[Ein Jahr, ein Roman] Die äußerliche Beschreibung

Wenn Du zum ersten Mal einen fremden Menschen begegnest, dann siehst Du diese Person äußerlich und nicht von der Seele her (außer Du hast irgendwelche Fähigkeiten, welche es Dir ermöglichen zuerst die Seele und dann erst das äußerliche zu betrachten 😉 ).

Dasselbe gilt auch für Deine Figuren. Wenn Deine Hauptfigur auf jemanden trifft, dann wird sie diese erst einmal äußerlich betrachten. Und natürlich gilt dies auch für Deine Hauptfigur selbst. Es ist also schon durchaus wichtig, dass Du selbst weißt, wie Deine Figur überhaupt aussieht.

Daher nimm Dir für den folgenden Teil ein wenig Zeit. Denn über das Äußere kannst Du schon eine Menge berichten. Wenn jemand nur schwarz trägt, wirkt diese Person anders, als wenn Du sie / ihn als Hippie durch die Gegend laufen lässt. Und teilweise sind es auch nur Details, welche zwei Figuren voneinander unterscheiden, auch wenn sie auf dem ersten Blick sehr ähnlich sein könnten.

Nehmen wir mal an, Du hast ein Zwillingspärchen, die sich nur im Glauben unterscheiden. Die eine könnte ein christliches Kreuz tragen und das Geschwister einen Drudenfuß. Und schon sagst Du eine Menge über die Beiden aus. Mehr, als wenn Du lang und breit über deren Religionen philosophieren würdest.

Und je mehr Du solche feinen Details einbaust, desto interessanter werden Deine Figuren und desto weniger musst Du Dich mit sinnlosen Beschreibungen abmühen, die am Ende nur ermüden und nichts sagen. Es hat also durchaus seine Vorteile, wenn Du diesem Thema ein wenig mehr Energie widmest.

Um anzufangen nimmst Du die generische Liste von der letzten Woche (https://schreibkasten.wordpress.com/2015/02/20/ein-jahr-ein-roman-charakter-generische-tarot-liste/). Denn die Beschreibung der Figuren kannst Du mit allen Charakteren machen, unabhängig davon ob sie Haupt- oder eben nur Nebenfiguren sind. Bei den Nebenfiguren ersparst Du Dir damit auch die Gefahr, dass Du zu viel über sie weißt (durch Deine ganzen Nachforschungen und Recherchen und was weiß ich), dass sie versehentlich doch zu Hauptfiguren werden könnten.

Zuerst nimmst Du Dir einen Charakter vor. Du kannst entweder mit Deiner Hauptfigur anfangen oder mit der ersten auf Deiner Liste. Dann notierst Du Dir alle Gedanken, welche Dir zu der Figur einfallen. Einfach eine Ansammlung von Stichpunkten.

Du kannst zu folgenden Punkten Notizen machen:

  • Größe
  • Haarfarbe / Haarlänge / Haarstruktur (sind sie gesund oder haben sie Spliss, sind sie gewellt oder glatt)
  • Augenfarbe, Augenformen
  • Gesicht (Lippen, Kinn, Wangen, Ohren, etc)
  • Größe
  • Statur (dick, dünn, muskulös, klein geraten, etc.)
  • geschlechtsspezifische Details (hat die Dame größe oder kleine Brüste, wie ist das Gesäß, wie gut bestückt ist der Mann – auch wenn es keine EroRom werden soll, solltest Du auch solche Details wissen, gerade wenn die Hose doch mal ausbeulen sollte oder die Oberweite der Dame eine Rolle spielen könnte, weil sie ein zu enges Hemd angezogen hat)
  • besondere Details wie Narben, Tatoos, Sommersprossen etc.
  • Hände und Füße (sind sie besonders geformt, besonders normal, was auch immer)

Wenn Du mit diesen Details fertig bist, dann kannst Du Dich um die Gaderobe und den Schmuck kümmern:

  • Kleidung
  • Schuhe
  • Schmuck (Ringe, Armbänder, Ketten, Ohrringe, Uhr/en)
  • Schminke (gilt zwischenzeitlich auch für Männer 🙂 )
  • Haarstyling
  • Zubehör (z.B. Taschen)

Das sind viele Daten und sicherlich wirst Du nicht alle brauchen. Zudem musst Du natürlich auch schauen, in was für eine Umgebung Deine Geschichte spielt.

Wenn ich hier von Taschen und Schmuck schreibe, Deine Geschichte aber in einer Steinzeitumgebung spielt, wird das eine andere Rolle spielen (sofern sie überhaupt eine Rolle spielt). Diese Liste muss natürlich nach Deinen Wünschen angepasst werden. Aber mit ihr hast Du schon einmal eine wichtige Grundlage nach der Du Dich orientieren kannst. Such also aus, was Du brauchst, streich den Rest und ergänze um Deine persönlichen Wünschen. Und schon hast Du Deine persönliche Liste für Deine Figuren.

Dann probiere Dich an Deine erste Beschreibung zu Deiner Figur. Du kannst versuchen alle Details unterzubringen, die Du Dir aufgeschrieben hast. Aber sicherlich wirst Du bald merken, dass sie schlicht zu viele sind. Also lass den Text einfach fließen und schau nach, welche Daten automatisch verwendet werden wollen und welche nicht. Das geschieht meistens ganz automatisch.

Wenn Du fertig bist, schau mal nach, wie viele Seiten Du geschrieben hast. Es könnte beim ersten Mal sein, dass es mehr als eine Normseite ist. Bei der Fülle an Informationen, die Du wahrscheinlich zusammengetragen hast, ist das nicht verwunderlich. Aber nun versuche die komplette Beschreibung auf eine einzige Normseite zusammenzubringen.

Damit bist Du gezwungen Dich auf das wesentlichste zu konzentrieren und nur noch das wichtigste aufzuführen. Natürlich kann ein schwaches Tatoo wichtig sein, aber wenn man es nicht sieht und es auch im Buch keine Rolle spielt, dann kannst Du darüber hinweg sehen. Anders sieht es mit der Narbe aus, die direkt über das ganze Gesicht geht. Das prägt.

Rote Haare haben eine andere Wirkung als schwarze. Das gilt auch für die Augenfarbe. Wenn die Person zwei Meter groß ist, macht sie einen anderen Eindruck, als wenn sie nur 1,60 Meter groß ist.

Ich denke, Du verstehst was ich damit sagen will.

Lass Dir für die Beschreibung ruhig Zeit. Es kann schon sein, dass Du für eine einzige Beschreibung einige Tage brauchst. Gerade am Anfang, wenn Du noch keine Übung hast, kann es eben länger dauern. Das ist völlig in Ordnung. Hau aber jeden Tag in die Tasten und versuche Dich an den Beschreibungen.

Wenn Du damit fertig bist, kannst Du dann zum nächsten Schritt gehen. Auch dies gilt für alle Deine Figuren. Denn sie werden sich alle irgendwann mal in Deiner Geschichte bewegen, reden, mit anderen interagieren.

Lasse also Deine Figuren aufs Parkett (gerne kannst Du das auch wörtlich nehmen). Schicke sie raus und lasse sie laufen, rennen, tanzen, mit anderen reden. Beobachte sie also, wie sie sich in Gesellschaft benehmen. Wie läuft Deine Figur. Ist sie eher zögerlich oder tritt sie sehr fest auf. Lacht sie unangenehm oder ist es doch eher ein süßes Lachen. Und so weiter.

Gerne kannst Du Deine Beschreibung von oben verwenden und ergänzen. Du kannst aber auch eine komplett neue Beschreibung aufbauen. Das ist komplett Dir überlassen und wie wohl Du Dich damit fühlst.

Wichtig ist nur, dass Du am Ende die besondere Signatur Deiner Figuren herausfindest. Denn jede Figur hat diese. Eine besondere Art sich zu bewegen, zu laufen, besonders zu sprechen. Hier kannst Du schon einmal herausfinden, welche Stimme Deine Figur hat (jede Figur sollte ihre eigene Stimme haben, aber da kommen wir noch im Interview wieder darauf zu sprechen, ein Beitrag, welcher für Mitte März geplant ist).

Dafür kannst Du ruhig mehr als eine Normseite verwenden. Ich würde zwischen drei bis vier Seiten empfehlen. Denn Du lässt Deine Figur agieren. Das muss auch erst einmal aufgebaut und die Aktion in Fahrt kommen. Aber nicht mehr. Denn auch hier gilt, konzentriere Dich auf das wesentlichste und nicht darauf, so viel wie nur möglich zu schreiben. Wenn Du nur zwei Seiten brauchst, ist das völlig in Ordnung. Aber eben nicht mehr als vier.

Wenn Du fertig bist, behalte die Sachen gut auf. Denn es könnte sein, dass Du sie direkt für eine Szene verwenden kannst. Und auch möchtest. Dann musst Du nicht wieder von vorne loslegen, sondern kannst die schon geschriebenen Sachen einfach einfügen, umarbeiten und entsprechend anpassen.

Das kann durchaus ein paar Nerven sparen (neben der Zeit natürlich).

Zum Schluss kannst Du dann auch noch die passenden Bilder im Internet suchen. Das mache ich gerne, um noch einmal ein plastisches Bild vor Augen zu haben, wenn ich mit der Figur habe. Das ist dann nur noch eine persönliche Sache, die ich gerne mache, um eben meine visuelle Leidenschaft zu bebildern.

Auf alle Fälle lass Dir hierbei Zeit und arbeite ruhig Deine generische Liste komplett ab. Damit hast Du schon einmal einen wichtigen Stein für Dein Fundament gebaut. Und Deine Nebenfiguren hast Du im Grunde genommen sogar komplett abgearbeitet (wenn Du das möchtest). Denn zu viele Informationen sind hierbei nicht immer notwendig. Aber Du solltest schon wissen, wie sie aussehen und wie sie sich bewegen und benehmen. Daher nimm sie mit bei dieser Arbeit.

Viel Spaß wünsche ich Dir dabei 🙂

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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