[Vorstellung] Die Archetypen für Deine Geschichte

Ich habe Dir ja versprochen, Dir die Archetypen für die HeldInnenreise vorzustellen und das tue ich hiermit.

Fangen wir mit dem Helden und der Heldin an.

Diese Figur ist bereit die eigenen Bedürfnisse die der Gemeinschaft zu opfern. Das kann von persönlichen Einstellungen bis hin zum kompletten Leben sein. In der Heldenreise löst sich die Figur von der Vergangenheit und Gegenwart und geht den eigenen Weg und in die Zukunft. Dein Held oder deine Heldin ist die Identifikationsfigur für Deine Geschichte. Ich als Leserin gehe mit der Heldin und dem Helden mit, auf die Reise, bis in die tiefsten Abgründe.

Natürlich gibt es auch „Das Parfüm“ von Patrick Süßkind, wo der Held ein Mörder ist. Aber das sind wieder die besonderen Ausnahmen, die Du durch das Lesen der Bücher erfährst. Aber ansonsten ist es zumeist eine positive Figur die mich als Leserin in die Welt führt, mit ihr erlebe ich die Abenteuer und am Ende entlässt sie mich in eine bessere Welt. Es gibt eine Art von Happy End (nicht immer das Happy End schlechthin, aber es gibt irgendetwas positives).

Denke daran, wenn Du Deinen Helden oder Deine Heldin kreierst, sie darf und soll Fehler haben. Die perfekte Figur ist nicht (mehr) erwünscht. Das ist langweilig und nicht realistisch. Denn welche Figur / Person ist perfekt? Genau – Superman. Niemand sonst. Alle anderen dürfen und sollen Fehler haben.

Aber sie dürfen auch ihre Schwächen überwinden. Wenn jemand Angst vor Verletzungen hat und daher niemanden vertraut, muss Deine Figur diese Angst am Ende überwinden und lernen jemanden zu vertrauen und dies auch ausleben. Das ist eben die Rolle der HeldIn. Über sich hinaus wachsen, stärker werden und uns auch schon mal zeigen, wie das geht.

Die Rolle der/des HeldIn kann auch wechseln. Gelegentlich kann auch die antagonistische Person eine HeldInrolle übernehmen. Denn jede Figur ist die eigene Heldin und der eigene Held der persönlichen Geschichte.

Ein Mörder wird sich nicht als negative Figur sehen, sondern als tragischen Helden, der seinen Weg gehen muss. Das gilt auch für den Oberbösewicht und auch die ganzen Nebenrollen. Würdige das ruhig bei deiner Planung und Bearbeitung Deiner Charaktere.

DeinE HeldIn muss aber keine Lichtgestalt sein, sondern darf auch von der Sorte tragischeR HeldIn sein. AntiheldInnen und ähnliches. Die moderne Literatur und Serien wie Filme neigen immer mehr auch solche Figuren zu zeigen. Figuren wie Dr. House, HellBoy oder auch Agent Melinda May aus Agents of S.H.I.E.L.D.

Der Schatten

Wie die Bezeichnung schon sagt, handelt es sich hierbei nicht um die positive Seite der Geschichte. Es ist die Seite, die wir nicht sehen wollen, die von uns abgespalten ist und mit denen wir uns ungern auseinandersetzen wollen (in psychologischer Hinsicht).

Vielleicht hast Du im esoterischen Bereich schon mal gelesen / gehört, dass man sich mit dem eigenen Schatten auseinandersetzen soll. Das ist ein Teil von dieser Meinung.

Der Schatten muss nicht immer als AntagonistIn auftreten (es gibt Geschichten wo es solche Figuren erst gar nicht gibt). Sie sind ein Teil der Hauptfigur und muss von ihr überwunden werden. Die eigenen Ängste, Unzulänglichkeiten, Neid, Eiversucht, all diese Dinge sind ebenfalls Schatten.

Aber ja, der Schatten darf auch Dein Bösewicht sein. Es muss nicht immer ein direkter Bösewicht sein, der in schwarz daher kommt, die Leute tötet und die Herrschaft über was auch immer erlangen will. Es kann auch jemand sein, der eigentlich Deine Hauptfigur fördern will und dieser letztendlich im Weg stehen. Denn Dein Schatten hat den eigenen Schatten noch nicht überwunden und fühlt sich verletztlich, wenn sie/er sieht, zu was für ein wunderschöner Stern Deine Hauptfigur wird. Und sie/er hingegen bleibt am Boden und weiß nichts mit sich anzufangen.

Da musst Du genau hinschauen, wer oder was Dein Schatten sein kann. Natürlich darf es der klassische Bösewicht sein, muss es aber nicht.

Der Herold

Auch der Herold muss keine reale Figur sein, darf es aber. Sie fordert DeinE HeldIn heraus sich dem Abenteuer zu stellen und bringt damit die Geschichte in Gang. Der Herold kann eine Nachricht sein, ein Brief aus der Vergangenheit, ein Tagebuch, was auch immer. Aber sie kann auch eine reale Person sein (oder Maschine).

R2D2 ist ein solcher Herold. Er überbringt die Nachricht von Prinzessin Leia und sorgt dafür, dass sowohl Obi-Wan Kenobi als auch Luke Skywalker in die Geschichte eintauchen. Ohne ihn hätten wir kein StarWars (über kurz oder lang).

Ich bezeichne den Herold auch als Möglichkeit die Geschichte in Gang zu bringen. Irgendwie muss Deine Hauptfigur in die Geschichte finden. Sie braucht einen Auftrag. Wenn Du einen Krimi schreibst, ist der Auftrag klar. Die Polizei braucht eine Leiche, der Privatdetektiv einen Auftraggeber. Wie sieht es mit den anderen Geschichten aus? Schaue sie Dir an und Du wirst es herausfinden 😉

Die Mentorin / Der Mentor

Die Mentorin und der Mentor waren einst selbst HeldInnen, welche ihr Abenteuer hinter sich haben. Gelegentlich wollen sie ihre Ruhe und nichts mehr mit dem alten Leben zu tun haben. Denn sie sehen in ihrem vergangenen Leben ihre Schuldigkeit als erledigt. Warum sollten sie noch einmal als HeldIn fungieren?

Tun sie nicht, denn sie müssen nun als BeraterIn, als MentorIn fungieren und der neuen Generation helfen das zu tun, was sie einst vollbracht haben. Weil sie die Geheimnisse kennen, welche das HeldIntum mit sich bringt, können sie weise Ratschläge geben, wissen aber auch, wann sie sich zurückhalten sollen.

Auch diese Rolle kann wandern. Gelegentlich kann auch der Schatten mal die Rolle des Mentors / der Mentorin übernehmen. Aber auch alle anderen Figuren. Selbst der Held / die Heldin kann mal als MentorIn arbeiten, wenn diese einer anderen Figur einen weisen Rat gibt. Und danach erkennt, dass sie / er in eine neue Rolle reingewachsen ist.

Häufig sind Mentoren alte Männer in weißen Roben und einem langen Bart (Klischee lässt grüßen). Aber schau genau hin, denn auch ein Kind kann die MentorInnenrolle durchaus übernehmen. Du musst nur Deine Augen öffnen und dann siehst Du die verschiedenen Möglichkeiten.

Übrigens, eine Geschichte kann mehrere MentorInnen haben.

Die Tricksterin / Der Trickster

Hier haben wir den Koyoten unter den Figuren. Jemand, der gegen den Status Quo ist und am liebsten immer Dagegen ist, selten bis gar nicht dafür. EinE RebellIn, einE AnarchistIn.

Sky aus Agents of S.H.I.E.L.D übernimmt kurzzeitig die Rolle einer Tricksterin, einer Koyotin, bis sie dann wohl zur Heldin wird (auch hier überlappen sich die Rollen).

Gelegentlich kann der Held / die Heldin als Tricksterin beginnen, zieht aber dann die Maske ab und überwindet den Schatten. Aber es kann auch eine eigenständige Rolle sein. Sie zeigen in manchen Szenen eine gewisse Komik, lockern den Ernst auf und finden so zur Lösung und gelegentlich revolutionieren sie auch die Gesellschaft.

Die Schwellenhüterin / Der Schwellenhüter

SchwellenhüterInnen sind TesterInnen für Deine HeldInnen auf den Weg zum Ziel. Sie tauchen auf und testen Deine HeldIn, ob sie/er gerade würdig ist an der entsprechenden Position zu sein.

Dadurch kann natürlich die Geschichte interessanter werden (wenn DeinE HeldInnen regelrecht durch die Geschichte rennen ohne auf wirklichen Widerstand zu stoßen, wird kaum wer sie zu Ende lesen). Sie haben also eine sehr wichtige Funktion für Deine Geschichte.

Jedoch können SchwellenhüterInnen nicht nur FeindInnen sein, sondern auch Verbündete für Deine HeldInnen. Denn hier haben wir es mit BotInnen neuer Kräfte, Einsichten und Fähigkeiten zu tun. Wenn Deine Figur den / die SchwellenhüterIn überwindet, hat diese etwas neues gelernt und wird dadurch besser.

Da fällt mir gerade der Anime „One Piece“ ein. Dort treffen die Figuren immer wieder auf GegnerInnen, wo man glaubt, jetzt müssen sie doch endlich mal scheitern. Und doch überwinden sie diese immer und immer wieder und wachsen daran. Am Ende werden sie stärker und sind eines Tages bereit für den wahren „One Piece“. (Auch wenn die Serie an vielen Stellen übertrieben ist und unnötige Längen hat, dass zeigt sich meiner Meinung nach aber sehr gut.)

Die Gestaltwandlerin / Der Gestaltwandler

Meistens ist diese Figur das andere Geschlecht zur / zum HeldIn (beim Helden haben wir es mit einer Gestaltenwandlerin zu tun und die Heldin mit einem Gestaltenwandler).

Sie sollen Zweifel, Spannung, einen kleinen Wechsel des Blickwinkels in die Geschichte miteinbringen.

Häufig ändern sie sich eher äußerlich, also durch eine neue Frisur, Kleidung und ähnliches. Aber sie können sich auch innerlich ändern. Eventuell haben wir es hier mit einer / einem DoppelagentIn zu tun. Oder auch mit jemand eher undurchsichtigen.

Das sind die häufigsten Archetypen der HeldInnenreise. Für jede dieser Positionen kannst Du gerne eine Tarotkarte ziehen (mindestens eine), um herauszufinden, mit welcher Energie Du es in Deiner Geschichte zu tun hast.

Und die HeldInnenreise werde ich Dir auch noch vorstellen 🙂 Bei Gelegenheit 😉

Literaturtipps:

  • The Writer’s Journey – Christopher Vogler
  • The Heroe with a Thousend Faces – Joseph Campbell
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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