8ter Dezember – Charakter: GMC-KE – Chart

In der letzten Woche haben wir uns mit dem Brainstorming beschäftigt um überhaupt etwas in der Hand zu haben, mit dem wir etwas schreiben können. Diese Wochen schreibe ich über die Charaktere. Dabei geht es um konkrete Hinweise, wie Du Deinen Charakter besser kennen lernen kannst, um mit ihr am Ende zu schreiben zu können.

Elizabeth George schreibt in ihrem Buch „Wort für Wort – oder die Kunst einen guten Roman zu schreiben“, dass für sie die Charakteranalyse mitunter die wichtigste Aufgabe ist. Letztendlich steht mit einem gut ausgearbeiteten Charakter die Geschichte – oder fällt mit ihr. Andere hingegen schreiben, dass für sie die Plotarbeit das Wichtigste ist (was wir nächste Woche machen).

Im Grunde genommen ist es so, egal wie Du es machst, Du machst es sowieso falsch 😉 Also fange ich mit den Charakteren an.

Am Anfang und am Ende erstelle ich selbst immer eine Übersicht der jeweiligen Figur mit dem GMC-KE Chart.

In vorherigen Beiträgen habe ich bereits darüber berichtet (siehe die Links am Ende des Beitrages), aber hier gehe ich noch einmal detailliert darauf ein.

GMC steht für Goal, Motivation und Conflict (nach Debra Dixon). Ich selbst habe noch das KE hinzugefügt. Also die Katastrophe und die Erleuchtung (über letzteres habe ich noch nicht geschrieben).

Fangen wir von Anfang an:

Goal

Jeder Mensch und letztendlich auch jede Figur in einer Geschichte hat ein Ziel. Das gilt sowohl im inneren (zum Beispiel die große Liebe finden, sich sicher fühlen oder ähnliches), als auch in der äußeren Welt (eine neue Stelle finden, den Mörder meines Schatzes dingfest machen, etc.).

Dieses Ziel trägt deine Figuren durch den Plot. Denn es geht am Ende der Geschichte um die Frage:

Wird meine Figur ihr Ziel erreichen?

Für den Bösewicht gilt die Antwort Nein. Ganz klar. Würde Darth Vader gewinnen, wäre es mit der Rebellion vorbei und das Universum sähe in Star Wars ganz anders aus. Oder wenn Du-weißt-schon-wer wirklich Harry Potter getötet hätte, was wäre aus der magischen und letztendlich auch aus der Welt der Muggle geworden?

Ein Bösewicht darf natürlich nicht gewinnen. Das sollte uns klar sein. ABER … das bedeutet nicht, dass du es deinen HeldInnen zu einfach machen darfst. Dein Bösewicht darf ein starkes Ziel haben und deinen HeldInnen sogar ein wenig überlegen sein. Und am Ende treten sie ihm / ihr in den Hintern und gewinnen 😉

Wie sieht es aber mit deinen HeldInnen aus?

Sie dürfen ihr Ziel erreichen, müssen es aber nicht!

Was hat das jetzt zu bedeuten? Du stattest Deine Figuren hoffentlich mit einem schönen inneren und äußeren Ziel aus. Idealerweise widersprechen sich die beiden Ziele. Und dann heißt es am Ende, dass Deine Figur entscheiden muss, was will ich wirklich.

Wenn das innere Ziel ist, Karierre zu machen, das äußere Ziel aber Mutter und Ehefrau zu werden, muss eines der beiden Sachen am Ende auf der Strecke bleiben. Wenn Du entscheidest, dass ihr wahres Ziel ist, eben Mutter und Ehefrau zu werden, ist das in Ordnung, solange Du auch überzeugend erklären kannst warum. In diesem Fall bleibt ihr Ziel Karierre zu machen auf der Strecke. Oder andersherum.

Überlege Dir genau, welche Ziele Du Deinen wichtigen Figuren gibst und ob sie diese erreichen. Und ja, es gilt auch für den Bösewicht der Geschichte. Auch sie / er muss ein Ziel haben. Weltherrschaft, die Liebe des Helden, einen Pelz aus 101 Dalmatiner, egal was es ist, aber auch Dein Bösewicht muss ein Ziel haben.

Motivation

Ein Ziel haben ist ja schön und gut. Doch wenn ich nicht davon überzeugt bin, warum meine Figuren dieses Ziel erreichen wollen, folge ich ihnen nicht. Und das gilt auch für die Figuren aus anderen Romanen.

Warum will Deine Figur ihr Ziel erreichen?

Aus welchem Grund hat sich Darth Vader dem Imperator angeschlossen? Weshalb hat sich Dr. Watson entschieden bei Sherlock Holmes zu bleiben und seine Geschichten aufzuschreiben? Begründe die Handlungen deiner Figuren und dann hast Du die Möglichkeit, dass ich als Leserin Dir gerne folge.

Wenn deine Figur unbedingt eine eigene Firma aufmachen will, wo sie nur Frauen beschäftigt (natürlich in den 20ern 😉 ), dann wird sie dafür einen guten Grund haben. Hat sie die Schnauze voll, dass sie andauernd als Mensch zweiter Klasse wahr genommen wird? Will sie endlich eine vernünftige Bezahlung oder mehr Rechte für Frauen?

Und wie sieht es mit ihrem Innenleben aus? Zwar kämpft sie um Anerkennung in der Welt, aber will sie auch die Liebe einer gegnerischen Kraft? Des smarten Reporters, der sie als Weibchen hält? Oder wie sieht es aus?

Du kannst deine Heldin beide Ziele erreichen lassen, solange die Motivation stimmt und sie am Ende harmonisch miteinander verwoben sind, ohne das deine LeserInnen aus dem Plot fliegen.

Conflict

Natürlich darf Deine Figur nicht durch den Plot latschen und letztendlich ohne Probleme ihr Ziel erreichen. Dann wäre die Geschichte nach gut zehn oder zwanzig Seiten zu Ende. Das wäre für Dich unbefriedigend und ich würde mir die Geschichte nicht kaufen. Es kommt ja nichts darin vor.

Versuche also herauszufinden, wie deine Figur beim erreichen ihres Zieles gestört werden kann. Sowohl im inneren, als auch im äußeren Bereich. Hat sie Selbstzweifel ihre eigene Firma zu gründen oder was für Gründe kann es geben, dass sie es nicht machen will / kann / möchte / soll.

Was kann alles schief gehen? Finde das heraus und wenn Du es weißt, lass es auch schief gehen 🙂 Und zwar so richtig.

Und natürlich darf auch mindestens ein großer Konflikt von außen kommen. Schreibt der smarte Reporter Schmähschriften über sie? Stellt sich die Weimarer Regierung gegen sie und ihre Vorhaben (Frauen machen das nicht)?

Suche gute Gründe für einen Konflikt, damit deine Figur kurzfristig daran scheitern kann, stolpern, auch hinfallen kann. Aber am Ende steht sie auf, überwindet alle Konflikte und siegt (außer natürlich sie ist der Bösewicht).

Katastrophe

Durch die Schneeflocken-Methode bin ich auf die Katastrophe gestoßen.

Deine Figur hat ein Ziel, welches sie unbedingt und unter allen Umständen erreichen will? Aber was passiert, wenn sie es nicht schafft? Geht sie nach Hause, zuckt mit den Schultern und sagt sich, hat eben nicht geklappt, gut ist, ich gehe dann mal was essen und dann ins Bett?

Im Idealfall sollte sie etwas verlieren, dass ihr sehr wichtig ist. Nicht nur Geld oder so. Das kann man Notfalls anders wieder besorgen. Es geht um etwas sehr schmerzhaftes. Ansehen, die Liebe ihrer Mutter, das Sorgerecht für ihre Kinder.

Also wirklich was Lebensnotwendiges.

Überlege Dir genau, was es ist. Denn das ist auch wichtig für Dein Plot. Wenn Deine Figur etwas wichtiges verlieren könnte, wird sie alles dafür tun um es zu erreichen. Und genau da liegt die Kraft in Deiner Figur. Wenn sie bereit ist für das Ziel über Leichen zu gehen (bildlich gesehen oder auch wörtlich, das entscheidest Du), dann hat sie eine ganz andere Motivation, als wenn sie davor Hemmung hat.

Und ja, da haben wir es, die Katastrophe führt zur Motivation. Hier haben wir also einen Bogen, dass eben alle Punkte irgendwo miteinander zusammenhängen.

Erleuchtung

Deine Figur hat ihr Ziel erreicht, welche Erleuchtung hat sie davon getragen.

Ja, stell Dir jetzt die Szene in den ganzen Filmen vor, wo die Figuren das ersehnte erreicht wird, das Licht angeht und ein Chor „Halleluja“ singt.

Na, vorgestellt?

Okay, genug davon, weiter geht es. Wir sind auch fast fertig miteinander.

Deine Figur muss aus dem Erreichen ihres Zieles etwas lernen, irgendetwas. Sie muss reifen, eine Erkenntnis haben, etwas lernen, suchs dir aus.

Was ist das? Was hat Deine Figur davon, sich mit den Mächten der Dunkelheit, mit Engeln, Vampiren oder der Schwiegermutter anzulegen und zu gewinnen? Eine Erkenntnis, eine innere Weisheit, die Liebe ihres Lebens? Das liegt an Dir.

 

Diese Punkte trage ich in einer Tabelle für den inneren und den äußeren Teil meiner wichtigsten Figuren. Das mache ich einmal am Anfang, wenn ich beginne sie kennen zu lernen und dann noch einmal kurz am Schluss, wenn ich sie kenne. Denn da könnte sich der eine oder andere Punkt geändert haben. Dann aktualisiere ich die Tabelle und schreibe mit der zweiten Version.

Das Beste an dieser Tabelle ist aber, Du kannst sie theoretisch für jede Szene benutzen.

Und ja, das meine ich sehr wohl ernst.

Aus Spaß habe ich einige Szenen in Gedanken mal durchgespielt und geguckt, wo ich die fünf Punkte entdecken kann. Und bisher habe ich sie in größeren Szenen immer in irgendeiner Art und Weise gefunden. Manchmal musste ich schon um die Ecke denken, aber da war sie.

Das bedeutet für Dich: Mit dieser Methode kannst Du sowohl Deinen Charakter kennenlernen, als auch Dein Plot und zu guter letzt jede Szene.

So etwas nennt man ein Universalschreibwerkzeug 😉

 

Links innerhalb meines Blogs:

Goal Motivation, Conflict und die Katastrophe: (https://schreibkasten.wordpress.com/2014/10/24/goal-motivation-and-conflict-und-die-katastrophe/)

Die Katastrophe (https://schreibkasten.wordpress.com/2014/10/19/die-katastrophe-charakter-plot/)

Charakter vs. Plot (https://schreibkasten.wordpress.com/2014/11/21/charakter-vs-plot/)

Advertisements

Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeine Schreibtipps, Charakter, Dezember 2014, Plot, Szene abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s