11ter Dezember – Interview

Es gibt verschiedene Arten um einen Charakter kennen zu lernen. Einige davon stelle ich Dir hier ja nach und nach vor. Und nächstes Jahr geht es mit dem Projekt „Ein Jahr, ein Roman“ damit weiter. Zu den Arten den Charakter kennenzulernen, gehört über sie zu schreiben (also Kurzgeschichten, Szenen und so weiter), Datenblätter anlegen, sie in ungewohnte Szenen reinzuwerfen und einiges mehr.

Eine meiner Lieblingsmethoden um nicht nur den Charakter kennen zu lernen, sondern auch die Stimme näher zu bestimmen, ist das Interview.

Und es ist genau das, was Du jetzt denken magst.

Du interviewst Deine Figur. So wie Du es aus dem Fernsehen kennst. Ganz banal und doch sehr effektiv.

Fang mit der einen oder anderen unverfänglichen Frage an, wie zum Beispiel:

  • Wie ist Dein Name?
  • Woher kommst Du?
  • Was möchtest Du machen?
  • etc.

Es sind nicht die Fragen, welche das Interview leiten, sondern die Antworten Deiner Figur. Denn nach und nach wirst Du sehen, dass Deine Figur einen eigenen Charakter „entwickelt“ hat und durch die Antworten Dir entweder ein anderes Bild von sich gibt, als Du bisher dachtest oder ganz anderes reagiert.

Besonders wird das interessant, je besser Du Deine Figur zwischenzeitlich kennst. Wenn Du ein wenig Arbeit investiert hast, dann wird das Interview sehr üppig ausfallen.

Einer meiner männlichen Hauptfiguren, den ich mal interviewt habe, wich mir permanent aus, wenn ich ihn etwas persönliches fragen wollte. Aber er war nicht geheimnisvoll, ihm war es eher unangenehm, wenn er über sich reden sollte. Das hatte ich die ganze Zeit schon geahnt, aber da wurde es mir klar, dass er wirklich so ist. Schüchtern, zurückhaltend, in sich gekehrt.

Und diese Information verwende ich dann in meine Geschichte, um ihn authentischer zu gestalten. Denn darum geht es ja beim schreiben. Auch wenn es letztendlich nur erfundene Figuren sind, ich möchte sie so authentisch wie es mir nur möglich ist, darstellen.

In diesem Interview können sich auch neue Informationen offenbahren, an die Du zuvor gar nicht gedacht hast. Zwar sind sie natürlich alle da, aber durch das aktive sprechen (und sei es auch nur in deinen Gedanken) mit deiner Figur, mit dieser Person, tauchen all diese Informationen auf, damit Du sie verwenden kannst.

Auch hier kannst Du handschriftlich alles aufschreiben, aber bei mir ist es so, dass die Worte schneller fließen, als meine Hand über das Papier rutscht (oder die Finger über die Tastatur). Das ist daher doch schon schwierig, aber nicht unmöglich.

Alternativ ist natürlich auch möglich mit dem PC zu schreiben. Zwischenzeitlich gibt es auch sehr gute Programme, wo Du Deine Texte diktieren kannst. Und ja, auch Diktiergeräte gibt es auch.

Das Diktiergerät ist schon fast am empfehlenswertesten, weil Du da hin und her springen kannst, ohne Dir Gedanken zu machen, dass Du nicht mitkommst, mit dem Schreiben beziehungsweise mit dem Tippen. Wenn Dir während des Interviews Gedanken kommen, die Du verfolgen möchtest, aber gerade nicht aufschreiben kannst, dann diktierst Du sie und kannst einfach weiter machen.

Wenn Du einE SchreibpartnerIn hast, dann kannst Du mit ihr/ihm zusammenarbeiten. EineR von Euch beiden stellt die Fragen und die andere Person antwortet dann. Wenn Du die Person bist, die antwortet, dann gilt folgendes:

Während des Interview schlüpfst Du kurz in die Rolle der Figur, die interviewt werden soll. Für die nächste Viertelstunde, halbe Stunde, egal wie lang, bist Du dann jemand anders. DeinE PartnerIn stellt Dir die Fragen und Du antwortest aus der Sicht der Person. Nicht nachdenken, einfach antworten. Das kann auch zu überraschenden Ergebnissen führen. Zumal Du nicht weißt, welche Fragen Dir um die Ohren geworfen werden.

Danach wechselt ihr beide dann einfach die Rollen (DeinE SchreibpartnerIn soll ja auch rankommen) und Du kannst dann sehen, wie jemand anders in die Figur hineinwächst.

Auch wenn es sicherlich Spaß macht, zu zweit zu arbeiten, alleine geht es auch sehr gut.

Probier einfach mal das Interview aus. Und wenn es Dir nicht zusagt, ist es auch in Ordnung 🙂

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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