten:

  1. Mindestens einen weiblichen Charakter,
  2. hat sie ihren eigenen erzählerischen Charakterbogen,
  3. wird diese nicht von der Geschichte eines Mannes unterstützt.

Die Fragen finde ich, um einiges schwerer zu beantworten, weil sie mehr Arbeit benötigen. Daher schauen wir sie uns einzeln ein wenig genauer an.

Erster Punkt: Mindestens einen weiblichen Charakter

Zu diesem Punkt muss ich wohl nicht viel sagen. Um den Mako Mori Test zu bestehen, benötigt es eine Frau in der kompletten Geschichte, mindestens. An sich ist das keine schwierige Aufgabe, doch reicht es nicht, nur irgendeine Frau in die Geschichte loszuschicken. Idealerweise erschaffst Du einen weiblichen Charakter, der Ecken und Kanten hat.

Es kann passieren (und passiert auch), dass man eher ein Klischeecharakter erschafft, die eher einem Kerzenständer ähnelt. Das bedeutet, man stellt die Heldin irgendwohin und könnte dort versauern. Sie hat keine weitere wichtige Rolle in dem Buch oder in dem Film.

Hier gilt ganz klar, je lebendiger der Charakter ist, desto besser ist es für sie. Und am Ende auch für Deine eigene Geschichte. Denn mit guten Charakteren schreibt sich der Roman häufig von selbst.

Zweiter Punkt: Sie hat ihren eigenen Charakterbogen in der Geschichte

Hier scheitern durchaus viele. Kennst Du Hermine Granger? Viele behaupten, dass sie in den ganzen Büchern keine wirkliche Entwicklung durchgemacht haben. Irgendwo bleibt sie immer der Nerd aus dem ersten Jahr.

Und letztendlich stimmt es eigentlich. Am Anfang war sie eine hochnäsige Person, die mehr Wissen als alle anderen hatte. Sie war durchaus freundlich und konnte ziemlich zickig sein. Wie sieht es mit dem Ende der Reihe aus? Da ist sie eine durchaus hochnäsige Person, die mehr Wissen als alle anderen hat. Sie ist durchaus freundlich und kann immer noch ziemlich zickig sein.

Dagegen haben Ron und Harry sich durchaus weiterentwickelt. Anfänglich war Ron eher ein Mitläufer. Am Ende wurde er zum Selbstläufer. Und zu Harry schreibe ich an dieser Stelle nichts, immerhin ist er der Held seiner Geschichte.

Daher ist es wirklich sehr wichtig, wenn Du über eine Heldin schreibst, gönne ihr bitte auch eine eigene Entwicklung. Und zwar auch im Zusammenhang mit der Geschichte.

Dritter Punkt: Sie wird NICHT durch die Charaktergeschichte des Mannes unterstützt

Unglaublich aber wahr, Frauen dürfen ihre eigene Geschichte haben. Und vor allem, sie dürfen sich gelegentlich auch alleine retten. Denn häufig werden Frauen nur als Projektionsfläche und Rettungsobjekt für die Geschichte des Mannes verwendet. Eine höherwertige Funktion hat sie nicht in der Geschichte.

Im Grunde genommen ist das reine Verschwendung von Potenzial. Warum nicht die Heldin ihre eigene Geschichte erzählen lassen? Und vor allem, warum soll sie immer von dem Ritter in der schimmernden Rüstung und auf dem weißen Pferd unterstützt oder gar gerettet werden? Sie kann das gerne allein machen.

Natürlich darf ein Mann sie gerne bei der einen oder anderen Gelegenheit unterstützen. Und das bedeutet nicht, dass sie nicht auch mal von ihm gerettet werden darf. Aber lass sie gerne ihre eigene Geschichte erzählen. Und gleichzeitig darf er seine eigene erleben.

Gegenseitig Unterstützung ist gerne gesehen. Aber nicht zum Nachteil Deiner Heldin (wie es fast immer passiert). Denn sie ist sicherlich nicht die Heldin Deiner Geschichte geworden, weil sie eine naive Person ist. Sie ist die Heldin, weil sie das Zeug hat, sich und alle anderen zu retten und zu verändern. Dann lass das auch zu.

Der Bechdel-Test vs. dem Mako Mori Test?

Jetzt könnte ich argumentieren, welcher der beiden Tests nun besser ist. Jedoch haben beide ihre Vorteile. Und aus diesem Grund möchte ich hier keine Gegenüberstellung schreiben, sondern eine Ergänzung.

  1. Es spielen mindestens zwei Frauen eine wichtige Rolle.
    Davon darf gerne eine der Frauen eine Hauptrolle innehaben, die andere eine Nebenrolle.
  2. Mindestens die Hauptrolle hat eine eigene Charaktergeschichte.
  3. Beide Frauen reden miteinander.
  4. Ihre Gesprächsthemen drehen sich nicht um Männer.
  5. Die Charaktergeschichte des Mannes (des Helden) sorgt dafür, dass er nicht die weibliche Hauptfigur unterstützt oder rettet.

Die einzelnen Punkte werde ich an dieser Stelle nicht weiter erläutern, da ich das bereits getan habe.

Auf alle Fälle bin ich überzeugt, wenn man beide Tests zusammenwirft und das Beste aus ihnen herausholt, dass man am Ende auch das Beste aus der Geschichte holen kann.

Abschlussgedanken

Ich behaupte, wir sind in einer Zeit angekommen, in denen wir starke Charaktere gebrauchen können. Das betrifft nicht nur die männlichen Helden, sondern insbesondere die weiblichen Heldinnen.

Gerade in der heutigen Zeit habe ich das Gefühl, das wir mehr starke und positive Heldinnen brauchen, als jemals zuvor. Und ich behaupte, mit dem kompletten Test schaffen wir es auch.

Setzen wir uns also hin und schreiben die besten Geschichten, zu denen wir in der Lage sind.

Pacific Rim

Um die Rolle der Mako Mori besser zu verstehen, solltest Du Dir den Film Pacific Rim ansehen. Einmal, um die Geschichte zu kennen. Und dann mindestens ein zweites Mal, bei dem Du Dir dann die Rolle der Heldin genauer anschaust. Vergleich dann auch die Punkte aus dem Test mit ihrer Rolle. Stimmen sie überein oder gibt es noch Potenzial nach oben?

Weitere Geschichten

Schau Dir weitere Filme mit starken Heldinnen an und lies Bücher mit Heldinnen in der Hauptrolle. Inwiefern könnte der Test dort Anwendung finden? Und wo würdest Du sagen, hätte noch mehr geändert werden können, damit die Rolle und dadurch auch die Geschichte, anders verlaufen könnte.

Deine Heldin

Und wie sieht es mit Deiner Heldin aus? Kann sie einige der Punkte erfüllen? Und wenn nicht, wo könntest Du ansetzen, um das zu ändern? Möchtest Du das überhaupt? Und wenn nein, warum nicht? Melde Dich für meinen kostenfreien Newsletter an.

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Brauchen wir mehr queere, behinderte oder farbige Charaktere in Romanen?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

Twitter erweist sich häufig als Quelle philosophischer Gedanken. Vor einiger Zeit teilte eine Userin mit, dass sie gegen unnötige Einführung Queerer Charaktere ist, weil es unrealistisch sei. Darauf entgegnete jemand anders, dass diese Gedanken jedoch an der Realität vorbeilaufen.

Daher möchte ich hier meine persönlichen Gedanken zu diesem Thema aufschreiben.

Kurze Vorgedanken

Leider habe ich mir damals nicht einen Link gesetzt, um direkt zu dem durchaus interessanten Monolog der Userin verweisen zu können. Daher beziehe ich mich im Folgenden nur indirekt darauf und schreibe meine persönlichen Gedanken dazu.

An dieser Stelle möchte ich Dich einladen, Dir selbst über dieses Thema Gedanken zu machen. Sehr wahrscheinlich werden sie von meiner Meinung abweichen (was in Ordnung ist). Und es kann auch sein, dass in einigen Jahren sich unser beider Meinungen ändert. Aber wichtig finde ich, dass wir eine persönliche Position dazu finden, die aktuell für uns Gültigkeit hat.

Ein Blick in die Realität

Aktuell lebe ich in einer Großstadt und da kommen mir AusländerInnen aus unglaublich vielen Ländern entgegen, Homosexuelle, Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen und keine Ahnung wer noch.

Zugegeben, wie es in kleineren Städten oder Dörfern vor sich geht, darüber kann ich keine Aussagen machen. Dafür war ich zu wenig an solchen Orten. Aber häufig lese ich von anderen Menschen, dass es dort nicht so gemischt vor sich gehen soll, wie in Berlin. Und doch behaupte ich aus meinem naiven Elfenbeinturm, dass es auch dort sicherlich einige Beispiele aus der Liste von oben gibt.

Mit anderen Worten, wenn wir vor die Tür treten, treffen wir zwangsläufig auf Menschen, die sich klar von uns unterscheiden. Das mag an der Hautfarbe liegen, an dem Kleidungsstil, an der Religion bzw. an der Weltanschauung oder an so vielen großen und kleinen Details.

Damit können wir klar sagen, es gibt keine homogene Gesellschaft. Wir sind nicht einmal annähernd gleich und diese kleinen bis großen Unterschiede machen uns allesamt aus.

Ein Blick in die fiktionale Welt

Ganz ehrlich? In meiner ganzen Lesezeit kann ich mir nur an einziges Buch erinnern, in der eine „Behinderung“ eine Rolle spielte. Und zwar handelte es sich dabei um das Buch „The Curious Incident of the Dog in the Night-Time“ von Mark Haddon. Ansonsten kann ich mich nicht erinnern, über einen entsprechenden Charakter gelesen zu haben. Noch nicht einmal als Nebencharakter.

Homosexuelle Charaktere kommen da häufiger vor. Aber dann mit dem entsprechenden Label, dass es sich um eine Geschichte mit speziell solchen Charakteren handelt. Wenn in „normalen“ Büchern homosexuelle Charaktere auftreten, ist das eher selten und kann durchaus zu erstaunten Blicken oder gar zur Ablehnung führen.

Als man erklärte, dass der Star Trek Charakter Sulu schwul ist, ging ein Aufschrei durch die Reihen der Fans. Letztendlich wurde nie über die Sexualität von Sulu gesprochen und zudem spielt diese keine große Rolle in der Geschichte (zumindest laut den MacherInnen).

Jetzt könnte man sich beschweren, dass hier wieder mit aller Gewalt ein schwuler Charakter eingeführt werden muss (warum kein neuer lesbischer?). Andererseits, er ist schwul und es spielt keine Rolle (wie im Bechdel-Test durchaus gefordert, dass der Charakter die Rolle spielt und nicht die sexuelle Orientierung).

Aber ansonsten haben wir es eher in den Geschichten mit durchschnittlich schönen und vor allem gesunden Charakteren zu tun, die durch die Bank weg eher heterosexuell sind. Und bei aller Liebe hat das noch was mit der Realität zu tun?

Wie ich oben schon geschrieben habe, müssen wir nur vor die Tür gehen und sehen unterschiedlichste Charaktere von realen Menschen. Von kleinen Kindern bis hin zu alten Menschen, die kaum noch laufen können. Alle sind dabei und alle gehören zu unserem Leben.

Können wir also davon schreiben, dass die Romane ein Abbild des realen Lebens sind? Ich würde ganz glatt sagen, dass wir das nicht können.

Kein richtiges Abbild der Realität in der Fiktion

Vor Jahren habe ich einen Kurs besucht, indem erklärt wurde, wie man einen Liebesroman schreibt. Dort hieß es, dass die Charaktere in diesen Liebesromane durchschnittlich zwischen zwanzig und dreißig Jahren sind. Als Erklärung führte die Leiterin an, dass sich die Leserinnen in der Heldin wiederfinden sollen. Und man hat die „heißeste“ Zeit der Liebe eben in diesem Alter erlebt bzw. wird es voraussichtlich erleben (also der Durchschnitt).

Daher wäre es natürlich fatal, will man einen breiten Markt bedienen, wenn man dicke Heldinnen einführt, oder ältere oder Heldinnen, die in einem Rollstuhl sitzen (um einige Beispiele anzuführen). Es gibt sicherlich solche Romane, aber ich könnte jetzt keine benennen. Sie sind zu wenige und sprechen eher ein kleines Publikum an. Denn das sind Nischengeschichten.

Aber auch in Krimis oder anderen Romanen aus unserer Welt könnte ich keine Beispiele nennen, in denen Charaktere vom abweichenden Typ auftauchen. Und wenn, dann kann ich sie Dir an einer Hand abzählen, da bin ich mir sicher.

In Fantasyromanen ist das teilweise noch schlimmer. Dort sind alle gesund, stark und teilweise sogar in einem entsprechenden Alter zu finden. Und wenn sie älter sind, dann hat das nicht unbedingt große Auswirkungen auf das, was sie zu tun haben. Zumindest in den Geschichten, die ich gelesen habe.

Was sagt das über uns AutorInnen aus?

Natürlich bedienen wir AutorInnen einen Markt. Darüber müssen wir uns im Klaren sein. Viele von uns schreiben das, was letztendlich gelesen wird. Und das ist häufig der gesunde, heterosexuelle, weiße Charakter. Sie oder er sieht zudem hübsch aus und im Oberstübchen sind noch alle Tassen zu finden.

Vermutlich kommt es vielen noch nicht einmal in den Sinn über einen Charakter zu schreiben, die in einem Rollstuhl sitzt. Da fällt mir gerade Clara Sesemann ein (aus dem Roman „Heidi„). Sie ist eine der wenigen Charakteren, die in einem Rollstuhl sitzen darf. Und doch kommt sie aus dem Rollstuhl heraus. Oder auch Barbara Gordon (alias Batgirl), die in einem Rollstuhl sitzt. Zwischenzeitlich hat sich DC das jedoch anders überlegt und entlässt sie wieder aus diesem.

Wenn also entsprechende Charaktere auftauchen, dann bleiben sie nicht lange in dem Zustand des Dickseins, der Krankheit oder Derartiges. Sie nehmen in Rekordzeit ab oder können bald wieder laufen.

Man könnte meinen, dass einige AutorInnen mutig sein wollen, aber nicht zu mutig. Sie wollen die reale Welt zeigen, aber sie darf nicht zu real sein. Immerhin möchte man die geneigte Leserin oder den geneigten Leser nicht vergraulen. Denn, wenn das reale Leben schon hart ist, möchte man dann das alles in einem Roman überhaupt lesen?

Andererseits kann man nicht auch sagen, dass nur ein kleiner Teil der Menschen repräsentiert wird, während alle anderen einfach nur ignoriert werden? Säße ich in einem Rollstuhl, ich würde mich in keinen der Romane wiederfinden. Und vielleicht möchte ich ein positives Vorbild haben?

Gerade junge Menschen benötigen dies, meiner Meinung nach, dringendst. Denn viele von ihnen hadern durchaus mit ihrem Schicksal (welche Jugendliche hadern schon nicht mit ihrem eigenen Leben, obwohl bei ihnen alles perfekt ist?). Und dann haben sie noch nicht einmal positive Vorbilder.

Was wäre wenn …?

Was wäre also, wenn wir mehr Realität in die Geschichten holen würden? Wenn wir also mit Menschen in Rollstühlen zu tun hätten? Oder mit Menschen anderer Religionen und Hautfarben? Oder was auch immer?

Vermutlich würde das geschehen, was Nike Leonhard schreibt. Es würde die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Thema ablenken. Aber ich behaupte, dass es nicht daran liegt, dass diese Personen zu viel Aufmerksamkeit bekommen, sondern, weil es zu ungewöhnlich ist.

Triffst Du im realen Leben auf Menschen, die nicht dem allgemeinen Standard entspricht, ich bin mir sicher, Du schaust erst einmal genauer hin. Das ist völlig normal. Wir sind solche Bilder nicht gewohnt und es zieht erst einmal unsere Aufmerksamkeit auf solche Personen.

Als ich einmal ein Mangamädchen in der U-Bahn getroffen habe, schaute ich auch erst einmal genauer hin. Denn das ist nun wirklich ein Anblick, den man nicht alle Tage erlebt. Doch dann akzeptierte ich es und konzentrierte mich wieder auf meine allgemeine Umgebung (ich wollte ja in die U-Bahn hinein).

Das dürfte vielleicht auch in den Romanen, Filmen und Serien eine Rolle spielen. Wenn wir dort mehr „normale“ Menschen sehen, dann könnte es auch Auswirkungen auf unser empfinden haben. Sehen wir sie regelmäßig, ist es schlichtweg normal. Warum sollte man sich dann noch Gedanken darüber machen?

Daher könnte es sich durchaus empfehlen, mehr Menschen in Deinen Geschichten unterzubringen, die sich von dem weißen, gesunden, heterosexuellen Menschen unterscheiden. Das ist durchaus eine Herausforderung. Aber seien wir doch ehrlich, ist das Leben nicht selbst eine Herausforderung? Und warum sollte ich mich als Autorin davor drücken?

Immerhin spielt die Herausforderung nur auf dem Papier. Mir als Person geschieht dabei nichts. Ich bleibe gesund, weiblich oder männlich und kann trotzdem meinen persönlichen Überzeugungen nachkommen. Aber auf dem Papier, da wage ich es eben, über andere Charaktere zu schreiben. Und ehrlich gesagt wäre das nicht ein wenig interessanter?

Abschlussgedanken

Es mag sein, dass jetzt die Argumentation kommt, aber in meiner Geschichte passt kein Charakter von Typ XYZ. Darauf möchte ich entgegnen, dass das reale Leben sich dafür auch nicht interessiert. Dort kann es jederzeit passieren, dass man einen Unfall hat und im Rollstuhl landet. Man kann auch taub, stumm oder blind geboren werden. Weiter kann es passieren, dass man in einem Land geboren wurde, deren Bevölkerung größtenteils eine andere Hautfarbe oder Religion hat, als man selbst.

Das alles gehört zum Leben. Und vielleicht, aber auch nur vielleicht, könnte sich davon auch ein wenig in den zukünftigen Geschichten wiederfinden?

Such ein Buch!

Recherchiere bitte im Internet über Romane, die sich mit den oben aufgeführten Minderheiten beschäftigt. Das können religiöse Minderheiten sein, Minderheiten in der Hautfarbe, Ansichten oder aufgrund Krankheiten oder körperlichen Einschränkungen. Besorg Dir eines der Bücher und lies es. Und zwar mit der Frage im Hinterkopf, wie diese Punkte dargestellt werden.

Geschichtenüberlegung

Mach Dir einfach mal Gedanken darüber, wie eine Geschichte mit einem entsprechenden Charakter aussehen könnte. Dieser Charakter soll ein Teil der Geschichte sein, und nicht als Exot gelten. Wie würde das alles aussehen?

Eine Frage

Magst Du dann solch eine Geschichte vielleicht sogar schreiben?

The World of Big Eyes hat auf Reaktion zu diesem Beitrag eine Liste mit unvollkommenen Charakteren geschrieben. Zwar geht es hier vornehmlich um schwule Charaktere, aber dort findest Du die verschiedensten Unvollkommenheiten. Und für den Anfang ist diese Liste stark.

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Erste Fassung: 07. Februar 2017
Zweite Fassung: 10. Februar 2017

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Der große Bechdeltest

Hei, hallo und herzlich willkommen,

1985 stellte Alison Bechdel (eine amerikanische Comiczeichnerin und Autorin) einen einfachen Test vor, welcher zeigen soll, wie ein guter Film mit Frauen aussehen soll. Dabei werden nur drei einfache Fragen gestellt, welche über die Geschichte und insbesondere die Rollen der Frauen entscheiden. Das ist der sogenannte Bechdel-Test.

Darüber und über die Erweiterung dieses Test möchte ich heute mit Dir sprechen.

Kurze Vorgedanken

Drei einfache Fragen, und Du kannst in Deiner Geschichte überprüfen, ob die Frauenrolle dort wirklich gut umgesetzt wurde oder nicht. Zwar gibt es zwischenzeitlich durchaus Kritik an diesen drei Fragen. Aber wenn man es selbstkritisch einsetzt, dann haben sie durchaus ihren Wert.

Doch dieser Fragebogen hat durchaus potenzial, denn es gibt zwischenzeitlich Erweiterungen. So gibt es den Test für Frauen (die ursprünglichen Fragen), für nicht-weiße Menschen und für quere Personen.

Und letztendlich kann man diesen Fragebogen auf so gut wie jede Gruppe anwenden, die man als Minderheit bezeichnet. Man muss die Fragen nur ein wenig anpassen.

Zwar ist der ursprüngliche Fragebogen für Filme geschrieben worden, das bedeutet aber nicht, dass man ihn nicht auch für Romane anwenden kann. Vielleicht ist es nur notwendig, ihn ein wenig anzupassen und abzuändern. Aber das mindert, meiner Meinung nach, nicht die Bedeutung.

Der Frauenfragebogen

Unglaublich aber wahr, in Filmen kommt es sehr häufig vor, dass Frauen nicht miteinander sprechen. Es passiert sogar, dass es noch nicht einmal mehr als nur eine Frau auftaucht. Dabei machen sie (je nach Statistik die Du befragst) zwischen 50 und 52 Prozent der Weltbevölkerung aus. Schaut man sich aber die Filme an, dann mag man glauben, dass sie nur eine unbedeutende Minderheit sind.

Und auch in Romanen kann es passieren, dass die Frauenrollen eher als marginal bezeichnet werden können. Letztes Jahr habe ich einen Roman gelesen, in dem eine einzige Frau in der Nebenrolle ein paar Sachen sagen durfte. Ansonsten gab es noch eine Königin aus der Geschichte und eine Mutter, die keine Rolle spielte. Das waren alle Frauenrollen in diesem Roman.

Das bedeutet nicht, dass diese Filme oder diese Romane eine schlechte Geschichte haben. Nur die Frauenrolle wird schlecht repräsentiert. Und damit habe ich persönlich durchaus meine Probleme.

Die Fragen

Welche Fragen können für die Frauenrolle nun interessant sein? Das sind die Folgenden:

  1. Spielen zwei oder mehr Frauen eine bedeutende Rolle?
  2. Sprechen mindestens zwei Frauen miteinander?
  3. Reden sie über andere Themen, als nur über Männer bzw. männliche Themen?

Liest sich erst einmal ganz einfach, aber schauen wir uns diese drei Fragen genauer an.

Schauen wir uns erst einmal Frage 1 an. Zwei Frauen sollen eine bedeutende Rolle haben. Die Ergänzung bedeutend kommt von mir. Denn es wurde, zurecht, angeführt, dass es theoretisch ausreichen müsste, überhaupt zwei Frauen durch den Film bzw. über die Buchseiten laufen zu lassen und damit hat es sich.

Mit dem Wort bedeutend soll gemeint sein, dass sie zumindest wichtige Nebencharaktere sind. Würde man sie wegnehmen, soll der Plot zumindest schweren Schaden erleiden, wenn es nicht sogar dahin geht, dass er nicht mehr funktioniert.

Daher wäre es schön, wenn Du mindestens zwei starke Charaktere erschaffst, die, wie die Männer, ein Teil der Geschichte sind. Auch wenn das irgendwie bei einigen immer noch ein Akt der Unmöglichkeit zu sein scheint.

Die nächste Schwierigkeit, die viele haben, ist die simple Tatsache, dass man zwei Frauen miteinander reden lassen sollte. Es heißt zwar immer, dass Frauen gerne gemeinsam auf die Toilette gehen. Aber in Filmen und auch häufig in Romanen sieht es nicht danach aus (unabhängig der Tatsachen, dass Toilettenszenen nicht so häufig thematisiert werden).

Jetzt könnte man sagen, gut, ich nehme mir irgendeine Szene und lasse zwei Frauen miteinander sprechen. Und hei, ich bin großzügig, es darf sogar ein wichtiges Gespräch sein. Und für den Rest des Romans lasse ich sie wieder getrennt arbeiten.

Könnte man machen und ja, das machen viele auch. Leider. Daher ist das noch nicht ganz zielführend. Es ist wichtiger, dass die Frauen auch miteinander arbeiten sollten.

Das bedeutet, dass die beiden Frauen beste Freundinnen sein könnten und sie daher regelmäßig miteinander agieren. Oder sie arbeiten miteinander und müssen sich austauschen. Es könnte auch sein, dass sie sich neu kennenlernen und dann eben beschnuppern müssen.

Das bedeutet, dass sie durchaus längere Gespräche miteinander führen sollten und zudem mehrere Male. Denn seien wir ehrlich, in Deinem Leben unterhältst Du Dich bestimmt auch öfters mit Frauen, oder? Und zwischen kurzem Small Talk und langen, intensiven Gesprächen ist alles dabei. Warum also nicht in Deinen Geschichten?

Und nun zum letzten Punkt im Fragebogen. Es gibt scheinbar so viele Vorstellungen darüber, worüber Frauen sprechen, wenn sie allein sind, dass es schon fast albern wirkt. So glauben durchaus viele Männer, dass sie immer und überall im Mittelpunkt stehen. Selbst wenn sie nicht da sind. Also in Gesprächen zwischen zwei Frauen.

Natürlich sprechen Frauen auch über Männer. Die Betonung liegt aber auf auch. Bei einigen Geschichten hat man das Gefühl, dass man ein andauernd an der Stelle setzen muss. Aber ich kann garantieren, dem ist nicht so.

Lass also Deine Frauen über andere Themen sprechen als eben Männer oder männlich orientierte Themen. Dazu zähle ich, was könnte Dein Charakter für eine Krawatte kaufen. Oder wie läuft es mit der Firma des Mannes.

Wieder könnten wir diese Frage austricksen, indem wir die Frauen über den Haushalt oder Schminke reden lassen. Klar, auch darüber reden Frauen, würde uns aber im Roman nicht wirklich weiterführen.

Daher ist es durchaus wichtig, dass Deine Frauen sinnvolle Gespräche führen, welche Deine Geschichte weiterbringt. Die eine Frau hat eine wichtige Information, welche die andere nutzen könnte. Oder sie trägt diese Information an eine andere Frau weiter. Oder von mir aus, an einen der Männer.

Sie dürfen auch in der Geschichte über Belangloses sprechen. Das ist klar. Aber das dürfen auch die Männer. Gleichzeitig dürfen Frauen auch über wichtige Dinge sprechen.

Fazit

Natürlich rettet der Bechdel-Test Deine Geschichte nicht davor, trotzdem sexistisch zu sein. Aber ich glaube, dass er helfen kann, aufmerksamer zu werden. Wie gehst Du als AutorIn oder wie gehen die anderen AutorInnen mit den Frauen um? Ist es ein guter Umgang oder muss man da noch ordentlich nachhelfen?

Ich denke, dass der Test hilft, ein wenig kritischer zu sein. Und wenn man dann noch ein wenig weiter über die Rollen der Frauen und Männer nachdenkt, wird es sicherlich eine gute Geschichte werden.

Der „Racial“ Test

Der Test wurde zwischenzeitlich auch für nicht weiße Menschen (Color of People) abgeändert, der Racial Bechdel Test. Da ich die drei Fragen oben schon ausführlich behandelt habe, gibt es hier eine Kurzversion.

  1. Kommt mehr als eine Person mit einer anderen Hautfarbe vor?
  2. Reden die nicht weißen Personen miteinander?
  3. Reden sie über etwas anderes als über weiße Menschen?

Sehr häufig scheitert es schon an der ersten Frage. Denn es kommt durchaus ein Quotenschwarzer vor, aber das war es schon. Zwischenzeitlich hat sich das gebessert, aber man hat immer noch das Gefühl, dass die Weißen immer noch eine Mehrzahl der Menschen auf der Erde stellen. Das, dem nicht so ist, ich denke, das muss ich nicht schreiben.

Sollte es mehr als zwei farbige Personen geben, dann reden sie nicht immer miteinander. Ihre einzigen Gesprächspartner sind die anderen Weißen. Ich schreibe nicht, dass sich die ganzen Farbigen verbrüdern sollen. Aber warum bitte schön dürfen sie nicht miteinander reden?

Und natürlich gilt auch hier, dass sie gerne über andere Themen als Weiße oder weiße Themen sprechen dürfen. Da ich selbst keine Erfahrungen damit habe (danke an Hollywood und den ganzen AutorInnen, die mich das nicht gelehrt haben), kann ich dazu auch nicht viel schreiben. Aber sicherlich ist es eine gute Idee, Literatur farbiger AutorInnen zu lesen. Dort wirst Du sicherlich eine Menge lernen.

Der „quere“ Test

Ursprünglich hab ich die Erweiterung des Bechdel-Tests mit queren Charakteren gefunden. Leider finde ich nicht mehr den Link zu dem Post, der mich auch zu diesem Beitrag inspiriert hatte.

Aber ich habe zwischenzeitlich herausgefunden, dass Vito Russo den Quer Test erfunden hat. Hier sind seine drei Punkte:

  1. Die Geschichte beinhaltet einen Charakter, welche man eindeutig als lesbisch, schwul, bisexuell oder transsexuell einordnen kann.
  2. Dieser Charakter wird nicht auf die Sexualität reduziert, sondern trägt ihren bzw. seinen Teil zur Geschichte bei, damit diese ein glückliches Ende hat.
  3. Der Charakter muss so in dem Plot involviert sein, dass die Entfernung von ihr oder ihm dazu führen würde, dass der Plot in sich zusammenfällt.

Mit Punkt 1 sind auch Geschichten gemeint, die nicht direkt für den LGBT-Markt geschrieben wurden (zum Beispiel Gay Romance). Damit scheitern mindestens 99 Prozent aller Filme und Romane, die veröffentlicht wurden.

Es gelten übrigens keine Charaktere, die im Nachhinein doch als homosexuell gelten. Damit meine ich, zum Beispiel, Albus Dumbledore. In den ganzen Harry Potter Romanen kam nicht einmal eine Andeutung vor, dass er eventuell, möglicherweise, vielleicht schwul sein könnte. Dies kam erst heraus, als Rowling die Reihe beendete und ihn outete. Damit haben die Harry Potter Romane den Test auch schon nicht bestanden.

Der zweite Punkt ist ein klassisches Vorurteil. Man meint, dass die LGBT-Community permanent ein Schild hochhalten, um zu sagen, hei, ich bin lesbisch/schwul/bisexuell/transsexuell. Natürlich sprechen sie darüber, aber sie definieren sich nicht nur über ihre Sexualität. Genauso wie alle anderen Menschen haben sie Familie, Freunde, einen Beruf, Hobbys, Träume und so weiter. Und das alles macht sie zu einem Gesamtpaket.

Daher ist es wichtig, dass sie mit anderen Qualitäten zum wichtigen Teil der Geschichte werden. Denn auch homosexuelle Menschen, da mögen einige staunen, sind auch nur Menschen. Ich kann es Dir garantieren.

Und auch hier gilt, wenn Dein LGBT-Charakter aus der Geschichte entfernt werden sollte, muss sie zusammenbrechen. Das bedeutet, dass Du einen so starken Charakter erschaffen hast, dass sie einfach ein fester Bestandteil der Geschichte sind. Ihre Sexualität ist dabei nur ein Teil ihrer Persönlichkeit.

Abschlussgedanken

Theoretisch könnte man diesen Test entsprechend weiter ausbauen. Zum Beispiel übergewichtige Menschen, Menschen mit Behinderungen oder sonstigen körperlichen Einschränkungen oder mit psychischen Erkrankungen. Unsere reale Welt ist voll von diesen Menschen, doch in Romanen und Filmen findet man sie kaum bis gar nicht.

Mir ist bewusst, dass es zu viel für einen Film oder einen Roman wäre, wenn man alle berücksichtigen müsste. Doch warum eigentlich? Nehmen wir an, Du hast fünf Charaktere. Davon könnten drei Männer und zwei Frauen sein (ich bin so frei). Eine Frau und ein Mann sind Farbige. Und sagen wir mal, die zweite Frau ist lesbisch. Dann kriegen die Frauen und die Farbigen noch eine starke Rolle, neben den beiden weißen Männern und schon kann die Geschichte laufen.

Mein Wunsch ist, dass Du einfach mal darüber nachdenkst und schaust, wie Du diese Punkte, oder wenigstens einige davon, in Deiner nächsten Geschichte unterbringen könntest. Ob Du es machst, das ist eine andere Angelegenheit. Aber ein Versuch ist es doch Wert, oder?

Mach den Test

Schreib Dir die Fragen auf und schau Dir einige Filme an oder lies Dir einige Romane durch. Und dann hack die Punkte ab, welche erfüllt sind und welche nicht. Zudem kannst Du Dir noch Notizen machen, wie diese Punkte erfüllt wurden.

Dein aktuelle Roman

Schau Dir Deinen aktuellen Roman an und überprüfe diesen anhand der Tests. Welche Punkte werden erfüllt und bei welchen könntest Du noch nachbessern. Und vor allem möchtest Du es?

Dein nächster Roman

Vielleicht ist Dein aktueller Roman zu weit fortgeschritten, als dass Du noch Änderungen vornehmen möchtest. Aber wie sieht es mit Deiner nächsten Geschichte aus? Könntest Du da die Punkte unterbringen?
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Liebster Award von chickinwhite

Hei, hallo und herzlich willkommen,

zwischenzeitlich wurde ich einige Male für den Liebster-Award nominiert. Und aus mir nicht ganz bekannten Gründen habe ich letztes Jahr nie geschafft, die Fragen zu beantworten. Das will ich am letzten Montag im Monat nun nachholen. Das bedeutet, sieben Montage sind damit geklärt, was für Beiträge ich schreibe.

Die Regeln

  1. Danke der Person, die dich für den Liebster Award nominiert hat und verlinke ihren Blog in deinem Artikel.
  2. Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, gestellt hat.
  3. Nominiere 2 bis 11 weitere Blogger für den Liebster Award.
  4. 
Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen.
  5. Informiere deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel.
  6. Das Beitragsbild kannst du optional in deinen Beitrag einfügen.
  7. Schreibe diese Regeln in deinen Liebster-Award-Blog-Artikel.

Mein erster Liebster-Award

Ganz herzlich möchte ich mich bei chickinwhite für die Nominierung bedanken. Es ist meine erste Nominierung gewesen und ich war durchaus überrascht, dass ich überhaupt jemals dafür auserwählt werden würde.

Jedoch werde ich keine weiteren Blogs nominieren, auch wenn das gegen die Regeln verstößt. Zuerst zumindest. Das liegt zum einen daran, dass ich selbst so oft nominiert wurde, da würde es mir schwerfallen, auf Dauer genügend andere Blogs zu finden. Und zum anderen sind die Blogs, die ich gerne lese, selbst schon mindestens einmal nominiert worden.

Aber was nicht ist, kann noch werden.

Meine 11 Fragen
1. Wer war der Held/die Heldin deiner Kindheit und warum?

Ich hatte zwei Heldinnen in meiner Kindheit. Das war einmal Pippi Langstrumpf. Sie ist immerhin das stärkste Mädchen der Welt und konnte machen, was sie wollte. Zudem glaube ich, dass die Idee hinter Pippi durchaus feministisch betrachtet werden kann. Damals habe ich das nicht so gesehen, aber heute blicke ich mit völlig anderen Augen auf sie.

Die zweite Heldin war „Die kleine Hexe“ von Ottfried Preußler. Es war das erste Buch, das ich ganz allein gelesen habe. Und was ich mich so erinnere, da war sie für mich durchaus eine kleine Rebellin.

2. Was war dein allererster Berufswunsch?

Archäologin und Autorin. Das liegt daran, dass ich die ägyptische Mythologie liebe. Und Autorin, das spricht für sich.

3. Wenn du die Wahl hast: Lieber Meer oder Berge?

Vermutlich eher die Berge, aber ich finde Bilder vom Meer total anziehend. Da kann ich mich nur schwerlich entscheiden. Wie wäre es denn mit einem Berg am Meer?

4. Wenn du heute deinen Dayjob neu erfinden dürftest – was würdest du machen wollen?

Ganz ehrlich? Ich würde im kreativen Bereich arbeiten. Keine Ahnung wo, aber ich würde dorthin abwandern. Und ansonsten, ja, ich will Schriftstellerin werden. Verklagt mich deswegen 😉

5. Hast du je Fanfiction gelesen? Und wenn ja, aus welchem Fandom?

Früher habe ich sogar sehr viel gelesen. Unter anderem Sailor Moon, Dragonball, Harry Potter und Der Herr der Ringe. Zudem habe ich noch zu Sailor Moon und Harry Potter eigene Geschichten geschrieben. Ich bin diesbezüglich also kein unbeschriebenes Blatt.

6. Mit welcher klitzekleinen Kleinigkeit kann man dir eine Freude machen?

Das ist ganz unterschiedlich. Mal ist es ein guter Witz, mal ein Buch. Das hängt ganz von meiner Tagesstimmung ab.

7. Eine Fee erfüllt dir einen Herzenswunsch – was wünschst du dir?

Mehr innere Ruhe. Ich weiß zwar, wie ich daran kommen könnte, aber noch bin ich nicht so weit. Vielleicht wäre Fleiß dann eher ein guter Wunsch.

8. Der Zirkus ist in Town, und du brennst mit ihm durch. Welchen Job übernimmst du in der Manege?

In der Manege? Gar nichts. Ich verkaufe die Karten. Für die Bühne bin ich nicht geschaffen (eine der Gründe, warum ich auch Schriftstellerin und nicht Musikerin oder Schauspielerin werden möchte).

9. Mit welcher fiktiven Figur würdest du tauschen wollen?

Das ist eine sehr gute Frage. Vermutlich mit einen meiner eigenen Figuren, da sie mir am liebsten sind. Ansonsten nehme ich Hermine Granger (aber als Singlefrau).

10. Du darfst zu einer Fotosafari das Ziel aussuchen. Wohin geht die Reise?

Durch Großbritannien und Irland. Um genau zu sein, auf einer Burgentour. Und nebenbei noch die Natur und Landschaft mitnehmen. Wenn noch der eine oder andere heiße Schauspieler mir zufällig vor die Linse läuft, den nehme ich auch noch mit.

11. Was macht für dich Lebensfreude aus?

Zu wissen, wer ich bin und in mir ruhen kann.

Du bist dran

Dir haben die Fragen gefallen? Dann darfst Du sie gerne mitnehmen. Verlink dabei gerne diesen Beitrag. Ich würde mich freuen.
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[Schreibsonntag] Mein Januar 2017

Hei, hallo und herzlich willkommen,

am letzten Sonntag eines Monats will ich offenlegen, was ich so im vergangenen Monat alles geschafft habe, bezüglich meines Romans oder auch sonst, was ich in dieser Richtung geht.

Und es gibt dabei immer einen kleinen Ausblick auf meinen persönlichen Monatssoundtrack.

Kurze Vorgedanken

Idealerweise sollte man jeden Tag an einem Roman schreiben. Gerade dann, wenn man vorhat diesen noch im aktuellen Jahr zu veröffentlichen und zwei weitere schreiben will. Daher ist es durchaus wichtig, dass man sich am Riemen reißt und hart daran arbeitet.

Aber nicht jeder Tag ist ein idealer Tag.

Was habe ich so geschafft?

Im Grunde genommen habe ich wirklich geschafft, mein Prolog und Kapitel 1 zu schreiben. Da ich wieder einige neue Ideen hatte, musste das sein. Doch zwischenzeitlich habe ich noch einmal komplett die Idee überworfen und muss mir eingestehen, das, was ich bisher geschafft habe, ist ganz nett, aber nicht das Wahre.

Gerade bin ich dabei, die Charaktere genauer kennenzulernen und arbeite sie daher noch einmal sehr ausführlich aus. Viele der Punkte habe ich mir durchaus zwischenzeitlich gedacht. Doch andere hingegen sind mir völlig neu und ich bin überrascht.

Zugegeben, viele der Punkte hätte ich vorher erarbeiten sollen, tat es aber nicht. Denn ich wollte sehen, wie sehr ich einen Plot benötige. Und ich muss mir eingestehen, ja, ich brauche wirklich einen halbwegs guten Plot.

Dabei merke ich immer wieder, wie kreativ ich werde, wenn ich mit den Tarotkarten arbeite. Es ist schon fast egal, welches Deck ich nutze, auch wenn ich Themendecks durchaus bevorzuge. Hauptsache, ich kann mit der Bedeutung arbeiten und sie einbringen.

Ich habe durchaus meine Ideen für den Roman. Doch manchmal fehlen mir einfach die Worte dafür. Und da nutze ich die Tarotkarten, welche mir die Worte zusammenfassen und helfen.

Was habe ich nicht geschafft?

Eben wirklich intensiv weiterzuarbeiten und zu schreiben. Das muss ich mir leider eingestehen. Und ehrlich gesagt, bis Anfang April weiß ich auch noch nicht, ob ich wirklich schaffe, intensiv zu schreiben. Denn da schreibe ich meine Zwischenprüfung und muss natürlich auch endlich mal anfangen zu lernen.

Dabei sage ich mir jeden Tag aufs Neue, es müssen ja keine 1.000 Wörter oder mehr sein. Fünfhundert reichen auch schon aus. Trotzdem konnte ich mich diesen Monat nicht motivieren, mich wirklich täglich hinzusetzen und auch wirklich zu schreiben.

Natürlich könnte ich jetzt sagen, dass die Arbeit mich schlaucht. Und der Heimweg ist auch nicht gerade kurz (eine Stunde). Klar, das können durchaus Elemente sein, die mich daran hindern zu schreiben. Und der Blog will auch gefüllt werden.

Aber das alles sind lediglich billige Ausreden. Und diesen Monat habe ich mich leider derer doch sehr ausführlich bedient.

Immerhin sitze ich nicht den ganzen Tag über meinen Büchern und lerne. Schön wäre es vielleicht, mache ich aber nicht. Zudem sitze ich auch nicht den ganzen Tag an meinen Blogbeiträgen. Glücklicherweise, wie ich an dieser Stelle durchaus betonen möchte.

Das bedeutet, ich muss mir nur endlich einen Plan überlegen, wie ich am besten mit den ganzen Dingen umgehe.

Zum einen, täglich zwei Stunden lernen. Also Notizen schreiben, MindMaps erstellen und was weiß ich. Das sollte zu schaffen sein. Dann eine Stunde an meinem nächsten Blogbeitrag schreiben. Über meinen Laptop geht das ohne Weiteres.

Und ab acht Uhr am Abend wird dann geschrieben. Wie erwähnt, es reichen schon 500 Wörter, um weiterzukommen. Ein wenig planen und dann schreiben, das sollte für den Anfang bis April reichen. Was danach kommt, das kommt danach. Da will ich mich jetzt nicht festlegen. Das ist einfach zu weit in der Zukunft.

Was habe ich diesen Monat gelernt?

Dass ich um einiges intensiver arbeiten muss, will ich dieses Jahr wirklich meinen Roman veröffentlichen. Und natürlich will ich auch wirklich noch zwei weitere Schreiben.

Vor allem, ich benötige einen Plot, um wirklich schreiben zu können. Das habe ich eindeutig gesehen. Es gibt Menschen, die können ohne Weiteres drauf losschreiben und haben auch eine halbwegs tolle Geschichte. Bei mir ist es definitiv nicht der Fall. Und das ist auch völlig in Ordnung. Vor allem, dass ich es jetzt gelernt habe.

Weiterhin ist es in der Tat leichter Ausreden zu finden, nicht zu schreiben, als sich hinzusetzen, um zu schreiben. Aber dann, wenn man in diesem Trott ist. Letztes Jahr war ich im Trott zu schreiben und es fiel mir schwer mich hinzusetzen, und mithilfe einer Ausrede nicht zu schreiben. Jetzt ist es genau andersherum.

Das bedeutet, ich zumindest muss mich erst einmal wieder motivieren, um zu schreiben. Dann wird das alles schon werden.

Was plane ich für den Februar

Heute habe ich mein Bullet Journal für die kommende Woche fertiggemacht. Da am Mittwoch der Februar beginnt, habe ich auch die Seiten für den Monat gezeichnet (eine Monatsübersicht und Derartiges).

Dabei spielt dieser Tracker (mal wieder) eine wichtige Rolle:

Doch ich werde nicht 1.600 Wörter im Monat schreiben, sondern nur 1.200 bzw. 1.072. Denn mein Monatsziel sind bescheidene 30.000 Wörter. Und das sollte doch nun wirklich zu schaffen sein.

Und natürlich möchte ich mich bemühen einen soliden Plot zu haben, mit dem ich arbeiten kann. Zurzeit arbeite ich mit der Heldinnenreise und komme damit sogar sehr gut klar. In dem Sinne, es wird schon werden.

Abschlussgedanken

So, Schluss mit lamentieren, ich setz mich jetzt hin und schreib weiter an meinem Roman. Immerhin kenn ich jetzt die Charaktere um einiges besser als zuvor. Und das hat sich definitiv gelohnt.

Wie sieht es bei Dir aus? Was hast Du diesen Monat alles erreicht?

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