Wie Du einen Paranormal Romance (nicht) schreiben kannst

Hei, hallo und herzlich willkommen,

Paranormal Romance Geschichten gehören mitunter zu den beliebtesten Subgenres des Liebesromans. Der Grund ist unter anderem der, dass man weitaus mehr Spielarten hat, als in einem klassischen Liebesroman. Egal ob Vampir, GestaltenwandlerIn oder Engel, alles ist erlaubt, was gefällt.

Kurze Vorgedanken

Wenn man es so will, dann gab es schon immer eine Form von paranormalen Geschichten. Seien es die Göttergeschichten aus dem alten Griechenland und früher oder der gute alte Graf Dracula. Schon immer waren sie also ein Teil unseres Lebens.

Und heute sind sie beliebter als je zuvor. In so gut wie jeder Buchhandlung gibt es zwischenzeitlich ein Regal, welche für diese Art von Literatur reserviert ist. Auch wenn eines der Kreaturen nicht mehr so beliebt ist wie früher (aktuell die Vampire), so finden sie und ihre Geschwister durchaus ihre LeserInnen.

Daher möchte ich heute auf die Definition eingehen, was das überhaupt ist, wie man in diesem Genre schreiben kann und was Du am besten nicht machst.

Definition: Was ist eigentlich „Paranormal Romance“?

Sicherlich hast Du schon mal von diesem Genre gehört. Aber die eine oder der andere wird vielleicht spontan keine Definition finden, was das nun genau ist.

Es handelt sich hierbei um ein Subgenre des Liebesroman Genre und beinhaltet die klassischen Elemente eines Liebesromans. Also Heldin und Held (oder auch Heldin und Heldin bzw. Held und Held und welche Konstellationen es noch so gibt), eine antagonistische Kraft, die große, wahre und ewige Liebe und diese Dinge eben.

Das Besondere hierbei ist, dass in diesem Genre Vampire, Werwölfe bzw. Wehrwesen, Geister, Hexen und weitere fantastische Kreaturen auftauchen und auftauchen dürfen, die wir als Fabelwesen bezeichnen können. Also Wesen, die wir aus Märchen, Geschichten und Legenden kennen, nehmen in solchen Geschichten eine große Rolle ein. Nicht als Nebenfigur, sondern als Hauptfigur. Also Deine Heldin oder Dein Held (ich bleibe bei der heterosexuellen Version dieser Geschichten, es ist aber durchaus möglich eine homosexuelle Geschichte zu schreiben) ist eines der gerade genannten Wesen.

Sehr häufig ist es so, dass diese Wesen ein Teil unserer Welt sind und neben den Menschen leben. Entweder im Verborgenen (als eine Parallelgesellschaft) oder sie leben offen mit uns. Das liegt natürlich an der Geschichte, was hier besser passt.

Aber auch Zeitreisen, Kontakt zu Aliens können ebenfalls hierzu gehören.

Einen Paranormalen Liebesroman schreiben

Momentan ist es ein Genre, das durchaus sehr beliebt ist. So findest Du beim Lyx-Verlag eine hohe Anzahl von entsprechenden Büchern. Und momentan, so kann man durchaus sagen, dürfte wohl dieses Genre mitunter zu den beliebtesten zählen.

Auf alle Fälle ist es schwer, daran vorbeizukommen. Sei es bei den Büchern für Erwachsene (nicht nur im Romance Bereich findest Du das Thema Paranormal, sondern auch in anderen) oder für Jugendliche und Kinder. Harry Potter dürfte hier eines der bekanntesten Beispiele sein.

Du könntest also durchaus Deine Leserinnen und einige Leser in diesem Bereich finden, wenn Du Dich entscheidest, einen paranormalen Liebesroman zu schreiben. Wenn Du Dir aber sagst, hei, geil, ich kann hier Geld verdienen, aber ansonsten habe ich davon keine Ahnung, dann solltest Du die Finger davon lassen. Denn man spürt meistens, wenn man keinen Bezug zu einem bestimmten Genre hat.

Brauchst Du nun ein paar Ratschläge für die ersten Schritte, dann lies einfach weiter.

1. Kenne das Genre

Wie bei jedem anderen Genre auch, solltest Du durchaus wissen, mit was Du es hier zu tun hast. Wenn Du Dir denkst, es reicht aus ein Vampir ins Rennen zu schicken, um einen paranormalen Roman zu schreiben, werden Dich Deine LeserInnen eines besseren belehren.

Daher empfehle ich Dir, dass Du Dich in Deinem Wunschgenre auskennen solltest. Was wurde bisher geschrieben, worüber möchtest Du schreiben, was sind die Regeln, wo gibt es Ausnahmen davon.

Das bedeutet natürlich auch, dass Du sehr viel liest. Aber das sollte sowieso selbstverständlich für uns AutorInnen sein, oder?

Mein Arbeitsvorschlag

Such Dir Deine Lieblingsbücher raus und lies sie Dir noch einmal durch. Was genau hat Dich an diesen Geschichten so fasziniert? Und wie soll am Ende Dein eigener Roman aussehen? Mach Dir an dieser Stelle durchaus Notizen, damit Du nichts vergisst.

2. Sei einzigartig

Du musst nur ein wenig im Internet recherchieren, wie viele Romane in den letzten Jahren in diesem Genre veröffentlicht wurden. Du wirst mit Titeln förmlich erschlagen. Und jedes Jahr kommen weitere heraus. Sowohl im Verlagsbereich als auch im Selfpublishing. Da kann es durchaus schwer sein, sich in dieser Masse hervorzutun.

Daher ist einer wichtigsten Empfehlungen, sei einzigartig, hebe Dich von den anderen Werken ab. Kopiere auf keinen Fall andere Werke, füge etwas hinzu und veröffentliche es (oder lasse es veröffentlichen). Denn warum soll ich eine Kopie lesen, wenn ich doch das Original haben kann?

Überlege Dir also, wie Du Deine Geschichte einzigartig machen kannst. Ein Schlüsselelement also, was man nicht wegnehmen kann, ohne das Deine komplette Geschichte in sich zusammenbricht. Und ein Element, dass Deine Geschichte zu etwas Besonderem macht.

Schau Dir die Romane an, die ganz weit oben in den Bestsellerlisten sind. Sie alle haben ihr Genre aus einer völlig anderen Perspektive betrachtet und etwas Neues gemacht. Anne Rice schreibt aus der Sicht der Vampire und Harry Potter geht in ein magisches Internat (Internatsgeschichten gab es viele, wie Hanni und Nanni, sie waren aber nicht magisch).

Überlege Dir also, was die anderen geschrieben haben. Es ist wichtig, dass Du den Markt kennst. Was wurde in den letzten ein bis zwei Jahren veröffentlicht? Was verkauft sich gut? Was interessiert auch Dich? Gerade die letzte Frage ist wichtig. Wenn Dir etwas nicht gefällt, schreibe nicht darüber.

Wenn Du, zum Beispiel, die Krise von Vampiren bekommst, aber Vampire gerade (wieder) wahnsinnig beliebt sind, dann lasse es. Orientiere Dich dann an Wesen, die Du mehr magst, und sei da einzigartig.

Lerne also Dein Genre kennen, schaue, was es gibt, was andere geschrieben haben und überlege Dir, was Du schreiben kannst, um anders zu sein, einzigartig. Was würde Dir gefallen. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass es dann auch den anderen gefällt.

Mein Arbeitsvorschlag

Wenn Du genügend recherchiert hast, nimm Dir Dein Notizbuch zur Hand und schreibe zwischen zwanzig Minuten und einer halben Stunde Schlagwörter auf. Einfach alle Themen, die Dich interessieren und wo Du Dir vorstellen könntest, dass Du darüber schreiben könntest. Bitte zensiere Dich an dieser Stelle auf gar keinen Fall. Denn es geht erst einmal darum, dass Du überhaupt siehst (also wirklich schwarz auf weiß), was Dich interessieren könnte.

Erst im zweiten Schritt darfst Du dann kritisch sein. Schaue Deine Liste genau an und markiere entweder mit bunten Stiften oder mit einem Marker die Themen, wo Du genau weißt, dass diese Dich lange genug fesseln. Es sollten nicht mehr als eine Handvoll Punkte auf Deiner Liste sein. Aber ich denke, dass Du durchaus ein Punkt aufgeschrieben haben könntest, dass anders ist, als was man so liest. Und damit machst Du aus einer Paranormal Romance Geschichte Deine Paranormal Romance Geschichte.

3. Mythologiegrundlagenarbeit

Vampire vertragen kein Sonnenlicht und Werwölfe tötest Du am besten mit Silberkugeln. Ich denke, wir alle kennen die mythologischen Hintergründe vieler magischer Wesen. Sie haben sich über die Jahrhunderte entwickelt und werden auch von vielen Autorinnen und Autoren verwendet.

Das bedeutet aber nicht, dass Du das auch machen musst. Wenn Du Dich entscheidest, etwas zu ändern, dann mache es. Wenn Du willst, dass Deine Vampire sich in Spiegel sehen können, dann können sie das. Oder sie sollen in der Sonne braun werden können? In Ordnung, dann ist nicht die Sonne ihre Schwachstelle. Finde dann eine andere.

Überlege Dir genau, woher Deine Wesen kommen, was sie sind und vor allem, was ihre Stärken und Schwächen sind. Erstelle Dir eine Liste mit Fragen, die Du beantwortest und damit dann Deine Wesen besser kennenlernst und mit ihnen dann arbeiten kannst:

  • Woher kommen Deine Wesen?
  • Welche Fähigkeiten haben sie?
  • Was sind ihre Stärken?
  • Was sind ihre Schwächen?
  • Wie viele gibt es von ihnen?
  • Wie sind sie organisiert?
    Haben sie Stämme, sind sie Einzelgänger / Einzelgängerinnen? Gibt es neben ihnen noch andere (mystische) Lebewesen?
  • Leben sie mit den Menschen zusammen oder bleiben sie von ihnen getrennt?
  • Welche Regeln, Gesetze, Gebote, Moralvorstellungen haben sie?
  • Wie haben sie bis heute überlebt?
  • Gibt es in der Vergangenheit Anzeichen, dass man sie schon einmal gesehen hat?
  • Haben sie Feinde? Natürliche Feinde, selbst erschaffene Feinde?

Du musst nicht alle Informationen am Ende in Deiner Geschichte verwenden. Je mehr Du aber über sie weißt, desto besser kannst Du uns ihre Welt in Deinem Roman vorstellen. Daher ist es durchaus eine gute Idee, wenn Du Dich mit ihnen beschäftigst.

Und wenn Du Hilfe beim Weltenbau benötigst.

Mein Arbeitsvorschlag

Recherchiere erst einmal über die historischen Hintergründe Deines Wunschwesens. So gut wie alle Fabelwesen haben eine eigene historische Geschichte, die sich nach und nach entwickelt haben. Und häufig kennen wir noch nicht einmal alle Daten zu den Wesen, auch wenn sie durchaus berühmt sind, wie zum Beispiel die Vampire oder die Werwölfe.

Allein schon die Faktenlage wird Dich sicherlich inspirieren, neue und tolle Geschichten zu schreiben. Wenn Du aber weniger bekannte Wesen aussuchst oder gar Wesen aus anderen Kulturkreisen, dann dürfte Deiner Geschichte und Deiner Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt sein.

Erarbeite Dir daher erst einmal die reine Faktenlage und schau dann, was Du für Deine Geschichte übernehmen möchtest und was nicht. Und dann, was Du dann hinzufügen willst. Meine Empfehlung ist, dass Du immer klar unterscheiden kannst, was von Dir und was sich historisch entwickelt hat.

4. Eine starke Heldin

In den letzten Jahren haben sich die Heldinnen in den Romanen zu starken Persönlichkeiten gemausert. Sie müssen nicht mehr gerettet werden, sondern sie retten den Tag. Eine durchaus positive Entwicklung, wie ich persönlich finde.

Damit meine ich nicht, dass Deine Heldin sich wie Buffy prügeln muss (auch wenn das eine sehr angenehme Abwechslung ist). Es geht mir hierbei um die Persönlichkeit der Figur. Sie schreit nicht mehr herum und ein starker Retter in der Not befreit sie aus der misslichen Lage. Das kann sie durchaus selbst. Und dafür kann sie gerne ihre Muskelkraft verwenden. Aber vor allem ihr Gehirn.

Sie darf aber auch etwas aggressiver auftreten, mehr bissiger und frecher als Heldinnen in anderen Liebesromangenres. Denn sie hat es häufig mit Werwölfen, Vampiren und anderen mächtigen Wesen zu tun. Da kann sie kein Mäuschen sein, das vor diesen Wesen kuscht und bei jedem Knurren eingeschüchtert ist. Das könnte ihr als Schwäche ausgelegt werden und wer weiß, am Ende würde man sie deswegen vielleicht sogar töten?

Wenn Du eine schwache Heldin einführst, ist das in Ordnung. Damit hast Du eine Grundlage, um sie wachsen zu lassen und dadurch kann sie am Ende eine starke Frau werden, die in der Lage ist, den Mann ihrer Träume zu retten. Es kann also eine gute Idee sein, sie schwach anzulegen und dann stark werden zu lassen. Aber den Roman mit einer schwachen Frau enden zu lassen, ich persönlich halte das nicht für eine sehr gute Idee. Aber andererseits wäre das etwas für das Thema „Originalität“?

3 Tipps für eine starke Heldin

1. Jede Heldin hat ihre eigene Geschichte

Wie jede andere Figur, so hat auch Deine Heldin ihre eigene Geschichte. Sie wurde geboren, hat eine Herkunftsfamilie, verließ diese und wurde über die Jahre zu der Frau, die wir in der Geschichte sehen und kennenlernen dürfen. Als Autorin oder Autor solltest Du also ihre persönliche Geschichte kennen und jederzeit in der Lage sein, diese auch in der Geschichte zu erwähnen und einzubauen.

Schreibe ihre Geschichte auf, wer sie ist, was sie macht, was sie in der Vergangenheit getan hat, was sie in der Zukunft tun will, was sie liebt, was sie hasst und all diese Dinge. Kenne sie wirklich sehr genau. Und überlege Dir besonders, was ihre Stärken und ihre Schwächen sind. Denn sie gehören zu Deiner Heldin dazu. Und sie können Deine Geschichte spannend machen.

2. Fühle Dich in Deine Heldin hinein

Du solltest fühlen, was Deine Heldin fühlt. Schreibe nicht nur, dass sie Schmerzen hat, fühle, wie es ist sich ein Bein gebrochen zu haben oder wie es ist, wenn das Herz zerfetzt wurde (symbolisch gesprochen). Je mehr ich die Heldin als Leserin verstehe, desto eher kann ich mich auch mit ihr identifizieren. Und wenn mir das als Leserin gelingt, gehe ich mit ihr durch dick und dünn.

Ich habe einen Paranormal Romance Roman versucht zu lesen, in dem die Heldin für mich absolut unlogisch reagiert. Mein rationales Gehirn hat sich verabschiedet, weil es keine vernünftige Erklärung für ihre Handlungen findet. Mal ist sie eine starke und selbstbewusste Frau, auf der nächsten Seite benimmt sie sich wie ein unreifes kleines Kind. Nur um sich dann von dem Helden der Geschichte retten zu lassen, den sie hasst und liebt und doch wieder hasst. Und dadurch bin ich emotional nicht in der Lage ihr zu folgen. Warum sollte ich das Buch also zu Ende lesen? Daher hab ich es abgebrochen und bin am Überlegen das Buch an die Wand zu klatschen. Das ist eine Schwäche des Buches. Mache ihn bitte nicht.

3. Lasse sie eine vernünftige Schwäche haben

Viele Autorinnen und Autoren scheinen Angst davor zu haben, eine Frau eine vernünftige Schwäche zu geben. Dann kann es schon mal passieren, dass sie sich lediglich zu sehr um andere sorgt. Tolle Schwäche, die im Grunde genommen nichtssagend ist. Und sogar noch weniger als das ist.

Wenn eine Frau sich permanent um andere sorgt, dann stellt sie deren Wohlergehen in den Mittelpunkt, ihrem Mittelpunkt. Dort wo sie also sein sollte, sind alle anderen. Und das ist, gelinde gesagt, ziemlich schwach. Lasse sie ruhig zickig sein oder ängstlich, lasse sie schwach sein oder selbstverliebt. Aber lasse sie jemand sein, die sich selbst wichtig nimmt. Dann kann ich als Leserin sie auch ernst nehmen. Denn durch solche Schwächen wird sie erst realistisch.

Und dann nutze diese Schwäche und verwandele sie in eine Stärke um. Denn die Figuren sollen ja während der Geschichte wachsen. Also nutze dies über ihre eigenen Charaktereigenschaften. Traue Dich und schaue nach, was Deine Figuren für Schwächen hat, um aus ihr eine starke Heldin zu machen.

Mein Arbeitsvorschlag

Unter den Thema Sexismus habe ich in meinem Blog einige Punkte aufgeführt, die Frauen (und auch Männer) in Romanen nicht mehr erleben sollten. Und trotzdem kann man diese Punkte immer und immer wieder lesen. Schaue also genau hin, wie Du eine starke und inviduelle Frauenfigur für Deinen Roman schaffen kannst.

Um eine starke Figur zu erschaffen, reicht es häufig aus, dass Du sie kennst und ihr eine Aufgabe zuweist, die nur sie lösen kann. Würde sie fehlen, würde der ganze Roman dann in sich zusammenfallen. Überlege Dir also bitte, was ihre einzigartige Aufgabe sein könnte, um sie dann wichtig werden zu lassen.

5. Der Held

Sehr häufig sind die Helden die paranormalen Wesen der Geschichte. Also der Vampir, der gefallene Engel, der Gestaltenwandler und all die anderen Wesen, die es gibt oder geben kann. Vermutlich hat es damit was zu tun, dass die Liebesromane meistens von Frauen gelesen werden (nicht nur, es gibt durchaus auch Männer, die dieses Genre lesen). Daher würde ich sagen, dass sie sich lieber mit der Heldin identifizieren wollen und sie daher ein Mensch sein sollte.

Kleine Inspiration: Muss das immer so sein? Oder könnte auch die Heldin ein paranormales Wesen sein und der Held ein Mensch?

Hier ein paar Ratschläge für Deinen Helden.

1. Er fällt definitiv auf

Er muss auffallen, um jeden Preis. Natürlich kann er unscheinbar sein, aber er hat das gewisse Extra, dass Deine Heldin aufhorchen lässt. Aber meistens sieht der Held unverschämt gut aus, als käme er direkt aus einem Katalog, wo man sexy Kerle bestellen kann. Und dieses gewisse Extra, dieses einmalige, das ist das Sahnehäubchen auf der ganzen Sache.

Du darfst also Dich bei ihm austoben. Sei kreativ und erschaffe einen Mann, der sowohl Deine Heldin als auch Deine Leserinnen und Leser anspricht. Und ich habe mal gelernt, neben dem Aussehen gibt es noch eine Komponente, die wichtig ist: sein Geruch. Er muss nach etwas riechen, was Du dann in Deiner Geschichte einbauen kannst. Denn wir riechen unsere zukünftigen Ehemänner und Väter unserer Kinder eher, als das wir sie sehen (soll was mit der Evolution zu tun haben, denn Frauen können über den Geruchssinn riechen, wer gute Gene hat und nehmen dann einen Mann, der gesunde Kinder zeugen kann).

Erwähne also nicht nur, wie heiß er aussieht, sondern auch, wie gut er riecht. Und natürlich auch, wie sein Geruch genau ist.

2. Die paranormale Gabe

Wie schon oben geschrieben, ist er es meistens, der das paranormale Wesen ist. Aber zugleich hat er noch einen dunklen Charme, eine gewisse Aura, welche Deine Heldin fasziniert und zugleich ein wenig zurückschrecken lässt.

Und er kann etwas, was kein anderer Mann in der Umgebung Deiner Heldin kann, er sieht in ihre Seele. Er weiß, dass sie etwas Besonderes ist, dass sie eine wundervolle Frau ist, dass sie einmalig ist, auch wenn Deine Heldin das noch nicht sieht. Nicht so offen, aber er ist es letztendlich auch, der sie rettet, damit sie ihn retten kann.

3. Gewalttätige Helden

Gesetz Nummer 1, Dein Held schlägt keine Kinder und natürlich auch keine Frauen (Ausnahmen bestätigen im gewissen Rahmen jedoch die Regel, zumindest das zuschlagen bei Frauen, sie kann ja die Feindin sein). Er darf also kein gewalttätiger Typ sein. Das ist dem Bösewicht überlassen. Und wenn er Gewalt einsetzt oder gar jemanden tötet, dann muss ich als Leserin verstehen, warum er das getan hat. Zudem muss ich trotzdem Mitgefühl mit ihm haben. Er sollte also vernünftig handeln, damit ich die Geschichte über bei ihm bleibe.

Wenn also Dein Held in die nächste Kneipe geht und sinnlos eine Schlägerei anfängt, ohne Sinn und Verstand, dann riskierst Du, dass ich die Sympathie für Deinen Helden verliere. Ist er aber in eine Schlägerei verwickelt, weil er jemanden retten will und es nicht anders tun konnte, dann fühle ich sogar mit ihm und seinen Verletzungen.

In den letzten Jahren ist der Trend zu düsteren Helden über gegangen. Also Helden, die durchaus als böse Jungs bezeichnet werden können. Das ist auch völlig in Ordnung. Denn je tiefer Dein Held gefallen ist, desto größer ist der Aufstieg, wenn Deine Heldin ihn gerettet hat. Das bedeutet natürlich aber auch, wenn Du einen solchen düsteren Helden schaffen willst, dass Du vorsichtig bist. Er sollte kein Auftragsmörder von Witwen und Waisen sein. Denn auch diesen werden wir schwerlich folgen können. Aber jemand, der Mafialeute tötet, der darf gerettet werden.

Zwischenzeitlich hat sich der Trend aber auch ganz schön geändert. Denn nun dürfen die Helden so richtig düsterer sein, als sie es sowieso schon sind.

Bei der LoveLetter Convention 2016 erfuhr ich, dass die Helden zwischenzeitlich sogar Verbrechen begehen dürfen. Früher war es immer so, waren sie im Knast, dann waren sie meistens unschuldig. Zwischenzeitlich dürfen sie jedoch richtige Verbrechen begangen haben und sind bzw. waren zurecht hinter Gittern. Also kurz gesagt, sie haben Verbrechen aus eigenem Antrieb begangen.

Das bedeutet, dass Dir nun fast keine Grenzen mehr gesetzt werden, was Deinem Helden betrifft. Doch was für die Männer gelten, trifft noch lange nicht auf die Frauen zu, leider. Und ob dieser Trend wirklich wünschenswert ist, darüber können wir auch sehr gerne diskutieren.

Mein Arbeitsvorschlag

Überlege Dir, was für eine Sorte Held Deine männliche Hautfigur überhaupt sein soll. Nett und freundlich oder doch eher düster und vielleicht sogar richtig böse. Die einzige Regel, die Du hierbei beachten solltest, ist die, wie weit Du selbst gehen willst. Wenn Du Deinen Helden abgrundtief böse gestalten willst und damit zufrieden bist, dann darfst Du ihn gerne so erschaffen. Geht Dir das zu weit, dann lass Dich von aktuellen Trends nicht verunsichern. Es ist Deine Geschichte und Du allein entscheidest.

Weiterhin überlege Dir bitte, was genau an ihm einzigartig ist. Wie sieht er aus. Hier darf natürlich auch Dein persönlicher Geschmack eine sehr entscheidende Rolle spielen. Wenn Du eher Männer mit Brusthaaren magst, dann darf auch Dein Held Brusthaare haben. Wenn nicht, rasiere ihn. Kleiner Tipp, hier darf auch gerne immer eine gewisse Variation eine Rolle spielen, damit alle Deine Leserinnen und Leser sich bzw. ihre persönlichen Vorlieben mal angesprochen werden.

6. Von Konflikten und Gegnern / Gegnerinnen

Ohne einen Konflikt wirst Du es schwer haben, dass Deine Leserinnen und Leser bei Dir und Deiner Geschichte bleiben. Deine Figuren müssen über die komplette Geschichte hin beschäftigt sein. Erst gegen Ende kannst Du ihnen erlauben, endlich zu Luft und zur Ruhe zu kommen. Aber bis dahin haben sie alle Hände voll zu tun, Deine Leserinnen und Leser zu unterhalten.

Konflikttypen

1. Der persönliche Konflikt

Egal, mit was für Wesen Du mich als Leserin konfrontierst, wie mächtig oder wie alt sie sind, sie haben idealerweise eine persönliche Ebene. Und diese Ebene ist die Beziehung zwischen Deiner Heldin und Deinem Helden.

Lasse uns an der Entwicklung Deiner Figuren teilhaben und zeige, wie sie sich nach und nach entwickeln. Von zwei Menschen (oder sagen wir mal Wesen), die sich am Anfang des Romans nicht kannten oder nicht ausstehen konnten, bis hin zum Liebespaar. Wir wissen alle, dass die Heldin und der Held sich am Ende bekommen. Das ist also nicht die Frage in Deinem Liebesroman (egal, in welchem Subgenre Du Deine Geschichte letztendlich ansiedelst). Es geht darum, wie sich bekommen. Und hier bist Du als Autorin oder als Autor gefragt.

2. Der Konflikt des Übernatürlichen

Das hat nichts mit der Persönlichkeit zu tun, sondern mit der Herkunft Deiner Wesen. Dein Held ist ein Vampir und verliebt sich in eine Menschenfrau? Dann wird es wohl allein durch die Lebenserwartung Probleme geben. Oder er ist ein Werwolf und es könnte passieren, dass er sie tötet? Oder ein Engel, der sich nicht in einen Menschen verlieben darf? Hier gibt es genügend Möglichkeiten, um die Herkunft Deines Wesens zum Konflikt aufzubauen.

Deswegen empfehle ich Dir, finde heraus, was einmal die historischen Stärken, Schwächen und Besonderheiten dieser Kreaturen sind, damit Du Dich hier schon einmal bedienen kannst. Und dann schau noch einmal bei der Persönlichkeit nach. Du wirst sicherlich viele interessante Dinge entdecken, um Dein Konflikt noch spannender zu gestalten.

3. Der Konflikt der Ereignisse

Es gibt in der Geschichte Ereignisse, auf die Deine Figuren schlichtweg keinen Einfluss haben, also die externen Konflikte (das hat noch nichts mit dem Bösewicht zu tun). Irgendjemand oder irgendetwas legt Deinem Paar Steine in den Weg und sie müssen alle nach und nach aus dem Weg räumen, um zu erkennen, dass da noch mehr sind. Erst am Ende der Geschichte haben sie alle Steine weggeräumt.

Mithilfe dieser Konflikte kannst Du dafür Sorgen, dass Deine Heldin und Dein Held zusammenarbeiten müssen, auch wenn sie es nicht wollen. Und die kannst Du in der Gesellschaft finden, in der beide leben. Vielleicht will die Familie der Heldin nicht, dass sie sich mit einem düsteren Kerl einlässt. Es könnte aber auch sein, dass die Leute unseres Helden nicht verstehen können, warum er sich auf einmal verliebt hat. Und all diese Dinge.

Der Gegner oder die Gegnerin

In Paranormal Romance Romanen darf es einen physischen Gegner oder Gegnerin geben, mit denen es Deine Heldin und Dein Held zu tun bekommen. In „normalen“ Liebesromanen darf es ein innerer Konflikt oder die Gesellschaft als Gegnerin sein, der es zu überwinden gilt, hier nicht zwangsläufig.

Du darfst hier einen richtig fiesen Typen an den Start bringen, der auch kein Problem hat anderen wehzutun oder gar zu töten. Während Dein Held (auch der böse Junge) noch moralische Werte hat, kannst Du es Deinem Bösewicht ruhig absprechen. Natürlich sollte er realistisch sein und Gründe für das haben, was er tut. Aber für ihn darf es kein zurückgeben. Er darf die letzte Grenze überschreiten, damit Deine Heldin und Dein Held ihn zu Strecke bringen dürfen.

Er ist das Böse und darf am Ende entsprechend besiegt werden. Egal wie, er wird nicht gerettet, sondern er fällt. Zumindest ins Gefängnis wird er gesteckt. Daher sorge für einen guten Gegner (oder auch Gegnerin) für Dein Paar, den ich durchaus verstehen kann und mich freue, wenn er oder sie für die Taten entsprechend büßen muss.

Meine Arbeitsempfehlung

Überlege Dir genau, was ist der Konflikt in Deiner Geschichte und wie sieht das Böse aus. Definiere es und schreibe alles auf, was Du darüber weißt und wissen musst. Und überleg Dir bitte gute Gründe, warum Deine Konflikte so sind, wie Du sie uns vorstellst. Vor allem, warum handelt Dein Gegner oder Deine Gegnerin? Je realistischer die Gründe sind, desto eher habe ich auch Lust in Deine Geschichte einzutauchen.

7. Die Gewaltstufe

Bei der Gewalt solltest Du vorsichtig sein. Denn es gibt Leserinnen und Leser, die am liebsten nichts darüber lesen möchten, während andere einen Hauch von Gewalt akzeptieren. Und natürlich gibt es die, die Deinen Roman lesen obwohl oder gerade, weil es Gewalt enthält.

Gewaltorgien dürften wohl für ein Genre im Liebesromanbereich nicht ganz geeignet sein. Das wäre eher ein Thema für Krimi, Thriller oder Fantasygenre. Überlege daher, was Du mit der Gewalt ausdrücken willst und ob es nicht andere Wege gibt, dieses Ziel zu erreichen. Denn sinnlose Gewaltdarstellung ist eben genau das, sinnlos. Aber wenn Du sagst, ich brauche diese Szene, um mein Ziel besser darzustellen, dann ist es in Ordnung. Hier ist aber weniger mehr.

Mein Arbeitsvorschlag

Überlege Dir genau, wie weit Du mit Deiner Geschichte wirklich gehen willst. Wenn es Dir zu weit geht, dass überhaupt eine Ohrfeige verteilt wird, dann notier es Dir und belasse es dabei. Wenn Du aber weiter gehen kannst, überlege Dir, wie weit es sein darf und wo Deine persönliche Grenze ist. Darüber solltest Du dann momentan auch nicht hinausgehen. Denn dann wirkt Deine Geschichte eher künstlich.

8. Und sie lebten glücklich und zufrieden … HEA

Egal ob es sich hierbei um ein Paranormal Romance Roman oder ein Roman aus einem anderen Subgenre handelt, ein Liebesroman braucht ein sogenanntes HEA, ein happily ever after. Es muss also klar sein, dass Deine Heldin und Dein Held sich gefunden haben und sie glücklich bis an ihr gemeinsames Lebensende zusammenleben.

Denn das ist ja einer der Gründe, warum wir überhaupt Liebesromane lesen. Wir wissen doch bereits, dass die erste Frau, die uns über die Seiten läuft und der erste Mann, der ihr folgt, am Ende ein Paar werden. Das ist ja das Hauptthema dieses Genres. Es ist wie mit der Titanic. Sie geht am Ende unter. Punkt! Sie finden sich und lieben sich (mit den entsprechenden Problemen zuvor).

Es gibt Romane, wo das HEA bedeutet, dass die Heldin zu sich findet und gar keinen Mann an ihrer Seite braucht. Wenn Du eine Reihe schreibst, dann ist das auch in Ordnung. Aber sorge bitte für ein schönes Happy End am Ende, damit Deine Leserinnen und Leser beruhigt das Buch zur Seite legen können.

Mein Arbeitsvorschlag

Überlege Dir schon am Anfang Deiner Plotarbeit, wie Dein Roman am Ende ausgeht. Es ist egal, ob Du am Ende wirklich die Geschichte so ausgehen lässt, wie Du es Dir überlegt hast. Aber wenn Du schon einmal eine grobe Richtung ausgedacht hast, dann weißt Du, wohin die Reise geht.

Schreibe also eine Zusammenfassung und eventuell sogar die letzte Szene Deines Romans und speichere sie gut ab. Am Ende kannst Du sehen, ob Deine Geschichte wirklich so ausgeht oder sie sich in eine völlig andere Richtung entwickelt hat.

Wie Du einen Paranormal Roman NICHT schreiben solltest

Natürlich gibt es auch Punkte, die Du in Deinem Paranormal Roman nicht unbedingt verwenden solltest. Viele davon sind universal, gelten also für alle Romane. Aber einige speziell für dieses Genre.

1. Infomüll

Gerade AnfängerInnen haben immer wieder Angst davor, dass die LeserInnen nicht verstehen, in was für einer Welt wir uns befinden. Diese Angst kann ich durchaus nachvollziehen, hatte ich diese früher auch.

Daher kann es passieren, dass man in den ersten Kapiteln nicht auf die Geschichte selbst eingeht, sondern erst einmal ausführlich, sehr ausführlich die Welt erläutert. Dabei ist das nicht notwendig.

Die meisten LeserInnen haben Erfahrung im Lesen von Geschichten, die jenseits unserer Welt spielen. Und wenn sie ein Buch mit einem entsprechenden Cover in die Hand nehmen, wissen sie schon, worauf sie sich einlassen. Es ist also nicht notwendig, dass Du sie mit den ganzen Informationen rund um die Welt regelrecht erschlägst.

Lass sie daher erst einmal in Deiner Geschichte ankommen. Also die Heldin und den Helden kennenlernen, die Welt in Aktion und das Problem. Dann, so ab dem dritten Kapitel, kannst Du dann gerne ein paar Hintergrundinformationen einstreuen.

Und wenn Du der absolut festen Überzeugung bist, dass ein oder zwei Informationen superwichtig sind, weil sie sonst wirklich nichts verstehen, wie wäre es denn mit einem ganz kurzen Prolog? Dabei meine ich wirklich kurz.

2. Das Paranormale als Fetisch

Es kann passieren, dass man sich zu sehr auf den paranormalen Teil der Geschichte konzentriert. Zum Beispiel, dass man in allen Einzelheiten über das Blutsaugen eines Vampirs berichtet. Wie er sich an die Heldin anschleicht, ihren Blut riecht, ihren Duft wahrnimmt, das Blut in den Adern und Venen fließen sieht, den Herzschlag hört, spürt, wie seine Zähne in ihr weiches Fleisch eindringen, er ihr Blut auf seiner Zunge schmeckt, dabei sogar eine Erektion bekommt, ihre Erektion spürt und sein Hunger gestillt wird.

Wenn Du den letzten Absatz zu viel fandest, dann hast Du recht. Aber in einigen Geschichten wird sehr viel Wert auf diese Elemente gelegt. Eben zu viel Wert. Natürlich müssen sie erwähnt werden. Immerhin ist das Paranormale ein Teil der Geschichte. Ansonsten hätten wir einen klassischen Liebesroman.

Aber sich so intensiv darauf zu konzentrieren, dass man schon keine Lust mehr hat, weiterzulesen, das ist zu viel des Guten. Daher finde eine Balance zwischen dem Paranormalen und der normalen Welt. Dann wird alles eine runde Sache.

3. Achtung, Dialoge!

Glücklicherweise sind die meisten Dialoge in den paranormalen Geschichten, die ich lesen durfte, gut. Aber trotzdem sollte man hier eine gewisse Aufmerksamkeit geben, damit es auch weiterhin gut bleibt.

Denn paranormale Wesen reden sehr wahrscheinlich nicht so, wie es normale Menschen tun. Natürlich haben sie auch Alltagsprobleme, doch ob es wirklich der kläffende Nachbarshund ist oder die Versicherung, die nicht zahlt, ich halte das eher für unwahrscheinlich.

Auch wenn es durchaus eine interessante Idee wäre, wenn man über so etwas in einer Geschichte schreiben würde.

Daher achte darauf, dass die Dialoge in Deinen Geschichten (das gilt natürlich nicht nur für paranormale Romane) kurz und intensiv sind. Sie sollen die Geschichte voranbringen und Informationen vermitteln.

Aus diesem Grund ist es kein guter Ratschlag, sich die Dialoge in der realen Welt als Vorbild zu nehmen. Denn ein Gespräch zwischen Dir und einer vertrauten Person kann über Stunden gehen und von einem Thema zum nächsten springen. In einem Roman kann man das nur in einem sehr kleinen Rahmen darstellen. Aus diesem Grund, wirf ruhig ein besonderes Auge auf dieses Thema.

4. Weniger ist mehr – gerade bei übernatürlichen Elementen

Trifft ein Vampir auf eine Elbin und sie unterhalten sich in einer Orkbar über einen Troll. Dann kommt eine Hexe auf ihren fliegenden Besen herbei und verflucht gerade einen Zwerg, der ihr zu dumm gekommen ist. Der Außerirdische aus dem Pferdekopfnebel schaut erstaunt den Zwerg an, der nun ein Zentaur ist, und unterhält sich dann mit dem Menschen über die Rechte der Magielosen, welche in einem Getto eingesperrt ist, während Zeus eine Sterbliche verführt.

Würdest Du einen Roman über so viele Elemente schreiben, irgendwann wären Deine LeserInnen schlichtweg überfordert. Sie wüssten gar nicht mehr, worauf sie sich zuerst konzentrieren sollten.

Daher ist es durchaus empfehlenswert, wenn Du Dich auf wenige Elemente konzentrieren würdest und diese dann ordentlich einführst. Mir ist bewusst, dass man manchmal gerne dieses Element erwähnen möchte, dann jenes und noch einiges mehr. Ich bin da nicht besser.

Aber ich möchte unterhalten, Leute zum lesen animieren und nicht, dass sie vor lauter Überforderung sagen, nie wieder. Wenn Du mehr Elemente möchtest, dann verteil es auf eine ganze Reihe. Damit meine ich, dass in einem Band ein Element auftaucht und dann im zweiten Band ein Zweites. Aber immer Schritt für Schritt. Was Du benötigst, führst Du auf. Alles andere hingegen fliegt raus.

5. Zu viel Gewalt

Wie oben schon erwähnt, sei bitte vorsichtig mit der Menge an Gewalt, die Du in Deine Geschichte einfügen möchtest. Gerade, weil es ein Liebesroman ist, sollte nicht die Gewalt, sondern die Liebe im Vordergrund stehen.

Natürlich können auch Schlachten entstehen. Aber sie müssen nicht im Vordergrund stehen. Dafür gibt es andere Genres, die dafür weitaus besser geeignet sind, als ein klassischer Liebesroman.

Daher kann ich Dir nur empfehlen, wenn Du Gewalt erwähnen möchtest, dann sollte sie weniger Platz einnehmen, als der Rest der Geschichte. Ansonsten, Krimi oder Fantasyromane eigenen sich dafür hervorragend.

6. Der Ort für Deinen Glossar

Ehrlich gesagt, ich liebe Glossare. Und ich lese sie total gerne durch. Für mich gehören sie aber ans Ende des Buches und niemals an den Anfang. Doch zwischenzeitlich ist es mir einige Male passiert, dass ich am Anfang von diesem überrascht wurde.

Aus zwei Gründen ist das ärgerlich.

Bei einem E-Book muss ich mich erst einmal durch diese Seiten lesen, damit ich dann zum eigentlichen Roman komme. Klar, ich könnte sie auch überspringen. Nur gehöre ich zu der Sorte Leserin, die das nicht kann. Ich will halt wissen, was dort steht. Und daher lese ich sie.

Zum nächsten ist es auch häufig passiert, dass bei mir Erwartungen geweckt wurden, die dann nicht eingehalten wurden. Denn durch das Glossar hatte ich eine gewisse Idee von der Geschichte. Nur haben mir die AutorInnen nicht den Gefallen getan, diese Idee halt zu befriedigen.

Wäre das Glossar erst am Ende aufgetaucht, dann hätte ich nur einen Aha-Moment. In dem Sinne, dass ich tiefer gehende Informationen bekommen hätte. Aber so bekam ich die Informationen vornweg und aus diesem Grund machte sich sogar eine gewisse Enttäuschung in mir breit.

Zudem können einige LeserInnen es als arrogant empfinden, wenn man ihnen das Glossar vorher aufbürdet. In dem Sinne, dass man die eigene Welt so toll findet, dass man ihnen alles vornweg erzählen muss. Zudem kann man das auch als Infomüll bezeichnen.

Wie Du siehst, es spricht eigentlich viel gegen ein Glossar am Anfang. Ich selbst würde das nie machen. Daher überleg Dir bitte sehr gut, ob das wirklich in Deinem Roman sein muss.

7. Mary Sue und Gary Stu Charaktere

Mary Sue und Gary Stu Charaktere sind schlichtweg gefährlich. Zumindest sehe ich sie so. Und in vielen Heldinnen und Helden dieses Genres erkenne ich persönlich durchaus Elemente, die man diesem Charaktertyp durchaus zusprechen kann.

So ist sie durch und durch schön, hat einen besonderen Schimmer (sowohl im Haar als auch in den Augen), einen sexy Knackarsch und große Brüste. Aber sie ist rank und schlank. Und wenn sie dick ist, dann sieht sie immer noch gut aus.

Aber zugleich ist sie so super drauf, dass ihr niemand Angst einjagen kann, sie mit High Heels den bösen Jungs in den Hintern tretet und trotzdem den Nachwuchs rechtzeitig aus dem Kindergarten abholt.

Er hingegen darf ein richtiger Bastard sein. Aber so richtig abgrundtief. Trotzdem kriegt er die Heldin ab, die ihm alles verzeiht (im realen Leben würde das bei der Hälfte der Frauen durchaus anders aussehen). Eben der Bad Boy, der sie stalken und sogar vergewaltigen darf. Sie liebt ihn und alles ist gut.

Übrigens, Frauen dürfen selbst keine Bastarde sein. Das würde man ihnen niemals verzeihen.

Abschlussworte

Vielleicht wirst Du Dich fragen, wo bleibt die Erotik, wo bleibt bitte schön der Sex? Das sind Punkte, die ich eher als Kür erachte, weniger als Pflicht. Hast Du eine gute Geschichte, interessante Charaktere und überraschende Plotttwists, dann kannst Du nach als Sahnehäubchen die Erotik einführen.

Häufig nutzen Autorinnen und Autoren den Sex dafür, eine Geschichte zu retten, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Wenn die Geschichte schon schlecht ist, dann wird der Sex sie auch nicht mehr retten können. Das ist ein Fakt. Einer, der auch gerne übersehen wird. Daher habe ich mich in diesem Beitrag eher auf die Geschichte, die Charaktere und die Hintergründe konzentriert.

So gesehen gehört eigentlich nicht viel, einen Paranormal Romance zu schreiben. Du brauchst in erster Linie eine Idee, über was Du schreiben möchtest und eine ordentliche Portion Originalität. Dann schreiben Du und ich einen einmaligen Roman in diesem Genre.

Und auch wenn ich die ganze Zeit von Heldin und Helden geschrieben habe, es spricht nichts dagegen, einen Roman über zwei Heldinnen oder zwei Helden zu schreiben. In diesem Bereich gibt es, zumindest im deutschsprachigen Bereich, noch sehr wenig Literatur. Da sind die Amerikanerinnen und Amerikaner uns (mal wieder) weit voraus.

In dem Sinne wünsche ich Dir viel Spaß beim Schreiben.

Über welche paranormale Wesen möchtest Du schreiben? Wie stark siehst Du Deine Heldin? Möchtest Du vielleicht eine Lesbian oder Gay Paranormal Romance Geschichte schreiben?

Was darf es denn sein?

Überlege Dir, was für Art Geschichten Du aus diesem Bereich gerne liest und welche nicht. Gegebenenfalls besorge Dir noch ein paar Bücher, räume Dein Regal aus und lies noch einige, welche Dir gefallen und welche Dir nicht gefallen haben.

Frage Dich auch, warum hat Dir eine Geschichte besonders gut gefallen, während die andere Geschichte Dir weniger gefallen hat. Es wird sicherlich einen guten Grund dafür geben. Analysiere es und notiere Dir Deine Erkenntnisse.

Wie schreiben sie?

Die Autorinnen und Autoren, die Du Dir ausgesucht hast und Dir gefallen, worüber schreiben sie? Und vor allem geben sie dem Mythos der entsprechenden Wesen etwas Neues hinzu? Etwas, was die Wesen in ein anderes Licht erscheinen lassen?

Lerne von denen, die es vorgemacht haben. Dann kannst Du sehen, wie sie es gemacht haben und was Dir gefällt und Du auch gerne so schreiben möchtest. Und vor allem, was Du nicht machen möchtest. Sicherlich gibt es auch da einige Punkte, wo Du Dir sagst, dass sie nicht ganz deins sind.

Deine Planung

Nun bist Du dran. Plane Deinen Eigenen Paranormal Romance Roman. Wie soll er aussehen? Was für eine Heldin möchtest Du? Was für einen Helden? Mit welchen magischen Wesen willst Du arbeiten? Und was für einen Antagonisten möchtest Du gerne haben?

Wenn Du damit fertig bist, dann schreibe Deinen Paranormal Romance Roman.
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  • Original: 17. November 2015
  • Erste Überarbeitung: 15. Mai 2016
  • Zweite Überarbeitung: 20. März 2017

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[Charaktere] Mary Sue und Gary Stu

Hei, hallo und herzlich willkommen,

für FanfictionautorInnen ist es die schlimmste Ehre, wenn man die Charaktere als Mary Sue oder als Gary Stu bezeichnet. Dabei handelt es sich um Charaktertypen, hinter denen sich die Autorin bzw. der Autor versteckt und ihre geheimsten Wünsche über sie ausleben lassen kann.

Doch schon lange ist dieser Charaktertyp nicht nur auf den Fanfictionbereich reduziert. Denn auch in veröffentlichten Romanen findet man sie zwischenzeitlich sehr häufig. Daher schauen wir uns diesen Charaktertyp doch mal genauer an.

Kurze Vorgedanken

Zuerst tauchte Mary Sue auf. Und zuerst war sie ein Charakter wie jeder andere. Doch zwischenzeitlich hat sich diese Bezeichnung als ein Synonym für Figuren entwickelt, die eher eindimensional sind und überquellen von Klischees.

Daher fürchten einige AutorInnen durchaus das Urteil, ihr Charakter erinnere doch sehr an Mary Sue. Oder dieser sei eben eine Mary Sue. Im Laufe der Jahre hat sich noch ihr Zwillingsbruder Gary Stu hinzugesellt. Bei ihm gelten fast die gleichen Regeln wie bei Mary Sue.

Doch während FanfictionautorInnen durchaus wissen, wer Mary Sue ist, scheinen das RomanautorInnen nicht immer zu wissen. Deren LeserInnen übrigens auch nicht immer. Ansonsten gäbe es nicht auf Goodreads eine Liste mit Büchern, welche von Mary Sue Charakteren nur so wimmelt. Für mich überraschend ist durchaus, dass dabei Namen wie Laurell K. Hamilton oder auch (ja, Du liest richtig) Stephen King dabei sind. Aber auch Bücher, die verfilmt wurden. Man kann durchaus sagen, sogar die Großen der Literaturbranche laden sich diesen Charaktertyp in ihre Geschichten ein.

Vor einigen Monaten las ich eine englischsprachige Rezension zu einem Mary Sue Buch durch das ich mich immer noch kämpfe. Die Rezensentin merkte zurecht an, dass dieses Buch neben endlosen Fehlern auch eben eine Mary Sue als Hauptcharakter habe. Eine Userin schrieb darauf, dass eben dieser Charakter doch so wundervoll sei, und zählte dann gerade ihre Mary Sue Qualitäten auf. Nun, auch LeserInnen wissen nicht immer, wer sie eigentlich ist.

Daher möchte ich Dir heute einen sehr umfangreichen Beitrag dazu bieten, wer diese Zwillinge überhaupt sind, wie man sie verhindern kann, oder retten, sofern Du einen erschaffen hast und auch einige Beispiele nennen.

Wer ist eigentlich Mary Sue?

Mary Sue war eine Halbvulkanierin, die auf dem Schiff der U.S.S. Enterprise unter Captain Kirk diente. Sie war sowohl ihm als auch Mr. Spock und auch Dr. McCoy in jeder erdenklichen Lage überlegen, wunderschön, tapfer und alle drehten sich nach ihr um. Während eines Einsatzes war sie es dann, die am Ende der Crew und das Schiff rettete. Dabei opferte sie ihr eigenes Leben.

Wenn Du jetzt das Bedürfnis hast, schreiend wegzurennen, dann hast Du das grundlegende Problem von Mary Sue Charakteren erfasst. Denn ihre Charakter ist nicht dafür geschaffen, sie auf Dauer sympathisch zu finden, auch wenn man eigentlich versucht, das mit ihr zu erreichen.

Die perfekte Mary Sue

Mary Sue ist in allen Bereichen perfekt. Sie ist wunderschön, hat die richtigen Kurven an den richtigen Stellen, schöne lange Haare, tolle Augen und einen süßen Schmollmund sowie eine Stupsnase. Zudem ist sie intelligent und brillant zugleich. Aller Wahrscheinlichkeit hat sie sogar einen Doktortitel, und zwar als jüngste Frau in ihrem Fachgebiet, wo sie natürlich zur Weltspitze gehört. Alternativ kann sie auch der jüngste Detective sein, die jemals den Polizeidienst angetreten hat und so weiter.

Zugleich ist sie unglaublich zäh. Wenn sich ihr etwas in die Quere stellt, kann es ihr zwar den Teppich unter den Füßen wegziehen. Doch sie ist es dann, die sich alleine aufrappelt und die ganze Angelegenheit klärt. Und nebenbei reißt sie mit ihrer Leidenschaft noch ihre Umgebung mit, die ansonsten aufgegeben hätten. Gerade in brenzligen Situationen ist sie es dann, die alle Menschen rettet, die ihr wichtig sind.

Alle Menschen, die sich in der Geschichte als positiv herausstellen, lieben Mary Sue. Das gilt sowohl für die Männer als auch die Frauen. Natürlich finden sie Mary Sue auch sexuell attraktiv. Und je nach Geschichte kann sie sich aussuchen, mit wem sie ins Bett geht.

Jedoch wollen sie auch alle retten, wenn sie sich zurückzieht und es ihr schlecht geht. Und ist Mary Sue in Gefahr, dann werden ganze Planeten riskiert, damit sie überleben kann. Denn alle lieben sie und alle stehen fest hinter ihr.

Leider keine Parodie

Wenn Du das Gefühl hast, dass diese Aufzählung eine Parodie sei, dann muss ich Dich leider enttäuschen. Denn es gibt in der Tat Figuren, die nach diesem Muster gestrickt sind. Das Buch, durch das ich mich immer noch kämpfe ist „Kushiel – Das Zeichen“ von Jacqueline Carey. Und Phédre, die Heldin der Geschichte, ist eine Mary Sue. Ich will nicht zu viel verraten, für den Fall, dass Du Dir das Buch bzw. die Reihe selbst durchlesen möchtest. Auf alle Fälle scheint sie irgendwie alles zu können, auch wenn die Autorin das manchmal relativiert. Also ihr in den Mund legt, dass sie in gewissen Dingen doch nicht so bewandert sei. Und zugleich ist sie die Einzige, die selbst in schweren Zeiten einen Überlebenswillen hat, während ihre Umgebung, wohlgemerkt, darunter befindet sich auch ein Krieger, dass schon lange aufgegeben haben.

Trotzdem wurde dieses Buch in Amerika, so wie ich gelesen habe, zum Bestseller. Und in Deutschland haben auch sehr viele Leute die drei übersetzten Bücher gelesen (von insgesamt sechs). Aber auch in anderen Büchern findest Du Mary Sue Charaktere wie „Twilight“, „Harry Potter“ und auch „James Bond“.

Kritik zu Mary Sue

Mary Sue ist der Albtraum einer jeden kritischen Leserin und eines jeden kritischen Lesers. Sie möchten nicht mit einem zu perfekten Charakter belästigt werden, wo man alle paar Seiten (oder alle paar Filminuten) die Augen verdreht und sich fragt, was das bitte sein soll. Natürlich ist die Heldin im Mittelpunkt des Geschehens, das ist ein Fakt. Ansonsten wäre sie keine Heldin. Jedoch ist es immer eine gute Idee ihr Schwächen zu geben, die sie menschlich erscheinen lässt. Mary Sue ist davon jedoch Lichtjahre entfernt (um mal auf ihren Ursprung zurückzukommen).

Weitere Bezeichnungen für Mary Sue

  • Einstein Sue – wenn sie besonders intelligent ist (im Bereich Genie)
  • Jerk Sue – bezeichnet ein Charakter, die sehr schnell ausflippt
  • Sympathetic Sue – sie will unbedingt Deine Sympathie als Figur

Ihr Bruder Gary Stu

Kurz vorab, Gary Stu hat nicht auf der U.S.S. Enterprise als Bruder von Mary Sue gedient. Ich habe mir nur angewöhnt, die beiden als Geschwister zu bezeichnen. Denn sie haben die gleiche, unheilige Aufgabe (uns Leserinnen und Leser auf die Nerven zu gehen) und ähnelt ihr sehr.

Doch er ist ein Kind der späteren Generation. Man könnte ihn also als kleinen Bruder von Mary Sue bezeichnen, auch wenn es ihn schon länger gibt. Wie eben James Bond, den es durchaus schon einige Jahrzehnte gibt.

Wer oder was ist genau Gary Stu

Kurz gesagt, Gary Stu ist der männliche Gegenpart von Mary Sue. Er ist gut aussehend, hat perfekte Manieren, ist ein ausgezeichneter Kämpfer und alle Frauen und auch die Männer, fliegen auf ihn. Er kann jedes Gefährt steuern, kennt sich mit Waffen aus und ist in mindestens drei verschiedenen Kampfkünsten unterwiesen.

Wenn er auf dem Plan tritt, dann drehen sich alle nach ihm um und wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Er erregt alle Aufmerksamkeit. Denn er ist jung, intelligent und hat einiges auf dem Kasten. Und wenn er Feinde hat, dann aber so richtig. Man will ihn nicht nur töten, man will ihn regelrecht vernichten. Seine Erinnerung aus den Analen der Geschichte löschen, auch wenn er dort noch nicht einmal angekommen ist. Aber das ist egal.

Ein Beispiel

Das wohl bekannteste Beispiel ist immer noch Wesley Crusher von der U.S.S. Enterprise unter dem Kommando von Captain Jean Luc Picard. Es ist nicht nur so, dass er das Schiff rettet, wenn alle anderen versagen (Deus ex Machina lässt hier eindeutig grüßen), sondern darf auch das Schiff fliegen, obwohl er die Akademie noch gar nicht abgeschlossen hatte. Kein Wunder, dass alle diesen Charakter nicht mögen. Noch nicht einmal der Schauspieler selbst kann mit ihm etwas anfangen.

Gary Stu ist …

Entweder ist Gary Stu ein durchtrainierter Athlet oder so schwach gebaut, dass er zierlich und beinahe feminin wirkt. Vermutlich soll er damit einer Frau sehr ähneln. Auf alle Fälle zeigen sich hier die vielen Idealbilder der Frau gegenüber einem Mann. Also Waschbrettbauch anstelle eines Bierbauches. Oder lange Haare, damit diese schön das Gesicht verdecken können. All diese Dinge halt.

Natürlich drehen sich auch bei Gary Stu alle anderen Figuren nach ihm um. Und sehr häufig darf er schwul sein. Entweder ist er es, der erkennt, dass der andere Held schwul ist oder er muss davon überzeugt werden. Und Gary Stu schafft es auch, dass sich zwei Helden in ihn verlieben. Und wenn es eine sogenannte Polyamore Geschichte handelt (wo drei Personen eine gemeinsame Beziehung führen), dann bleiben alle am Ende miteinander zusammen, weil sie sich verstehen.

Weitere Bezeichnungen von Gary Stu

  • Larry Stu
  • Marty Stu
  • Mary Joe
  • Marty Sam

Zwischengedanken

Diese Informationen sollten Dir helfen zu sehen, wer oder was genau eine Mary Sue bzw. ein Gary Stu ist. Doch wie identifiziert man sie jetzt eigentlich?

Mary Sue

Fangen wir mit der Schwester an. Immerhin ist sie auch um einiges älter als Gary Stu und zwischenzeitlich gibt es genaue Identifizierungsmerkmale, wie man sie erkennen kann.

Physische Erscheinung

Sehr häufig haben wir es mit einer absoluten Schönheit zu tun, die auch einen, sagen wir mal, exotischen Touch hat. Entweder hat sie eine ungewöhnliche Haarfarbe oder Augenfarbe, die sie dann als besonders, einmalig, einzigartig kennzeichnet.

Dazu gehören zum Beispiel goldene, rote oder violette Augen, brünette Frauen mit heller Haut, wunderschöne Mädchen aus der ärmeren Schicht (also Bauernmädchen, Bettlerinnen und so weiter) und Mädchen bzw. Frauen, deren Äußeres besonders detailliert beschrieben wird.

Überlassen die Autorinnen und Autoren die Selbstbeschreibung dem Charakter, dann kommt so etwas heraus wie, dass zu dünn seien, dass die Augen oder der Mund zu groß sei. Also körperliche Makel, die keine sind. Damit wird wohl der Versuch gestartet, sie doch irgendwie menschlich und liebenswürdig zu gestalten. Immerhin haben sie ja auch Probleme mit ihrem Äußeren.

Ihre Talente und/oder Fähigkeiten

Hier kann in zwei extreme Richtungen gehen.

Die erste Richtung ist, dass sie ein weit gefächertes Repertoire an Fähigkeiten und Talenten hat. Mehr, als die Realität erlaubt. Das kann also sein, dass sie besonders athletisch ist, dass sie ein hohes Maß an akademisches Wissen hat, natürlich auf verschiedensten Ebenen, sie ist künstlerisch begabt und was es noch geben kann, damit die Geschichte eine Mary Sue hervorbringt.

Häufig ist sie ihren Altersgenossinnen und Altersgenossen weitaus überlegen. Und meistens gibt es dafür noch nicht einmal einen guten Grund. Es ist halt so. Zu allem Überfluss kann es noch dazu kommen, dass sie göttliche Macht haben kann. Besonders in Geschichten, wo es um Magie geht oder wenn Menschen von Geburt auf an übernatürliche Fähigkeiten haben. Sie ist natürlich die Königin dieser Gruppe.

Das andere Extrem ist, sie ist absolut nutzlos. Sie kann nichts, rein gar nichts. Also keine besonderen Talente oder Fähigkeiten. Man könnte sich schon fragen, wie sie es überhaupt schafft, in der Geschichte zu überleben. Aber da gibt es natürlich den Helden. Er findet sie so wundervoll, attraktiv und noch so einiges mehr, dass er es sich zur Aufgabe gemacht hat, sie zu retten. Und wenn er dafür sein eigenes Leben dafür opfern muss. Nun, Problem gelöst würde ich sagen. Zumindest für Mary Sue.

Ihr Hintergrund

Ihre Hintergrundgeschichte kann übertrieben dramatisch oder tragisch sein. Damit soll eigentlich garantiert werden, dass wir beim Lesen sagen, oh, dieses arme, arme Mädchen. Das kann sein, dass sie aus einer extrem glücklichen Familie kommt, wo sie geliebt wurde, wo alles in Ordnung war, wo alles einfach nur erdrückend war. Zumindest für uns. Denn es gab kein Grund mal die Eltern anzuschnauzen, weil sie einfach perfekt waren und der Tochter alles erlaubt haben und auch kein Grund, um einfach mal auf dem Tisch zu hauen. Gerade in dem Alter wo Kinder nun einmal auf den Tisch hauen und zeigen wollen, dass sie erwachsen sind (oder es zumindest glauben).

Die Alternative ist hier (ja, auch hier gibt es zwei Extremen), dass sie aus einer Familie kommt, wo sie und ihre Besonderheit unterdrückt wurden. Niemand verstand sie, niemand liebte sie und es kann sogar zu Misshandlungen gekommen sein, aus denen sie als Siegerin hervorging. Immerhin hat sie ihre Kindheit überlebt. Aber das ist natürlich dann auch ein Grund, warum es ihr schwer fällt, anderen zu vertrauen und die dann darum kämpfen müssen, dass sie dann zum erlesenen Zirkel der Heldinnen und Helden gehören. Oder anders ausgedrückt, dass die anderen zu ihrem erlesenen Zirkel gehören.

Zu der zweiten Hintergrundgeschichte ist der berühmteste Vertreter der Gary Stu Fraktion immer noch Harry Potter.

Sehr häufig kommt es auch vor, dass Mary Sue nicht in ihrer Ursprungsfamilie aufwächst. Das bedeutet, dass diese sie entweder weggegeben, verkauft oder einfach vor der Tür irgendeiner seltsamen Familie ausgesetzt wurde. Doch eigentlich entstammt sie einer königlichen Familie oder ist die Tochter einer supermächtigen Hexe oder eines supergeheimen Zauberers. Also von jemanden die oder der was in der Geschichte zu sagen hat. Sie kann natürlich auch ein Halbling sein. Also, sie ist nur zur Hälfte ein Mensch. Die andere Hälfte kann eben die Hexe sein, eine Elbin, eine Vampirin, such es Dir einfach aus.

Ihre Aufgabe, ihr Zweck, ihr Schicksal

Ich denke nicht, dass ich noch erwähnen muss, dass sie „Die Auserwählte“ ist. Die Person, die den Tag rettet, dass Volk vor der Sklaverei und was auch immer in der Geschichte gerettet werden muss. Sie schafft das schon. Dabei hat sie noch nicht einmal irgendeine Autorität, um irgendetwas zu erreichen oder jemanden zu befehligen. Aber sie rettet alle. Und auch dann, wenn sie eigentlich gar keine besonderen Fähigkeiten hat, um das zu schaffen (siehe weiter oben).

Ihre Persönlichkeit

Ihre Charakterschwäche soll darüber hinwegtäuschen, dass sie gar keinen Charakter hat. Zumindest keinen Realistischen. Das bedeutet, dass sie halt schnell ärgerlich wird, stur ist oder feindselig reagieren kann. Aber sie kann auch tollpatschig sein. Doch all diese Charakterschwächen haben über lange Hinsicht keine Auswirkung auf sie, auf die Umgebung oder auf die Geschichte. Denn letztendlich, sie ist perfekt und hat daher keine Charakterschwächen. Oder man kann ihr diese vergeben.

Ergo, egal wie mies sie sich auch benehmen mag, man ist ihr vielleicht ein paar Tage böse und man bestraft sie auch, aber über längere Zeit vergibt man ihr, dass sie sich mies benommen haben mag. Man verträgt sich, man versteht ihre Handlungen oder warum sie so reagiert hat, wie sie reagierte.

Ihre (romantischen) Beziehungen

Die Beziehungen zu anderen kann man sich nicht immer erklären. Denn diese gehen von ganz unten bis ganz oben. Aus allen Gesellschaftsschichten hat sie Freundschaften, die ihr gerne alles beibringen, was diese können und gerne mit ihr Zeit verbringen.

Das bedeutet natürlich auch, dass selbst mächtige Menschen wie Könige oder Königinnen, Hexen oder Zauberer, Präsidentinnen oder Minister ihr die Gunst schenken. Und wenn sie deren Hilfe braucht, bekommt sie diese sofort und ohne zu zögern und natürlich auch zeitnah. Wo kämen wir ansonsten hin.

Und egal wie sehr sie sich spinnefeind mit jemandem war, bzw. die Person sie nicht leiden konnte oder diese einander egal waren, am Ende empfinden sie etwas füreinander. Es gibt eigentlich keinen guten Grund, warum beide sich ineinander verlieben. Sie tun es aber trotzdem und am Ende wird aus den unwahrscheinlichsten zwei Figuren des Romans ein romantisches Traumpaar.

Gary Stu

Im Grunde genommen unterscheidet sich Gary Stu nicht von Mary Sue. Wenn Du Dir die oben aufgeführten Beschreibungen durchliest und sie auf einen Mann ummünzt, dann hast Du die Beschreibung für ihren Bruder.

Es gibt jedoch eine Besonderheit, die nur ein Gary haben kann. Eben, weil er ein Mann ist. Und zwar die Anzahl seiner Bauchmuskeln. Denn es gibt eine Form von Gary Stu, der ist genau richtig muskulös. Also Bauchmuskeln, Armmuskeln und natürlich der Knackarsch darf hier auch nicht fehlen.

Seinem Pendant fehlen genau diese sexy Muskeln. Er wirkt daher ein wenig androgyn. Manchmal hat er auch lange Haare, natürlich schwarz und sein Pony fällt ihm ins Gesicht. Er wirkt daher auch hilflos und man möchte ihn halt beschützen.

Aber ansonsten kannst Du die Liste oben auch für Gary Stu verwenden und fährst damit durchaus gut.

Zwischengedanken

Mit dieser Liste kannst Du Dich eigentlich schon auf die Suche machen, um Mary Sues in Geschichten zu identifizieren. Doch ich möchte Dir gerne ein, zwei Beispiele vorstellen, um Dir die Liste noch einmal deutlich vorzustellen.

Mary Sue Charaktere

Usagi „Bunny“ Tsukino aus Sailor Moon

In Deutschland ist sie unter den Namen Bunny Tsukino bekannt, ihr richtiger Name ist jedoch Usagi. Sie ist die Heldin der Serie Sailor Moon und kämpft unter diesen Namen gegen allerlei böse Kreaturen, welche die Welt und das ganze Universum erobern oder vernichten wollen (je nach Staffel). Ihr zur Seite stehen weitere Kriegerinnen (auch Senshi genannt), welche die erdnahen Planeten repräsentieren. Also um genau zu sein Merkur, Mars, Jupiter und Venus. Ihre Aufgabe ist es Prinzessin Serenity (die wahre Identität von Usagi) zu beschützen. Die Kriegerinnen der Planeten Saturn, Neptun, Uranus und Pluto hingegen sollen das ganze Sonnensystem beschützen.

Und sagen wir mal so, während der Animeserie (den Manga habe ich zwar hier zu Hause, hab ihn aber noch nicht komplett gelesen), macht sie eine Menge Verwandlungen durch.

Physische Erscheinung

Sailor Moon hat zwei Besonderheiten. Einmal ihre blonden Haare (aus japanischer Sicht natürlich gesehen) und dann ihre Frisur (die beiden Kugeln an ihrem Kopf). Niemand sonst in ihrer Umgebung trägt die Haare auf diese ungewöhnliche Art und Weise.

Weiterhin ist sie durchaus als extrem schlank zu bezeichnen (auch wenn sie selbst der Meinung ist, zu dick zu sein und daher eine Diät braucht, ein Typisches Mary Sue Phänomen).

Ihre Talente und/oder Fähigkeiten

Usagi gehört zu der Sorte „nutzloser Mary Sue“. Denn sie hat eigentlich keine wirklichen Talente. Weder ist sie in der Schule gut, noch kann sie sich wirklich als Hausfrau behaupten (sei es das Kochen oder Handarbeiten oder was auch immer), auch wenn sie es mehrere Male versucht.

Jedoch beherrscht sie zwei Dinge doch sehr gut. Und zwar einmal das Werfen des Frisbees (das liegt daran, dass ihr Diadem dann zu einer Waffe werden kann) und dann ihr ungewöhnliches Talent mit der ganzen Welt Freundschaft zu schließen.

Selbst als Sailor Moon ist sie eigentlich eher nutzlos. Denn die anderen Senshis kümmern sich darum, dass die Dämoninnen und Dämonen geschwächt werden und sie sahnt dann den Sieg ab. Sie ist es nämlich, die verschiedenste Variationen von Mondstäben hat (die meiner Meinung nach immer üppiger und immer alberner Aussehen) und allein in der Lage ist, die Gegnerinnen und Gegner zu vernichten oder gegebenenfalls zu heilen.

Aber sie kann keine Feuerbälle (Mars), Wasserstrahl (Merkur), Blitzschläge (Jupiter) oder eine Feuerherzenkette (ja, Du hast richtig gelesen, dass ist Venus) durch die Gegend schleudern. Trotzdem gilt sie als mächtigste der Sailor Kriegerinnen.

Ihr Hintergrund

Usagi ist die wiedergeborene Prinzessin Serenity. Sie war die Tochter der Königin des Mondreiches, welches von Königin Perilia vernichtet wurde. Durch die Macht der Mondkönigin wurden sie und ihre Kriegerinnen gerettet und auf die Erde gebracht, damit sie dort als normale Mädchen wiedergeboren werden können.

Und auf der Erde ist sie die Tochter ihrer menschlichen Eltern und die ältere Schwester eines nervigen Bruders. Also wenn man es so will, sie lebt unter ihrem Stand.

Ihre Aufgabe, ihr Zweck, ihr Schicksal

Ihre Aufgabe ist keine geringere, als regelmäßig die Welt zu retten. Dabei muss sie auch regelmäßig ihr Leben riskieren und opfern. Denn sie ist die Einzige, welche den Mondkristall verwenden kann. Der ist aber so mächtig, dass sie diesen nur unter Einsatz ihres Lebens verwenden darf.

Ansonsten ist sie die Anführerin der Inner Senshis (also der Sailor Kriegerinnen, die ich oben aufgeführt habe). Warum auch immer, denn als Anführerin eignet sie sich nicht unbedingt.

Ihre Persönlichkeit

Die Anime-Usagi geht mir persönlich teilweise sehr auf die Nerven. Denn sie heult permanent. Immerhin ist sie so einsichtig, dass sie selbst erkennt, dass sie eine Heulsuse (OT) ist.

Ansonsten wird sie immer wieder von anderen gelobt, dass sie eigentlich ein herzensguter Mensch ist (von den Guten) und zugleich hasst das Böse sie abgrundtief. Nicht einmal die anderen, aktiveren Senshis ziehen so viel Hass auf sich, wie sie es tut.

Ihre (romantischen) Beziehungen

Mary Sues liebt man oder hasst man. Das trifft bei Usagi ebenfalls zu. Ehrlich gesagt, ich frage mich, warum Mamoru Chiba (Tuxedo Mask, der schon ihr Geliebter im vorherigen Leben war), sich überhaupt mit ihr abgibt. Und das fragt er sich manchmal auch. Immerhin ist der Altersunterschied ziemlich groß (er ist Student, sie geht noch in die Mittelstufe) und auch sonst haben sie eigentlich wenig gemeinsam. Außer ihrer Vergangenheit.

Und auch sonst schafft sie sogar die bösesten der Bösen auf die gute Seite der Macht … äh, falscher Film … auf die gute Seite zu ziehen. Und das allein aufgrund der erwähnten Herzensgüte.

Tauriel aus Der Hobbit (Film)

Tauriel ist ein erfundener Charakter von Peter Jackson für den Dreiteiler „Der Hobbit“. Da die Buchvorlage keine weibliche Figur vorgesehen hat, erfand er sie wohl, um auch Zuschauerinnen ins Kino zu locken. Leider zeigte sich schnell, dass die arme Tauriel, obwohl sie eigentlich das Talent hatte, ein guter Charakter zu werden, einfach eine klassische Mary Sue Figur ist.

Physische Erscheinung

Tauriel selbst sieht aus, wie alle anderen Elbinnen und Elben. Ihre Besonderheit ist, dass sie rostbraunes Haar hat. Ich selbst bezeichne sie als rothaarig. Alle anderen Elbinnen und Elben um sie herum haben jedoch entweder blondes bis weißes Haar oder schwarzes Haar. Damit sticht sie eindeutig sehr stark hervor.

Ihre Talente und/oder Fähigkeiten

Sie ist eine sehr talentierte Bogenschützin, kämpft gegen übermächtige Gegner und ist als Einzige in der Lage Kili von seiner tödlichen Verwundung zu heilen. Und mir fallen gerade keine Beispiele ein, was sie eigentlich nicht kann.

Ihr Hintergrund

Sie ist die Anführerin der Grenz- und Palastwache. Hat also einen sehr hohen Posten im Reiche Thranduil (der Vater von Legolas) inne. Und ich kann mir gut vorstellen, dass dieser sie auch dazu ernannt hat (viel über ihre Biografie konnte ich nicht finden).

Und im Film kann man deutlich sehen, dass Prinz Legolas das eine oder andere Auge auf sie geworfen hat.

Ihre Aufgabe, ihr Zweck, ihr Schicksal

Eigentlich soll Tauriel die Grenzen des Düsterwaldes (das Königreich Thranduils) beschützen. Das bedeutet unter anderem auch der ewige Kampf gegen irgendwelche Riesenspinnen. Und natürlich ist sie in der Lage, diese Aufgabe hervorragend zu erledigen.

Aber ansonsten scheint sie immer dann aufzutauchen, wenn man ihre besonderen Fähigkeiten benötigt (Legolas wird von einem Ork angegriffen, sie besiegt ihn, Kili stirbt fast, sie kann ihn heilen).

Ihre Persönlichkeit

Einerseits ist Tauriel eine tapfere Kriegerin und zum anderen wirkt sie auf mich ein wenig naiv. Leider kann ich das nicht genauer erklären. Aber das zeigt, dass sie zwischen Genie und nutzlos gefangen ist.

Doch wenn sie eine Niederlage erleidet, dann leidet sie so richtig. Und zwar so sehr, dass sie am liebsten nie mehr etwas fühlen würde.

Ihre (romantischen) Beziehungen

Natürlich hat der Sohn des Königs, Prinz Legolas, ein Auge auf sie geworfen. Und sie liebt ihn ebenfalls. Das Thranduil, dass Ganze nicht gut findet, macht er ihr auch deutlich. Das ist der eine Beziehungsstrang. Doch es scheint, dass sie den hübschen Prinzen gleich vergisst, als sie den hübschen Zwerg Kili entdeckt. Da kann man ihr durchaus vorwerfen, dass sie Legolas nicht wirklich geliebt hat. Immerhin hat er sein Reich für sie riskiert (indem er es, entgegen dem Befehl seines Vaters, verlassen hat) um sie zu beschützen.

Und als Thranduil ihr wahres Leid und ihre wahren Gefühle erkennt, erweicht sie damit sein Herz.

Abschlussgedanken zu den Mary Sues

Wie Du siehst, können Mary Sues nicht nur Einzug in Filme, Serien oder Bücher haben (wie Tauriel), sie schaffen es sogar, Kultstatus zu erlangen (wie Usagi als Sailor Moon). Das bedeutet aber nicht, dass Du dem nachmachen musst. Denn diese Figuren hatten letztendlich auch Glück (Sailor Moon war der erste Manga und Anime, der in Deutschland groß rausgebracht wurde) oder waren schmückendes Beiwerk (Tauriel war nicht die Hauptfigur).

Doch wie sieht es mit Gary Stu aus?

Bond, James Bond aus Diversen Filmen und Bücher (Ian Fleming)

Vermutlich muss ich zu unserem berühmtesten Geheimagenten Ihrer Majestät nichts mehr sagen. In den letzten über fünfzig Jahren haben verschiedene britische und irische Schauspieler diesem Agenten verkörpert. Dabei geht man von genial bis hin zu man-ist-das-albern.

Physische Erscheinung

Natürlich ist James Bond ein attraktiver Mann. Und auch wenn er in die Jahre gekommen ist (gerade bei den ersten Darstellern), ist er immer noch attraktiv genug, damit die Frauen (und gerade die Bondgirls) ihm reihenweise um den Hals fallen.

Besonderheiten, wie seltsame Augen oder besondere Haarfarbe fehlt hier (außer vielleicht beim ersten blonden Bond). Aber das macht er mit seiner Sexyness definitiv wett.

Seine Talente und/oder Fähigkeiten

Bond hat die Lizenz zu töten. Muss man dazu noch mehr sagen? Er ist ein guter Kämpfer, kann mit den verschiedensten Waffentypen umgehen, auch mit den verschiedensten Fortbewegungsmitteln. Und was noch ganz wichtig ist, während die Ladys bei einer leichten Ohrfeige schon für mindestens drei Wochen ins Koma fallen, Bond kann man durch einen ganzen Zug prügeln und er ist nur ordentlich außer Atem, mehr nicht (siehe Spectre).

Und, ganz wichtig, er kriegt die Bondgirls ins Bett. Sein wichtigstes Talent (tut mir leid, aber darauf werde ich jetzt ein wenig herumreiten).

Sein Hintergrund

Das ist von Bond zu Bond verschieden. Denn früher haben die Agenten lediglich den Namen angenommen. Daniel Craig verkörpert den ersten Bond, der diesen Namen sogar in seiner Geburtsurkunde hat. Und dieser Bond ist natürlich der beste Agent aufgrund der Tatsache, dass er ein Waise ist. Soweit ich in Skyfall gesehen habe, hatte er auch keine allzu glückliche Kindheit.

Na, kommt uns das nicht bekannt vor?

Seine Aufgabe, sein Zweck, sein Schicksal

Natürlich soll er die Welt vor dem Bösen retten, egal, in welcher Form dieses gerade in Erscheinung tritt. Dabei ist es dem britischen Geheimdienst auch egal, ob Bond dabei ums Leben kommt. Hauptsache er erfüllt seinen Auftrag. Immerhin hat er einen entsprechenden Vertrag unterschrieben und wurde dafür ausgebildet.

In den früheren Filmen hat das Bond auch immer hingenommen und keine Zweifel an seinen Auftrag gehabt. Daniel Craig brachte durchaus das menschliche in Bond hervor, was ihn für mich als durchaus Interessante Alternative aufweist.

Seine Persönlichkeit

Cool, smart und ein Wodka Martini, nicht geschüttelt, sondern gerührt in der Hand. Das war Bond bisher immer. Man merkte ihn nie an, ob ihm ein Auftrag zu schwer erschien, ob er Selbstzweifel hatte oder er an die Grenze seiner Belastbarkeit gebracht wurde. Das ist wenigstens mit Daniel Craig anders.

Aber auch wenn er Zweifel oder Angst hat, so ist er doch immer in der Lage Unmenschliches zu erreichen, damit er seinen Auftrag erfüllen kann. Das glaubst Du nicht, dann schau Dir Spectre an, als er in den Händen seines Erzfeindes ist.

Seine (romantischen) Beziehungen

Zu den Bondgirls muss ich natürlich nichts sagen. Selbst wenn sie sich weigert, mit ihm ins Bett zu gehen, die starke Frau im Film ist, ihm das Leben rettet, selbst eine Agentin ist und die Welt retten kann, sie landet am Ende mit Bond im Bett. Natürlich gehört das zu den Filmen dazu, aber es ist halt zugleich auch ein absolutes Klischee. Egal wie alt Bond ist, er wird jedes Bondgirl um den Finger wickeln können. Und er ist natürlich auch eine Granate im Bett.

Und die Gegner hassen Bond so richtig. Sie haben schon die wildesten Pläne geschmiedet, um Bond nicht nur zu töten. Sie wollen ihn aus der Geschichte tilgen, ihn vernichten. Anstatt eine Waffe zu nehmen, um ihm eine Kugel durch den Kopf zu jagen, spielen sie mit ihm Katz und Maus, sodass er jederzeit die Möglichkeit hat zu entkommen.

Bruce Wayne alias Batman aus Diversen Batman Serien, Filmen, Comicbüchern

Egal ob wir hier Bruce Wayne oder auch Clark Kent nehmen, beide sind typische Gary Stus. Da aber Clark ein Alien ist und Bruce nicht, habe ich mich hier für ihn entschieden. Denn der Rächer der Nacht ist, wenn man genauer hinsieht, ein Gary Stu. Seltsam, dass es mir nicht vorher aufgefallen ist.

Physische Erscheinung

Er ist muskulös, ist sportlich und ein gut aussehender Milliardär (auch ein Bankkonto kann über die Attraktivität entscheiden). Da er nicht nur ein Milliardär ist, sondern auch eine Person des öffentlichen Lebens, hat er natürlich eine gute Auswahl an Anzügen, die ihn ins beste Licht rücken sollen.

Seine Talente und/oder Fähigkeiten

Puh, wo soll ich hier anfangen? Vielleicht kennst Du das Bild auf Facebook, wo Tony Stark (IronMan) sagt, dass er ein Milliardär, Philanthrop und Playboy sei. Und ein Bild drunter ist dann Bruce Wayne zu sehen, wo er auflistet, wie viele Sprachen er kann, welche Kampfsportarten er beherrscht und vieles mehr.

Und dann schauen wir uns seinen Gürtel an, wo er für jede Situation natürlich die richtige Waffe besitzt (ach ja, er verwendet natürlich keine Schusswaffen). Und wenn er sich für den Endkampf vorbereitet, dann weiß er auch genau, was er mitnehmen muss, um zu überleben.

Kurz geschrieben, er kann alles, schafft alles und rettet den Tag. Nun gut, die Nacht.

Sein Hintergrund

Als er noch ein Junge war, wurden seine Eltern in einer Gasse ermordet. Soweit ich mich erinnern kann, lag es daran, dass sie im Theater waren  und er herumjammerte, dass er nach Hause möchte. Sie taten ihm den Gefallen und wurden dann vom Joker (zu diesem Zeitpunkt war er noch nicht unser bekannter Joker) erschossen. Er war der Einzige, der leben durfte.

Er reiste dann um die Welt, um dann zu der Waffe zu werden, den wir heute kennen (ich glaube, dazu reichten gerade Mal zehn Jahre aus). Dann schneiderte er sich ein Kostüm (sehr naheliegend) und wurde zum Rächer der Nacht.

Seine Aufgabe, sein Zweck, sein Schicksal

Er muss nicht unbedingt die Welt retten, es reicht bei ihm Gotham City. Batman sieht sich als Einzigen, der dem Wahnsinn, der in der Stadt herrscht (ausgelöst durch den Joker, Pinguin, dem Riddler, Catwoman und all die anderen Bösewichter), zu besiegen. Und natürlich ist sein Zweck zu leiden. Immerhin sind seine Eltern tot (durch seine Schuld) und niemand kann ihm diese Bürde abnehmen.

Es ist halt sein Schicksal einsam zu sein, niemanden lieben zu können (ansonsten könnte sie oder das gemeinsame Kind sterben) und eben der Schatten der Nacht zu sein. Ach ja, wie vorhersehbar.

Seine Persönlichkeit

Er ist höfflich, nett und verschlossen. Bis auf seinem Diener/Butler/Lehrer Alfred, kennt niemand sein Geheimnis (okay, bis auf die ganzen anderen Superheldinnen und Superhelden am Ende, aber ich gehe jetzt von seiner eigenen Serie aus). Bruce ist der typische Einzelgänger, der niemand an sich heranlässt. Einerseits, weil er Angst hat, dass man ihn verletzt und zum anderen will er nicht zulassen, dass jemand anderes die Menschen, die er liebt, verletzten könnte.

Im Grunde genommen ist er der Charakter, den man aus der Ecke hervorlocken muss, damit er lernt, dass das Leben wunderschön sein kann.

Seine (romantischen) Beziehungen

Die meisten wollen mit dem Milliardär befreundet sein und seine Firma übernehmen. Gleichzeitig will jeder Bösewicht Batman regelrecht vernichten. Gerade der Joker hat es auf Batman (auch liebevoll Batsi genannt) abgesehen.

Und in den ganzen Comicheften, Serien und Filmen hat er eigentlich so richtig als Love Interest nur Selina Kyle alias Catwoman wirklich an sich herangelassen. Und je nachdem in welchem DC Universum wir uns befinden klappt es mal mit der Beziehung und klappt es mal nicht.

Abschlussgedanken zu den Gary Stus

Wie Du siehst, gibt es auch gute Beispiele für Gary  Stus. Sie tauchen überall auf, in Filmen, in Büchern und auch Comicheften. Batman und James Bond haben schon einige Jahrzehnte auf den Buckel und man kann hier erklären, dass zur Zeit ihrer Erfindung die Welt ein wenig anders war. Andere Charaktere (die ich hier nicht weiter aufgeführt habe) hingegen sind jung und dementsprechend kann das also nicht als Entschuldigung benutzt werden. Dazu zähle ich Harry Potter.

Zwischengedanken

So, jetzt weißt Du, was Mary Sues sind und Gary Stus. Du kennst die Liste, wie man sie genau identifizieren kann, und hast anhand von zwei Beispielen gesehen, dass sie in der populären Literatur bzw. Filmwelt ihren Eingang gefunden haben und finden. Doch wie kann man einen solchen Charakter verhindern bzw. retten, wenn man solch eine Figur erschaffen hat?

Erster Schritt: Kenne Deine Geschichte

Viele Romane mit Mary Sues können durchaus unnötige Längen haben. Der oben aufgeführte Roman ist gut 900 Seiten lang. Würde man die unnötigen Längen rauslassen, käme man wohl auf 500 bis 600 Seiten. Hier kann man durchaus das Gefühl gewinnen, dass die Autorin ohne Rücksicht auf Verluste einfach einen unglaublich dicken Roman schreiben wollte.

Ein guter Roman ist ein Wechselspiel zwischen den Charakteren und dem Plot. Zwar gibt es durchaus charaktergetriebene Geschichten (wie Liebesromane) und plotgetriebene Geschichten (wie Krimis). Aber dieses Wechselspiel muss gegeben sein. Ansonsten hast Du nur etwas Langes, was behauptet ein Roman zu sein.

Setz Dich also hin und schau Dir Deinen Plot noch einmal ganz genau an. Und sei jetzt mal wirklich ehrlich zu Dir. Hast Du einen Plot oder eher nur eine lange Reihe von Szenen, die Deinem Charakter eher schmeicheln oder die Geschichte in die Länge ziehen soll? Es lohnt sich auf alle Fälle, hier noch einmal ordentlich Arbeit zu investieren. Denn das ist der erste Schritt, um zu verhindern, überhaupt eine Mary Sue bzw. einen Gary Stu zu erschaffen. Denn die werden erst notwendig, wenn Du keine Geschichte hast. Und wenn Du sie doch schon haben solltest, dann überarbeite den Plot und sie werden unnötig.

Zweiter Schritt: Sorge für eine logische Verbindung der Charaktere

Eine Schwäche der Mary Sue und des Gary Stu ist ihre Beziehung. Häufig neigen sie dazu mit irgendwelchen Charakteren Beziehungen zu haben, die schlichtweg nicht logisch sind. Bei Romanen kann man das noch umgehen, indem man von vornherein plant, dass Mary Sue oder Gary Stu die Schwester oder der Onkel einer der Figuren ist. Wobei diese Gefahr in Fanfiction besonders groß ist. Dort haben sie zu den wichtigen Figuren dann Beziehungen, bei denen es absolut unlogisch ist.

Überlege Dir daher Folgendes:

  • Welche Charaktere kennen sich schon vor der Geschichte?
  • Wer lernt sich erst innerhalb der Geschichte kennen?
  • Welcher der Charaktere sind miteinander verwandt?
  • Wie sind die emotionalen Beziehungen der Charaktere untereinander?

Wenn Du die Beziehungen untereinander kennst, dann kann es Dir nicht passieren, dass eine Figur auftaucht und auf einmal eine besondere Beziehung zu Deiner Mary Sue oder Deinem Gary Stu hat.

Dritter Schritt: Alle haben ihre besondere Rolle

Jetzt halte mal Deiner Mary Sue oder Deinem Gary Stu kurz die Ohren zu. Denn folgende Wahrheit könnte denen nicht schmecken. Aber eines ist sicher, sie sind nicht das Zentrum des Universums. Und somit auch nicht das Zentrum Deines Romans.

Schreibst Du über mindestens zwei Figuren oder gar über eine Gruppe, dann solltest Du bedenken, dass sie alle ihre besondere Rolle in Deiner Geschichte haben. Deine Hauptfigur kann natürlich ein wenig besser sein, als der Rest der Gruppe. Aber sie überragen niemals alle. Das ist einfach nicht glaubwürdig.

Vierter Schritt: Jede und jeder darf mal ins Rampenlicht

Wenn Du eine Gruppe um Deine Hauptfigur herum entwickelst, dann sollten alle eine bestimmte Anzahl von Seiten und Szenen bekommen, wo sie ihre Geschichte erzählen können. Eine kleine Ausnahme wäre bei der Ich-Perspektive zu erwähnen. Da ist es natürlich nicht möglich, dass andere Charaktere die Perspektive einnehmen können. Aber sie tragen trotzdem, durch ihre Arbeit, ihren Teil zur Lösung des Plots bei.

Sorge also für ein etwas ausgewogeneres Verhältnis zwischen den Charakteren, auch wenn Deine Hauptfigur natürlich ein wenig mehr im Mittelpunkt stehen darf.

Fünfter Schritt: Ein realistischer Name tut wirklich gut

Häufig erkennt man eine Mary Sue oder einen Gary Stu an ihren ungewöhnlichen Namen (und nicht nur am Aussehen). In Büchern, welche die Realwelt darstellen, kann es sein, dass sie keltisch geprägte Namen haben. Oder Namen, die eher unaussprechlich sind (in Fantasy oder Science-Fiction Geschichten).

Schau Dir alle anderen Namen an, die Du für Deinen Roman verwendet hast und überlege, wie Deine Hauptfigur namentlich da reinpassen kann. Natürlich darf er ein wenig hervorstechen. Aber nicht so dermaßen, dass sie Deine Leserinnen und Leser regelrecht überfallen und anbrüllen, dass sie es hier mit einer Mary Sue oder einem Gary Stu zu tun haben.

Sechster Schritt: Gib Deiner Figur wirkliche Schwächen

Sehr häufig bekommt dieser Charaktertyp folgende Schwäche: Sie oder er kümmert sich zu sehr um die anderen. Oder liebt zu sehr. Alternativ, sie versucht einfach perfekt zu sein. Was für eine Schwäche.

Das Besondere hierbei ist, dass sie keine Konsequenz für Deine Figur hat, wenn sie sich zu sehr um die anderen kümmert. Denen geht es gut und die Hauptfigur leidet vielleicht ein wenig an Schlafmangel.

Wäre sie arrogant, uneinsichtig ihrer eigenen Fehler gegenüber, wenigstens nachtblind oder was auch immer in dieser Richtung alles gehen kann, sähe die Geschichte anders aus. Das würde diesem Charaktertyp eine menschlichere Note geben und zudem sie interessanter machen.

Überlege Dir daher, was für Schwächen Deiner Figuren haben können, die auch realistisch sind. Notfalls nimm Dir die großen Charaktere der Weltliteratur als Vorlage (Jane Eyre, Huckleberry Finn und ähnliche Figuren).

Siebter Schritt: Am Anfang darf es ruhig schwierig für sie oder ihn sein

Sehr häufig können Mary Sues und Gary Stus Dinge von Anfang an sehr gut oder sie lernen neue Fertigkeiten innerhalb einer Rekordzeit. Jetzt sei mal ehrlich, wie schnell hast Du etwas völlig Neues gelernt? Fahrrad fahren, Häkeln, ein Musikinstrument? Ich gehe davon aus, dass Du dafür mehr als ein paar Stunden gebraucht hast. Und einige Fertigkeiten werden wir ein ganzes Leben lang schulen. Wie realistisch ist es dann, wenn Deine Figur dafür nur ein paar Stunden, Wochen oder innerhalb von einigen Jahren mehr lernt, als andere in ihrem Leben es schaffen? (Ich erwähne an dieser Stelle Bruce Wayne.)

Am besten ist es also, dass Deine Figur nicht alles kann. Und wenn sie etwas Neues lernt, dann brauch sie ihre Zeit, macht Fehler, macht auch Fortschritte und erst nach einer gewissen Lehrzeit darf sie ihre Fertigkeiten gerne vorführen.

Achter Schritt: Dein Charakter sollte Dir nicht ähneln

Eine große Schwäche von Mary Sue und Gary Stu ist, dass sie der Autorin bzw. dem Autor ähneln. Oder sie sind so, wie Autorin / Autor gerne sein möchte. Vermutlich ist das auch der wahre Geburtsgrund für diesen Charaktertyp. Man sieht sich selbst an und entdeckt dabei all diese Schwächen. Sie sind nicht immer nett, aber vorhanden. Und anstatt uns aufzuraffen, um mal ein wenig Sport zu machen, gesünder zu leben oder sich mit anderen Menschen in Verbindung zu setzen, projizieren wir unsere Wünsche und Träume in diesen Charakter. Sie oder er soll unser Leben führen. Und wir schreiben darüber.

Akzeptiere Dich, wie Du bist und versuche die besten Seiten an Dir hervorzukitzeln (damit werden Deine schlechten Seiten nach und nach schwächer und verschwinden dann auch). Und zwischenzeitlich schreibst Du über realistische Charaktere, die nicht Dein, sondern ihr eigenes Leben führen. Denn Dein Leben kannst sowieso nur Du leben.

Neunter Schritt: Jeder Charakter darf und soll anderes reagieren

Es mag manchmal unglaublich klingen, aber jeder Mensch reagiert auf eine Situation auf unterschiedliche Art und Weise. Das gilt auch für Deine Charaktere. Zwei Charaktere reagieren auf eine Situation oder auch auf eine Person völlig anders. Natürlich können sie sich ähneln, werden aber niemals gleich sein.

Wenn also Deine Hauptfigur zu einer bestehenden Gruppe hinzukommt, werden aller Wahrscheinlichkeit nicht alle vor lauter Freude aus dem Häuschen sein. Die einen mögen sich freuen, dass sie Unterstützung bekommen. Die anderen können aber reservierter reagieren. Und die Dritten sogar ablehnend.

Auch wenn Du Deine Hauptfigur liebst, gestehe Deinen anderen Figuren ihre eigene Gefühlswelt zu und lasse zu, dass diese Deinen kleinen Liebling auch nicht leiden können. Ja sie dürfen Deine Figur sogar hassen. Wenn Du willst, dass am Ende alle anderen Deine Hauptfigur mögen, dann lasse sie dafür arbeiten. Denn Respekt und Liebe können auch verdient werden. Dafür ist auch Deine Geschichte da.

Zehnter Schritt: Lasse zu, dass alle etwas zur Lösung beitragen

Wir sind uns sicherlich zwischenzeitlich einig, dass Deine Hauptfigur nicht alle Fähigkeiten und Fertigkeiten besitzt, welche Du brauchst, um Deinen Roman zum Ende zu bringen. Das bedeutet auch, dass sie nicht jedes einzelne Rätsel Deines Romans lösen kann, darf oder gar muss.

Das bedeutet natürlich, dass jemand anderes die Fähigkeiten und Fertigkeiten besitzen muss, welcher Deiner Hauptfigur fehlt. Und das bedeutet wieder herum, dass Deine Hauptfigur ab und an mal zur Seite treten darf, damit andere im Rampenlicht stehen, um zum Ziel der Geschichte zu kommen.

Sorge dafür, dass alle ihre eigene Rätsel lösen dürfen und für einige Seiten die Heldin oder der Held der Geschichte sein darf. Das letzte Rätsel oder auch die letzte große Schlacht ist dann für Deine Heldin oder Deinem Helden vorbehalten. Aber um das zu erreichen, ist Teamwork gefragt.

Elfter Schritt: Vorsicht mit der Romantik

Einer der Schwächen von Mary Sue und Gary Stu ist, dass alle anderen Charaktere sie ablehnen, oder noch schlimmer, sich in sie verlieben. Es ist realistisch, dass sich ein Charakter in sie verliebt, vielleicht auch ein Zweiter oder Dritter. Darüber können wir gerne diskutieren. Aber bei Mary Sue und Gary Stu verlieben sich alle wichtigen Charaktere in sie. Und das ist wieder herum nicht realistisch.

Wenn Du willst, dass Deine Hauptfigur eine Partnerin oder Partner bekommt, dann belasse es auch bei einer (außer Deine Geschichte verlangt etwas anderes, also zwei oder drei Partnerinnen bzw. Partner). Eventuell darf auch noch jemand dabei sein, der oder die sich in Deine Hauptfigur verliebt. Alles andere ist dann nur noch mit einem Liebeszauber zu erklären.

Und hier noch etwas Wagemutiges als Inspiration. Wie wäre es, wenn Deine Hauptfigur eventuell Single bleibt?

Zwölfter Schritt: Lass Dir Zeit

Einer der größten Schwächen bei der Erschaffung eines Charakters ist, wenn wir diesen nicht erschaffen, sondern eher zusammenschustern. Wir nehmen uns keine Zeit, ihr oder ihm Höhen und Tiefen zu geben. Daher bleiben wir an der Oberfläche und dabei kann es passieren, dass am Ende eben einer Mary Sue oder ein Gary Stu herauskommt.

Nimm Dir also Zeit, wenn Du Deine Charaktere erarbeitest, sie kennenlernst und über ihre Stärken, Schwächen, Ziele, Wünsche und alles andere schreibst. Das ist der beste Ratschlag, den Du befolgen solltest, wenn Du verhindern willst, dass Dein Charakter den Stempel einer Mary Sue oder eines Gary Stus bekommt.

Abschlussgedanken

Eigentlich gehört nicht viel, um einen guten Charakter zu erschaffen. Aber es braucht eben sehr viel Zeit. Du hast mit diesem Beitrag hoffentlich alle Werkzeuge erhalten, um Mary Sue und Gary Stu Charaktere zu vermeiden. Zum Training kannst Du Dir einige Bücher durchlesen, die gerade solche Charaktere in den Mittelpunkt gesetzt haben. Dann wirst Du verstehen, warum diese Figuren nervig sind.

Recherche ist gut, Übung ist gut und ein wenig Zeit investieren ist gut. Und dann wirst Du sicherlich interessante und vielseitige Charaktere erschaffen. Davon bin ich überzeugt.

Such mal nach Geschichten von denen

Um ein Roman zu schreiben, gehört es dazu, auch mal Recherchen zu betreiben. Daher geht es in der heutigen Übung mal darum.

Such in den Weiten des Internets nach Geschichten von unserem Geschwisterpaar. Dabei ist es völlig egal, ob es Fanfiktion sind oder veröffentlichte Romane. Wichtig ist, dass die Hauptfigur das Prädikat, wir haben es hier mit einer Mary Sue oder einem Gary Stu zu tun, bekommen hat.

Wenn Du einen Roman zu Hause hast, dann nimm ihn Dir ruhig vor und lese die Stellen, wo die Heldin oder der Held stark präsent ist. Und notiere Dir auch, was Dir so auffällt, nachdem Du den Beitrag gelesen hast. Siehst Du die Figur nun ein wenig anders?

Und wenn Du möchtest, kannst Du den Charakter anhand der oben aufgeführten Liste auseinandernehmen und sehen, wie viele Punkte sie erfüllen. Und vor allem auch, wie.

Kreiere mal Deinen eigenen Charakter im Sinne der Geschwister

Wenn Du gut in der Charakterarbeit bist, dürfte diese Übung für Dich die Hölle sein. Aber um zu sehen, wie es ist solche Charaktere zu erschaffen, und wie es sich anfühlt, kannst Du gerne mal eine Mary Sue oder Gary Stu erschaffen.

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Veröffentlicht unter Charakter | 4 Kommentare

Der Pfad der Veröffentlichung – Publikationsmöglichkeiten

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wer veröffentlichen möchte, hat diverse Möglichkeiten dazu. Der Klassiker ist immer noch die Publikation über einem Verlag. Seit einigen Jahren ist das Selfpublishing eine feste Größe in der Welt der Veröffentlichung von Romanen geworden. Und das schwarze Schaf der Familie sind die sogenannten Druckkostenzuschussverlage.

Was das alles ist? Das erfährst Du heute.

Kurze Vorgedanken

Vielleicht hast Du schon einen fertigen Roman in der Schublade und daher heiß darauf, Deine erste Geschichte auch an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Oder Du arbeitest gerade noch an Deinen nächsten Bestseller (seien wir doch ehrlich, in unserem Herzen arbeiten wir alle an DEN Roman schlechthin, was auch völlig in Ordnung ist).

Gerade wenn Du noch zur zweiten Gruppe gehörst, wirst Du Dich vielleicht fragen, warum bitte schön, sollte ich mich mit der Veröffentlichung beschäftigen? Dafür habe ich ja noch ewig Zeit. Das mag sogar so sein, aber ich gehöre zu der Sorte, was ich jetzt recherchieren kann, darum muss ich mich nicht später bemühen.

Aus diesem Grund schreibe ich diesen Beitrag, damit Du die ersten Schritte für Deine eigenen Recherchen hast. Wie auch immer Deine Entscheidung am Ende aussehen mag, sie gehört ganz allein Dir. Ich möchte Dir dabei nur als beratende Stimme zur Seite stehen.

Der Verlag

Der Klassiker, und für viele immer noch DAS Ziel der Veröffentlichungswege, ist und bleibt der Verlag.

Der Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen, der in Deutschland immer noch einen verdammt guten Ruf hat. Wer bei einem Verlag veröffentlicht, hat es geschafft. Wie auch immer dieses es definiert wird, man hat es und dadurch wird man in vielen Bereichen als seriös angesehen und durchaus als echte Autorinnen und Autoren.

Nur müssen wir uns eingestehen, auch ein Verlag kann Fehler machen und vor allem, sie machen Fehler. So lehnen sie gute Manuskripte ab, die in anderen Verlagen dann einen wahnsinnigen Erfolg haben (ja, dem ist so), veröffentlichen aber dafür Manuskripte, wo ich mich als Leserin frage, was hat die denn geritten, das Werk überhaupt zu Ende zu lesen. Und auch vor Plagiaten sind Verlage definitiv nicht sicher.

Doch egal was hinter den Kulissen gespielt wird, wer sein Baby (also das Manuskript) bei einem Verlag veröffentlicht, wird häufig bei LeserInnen und bei Zeitungen ernst genommen. Aber nicht nur das reizt viele AutorInnen, sich mit ihrem Roman bei einem Verlag zu bewerben.

Denn idealerweise kümmert sich ein Verlag vom ersten Kontakt bis hin zur Werbung um Dich als Autorin und um Dein Baby. Sie besorgen Dir das Lektorat und das Korrektorat, für ein hübsches Cover und natürlich die Werbung.

Grober Ablauf bei einem Verlag:

Wenn Du bei einem Verlag unterkommen möchtest, dann hat es (grob gesehen) einen vorbestimmten Ablauf. Dieser sieht meistens wie folgt aus:

  • Du recherchierst, bei welchem Verlag Dein Manuskript überhaupt unterkommen kann. Dazu gehört, unter anderem, dass Du weißt, in welchem Genre Dein Roman einzuordnen ist, dass Du ein klares Konzept hast und das Du durchaus auch weißt, warum Du bei einem bestimmten Verlag veröffentlichen willst.
  • Dann bewirbst Du Dich mit einem Exposé und einem Teil Deines Manuskripts.
    Wichtiger Hinweis an dieser Stelle: Lies Dir bitte genau die Bedingungen durch, die ein Verlag an die Zusendung des Manuskripts stellt. Wenn sie nur zwanzig Seiten haben wollen, Du aber den kompletten Roman schickst, kann das durchaus dazu führen, dass der Verlag sagt, danke aber nein danke. Wohlgemerkt kann, nicht muss.
  • Der Verlag prüft dann Dein Manuskript. Wie das genau läuft, ist durchaus von Verlag zu Verlag unterschiedlich und ich denke mal auch von Lektorin zu Lektorin.
    Wie lange das dauert, wann Du eine Antwort bekommst und wie diese aussieht, dazu kann Dir letztendlich niemand was Genaues sagen. Häufig findest Du auf der entsprechenden Internetseite etwas. Aber es kann auch sein, dass man sich längerfristig über Dein Manuskript unterhält, weil man sich noch nicht sicher ist oder andere Punkte hat, die man klären will. Da musst Du also ein wenig Geduld mitbringen.
  • Was dann passiert, ist unterschiedlich. Es kommt natürlich darauf an, ob der Verlag Dein Manuskript will oder nicht. Entweder man verlangt das komplette Manuskript von Dir oder man schickt Dir eine neutrale Absage.
    Erwarte übrigens niemals, dass Du eine detaillierte Erklärung bekommst, warum Dein Manuskript nicht genommen wurde. Wenn Du sie bekommst, sei dankbar. Denn viele Verlage sagen sich, dass es einfach zu kräftezehrend ist. Denn viele Autorinnen und Autoren verstehen die Begründung als eine Art Kampfansage. Das bedeutet, dass danach erst die Diskussionen losgehen, warum ihr Manuskript nicht genommen wurde. Und es kann sogar so weit gehen, dass sie gegenüber dem Verlag pampig werden (was noch harmlos ist) oder sogar tote Ratten schicken (ja, das habe ich von einem kleinen Verlag sogar gelesen). Akzeptiere daher die neutrale Absage. Mehr wirst Du wohl nie bekommen.
  • Du hast es geschafft einen Verlag von Dir und Deinem Baby zu überzeugen? Herzlichen Glückwunsch. Wobei jetzt erst die Arbeit losgeht. Denn nun heißt es, dass Du ein Lektorat bekommst, ein Korrektorat, dann gibt es Diskussionen zum Cover und vieles mehr.
    Hat es nicht geklappt, tief durchatmen und weitermachen. So ist es halt im Leben.

Wächterfunktion

Man hört durchaus öfters, dass dem Verlag eine gewisse Wächterfunktion zukommt. Das bedeutet, dass ein Verlag die literarische Welt vor schlechten Geschichten bewahrt und gute, ja sogar ewige Bücher veröffentlicht.

Doch dem ist definitiv nicht immer so. Natürlich veröffentlichen Verlage immer wieder wunderbare Perlen, wo man sich nur denkt, wow, das war aber mutig. Oder auch, danke dafür, dass der Verlag dieses wunderbare Buch veröffentlicht hat. Doch häufig frage ich mich, warum mussten für diesen Roman Bäume sterben?

Mit anderen Worten also, auch ein Verlag greift ordentlich daneben (auch wenn das eine sehr subjektive Meinung von mir ist), was das Veröffentlichen von Geschichten betrifft. Aber ich gehe durchaus davon aus, dass sie ihre Gründe haben, warum sie das machen. Anders möchte ich mir das nicht erklären. Dabei stellt sich aber mir durchaus die Frage, wenn sie Romane veröffentlichen, die sich nicht verkaufen, weil sie eben nicht gut sind, inwiefern erfüllen sie dann ihre Wächterfunktion? Darüber kann man durchaus diskutieren.

Doch wenn Du die Hürde überwunden hast, dann hast Du es geschafft und der Verlag veröffentlicht Deine Geschichte. Und das Beste ist, dass sich dieser um alles drum herum kümmert. Vom ersten Schritt bis hin auch zum Verkauf der Lizenzen ins Ausland, wenn es dazu kommen kann (nicht alle Romane haben wohl das Zeug zu internationalen Bestsellern, das sollte Dir natürlich auch bewusst sein).

Knallharte Wirtschaft – Die Kosten

Man sollte sich aber immer bewusst sein, ein Verlag ist kein Wohlfahrtsverein. Das bedeutet, dass dieser Dir nichts schenkt, bzw. nichts schenken kann. Würden sie es machen, würden sie ziemlich schnell pleitegehen.

Das Wichtigste vorneweg: Ein Verlag verlangt niemals von Dir, dass Du irgendwelche Kosten vorstreckst. Weder für die Prüfung Deines Romans noch für das Lektorat oder Korrektorat oder auch für das Cover und natürlich auch nicht für die Veröffentlichung. Ganz im Gegenteil, größere Verlage können es sich sogar leisten, Dir einen Vorschuss zu zahlen. Es mag sein, dass Du Dich als Neuautorin mit wenigen Hundert oder tausend Euro zufriedengeben musst. Aber immerhin kann es passieren, dass Du Geld für Deine Veröffentlichung bekommst. Kleine Verlage können sich das häufig nicht leisten. Erwarte es also dort nicht. Wenn Du doch was bekommst, sei gerne dankbar dafür.

Damit will ich ganz klar sagen: Das finanzielle Risiko trägt der Verlag. Er bezahlt wirklich alles aus eigener Tasche. Und wenn Dein Buch ein flopp wird, dann bezahlt er sogar die Zeche (wenn ich das Mal so ausdrücken darf). Letztendlich müssen sich die Verkaufszahlen rentieren, wenn Du weiterhin beim Verlag veröffentlichen möchtest.

Doch wie ich schon oben schrieb, ein Verlag ist kein Wohlfahrtsverein. Er wird schon zusehen, dass er seine Ausgaben rein bekommt und mit Dir auch Gewinne macht. Und das geschieht über den Buchpreis. Hier ein kleines Beispiel, was ich damit meine (dafür nehme ich gerade Zahlen und ignoriere irgendwelche genauen Berechnungen und Steuern und ähnliche Dinge, ich bitte diese Vereinfachung zu entschuldigen):

Nehmen wir an, Dein Buch kostet 9,90 € (der Standardpreis für viele Bücher). Nach Abzug aller Steuern und was da noch alles kommt, stehen dem Verlag 8,00 € zur Verfügung (wie erwähnt, ich vereinfache das hier jetzt extremst, damit Du Dir ein Bild machen kannst).

Von diesen 8,00 € bekommst Du, sagen wir einfach mal, einen ganzen Euro. Die Restlichen 7,00 € nutzt der Verlag, um die ganzen Kosten, welche die Veröffentlichung Deines Romans gekostet hat, zu decken. Und natürlich möchte Dein Verlag an Deiner Geschichte auch etwas verdienen. Einerseits für den Gewinn am Ende des Jahres und auch, um andere SchriftstellerInnen die Veröffentlichung zu ermöglichen. Denn auch bei diesen tragen sie das finanzielle Risiko. Und Du hilfst dem Verlag dabei, dieses entsprechend auch zu schultern.

Aber davon merkst Du letztendlich gar nichts, weil Du dieses Geld ja nie siehst. Du siehst diesen einen Euro und gut ist. Wobei man natürlich sagen muss, wenn Du ein Euro kriegst, kann das durchaus viel sein. Denn bei vielen Verlagen kann es durchaus sein, dass Du zehn Prozent vom Bruttopreis des Buches bekommst. Das wären dann 99 Cent. Und davon musst Du dann noch eventuell Steuern bezahlen. Damit hättest Du weniger als diesen einen Euro. Schau Dir also ruhig den Vertrag genau an.

Leider gibt es nicht umsonst den Spruch: Bei einem Verlag können alle von dem Roman leben, nur nicht die Person, die ihn geschrieben hat. Für sehr viele eine traurige Wahrheit.

Wächterfunktion Agentur

Willst Du bei einem großen Verlag veröffentlichen (ich meine wirklich die Verlage, deren Namen Dir aller Wahrscheinlichkeit sofort einfallen), dann kommst Du an sie direkt selbst immer schlechter heran. Denn die Verlage werden mit Manuskripten förmlich überschwemmt, sodass sie nur noch Manuskripte nehmen, welche von Agenturen vorgestellt werden.

Wenn man es so will, musst Du Dich also zwei Mal bewerben. Einmal bei der Agentur. Und dann bewirbt sich die Agentur für Dich beim Verlag. Wobei ich wohl nicht schreiben muss, dass die Agentur auch etwas von Deinem Kuchen abhaben will. Gehen wir davon aus, dass Du den einen Euro bekommst, den ich oben erwähnte. Dann wollen die meisten Agenturen davon zwischen 15 bis 20 Prozent haben (das sind die gängigsten Preise, die ich kenne).

Das bedeutet, dass eine gute Agentur Dir hilft, dass Du bei den großen Verlagen Fuß fassen kannst. Gleichzeitig heißt das auch, dass sich Dein Gewinn noch einmal schmälert.

Abschlussgedanken zum Verlag

Wenn Du über einen Verlag veröffentlichst, musst Du Dir weniger Gedanken zu vielen Themen machen. Du bekommst eine Lektorin gestellt, das Cover und die Werbung werden häufig auch eingeleitet. Doch gerade am Anfang musst Du eine Menge mithelfen, damit sich der Erfolg für Dich wirklich einstellt. Denn das Budget für Deine Werbung kann gerade am Anfang Deiner Karriere eher klein ausfallen. Da bist Du gefragt.

Doch egal wie es hinter den Kulissen aussieht, nach außen hin erziehlst Du die größte Wirkung, wenn Du sagst, ich habe bei dem und dem Verlag veröffentlicht. Oder wie auch immer Du Dich am Ende selbst vorstellst.

Vor- und Nachteile

Nachteile in einem Verlag zu veröffentlichen:

  • Du hast kein Mitspracherecht beim Cover.
    Denn Dein Verlag möchte die optimale Wirkung erzielen und beauftragt entsprechend SpezialistInnen mit dieser Arbeit.
  • Du bekommst nicht den ganzen Gewinn ausgezahlt, sondern nur einen Teil.
    Der Rest geht an den Verlag.
  • Im Rahmen des Veröffentlichungsprozesses hast Du ebenfalls kein Mitspracherecht.
    Das betrifft Lektorat und Korrektorat, aber auch wann Dein Roman veröffentlicht wird.
  • Der Verlag hat immer noch eine gewisse Wächterfunktion – Dein Manuskript kann daher abgelehnt werden (was zwischenzeitlich bei der Menge sogar wahrscheinlicher ist).
  • Und Punkte, die mir spontan nicht einfallen wollen.

Vorteile in einem Verlag zu veröffentlichen:

  • Du kannst Dich auf den Schreibprozess konzentrieren, um den Rest kümmert sich Dein Verlag.
  • Du erhälst die Gelder, die Dir wirklich zustehen (laut Deinem Vertrag).
  • Es ist nicht notwendig in Vorkasse zu gehen, um Dein Manuskript zu veröffentlichen.
  • Dein Buch kommt in den Buchhandel.
  • Für viele bist Du nur dann eine Schriftstellerin, wenn Du in einem Verlag veröffentlicht hast – das hast Du damit erreicht.
  • Und Punkte, die mir auch hier spontan nicht einfallen.

Selfpublishing

Selfpublishing ist erst in den letzten Jahren zu einem Wort der Öffentlichkeit geworden. Dabei ist das Selbstverlegen keine neue Erfindung. Der Anbieter BoD ist schon seit einigen Jahren auf dem Markt. Und auch viele andere Anbieter gibt es. Doch erst mit amazon Creatspace ist das Selbstverlegen auf einer neuen Stufe angekommen. Und das bedeutet für Dich ganz klar, dass Du nun eine zweite Möglichkeit bekommen hast, Deine Geschichte zu Deinen Leserinnen und Leser zu bringen. Und das durchaus mit positiven Erfolgen.

Was bedeutet jetzt genau Selfpublishing?

Selfpublishing bedeutet ganz klar, Du kümmerst Dich um alles. Vom Schreiben des ersten Satzes, bis hin zur Überarbeitung, die Suche nach dem geeigneten Lektorat und Korrektorat, Cover, Titel und die Veröffentlichungswege. Und ja, das alles bezahlst Du auch aus eigener Tasche.

Das bedeutet also, dass Du Dich nicht nur auf das Schreiben konzentrieren kannst, sondern auch auf das alles, was danach kommt. Und Du musst um einiges mehr delegieren oder auch organisieren. Immerhin will der Fiskus Steuern von Dir haben. Also musst Du Dich um die Buchhaltung kümmern. Oder auch Marketing, wie machst Du am besten Werbung. Und vieles mehr. Das alles, was vielleicht ein Verlag übernehmen würde (ich kenne nicht alle Leistungen eines Verlages, was sicherlich auch Verhandlungssache ist), musst Du Dich selbst darum kümmern.

Mit diesem Kostenrechner kannst Du mal sehen, wie viel Dich so ein professionelles Buch kosten kann (nicht muss!). Du kannst ja mal aus Spaß die Kosten berechnen und dabei verschiedene Variablen eingeben. Natürlich kannst Du bei einigen Punkten sparen und bei anderen mehr Geld ausgeben. Aber dieser Rechner sorgt erst einmal, dass die große Überraschung, wenn Du Dich auf dieses Abenteuer einlässt, ausbleibt. Denn Du kannst sehen, dass durchaus dreistellige Summen im höheren Bereich zusammenkommen können.

Warum sollte ich denn diesen Weg gehen?

Jetzt wirst Du Dich vielleicht fragen, warum Du bitte schön diesen Weg gehen sollst. Denn es bedeutet nicht nur sehr viel Arbeit und damit auch sehr viel Selbstdisziplin. Sondern auch, dass Du ab sofort anfängst zu sparen, damit Du die Kosten stemmen kannst. Und der Erfolg ist ja auch nicht gewiss. Vor allem, Du kannst das finanzielle Risiko auf niemanden anderen abwälzen. Denn, wenn man es so will, Du selbst trägst die finanziellen Risiken zu einhundert Prozent.

Wenn ich die Gründe von Autorinnen und Autoren lese, die im Selfpublishing veröffentlichen, dann kommen häufig zwei Argumente immer und immer wieder:

  1. Die (kreative) Freiheit.
    Bei einem Verlag kann es passieren, dass Dein Roman deswegen nicht genommen wird, weil es der aktuellen Mode nicht entspricht. Vor einigen Jahren waren Vampirromane der letzte Schrei. Wer was auf sich hielt, hat die Untoten ins Rennen geschickt. Wolltest Du aber, zum Beispiel, über Werwölfe schreiben, konnte es durchaus passieren, dass Du nicht genommen wurdest.
    Doch dann passierte es, dass die Vampire nicht mehr gewollt wurden und die anderen Wesen waren auf einmal sehr begehrt. Dumm nur, wenn Du dann doch über Vampire schreiben wolltest.
    Wenn Du aber selbst Deine Romane veröffentlichst hast Du keine Einschränkungen. Du kannst heute einen Vampirroman schreiben, morgen einen Krimi und nächste Woche einen Fantasyroman (um es mal bildlich zu beschreiben). Du hast die vollständige kreative Freiheit über Deine Arbeit.
    Und weitere Freiheiten sind auch, dass Du entscheiden kannst, mit wem Du zusammenarbeiten möchtest. Dir gefällt eine Lektorin nicht? Dann kündige die Arbeit mit ihr und such Dir jemand anderen. Du schwärmst von einem bestimmten Cover? Dann kauf ihn Dir, lass ihn anpassen und gut ist. Und Du kannst sogar entscheiden, wo Du veröffentlichen möchtest. Bei amazon, bei BoD oder bei anderen Anbietern.
  2. Mehr vom Verkaufspreis
    Je nach Distributor bekommst Du teilweise bis zu 70 Prozent des Preises, den Du selbst bestimmen kannst. Und wenn Du noch gute Werbung machst, Dich um Dein Marketing kümmerst und eine gewisse Anzahl von Verkäufen vermelden kannst, ist es durchaus möglich, dass Du die Kosten rausbekommst und sogar noch Gewinn machst.
    Wichtig ist natürlich, dass Du Dich um Dein Baby kümmerst und immer wieder nach außen trittst. Aber wenn, dann kann es passieren, dass Du von dieser Arbeit sogar leben kannst. Das ist leider nicht immer möglich, wenn Du Dich für den Verlagsweg entscheidest.

Durch diese Freiheiten kann es natürlich sogar passieren, dass Du einen Trend setzt. Das betrifft die Art der Geschichten die Du schreibst oder die Art der Werbung, die Du machst. Es kommt in erster Linie darauf an, wie viel Mut Du an den Tag legst.

Natürlich trägst Du auch alle Konsequenzen für die Entscheidungen, die Du triffst. Es gibt niemanden (außer Deine Familie und Deine Freunde), die oder der Dir Deinen Rücken stärkt. Setzt Du Deine Geschichte in den Sand, musst Du damit leben. Hast Du Erfolg, musst Du auch damit leben (was aber sicherlich leichter ist). Aber egal wie Dein Weg aussehen mag, Du gehst ihn hier komplett alleine (mit der Unterstützung Deiner PartnerInnen, die letztendlich von Dir pünktlich und in vollem Umfang bezahlt werden wollen).

Immer mehr wanderen von den Verlagen ab

Da ich mich mit dem Thema Selfpublishing schon seit einigen Jahren beschäftige, bekomme ich viele Meinungen von Autorinnen und Autoren mit, welche diesen Weg gegangen sind oder gehen. Und dabei kommen ungewöhnliche Geschichten zusammen, wo ich selbst nur staunen kann.

So las ich vor etwa ein oder zwei Jahren, dass eine Autorin ihren Roman in einem Kleinverlag veröffentlich hatte. Während dieser Zeit hat sie etwa zweitausend Euro verdient (ich glaube, der Verlag hatte für zwei Jahre die Rechte inne). Als sie die Veröffentlichungsrechte zurückbekommen hat, entschied sie sich die Geschichte neu zu veröffentlichen, eben im Selfublishing. Diese zweitausend Euro hat sie in den ersten zwei bis drei Monate verdreifacht. Ein gewaltiger Unterschied.

Das ist wohl auch einer der Gründe, warum immer mehr Autorinnen sich sagen, schön das ich bei einem Verlag bin, aber ich habe dadurch mehr Nachteile als Vorteile, ich bin dann mal weg. So erzählte eine Autorin von einer Kollegin, die erst im Selfpublishing veröffentlicht hat, dann einen Verlag fand und nach den Erfahrungen mit diesem reumütig zum Selfpublishing zurückkehrte. Für sie hat sich dieser Ausflug aus diversen Gründen nicht gelohnt.

Stopp – Bitte keine Seifenblasen aufbauen

Auch wenn sich hier alles so toll liest, sei bitte realistisch, wenn Du diesen Weg gehen möchtest. Denn es ist halt harte Arbeit und Du musst das wirklich alles alleine tragen. Und nur weil es tolle Geschichten von Autorinnen und Autoren gibt, welche finanzielle Freiheiten erlangt haben, bedeutet das nicht, dass es wirklich für alle gilt. Das sei Dir bitte immer bewusst. Ich gönne Dir jeden Erfolg, den Du bekommst. Aber der ist nicht selbstverständlich.

Der negative Ruf

Leider hat Selfpublishing einen noch immer negativen Ruf. Ich bin mir sicher, dass Du auch schon mal davon gehört hast, Dein Manuskript war nicht gut genug für einen Verlag, also hast Du ihn selbst veröffentlicht. Das wird schon seine Gründe haben. Und noch heute denken viele Leute so. Dabei entscheiden sich viele AutorInnen gleich von Anfang an dafür, es überhaupt nicht bei einem Verlag zu versuchen. Sie gehen gleich den Weg des Selfpublishing und veröffentlichen hier. Das wird aber sehr gerne von den KritikerInnen übersehen, leider.

Weiterhin glauben viele, dass die AutorInnen, die diesen Weg gehen, sowieso nur mangelhafte Ware abliefern. Aus diesem Grund sind sie seltener bereit einen höheren Preis für das Buch zu bezahlen, im Gegensatz zu einem Verlagsbuch. Dass die AutorInnen sich teilweise sogar noch intensiver um ihr Manuskript kümmern (das betrifft leider nicht alle AutorInnen, aber doch sehr viele), übersehen sie gerne. Dem ist aber durchaus so. Und natürlich wollen sie auch dafür entsprechend entlohnt werden. Aber noch ist das Thema Selfpublishing nicht so in der Gesellschaft angekommen, wie man es sich wünschen kann. Aber ich denke, das ist eine Frage der Zeit und wie sich die entsprechenden Autorinnen und Autoren geben.

Bedauerlicherweise machen es einige AutorInnen entsprechende Ambitionen zunichte, wenn sie Plagiate veröffentlichen. Natürlich hat die Entscheidung einer Autorin oder eines Autors nichts mit allen anderen zu tun. Das Problem ist aber, dass viele das nicht so sehen. Wenn eine Autorin, die zudem noch eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, zugibt, Werke abgeschrieben zu haben (also eben ein Plagiat veröffentlichten), dann heißt es bei vielen, natürlich Selfpublishing, die veröffentlichen ja alle Müll oder gestohlene Sachen oder was auch immer.

Gerade weil sich viele nicht vorstellen können, wie es die AutorInnen schaffen, innerhalb kürzester Zeit eine hohe Anzahl von Büchern zu veröffentlichen. Dabei vergessen die Leute, einige dieser AutorInnen haben vor der ersten Veröffentlichung einige Bücher vorgeschrieben, auf diese sie dann zurückgreifen können. Weiterhin haben sie nicht die lange Veröffentlichungszeit eines Verlages (da kann es bis zu einem Jahr dauern, bis ein Manuskript veröffentlicht wird, was an der Planung liegt). Diese Zeiten muss eine Selfpublisherin nicht einhalten. Sie kann veröffentlichen so oft und soviel sie will.

Abschlussgedanken Selfpublishing

Auch wenn dieser Weg durchaus eine große Herausforderung ist, so kann sie sich für viele durchaus lohnen. In erster Linie aufgrund der vielen Freiheiten, die sie als AutorInnen dabei bekommen, aber auch aufgrund der höheren Entlohnung, die sie pro verkauftem Buch erhalten.

Es lohnt sich also durchaus sich mit diesem Weg zu beschäftigen, wenn Du Dir überlegst, wie Du Deine Geschichte veröffentlichen möchtest. Gerade dann, wenn Du eine ungewöhnliche Geschichte schreibst, wäre es möglich, dass Du mit diesem Weg um einiges mehr erreichst, als wenn Du den traditionellen Weg beschreitest (also die Verlagsveröffentlichung).

Vor- und Nachteile

Nachteile des Selfpublishing:

  • Du musst Dich um alles selbst kümmern.
  • Du bist nicht nur SchriftstellerIn, sondern auch eine kleine Unternehmern (nicht unbedingt in diesem Sinne, aber im Bereich, dass Du die Buchhaltung machen musst, Marketing und so weiter).
  • Die Kosten musst Du im Voraus bezahlen.
  • Sollte Dein Roman ein Flop werden, trägst Du allein die Kosten und daher das komplette Risiko.
  • Und einige weitere Punkte.

Vorteile des Selfpublishing:

  • Du hast die komplette künstlerische Freiheit in allen Belangen.
  • Du kannst entscheiden, wann Du was schreibst, veröffentlichst und wie Du es bewirbst und ob überhaupt.
  • Wenn Du Experimente wagen willst, ist es leichter diesen zu wagen und umzusetzen.
  • Du brauchst nicht nach dem Markt zu schreiben (was also die Verlage vorgeben), sondern kannst nach der eigenen Nase schreiben (nach dem eigenen Geschmack).
  • Wenn Dein Roman ein Erfolg wird, trägst Du den kompletten Gewinn alleine.
  • Und noch so einige Punkte.

DKZV

Ein Hinweis vorneweg: Finger weg vom DKZV!!!
Oder ausgeschrieben: Druckkostenzuschussverlag!!!

Was ist ein DKZV?

Der Druckkostenzuschussverlag oder auch Selbstkostenverlag ist eine Variante des veröffentlichen, der keinen guten Ruf genießt. Doch was ist das genau?

Das Wichtigste vorneweg: Auch wenn ein Druckkostenzuschussverlag sich auf die Fahnen schreibt, sie seien ein Verlag, sind sie es nicht. Das liegt schlichtweg daran, dass die Bezeichnung Verlag nicht geschützt ist (es also keine Definition gibt, was ein Verlag ist bzw. nicht ist). Daher kann sich jedes Unternehmen, dass ein Buch veröffentlicht, als Verlag bezeichnen. Im Folgenden werde ich zwar vom DKZV schreiben (also dem Kürzel), aber ich möchte betonen, dass wir es hier nicht mit einem Verlag zu tun haben.

Ein DKZV sollte man eher als einen Dienstleister betrachten, der so tut, als sei er ein Verlag. Wie ich oben beschrieben habe, übernimmt ein Verlag sämtliche Kosten, die anfallen. Vom Lektorat bis hin zum Cover und auch die Werbung. Und damit trägt dieser das finanzielle Risiko, wenn sie eine Fehlentscheidung getroffen haben. Also wenn sie eine Geschichte veröffentlicht haben, die einfach nicht gut genug ist, um ein Bestseller zu werden.

Wenn Du Dich entscheidest, bei einem DKZV zu veröffentlichen, dann kann es noch sein, dass die Prüfung Deines Manuskripts kostenfrei ist (wie bei einem Verlag). Doch dann wird Dir ein Angebot gemacht, wo mir durchaus das hören und sehen vergangen ist, als ich von einigen Beispielen gelesen habe.

Denn Du als Autorin bzw. als Autor trägst alle Kosten selbst, die dann im Rahmen der Veröffentlichung entstehen. Lass ruhig mal diesen Satz auf Dich wirken: Du trägst wirklich sämtliche Kosten alleine.

Jetzt wirst Du Dir sagen, Moment, wenn ich mich für den Weg des Selfpublishing entscheide, bezahle ich doch auch alles. Wo ist also das Problem?

Wenn man so argumentiert, gebe ich Dir erst einmal recht. Erst einmal! Aber wenn wir uns die Sache genauer ansehen, wirst Du verstehen, warum viele Personen, Seiten und Vereine vor diesen Pseudoverlagen warnen.

Kommen wir zu den Kosten und damit zum Problem der Angelegenheit

Ein Verlag verlangt keine Kosten, sondern bezahlt Dich (im Idealfall) sogar, wenn Du Dein Manuskript in deren Hände gibst. Damit überträgst Du nicht nur das Recht zur Veröffentlichung dem Verlag, sondern eben auch das finanzielle Risiko. Beim DKZV hingegen überträgst Du auch das Recht zur Veröffentlichung, das finanzielle Risiko behältst Du aber. Und da ist der Hund begraben.

Denn ein DKZV ist eben kein Verlag. Denn Verlag kommt vom verlegen bzw. vom Vorlegen. Eben die Kosten, einen Vorschuss und die weiteren Punkte (entschuldige, wenn ich mich hier gerade ein wenig wiederhole). Diese Erklärung wirst Du im Internet immer wieder lesen. Und das stimmt auch.

Ein DKZV bittet zur Vorkasse. Und zwar mit Summen, wo Dir die Spucke wegbleibt. Ich habe von tausend Euro gelesen, bis, ja, Du liest richtig, zehntausend Euro. Und das für einen einzigen Roman. Wenn Du den obigen Preisrechner ausprobiert hast, wirst Du feststellen, dass eine professionelle Veröffentlichung so um die 1.500 Euro kosten mag (je nachdem welche Leistungen Du in Anspruch nimmst). Woher nimmt also der DKZV diese Summen?

Darüber lässt sich letztendlich spekulieren. Aber in den Paketen bekommst Du irgendwelche Versprechungen, die selten wirklich zu einem richtigen Bucherfolg führen.

Welche Versprechungen Sie Dir geben (eine Auswahl)

Dazu gehören unter anderem folgende Punkte:

  • Sie veröffentlichen Dein Buch garantiert.
    Gut, das hört sich erst einmal harmlos an. Aber eigentlich sollte das selbstverständlich für ein Verlag sein, dass sie Dein Buch veröffentlichen. Nur häufig ist es so, dass ein Verlag nicht garantieren kann, dass Dein Roman veröffentlicht wird.
  • Hinweis auf deren Homepage
    Auch das sollte selbstverständlich sein. Immerhin wollen sie mit Dir zusammenarbeiten. Aber wer liest schon deren Homepage? Das ist die größere Frage. Wichtiger wäre es, wenn Dein Verlag bei den gängigen Onlineshops veröffentlicht wird und bei diversen Buchblogs (gerade die, mit einer sehr hohen Klickrate).
  • Dein Buch im Buchhandel
    Es gibt diverse Berichte im Internet, wo der Buchhandel gefragt wurde, ob sie Romane aus dem DKZV haben. Das wurde meistens verneint. Das mag unter anderem wohl daran liegen, dass niemand von diesem Psuedoverlag im Buchhandel auftaucht, um das Programm zu bewerben (ja, auch Verlage putzen klinken).

Auch gibt es Werbung, dass Du im Paket einen Fernsehauftritt bei einem Sender hast, von dem Du aller Wahrscheinlichkeit noch nie gehört hast. Und wenn Du noch nie davon gehört hast, warum sollten es bei Deinen potenziellen Leserinnen und Leser anders sein?

Wenn das für Dich attraktiv anhört, dann lies Dir bitte den folgenden Bericht durch.

Ein Beispiel aus dem DKZV

Vor Jahren war ich noch in einem kleinen Schreibforum sehr aktiv. Dort erzählte eine Autorin, dass ihr Bekannter bei einem DKZV veröffentlicht hat. Er soll wohl ziemlich über Agenturen und Verlage geschimpft haben, weil er der Meinung war, sie würden nur abzocken und sein hart verdientes Geld haben wollen (die oben erwähnten 15 bis 20 Prozent für die Agentur und dann noch die Summen, die ein Verlag haben möchte). Aus diesem Grund habe er sich für den Weg des DKZV entschieden.

Und immerhin verdient er mit der Veröffentlichung des fünften Buches (!) auch Geld.

An dieser Stelle sei angemerkt, wenn ich bei einem angeblichen Verlag erst ab dem fünften Buch Geld verdiene, dann läuft etwas schief. Denn bei einem richtigen Verlag oder im Selfpublishing verdiene ich mit dem ersten verkauften Exemplar mein Geld. Und nicht erst nach gut fünftausend verkauften Büchern (eine durchschnittliche Auflage kann sich so um 1.000 Bücher drehen).

Wilde Geschichten des DKZV

Es gibt verschiedene Pseudoverlage und einige von denen erzählen wirklich haarige Geschichten, warum man unbedingt bei ihnen veröffentlichen soll. Unter anderem wird dabei den Verlagen vorgeworfen, sie setzen ihre Autorinnen und Autoren unter Druck, damit die Verwandten und Freundschaften die Bücher kaufen sollen. Oder sie überhaupt nicht über die Vertragdetails erzählen dürfen. Und weitere Geschichten, wo man nach dem eigenen Aluhut sucht (Verschwörungstheorien lassen grüßen).

Wenn Du also auf eine Seite kommst, wo steht, dass Du nur mit einem DKZV eine Möglichkeit auf eine Veröffentlichung hast, dass Verlage Neulingen keine Chance gibt oder Du nur einen Teil der Kosten zu tragen hast, dann tue Dir selbst einen Gefallen – schließ die Seite.

Lies Dir gerne einfach mal einige Beschreibungen der Verlage durch, ich denke, Du wirst wunderbar schmunzeln können.

Verbranntes Manuskript – Verbrannte Autorin und verbrannter Autor

Vielleicht hast Du schon mal gehört, dass Dein Manuskript verbrannt ist, wenn Du es im Internet veröffentlicht hast. Das bedeutet also, dass ein Verlag sich nicht mehr dafür interessieren mag, wenn es irgendwie online schon mal stand (auch wenn Du es gelöscht hast). Das mag sein.

Aber es ist so gut wie sicher, dass sowohl Dein Manuskript und aller Wahrscheinlichkeit sogar Du als Autorin für einen seriösen Verlag nicht mehr interessant bist, wenn Du einen solchen Veröffentlichungsweg gewählt hast. Denn immerhin hast Du für eine Verlagsveröffentlichung bezahlt. Und die anderen Verlage kennen die schwarzen Schafe ihrer Branche sehr gut. Wenn sie also lesen, Du hast bei dem Verlag XYZ veröffentlicht, dann bist Du automatisch nicht mehr für sie interessant. Und das bedeutet für Dich nicht nur harte Arbeit, sondern eine fast unüberwindliche Hürde, um bei den Verlagen noch ernst genommen zu werden.

Wie erkenne ich ein DKZV Angebot?

Es gibt Hinweise, die sehr wahrscheinlich auf einen Pseudoverlag hinweisen. Hier sind die drei wahrscheinlichsten Punkte:

  • Verlag sucht Autor (bzw. Autorin)
    Natürlich ist dieser Hinweis nicht automatisch mit einem DKZV zu verbinden. Denn viele kleine Verlage suchen auch Autorinnen. Doch wenn Du das liest, solltest Du schon einmal aufhorchen.
    Die meisten Verlage geben Hinweise darauf, wie Du Dein Manuskript einreichen kannst. Aber sie fordern Dich nicht (immer) explizit auf, das auch zu tun. Denn je größer ein Verlag ist, desto mehr unverlangte Manuskripte liegen ihnen vor. Daher arbeiten die großen Verlage eher mit Agenturen zusammen, als das sie noch Direktbewerbungen annehmen.
    Kleine Verlage hingegen nehmen gerne Manuskripte an, weil sie ihr Angebot ausbauen wollen. Aber sie weisen meistens noch darauf hin, dass Dir zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Kosten entstehen. Solltest Du daran Zweifeln, schreib dem Verlag eine freundliche Mail und erkundige Dich nach den Kosten. Oder recherchiere im Internet nach dem Verlag. Dort findest Du aller Wahrscheinlichkeit Hinweise, ob es sich bei Deinem Wunschverlag um ein DKZV handelt.
  • Du bezahlst nur einen Teil der Kosten.
    Viele DKZV reagieren auf die kritischen Berichte im Internet und behaupten, dass man nicht mehr die kompletten Kosten bezahlt, sondern nur noch ein Teil. Auch das ist schon zu viel, wenn sie sich weiterhin als Verlage hinstellen. Dann sollen sie ehrlich sein, sich als Dienstleister bezeichnen und schon ist das Problem aus der Welt geschaffen. Doch solange sie von Dir Geld verlangen und sich als Verlag hinstellen, ist das durchaus ein Hinweis, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht. Vermeide also deren Angebot.
  • Wir bringen Sie in den Buchhandel, auf unsere Homepage, groß raus!
    Wie oben schon beschrieben, der Buchhandel hört selten bis gar nichts von solchen Pseudoverlagen. Aus diesem Grund ist es auch sehr unwahrscheinlich, dass gerade Deine Geschichte im Buchhandel landet.
    Weiterhin sollte es selbstverständlich sein, dass Dein Buch auf deren Homepage landet. Immerhin hast Du bei denen veröffentlicht. Aber wer liest schon solche Seiten, wenn man den Verlag nicht kennt? Daher wären andere Seiten (wie oben erwähnt, Onlineshops oder Buchblogs) um einiges interessanter.
    Und einen Erfolg kann ein Verlag nicht garantieren. Es gibt zwar Faktoren, welche den Erfolg begünstigt, aber wenn man die großspurig verspricht, dass Du die nächste Bestsellerautorin wirst, geh noch einmal in Dich und frag Dich, ob das wirklich seriös ist.

Abschlussgedanken zum DKZV

Beim besten Willen, ich kann eigentlich nichts gutes über den DKZV schreiben. Das liegt wohl daran, dass sie kein Angebot haben, dass Du nicht über gute Dienstleister bekommst. Und zwar für weniger Geld. Leider sprießen gerade in letzter Zeit mehr solcher Pseudoverlage aus dem Boden, als früher. Manche vermuten, dass es daran liegt, das durch das Selfpublishing die Hemmschwelle für eine Veröffentlichung zu bezahlen, geringer geworden ist.

Bevor Du Dich für einen DKZV entscheidest, solltest Du lieber die oben beiden Varianten probieren oder lieber Deine Geschichte im Internet kostenfrei veröffentlichen. Alles andere ist eher selbstzerstörerisch.

Vor- und Nachteile

Nachteile des DKZV:

  • Du trägst alleine das finanzielle Risiko – obwohl Du in einem Verlag veröffentlichst.
  • Du zahlst meist mehr, als Du es vielleicht im Rahmen des Selfpublishing oder bei einem Diensleister (wie zum Beispiel BoD) tun würdest.
  • Dein Roman und eventuell sogar Dein Name kann für seriöse Verlag verbrannt sein, wenn Du in einem DKZV veröffentlichst.
  • Dein Manuskript wird genommen – egal wie gut oder wie schlecht es ist (und das sehe ich nicht gerade als Werbung an).
  • Und noch so einiges mehr.

Vorteile des DKZV:

  • Dein Buch wird veröffentlicht – mehr oder weniger.

Abschlussgedanken zum Beitrag

Du hast heutzutage die große Auswahl zwischen verschiedenen Verlagen (von den großen Verlagen, bis hin zu den kleinen Verlagen, Indieverlagen und noch vielen mehr), an die Du Dein Manuskript schicken kannst. Wenn sie Deine Geschichte nicht nehmen oder Du gar nicht die Enge des Verlagslebens haben möchtest, gibt es noch die Alternative der Selbstveröffentlichung. Und dort hast Du sogar noch mehr Möglichkeiten, als Dir jetzt vielleicht bewusst ist.

Das sind auch die einzigen Wege, die ich Dir ans Herz legen kann. Denn DKZV’s sind einfach keine alternative. Daher wiederhole ich mich in diesem Fall sehr gerne: Bitte, bitte Finger weg vor DKZV’S. Sie sind keine gute Alternative zu einer Veröffentlichung.

Informiere Dich daher, welcher Verlag für Dich infrage kommt oder wie das mit dem SelfPublishing funktioniert. Und ich bin mir sicher, dass Du Dein Weg machen wirst.

Der Vertriebsweg

Nimm Dir ein wenig Zeit und überlege Dir, wie Du Deinen Roman am Ende veröffentlichen willst. Für viele ist der einzig wahre Weg nur der Verlag. Andere hingegen entscheiden sich von vornherein gegen einen Verlag und wollen den Weg des Selfpublishing gehen. Das hat nichts mit der Qualität der Texte zu tun. Schon lange nicht mehr. Es ist eine Wahl aus freien Stücken.

Daher schreib Dir auf, welcher Veröffentlichungsweg für Dich der richtige ist, eben der Verlag oder das SelfPublishing. Notiere Dir, welche Vorteile Dir jeder dieser Wege bietet. Letztens habe ich von Sabine Osman gelesen, dass sie zum Beispiel dankbar dafür ist, dass ihre Bücher niemals auf dem Krabbeltisch eines Verlages landen. Auch das ist ein Vorteil.

Ich meine aber hier konkret, welche Vorteile sich DIR bieten. Nicht, welche sie allgemein beinhalten oder andere als Vorteile sehen (auch den oben erwähnten Hinweis von Frau Osman). Das ist ein wichtiger Unterschied. Mache ruhig eine pro und kontra Liste. Diese wird nie alle Punkte enthalten, weil es immer passiert, dass Dir noch was einfällt. Aber für den Anfang reicht die Liste aus.

Buch oder E-Book oder doch Beides?

Wenn Du bei einem Verlag veröffentlichen möchtest, dann entscheidet aller Wahrscheinlichkeit dieser mit Dir oder für Dich, wie die Veröffentlichung aussehen soll. Das kann sein, dass es nur ein Buch gibt oder nur ein E-Book. Es gibt ja zwischenzeitlich Verlage, die haben nur e-book Only Verträge.

Aber gerade wenn Du Selfpublishing betreiben willst, solltest Du Dir diese Frage ruhig stellen. Reicht es, wenn ich mein Roman nur als E-Book veröffentliche, oder will ich auch ein gedrucktes Buch haben? Die Autorin Tina Folsom erwähnte mal, dass sie in Deutschland immer auch die gedruckten Bücher zur Verfügung stellt, weil wir Deutsche wohl eher diese Form des Buches noch sehr stark bevorzugen. Das so als kleiner Hinweis. Was Du daraus machst, ist Dir übelassen.

Recherche, Recherche und noch mehr Recherche

Informiere Dich im Internet welche, Verlage es gibt und welche Dich interessieren. Oder schau nach, welche Distributoren es gibt und was Du benötigst, um dort zu veröffentlichen. Auch wenn Du noch aktuell an Deinem Roman arbeitest, solltest Du schon wissen, wie Dein Weg danach weiter gehen soll. Denn je mehr Du jetzt weißt, desto weniger Arbeit hast Du dann, wenn es so weit ist.

Weitere Punkte beim Selfpublishing

Wenn Du Dich für den Weg des Selfpublishing interessierst, dann kannst Du noch weitere Punkte bei Deinen Recherchen miteinbeziehen. Das betrifft zum Beispiel, mit welcher Lektorin und/oder Korrektorin Du gerne zusammenarbeiten möchtest. Informiere Dich, welche im Netz zu finden sind, wie ihr Ruf ist und wie die Preise sind (zumindest im groben, die Details entscheidet letztendlich Dein fertiger Roman).

Und Du kannst Dir auch überlegen, welche Coverdesignerin Du gerne in Anspruch nehmen möchtest. Jede von ihnen hat einen bestimmten Stil entwickelt. Und sicherlich wirst Du die eine oder andere interessanter finden, als andere. Schau Dir deren Werke an und überlege, mit welcher Du dann arbeiten möchtest. Und auch hier natürlich, welche Preise sie verlangen. Meistens werden die Designerinnen da um einiges konkreter.

Der wichtigste Punkt überhaupt

Egal wie viel Du recherchierst und überlegst, Du solltest eine Sache bitte niemals vergessen: Ohne einen Roman bringen Deine Recherchen nichts. Schreib also bitte Deinen Roman fertig, überarbeite ihn und mach ihn veröffentlichungsreif. Dann kannst Du Deine Informationen nutzen.

Welcher Weg interessiert Dich gerade am meisten? Wie würdest Du bevorzug veröffentlichen? Wenn Du einen Verlag frei wählen könntest, der Deinen Roman veröffentlichen soll, wer wäre das? Warum würdest Du überhaupt in einem Verlag publizieren wollen? Oder warum könnte für Dich SelfPublishing interessanter sein? Wenn Du im SelfPublishing veröffentlichen möchtest, was wäre Dein Medium (Buch oder E-Buch)? Welche Dienstleister würdest Du nutzen? Welche Dienstleistungen?
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Erste Veröffentlichung: 01. August 2015
Erste Überarbeitung: 06. Februar 2016
Zweite Überarbeitung: 13. März 2017

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Einen Liebesroman schreiben – Eine Fragestellung und 5 Schritte

Hei, hallo und herzlich willkommen,

einer der beliebtesten Genres dürfte wohl immer noch der Liebesroman sein. Zumindest gehört er mitunter zum umsatzstärksten Genre. Denn er hat viele Leserinnen (und auch Leser), die teilweise bis zu drei oder mehr Romane innerhalb einer Woche verschlingen. Doch wie schreibt man einen guten Liebesroman?

Kurze Vorgedanken

Bei Liebesromanen geht es letztendlich natürlich durchaus darum, dass sich zwei Menschen finden, sich ineinander verlieben, sich streiten und daher trennen und am Ende wieder zusammenkommen. Aber es gibt bestimmte Fragestellungen, um einen Liebesroman in der ersten Stufe zu planen.

Daher habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie die Grundfragestellung dabei ist. Darauf möchte ich zuerst eingehen. Und danach stelle ich Dir fünf Schritte vor, wie Du theoretisch einen Liebesroman schreiben kannst.

Eine Fragestellung zum Liebesroman

Wer ist die Heldin? Wer ist der Held?

Es sollte schon recht frühzeitig klar sein, wer ist unsere Heldin und wer ist unser Held in der Geschichte? Alternativ Deine beiden Heldinnen in einem lesbischen Roman bzw. Helden in einem Gay Romance oder welche Varianten Du auch immer anstrebst. Viele empfehlen, dass die Heldin und der Held (aus Einfachheit bleibe ich bei dieser Konstellation) sich mindestens im ersten Kapitel schon treffen sollten. Kapitel 2 ist da schon zu spät.

Andererseits, ich habe schon Romane gelesen, in dem sich das Paar erst in Kapitel 2 getroffen haben. Aber es sollte schon recht frühzeitig sein. Ausnahme wäre ein Epos von über 1.000 Seiten oder die über mehrere Bänder läuft und wo die Liebesgeschichte ein Teilaspekt ist.

Überlege Dir also wann und wie die Heldin und der Held sich treffen und wie dieses Treffen aussieht. Idealerweise führst Du schon beim ersten Treffen den Konflikt der beiden ein, damit es gleich von Anfang an spannend ist.

Was führt sie zusammen?

Irgendeinen Grund gibt es ja, warum die Heldin und der Held sich ineinander verlieben. Was ist dieser Grund? Ja, es darf ruhig das Aussehen erst einmal sein. Aber irgendetwas an der Persönlichkeit sollte natürlich überzeugen, damit sie sich ineinander verlieben.

Definiere dieses etwas. Was ist der Grund, warum sie sich überhaupt füreinander interessieren und warum sie umeinander herumtanzen? Wenn Dir das klar ist, wie die Anziehungskraft zwischen diesen beiden Figuren aussieht, dann kannst Du es entsprechend in Deine Geschichte einbauen.

Was trennt sie?

Du darfst es für Deine Heldin und Deinen Helden nicht leicht machen, dass sie zueinanderfinden. Also muss es irgendeinen Grund geben, warum es mehr als 3/4 des Buches dauert, bis sie wirklich zusammenkommen.

Der Anfang Deiner Geschichte ist halt das Treffen zwischen der Heldin und dem Helden. Dann kommt der Tanz zwischen den beiden. Sie kommen sich näher, sie entfernen sich, aber nicht zu weit, damit sie wieder zusammenkommen, um dann wieder zu trennen, damit es am Ende zum Happy End kommt.

Finde also einen überzeugenden Grund, warum Deine Heldin und Dein Held nicht richtig zusammenkommen. Diese Hürde darf nicht ZU hoch sein. Denn ich habe einen Roman gelesen, da war diese Hürde extrem hoch und ich war von der Beziehung am Ende überhaupt nicht mehr überzeugt. Aber sie darf auch nicht ZU niedrig sein, sodass ich mich frage, warum sie nicht gleich ins Bett gehen und Du kannst mich mit der Geschichte in Ruhe lassen.

Überzeuge mich also mit dem Grund und dann gewinnst Du mich auch für Deinen nächsten Roman als Leserin. Denn die oben erwähnte Geschichte, ich denke nicht, dass ich jetzt noch einmal bei der Autorin noch einmal zugreife. Das kann also durchaus gefährlich sein.

Was führt sie letztendlich richtig zusammen?

Was sie trennt, muss irgendwann einmal überwunden werden. Also musst Du auch etwas finden, was sie beide nun endgültig zusammenführt. Welche Kraft bringen die beiden auf, um die Hürde zu überwinden und um am Ende zusammenzukommen?

Diese Kraft muss natürlich stärker sein, als das was sie trennt. Was ist diese Kraft und wie schaffen sie es, die Kraft der Trennung zu überwinden? Definiere es und schreibe es auch auf.

In 5 Schritten zu Deinem Liebesroman

1. Starke Charaktere

Jeder Roman, egal ob Krimi oder Liebesroman, braucht starke Charaktere. Ohne sie hast Du am Ende keine starke Geschichte. Daher ist es empfehlenswert hier besonders viel Zeit zu investieren und starke, aber auch logische Charaktere zu schaffen, welche glaubwürdig herüberkommen und Deine Leserinnen (und auch Leser) emotional berühren.

Immerhin möchtest Du, dass Deine Leserinnen und Leser Deinen Figuren so durch mindestens dreihundert Seiten und mehr folgen. Wenn Du sie aber so anlegst, dass man gar keine Lust hat, auch nur drei Seiten zu verfolgen, dann hast Du leider verloren.

Gib ihnen Stärken und wirkliche Schwächen, gib ihnen Ziele, eine Motivation, sorge für innere Konflikte. Schreibe darüber schreibe, wer sie sind, woher sie kommen, welche Geschichte sie haben, was für Träume sie begleiten, welche sie beendet haben und welche neu geboren wurden.

Und natürlich die wichtigen Eckdaten: wo sind Deine Heldin und Dein Held geboren, was für ein Gewicht haben sie, wie groß sind sie, was für Haar- und Augenfarben haben sie und so weiter und so fort.

Schaffe also alles, was Du wissen musst, um realistische und überzeugende Charaktere zu kreieren, die mich als Leserin so fesseln, dass ich gerne dabei bleibe.

2. Schaffe das gewisse Kribbeln

Wenn sich Deine beiden Hauptfiguren das erste Mal treffen, dann darf es gerne ein wenig knistern. Denn immerhin möchtest Du uns erklären, warum die Heldin und der Held zusammenkommen und die ganzen Widrigkeiten gemeinsam durchstehen. Dafür muss es letztendlich einen guten Grund geben.

Überlege Dir genau, welche Eigenschaften, sowohl innere als auch äußere, bei der jeweils andere Figur dafür sorgt, dass sie sich ineinander verlieben. Bleibe dabei ruhig auf dem Boden der Realität. Ein absolut überirdisches Wesen, dass in jeglicher Hinsicht so dermaßen perfekt ist, das ist doch für manche ein wenig zu extrem, dass sie dann sagen, Danke aber nein danke. Aber Du darfst ruhig ein wenig ausholen. Immerhin ist es hier Fiktion, also dürfen die Charaktere ein wenig perfekter sein. Aber nicht zu perfekt.

Die Heldin hat es in einigen Dingen ein wenig leichter. Da sich die meisten Leserinnen mit ihr identifizieren, muss sie nicht perfekt sein. Ganz im Gegenteil, hat sie ein paar Problemzonen, ist das sogar ideal. Denn seien wir mal ehrlich, welche Frau hat denn heutzutage denn keine Problemzonen? Sie gehören zum Alltag. Daher ist es für sie besser, wenn sie über eine Frau lesen dürfen, die ihnen ähnlicher ist. Also nicht perfekt.

Männer haben es hier nicht ganz so leicht. Denn die Leserinnen sehen in ihm nicht ein Identifikationsobjekt, sondern jemanden, mit dem sie gerne zusammen sein würden. Schon öfters habe ich von intensiven Liebesromanleserinnen gehört, dass sie sich beschweren, warum die realen Männer nicht so sind, wie die fiktiven Männer.

Natürlich darf der Held ein wenig perfekter sein. Aber ich würde Dir sehr ans Herz legen, dass Du ihn trotzdem nicht zu einer Art Superman verkommen lässt. Denn solche Helden sind auf Dauer extrem langweilig. Und sicherlich möchtest Du, dass Deine Leserinnen sich in den Helden verlieben und nicht von ihm gelangweilt sein, oder?

Notiere Dir daher, was die Heldin an dem Helden attraktiv findet und andersherum. Welche Gestiken verwenden sie, um ihre Gefühle zu zeigen (auf die Unterlippe beißen, mit den Haaren spielen) und wie sie mit dem anderen flirten.

Und beschreibe auch, wie heiß sie die jeweils andere Figur finden. Auch wenn sie es am Anfang vermutlich nicht zugeben würden.

Kleiner Tipp an dieser Stelle: Gönn Dir die Serie Castle. Da kannst Du sehr gut sehen, wie man diese kleinen Zeichen zeigt, ohne darüber zu sprechen.

3. Konflikte und Hindernisse

Egal was für eine Geschichte Du schreibst, Du benötigst Konflikte und Hindernisse, welche Deine Figuren überwinden müssen, damit es ein beruhigendes Ende für sie gibt. Das ist ein Fakt. Denn niemand möchte einen Roman lesen, der von Anfang an perfekt für die Charaktere läuft.

Überlege Dir, welche Konflikte und Hindernisse Deine Figuren überwinden müssen. Sowohl die Persönlichen, als auch äußere. Die inneren Konflikte und Hindernisse sind der Grund, warum Deine Figuren erst einmal nicht zusammenkommen. Irgendetwas ist da tief in ihrem Inneren, in ihrer Seele, dass verhindert, dass sie sagen, hei, komme her, ich liebe dich. Finde heraus, was es ist.

Aber es muss einen guten Grund geben, warum sie nicht einfach auseinandergehen. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht mit dem heißen Typen oder der Wahnsinns Frau zusammenkommen kann, warum sollte ich es mir also antun, in ihrer bzw. seiner Nähe zu bleiben? Das muss einen guten Grund haben, äußere Konflikte zählen dazu.

Schreibe Dir daher auf, welche Gründe es gibt, dass beide nicht voneinander weggehen können und wie Du immer die Spannung aufrecht halten kannst. Denn wenn irgendwann Deine Leserinnen und Leser merken, da ist keine Spannung mehr, dann läufst Du Gefahr, dass sie Deine Geschichte nicht mehr verfolgen wollen.

4. Die persönlichen Hindernisse überwinden

Ich habe mal einen Roman gelesen, da waren die Hindernisse zwischen der Heldin und dem Helden so dermaßen groß, dass sie eigentlich nicht überwunden werden konnten. Die Autorin hatte es so dermaßen übertrieben, dass es einfach nicht mehr möglich war, realistisch glaubhaft zu machen, dass die beiden füreinander bestimmt waren.

Das schien sie dann selbst bemerkt zu haben. Denn die Lösung empfand ich dann eher peinlich, als wirklich überzeugend. Denn sie hat das riesige Hindernis einfach fallen gelassen und es war alles gut. Das war für mich die Entscheidung, danke aber nein danke. Die Autorin kommt mir nicht noch einmal in meinem Bücherregal.

Wenn Du also Hindernisse aufbaust, dann sollten sie zwar groß sein, aber eben nicht ZU groß. Denn wenn Du an dem Punkt angekommen bist, wo sie nun diese überwinden sollen und Du hast es übertrieben, kaufe ich Dir die große Liebe nicht ab.

Hast Du es aber harmonisch gestaltet, dann bist Du nun an den Punkt gelangt, wo die Hindernisse überwunden werden können. Der äußere Konflikt ist überwunden, der Tag ist für alle gerettet, nun müssen Heldin und Held sich kriegen. Der letzte Punkt ist erreicht. Wenn das geschafft ist, dann darf ich als Leserin das Buch zufrieden zuklappen.

Überlege Dir also, wie die persönlichen Hindernisse überwunden werden können und was Deine Figuren sagen oder tun müssen, um das zu erreichen. Das kann ein Heiratsantrag sein, die Höhenangst überwinden oder was auch immer Deiner Heldin letztendlich zeigt, dass er der Richtige ist und die beiden füreinander bestimmt sind.

Konflikt und Lösung müssen zueinanderpassen. Das ist hier das Wichtigste. Wenn Dein Konflikt verlangt, dass die Figuren aktiv diesen lösen, dann reicht es nicht aus, wenn sie sich hinsetzen und reden.

Und wenn Du noch schaffst, das wunderschön zu beschreiben, die Gefühle einfließen zu lassen, dann wird das eine schöne Schlussszene.

5. HEA – das Happily ever after

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben (und lieben) sie sich noch heute. Natürlich endet ein Liebesroman glücklich. Unsere Heldin muss nicht zwangsläufig den Helden bekommen. Es kann auch sein, dass sie für sich entscheidet, alleine zu leben und einen neuen Job anzunehmen. Aber sie muss auf alle Fälle mit ihrem Leben zufrieden sein. Dafür benötigt sie keinen Mann. Er ist aber das Sahnehäubchen in einem perfekten Leben. Frauen müssen keine Männer an ihrer Seite haben, um Ganz zu sein. Aber sie dürfen, das ist der Unterschied.

Kreiere also ein schönes Happy End für Deine Figuren und löse alle offenen Fragen auf. Nicht, dass am Ende noch eine Frage stehen bleibt und wir uns Fragen, was war denn da noch? Das macht kein Spaß. Ich schreibe aus Erfahrung.

In einem Liebesroman hatte die Autorin eine Frage in den Raum geworfen. Es ging darum, wie der Held an die Telefonnummer der Heldin gekommen ist. An sich eine unbedeutende Frage. Doch die Autorin hatte mehrere Kapitel darauf herumgeritten und dann diese Frage einfach unter dem Tisch fallen gelassen. Am Ende wusste weder die Heldin noch ich, wie der Held an die Nummer der Heldin gelangt ist. Und das frustriert mich.

Idealerweise schaffst Du nicht nur ein HEA für Deine Charaktere, indem sie am Ende glücklich sein dürfen. Schaff auch für Deine LeserInnen ein HEA, indem Du keine Frage offen lässt. Den Roman habe ich vor etwa zwei Jahren gelesen. Und noch heute kreist diese Frage in meinem Kopf herum (obwohl die Geschichte selbst gut war).

Abschlussgedanken

Wie oben schon erwähnt, diese Empfehlungen gelten für Liebesromane sämtlicher Arten von Beziehungsmöglichkeiten. Das, was ich hier vorgestellt habe, ist lediglich ein Korsett für Deine Geschichte. Es liegt nun an Dir, dass alles mit Leben zu füllen. Und je mehr Du das schaffst, desto interessanter wird am Ende Dein Roman werden.

Kleiner Hinweis: Erotik oder Sex kann zwar ein Teil der Geschichte sein, muss es aber nicht.

Besorg Dir Material

Wenn Du leidenschaftlich gerne Liebesromane liest oder die Filme ansiehst, dürfte dieser Teil für Dich kein Problem sein. Ansonsten gehe in die Bücherei oder zum Filmverleih und leihe Dir entsprechend was aus. Bei den Filmen dürfte wohl der Klassiker schlechthin „Pretty Woman“ sein.

Ansonsten hat der nächste Buchladen oder Onlinebuchhandel sicherlich was für Dich.

Bewerte die Punkte

Lese den Roman (ich bleibe mal beim Lesen) und überlege, wo welche Sequenz anfängt und wo aufhört. Wie ist der Roman aufgebaut und wie umgesetzt. Um notiere Dir auch, wie es die Autorin umgesetzt hat (oder Autor, was aber wohl in diesem Genre eher seltener der Fall sein dürfte) und ob es Dir gefällt.

Idealerweise bleibt es aber nicht nur bei einem Buch, sondern schon einige mehr, damit Du einen Vergleich hast.

Plane Deinen eigenen Liebesroman

Wenn Du fertig bist, plane einfach Deinen eigenen Liebesroman. Du musst diesen noch nicht schreiben, aber es ist immer gut, wenn Du siehst, wie es die anderen gemacht haben und wie Du es machen würdest. Und wer weiß, vielleicht hast Du nach der Übung so richtig Lust darauf, wirklich Deinen eigenen Liebesroman zu schreiben.
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[Blogtour – Nora Bendzko „Kindsräuber“] Die Mutterschaft

Hei, hallo und herzlich willkommen,

die Mutterschaft ist nicht nur ein Thema in der Politik, sondern auch in Romanen. Besonders in Liebesromanen. Doch leider wird es nicht immer kritisch betrachtet, wie man oder vielleicht auch eher frau sich das wünschen könnte.

Kurze Vorgedanken

Nora Bendzko hat ihren zweiten Roman „Kindsräuber“ veröffentlicht, indem es um das Thema „Mutterschaft“ geht. Dabei betrachtet sie das Thema von einer etwas anderen Seite. Sie hat fünf Blogs eingeladen, mit ihr die Veröffentlichung des Buches zu feiern und startete eine Blogtour.

Die Blogs, die an der Tour mitmachen, führe ich hier auf:

Schauen wir uns heute das Thema „Mutterschaft“ an.

Die Mutterschaft

Mutterschaft bedeutet in Büchern und Filmen, dass eine Mutter sich übermäßig auf ein Kind freut, ohne es auch nur kritisch zu hinterfragen. Eine Frau trifft auf einen Mann, sie verlieben sich und schon ist er da, der Kinderwunsch.

Einen Liebesroman, in dem eine Frau sich dafür entscheidet, dass sie keine Kinder haben möchte, der ist mir zumindest nicht über den Weg gelaufen. Und das zeigt mir persönlich, dass die Realität nicht abgebildet wird, leider.

Die Mutter in den Geschichten

Wenn wir uns die Mütter in den populären Geschichten ansehen, dann scheinen sie keine Probleme zu haben. Sie findet den Mann ihrer Träume und ja, bis sie ihn bekommt, da gibt es einige Probleme verschiedenster Art. Aber wenn sie sich gefunden haben, dann geht es schnell. Sie müssen nicht lange diskutieren, denn beide wollen ein Kind. Und natürlich, beide kriegen auch ein Kind.

Vor einigen Monaten habe ich einen Liebesroman gelesen, indem sich die Frau nicht sicher war, ob sie überhaupt Kinder haben will. Doch kaum trifft sie auf den Mann ihrer Träume, dann überwirft sie natürlich sämtliche Zweifel über Bord und sie will nun in der Tat ein Kind.

Selbst wenn es genetische Probleme gibt (weil er ein Vampir ist und sie ein Mensch), dann ist das auf Dauer kein Hindernis. Denn natürlich passt sich ihre Genetik an, sodass sie keine Möglichkeit mehr hat, sich irgendwelche Ausreden einfallen zu lassen.

Kurzer Zwischeneinwurf: Wieso passt sich seine Genetik nicht ihrer an?

Sie braucht nicht wirklich überzeugt zu werden. Denn immerhin reicht die Tatsache, dass sie ihren Liebhaber und Ehemann gefunden hat, um für den Rest ihres Lebens glücklich zu werden. Daher wird sie auch mit ihm die Kinder bekommen und groß ziehen, die sie vielleicht nie wollte.

Denn in den meisten populären Büchern wird die Rolle der Mutter in einem sehr positiven Licht dargestellt. Sie will, er will und das Kind wächst in einer mehr oder weniger positiven Umgebung auf. Und auch wenn die Beziehung zu dem Kind oder den Kindern nicht immer leicht ist (immerhin soll die Geschichte ja doch interessant sein). Aber am Ende gibt es ein Happy End zwischen den Beteiligten.

An dieser Stelle möchte ich eins bitte klarstellen. Nein, ich habe nichts dagegen, wenn eine Frau bzw. ein Paar sich für Kinder entscheidet. Ganz im Gegenteil, wenn sie es möchten, dann sollen sie es. Mir fällt mir auf, dass es scheinbar nur Paare gibt, die Kinder wollen. Alternativen gibt es keine.

Die Mutter in der Realität

Wie geschrieben, natürlich gibt es genügend Frauen, die gerne Mutter werden wollen und es auch sind. Darüber will und werde ich nicht diskutieren. Das dürfen und das sollen sie auch gerne sein. Wünschenswert wäre es nur noch, wenn sie von dem Staat entsprechend unterstützt werden, dass sie unterstützt werden Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

Aber reden wir an dieser Stelle nicht von der Politik. Das würde zu schnell ausufern und den Rahmen dieses Beitrages nicht nur sprengen. Daher werde ich mich eher auf die Realität vieler Mütter konzentrieren und welche davon ich gerne mal in einem Roman doch lesen würde.

Letztens hab ich mich mit einer Mutter unterhalten, die ihren kleinen Sohn wirklich über alles liebt. Und doch meinte sie, wenn sie ihn nicht hätte, sie hätte sich dafür entschieden, kein Kind in die Welt zu setzen. Und das erlebe ich in Romanen bisher gar nicht.

Bisher habe ich noch nie eine Frau in einem Roman erlebt, die selbstbewusst sich dafür entschieden hat, Kinder sind ja lieb und nett, aber ich möchte keine. Nur weil man keine Kinder haben möchte, heißt das noch lange nicht, dass man Kinder hasst. Zumindest ist das bei mir so. Aber diese Worte legt man einem weiblichen Charakter kaum bis gar nicht in den Mund.

Männer hingegen muss man das nicht in den Mund legen. Denn bei denen ist es teilweise selbstverständlich, dass sie keine Kinder haben müssen. Sie besitzen immer noch die freie Wahl. Denn bei ihnen tickt offiziell keine biologische Uhr. Auch wenn das nicht stimmt. Denn je älter ein Mann wird, desto beschädigter wird das Sperma. Der Rest ist Geschichte.

Aber auch die Entscheidung Kinder zu bekommen dürfen Frauen noch nicht einmal in der Realität bereuen. Auch wenn es aktuell die Diskussion endlich aufkommt, dass Frauen diese Entscheidung hinterfragen. So tun sie dies eher anonym oder im Geheimen. Denn öffentlich wollen viele nicht zu dieser Meinung stehen. Natürlich würden sie dann als Rabenmütter gelten. Auch wenn das eine mit dem anderen nichts zu tun hat.

In Romanen ist diese Entscheidung, dieses Hinterfragen noch nicht angekommen. Aber vermutlich ist das Thema einfach zu neu, um da wirklich schon Beispiele in der Literatur oder in Filmen zu finden.

Wobei ich zugeben muss, dass ich selbst noch nicht weiß, wie man darauf eine eigenständige Geschichte entwickeln könnte. Aber das weiß man sicherlich, wenn man sich damit eingehender beschäftigt.

Auch Schwangerschaftsabbrüche sind in der Realität ein Thema. Frauen können oder wollen sich nicht um ein neues Leben kümmern. Oder dieses neue Leben gefährdet ihre Gesundheit oder ihr eigenes Leben. Natürlich könnte man sagen, dass sie es hätten verhindern können. Aber auch das würde jetzt zu weit führen, warum sie schwanger geworden sind. Denn es gibt so viele, unendlich viele Gründe, warum Frauen schwanger werden und es nicht wollen.

Aber man muss sich eingestehen, dass Schwangerschaftsabbrüche ein Thema sind. In der Realität. In Romanen kann das eher am Rand eine Erwähnung wert sein, aber eher seltener ist das ein Hauptthema des Romans. Die Frau stellt sich nicht hin und überlegt, ob sie ihr Kind behalten oder abtreiben soll.

Es ist völlig in Ordnung, wenn die Frau im Roman sich am Ende für das Kind entscheidet. Gerade dann, wenn es sich um einen Liebesroman handelt. Für alle anderen Genres gilt dies auch. Aber ich fände es schöner, wenn sie wenigstens darüber nachdenkt, welchen Weg sie für die Zukunft gehen soll. Entscheidet sie sich für das Mäuschen oder entscheidet sie sich dagegen.

Das würde durchaus die Realität eher darstellen. Aber dazu müsste man wohl der Frau zugestehen, dass sie eine Sexualität hat und auch mal harte Entscheidungen treffen muss. Und bisher fehlt mir das persönlich in vielen Büchern.

Frauen sollen lieb und nett sein. Natürlich, sie dürfen Fehler machen, aber bitte nicht zu große. Sie dürfen böse sein, aber nicht im Sinne einer Antagonistin. Und wenn, dann sind ihre Beweggründe eben eher weiblich, nicht hart (Rache, verletzter Stolz, so etwas halt). Zudem soll sie bitte jungfräulich sein. Ist sie das nicht, dann darf sie nicht zu viele Sexualpartner haben. Ansonsten ist sie als Partnerin untauglich. Es könnte ja sein, dass sie ein leichtes Mädchen ist.

In meinen Augen lohnt es sich, die Diskussionen der Frauen bezüglich ihres (vermeintlichen) Kinderwunsches ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen. Auch wenn Du Fiktion schreibst, lohnt es sich sicherlich, wenn ein wenig mehr Realität in Deine Geschichte Eingang findet.

Die ungewollte Mutterschaft

In dem Buch „Kindsräuber“ von Nora Bendzko geht es um eine ungewollte Mutterschaft. Alene, die Heldin der Geschichte verkauft ihren Körper, um sich Medikamente für ihren Vater leisten zu können. Es kam, wie es kommen musste und sie wurde schwanger.

Die Schwangerschaft ist ein Thema, welche in erster Linie die Frau angeht. Warum? Sie ist es, die schwanger wird und sie ist es letztendlich, welche das Kind zur Welt bringt. Idealerweise steht der biologische oder zumindest ein sozialer Vater an ihrer Seite. Aber häufig war und ist es so, dass Frauen damit allein dastehen.

Ebenfalls etwas, was in Geschichten nicht immer behandelt wird. Vermutlich will man sich den Konflikt mit männlichen Lesern oder zumindest Kritikern antun. Denn man wird dann häufig zu lesen bekommen, man sei ja eine Männerhasserin, weil man den Mann so schlecht darstellt. Das es aber häufig die Realität ist, darüber wollen sich wohl viele gar keine Gedanken machen.

Alena steht nun da, schwanger und in einer Zeit, wo man Gefahr läuft, selbst zu sterben, wenn man zu einer sogenannten Engelmacherin geht (also das Baby abtreibt). Außerdem stehen häufig noch religiöse Bedenken im Weg. Wer abtreibt, kommt in die Hölle (wir befinden uns in der Geschichte im 17. Jahrhundert). Was also machen?

Schon immer mussten Mütter sich etwas einfallen lassen. Gerade im historischen Kontext. So gab es die Möglichkeit die Kinder auszusetzen. Man übergab die Kleinen in Gotteshand. Soll es Leben, wird es schon gerettet. Ansonsten holt er die Kinder zu sich. Häufig wurde es also ihr überlassen, was mit dem Kind passieren sollte. Denn es kam durchaus vor, dass die Väter von ihrem „Glück“ nichts wussten. Oder es sie auch nicht interessiert hatte.

Egal wie sich eine Mutter oder auch unsere Alene entscheidet, für die meisten Frauen ist es nicht einfach. Denn das Gewissen und ihre Gefühle spielen eine sehr entscheidende Rolle dabei. Der Körper schüttelt diverse Hormone aus, wohl um dafür zu sorgen, dass eine Mutter ihr Kind wirklich nicht aussetzt oder tötet. So soll letztendlich verhindert werden, dass die Menschheit sich wohlmöglich selbst ausrottet.

Daher entwickeln sie häufig (nicht immer wohlgemerkt) Gefühle für das kleine Wesen und entscheiden sich dann dafür, dass das Kind lebt. Aber auch wenn eine Frau sich dafür entscheidet, ihr Kind abzutreiben, so einfach macht sie sich das nicht. Zumindest die meisten (es gibt immer Ausnahmen, darüber müssen wir nicht diskutieren).

Daher gibt es die Möglichkeit, dass das Kind adoptiert wird. Damit ermöglicht eine Mutter, dass sie das Kind weggeben kann, weil sie sich nicht darum kümmern kann. Gleichzeitig lebt es und jemand anderes kann es groß ziehen, als wäre es das eigene (im deutschen Recht ist es auch verankert, dass adoptierte Kinder per Gesetz dann mit der neuen Familie verschmelzen und jede Verbindung zur alten damit gekappt werden, es herrscht trotzdem Eheverbot zu den Mitgliedern der alten Familie).

Viele leiden jedoch ein ganzes Leben lang darunter, dass sie nicht in der Lage waren, sich um ihr Kind zu kümmern. Nur der Gedanke, dass es ihr oder ihm nun besser geht, tröstet sie.

Alene sitzt also da, schwanger, ohne den Biologischen oder einen sozialen Vater und kann nicht das Kind von einer Engelsmacherin weg machen lassen. Da sie selbst verarmt ist, kann sie kein weiteres Maul füttern, so sehr sie es auch möchte. Daher muss sie das Kind weggeben, will sie, dass es lebt.

Und doch gibt es Menschen, die das verurteilen. Denn sie sagen sich, wer das eigene Kind liebt, findet einen Weg, um es zu ernähren. Vielleicht ist das der Grund, warum so wenig über dieses Thema geschrieben wird?

Die dunkle Mutter

In den Geschichten wird selten eine dunkle Mutter dargestellt. Als dunkle Mutter verstehe ich eine Mutter, welche sich das Recht herausnimmt, über das Leben ihres Kindes zu entscheiden. Sowohl vor der Geburt (also Abtreibung) als auch danach (zum Beispiel durch Aussetzen oder Tötung).

In diversen Büchern, die ich zum Thema Matriarchat gelesen habe (von Heide Göttner-Abendroth oder auch von der viel zu früh verstorbenen Irene Fleiss), heißt es, dass es früher keine dunkle Mutter gab. Denn das Leben ist auch der Tod. Das bedeutet, die Göttin, die das Leben gegeben hat, kann es sich zugleich auch nehmen. Und das übertrug sie angeblich auch auf die sterblichen Frauen (welche als Inkarnation der Göttin angesehen wurden).

Das bedeutete wohl auch ganz klar, entschied früher eine Mutter ihr Kind nicht zu bekommen, wurde das akzeptiert. In wiefern es wirklich gängige Praxis war, dass Kinder getötet wurden, kann ich nicht sagen. Genauso wenig, ob es damals wirklich so gesehen wurde. Zumindest wird es heute so interpretiert.

Sollte also eine Frau in der vergangenen Zeit sich gegen ein Kind entschieden haben, finden wir in dieser Lebensansicht eine Erklärung dafür. Auch wenn das in der Gegenwartsliteratur keine Anwendung mehr finden kann (was ich auch gesellschaftlich gesehen nachvollziehen kann).

Heutzutage sieht man in einer dunklen Mutter häufig eine Frau, welche die Mutterrolle nicht übernehmen will oder die Kinder vernachlässigt. Und zwar so, dass dies zum Tode des Kindes führt.

Doch in Filmen oder Büchern trifft man eher seltener eine dunkle Mutter. Vermutlich liegt es daran, dass man sie als liebe und treu umsorgende Frau kennt, welche niemals ihre Kinder vernachlässigen würde. Nicht umsonst gibt es die eine Werbung, in der eine Mutter zwar krank ist, aber nicht krankmachen darf. Wo kämen wir denn dahin, wenn eine Mutter mal an sich selbst denken darf?

Daher kenne ich selbst keine Filme, in denen eine Mutter wirklich grausam sein darf (außer sie benimmt sich nicht wie eine Mutter, weil sie zum Beispiel schwer drogensüchtig ist). Stiefmütter ja, die haben einen Freifahrtschein. Aber eine Mutter, welche das eigene Kind schlecht behandelt? In sozialen Milieus ja, dort gehört es zum Alltag. Nicht jedoch in der gesellschaftlichen Mittelschicht oder gar in der Literatur, welche nicht die Gegenwart widerspiegelt.

Inwiefern Nora Bendzko die dunkle Mutter in ihrem Roman geholt hat, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Das wäre ein Spoiler. Aber ich kann Dir sagen, sie tritt auf und ich find das angenehm abwechselnd.

Meine Mutterschaftsgedanken

Natürlich hätte ich in dem Beitrag alle möglichen Abweichungen, Ausnahmen und so weiter aufführen können. Denn letztendlich ist das Leben kein Einheitsbrei. Viele Mütter sind so und viele Väter ganz anders. Aber in den meisten Romanen finden wir eher ein einheitliches Bild.

Glücklicherweise gibt es sie, die Frauen, die Kinder wollen. Und auch die Männer, die nicht nur Kinder wollen, sondern sich um Frau und Kind kümmern. Frauen, die stark sind und schwach sein dürfen. Und Männer, die ihre Frauen so lassen, wie sie sind, weil sie sich selbst dieses Recht zusprechen.

Doch solche Paare sind leider noch in der Minderheit. Und auch wenn ich absolut dafür bin, dass sie mehr gezeigt werden, weil Literatur durchaus beeinflussend sein kann, wünsche ich mir auch, dass das Thema Mutterschaft und Schwangerschaft ein wenig kritischer dargestellt wird. Denn Frauen (aber auch Männer) brauchen durchaus auch andere Vorbilder.

Gerade, wenn Frauen sich gegen die Mutterschaft entscheiden, darf und sollte man das ruhig in der Literatur darstellen. Denn sie werden auch von Frauen gelesen, warum ihnen nicht alternative Vorbilder zeigen? Und sie auch von Männern gelesen. Sie können dann sehen, dass es nicht nur ein Typ von Frau gibt.

Gewinnspiel

Preise
– 2x 1 Print-Exemplar von »Kindsräuber«plus Wolfslesezeichen
– 1 x 1 Print-Exemplar von »Kindsräuber« plus Wolfszeichen und Geister-Goodie-Paket: Mit Original Wiener Schokolade, Totenkopftasche, schwarzer Duftkerze von Shearer Candles und zwei Totenkopf-Schnapsgläsern

Und so geht’s
Beantworte auf einem der teilnehmenden Blogs die jeweilige Gewinnerfrage mit einem Kommentar!

Gewinnspielfrage
Wie würdest Du das Thema „Mutterschaft“ in einer Geschichte darstellen?

Die Gewinner werden am 8. März auf norabendzko.com verkündet.

Viel Glück allen Teilnehmern!

Teilnahmebedingungen
– Wer ist teilnahmeberechtigt? Minderjährige nur mit Erlaubnis der Eltern, nur Teilnehmer aus Deutschland und Österreich, nur ein Mitglied pro Familie oder Haushalt
– Es ist nur eine einzige Teilnahme möglich: Die Beantwortung mehrerer Gewinnerfragen auf unterschiedlichen Blogs erhöht nicht die Gewinnchancen
– Die Verlosung endet am Mittwoch, den 8. März 2017 um 18:00
– Der Rechtsweg ist ausgeschlossen
– Eine Haftung für den Versand ist ausgeschlossen
– Meldet sich der Gewinner innerhalb von drei Tagen nicht, wird sein Gewinn an jemand anderen vergeben

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[Plot] Die Schneeflockenmethode

Hei, hallo und herzlich willkommen,

Randy Ingermanson hat vor einigen Jahren die sogenannte Schneeflockenmethode oder auch „Snowflake-Method“ als Geschichtsentwicklungsmittel entwickelt. Mithilfe dieser Methode soll Dir die Möglichkeit geboten werden, am Ende eine Geschichte zu haben, die Du nur noch tippen musst.

Und diese Methode möchte ich Dir heute näher vorstellen.

Kurze Vorgedanken

Hierbei handelt es sich nicht um eine Methode, um Ideen zu finden. Dafür benötigst Du eine fertige Idee und mithilfe dieser Methode kannst Du sie dann in eine Geschichtsform bringen. Danach kannst Du mit der Idee entsprechend arbeiten. Du solltest also vorher am besten genügend Ideen für Deine Geschichte, Dein Roman, was auch immer bereithaben und kannst dann mit dieser Methode arbeiten. Wenn nicht, dann lege die Schneeflockenmethode bitte erst einmal beiseite, sei noch etwas kreativ und dann kannst Du wieder zurückkommen und loslegen.

Im Folgenden möchte ich Dir die zehn Schritte erklären, wie Du aus einer einfachen Idee Deine Geschichte hervorholen kannst.

Kurze Anmerkung vorneweg. Die Arbeiten der einzelnen Schritte basieren immer auf den vorherigen Schritten (außer natürlich Schritt 1). Wenn Du also in einem späteren Schritt siehst, dass die Arbeit zuvor nicht mehr stimmig ist, dann kehre zurück und passe die Ergebnisse des vorherigen Schritts an. Es ist ja zum Glück nichts in Stein gemeißelt.

Schritt 1: Die Romanhandlung zusammengefasst in 15 Worten

Der erste Schritt ist ganz simpel und fordert doch gleichzeitig sehr viel von Dir ab. Denn wenn man viele Ideen zu einer Geschichte hat, möchte man sie am liebsten alle in Worte fassen. Doch bremse Dich erst einmal und fasse Deine Romanhandlung in 15 Wörtern oder weniger zusammen.

Dabei geht es nicht darum, dass Du Namen Deiner Figuren oder zu viele Orte verwendest. Es geht nur um eine simple Zusammenfassung der Geschichte.

„6 Superhelden müssen sich zusammenraufen, um die Welt vor der Eroberung durch Außerirdische zu retten.“ – 15 Wörter (Marvels The Avenger)

„Ein Hobbit muss zum Schicksalsberg um den einen Ring zu vernichten und die Welt retten.“ – 15 Wörter (Der Herr der Ringe)

Du siehst, es kann durchaus möglich sein sogar ein so episches Werk wie den Herrn der Ringe in 15 Wörter zusammenfassen. Alle anderen Subplots, Figuren und so weiter fallen zwar hier unter dem Tisch, sind aber natürlich nicht vergessen oder gar verloren. Nur sie sind momentan nicht wichtig.

Übe durchaus an bereits veröffentlichten Büchern oder Filmen, wenn Du möchtest. Und wenn es mit Deiner eigenen Geschichte nicht auf Anhieb klappt, dann probiere so lange herum, bis Du die Quintessenz Deiner Geschichte hast.

Wenn Dich dann jemand fragt, hei, worum geht es denn in Deiner Geschichte, dann kannst Du ihnen den Satz bieten und bist entsprechend vorbereitet. Du sagst viel damit und verrätst nicht alles.

Schritt 2: Drei Katastrophen und das große Finale

Für den zweiten Schritt brauchst Du Deinen Satz aus Schritt 1. Dieser wird nun zu einem kompletten Absatz ausgebaut, welcher die Ausgangssituation Deiner Geschichte beinhaltet, die größeren Katastrophen und das Ende.

Randy Ingermanson beschreibt dies Selbst als „Drei-Katastrophen-Struktur“, welche von der klassischen 3-Akt-Struktur abgewandelt ist.

Die erste Katastrophe liegt am Ende des ersten Akts. Es ist der „Punkt oder Wiederkehr“ wo der Protagonist oder die Protagonistin tief in die Handlung eintaucht, dass sie bzw. er nicht mehr umdrehen kann. Ab hier läuft also die Geschichte.

Wenn sie / er noch zurückkehren kann, dann überlege Dir eine stärkere „Katastrophe“, um das zu verhindern. Es kann durchaus noch ein wenig später die richtige Katastrophe passieren, aber zögere am besten nicht zu lange. Du kannst gerne an anderer Stelle ein wenig „Luft“ holen und Deine Charaktere langsamer agieren lassen.

Die zweite Katastrophe sollte ungefähr in der Mitte des zweiten Aktes stattfinden und damit ist sie ein gutes Mittel für den gefährlichsten Teil der Geschichte, die „durchhängende oder auch langweilige“ Mitte. Also eine Mitte wo die Figuren irgendwie irgendwas irgendwo machen und wir ihnen vielleicht nur deswegen folgen, weil gerade im Fernsehen nichts Spannenderes läuft. Und das wollen wir mit unserer Geschichte ja nicht erreichen.

Im Übergang zum dritten Akt finden wir dann die dritte Katastrophe. Ich habe schon öfters von dem sogenannten „Tod“ des Charakters hierzu gelesen. Damit wird nicht der physische Tod der Figur gemeint (wäre ja schlimm, wenn das zuträfe), sondern der emotionale Tod. Hier ist erst einmal Sense, alles ist hoffnungslos, es ist düster und der Kampf scheint an diesem Punkt verloren zu sein. Wie soll es jemals gut ausgehen für die Figur?

Der dritte Akt selbst ist dann die Auflösung der Handlung, die dramatisch, überraschend aber logisch sein sollte. Die Lösung entsteht idealerweise immer aus den Figuren selbst und nicht durch eine plötzlich erscheinenden Dritten Figur, von der man zuvor eventuell nebenbei mal was mitbekommen hat. Niemals gut (und ja, diese Geschichten gibt es und gelten als Bestseller).

Hier noch einmal zur Übersicht, was Du bitte in einem Absatz zusammenfassen sollst:

  • Die Ausgangssituation
  • Katastrophe 1
  • Katastrophe 2
  • Katastrophe 3
  • Auflösung

Notfalls notier Dir die Punkte, welche Du bearbeitet hast. Und wenn das geschafft ist, ist damit Punkt 2 erledigt.

Schritt 3: Die Hauptfiguren und ihre Ziele

Nun geht es endlich um die Hauptfiguren Deiner Geschichte. Lege für alle Figuren ein Dossier oder etwas Derartiges an, wo Du die wichtigsten Informationen zusammenträgst.

Zu den wichtigsten Informationen zählen die folgenden:

  • Name des Charakters (Vor- Nachname, Zweiter und alle weiteren und Spitzname)
  • Fasse die Handlung aus Sicht der jeweiligen Charaktere in einem Satz zusammen (nicht mehr)
  • Was ist die Motivation des Charakters (Liebe, Ehre, Wut …)
  • Das Ziel der Charaktere. Was will Deine Figur also genau erreichen?
  • Der Konflikt der jeweiligen Charaktere (was hindert Deine Figuren daran, ihr Ziel zu erreichen)
  • Die Epiphanie des Charakters: Was lernt Deine Figur und wie ändert sie sich im Laufe der Geschichte.
  • Zum Schluss fasst Du noch einmal die Handlung aus der Sicht der jeweiligen Figur zusammen. Doch dieses Mal hast Du einen ganzen Absatz Platz dafür.

Nach Schritt 3 hast Du eine Menge Informationen über Deine Charaktere. Falls Du weitere suchst, kannst Du auch hier Tarotkarten verwenden und schauen, was sie Dir dazu sagen und wo Du eventuell noch ein wenig nachbessern kannst.

Aber spätestens hier siehst Du, ob Deine Idee tragfähig ist oder ob Du noch nachbessern musst oder Dich auf ein anderes Projekt stürzen solltest. Sehr wahrscheinlich hast Du bis zu diesem Punkt einige Stunden, eventuell sogar einige Tage aufgewandt. Aber besser ein paar Tage verschwendet, als monatelang an einem Projekt arbeiten und erst dann feststellen, dass es für die Katz war.

Daher solltest Du die Arbeit bis hierhin gewissenhaft erstellen, damit Du dann mit einem guten Gefühl weitermachen kannst.

Zwar hat vermutlich Guillermo del Toro nicht mit der Schneeflockenmethode gearbeitet. Doch vor einigen Wochen veröffentlichte er ein Exposé für den Charakter Lucille Sharpe aus seinem Film Crimson Peak. Diesen Punkt benutzen also auch die großen DrehbuchautorInnen.

Schritt 4: Die Romanhandlung auf einer Seite

Wenn Du Dich also entschieden hast, Deine Geschichte weiterzuverfolgen, dann geht es nun zu Schritt 4. Hier geht es um die Erweiterung der Plots aus Schritt 2. Dieser Handlungsentwurf ist aber nicht länger als eine Seite.

Aus den jeweiligen Sätzen Deines Entwurfs (also Ausgangssituation, die drei Katastrophen und der Abschluss) werden jeweils in einem Absatz von 80 bis 100 Wörtern ausgedehnt.

Hierbei geht es nicht um Feinheiten oder um die Frage, wie etwas gelöst wird, sondern nur um die Handlung. Mehr nicht.

  • Absatz 1: Beginn hier mit der Ausgangssituation und höre mit der ersten Katastrophe auf.
  • Absatz 2: Erzähl hier die Ereignisse bis zur zweiten Katastrophe, also bis etwa zur Mitte der Handlung.
  • Absatz 3: Die zweite Hälfte des zweiten Absatzes und beginn der dritten Katastrophe.
  • Absatz 4: Der dritte Akt und das große Finale.

Solltest Du mehr als eine Seite benötigen, versuche zu streichen, bis Du wirklich auf die eine Seite kommst. Es geht um die wichtigen Eckpunkte. Alles andere behalte im Hinterkopf (oder in einer zweiten Datei). Sie sind wichtig, aber nicht in diesem Moment.

Schritt 5: Die Charaktersynopsen

Jetzt geht es wieder zurück zu den Figuren Deines Romans.

Nimm Dir Deine Informationen aus Schritt 3 hervor und erarbeite für jede Figur eine Zusammenfassung der Handlung aus der jeweiligen Sicht der einzelnen Figuren, also eine „Charaktersynopsis“.

Die Hauptfiguren bekommen hierbei etwa eine Seite und die Nebenfigur etwa eine halbe Seite.

Nimm Dir aber auf alle Fälle die Zeit alles aufzuschreiben, auch wenn Du weißt, dass eine Figur in einigen Szenen nicht dabei sein wird. Was tut sie währenddessen, das ist etwas, was Du immer wissen solltest.

Schritt 6: Die Handlung auf vier Seiten

Wir arbeiten nun wieder an der Handlung. Und die Arbeit daran wird mit jedem Schritt immer komplexer und umfangreicher. Rand Ingermanson plant für diesen Schritt schon eine Woche ein. Und ich empfehle Dir, diese Zeit durchaus zu nutzen.

Denn die Romanhandlung wird nun auf vier Seiten ausgebaut. Dazu nutzt Du die Absätze aus dem vierten Schritt. Jeder Absatz bekommt nun eine eigene Seite und wird entsprechend behandelt.

Schritt 7: Dossiers für Deine Charaktere

Wir kehren nun wieder zu den Charakteren zurück. Und auch für diesen Schritt empfiehlt es sich durchaus, eine Woche einzuplanen. Denn je sicherer Du diese Angelegenheit aufbaust, desto besser wird am Ende Deine Geschichte stehen.

Nun lege ein komplettes Dossier an, welches alles enthält, was Du über Deine Charaktere weißt und was es auch zu wissen gibt.

Dazu zählen alle Informationen aus den Charakterbögen, aus Beschreibungen zu Deinen Figuren und natürlich auch, wie sich Deine Figuren im Laufe der Geschichte verändern. Arbeite hierbei mit den Arbeiten aus Schritt 3.

Greife auch durchaus zu den Tarotkarten zurück, wenn Du weitere Inspirationen suchst.

Schritt 8: Die einzelnen Szenen Deines Romans

Jetzt gehen wir zum Szenenplan. Randy Ingermanson empfiehlt hierzu mit Excel oder OpenOffice Calc zu arbeiten. Ich habe mir die Beschreibung mehrere Male durchgelesen und fand sie (nur für mich, versteht sich) ziemlich kompliziert.

Mein Tipp ist und bleibt, verwende Scrivener. Die 50 Euro, was das Programm kostet, sind allemal Wert. Du kriegst dafür ein tolles Programm und musst Dir nicht bei irgendwelchen Gedankengängen die Finger brechen.

Aber egal ob Du am Ende mit Scrivener arbeitest, doch mit Excel oder zu handlichen Karteikarten greifst (der Vorteil bei Letzteren, sie verbrauchen keinen Strom und Du kannst immer und überall mit ihnen arbeiten), das wird eine sehr langwierige Arbeit werden.

Denn es geht hierbei um die Planung der Szenen und diese können eine sehr hohe Anzahl haben. Rechne da schon mit um die 100 Szenen (je nach länge des Romans natürlich auch mehr oder weniger).

Am Ende der Arbeit solltest Du auf der (ich bleibe jetzt mal bei der Karteikarte als Begriff) Karteikarte die Szene haben, die Zuordnung des sogenannten POV (Point of View, also aus welcher Sicht beschreibst Du die Geschichte), eventuell der Ort und die Zeit (falls sie eine wichtige Rolle spielen), eine Zuordnung zu den Kapiteln (oder wie auch immer Du Deine Geschichte aufbauen willst) und eine sehr knappe Zusammenfassung der Szene. Bleibe hierbei wirklich knapp, ein oder zwei Sätze reichen völlig aus.

Mit diesen Daten schaffst Du dann die einzelnen Szenen vorzuplanen, welche dann in Schritt 9 geschehen soll.

Schritt 9: Vorarbeit zu den einzelnen Szenen

Während alle anderen Schritte für diese Methode Pflicht waren, kommen wir zum ersten und auch einzigen optionalen Schritt der Schneeflockenmethode.

Wenn Du genügend Erfahrung hast, ist es durchaus möglich, dass Du diesen Schritt einfach überspringst und gleich zu Schritt 10 gehst. Randy Ingermanson tut nämlich genau das. Aber letztendlich ist es, wie so oft, Deine Entscheidung, ob Du als AnfängerIn diesen Schritt überspringen willst oder als Profi diesen immer noch durchführst.

Doch schauen wir uns erst einmal an, worum es hierbei geht, damit Du Deine Entscheidung treffen kannst.

Du benötigst hierfür die einzelnen Szenen aus Schritt 8, um sie auszubauen. Und zwar zu detaillierten Rohfassungen der jeweiligen Szenen. Du erarbeitest Dir die näheren Informationen zum Konflikt, welche Figur dabei ist, eventuell Dialoge oder auch Beschreibungen zu den jeweiligen Umgebungen und so weiter und noch viel mehr.

Dieses sogenannte Micro-Plotting sollst Du nach Randy Ingermanson für den kompletten Roman machen. Und hier sehe ich selbst schon eine gewisse Gefahr. Und zwar schlicht aus eigener Erfahrung.

Jetzt nehmen wir mal an, Du hast 100 Szenen, die Du Dir erarbeiten willst. Wenn Du sie dann im Mico-Plotting ausarbeitest, dann hast Du sehr wohl eine erste Fassung in der Hand. Und das kann schon einmal sehr beruhigend sein.

Jedoch kann es immer passieren, dass Du während der Arbeit eine Wendung einbaust, welche den Rest der Geschichte schlichtweg über den Haufen wirft.

Als Beispiel:

Du arbeitest alle 100 Szenen aus. Bei Szene 47 hast Du auf einmal DEN Einfall schlechthin, welche jedoch die restlichen 53 Szenen als nicht mehr stimmig darstellt. Das bedeutet also, dass Du stundenlange Arbeit (oder eventuell noch mehr) in den Müll werfen dürfest.

Wenn Du aber, zum Beispiel, in zehner Schritten arbeitest, dann wäre Szene 47 eben die siebte Szene von Deinem Zehnerschritt. Dann müsstest Du nur drei Szenen noch einmal komplett überarbeiten und den Rest arbeitest Du danach neu aus, aufgrund der neuen Idee. Du würdest aber nicht so viel Zeit verlieren.

Arbeite daher durchaus im Wochentakt. Unter der Woche, gerade nach der Arbeit / Schule / Uni nach Hause kommst und total fertig bist, wirst Du wohl kaum Lust haben zu planen, aber eventuell zu schreiben. Daher führe das Micro-Plotting am Wochenende oder an freien Tagen durch (wenn Du zum Beispiel Schichtdienst hast). Je nach Länge der Szenen, erarbeite Dir eine Handvoll bis zu zehn Szenen im Voraus.

Danach kannst Du diese Arbeit nutzen, um weiterzuschreiben. Die restliche Geschichte erarbeitest Du Dir nach der Methode aus Schritt 8.

Das ist übrigens eine Kann-Empfehlung und keine Muss-Empfehlung. Wenn Du willst, kannst Du ja diesen Schritt überspringen und gleich zu Schritt 10 gehen. Oder auch den ganzen Roman vorplotten. Schau, was Dir zusagt und arbeite danach.

Schritt 10: Endlich – Schreibe die Rohfassung

Letztendlich findest Du hier keine Anweisung mehr zur Bearbeitung Deines Romans, sondern den Hinweis – schreib Deine Geschichte.

Also schreibe nach den ersten acht bis neun Schritten die erste Fassung Deines Romans. Wenn Du alles richtig gemacht hast, solltest Du jetzt auch wesentlich schneller vorankommen, als wenn Du wenig geplant oder geplottet hättest.

Abschlussgedanken

Nach Randy Ingermanson hat er Tausende Mails von Autorinnen und Autoren erhalten, die ihn für dieses Konzept gedankt haben. Denn es hat für sie funktioniert. Und es ist in der Tat ein sehr solides Konzept, welches trotzdem Raum für die persönlichen Freiheiten lässt.

Daher schau Dir das Konzept an und überlege Dir, ist es für mich und wenn ja, ist es so wie es hier beschrieben für mich? Natürlich kannst Du auch individuelle Anpassungen vornehmen, wenn es Dir so, wie es hier oder auf den verschiedenen anderen Seiten vorgestellt ist, nicht zusagt.

Aber es kann auch sein, dass Du am Ende sagst, Nein danke, es sagt mir überhaupt nicht zu. Und auch das ist völlig in Ordnung. Denn jedes Konzept ist so gut, wie die AnwenderInnen es finden.

Es wird also nie ein Schreibkonzept geben, welchen allen zusagt und das trifft auch auf die Schneeflockenmethode zu.

Meine Empfehlung ist trotzdem: Schau es Dir genau an und probiere es ruhig mal aus. Danach entscheide Dich.

Denn gerade durch das Hin- und Herspringen zwischen den Figuren und der Geschichte hast Du am Ende eine solide Basis, um eine tolle Geschichte zu haben. Doch wer ungeduldig ist, die oder der könnte schon bald frustriert dasitzen und sich denken, was für ein *fiep*, ich will schreiben, also lasst mich in Ruhe.

Egal, zu welcher Gruppe Du gehörst, ich wünsche Dir viel Spaß bei der Schneeflockenmethode. Und vielleicht magst Du ja erzählen, wie Du mit ihr klarkommst und welche Abweichungen Du für Dich eingebaut hast.

Überlegung

Da die Schneeflockenmethode durchaus viel Zeit frisst, überleg Dir, ob Du nicht zumindest die ersten Schritte anwenden möchtest, um zu sehen, ob sie Dir liegt. Danach kannst Du schauen, ob Du sie nicht nach und nach doch komplett anwenden willst.

Elemente

Wenn die Methode nichts für Dich ist, vielleicht möchtest Du dann einzelne Elemente daraus entnehmen und damit arbeiten. Welche sind das und vor allem, warum?

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Liebster Award von Nike Leonhard

Hei, hallo und herzlich willkommen,

heute geht es in die zweite Runde des Liebster Awards. Denn auch die liebe Nike Leonhard war so freundlich und hat mich nominiert. Dafür danke ich Dir recht herzlich.

Und gerade auf Nikes Fragen freue ich mich wirklich. Legen wir also gleich los. Und die Regeln zum Liebster Award findest Du hier.

  1. Was liest du gerade?Momentan lese ich für eine Blogtour „Kindsräuber“ von Nora Bendzko. Aber auch diverse Fachbücher für meine Abschlussprüfung. Gerade sehe ich hier diesbezüglich kein Land.
  2. Welches Buch hat dich zuletzt richtig beeindruckt?Im Grunde genommen waren das keine Bücher, sondern die Kurzgeschichten von Nike Leonhard und die Novelle von Nora Bendzko. Denn viele Geschichten, die ich gelesen habe, habe ich auch innerhalb kürzester Zeit wieder vergessen. Und das finde ich schade, dass nur noch sehr oberflächlich geschrieben wird.
  3. Was reizt dich an dem Genre, in dem du schreibst?Mein Genre ist unter anderem Fantasy und Steampunk. Mich reizt daran, dass ich schreiben kann, über was ich will. Das bedeutet, dass ich die Grenzen übertreten kann, wenn ich das möchte, ohne mir Gedanken machen zu müssen, dass ich irgendwelche Regeln breche. Zwar gibt es Regeln, aber ich kann entscheiden, ob ich sie annehme oder nicht.
  4. Worüber würdest du nie schreiben?Ehrlich gesagt, über Paare, deren Beziehung sich auf Gewalt, Missbrauch, Stalking und Derartiges beruht. So etwas will ich nicht im realen Leben haben, warum sollte ich darüber einen Liebesroman schreiben? Momentan bin ich durch entsprechende Bücher geschädigt, obwohl ich sie noch nicht einmal gelesen habe.
  5. Stadt oder Land, wo würdest du leben, wenn du die freie Wahl hättest?Stadt wäre momentan London (oder eine andere Stadt auf den Inseln) und Land aktuell Neuseeland.
  6. Was ist deine größte Stärke?Dass ich wohl sehr kreativ bin. Gib mir eine Idee und ich kann daraus was machen. Wobei, behalt Deine Ideen für Dich selbst, ich hab genügend eigene.
  7. Wenn du eine Superfähigkeit haben könntest, welche wäre das?Das ist eine sehr gute Frage. Ich wäre eher dafür, durch die Wände zu gehen oder mich unsichtbar zu machen. Dann könnte ich in manchen Situationen Mäuschen spielen. Oder mein Aussehen verändern.
  8. Wenn du in einem Buch leben müsstest, welches wäre das?Die Villa Kunterbunt wäre doch ein schöner Ort, um einzuziehen, oder?
  9. Was fällt dir beim Schreiben am schwersten?Meine unzähligen Ideen, die immer und immer mehr auftauchen, unter Kontrolle halten. Denn aufgrund dieser Tatsache fällt es mir schwer, die ursprüngliche Geschichte zu schreiben und am Ende schreibe ich gar nichts. Und das ist mein großes Problem. Also ein wenig mehr Disziplin bitte.
  10. Bist du Plotter oder Pantser/Discovery-Writer?In den letzten beiden Jahren habe ich beides ausprobiert und dabei festgestellt, ich brauche einen Plot. Unter anderem halt auch deswegen, um meine Millionen Ideen unter Kontrolle zu bringen. Gleichzeitig bin ich so stur, dass ich dann wieder ausbrechen will, um das zu schreiben, was mir gerade in den Sinn kommt. Aber für mich habe ich entschieden, ein Plot muss sein.
  11. Woran arbeitest du aktuell?An einer Novelle, die sich langsam zu einem Roman entwickelt. Es ist eine Steampunkgeschichte und ich möchte einige Elemente vereinen, die ich im Blog angesprochen habe. Mehr verrate ich nicht, nicht dass mir doch noch so ein Plothässchen über den Weg läuft.

Du bist dran

Dir haben die Fragen gefallen? Dann darfst Du sie gerne mitnehmen. Verlink dabei gerne diesen und den Originalbeitrag von Nike Leonhard. Ich würde mich freuen.
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[Schreibsonntag] Mein Februar 2017

Hei, hallo und herzlich willkommen,

zugegeben, der Februar ist so schnell vergangen, dass ich kaum hinterher kam. Der Newsletter ist aktuell nur halb fertig und ich habe vielleicht 5.000 Wörter geschrieben. Und doch ist dieser Monat für mich erfolgreicher, als der Januar. Warum, darüber möchte ich heute schreiben.

Kurze Vorgedanken

Bei mir wird momentan die Luft sehr dünn. Das liegt daran, dass ich Anfang April meine Abschlussprüfung in meiner zweiten Ausbildung schreibe. Das sind drei Klausuren, die sich über eine komplette Woche verteilen. Auf der einen Seite habe ich das Gefühl, kein Problem, ich kann das. Auf der anderen Seite jedoch bin ich mit den Nerven so ziemlich am Ende.

Und das merke ich zwischenzeitlich auch körperlich sehr deutlich. Glaubt mir, wenn das vorbei ist, werde ich mehr als nur ein paar Freudensprünge machen.

Trotzdem bin ich über den Februar froh und dankbar.

Was habe ich geschafft?

Vor einer Woche habe ich mich mit meinem inneren Selbst (in Form einer prominenten Person, dessen Namen ich nicht verrate) zusammengesetzt. Zusammen haben wir über meinen aktuellen Roman gesprochen.

Zwar hatte ich schon viele Details im Kopf, zumal ich ja die erste Version schon fertig habe. Doch es gab noch zu viele offene Baustellen, welche die Geschichte noch nicht ganz rund werden ließ. Es gab also wirklich noch einige Probleme.

Nach diesem inneren Gespräch hatte ich auf einmal die Lösung und es fiel mir regelrecht die Schuppen von den Augen. Wieso war ich nicht schon viel früher darauf gekommen?

Vermutlich lag es daran, dass ich mich noch einmal intensiv mit den Charakteren auseinandergesetzt habe. Denn ich wollte wissen, wer sie sind, was sie antreibt und wohin deren Reise gehen soll. Und das dürfte sich sehr wahrscheinlich in mein Unterbewusstsein festgesetzt haben, sodass ich durch dieses Gespräch (was ja eigentlich ein Monolog war) auf die Lösungen gekommen bin.

Im Nachhinein frag ich mich natürlich immer, warum das so schwer war und wieso ich nicht schon früher darauf gekommen war. Denn ich war sogar bereit gewesen, zwei Ideen über Bord zu werfen, die wieder ein Teil der Geschichte geworden sind.

In der vergangenen Woche habe ich dann die Idee zuerst in meinen Bullet Journal notiert. Und jetzt am Wochenende habe ich alles niedergetippt, was mir für die Grundlage wichtig war. Damit fühl ich mich gewappnet, die nächsten Schritte zu gehen.

Die kommende Woche will ich dann noch ein paar Details ausarbeiten, damit ich weiß, in welcher Phase der Geschichte was passiert. Momentan arbeite ich mit dem 7-Punkte-System, da es mir gerade am meisten zusagt. Mal sehen, wohin es mich führen wird.

Und diesen Monat hat es noch einmal ordentlich Plopp gemacht. Und zwar zum Thema Sketchnotes. Seit ich mein erstes Buch darüber gelesen habe, wollte ich es probieren, aber aus irgendwelchen Gründen hab ich nie den wirklichen Draht dazu gefunden. Und dann auf einmal hat es geklappt und ich habe meine erste Zeichnung angefertigt. Klar, es ist noch nicht perfekt, aber immerhin, der Anfang ist gemacht.

Hier ist das Ergebnis:

 

Was ich nicht geschafft habe

Wie oben schon erwähnt, diesen Monat habe ich, wenn es hochkommt, gerade 5.000 Wörter geschrieben. Die Wörter für den Plot habe ich nicht mitgezählt. Aber dafür habe ich mein Prolog und Kapitel 1 überarbeitet.

Klar, nachdem sich die Geschichte herauskristallisiert hat, muss ich daran noch einmal Hand anlegen. Aber die Richtung der beiden Kapitel stimmt durchaus. Daher ist das keine Zeitverschwendung gewesen.

Wie sieht nun der Plan aus?

Obwohl ich im kommenden Monat noch einmal ordentlich lernen muss, plane ich zumindest den gröbsten Teil des Romans überarbeitet bzw. neu geschrieben zu haben. Denn Ende April will ich dann bereit sein, meine ersten Alphaleserinnen zu suchen. Ob das nicht ein zu ehrgeiziger Plan ist, werde ich dann Ende April feststellen, aber zumindest ist das meine erste richtige Deadline. Und zumindest werde ich versuchen, mich daran zu halten.

Abschlussgedanken

Wortmäßig war der Februar in der Tat enttäuschend, darüber will ich nicht hinwegsehen. Aber trotzdem endet der Monat für mich persönlich mit einem ordentlichen Paukenschlag. Immerhin habe ich den Plot jetzt so weit, dass ich damit was anfangen kann. Die Figuren sind mir so richtig vertraut und vor allem, ich kenne den Konflikt.

Vorher hatte ich nur wage Ideen, jetzt weiß ich Bescheid. Und damit kann ich nun besser arbeiten.

Und ja, gestern überfiel mich so ein gemeines Plothässchen. Dabei hab ich mir nur ein Video angesehen und schon hat es sich selbstständig gemacht. Gemeinheit.

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4 Ratschläge, wie Du Charaktere mit körperlichen – geistigen Besonderheiten schreiben kannst

Hei, hallo und herzlich willkommen,

über behinderte Charaktere kann man nicht schreiben, man ist doch nicht selbst betroffen, wie soll man denn das bitte schön so sensibel hinbekommen?

Kurze Vorgedanken

Wer über Menschen mit körperlichen oder geistigen Besonderheiten, Einschränkungen oder wie man das alles auch immer politisch korrekt bezeichnen möchte, schreiben will, könnte erst einmal verschreckt sein. Denn, wenn man selbst nicht im Rollstuhl sitzt oder eine Depression hatte, wie soll man das bitte realistisch darstellen?

Jetzt könnte man sagen, wenn man respektvoll mit der Figur und dem besonderen Zustand vorgeht, reicht das schon. Natürlich, Respekt ist eine wichtige Voraussetzung, um überhaupt über etwas Bestimmtes zu schreiben. Aber das allein reicht nicht aus.

Aber es gibt sehr viele Geschichten, die über Menschen mit Besonderheiten geschrieben oder verfilmt wurde, ohne das die (Drehbuch-)Autorinnen oder RegisseurInnen selbst davon betroffen sind. Es muss also mehr geben, um über diese Gruppe zu schreiben.

Mit vier einfachen Empfehlungen kannst Du Deine Geschichten mit Menschen mit Besonderheiten befüllen, ohne dass Du Dir darüber Gedanken machst, wie Du sie darstellst.

Noch ein kleiner Hinweis: Es gibt zwischenzeitlich viele Empfehlungen zur politischen korrekten Sprache für Menschen mit Einschränkungen. Aber da ich nicht nur über sie schreibe, sondern auch über Menschen mit psychischen Krankheiten, werde ich die Bezeichnung Besonderheiten oder Menschen mit Besonderheiten verwenden. Es mag sein, dass auch diese Bezeichnung nicht sonderlich korrekt ist. Aber ich finde dies immer noch besser, als Menschen mit Einschränkungen zu nehmen.

Empfehlung Nummer 1: Recherche

Natürlich könntest Du Dich in einem Rollstuhl setzen, um nachzuvollziehen, wie es ist, nur auf die Hände angewiesen sein. Oder verbind Dir die Augen und geh mit einem Blindenstock durch die Welt. Das sind durchaus Möglichkeiten, um ein wenig einer Gruppe näherzukommen.

Aber wenn Du über ein Mobbingopfer schreiben willst, nie aber gemobbt wurdest oder über eine Person mit Depressionen, sieht die Sache anders aus. Wie willst Du nachempfinden, wie es ist eine Schizophrenie zu haben? Oder Alzheimer?

Daher ist eine ausführliche Recherche hier durchaus angebracht. Finde heraus, was eine Krankheit, Einschränkung, Besonderheit ausmacht. Und zwar erst einmal auf der theoretischen Ebene.

Wenn Du zum Beispiel über einen Charakter schreiben möchtest, die oder der eine Depression hat, dann reicht es nicht aus, diese nur als Depression zu bezeichnen. In meinem Kurs zur Heilpraktikerin begrenzt auf dem Gebiet der Psychotherapie habe ich gelernt, dass es mehrere Einteilungen gibt. Unter anderem die leichte Depression, die mittelschwere Depression, die schwere Depression und die schwere Depression mit somatoformer Störung.

Dann empfiehlt es sich zu wissen, wie die Depression entsteht (auch wenn es eine klare Antwort noch nicht gibt), wie sie sich zeigt, wie die Phasen sind und wie man sie behandelt (sowohl mit Medikamenten, als auch mit anderen Methoden).

Also zuerst die Theorie, dann die Praxis. Also, wie es sich in der Realität zeigt, wie die Gefahr einer Selbsttötung ist, wie die Menschen der Umgebung damit umgehen (könnten) und so weiter. Es ist nicht leicht, aber hier gehört eine Menge dazu.

Wenn Du Dich mit Menschen unterhalten kannst, dann ist das hervorragend. Aber es gibt auch genügend Berichte oder Romane zu den verschiedensten Themen, dass Du Dich auch darüber belesen kannst.

Das gilt natürlich auch für alle anderen Besonderheiten. Wie ist es nur ein Bein zu haben? Oder das Asperger-Syndrom zu haben? Kleiner Tipp an dieser Stelle, auf Englisch bekommst Du häufig die besseren Bücher, da die medizinische Weltsprache englisch ist. Zudem gibt es auch im englischsprachigen Bereich Romane, die bis heute noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden, obwohl sie es verdient hätten.

Wenn Du Deine Ergebnisse in einer Geschichte dann präsentieren möchtest, dann ist es hier wichtig zu schauen, was für eine Geschichte Du schreibst. In einem Roman aus der Gegenwart oder Zukunft kannst Du natürlich das Wort Depression verwenden. Aber in einem historischen Roman, eventuell auch Fantasyroman sieht das anders aus.

Hier ist es fast unmöglich zu sagen, dass ein Charakter Depression hat (beim Fantasyroman können wir natürlich darüber diskutieren). Daher musst Du es hier zeigen, dass der Charakter eben depressiv ist. Und dazu kommt noch die Recherche, wie man damals darauf reagiert hat bzw. haben könnte.

In diesem Teil wirst Du wahrscheinlich die meiste Arbeit stecken. Aber wie bei einem guten Plot, wenn Du das tust, hast Du es am Ende leichter, wenn Du darüber schreibst.

Empfehlung Nummer 2: Es geht nicht um die Besonderheit in Deiner Geschichte

Wenn man über Menschen mit Besonderheiten schreibt, könnte man leicht verführt werden, diese ins Zentrum der Geschichte zu stellen. Doch das würde dazu führen, dass man den Charakter eben nicht mit Respekt behandelt. Zumindest aus meiner Sicht.

Nehmen wir an, Dein Charakter hat ein Bein verloren. Natürlich wird die Figur weinen, heulen und fluchen. Das ist auch völlig in Ordnung. Und sie oder er darf auch mal in die Welt schreien, warum ich.

Aber letztendlich geht es nicht um die Besonderheit selbst, sondern um das Leben der Person. Idealerweise integriert sie oder er die Besonderheit im Leben und wächst darüber hinaus.

Achtung: Spoiler zu Dr. Strange

Dr. Strange zum Beispiel hatte einen schweren Unfall. Dadurch verliert er seine Arbeit und seine Besonderheit. Der erste Teil des Films dreht sich um seine Besonderheit. Doch dann nimmt er die Einschränkung an und wird zu dem, den wir am Ende des Films kennen. Seine Besonderheit hat er weiterhin. Aber er hat sie in sein Leben integriert. Und trotzdem ist er nicht gesund geworden.

Integriere also über die Dauer der Geschichte die Besonderheit in den Plot hinein. Und dann zeig Deinen Charakter, wie sie oder er über sich hinauswächst und wie die Besonderheit im eigenen Leben integriert.

Empfehlung Nummer 3: Zaubere die Besonderheit nicht einfach weg

Kennst Du Toph aus der Serie „Avatar – Der Herr der Elemente„? Bei ihr handelt es sich um eine Erdbändigerin, welche blind zur Welt gekommen ist. Sie hat gelernt sowohl mit ihrer Blindheit zurechtzukommen, als auch diese mit ihren besonderen Kräften (die Erde zu bändigen) zu kompensieren. Doch wenn sie etwas sehen soll, dann ist sie eben blind. Toph nimmt ihre Umgebung auf andere Weise war.

Während der ganzen Geschichte bleibt Toph blind. Sie kann ihre Blindheit ausgleichen, aber sie wird nicht spontan geheilt und kann am Ende sehen. Das ist das Besondere an ihr.

Auf der anderen Seite haben wir Barbara Gordon alias Batgirl. Bei einem Angriff des Jokers auf sie, landete sie im Rollstuhl und wurde zu Oracle. Doch dann entschieden die AutorInnen, dass sie als Batgirl scheinbar viel zu wertvoll oder auch beliebt ist und dann ließ man sie heilen. Sie kann nun wieder laufen.

Natürlich gibt es sie, die Heilungen von schweren Besonderheiten. Darüber gibt es genügend Beispiele (und ich gestehe, dass ich, wenn ich das im Fernseher sehe, dass ich mir schon einige Tränchen verkneifen muss). Aber der Großteil der Menschen mit den Besonderheiten behält dies für ein ganzes Leben.

Daher solltest Du Dir überlegen, ob es wirklich korrekt ist, wenn Du unbedingt Deine Charaktere von ihrer Besonderheit heilen musst. Denn amputierte Körperteile wachsen nicht nach (außer in der Zukunft vielleicht) und viele psychische Krankheiten bleiben häufig ein ganzes Leben lang.

Der Respekt für den Charakter bedeutet auch, dass sie in dieser Hinsicht kein Happy End kriegt.

Empfehlung Nummer 4: Benenne die Besonderheit ganz klar

Wenn jemand in Deiner Geschichte auftritt, der eine Besonderheit hat, dann benenne diese ganz klar. Oder zeig zumindest, dass sie oder er eine hat. Kehre sie nicht einfach unter dem Teppich und tu so, als ob da nichts wäre.

Klar, in einem historischen Roman kann niemand kommen und sagen, die Frau ist keine Hexe, sie hat nur Schizophrenie. Damals kannte man diese Krankheit nicht und man hatte eben andere Erklärungen dafür. Aber für Du als AutorIn weißt, was für eine Besonderheit Deine Figur hat. Zeig sie also daher klar und versteck Dich nicht hinter Halbwahrheiten oder Möglichkeiten.

Wenn Du also eine Besonderheit einführst, dann zeig uns diese genau. Du musst sie nicht benennen, aber zeig ganz klar, dass etwas nicht stimmt und das dies ein Teil des Lebens dieses Charakters ist.

Abschlussgedanken

Natürlich werden jetzt keine Geschichten aus dem Boden schießen, in denen es um Menschen mit Besonderheiten geht. Das ist mir bewusst. Aber wenn Du eine entsprechende Geschichte schreiben möchtest, ich denke, Du hast nun eine gute Liste, um solche Charaktere zu schreiben.

Und vielleicht wagst Du Dich in Deiner Geschichte an solche Charaktere heran. Zumindest würde ich mich persönlich freuen.

Serien, Filme oder auch Bücher

Schau Dir Serien oder Filme an bzw. lies Bücher über Menschen mit Besonderheiten. Wie werden sie dargestellt? Kannst Du die oben aufgeführten Punkte nachvollziehen, fehlt etwas in der Geschichte? Oder in meinen Ausführungen?

Dein Charakter

Für Deine nächste Geschichte könntest Du vielleicht einen Charakter mit einer Besonderheit vorstellen. Wie würde sie oder er aussehen, welche Besonderheit wählst Du? Und lässt Du diesen Charakter auch wirklich auftreten?
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