[Ein Jahr, ein Roman] Was sie will, was sie braucht … ist doch alles dasselbe

Dieser Satz stammt sinngemäß aus dem Disneyfilm „Küss den Frosch“ (http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCss_den_Frosch). Die beiden Hauptfiguren Tiana und Naveen müssen herausfinden, dass das was sie wollen nicht unbedingt das ist, was sie brauchen (welches in dem Lied von Mama Odie „Du musst nur tiefer graben“) wunderbar dargestellt wird.

Das was eine Figur will und was sie letztendlich braucht, kann sich ergänzen, würde aber keine Spannung in eine Geschichte bringen. Und darum geht es im heutigen Beitrag.

Deine Figur will etwas. Wenn sie auf der ersten Seite auftaucht, dann will sie etwas von der Geschichte und der Welt. Dieses Wollen muss dann so stark sein, dass es sie durch den Roman trägt und ihr einen Antrieb gibt.

Daher kläre ruhig erst einmal, was will Deine Figur eigentlich. Wenn sie eine Polizistin ist, ist es klar, sie will den Mord klären (gehen wir mal von einem klassischen Krimi aus, wo auch ein Mord geschehen ist). Aber es kann auch mehr sein, die menschliche Ebene.

Letztens habe ich „Surrogates – Mein zweites Ich“ mit Bruce Willis gesehen. Natürlich möchte sein Charakter (Tom Greer) den Fall klären, welcher der Film thematisiert. Aber er will auch seine Frau wieder haben und die Menschen (schau Dir den Film an, wenn Dich die Aussage verwirrt 😉 ich kann ihn Dir nur empfehlen).

Wenn eine Figur einen Mörder fassen will, dann ist das der Plot, nicht unbedingt, was die Figur selbst menschlich macht. Also nicht, dass was sie oder er will. Tom Greer (Surrogates) wäre nichts besonderes, wenn er nur den Täter der Geschichte fassen würde. Die Beziehung zu seiner Frau ist das Besondere.

Daher überlege Dir erst einmal, was Dein Charakter meint zu wollen. Das kann die Liebe zu einem Menschen sein, den Mörder kriegen, den eigenen Hintern retten, es gibt viele Möglichkeiten.

Dieses Wollen muss aber stark genug sein, dass Deine Figur diesem Wunsch auch wirklich folgt. Ich kann ja selbst auch vieles wollen, das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich es am Ende auch wirklich umsetzen will. Zumindest willst Du das der Figur und uns als LeserInnen glauben machen, dass die Figur das, was sie / er will auch wirklich umsetzen will.

Ein Beispiel gefälligst? Gerne!

Fünf der Schwerter

Die Karte steht für eine bittere Erfahrung und die daraus resultierende Rache, bzw. den Rachewunsch. Man verhält sich konsequent, will sich wehren und bereitet sich auf die Abrechnung vor.

Die Figur hat also eine bittere Erfahrung in der Vergangenheit gemacht und will sich nun an den PeinigerInnen rächen. Egal wie, sie sollen dafür bezahlen was unsere Figur in der Vergangenheit erlebt hat.

Es könnte eine sehr schmerzliche Erfahrung gewesen sein, muss sie sogar, damit eine Figur / Person Rachegedanken entwickelt. Mobbing kann eine Möglichkeit sein. Nicht das Stühle weg ziehen oder ähnliches. Das reicht nicht aus, um Rachegedanken zu entwickeln. Es muss schon ein wenig heftiger sein.

Jetzt glaubt unsere Figur nur Genugtuung für das erlittene Leid der Vergangenheit erhalten zu können, wenn sie Rache nimmt. Entweder sie will den Personen aus der Vergangenheit das Gleiche antun, was ihr angetan wurde. Oder sie will subtiler vorgehen. Das ist natürlich wieder eine Frage der Geschichte.

Jetzt wissen wir (bzw. der vernünftige Teil unseres Gehirn), dass das natürlich nicht stimmt. Rache war noch nie eine gute Idee und daher ist das nicht das, was unsere Figur braucht. Aber sie will es. Das ist ihr Wollen. Und das treibt sie durch die Geschichte.

Aber sie ist der Meinung, dass es das ist, was sie will und glaubt auch, dass es das ist, was sie braucht.

Aber das, was sie braucht, ist der Figur von Anfang an nicht klar. Denn das versteckt sich noch.

Unsere Figur will also Rache. Aber tief in ihrem Inneren ist etwas anderes, was sie braucht. Und das ist nicht unbedingt die Rache.

Sieben der Schwerter

Diese Karte steht für Betrug, eine Lüge und Unaufrichtigkeit. Es geht um eine Intrige, sich vor etwas drücken und auch um Hinterhältigkeit.

Gehen wir davon aus, dass unsere Figur die ganze Zeit manipuliert wird. Dann braucht sie die Befreiung von dieser Manipulation. Der Lüge, die sie an die Rache gebunden hat. Die Unaufrichtigkeit von Menschen, von denen die Figur glaubte, diese seien ihre FreundInnen. Dabei muss sie nun feststellen, dass diese nicht einmal nette Bekannte sind, sondern ärgste FeindInnen.

Sie / Er braucht also ein eigenes Leben, eine neue Umgebung oder auch einen neuen Job. Da ist aber etwas, was nach und nach enthüllt wird. Die Figur muss reifen. Ja, nehmen wir den Vergleich mit dem Wein 🙂 Am Anfang schmeckt ein Wein nett (gehe ich mal davon aus, ich trinke im Grunde genommen keinen Alkohol). Doch nach Jahren, gelegentlich sogar nach Jahrhunderten, wird der Wein so richtig gut, weil er eben so lange lagern durfte.

Eine Figur braucht auch ihre Zeit, bis sie vom Wollen zum Brauchen gewandert ist.

Am Anfang ist die Figur eben ein großes Kind und sagt nur, ich will, ich will und ja, ich will. Dann wird sie irgendwann erwachsen und denkt, was könnte ich wirklich brauchen.

Idealerweise beißen sich das gewollte von dem gebrauchten in der Figur. Denn dadurch ergibt sich die Spannung in der Geschichte. Wenn die Figur eine Sache will (hier eben die Rache), aber etwas anderes braucht um Ganz und Heil zu werden (hier das erkennen, dass sie manipuliert wird, um sich davon zu befreien), dann entstehen Widersprüche.

Und ganz besonders IN der Figur.

Denn sie wird noch eine weile an ihrem Wunsch nach Rache festhalten. Denn sie will nicht glauben, dass sie tatsächlich manipuliert wurde. Also muss sie sich daraus erst herauswinden. Und erst wenn sie es geschafft hat, kannst Du Deinen Roman auch abschließen.

Überlege Dir also ruhig genau, was Deine Figuren Wollen und sie am Ende wirklich Brauchen. Denn das ist ein Unterschied und es kann Deine Geschichte durchaus spannender machen.

In dem Sinne, ich wünsche Dir viel Spaß beim herausfinden der Needs and Wants 😉

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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