[Was bedeutet …] Anthologie

Jeder Fachbereich hat eine eigene Sprache: sei es die Computersprache, die juristische, im Reitsport oder eben auch in der Literatur. Wenn ich zu einem Fachwort etwas weiß oder herausgefunden habe, stelle ich Dir die Hintergründe und meine eigenen Gedanken dazu vor.

Fangen wir heute mit etwas an, was die meisten Literat_innen kennen, aber spätestens viele Leser_innen, die sich nicht damit direkt beschäftigen, auf Unverständnis stoßen.

Das Wort Anthologie stammt aus dem griechischen und wird mit Blütenlese bzw. mit einer Ansammlung von Blumen übersetzt (http://de.wikipedia.org/wiki/Anthologie).

Kurz zusammengefast für die literarischen Szene bedeutet es schlicht eine Ansammlung von kurzen Geschichten mit unterschiedlicher Länge zu einem Buch. Der Grund für die Sammlung der Kurzgeschichte könnte ein gemeinsames Thema (z. B. Liebe, Krimi, etc.) oder auch von einer / einem Autor_in sein.

Sehr häufig stammen Anthologien von kleinen Verlagen, damit Jungautor_innen (also nicht vom Alter her jung, sondern von der Anzahl der Veröffentlichungen) eine Chance haben ihre Arbeit einem größeren Publikum vorzustellen, nun ja, relativ gesehen.

Aber fangen wir mal ganz klein an, sonst komme sogar ich durcheinander 😉

Also, eine Anthologie ist eine Zusammenfassung von Kurzgeschichten. Meistens (aber nicht immer, bitte also hier nicht alles in Stein gemeißelt betrachten) schreiben kleinere Verlage Ausschreibungen für eine Anthologie aus, damit eben die oben erwähnten Jungautor_innen, aber auch erfahrene Autor_innen einen Beitrag einsenden können.

Aus den eingesandten Beiträge werden die besten Geschichten ausgewählt (wobei natürlich jeder Verlag eigene Kriterien anwenden kann) und dann am Ende zu einem Buch zusammengefügt. Dieses kann man dann im Laden (theoretisch) oder Online (eher) käuflich erwerben.

Leider haben Anthologien, zumindest im deutschprachigen Raum, nicht die Reichweite, die man sich wünscht (sowohl als Verlag, als auch als Autor_in). Denn viele kennen noch nicht einmal den Begriff „Anthologie“, geschweige was sich dahinter verbirgt.

Das bedeutet aber nicht, dass die Teilnahme an den Ausschreibungen keinen Sinn machen.

Im deutschsprachigen Raum gibt es eine große Anzahl von Ausschreibungen. Einfach den Suchbegriff „Ausschreibung Kurzgeschichte“ (eventuell noch das aktuelle Jahr eingeben) und schon wirst Du fündig.

Lese Dir die Bedingungen für die Ausschreibung genau durch. Denn häufig sind die Ausschlusskriterien für eine mögliche Aufnahme entscheidend. Dazu gehört die Anzahl von Wörtern oder Zeichen, ganz wichtig natürlich das Thema (dieses kann sehr allgemein oder auch sehr speziell sein) und was nicht mit in die Geschichte einfließen soll / darf. Hältst Du Dich nicht an diese Punkte, fliegt Deine Geschichte häufig automatisch raus, ohne das diese eingehend geprüft wird. Und dabei kann es völlig egal sein, wie gut sie ist.

Von größeren Verlagen habe ich bisher keine Ausschreibung gefunden. Das bedeutet nicht, dass sie es nicht auch machen, aber dann gehen sie auf ihre Stammautor_innen zu und bitten diese um eine Geschichte.

Wenn also ein größerer Verlag zum Thema „Fantasy“ eine Anthologie herausbringen will, dann geht dieser auf die verkaufskräftigsten Autor_innen des Hauses zu und bittet diese um eine Kurzgeschichte. Diese erfahren dann ein Lektorat und Korrektorat und landen dann am Ende in dem Band. Solche Bänder habe ich schon mehrere Male gesehen. Hierbei werden aber häufig Geschichten aus den jeweiligen Welten der Autor_innen geschrieben.

Zum Beispiel eine Scheibenweltgeschichte von Terry Pratchett, eine Geschichte der Aes Sedai von Robert Jordan (die gab es, deswegen erwähne ich es hier) und so weiter.

Wobei mir gerade einfällt, dass die Autorin Marion Zimmer-Bradley eigene Anthologien mit den Geschichten von anderen Autor_innen veröffentlicht hat. Auch das geht.

Wenn Du also Deine Kurzgeschichte in einer Anthologie sehen möchtest, suche nach den kleineren Verlagen, damit sie dort erscheinen kann.

Es besteht zwischenzeitlich auch die alternative Möglichkeit, eine eigene Anthologie herauszubringen. Schreibe entweder alleine Kurzgeschichten oder Novellen, lasse sie korrigieren und lektorieren und veröffentliche diese in Eigenregie mit einem hübschen Cover auf einer SP Plattform.

Natürlich kannst Du Dich auch mit anderen Autor_innen zusammentun und ihr arbeitet gemeinsam an einem entsprechenden Band (ein Beispiel gefälligst?: http://www.amazon.de/Hoffnung-Vertrauen-Vergebung-Geschichten-Liebe-ebook/dp/B00P8ISSTE/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1423333769&sr=8-4&keywords=annika+b%C3%BChnemann).

Sucht euch gemeinsam ein Thema aus, worüber ihr Schreiben wollt und wie die Bedingungen dazu aussehen. Also wie lang soll die Geschichte sein, was darf rein und was bleibt draußen. Der Link von oben stammt aus der Romanceecke. Da gibt es viele Varianten. Reine Romance ohne Erotik, Romantasy, Paranormal Romance, Erotik und so weiter. Was gefällt euch und was wollt ihr auf keinen Fall umsetzen.

Aber eines sollte Dir immer klar sein: Anthologien bringen nicht das große Geld ein. Häufig bringen Sie noch nicht einmal kleines Geld ein.

Die meisten Verlage, welche Ausschreibungen veranstalten, bieten ein Belegexemplar und ein Autor_innenrabatt an. Meistens war es das. Das bedeutet, Du kannst selbst die Bücher günstiger kaufen, bist aber danach verpflichtet sie zum Verlagspreis (Stichwort: Buchbindungspreis) zu verkaufen. Gelegentlich bekommst Du damit ein paar Euros. Wenn Du wirklich dahinter bist, eventuell sogar mehr.

Wenn Du an Schreibwettbewerbe teilnimmst, kannst Du sie auch in Deiner Vita schreiben und Deinem zukünftigen Verlag darauf aufmerksam machen. Es ist zwar ein Mythos, dass man eher ein Verlagsvertrag bekommt, nur weil man einige Kurzgeschichten veröffentlicht hat. Denn es kommt dem Verlag nicht auf die Qualität Deiner Kurzgeschichten an, sondern auf die Qualität des Produktes, was Du bei denen veröffentlichen willst. Aber sie werden sehen, dass Du Dich immer wieder mit Deinem Schreiben beschäftigt hast. Ein Nachteil sollte das für Dich nicht werden.

Hier noch ein Schreibtipp für Dich: Wenn Du gar keine Lust hast, Dich in dem Gewühl der Ausschreibungen hineinzustürzen, solltest Du Dir trotzdem die Wettbewerbe anschauen. Und zwar aus folgenden beiden Gründen:

  1. Als Inspiration für Deine eigene Geschichten.
    Man weiß nie, auf welche Ideen Du noch kommst, weil Du Dir die Bedingungen für eine Ausschreibung durchgelesen hast. Ich hatte einige interessante.
  2. Zur Übung.
    Schreib zu der Ausschreibung ein Text, also eine Kurzgeschichte. Und das immer und immer wieder.
    Ich überlege schon seit Tagen wer den folgenden Spruch gesagt hat (ich gebe es sinngemäß wieder): Schreibe jede Woche eine Kurzgeschichte. Es wird schon eine gute dabei sein, weil Du nicht permanent schlecht schreiben kannst.
    Recht hat die Person.

Hier noch eine gewaltige Warnung:

Es gibt unter den Verlagen, welche Anthologien veröffentlichen auch welche, die nicht ganz höflich sind (sagen wir es mal so).

Jeder seriöser Verlag (sei dieser noch so groß oder noch so klein) verlangt NIEMALS Geld von Dir für die Veröffentlichung. Entweder der Verlag zahlt für Dich die Veröffentlichung (also in dem dieser in Vorkasse geht und damit das wirtschaftliche Risiko trägt) oder lässt es sein.

Aber auch unter den Anthologieausschreibungen gibt es Abwandlungen von DKZ-Verlagsmethoden (Druckkostenzuschussverlage, dazu gibt es noch einen Extrabeitrag).

Schon öfters habe ich gesehen, dass Verlage interessante Ausschreibungen haben, aber eine Mindestabnahme verlangen. Also Du sollst eine bestimmte Menge an Büchern abnehmen, damit sich der Druck auch lohnt. Dadurch entfällt auch schon der Dir zustehende Belegexemplar.

Manchmal sind es nur zwei oder drei Exemplare, die man abnehmen soll, manchmal auch mehr. Das mag man als harmlos hinstellen, aber letztendlich schiebt der Verlag die finanziellen Risiken auf die Autor_innen ab. Und wer das macht, sollte erst gar nicht veröffentlichen wollen (zumal es genügend alternativen gibt, um das finanzielle Risiko zu minimieren).

Denn seien wir mal ehrlich, wenn ich eine Kurzgeschichte in einer Anthologie veröffentliche, dann nehme ich von mir aus schon eine gewisse Menge ab. Alleine für meine Eltern, gegebenenfalls Geschwister und auch Freund_innen und eventuell Kolleg_innen / Mitschüler_innen / Mitstudent_innen. Da kann es bei einer Person mit einem kleinen Bekanntenkreis schon mal bis zu zehn oder mehr Exemplare werden.

Und dann gibt es noch die Social Media. Über diesen bin ich mal ein Band meiner allerersten Veröffentlichung losgeworden. Und ich habe es noch nicht einmal aktiv beworben.

Weiterhin kann es aber auch Dein Ruf ruinieren. Denn was hört sich besser an:

  • Ich habe an einer Anthologieausschreibung teilgenommen und meine Geschichte wurde ausgewählt, sie erscheint demnächst.
    oder
  • Ich habe an einer Anthologieausschreibung teilgenommen, sobald ich die Mindestabnahme bezahlt habe, erscheint meine Geschichte.

Der zweite Satz brüllt doch regelrecht danach, dass Du Deine Veröffentlichung nur deswegen zu verdanken hast, weil Du dafür bezahltest. Nicht gerade überzeugend.

Langer Text, kurze Rede. Schreibe Kurzgeschichten, versuche sie in einer Anthologie unterzubringen, schreibe eine eigene Anthologie, schreibe … !!! 🙂

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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