[Schreibratgeber] Schreibe an Dein zukünftiges Ich

Heute hatte ich eine spontane Idee für eine Motivationsmöglichkeit, die ich dann morgen mal an mir selbst ausprobieren werde. Also über Erfahrungen kann ich an dieser Stelle selbst nichts berichten. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht trotzdem Sinn machen würde.

Sicherlich kennst Du Zeitkapseln (http://de.wikipedia.org/wiki/Zeitkapsel). Wenn nicht, dass ist, kurz geschrieben, eine Kapsel mit Gegenständen und / oder Briefen aus der Gegenwart für die Zukunft. Das kann sowohl die nächste Generation sein, als auch für eine Zeit in, sagen wir mal, hundert oder auch tausend Jahren.

Damit soll ein Zeugnis der aktuellen Gegenwart für die Zukunft erstellt werden. Also wie sah es damals aus, vor zwanzig, dreißig und mehr Jahren. Was haben die Leute gedacht und so weiter.

Natürlich könnte man ein Tagebuch als eine persönliche Zeitkapsel betrachten. Aber ich weiß nicht wie es bei Dir ist, aber ich lese nicht mehr meine alten Beiträge durch. Ganz im Gegenteil, wenn ich einen Beitrag abgeschlossen habe, dann schließe ich auch das Thema ab. Gerade wenn es unschöne Dinge sind / waren, über die ich geschrieben habe. Die muss ich nicht unbedingt noch einmal hervor holen und mich erinnern, wie bescheiden die Zeit zu diesem Zeitpunkt war.

Die einzige Ausnahme wäre wohl mein Fünf-Jahrestagebuch, dass ich seit letztes Jahr führe. Da lese ich manchmal automatisch das durch, was ich eine Spalte höher geschrieben habe. Und manchmal habe ich schon das Bedürfnis ein Blatt Papier darüber zu kleben und nie wieder daran zu denken.

Zumal es schon passieren kann, dass Du eventuell Dein altes Tagebuch (also wenn es voll ist) zur Seite legst und es nicht mehr so schnell wieder findest. Oder Du schlichtweg vergisst, dass das eigentlich eine schriftliche Zeitkapsel ist.

Daher gibt es die Möglichkeit Briefe an sich selbst in die Zukunft zu schreiben. Diese könntest Du an einem zentralen Ort sammeln und immer dann, wenn es an der Zeit ist, den dazugehörigen Brief nehmen und ihn durchlesen.

Du könntest wie folgt vorgehen (und gleichzeitig ist es so, wie ich es wohl machen werde 🙂 ).

Überlege Dir, wann Du die Briefe schreiben möchtest. Es kann natürlich jeder beliebiger Tag sein, es können aber auch besondere Tage sein, die Dir viel bedeuten und wo Du weißt, an diesem Tag werde ich definitiv an meine Zeitkapsel denken.

Diese Tage können folgende sein:

  • Dein Geburtstag,
  • Heilig Abend / die Weihnachtstage,
  • Silvester / Neujahr,
  • besondere Tage wie Dein Abschluss zur Schule / Ausbildung / Uni,
  • Tage wie der internationale Frauentag (8. März) oder ähnliche, welche Dir etwas bedeuten,
  • zum Neumond, Vollmond oder Dunkelmond,
  • Imbolc (1. / 2. Februar)
  • Samhain (31. Oktober / 1. November) oder auch dir restlichen heidnischen Feste,
  • und so weiter.

Natürlich kannst Du Dir auch jeden Tag aussuchen, wann Du Zeit findest um einen ausführlichen Brief zu schreiben.

Überlege Dir, wann Du diesen Brief lesen möchtest. Ist es bereits das nächste Jahr, in zwei Jahren, fünf, sieben oder siebzehn Jahren. Das ist letztendlich wichtig, um zu definieren, welche Ziele Du für Dich in dem Brief festhälst und was Du an Dein älteres Ich schreiben möchtest.

Dann besorge Dir ruhig schönes Papier oder stelle es selbst her. Auf alle Fälle sollte es Dir Spaß machen darauf zu schreiben. Und da außer Dir sowieso das Briefpapier nicht zu sehen bekommt, kann es jedes x-beliebige Motiv haben, was Du möchtest.

Weiterhin wäre ein guter Aufbewahrungsort für die Briefe nicht schlecht. Das kann eine Schublade sein, welche nur für diese Briefe reserviert werden oder auch eine kleine Kiste. Hauptsache es ist ein Ort, wo die Briefe nicht untergehen. Also wäre es durchaus ratsam, dass Du dort nichts anderes plaziert. Denn sie könnten ansonsten untergehen und Du vergisst sie am Ende.

Dann nimm Dir an Deinem Wunschtag ruhig ein, zwei Stunden oder auch länger Zeit. Nimm Dir Dein Wunschpapier und schreibe erst einmal über Deine Gegenwart. Wie sieht Deine aktuelle Ist-Situation aus.

Das finde ich wichtig, weil es durchaus vorkommen kann, dass man die Vergangenheit verklärt. Entweder sie war besonders toll oder besonders übel. Sei dabei so ehrlich wie nur möglich. Der Brief geht an die wichtigste Person in Deinem Leben – an DICH selbst.

Daher sei so offen und ehrlich und auch so ausführlich, wie es Dir momentan möglich ist.

Danach schreibe über Deine Ziele und Pläne die Du gerade hast. Wovon träumst Du gerade in diesem Moment, an diesem Tag, was Du gerne eines Tages erreichen möchtest.

Das kann sein, Dein Uniabschluss, eine neue Arbeit, es kann sein, dass Du Deine romantische oder auch wahre Liebe treffen möchtest. Eventuell willst Du bald Kinder haben. Oder natürlich auch, Du willst Dein Roman schreiben, eine Anthologie, oder was auch immer.

Und dann schreibst Du auf, was Du in den Jahren, die zwischen dem geschriebenen Brief und dem geöffneten Brief alles erreicht haben möchtest.

Beispiel: Jetzt nehmen wir mal an, Du schreibst an Dein zukünftiges Ich in drei Jahren. Was könntest Du, realistisch gesehen, in diesen drei Jahren alles erreichen.

Ich liste einfach mal ein paar mögliche Punkte auf, damit Du ein Bild davon haben kannst, was ich damit meine:

  • Ausbildung beenden,
  • neue Stelle antreten,
  • Selbstständig machen,
  • zwei Romane schreiben,
  • drei Anthologien schreiben,
  • an sieben Ausschreibungen für Anthologien teilnehmen (nicht unbedingt gewinnen),
  • umziehen,
  • die große Liebe finden,
  • und so weiter.

Liste das bitte nicht so auf, wie ich es hier getan habe (auch wenn das durchaus möglich ist). Schreibe dazu einen schönen Text, der Dich auch jetzt motiviert das alles einzuhalten, was Du für Dich selbst vornimmst.

Bleibe aber dabei bitte immer realistisch. Es nützt niemanden und vor allem Dir nicht, wenn Du, zum Beispiel für ein einziges Jahr, Dutzende von Themen aufmachst, die Du erreichen willst. Das ist zu viel und am Ende bist Du nur frustriert. Nimm Dir lieber etwas weniger vor und erreiche dafür alle Ziele. Oder zumindest die Ziele, die Dich am Ende wirklich glücklich machen.

Dann verschließe den Brief in einem Umschlag (auch der darf ruhig hübsch aussehen 😉 ) und schreibe dick und fett auf diesem, wann er erst geöffnet werden darf. Das Datum ist der, an dem Du Deinen Brief geschrieben hast. Und das Jahr ist das, wo Du es öffnen möchtest. So einfach ist das 🙂

Notiere Dir in Deinem Handy oder auch in Deinem Mailprogramm (sofern es eine Kalenderfunktion hat) das Datum, wann Du den Brief öffnen möchtest. Dann wirst Du auch daran erinnert und kannst es entsprechend öffnen und Dich an die „gute alte Zeit“ erinnern 😉

Natürlich darfst Du danach nicht einfach nur abwarten und Tee trinken. Jetzt geht es daran, Dein zukünftiges Ich zu überraschen und Deine Ziele umzusetzen. Du kannst Dir einen Plan erstellen, wann Du welches Ziel erreichen möchtest. Und vor allem, WIE Du es schaffen möchtest. Dazu sage ich nur … Mikroschritte.

Wenn Du zum Beispiel umziehen willst, dann musst Du natürlich überlegen und recherchieren, wo Du nach Wohnungen suchen kannst. Welche Miete Du Dir leisten kannst. In welchem Bezirk (eventuell auch Stadt) Du zukünftig leben möchtest. Und so weiter und so fort.

Dann überlege Dir, wann Du welche Schritte umsetzen willst. Denke aber immer daran, Du hast neben Deinen Zielen auch noch so etwas, was sich Leben nennt 😉 Das bedeutet, es kann immer etwas dazwischen kommen. Berücksichtige dies bitte bei Deiner Planung.

Wenn Du Dein Ziel erreicht hast, dann feiere es auch. Denn es ist nicht immer selbstverständlich das zu schaffen. Und wenn Du es nicht geschafft hast, bevor Du den Brief dafür öffnest, dann überlege und analysiere woran es gelegen hat. Es kann immer was dazwischen kommen, wofür Du nichts kannst. Aber wenn es an Deiner Faulheit lag, dann ist das ein Thema wofür Du sehr wohl etwas kannst 🙂

Probiere es einfach mal aus und siehe, ob Dir diese Art der Motivation zusagt. Denn immerhin willst Du ja Dein zukünftiges Ich, also Dich selbst, nicht enttäuschen. Und wer weiß, vielleicht erleben wir Beide einige hübsche Überraschungen 🙂

Viel Spaß dabei.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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