Gloassar – Was kann da alles rein?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

für manche ist es ein Graus, andere sind da regelrecht hinterher. Ein Glossar kann gerade bei Fantasy- oder auch Science-Fiction-Geschichten durchaus ein Gewinn sein.

Kurze Vorgedanken

Zugegeben, da ich momentan eher Fantasyromane lese, kann ich sagen, dass da häufiger ein Glossar am Ende zu finden ist. Manchmal vom Verlag selbst eingefügt, können sie auch von der Autorin oder dem Autor stammen.

Sie sollen eine Orientierung für die fremde Welt bieten, in der wir uns hineinwagen. Und das kann manchmal durchaus eine gute Idee sein. Wobei es immer gilt, wenn man es richtig macht.

Daher habe ich mir heute Gedanken gemacht, wie ich ein Glossar aufbauen würde, was hineinkommt und welche Unterschiede es dabei geben kann. Wobei ich hier nicht zwischen den verschiedenen Genres unterscheiden werde. Letztendlich, ein Glossar ist ein Glossar.

Was verstehe ich unter einem Glossar?

Unter einem Glossar verstehe ich eine Ansammlung von Stichworten, die sich direkt auf die Welt konzentrieren und mir diese kurz und bündig erklären. In erster Linie soll mir das Glossar einen Hinweis geben, mit wem oder was ich es zu tun habe. Und gegebenenfalls auch eine Erinnerungshilfe sein.

Nehmen wir an, Du schreibst an einer längeren Reihe von zehn Romanen. Im ersten Band taucht ein Charakter auf, der im Zweiten verschwindet und erst im Siebten wieder auftaucht. Aufgrund der längeren Veröffentlichungsweise könnte es sein, dass ich mich schon gar nicht mehr an den Charakter erinnere und daher im Glossar nachschlage, mit wem ich es zu tun habe. Und dann erinnere ich mich, ach ja, das war die und der.

Weiterhin kann ein Glossar eine Hilfestellung für Wörter und deren Bedeutung sein. Gerade wenn Du eine Sprache erfindest, kannst Du das eine oder andere Wort benutzen und mir mit dem Glossar die Möglichkeit geben nachzuschlagen, was es bedeutet. Auch wenn Du es im Roman übersetzt hast, kann es sein, dass ich es hundert Seiten später wieder vergessen habe. Daher würde ich selbst es im Glossar nachschlagen und erinnere mich dann, was dieses Wort bedeutet.

In erster Linie würde ich ein Glossar so aufbauen, dass es eine Orientierungshilfe ist und nicht ein Ersatz für die Geschichte. Das bringt es nicht. Daher würde ich auch sehr behutsam mit dem sein, was ich in dem Glossar alles aufnehme und welche Informationen ich preisgebe. Ansonsten würde ich selbst meinen eigenen Roman Spoilern. Und das würde keinen Sinn machen.

Der Inhalt

Welche Punkte kannst Du theoretisch in Deinem Glossar aufnehmen? Eigentlich alles, was Dir wichtig ist. Oder auch das, was Deine Testleser*innen für wichtig erachten. Wenn sie sagen, dass sie das eine oder andere Wort nicht verstanden haben oder es andauernd vergessen, wäre das durchaus ein Hinweis es ins Glossar aufzunehmen.

Personen

Gerade, wenn Du eine Reihe schreibst, wäre ein Personenregister durchaus hilfreich. Dann kann man immer nachvollziehen, wer die Person ist, mit der man es gerade zu tun hat. Zudem kannst Du auch die Rolle aufführen (zum Beispiel, Tochter oder Sohn von XY), zu welcher Familie sie oder er gehört und weitere wichtige Informationen.

Bei erfundenen Namen kannst Du zudem noch die Lautschrift aufführen, also wie man den Namen korrekt ausspricht. Zwar werden die Leute trotzdem eine eigene Art finden, wie man den Charakter anspricht, aber so bietest Du wenigstens eine Lösung an.

Du kannst auch den Lebensweg der Charaktere aufzeigen. So war es beim Rad der Zeit so, dass die Hauptfiguren am Anfang regelrecht minimalistisch aufgeführt wurden. Erst nach und nach wurden die Informationen umfangreicher, je mehr sie erlebt haben und je weiter die Reihe vorangegangen ist. Eventuell wäre das auch etwas für Dich.

Orte

Eventuell wäre es auch interessant eine Landkarte anzubieten. Aber wenn Du die Orte aufnimmst, dann würde ich erklären, wo sich dieser ungefähr befindet, welcher Charakter von dort kommt und was so besonderes an diesem Ort ist.

Auch hier würde ich eher empfehlen, die Informationen wachsen zu lassen. Gerade dann, wenn der Ort noch gar nicht aufgetaucht ist, solltest Du Dir überlegen, den erst gar nicht aufzunehmen.

Gegenstände

Wenn es besondere Gegenstände in Deiner Geschichte gibt, gehören die durchaus ebenfalls in Deinem Glossar. Dazu zähle ich den Namen, wie man es ausspricht und welche Bedeutung es für Deine Geschichte hat. Zudem kannst Du auch noch den Unterschied zwischen magisch und nicht magisch machen, wenn es eine Rolle spielt.

Wobei ich selbst nicht unbedingt jeden Gegenstand aufführen würde, der in Deinem Roman erwähnt wird. Das könnte am Ende zu viel sein. Daher empfehle ich Dir, nur die wirklich Wichtigen zu nehmen. Alles andere kann, wenn es sein darf, eher mit einem Satz abgehandelt werden.

Worte

Also eine Art Duden für Deine Geschichte könnte man das bezeichnen. Da würde ich schon jedes Wort aufnehmen, welche Deine Charaktere sprechen. So können sie sich immer darauf beziehen, wenn Du es in Deinem Roman erwähnst. Und vielleicht möchten Deine Leser*innen auch Deine Sprache lernen. Wer weiß.

Sonstiges

Klar, alles, was noch wichtig für Deine Geschichte ist.

Aufbau

Wie Du Dein Glossar am Ende aufbaust, entscheidet Dein persönlicher Geschmack. So könntest Du jeden der oben genannten Punkte mit einer eigenen Unterkategorie erwähnen. Oder Du packst alles zusammen.

Wichtig finde ich, dass man eine Ordnung erkennen kann. Alles andere verwirrt nur. Und am Ende könnte es passieren, dass man sich so viel Mühe mit dem Glossar gemacht hat und niemand will es lesen. Das fände ich schade.

Überleg Dir, wie Du die Informationen am besten vermitteln kannst.

Dein persönliches Glossar

Wenn Du den Roman schreibst, würde ich Dir empfehlen, ein persönliches Glossar noch zu erstellen. Aus diesem kannst Du dann das Glossar für Deinen Roman herausfiltern. In Deinem persönlichen Glossar kannst Du so ausführlich sein, wie Du willst. Hier geht es darum, dass Du die Informationen hast, die Du brauchst, um Deinen Roman zu schreiben.

Du darfst also jedes noch so kleine Wort aufnehmen, was in Deiner Geschichte auftaucht. Da musst Du Dich gar nicht zurückhalten. Und wenn Du mit dem Roman fertig bist, schaust Du, was Du aus Deinem Glossar herausfiltern kannst, um dem Romanglossar zu schreiben.

Kleiner Tipp, niemals die Unterlagen wegwerfen oder löschen. Es könnte sein, dass Deine Fans noch mehr Infos um Deine Geschichten haben wollen. Da könntest Du auch Dein persönliches Glossar veröffentlichen.

Vorne oder hinten

Ganz ehrlich? Einmal hab ich einen Roman gelesen, da war vorne das Glossar. Und mir wurden Informationen geboten, bei denen ich dachte, cool, das wird ein toller Roman. Am Ende waren die Informationen interessanter als der Roman. Denn das Glossar hat mich so heiß gemacht, dass ich am Ende nur noch enttäuscht wurde.

Daher würde ich selbst das Glossar immer am Ende des Romans packen. Dort gehört er für mich hin und niemals vorne. Keine Ahnung, warum manche das machen. Gilt übrigens auch für ein E-Book.

Abschlussgedanken

Das war jetzt ein kurzer Einblick, wie ich selbst ein Glossar aufbauen würde. Letztendlich kommt es darauf an, ob Du eines schreiben möchtest und ob es sich lohnt. Bei einem kurzen Roman, der nur aus einem Band besteht, mag es überflüssig sein. Hingegen kann es sich bei einem langen Roman oder gar einer Reihe eher lohnen.

Schreib also erst einmal Deinen Roman und Deinen persönlichem Glossar und schau dann, ob und was Du übernehmen möchtest. Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Fremde Glossare studieren

Ich bin mir sicher, dass Du den einen oder anderen Roman hast, der einem Glossar besitzt. Schau mal rein, wie diese geführt werden. Oder geh in eine Buchhandlung und such aktiv danach. Was möchtest Du davon mitnehmen und was nicht?

Dein Glossar

Egal, ob Du eines in Deinem Roman einfügen möchtest oder nicht, ich kann Dir nur empfehlen, für Dich und Deine Geschichte immer eines zu führen. Damit verhinderst Du, dass Du selbst durcheinander kommst. Und Du kannst Deine Fans immer wieder mit Informationen füttern, welche exklusiv aus Deinem Archiv stammt. Das nennt man halt auch Werbung 🙂

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Rezension: Ann Leckie – Die Maschinen (Das Maschinen – Universum Band 1)

Hei, hallo und herzlich willkommen,

Stephen King sagt, wer schreiben will, muss auch lesen. Und zugegeben, da ich jetzt keine Prüfungen mehr schreibe, komme ich viel mehr zum Lesen, was wirklich entspannend ist. Zudem habe ich über die Autorinnenzeit eine neue Autorin für mich entdeckt, die ich Dir heute vorstellen möchte, bzw. ihren ersten Roman. Und Band 2 ist auch schon unterwegs.

Eckdaten zum Buch

  • Taschenbuch: 544 Seiten
  • Dateigröße für E-Book: 1204 KB
  • Verlag: Heyne Verlag (9. Februar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453316363
  • ISBN-13: 978-3453316362
  • ASIN: B00R3627OG

Kurze Vorgedanken

Während der Autorinnenzeit habe ich einige Autorinnen für mich entdeckt. Dazu zählt auch die Autorin Ann Leckie. Sie wurde auf einem Blog empfohlen, unter anderem auch, weil die Sprachwahl sehr ungewöhnlich war.

Zuerst habe ich mir die englische E-Book Version gekauft. Doch da bin ich noch nicht ganz klar damit gekommen. Aber ich bin manchmal unberechenbar und hab mir dann die deutsche Taschenbuchversion gegönnt. Und ehrlich gesagt, ich bin in Band 1 regelrecht verliebt.

Zum Buch selbst

Breq ist die Heldin der Geschichte, die man als eine Art Borg bezeichnen könnte. Sie ist sowohl ein Schiff als auch sehr viele Hilfseinheiten auf eben diesem Schiff. Als solche kümmert sie sich um die komplette Besatzung, um deren Kleidung, um das Schiff (also um sich selbst) und um Annexionen. Dabei hat sie immer den Zugang auf die kompletten physischen Daten ihrer Mannschaft.

Doch dann passiert etwas und aus den vielen wird nur noch eine. Und diese eine sinnt auf Rache und auf einen Bürgerkrieg. Dafür benötigt sie eine Waffe und den Zugang zu der Herrin der Radch (dem Volk, welcher sie dient).

Dabei wird der Großteil der Geschichte in zwei Zeitebenen erzählt. Einmal vor 19 Jahren vor der fiktionalen Gegenwart. Und dann eben in der Gegenwart. Gelegentlich kommt noch eine dritte Ebene hinzu, aber die sind relativ kurz und eher erklärend.

Die Sprachwahl

Das Besondere an diesem Buch dürfte wohl die Sprachwahl sein. Da ich bisher nur die deutsche Version gelesen habe, konzentriere ich mich im weiteren nur auf diese Sprache.

Die Radch haben nämlich einen besonderen Umgang mit dem Geschlecht, es werden entweder neutrale Bezeichnungen verwendet (was nur im englischen wirklich funktioniert). Oder man verwendet durchgehend die weibliche Version. So heißt es immer sie als Frau oder als Titel Leutnantin oder Kapitänin und so weiter.

Nur im Gespräch mit einigen anderen, die keine Radch sind, erfährt man bei einigen Leuten tatsächlich das Geschlecht. Ansonsten steht man da und kann Rätseln. Zumal die Autorin auch nicht aufklärt, mit wem oder mit was man es genau zu tun hat.

Und schön finde ich, dass die Autorin diesem Stil wirklich konsequent bis zum Ende treu bleibt. Es ist nicht so, dass Breq irgendwann mal lernt, dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Sie benutzt weiterhin die weiblichen Bezeichnungen.

Was finde ich so besonders an diese Geschichte?

Eigentlich gibt es zwei Dinge, die ich persönlich sehr faszinierend finde.

Die Sprache

Bisher habe ich es in großen Publikationsverlagen nicht erlebt, dass die sich solch ein Experiment trauen. Immerhin werden hier fast vollständig die Männer ausgeschlossen. Da hätte man meinen können, dass damit viele ein ganz schönes Problem haben. Und vermutlich haben auch viele dies, wenn man sich einige Rezensionen auf einem gewissen Portal anschaut.

Auch wenn ich anfänglich meine Schwierigkeiten hatten, mich da reinzulesen, es funktioniert. Am Ende liest sich die Geschichte wie von selbst. Man gewöhnt sich daran und es ist gar nicht mal so schlimm, wie man vielleicht denken mag. Zumal es immer wieder Hinweise in der Geschichte gibt, mit was für einem Geschlecht man es bei einigen der Charakteren doch zu tun hat. Bei anderen darf man weiterhin rätseln.

Die auktoriale Erzählerin

Zwar heißt es immer wieder, dass die auktoriale Erzählerin tot ist, aber Ann Leckie beweist das Gegenteil. Denn Breq ist eine von vielen. Und sie kann immer da sein, wo etwas erzählt werden kann und auch muss. Zudem hat Breq Zugriff auf alle physische Daten ihrer Mannschaft. Somit erfahren wir auch etwas über sie. Obwohl die Geschichte in der Ich-Form geschrieben wurde.

Auf diese Art und Weise kann man auch die auktoriale Erzählform benutzen, ohne dass man es sogar richtig mitbekommt. Daher kann ich Dir nur empfehlen, dieses Buch zu lesen. Wenn schon nicht wegen der Sprache, dann wegen dieser Erzählform.

Meine Meinung

Das Buch ist definitiv interessant und ich finde, zumindest Band 1 sollte man gelesen haben. Ehrlich gesagt, eigentlich wollte ich noch ein paar andere Bücher hier auslesen, bevor ich mir Band 2 gönne. Aber ich konnte einfach nicht die Finger stillhalten und habe mir Band 2 besorgt.

Zwar ist die Geschichte jetzt nicht die spannendste überhaupt. Aber ich finde sie spannend genug, um sie zu lesen und danach regelrecht verrückt zu werden. Die Autorin und auch der Übersetzer haben in meinen Augen alles richtig gemacht.

Mein Fazit

Natürlich hat das Buch auch seine Schwächen. Und wenn ich es noch ein wenig sacken lasse, werde ich diese auch sehen. Spätestens beim erneuten Lesen. Aber aktuell kann ich nicht anders und sage ganz klar, vier von fünf Sternen. Denn es ist gut und vor allem, es ist gewagt.

Zwar meinen einige, die englische Version sei besser, aber auch die deutsche Version lässt sich lesen. Sobald ich das englische Buch gelesen habe, werde ich auch dazu meine Meinung abgeben.

 

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Wie könnte man Märchen neu erzählen? – 5 mögliche Wege

Hei, hallo und herzlich willkommen,

aktuell erscheinen bei einigen Autorinnen Nacherzählungen von Märchen. Da könnte die eine oder der andere sich fragen, wie macht man das am besten? Hier ist meine Antwort.

Kurze Vorgedanken

Märchen wurden schon immer erzählt und dabei gab es auch immer wieder Neuinterpretationen. Rotkäppchen soll in den früheren Versionen um einiges heftiger und teilweise auch erotischer gewesen sein. Heute erinnert nur noch ihr rotes Käppchen an die erotische Darstellung.

Daher ist es schon fast verständlich, wenn heutige Autorinnen sich entscheiden, Märchen in ein völlig neues Gewand zu kleiden. Und das auch mit Erfolg (siehe dazu Nora Bendzko oder Janna Ruth). Daher muss man nicht vor solch einem Projekt zurückschrecken.

Zum Thema Plot oder Derartiges möchte ich hier nichts schreiben. Denn ich möchte mich lieber auf fünf Hinweise konzentrieren, wie Du eine Märchenadaption anders gestalten kannst. Plot und Charakterarbeit sind auch hier dringend notwendig.

Und ich werde in dem Beitrag die weibliche Anrede benutzen, außer ich meine direkt und ausschließlich nur Männer. Ansonsten dürfen sich die Herren immer und jederzeit gerne mitgemeint fühlen.

1. Du solltest wissen, was Du schreiben möchtest

Wenn Du Dir ein Märchen vornimmst und es auf eine neue Art und Weise erzählen möchtest, ist das natürlich in Ordnung. Aber Du solltest wissen, was Du tust. Und vor allem auch, warum Du es tust.

Willst Du also etwas in Deiner Geschichte erwähnen, dann sollte es natürlich irgendeine Bedeutung haben. Hat es keine Bedeutung, dann lass es sein und erwähne es nicht.

Vielleicht kennst Du die neuste Verfilmung von Alice im Wunderland von Tim Burton? In diesem Film wurde öfters erwähnt, dass Alice ja schon einmal als kleines Mädchen im Wunderland war. Schön und gut. Doch dieses Wissen, diese Information hat für den Film selbst keine Bedeutung. Warum wurde das also erwähnt?

Solltest Du Dich direkt auf einen Märchenvorgänger beziehen, ist das in Ordnung (bei Bedarf kannst Du auch juristisch abklären, ob das in Ordnung ist). Aber dann solltest Du immer wissen, worauf Du Dich beziehst und vor allem auch, warum.

Willst Du also auf ein früheres Ereignis Bezug nehmen, dann mach es. Es sollte nur dann in der aktuellen Geschichte irgendeine Bedeutung haben. Wenn unsere Alice also schon einmal im Wunderland war, wunderbar. Nur warum wird das erwähnt? Mach Dir darüber Gedanken oder lass es gleich bleiben.

Aber letztendlich gilt das für alle Geschichten, die Du schreiben möchtest.

2. Respektiere das Original

Du musst das Original nicht eins zu eins wiedergeben. Das wäre überhaupt nicht Sinn der Sache. Aber es wäre sehr schön, wenn Du das Original trotzdem respektieren würdest. Immerhin ist es vorhanden.

Schauen wir uns noch einmal unsere Alice an. In ihrer Ursprungsgeschichte war sie eine durchaus starke und neugierige Person. Sie bekam zwar ab und an Hilfe von den anderen Charakteren, letztendlich hat sie aber selbst das Abenteuer gemeistert und kehrte auch von selbst zurück.

Vor Kurzem habe ich sogar gelernt, dass sie deswegen als eine wertvolle feministische Geschichte angesehen wird. Auch wenn dieser Roman zu meinen Lieblingsgeschichten gehört, das habe ich selbst doch noch nicht gewusst.

Und was macht Tim Burton aus ihr? Ein Schatten ihrer einstigen Größe. Immerhin will Alice nicht den Jabberwocky töten. Doch sie wird dazu gedrängt. Und nachdem sie sich damit abgefunden hat, bekommt sie dieses Schwert in die Hand und das Teil erledigt die Arbeit. Alice ist eigentlich nur eine Halterin des Schwertes. Und damit wird sie noch mehr entmachtet.

Hier wäre es schön gewesen, wenn man ihre Stärke beibehalten und eine andere Lösung für den Tod des Jabberwocky gefunden hätte. Eben auf die unvergleichliche Art einer Alice. Und wenn man sie schon hat zwingen müssen, ihn zu töten, warum dann nicht durch ihre eigene Hand? Nein, sie führte nur das Schwert, was die Arbeit erledigt.

Schau Dir also den Originalcharakter bitte genau an und überleg Dir, wie Du die Besonderheiten dieses Charakters in Deine Geschichte einbauen kannst. Du musst natürlich nicht den Charakter so übernehmen, wie sie oder er mal geschaffen wurde. Aber der Respekt sollte immer da sein. Dann machst Du da nicht viel falsch.

3. Erzähl etwas Neues

Viele Remakes werden nur deshalb gedreht (ich beziehe mich hier auf die Verfilmungen), weil man nur eines sieht, die Euro bzw. Dollarzeichen. Man hat irgendwann einmal gesehen, dass ein Film gut funktioniert hat, und macht schlichtweg eine schlechte Kopie davon. Da fehlt häufig die originelle Idee.

Zugegeben, ich habe den Film Maleficant noch nicht gesehen. Doch hier wird etwas Neues im Rahmen des Alten erzählt. Es ist nicht eine reine Nacherzählung des Märchens Dornröschen aus der Sicht der dreizehnten Fee. Sondern sie zeigt eine völlig neue Perspektive der Geschichte.

Unter anderem soll auch der Kuss des Prinzen thematisiert werden, den Dornröschen über sich ergehen lassen muss. Es geht dabei um den Kuss, den sie bekommt, während sie schläft. In meinen Augen ist das nämlich alles andere als romantisch. Und das haben sich wohl die Macher auch gedacht.

Wenn Du eine Geschichte einfach nur nacherzählst, bietest Du Deinen Leserinnen nichts Neues. Darüber sind wir uns sicherlich einig. Daher ist es wichtig, zwar Respekt vor der Originalgeschichte zu haben. Trotzdem solltest Du etwas Neues erzählen. Ansonsten wird es schlichtweg nur langweilig.

Welcher Aspekt wurde in dem Märchen vernachlässigt, worüber Du schreiben könntest? Was wäre interessant noch eingehender zu beleuchten? Ich denke, darauf hast Du durchaus schon Deine Antworten. Dann erzähl sie uns.

4. Versuch nicht jemand anderes zu sein – sei Du selbst

Vor Jahren hatte ich mal eine Diskussion mit einem Autor, der unbedingt wie viele andere Autorinnen und Autoren klingen wollte. Da waren auch sehr berühmte Namen dabei. Als ich ihn fragte, warum er denn nur kopieren wollte, anstatt ein Original zu sein, hatte er nicht unbedingt eine wirkliche Antwort darauf.

Und das ist in vielerlei Hinsicht ein Problem. Immer, wenn eine Buchreihe oder ein Film erfolgreich ist, versuche viele diesem Erfolg regelrecht nachzuäffen. Von dem häufig guten Original merkt man dabei wenig, weil die Leute nur noch eines sehen, Euro- bzw. Dollarzeichen. Sie wollen lediglich auf den fahrenden Zug aufspringen und Geld machen.

Du kannst es versuchen, ich empfehle Dir aber, auf Dauer Dein eigenes Ding zu schreiben. Damit wirst Du erfolgreicher sein, als wenn Du andere kopierst.

Was auch immer aktuell gerade auf dem Markt angesagt ist, respektiere es. Du kannst auch gerne in diesem Genre schreiben. Warum nicht die Geschichte von Rotkäppchen im All erzählen. Ich fände das durchaus interessant. Aber eben auf Deine unvergleichliche Art und Weise.

5. Reduziere die Diskrimminierung

Über eins müssen wir wohl nicht wirklich diskutieren. Viele Märchen sind sexistisch oder rassistisch oder auch beides zusammen. Man kann es sogar fast entschuldigen, weil man es damals nicht besser wusste und die Zeit es quasi vorschrieb.

Das bedeutet aber nicht, dass wir es heute nicht besser wissen und es daher besser machen können. Wenn Du irgendwo einen sexistischen Part in einem Märchen entdeckst, überleg Dir, wie man ihn streichen kann. Das gilt auch für rassistische Teile in der Geschichte.

Und dann überleg Dir, wie Du es so schreiben kannst, dass es in die heutige Zeit passt und es sich angenehm anfühlt. Dazu gehört nicht unbedingt viel, aber es kann eine unglaubliche Menge ändern.

Zwar könnte man argumentieren (was auch viele tun), dass eine Änderung der Geschichte nichts mehr mit dem Original zu tun hätte, aber dem ist nicht unbedingt so. Wir behalten ja den Respekt vor der Geschichte bei, ändern aber einige Teile, um sie für die aktuelle Zeit anzupassen. Immerhin haben wir nun die Möglichkeit zu erkennen, was eben sexistisch oder auch rassistisch ist. Daher haben wir auch die Möglichkeit, die Geschichte so zu ändern, dass sie in die moderne Zeit passt. Auch wenn wir uns auf eine alte Zeit bedienen.

Abschlussgedanken

Eine neue Geschichte aufgrund des alten Materials zu erzählen ist nicht unbedingt leicht. Aber sie kann sich lohnen, weil wir in den Märchen durchaus viele Elemente finden können, die uns heute immer noch ansprechen. Ansonsten hätte Disney nicht diesen Erfolg, wäre dem nicht so. Wichtig ist halt nur, dass Du Deinen individuellen Weg findest, um die bestmögliche Geschichte zu erzählen.

Und dabei wünsche ich Dir viel Erfolg.

Original – Nacherzählung: Der Vergleich

Es gibt sehr viele Geschichten, die durch eine Nacherzählung entstanden sind. Such nach dem Original und schau oder lies erst das Original und dann die Nacherzählung. Dazu können auch Serien wie Battle Star Galactica oder auch Filme wie Star Trek gehören. Sei dabei aber auch sehr kritisch.

Dein Märchen

Überleg Dir mal, welches Märchen Du nacherzählen möchtest, wenn Du könntest. Und auch warum. Was ist daran so besonders? Dann überleg Dir, welchen Aspekt Du in Deiner Geschichte hervorheben würdest, der in der Originalgeschichte fehlt.

Übrigens, bei mir wäre es die kleine Meerfrau.

Deine Erzählung

Wenn Du jetzt Blut geleckt hast, dann erzähl doch Deine Version einer Geschichte. Sie muss ja nicht lang sein, das sind die Märchen auch nicht. Aber eben individuell und ganz Du.

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Neun Fragen für Deinen Plot

Hei, hallo und herzlich willkommen,

am Wochenende habe ich endlich eine bessere Fassung (mehr oder weniger) meines Romans fertig geschrieben. Demnächst geht es an die Überarbeitung. Aber wenn ich die Sache allein angehen möchte, wie könnte ich das tun?

Kurze Vorgedanken

Zwar habe ich zwischenzeitlich meinen ersten Alphaleser gefunden, aber ich kann Dir versichern, die erste Version meines Romans bekommt er nicht zu sehen. Dafür ist alles einfach nur schlecht. Von Anfang bis zum Schluss.

Daher ist es für mich klar, dass ich den Roman noch einmal ordentlich überarbeite. Doch ehrlich gesagt, wie soll das am besten gehen? Gibt es ein Rezept, mit dem man die Überarbeitung starten kann? Oder irgendwelche Hinweise, auf die man eher achten sollte?

Vielleicht hilft Dir dieser Beitrag, einen Start zu finden. Und kleiner Hinweis, ich benutze durchgehend die feminine Schreibform, außer ich spreche explizit die Herren an. Ansonsten, Autoren dürfen sich immer mitgemeint fühlen.

Der Anfang

Jeder Roman hat einen Anfang. Und Du wirst immer wieder lesen, dass dieser so stark wie nur möglich sein sollte. Zwar gibt es Leute, die eher mitten im Buch anfangen zu lesen, um zu sehen, ob dieser ihnen zusagt. Aber die meisten fangen eben am Anfang an. Und wenn dieser enttäuscht, dann wird der Roman nicht gekauft.

Daher werde ich mich selbst sehr auf einen starken Anfang konzentrieren.

1. Hast Du das zentrale Thema vernünftig eingeführt?

Egal wie komplex Deine Geschichte ist, es sollte idealerweise etwas geben, was sich durch die komplette Geschichte zieht. Der berühmte rote Faden. Dieser rote Faden hält die Geschichte zusammen, auch wenn man kurzzeitig das Gefühl hat, dass die Autorin nicht weiß, was sie da eigentlich tut. Doch wenn sie gut ist, dann spielt sie mit mir als Leserin und weiß genau, wie sie mich irritieren kann.

Du musst es Deinen Leserinnen nicht direkt auf dem Silbertablett liefern, was Dein zentrales Thema ist. Aber es darf gerne am Anfang sein, damit wir sehen können, ob dieses am Ende gelöst wird.

Denn ich denke mal schon, dass Du Deine Leserinnen überzeugen möchtest, Deine Geschichte und vor allem Deine Charaktere zu verfolgen. Gib ihnen also gerne etwas Zucker.

2. Hast Du alle wichtigen Charaktere am Anfang vorgestellt?

Nicht, dass wir uns missverstehen, natürlich dürfen im Laufe der Geschichte gerne neue Charaktere dazukommen. Aber die allerwichtigsten sollten durchaus am Anfang vorkommen. Und sie dürfen dann auch gerne bis zum Ende überleben.

Wobei, ja gut, auch das ist heutzutage noch nicht einmal mehr gang und gäbe. Aber ich gehe jetzt erst einmal davon aus, dass wir uns an die klassische Idee halten. Sämtliche Ausnahmen aufzuführen würden zu weit gehen.

Daher schreibe ich es mal so, am Anfang sollten durchaus alle wichtigen Charaktere vorgestellt werden, die am Ende der Geschichte eine Rolle spielen. Zum Beispiel die Heldin der Geschichte, die Antagonistin und wer auch immer. Sie alle können am Anfang vorkommen, sodass ich als Leserin mit ein Bild davon machen kann, wem ich da überhaupt folgen soll.

3. Welche Stimmung hat Deine Geschichte?

Am Anfang darf es ruhig schon einmal klar sein, was für ein Ende wir von Dir bekommen. In einem Liebesroman darf man eher damit rechnen, dass es ein schönes Ende gibt. Doch wie sieht es mit einem dystopischen Roman aus? Oder einer Science-Fiction-Geschichte?

Du kannst entscheiden, dass die Stimmung des Anfangs auch die Stimmung des Endes ist. Oder Du gehst in die genau entgegengesetzte Richtung. Düsterer Anfang, schönes Ende, als Beispiel. Auf alle Fälle empfehle ich Dir, eine gewisse Stimmung einzuführen und dann damit zu arbeiten.

Der Mittelteil

Nach einem starken Anfang sollte natürlich ein gut aufgebauter Mittelteil kommen. Zwar mag es sein, dass Deine Leserinnen Dein Buch wegen dem Anfang gekauft haben. Aber irgendwann kommen sie zum Mittelteil der Geschichte. Und der sollte natürlich nicht enttäuschen. Ansonsten legen sie das Buch zur Seite und es besteht kein Grund, weitere Geschichten von Dir zu kaufen.

4. Eskaliert das Problem vom Anfang?

Am Anfang hast Du ja nicht nur die Charaktere oder die Stimmung eingeführt, sondern auch einen roten Faden, ein Problem. Doch es reicht nicht aus, diesen roten Faden weiter zu verfolgen, er muss nun verknotet werden – von Dir.

Auch wenn Du Deine Charaktere sehr gerne magst, so ist es nie eine gute Idee, sie nett zu behandeln. Gerne am Ende, darüber diskutiere ich nicht. Aber noch ist es nicht so weit. Also quäle Deine Figuren und lass ihre Probleme so weit anwachsen, dass diese sie fast erschlagen. Aber nicht zu groß, dass sie diese nicht lösen können. Ansonsten wirkt eine Lösung nicht realistisch.

Denk daran, es ist durchaus gut, wenn Du in so gut wie jeder Szene einen Konflikt hast, welche den Hauptkonflikt weiterträgt. Damit bleibt es spannend.

5. Was hält Deine Charaktere zurück?

Du hast ein Problem. Das ist schon einmal sehr gut. Doch aus irgendwelchen Gründen kann Deine Heldin diesen nicht lösen. Nun stellt sich die Frage, warum? Warum geht sie nicht zur Quelle des Problems und entknotet den roten Faden? Was hält sie zurück?

Dieses Problem solltest Du nicht nur erklären und sagen, warum sie so handelt, wie sie handelt. Es ist gut, wenn Du es in Deiner Geschichte zeigst und vor allem, die Auswirkungen, die sich daraus ergeben.

Und während dieser Phase darf Deine Heldin gerne kleine Ziele erringen, aber niemals das ganze Spiel gewinnen. Dafür ist der Schluss gedacht.

6. Machen Deine Charaktere irgendwelche Fortschritte?

Es gibt nichts langweiligeres wenn der Charaktere am Ende genauso ist, wie am Anfang. Wir alle entwickeln uns, also auch die Heldinnen Deines Romans. Daher finde ich wichtig, dass Du das auch zeigst. Die Entwicklung kann auch gerne in kleinen Schritten passieren (besonders gut bei Reihen). Aber ich finde es immer besser, wenn der Charakter niemals so von der Bühne geht, wie sie diese betreten hat.

Zeig also, wie sich die Charaktere nach und nach entwickeln.

Der Schluss

Nachdem Du Dich im Mittelteil ausgelassen hast, passiert es unweigerlich, wir kommen zum Schluss. Damit Du Deine Leserinnen gut aus der Geschichte entlässt, benötigt es auch ein paar Elemente.

7. Spielen alle wichtigen Elemente vom Anfang am Ende noch eine Rolle?

Wenn Du am Anfang etwas eingeführt hast, sollte es am Ende immer noch eine Rolle spielen. Kleine Dinge dürfen während der Geschichte sich auflösen. Aber die wichtigen Themen eher gegen Ende des Romans.

Nehmen wir an, dass große Thema ist, dass die Heldin und der Held sich kriegen. Doch es könnte sein, dass sie noch die eine oder andere Rechnung bezahlen muss, welche ihr Bauchschmerzen bereiten. Die große Liebe finden beide am Ende. Doch die Rechnungen können zwischenzeitlich gerne bezahlt werden.

Je nachdem, wie sie sich während der Geschichte benommen haben, bekommen sie jetzt ihre Belohnung. Waren sie gut, dann gibt es die positive Belohnung. Wenn nicht, nun, ich denke, Du weißt, worauf ich hinaus will.

8. Zeigst Du eine deutliche Änderung, im Gegensatz zum Anfang?

Wenn Dein Charakter am Anfang eine obdachlose Frau war, die von der Hand in dem Mund lebte, dann muss sie am Ende nicht reich sein. Aber zumindest darf sie gerne ein Leben führen, dass sie glücklich macht. Vielleicht eine Wohnung oder sie hat Menschen um sich herum, die sie glücklich machen.

Zeig den Unterschied vom Anfang zum Ende und wie sich Dein Charakter geändert hat. Und das am Besten nachvollziehbar.

9. Hast Du ein klares Ende, ohne unnötige Erklärungen?

Wenn das Ende naht, haben manche das Bedürfnis noch einmal über mehrere Seiten zu erklären, wie es zum Ende kam. Dann noch, was mit den Charakteren nach der Geschichte passiert und wohlmöglich noch ein paar offene Fragen zu klären. Hauptsache, sie lösen sich nicht von der Geschichte.

Bring Deine Geschichte zu einem schönen Ende und erkläre im Epilog nicht, was noch alles passieren könnte. Entweder Du lässt die Geschichte los oder schreibst Band 2. Alles andere hat Deine Geschichte einfach nicht verdient.

Abschlussgedanken

Mit diesen Fragen kannst Du sicherlich schon einmal eine gute Überarbeitung vornehmen. Dann kommt es natürlich auch noch auf die Charakterisierung an und wie Du die Szenen beschreibst. Aber wichtig ist, dass Du immer darauf achtest, dass alles irgendwo einen Sinn hat.

Und solange alles einen Sinn hat, macht es Spaß Deine Geschichte zu lesen. Selbst dann, wenn in Deiner Geschichte nicht viel passiert.

Analyse

Analysiere den aktuellen Roman, den Du liest, aufgrund der oben aufgeführten Fragen. Wo findest Du sie bestätigt und wo nicht. Und hat die Autorin an deren Stelle etwas anderes geschrieben?

Leg los!

Wenn Du die erste Fassung Deines Romans fertig hast, heißt es, leg los. Mach Dir Notizen zu den neun Fragen und versuch sie in Deiner Geschichte unterzubringen. Bringt es Dir etwas oder fehlt da was?

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Die Bedeutung von Literaturkritiker*innen und Buchblogger*innen

Hei, hallo und herzlich willkommen,

für wem schreibst Du? Schreibst Du für Dich? Schreibst Du für Deine Liebsten? Für den Literaturnobelpreis? Oder für die Kritiker*innen?

Kurze Vorgedanken

Die Autorin Evanesca hat einen interessanten Beitrag geschrieben, indem es um die Kritik der früheren Zeit und heute geht. Und es ist eine gute Frage, die sie stellt, für dem schreibe ich letztendlich eigentlich? Denn Kritiker*innen sind ein wichtiger Bestandteil des Werbeprozesses, auch wenn man das vielleicht nicht glauben mag.

Denn wohlgesonnene Kritiker*innen können Dein Buch puschen, während die, die Dein Buch oder auch eventuell Dich nicht mögen, es niedermachen können. Und ein Verriss kann dafür Sorgen, dass Du schwerer oder auch gar kein Bein auf den Boden bekommst.

Daher möchte ich in dem heutigen Beitrag darauf eingehen, wen ich überhaupt als Kritiker*in betrachte, warum es wichtig sein könnte nach deren Nase zu schreiben – oder auch nicht – und meine Antwort auf die Frage, für wen ich schreibe.

In dem Beitrag werde ich ausschließlich die weibliche Form anwenden, damit es leichter zu schreiben und zu lesen ist. Auch wenn ausschließlich die Damen angesprochen werden, die Herren sind immer und zu jeder Zeit mitgemeint.

Was sind für mich Kritikerinnen?

Im Grunde genommen kann schon jede Leserin zugleich eine Kritikerin sein. Wenn auch im kleinsten Rahmen. Immer dann, wenn eine Leserin zu einem Buch greift, betreibt sie schon eine gewisse Kritik. Und zwar, mir gefällt dieses Buch, also kaufe ich es. Kauft sie dann ein zweites Buch der gleichen Autorin, geht es mit der Kritik weiter. Mir gefällt die Autorin, also kaufe ich gerne weitere Bücher von ihr.

Zwar bekommt niemand so richtig diese Art der Meinung mit (außer auf dem Bankkonto), aber für mich persönlich ist das durchaus eine Kritik. Nicht immer überzeugend, aber vorhanden.

Dann gibt es die, die Rezensionen schreiben. Das können die kleinen Rezensionen sein, welche lediglich ausdrücken, dass einer das Buch gefallen hat. Und dann gibt es noch die, welche sich ausführlich mit dem Buch beschäftigen und es bis ins kleinste Detail analysieren und auseinandernehmen.

Zu denen, die ich als Hobbyrezensentinnen bezeichne, gehören die, die eben nur gelegentlich was schreiben. Diese Rezensionen können durchaus ausführlich sein, sie betreiben es aber nicht so professionell, dass sie einen Blog haben, bei den Portalen aktiv sind und so weiter. Sie haben aber durchaus eine Stimme. Und die darf nicht unterschätzt werden.

Dann gibt es die Buchblogs. Sie betreiben es durchaus professionell. Regelmäßig werden Bücher gelesen und rezensiert. Weiterhin engagieren sie sich in diversen Portalen, vernetzen sich und ihre Stimme kann durchaus Gewicht haben. Wenn der eine oder andere Buchblog ein Buch empfiehlt, dann können die Verkäufe durchaus steigen. Das trifft aber auch eher auf die größeren Blogs zu, die sich eine entsprechende Reichweite erarbeitet haben.

Und natürlich die offiziellen Kritikerinnen, die in den Zeitungen ihre Meinungen veröffentlichen dürfen und dementsprechend als seriös gelten. Doch bei denen zu landen ist ungemein schwierig, weil dieser Personenkreis nur bestimmte Literatur wählt. Meistens wählen die männlichen Kritikerinnen eher männliche Autorinnen aus, sodass Frauen dort kaum eine Chance haben.

Warum kann es wichtig sein, nach der Meinung der Kritikerinnen zu schreiben?

Damit sie Dich und vor allem Dein Werk positiv erwähnen und letztendlich auch für Dich Werbung machen. Wenn Du nicht sichtbar bist, verkaufst Du keine Bücher, das ist ein Fakt. Und die ganzen Kritikerinnen können Dir dabei helfen. Dazu musst Du sie aber erreichen.

Wenn sie keine Lust haben, Dein Buch zu lesen, es abbrechen oder am Ende eine negative Kritik schreiben, kann sich das durchaus negativ auf Deine Verkäufe auswirken. Natürlich ist nicht jede negative Kritik ein Todesurteil. Aber wenn es nur negative Kritiken gibt, oder gar keine, dann kann das schon heikel werden. Daher wäre es schon gut, wenn Du von den Kritikerinnen positiv wahrgenommen wirst.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in den Zeitungen von den ganz offiziellen Literaturkritikerinnen besprochen werden, halte ich für eher gering. Aus diesem Grund ist es sicherlich besser, sich auf die Buchblogs zu konzentrieren.

Denn von denen gibt es zwischenzeitlich sehr viele. Das bedeutet, dass durchaus die Wahrscheinlichkeit besteht, dass Du irgendwo unterkommen kannst. Und wenn Deine Geschichte gut ist, sogar bei den größeren Buchblogs.

Und wenn ihnen das gefällt, was Du schreibst, werden sie Dich bzw. Dein Buch besprechen. Daher wäre es sicherlich gut, wenn Du weißt, was ihnen so gefällt, um deren Geschmack zu treffen. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit der Besprechung und letztendlich auch der Sichtbarkeit.

Warum solltest Du nicht nach der Meinung der Kritikerinnen schreiben?

Gerade erlebe ich bei einigen Buchblogs, wie sie sich von ihren einst so geliebten Autorinnen abwenden. Das hat unter anderem damit zu tun, dass sie kritischer werden und erkennen, dass das, was diese Autorinnen geschrieben haben, nicht zu deren Weltbild passt. Daher löschen einige sogar die entsprechenden Rezensionen und werden diese Autorinnen nicht mehr besprechen.

Das kann jederzeit passieren, dass sich die Meinung ändert und von heute auf morgen bist Du entweder beliebt oder eben auch nicht. Und das Schlimme ist, Du kannst nicht wirklich daran etwas ändern oder einen Einfluss darauf nehmen.

Gut, bis zu einem gewissen Grad kannst Du darauf Einfluss nehmen. Wenn Du nicht gerade rassistische, sexistische oder auch antisemitische Literatur schreibst – auch nicht zwischen den Zeilen – oder dieses Gedankengut öffentlich verbreitest, ist es für viele schwerer, Dich zu blocken. Eben, weil Du keinen Grund lieferst. Das gilt aber nicht für den persönlichen Geschmack.

Bei mir zum Beispiel kann es schon sein, dass sich der Geschmack mal ganz radikal ändert. Bisher habe ich gerne Fantasybücher gelesen. Aktuell sind aber Science-Fiction-Romane ganz weit oben bei mir auf der Liste. Und wer weiß, wohin sich mein Geschmack noch so hinentwickeln wird.

Das bedeutet, dass Du einfach nicht nach dem Geschmack der Leute schreiben kannst. Einfach, weil Du nicht deren Geschmack kennst. Heute mag er so sein, morgen ist er ein ganz anderer. Und bei der unübersichtlichen Anzahl von Blogs wirst Du sowieso niemals alle potenziellen Leserinnen erreichen.

Meine Ansicht der Dinge

Willst Du es allen recht machen, machst Du es letztendlich niemanden Recht. Darüber solltest Du Dir durchaus bewusst sein und vielleicht auch den einen oder anderen Gedanken machen. Gerade als Anfängerin neigen viele dazu, es allen und jedem Recht zu machen. Denn man möchte ja alle irgendwie erreichen. Und am Ende erreichen wir niemanden.

Daher können wir uns gerade in der heutigen Zeit den Luxus erlauben, die ganzen Kritikerinnen links liegen zu lassen. Ich würde mich darauf konzentrieren die bestmöglichste Geschichte zu schreiben, zu der ich aktuell in der Lage bin. Schaffe ich das, werde ich sowohl meine Leserinnen als auch meine Kritikerinnen finden. Und wer nicht mit mir reisen will, hat schon ihre Gründe dafür.

Jedoch stell ich mir die Frage, wie soll ich denn alle Meinungen unter einem Hut bringen? Dafür haben wir aktuell einfach zu viele. Daher bringe ich meine Ansicht unter meinem Hut und damit lebe ich. Wer dann meine Geschichte mag, ist das natürlich wundervoll. Wer nicht, dann muss ich damit leben. Denn ich kann es einfach nicht allen recht machen.

Daher ist es heute schwer, schon fast unmöglich nach der Meinung der Kritikerinnen zu schreiben. Dafür gibt es zu viele. Und wie schon oben erwähnt, die Wahrscheinlichkeit, dass wir in den großen Zeitungen besprochen werden, ist eher gering. Daher würde ich mich selbst nicht so sehr darauf konzentrieren.

Abschlussgedanken

Letztendlich musst Du Dir selbst darüber Gedanken machen, wie Du mit den Kritikerinnen umgehen möchtest. Schreibst Du eher nach deren Nase oder bleibst Du Dir selbst treu? Wobei ich Dir eins versichern kann, egal wie Du es machst, Du machst es sowieso falsch. Mach es also, wie Du es selbst für richtig hältst und nicht, was andere Dir sagen.

Und wenn Du Dich selbst glücklich machst, ich bin mir sicher, dass es Deine Leserinnen bemerken werden. Wenn sie es tun, werden sie es auch honorieren. In dem Sinne mach Dich glücklich.

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Von dem Fischer und seiner Frau – Märchenrallye

Was für ein Fisch erfüllt dem Fischer und seiner Frau ihre Wünsche?

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[Schreibsonntag] Mein Juli 2017

Hei, hallo und herzlich willkommen,

im Grunde genommen müsste ich zwei Monate im Rückblick vorstellen. Aber ich erlaube mir ganz dezent, den Juni über Bord zu werfen und mich komplett auf den Juli zu konzentrieren.

Kurze Vorgedanken

Der Monat war ein wenig turbulent. Am Anfang des Monats bin ich von meinem Auslandspraktikum zurückgekehrt. Dann hatte ich noch so etwas, was manche Leute Urlaub nennen würden. Doch in der Zeit musste ich lernen, wegen meiner Abschlussprüfung. Und ja, die hab ich bestanden. Seit dem stehe ich in Lohn und Brot.

Was hab ich geschafft?

Nicht so viel, wie ich gehofft habe und doch mehr als gedacht. Und zwar hab ich weitergeschrieben. Und ich befinde mich in dem Teil, der Richtung dritten Akt führt. Wenn ich gut bin, schaffe ich noch in der ersten Woche im August endlich die erste Fassung zu Ende zu schreiben. Ab morgen werde ich mich dann noch einmal ordentlich ranhalten.

Weiterhin habe ich für mich schon ein Konzept für meinen neuen Blog gefunden. Denn ab nächstes Jahr möchte ich gerne umziehen, so ganz mit Webadresse und all den ganzen Schmarrn. Da ich schon gefragt wurde, was mit den ganzen Beiträgen hier passiert, hier schon einmal die Antwort.

Dieser Blog hier bleibt dann als Archiv stehen. Auch wegen den ganzen tollen Kommentaren, die ihr geschrieben habt. Aber im neuen Blog werde ich dann viele Beiträge übernehmen, die mir gefallen haben und überarbeitet neu veröffentlichen. Hier geht nichts verloren. Und natürlich gibt es auch neue Beiträge.

Ansonsten pendele ich mich gerade wieder ein, dass ich in Deutschland bin (manchmal fällt mir das noch immer wirklich schwer) und eine Festanstellung habe. Und natürlich, dass ich wieder regelmäßiger schreiben werde.

Was habe ich nicht geschafft?

Erneut, nicht meinen Roman beendet. Aber das hatte ja einige Gründe (eben das Praktikum und die Abschlussprüfung). Doch jetzt werde ich mich noch einmal ransetzen und mich darum kümmern, dass ich zum Schluss komme, damit ich demnächst mit der Überarbeitung anfangen kann.

Und ich gestehe, der nächste Newsletter steht auch noch nicht, hüstel.

Aussicht für August 2017

Jetzt aber, jetzt wird endlich der Roman fertig geschrieben, keine Ausreden. Vielleicht klappt es ja sogar noch vor meinem Geburtstag. Zumindest ist es geplant. Danach werde ich den Roman für etwa ein oder zwei Wochen ruhen lassen, bevor ich mich dann an die Überarbeitung mache. Denn ich habe für einige Probleme schon Lösungen gefunden, die in der ersten Fassung fehlen.

Und dann möchte ich anfangen an einem Sachbuch zu schreiben, das mir persönlich sehr wichtig ist. Ja, es hat etwas mit dem Thema Schreiben zu tun. Aber mehr, sobald es mehr zu erzählen gibt.

Es wird also doch noch spannend für mich.

Abschlussgedanken

Ja, dieser Monat war ein wenig lahm. Aber dafür werde ich wieder durchstarten und endlich zum Schluss kommen. Irgendwann will ich mich auf ein neues Projekt konzentrieren. Also wird es Zeit.

Wir lesen uns dann nächsten Monat mit hoffentlich besseren Nachrichten.

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Happy End, Bad End oder doch eher Open End

Hei, hallo und herzlich willkommen,

jede Geschichte braucht einen guten Anfang und ein gutes Ende. Doch was ein gutes Ende ist, das ist von Geschichte zu Geschichte unterschiedlich. Zumal es verschiedene Arten von Enden gibt.

Kurze Vorgedanken

Viele Autorinnen machen sich Gedanken über einen starken Anfang. Das ist gut und wichtig. Denn habe ich erst einmal meine Leserinnen eingeladen meinen Roman zu lesen, habe ich sie so gut wie im Sack, dass sie auch gerne bis zum Ende den Roman lesen möchten.

Doch wenn eben dieses Ende nicht befriedigend ist, dann könnte es sein, dass sie nicht noch einmal zu einen meiner Geschichten greifen. Sie sagen sich dann, dass eben Autorin X oder Autor Y unbefriedigende Enden schreiben und eben das möchten sie sich nicht antun.

Doch vorher sollte man für sich klären, was für ein Ende man überhaupt schreiben möchte. Denn, wie die Überschrift sagt, gibt es drei Möglichkeiten. Nun gut, ich gestehe, ich kenne selbst nur diese drei Möglichkeiten, aus der Geschichte auszusteigen. Vielleicht gibt es mehr. Aber mir selbst sind sie nicht über den Weg gelaufen.

Und darüber möchte ich heute schreiben. Kleine Anmerkung noch: Wenn ich im Beitrag ausschließlich die weibliche Ansprechweise verwende, dann dürfen sich die Herren jederzeit gerne mitgemeint fühlen. Vielen Dank.

Happy End

Vermutlich muss ich nicht viel zum Happy End sagen. Denn wir alle haben bestimmte Bilder vom Happy End im Kopf. Sie kriegt ihn, der Held reitet in den Sonnenuntergang, das Böse wird besiegt und so weiter. Von normalen Happy Ends bis eben zu denen, die voller Klischees nur so triefen.

Am Ende bekommen die Guten ihre Belohnung und die Bösen eine Tracht Prügel. Auf alle Fälle fühlen sich die Leserinnen und Zuschauerinnen (von Serien oder Filmen) gut aufgehoben, wenn eben alles gut ausgeht.

Bei den meisten Romanen, die ich kenne, gibt es eigentlich ein Happy End. Zwar können einzelne Personen einen kleinen Verlust erleiden, aber auf Dauer bekommen alle, was sie verdient haben. Das ist in den meisten Genres irgendwie ein Usus.

Zudem verlangen viele Verlage auch ein Happy End. Gerade wenn Du im Romance Bereich schreiben möchtest, solltest Du darauf gefasst sein, dass Dein Bad End oder Open End nicht gerne gesehen wird. Das kann eventuell dazu führen, dass man Dich bittet, Dein Ende umzuschreiben. Alternativ bekommst Du für Dein Ende eine Absage.

Aber wir haben häufig ein Bild davon, dass zum Beispiel im Romance Bereich die Heldin und der Held sich kriegen. Das ist nicht unbedingt notwendig. Es kann auch sein, dass die Heldin den Helden in den Wind schießt und sich endlich bewusst wird, was sie wirklich im Leben will. Leider wird das in letzter Zeit eher selten geschrieben.

Auch wenn Deine Heldin nicht ihr Ziel erreicht, so wie sie es angestrebt hat, kann sie trotzdem ein Happy End bekommen. Es muss sich am Ende halt gut anfühlen. Das ist irgendwo das Wichtigste. Und wenn Du das schreiben kannst, weil es zur Geschichte passt, dann hat Deine Geschichte ein Happy End verdient.

Bad End

Bad Ends bedeuten nicht zwangsläufig, dass alles in einer Katastrophe endet. Aber es kann in dieser Richtung gehen. Häufig lese ich Bad Ends eher bei Kurzgeschichten. Vermutlich liegt es daran, dass man sich hier emotional nicht so sehr einbringt und dass es daher nicht so sehr wehtut, wenn man die Charaktere ein wenig mehr leiden lässt.

Bei einem Liebesroman würde das bedeuten, dass die Heldin nicht nur von ihrem Helden getrennt wird. Es geht sogar so weit, dass er stirbt und sie letztendlich allein zurücklässt. Oder auch andersherum.

Bad Ends bedeuten, dass Du Deine Leserinnen emotional sehr belastest. Sie haben sich über Tage hinweg mit Deinen Charakteren beschäftigt, sich mit ihnen auseinandergesetzt, mit ihnen geliebt und gelitten. Und als Belohnung bekommen sie ein Bad End.

Das ist nichts Schlechtes, nicht dass wir uns jetzt missverstehen. Gut eingesetzt kann auch ein Bad End ein gutes Ende sein. Und das nicht nur für Kurzgeschichten. Das Wichtige hierbei ist, zumindest finde ich es, dass es zur Geschichte passt.

Damit meine ich, dass es nicht gehen kann, dass die ganze Geschichte über Rosa und Liebe und Licht und so weiter ist und dann auf einmal bekomme ich als Leserin ein Bad End präsentiert. Und das völlig aus dem Nichts. Das ist ein schlechtes Bad End.

Bei einer ernsteren Geschichte könnte ich mir hingegen ein Bad End gut vorstellen. Hauptsache es überzeugt mich. Dann hast Du mich auch als Leserin für Deine weiteren Geschichten gewonnen.

Von einigen Autorinnen und Autoren hab ich gelesen, dass sie gerne Bad Ends schreiben würden. Aber die Angst vor den Reaktionen ihrer Verlage und letztendlich der Leserinnen und Leser hält sie davon ab. Dabei wäre es schön, wenn sie sich trotzdem trauen würden zu experimentieren. Denn letztendlich könnte das auch eine sehr gute Geschichte werden.

Wenn man sich eben traut.

Open End

Vielleicht erinnerst Du Dich noch an den Deutschunterricht, als die Kurzgeschichten besprochen wurden. Dort wurde gesagt, dass man jede Kurzgeschichte unbedingt und auf jeden Fall mit einem offenen Ende ausklingen lassen soll. Zwischenzeitlich halte ich das für völligen Unsinn, doch dieser Satz hat mich über zu viele Jahre sehr geprägt.

Wie die Bezeichnung schon sagt, endet Deine Geschichte mit einem offenen Ende. Das bedeutet im Grunde genommen, man weiß nicht so genau, was mit den Charakteren am Ende alles passiert.

Es könnte gut ausgehen, es könnte auch schlecht mit den Charakteren weitergehen. Ich kann Dir nur eines hierbei empfehlen. Lass Deine Leserinnen nicht in der Luft hängen. Wenn Deine Charaktere gerade dabei sind, die gegnerische Burg zu stürmen (in einem Fantasyroman), dann empfiehlt es sich natürlich zu zeigen, ob sie erfolgreich sind oder nicht.

Eine Ausnahme kann sein, wenn die Erstürmung dieser Burg gar nicht Teil des Handlungsstranges ist. Wenn also der Weg zur Burg der wichtige Teil ist, dann kannst Du auch gerne kurz vorher abbrechen. Aber ich denke, dass Du den Sinn schon verstehst.

Open Ends sollten aber genauso enden, als offenes Ende. Es kann aber durchaus passieren (und ich bin auch der Meinung, das in einem Film und in der einen oder anderen Geschichte mitbekommen zu haben), dass die Autorin das versaut. Und zwar mit einem Epilog. Dort wird dann erzählt, was aus den ganzen Charakteren passiert ist.

Das Open End lässt mir als Leserin die Möglichkeit, dass ich mir selbst ausmalen kann, was aus den Figuren geworden ist. Wenn ich in einem Epilog erzählt bekomme, was aus denen wurde, kann ich das auch in den Roman packen. Dann brauche ich kein Open End zu schreiben.

Eine weitere Schwäche des Open Ends kann der sein, dass Deine Leserinnen einen nächsten Teil erwarten. Daher empfehle ich klar zu machen, und zwar innerhalb der Geschichte, dass nach dem Band Schluss ist. Wenn Du eine Reihe schreibst, musst Du das Ganze sowieso anders aufziehen. Daher bleibe ich hier bei einem Einzelband.

Vorsicht! Cliffhanger!

Der vollständigkeitshalber erwähne ich es noch an dieser Stelle, ein Cliffhanger hat natürlich nichts mit einem Open End zu tun. Der Cliffhanger dient dazu, dass Du Deine aktuelle Geschichte so abbrichst, dass sie ein Ende hat. Aber natürlich soll sie neugierig auf den nachfolgenden Band machen.

Daher bewerte ich den Cliffhanger als eine Art Zwischenende. Erst wenn Du Deine Reihe vollständig beendet hast, musst Du natürlich auch ein richtiges Ende finden. Und dieser reiht sich dann in die oben genannten Kategorien ein.

Welches Ende solltest Du schreiben?

Du solltest das Ende schreiben, was am besten zur Geschichte passt. Das ist das wichtigste Kriterium. Wenn Bad End ist, dann schreib diesen. Wenn nicht, dann quäl Deinen Plot nicht mit einem Ende, das niemanden am Ende glücklich macht.

Du kannst das Ganze natürlich überlegen, während Du plottest. Oder aber auch spontan, während Du schreibst. Immerhin kann sich die Geschichte während des Schreibens durchaus noch einmal verändern. Auf alle Fälle darf gerne alles Hand in Hand gehen, damit es zu einem großen Ganzen wird.

Wenn Du das schaffst, dann wird aus Deinem Roman eine tolle Geschichte. Davon bin ich überzeugt.

Abschlussgedanken

Dieser Beitrag soll als Übersicht und auch als kleine Erinnerung dienen, was für Möglichkeiten Du hast. Und theoretisch kannst Du allein mit dem Happy End eine Menge machen. Das Wichtige ist halt, dass Du weißt, was Du machst und vor allem, warum Du es machst.

Wenn Du das immer im Hinterkopf behältst, dann steht einer guten Geschichte mit einem tollen Ende nichts im Weg.

Und dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Verschiedene Enden lesen

Versuch mal herauszufinden, welcher Roman oder auch Film welches der oben aufgeführten Enden hat. Und dann lies diesen Roman oder schau Dir diesen Film an. Wie wurde darauf vorbereitet? Passt es zur Geschichte? Würdest Du so etwas auch schreiben wollen?

Dein aktuelles Projekt

Überleg Dir für Dein aktuelles Projekt verschiedene Enden nach den oben aufgeführten Möglichkeiten? Welches würde Dich wirklich reizen. Und ich meine, wirklich, wirklich reizen. Dann schreib es. Du musst es ja nicht verwenden. Aber schreiben kannst Du es jederzeit.

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Solltest Du wirklich keine Kurzgeschichten schreiben?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

ab und an stößt man auf einen Blogbeitrag einer Kollegin oder eines Kollegen und denkt sich, ja, ist nett, aber ich sehe das anders. Und dann möchte man mehr schreiben, als nur einen Kommentar.

Kurze Vorgedanken

Marcus Johanus hat einen Beitrag geschrieben, in dem er auffordert, keine Kurzgeschichten mehr zu schreiben. Und wie zu erwarten stößt er mit diesem Gedankengang nicht nur auf Gegenliebe.

Die einen unterstützen seine Idee, die anderen nur zum Teil und die Dritten stehen da und denken sich nur hääää? Und das macht, in meinen Augen sogar einen guten Beitrag aus. Ich respektiere seine Meinung, möchte trotzdem im Rahmen eines Beitrages meinen eigenen Senf dazugeben.

Dabei gehe ich erst auf seine Argumentation kurz ein und möchte dann noch erklären, warum sich vielleicht, aber auch wirklich nur vielleicht, Kurzgeschichten doch lohnen könnten.

Die Argumentation von Marcus Johanus

1. Kurzgeschichten sind eine Form der Prokrastination

Bei diesem Argument gehe ich noch mit. Denn in der Tat können Kurzgeschichten Dich abhalten Deinen Roman zu schreiben. Wenn Du Dich ein oder zwei Wochen darauf konzentrierst eine gute Kurzgeschichte zu schreiben, könntest Du in der Zeit schon einen halben Kurzroman verfasst haben.

Viele sagen sich, ich will ja nur üben, um einen besseren Roman zu schreiben. Dabei meinen sie häufig tatsächlich, ich hab Angst davor den Roman zu schreiben, also tue ich alles, damit ich eben diesen nicht anfangen muss. Und sobald das passiert, solltest Du Dir verbieten auch nur daran zu denken eine Kurzgeschichte zu schreiben.

Schreib Deinen Roman!

2. Kurzgeschichten haben mit Romanen wenig zu tun

Es stimmt, eine Kurzgeschichte ist sehr dicht geschrieben und eben, das sagt auch der Name, kurz. In einem Roman hast Du gut und gerne mal hundert Seiten Zeit, damit überhaupt etwas passiert. Bei einer Kurzgeschichte hast Du manchmal nicht einmal hundert Wörter dafür Zeit.

Daher kann ich dem durchaus zustimmen, Kurzgeschichten und Romane haben genauso viel gemeinsam, wie Birnen und Äpfel.

Andererseits ist es manchmal so, dass ich mir wünsche, dass so manch eine Autorin oder Autor sich ein paar Tricks von der Kurzgeschichte abgucken würden. Da wird der Kaugummi bzw. die Geschichte so dermaßen in die Länge gezogen, dass es schon unnötig ist. Daher sehe ich nicht zwangsläufig, dass das Schreiben von Kurzgeschichten wirklich schaden muss. Aber ja, er kann schädlich sein. Denn man kann auf Dauer zu viel zu kurz schreiben, wo es doch ein paar Worte mehr getan hätten.

3. Kurzgeschichten haben eine stark eingeschränkte Zielgruppe

Um es kurz zu machen, es stimmt. In Deutschland werden zwar ungemein viele Anthologien veröffentlicht, aber gelesen werden sie eher wenig. In Amerika hat die Kurzgeschichte einen völlig anderen Stand und damit auch einen anderen Wert. Das ist nicht schön, aber ein Fakt.

Wenn Du Dich also hauptsächlich auf Kurzgeschichten konzentrierst, wirst Du voraussichtlich erst einmal und vielleicht sogar auf Dauer auf ein kleines Publikum konzentrieren müssen. Du kannst damit auch Erfolge haben. Siehe Alice Munroe. Aber bis dahin ist es ein längerer Weg.

4. Mit Kurzgeschichten verbrennst du deinen Namen

Zugegeben, über diese Argumentation stolpere ich ein wenig. Ich kann sie verstehen und trotzdem stolpere ich ein wenig.

Auf der einen Seite erinnern sich die Leute nicht mehr an meinen Namen und zugleich könnte ich meinen Namen verbrennen? Nun gut, kann möglich sein. Aber ich behaupte, dass es einen kleinen Ausweg dabei gibt, dem Pseudonym.

Du kannst Deine Kurzgeschichten durchaus mit einem Pseudonym veröffentlichen und es bei einer Bewerbung verheimlichen, dass Du sie jemals geschrieben hast. Vor Jahren erwähnte Mal eine Autorin, dass sie eine Kurzgeschichte bei einem sehr einschlägigen Verlag veröffentlicht hat. Sie brauchte halt das Geld. Und sie würde einen Teufel tun, damit es niemals in ihrer Vita auftaucht. Kann ich verstehen.

Auf der anderen Seite hatte ich in einem Schreibforum gelesen, dass eine Autorin sich bei einem Verlag bewarb und artig alle ihre Anthologieveröffentlichungen notierte. Da kam die Antwort, dass sie nicht dauerhaft mit einem Verlag zusammenarbeiten könne und daher abgelehnt wurde. In dem Fall hatte die Lektorin nicht verstanden, was die Autorin damals notiert hatte.

Aber das war auch das einzige Mal, dass ich das mitbekommen habe. Inwiefern das die Regel ist, ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Es kann natürlich ein sehr dünnes Schwert sein, auf dem Du Dich bewegst, aber es kann sich auch positiv für Dich auswirken.

Meine Ergänzungen

Wie in den einzelnen Kommentaren erwähnt, kann ich zum Teil die Argumentation nachvollziehen. Aber gibt es denn nicht doch noch positive Teile, warum man eine Kurzgeschichte schreiben kann?

Kleine Erfolgserlebnisse

Ein Roman kann schlimmstenfalls bis zu einem Jahr oder gar noch länger dauern, bis er fertig geschrieben ist. Das kann frustrierend sein und manchmal sogar demotivierend. Wenn man sich dann die eine oder andere Woche Zeit nimmt, um eine Kurzgeschichte zu schreiben, tut das der Seele durchaus gut. Denn man kann sie durchaus in der Zeit schreiben und überarbeiten.

Natürlich darf und soll man die Kurzgeschichte nicht unterschätzen. Sie hat eigene Regeln und Gesetze, die man befolgen darf und auch durchaus sollte. Aber die Kurzgeschichte ist halt kurz. Und man kann da doch zumindest emotionale Erfolgserlebnisse feiern. Wenn sie dann noch in einer Anthologie erscheint, sich wohlmöglich gegen Hunderte Mitbewerberinnen und Mitbewerber durchgesetzt hat, dann tut das sicherlich der Seele sehr gut.

Ablenkung

Wenn man sich im Roman verrannt hat, dann kann es manchmal befreiend sein, sich auf etwas ganz anderes zu konzentrieren. Man bekommt den Blick frei und vielleicht sogar noch die eine oder andere Idee für den Roman, auf die man sonst gar nicht gekommen wäre.

Auf alle Fälle gewinnt man Abstand und kann sich vom riesigen Projekt ein wenig erholen.

Von der Kurzgeschichte zum Roman

Als Reaktion auf den Beitrag von Marcus haben einige erwähnt, ohne eine Kurzgeschichte gäbe es nicht den Roman. Da wollten einige Autor*innen einfach nur eine kurze Geschichte schreiben und sahen das Potenzial. Und am Ende haben sie sich hingesetzt und daraus eben einen Roman geschrieben.

Hätten sie sich also nicht hingesetzt und es versucht, hätten sie gar nicht das Potenzial gesehen, was sich hinter der Idee verbarg. Denn es wäre sehr wahrscheinlich gewesen, dass sie von vornherein gesagt hätten, das eignet sich nicht für einen Roman, daher lasse ich es ganz sein.

Andere Genres ausprobieren

Wenn Du schon einige Romane in einem Genre ausprobiert hast, dann könnte es sein, dass es Dir schwerfällt, dieses zu wechseln. Denn man weiß ja nie, ist es wirklich was für mich? Kann ich mit den Regeln und Gesetzen umgehen? Will ich das überhaupt?

In einer Kurzgeschichte kannst Du Dich ein wenig ausprobieren und sehen, was Dir zusagt und was nicht.

Es tut nicht weg

Und wenn Dir die Geschichte nicht gefällt oder das Genre oder was auch immer, mir persönlich tut es nicht weh, die Geschichte zu löschen. Denn ich hab nicht so viel Energie und Zeit und auch Liebe in diese Geschichte gesteckt, wie bei einem Roman, der mich seit einigen Monaten oder länger begleitet hat.

Die Hemmschwellen sind da ganz anders.

Abschlussgedanken

Natürlich musst Du selbst entscheiden, ob Du Kurzgeschichten schreiben willst oder nicht. Es gibt gute Argumente dafür und auch dagegen. Wobei das beste Argument gegen Kurzgeschichten der ist, dass es Dich abhält, Deinen Roman zu schreiben.

Daher ist es immer gut zu wissen, warum Du gerade jetzt eine Kurzgeschichte schreiben willst und nicht Deinen Roman. Wenn Du das weißt, ist alles in Ordnung. Ansonsten schau genau hin, willst Du wirklich gerade jetzt diese Kurzgeschichte schreiben? Oder willst Du Dich vor Deinem Roman nur drücken?

Auf alle Fälle wünsche ich Dir viel Spaß dabei.

Anthologien lesen

Besorg und lies mal eine Anthologie, einfach so, aus Spaß, ohne größeren Hintergrund.

Eine Kurzgeschichte schreiben

Und natürlich schreib mal eine Kurzgeschichte. In Deinem Genre, in einem anderen, worauf Du auch immer Lust hast.

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