[Tarotmittwoch] Die komplette Arbeit mit dem Tarot

Letzte Woche habe ich darüber geschrieben, wie man mit dem gelegentlichen ziehen einer Karte das Arbeiten an der Geschichte unterstützen kann (https://schreibkasten.wordpress.com/2015/03/04/tarotmittwoch-zieh-mal-gelegentlich-eine-karte/).

Es gibt natürlich auch die Variante, dass Du den kompletten Roman mit Hilfe der Tarotkarten erarbeiten kannst. Und zwar von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung. Das werde ich aber an dieser Stelle erst einmal in der Übersicht vorstellen, damit das hier nicht ausartet.

Wenn Du gar keine Idee hast, dann gäbe es die Möglichkeit eine Karte zu ziehen. Schau sie Dir an und schreib drauf los. Was fällt Dir alles zu dem Bild ein. Was könnte sich davon in eine Geschichte wiederfinden und so weiter. Mit den anderen Techniken aus der Jahresserie „Ein Jahr, ein Roman“ (https://schreibkasten.wordpress.com/category/ein-jahr-ein-roman/) dürfest Du sicherlich einige interessante Einfälle haben.

Ich sage ganz klar, arbeite erst einmal mit dem Bild und danach mit der Bedeutung. Denn ich finde es inspirierender meine Gedanken erst einmal freien Lauf zu lassen und zu schreiben was mir alles einfällt. Wenn ich danach noch mehr Input brauche, dann ziehe ich die Bedeutung noch zusätzlich heran. Dazu musst Du noch kein Profi im lesen der Karten sein. Denn Bilder zu analysieren hat sicherlich jede und jeder drauf 🙂

Wenn Du zudem noch Listen hast, worüber Du wirklich schreiben möchtest, kann das durchaus zu interessanten Ergebnissen führen.

Sehr wahrscheinlich hast Du aber schon genügend Ideen, so dass Du theoretisch diesen Teil gar nicht brauchst. Entweder Du probierst es trotzdem und holst einen roten Faden in Deine Ideen. Oder Du gehst dann zu der generischen Liste. Diese kannst Du ja mit Hilfe der großen Arkana machen (dazu werde ich noch einmal einen gesonderten Beitrag schreiben).

Also kommen wir jetzt zu den Figuren. Allein die Entscheidung, welche Figuren überhaupt auftauchen kannst Du mit Hilfe der Karten entscheiden (eben die große Arkana). Aber auch die Bearbeitung ihrer Charakterisierung.

Das kann vom Äußeren sein, über die Namensgebung, bis hinunter zu den dreckigsten Geheimnissen, die Du Dir wünscht. Es gibt auch Legemethoden dazu, die extra für die Charakterisierung der Figuren geschrieben wurden (damit beschäftigen wir uns weiter in der Zukunft dieser Reihe und spätestens im Dezember, weiterhin plane ich ein Freebie mit diesem Thema).

Für jeden Punkt, der Dich interessiert, kannst Du eine Karte ziehen (mindestens). Dann analysierst Du die Karte und schreibst alles auf, was Du für Deine Figur wichtig findest.

Jetzt wirst Du vielleicht vor lauter Schreck einwenden, moment mal, wie lange soll ich denn bitte schön daran sitzen. Das dauert ja ewig.

Du wirst vielleicht lachen (oder es mir schlicht nicht glauben), aber so lange dauert es gar nicht. Wenn ich diese Methoden verwende, dann sitze ich für ein Themenblock schon mal zwei oder drei Stunden dran. Aber es geht um einiges schneller, als wenn ich mir alles aus den Finger saugen müsste. Denn, wenn wir mal ganz ehrlich sind, es ist ein wenig wie spicken.

Du könntest in einer Klausur alles, was Du gelernt hast aus Deinen Erinnerungen rufen. Eventuell weißt Du noch eine Menge, es könnte aber auch sein, dass Du einiges vergessen hast. Jetzt sitzt Du 60 bis 90 Minuten in der Klausur und schreibst Dir Deine Finger wund und hoffst darauf, dass alles, was Du aufgeschrieben hast, auch wirklich richtig ist.

Wenn Du aber einen ordentlichen Spickzettel hast, brauchst Du Dir nicht das Gehirn zu zermattern und kannst alles niederschreiben, was wichtig ist. Zusätzlich kannst Du noch Sachen notieren, die Du nicht aufgeschrieben hast, aber aus deinem Spickzettel ableitest. Somit kann die Klausur eine gewisse Tiefe bekommen, du bist schneller fertig und dürftest eine bessere Klausur schreiben.

Und NEIN, dass ist KEINE Aufforderung zum spicken. Das ist nur ein Beispiel gewesen. Also NICHT spicken 🙂

Daher empfinde ich die Arbeit als viel fruchtbarer und schneller. Weil ich die Antworten in den Bildern habe und meine Fantasie mich dazu anregt noch mehr zu schreiben, als mir sonst eingefallen wäre. Ich sehe diese Art der Arbeit als durchaus sehr positiv.

Das gilt auch für den Plot.

Nehmen wir mal an, Du fängst mit einem einfachen 3-Akter an, um die Grundstruktur für Deine Geschichte festzuhalten. Zumindest mache ich das gerne. Dann ziehst Du für jede Position mindestens eine Karte (mehr Karten zu ziehen ist Optional, möglich aber nicht notwendig) und schreibst auf, was Dir zu den Karten einfällt.

Es könnte durchaus eine Art philosophische Abhandlung sein (das ist mir erst letztens passiert). Also das Du über das Innenleben der Figuren schreibst und nicht über die Geschichte selbst. Das ist auch in Ordnung. Denn über diesen Weg bin ich auch zu der Geschichte gekommen.

Und wenn Dir zu einer Karte überhaupt nichts einfällt, dann kannst Du entweder die Bedeutung zu Rate ziehen oder noch eine weitere Karte ziehen. Also als Unterstützung. Wenn Du dann weiter gehen willst, also in die Tiefe des Plots, dann kannst Du immer wieder die Karten ziehen.

Jetzt könntest Du einwenden, dass mit jeder neuen Kartenlegung sich eigentlich die Bedeutung ändern und somit auch die Geschichte.

Mir ist das noch nie passiert und ich habe zwei Theorien, warum das so war / ist.

  1. Mein Unterbewusstsein aber auch mein Bewusstsein wissen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Das bedeutet, dass sich meine Inspirationen zu den Karten durchaus in diese Richtung entwickeln.
    Es wird also immer wieder die Idee bestätigt und vertieft. Gelegentlich kann es zu Abweichungen kommen, aber ansonsten bleibt es dabei.
  2. Ich ziehe komischerweise auch immer die richtigen Karten. Das kann ich mir nicht so ganz erklären. Aber es ist schon oft passiert, dass ich für eine Person eine bestimmte Karte gezogen habe. Dann mischte ich mein Deck (immer sehr ordentlich) und ziehe dann für die gleiche Figur wieder die Karte. Es bestätigt sich also, was ich in einem vorherigen Zeitraum bereits entwickelt habe. Andere Karten werden regelrecht ignoriert. Warum auch immer 🙂

Aber auch während des Schreibens kannst Du die Karten benutzen. Brauchst Du eine Beschreibung der Umgebung, kannst Du Dir angucken, wie es auf der Karte aussieht. Kommst Du gerade nicht weiter, ziehst Du eine Inspirationskarte.

Die Teile mit der Überarbeitung und auch Veröffentlichung muss ich Dir an dieser Stelle leider schuldig bleiben. Dafür entschuldige ich mich. Aber noch habe ich keine Erfahrung damit gemacht. Und daher möchte ich Dir nichts erzählen, was ich noch nicht selbst durchgeführt habe. Aber das es geht, hat Corinne Kenner in ihrem Buch „Tarot for Writers“ erwähnt.

Probiere es aus und mache Deine eigenen Erfahrungen. Du kannst auch mit einer Kurzgeschichte probieren, wenn Dir ein Roman noch zu viel Arbeit damit ist. Alles ist ein Kann und kein Muss 🙂

Advertisements

Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
Dieser Beitrag wurde unter Mittwoch - Tarottag abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s