[Samstagsgedanken] Zu viele Projekte und kein Anfang in Sicht

Wenn Du zu der Sorte AutorIn gehörst, die / der ein Projekt beginnt, durchzieht bis zum Ende und das eine Projekt abschließt, um Dich erst dann dem nächsten zu widmen, könnte Dich der heutige Beitrag eher langweilen (oder vielleicht auch verwundern, dass es eine andere arbeitsweise gibt 😉 ).

Gehörst Du aber zu der Sorte, die nur einmal niesen müssen und dann gefühlte hundert neue Ideen haben und nicht wissen wo vorne und hinten ist, dann lade ich Dich ein weiterzulesen.

Da ich zu der Sorte „mehr Ideen als Zeit“ gehöre, weiß ich also, wie nervig das manchmal sein kann.

„Wie?“, wirst Du vielleicht fragen, „Du hast Ideen für Romanprojekte und beschwerst Dich darüber?“

Nicht darüber, dass ich so viele Ideen habe. Beim besten Willen nicht, das wirst Du niemals von mir hören. Ich beschwere mich, wenn man das so bezeichnen kann und will, eher über die daraus resultierenden Auswirkungen.

Ich erkläre Dir einmal ganz kurz, wie das bei mir aussieht und in welchem Dilemma ich mich gerade befinde (wenn ich das Wort Dilemma an dieser Stelle mal benutzen darf).

Seit einigen Jahren habe ich ein Projekt, was ich zwischenzeitlich nur noch mein Baby nenne. Ich scheine mich aber zu einer Elefantenmutter entwickelt zu haben, weil es immer noch nicht auf die Welt gekommen ist. Zwischenzeitlich weiß ich, dass ich noch nicht bereit bin die Figuren loszulassen. Daher habe ich das Projekt erst einmal beiseite geschoben um, die Figuren in aller Ruhe reifen zu lassen, und vor allem, damit ich auch reifen kann. In meinen Gedanken arbeite ich weiterhin daran und ich denke regelmäßig an meine Figuren. Sie sind nicht vergessen, nur ein wenig nach hinten geschoben (schnieffZ, die Armen 😉 ).

Jedoch hatte ich schon während des Schreibens mehrere Ideen, die ich interessant fand. Glücklicherweise erinnere ich mich nur noch an eine, die ich dann auch Schreiben möchte. Jedoch verfolgte ich dann eine andere Idee und es stellte sich heraus, dass die durchaus interessant war.

Zwischenzeitlich ist die Grundidee dieser anderen Idee gestorben und geht gerade in dem Romanprojekt auf, an dem ich jetzt tatsächlich arbeite. Aber zwei weitere Projekte warten auch schon in der Pipeline.

Dafür ist in der letzten Woche eine Idee für eine Krimireihe dazu gekommen. Und gestern Abend hatte ich noch einige kreative Gedanken für eine Steampunkreihe (die dürfte aber eher kurz werden).

So, und wenn Du jetzt verwirrt bist von den ganzen Aufzählungen, Glückwunsch, so fühle ich mich auch dabei 🙂

Aber machen wir es mal kurz: Ich habe mehr als genug zu tun!

Und wenn man das Gefühl hat, dass jede dieser Projekte sich lohnt, neigt man manchmal durchaus dazu hin- und herzuspringen. Das ist aber ein grandioser Fehler. Denn am Ende hat man nur viele tolle Anfänge (oder glaubt zumindest diese zu haben), aber keinen einzigen abgeschlossenen Roman.

Das ist natürlich nicht Sinn der Sache.

Also wie soll man hier bitte schön vorgehen?

Um eines vorneweg zu sagen, ich habe keine Patentlösung dafür und weiß daher nicht, wie andere solche Probleme lösen, sofern sie es lösen. Ich möchte Dir im folgenden zeigen, wie ich die ganze Sache angehe und wie ich es zukünftig handhaben werde. Wenn Du diesen Weg selbst anwenden möchtest, ist es genauso in Ordnung wie, wenn Du sagst, Teile davon passen zu mir, den Rest lasse ich links liegen. Wir beide sind nun einmal verschiedene Menschen. Und das darf man natürlich nicht vergessen 🙂

Der erste Schritt, der für mich wichtig war, war der, dass ich zugeben musste, mich verzettelt zu haben. Wenn ich nicht weiterkomme, muss ich mich irgendwann einmal hinsetzen und sagen, okay, was ist gerade los und was läuft hier schief.

Für mich ist es daher sehr wichtig ein Tagebuch zu führen und zwischenzeitlich auch die Morgenseiten (https://schreibkasten.wordpress.com/2015/03/22/schreibubung-morgenseiten-by-julia-cameron/).

Seit Ende letzten Jahres führe ich mein Tagebuch und habe eine Menge über mich selbst gelernt. Denn im Tagebuch selbst bin ich schonungslos ehrlich zu mir. Da neige ich auch mal dazu mit mir selbst zu schimpfen. Aber ich lobe mich auch, wenn ich mal etwas gut getan habe. Es mag sein, dass ich die Welt anlügen kann, aber auf Dauer kann ich mich nicht selbst anlügen.

Daher liebe ich mein Tagebuch. Wenn Du so etwas brauchst, dann empfehle ich Dir ein schönes Büchlein zu kaufen und mindestens einmal die Woche das Tagebuch zu führen (ich habe mal gelesen, dass Männer mit Tagebüchern nichts anfangen können, weil ihnen das Wort Tagebuch zu feminin sein soll, keine Ahnung ob das stimmt oder ob es für alle stimmt, wenn es aber auf Dich als Mann zutrifft, nenne es doch einfach um, Logbuch zum Beispiel, klingt nicht mehr ganz so feminin, oder? 🙂 ).

In meinem Tagebuch bin ich auch sehr kreativ. Denn ich nutze pro Tag nur eine Seite, habe aber meistens mehr zu sagen (das hat einen ganz einfachen Grund, warum ich nur eine Seite nutzen will, es handelt sich um ein Moleskine Tagebuch, welche nicht gerade sehr günstig sind, würde ich ganz normal das Tagebuch vollschreiben, wäre es wohl innerhalb von zwei bis maximal drei Monaten voll und ich müsste mir ein neues kaufen, auf die Weise, die ich gleich beschreibe, kann ich das Tagebuch gut ein Jahr oder auch länger nutzen).

Also klebe ich noch zusätzliche Seiten auf das entsprechende Blatt, verziere es, klebe Bildchen dazu und so weiter. Damit ist jede Seite schlichtweg individuell gestaltet und gibt einen Einblick in meine entsprechende Tagessituation. Aber zwischenzeitlich klebe ich auch die Covers von Büchern ein, die ich gelesen habe, meine Morgenseiten (gleich mehr dazu), Inspirationen von anderen SchriftstellerInnen oder auch SchauspielerInnen und vieles mehr.

Mein Tagebuch ist noch nicht einmal richtig gefüllt und der Deckel fängt schon an sich zu wölben. Und ehrlich gesagt, mir gefällt es 🙂 Demnächst werde ich noch den Einband mit schönen Bildern bekleben.

Seit drei Wochen schreibe ich meine Morgenseiten und habe auch schon gravierende Änderungen bemerkt. Ich arbeite nun wirklich täglich an meinem Roman und habe sogar zwischenzeitlich zwei Kilos abgenommen. Jetzt muss ich mich nur noch dazu bringen hier klar Schiff zu machen und aufzuräumen. Aber das kommt sicherlich auch bald 😉

Die Morgenseiten klebe ich auch in mein Tagebuch, um sie an einem Ort gesammelt zu haben.

Diese beiden Orte (Tagebuch und Morgenseiten) nehme ich auch als Quelle zur Inspiration und zum festhalten meiner Gedanken für meine Projekte. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, um entsprechend zu arbeiten.

Wenn mich wieder eine Idee regelrecht überfällt und ich das Gefühl habe, ich muss dazu etwas schreiben, dann nutze ich entweder die Morgenseiten, um das alles erst einmal los zu werden und es schwarz auf weiß zu haben (oder welche Miene ich auch immer benutze). Dann habe ich es erst einmal niedergeschrieben und kann mich auf die Arbeit konzentrieren (ich schreibe aktuell die Morgenseiten wirklich vor der Arbeit und habe dann eher die Muse, mich um das notwendige am Tag zu konzentrieren, wenn ich alles erst einmal niedergeschrieben habe). Am Abend kann ich dann, wenn ich die Zeit finde, mich in meinem Tagebuch um die Idee kümmern.

Zwischenzeitlich habe ich eine Scrivenerdatei aufgemacht, die ich „Ideenschmiede“ benannt habe. Wenn ich eine neue Idee habe, ein neues Projekt anfangen will oder was auch immer, öffne ich einen neuen Ordner in dieser Datei und schreibe alles nieder, was sich in meinem Kopf so bewegt und nervt. Wenn es Szenen sind, schreibe ich sie genauso nieder wie Figurenbeschreibungen und so weiter. Wirklich einfach alles.

Das kann mich manchmal ein oder auch mehrere Tage kosten, aber danach habe ich zwischenzeitlich mehr Ruhe von diesen ganzen Gedankengänge und kann mich wieder auf das aktuelle Projekt kümmern. Das ist mein persönlicher SuB (https://schreibkasten.wordpress.com/2014/11/01/erstelle-mal-eine-andere-art-von-sub/).

Wenn das Kindchen aber schon in den Brunnen gefallen ist und Du mehrere Projekte am Wickel hast, kann es sicherlich frustrierend sein, wenn Du nicht allen die gleiche Aufmerksamkeit geben kannst. Zumindest war es bei mir.

Ich hatte zwischenzeitlich versucht unter der Woche ein Projekt die volle Aufmerksamkeit zu geben und am Wochenende dem zweiten. Es hat zwar einigermaßen funktioniert, aber nicht so, wie ich es mir gewünscht habe. Also brach ich unbewusst ab und blieb lieber bei einem Hauptprojekt.

Vor einigen Wochen habe ich dann einen radikalen Schlussstrich gezogen und mich entschieden, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Auch wenn es mir schwer fiel, aber drei der damals aktuellen vier Projekte, musste ich beiseite schieben.

Daher habe ich etwas ganz banales gemacht. Die Titel der Projekte habe ich auf Zettel geschrieben und in eine Weihnachtsmütze gesteckt, die hier noch herumfliegt. Dann mischte ich die Zettel ordentlich durch und zog einen heraus. Und siehe da, dass ist nun mein aktuelles Projekt.

Ich muss zugeben, dass ich schon länger überlegt hatte, daran hauptsächlich zu arbeiten und alles andere erst einmal beiseite zu schieben. Und siehe da, dass Schicksal (oder was auch immer), stimmte dem zu.

Die Zettel für die anderen Projekte befinden sich in meinem Tagebuch. Wenn es soweit ist, werde ich dann einen weiteren Zettel ziehen, um zu sehen, woran ich dann als nächstes arbeiten werde. Da es aber intensivere Projekte sind, die weniger Bänder, aber dafür dickere sein werden, werde ich mal gucken, wann ich die Muse dazu einladen werde.

Es kann auch ein Kraftakt sein, andere Ideen beiseite zu schieben und sich nur noch auf eines zu konzentrieren. Gerade wenn Du noch zu der extremst kreativen Sorte gehörst. Aber ich habe bei mir selbst gemerkt, dass es bei mir besser ist und ich dadurch überhaupt weiter komme. Mir geht es jetzt sogar emotional viel besser.

Doch jetzt haben sich, zu den bereits erwähnten, weiteren Ideen dazu gesellt. Natürlich werden die noch in meine Ideenschmiede landen. Aber bei einer Figur habe ich mir schon einmal erste handschriftliche Notizen gemacht.

Denn ich überlege mir folgenden Plan: Ende Juni möchte ich mit der Hintergrundarbeit für das aktuelle Projekt fertig sein, spätestens. Dann will ich zwei Monate an der ersten Fassung schreiben. Das geht aber natürlich nur am PC. Wenn ich dann offline bin oder vor dem Fernseher sitze oder auf Arbeit bin oder wo auch immer, könnte ich ja theoretisch an der nächsten Geschichte arbeiten.

Und genau das werde ich dann tun.

In einem Buch (ich glaube es war von Richard Norden, aber da kann ich mich auch irren), wurde mal empfohlen, dass man immer zeitversetzt arbeiten sollte. Also bei einem Roman erarbeitest Du Dir die Figuren, beim nächsten dann den Plot, beim dritten schreibst Du und beim vierten (wenn Du noch so viel Zeit hast), überarbeitest Du alles.

Aber ich denke mal, dass wäre dann wirklich was für Leute, die vom Schreiben schon leben können. Alle anderen müssen ein oder zwei Projekte streichen und sich anders überlegen, wie sie vorgehen. Zumindest sehe ich das bei mir so und ich denke mal, es wird vielen nicht ganz anders ergehen.

Folgendes wäre möglich: Du arbeitest an einem Projekt an die Figuren und / oder am Plot und bei einem zweiten Projekt schreibst Du die erste Fassung. Wenn Du am Wochenende Zeit hast, könntest Du eventuell an einem dritten Projekt arbeiten oder Recherche betreiben.

Meine Empfehlung ist ganz klar, übertreibe es für Dich nicht. Wenn Du es nicht schaffst an mehr als einem Roman zu arbeiten, ist das in Ordnung. Bist Du aber gewillt an zweien zu arbeiten, dann geht das genauso in Ordnung. Du musst Dich dabei wohlfühlen und es muss zu Deinem Leben passen.

Natürlich könnte man Dir sagen, es ist durchaus möglich an zwei bis drei Romanen oder mehr zu arbeiten. Wenn es aber nicht zu Deinem Schreibtyp passt, dann ist es für Dich eben nicht möglich.

Hier wäre noch meine Idee für die ersten Schritte um zu überlegen, wie Du vorgehen könntest:

  1. Erstelle eine SuB Liste mit den Geschichten die Du überhaupt schreiben möchtest (den entsprechenden Beitrag habe ich oben verlinkt, wenn Du mehr Infos brauchst), gegebenenfalls schreibst Du auch schon einige wenige Sätze zu der Geschichte, um damit zu prüfen, ob Du sie auch wirklich schreiben willst (manchmal denken wir nur, dass wir etwas schreiben wollen, dabei ist es auch nur eine kurze Phase – aber Achtung, gelegentlich sind die Ideen auch gut in Kombination mit anderen Geschichte, das habe ich selbst erlebt, denn einer der neueren Ideen recycelt zwei oder drei andere Geschichten, die ich schon länger im Sinn hatte und nun nicht mehr schreiben müsste 😉 ).
  2. Überlege und unterstreiche die Projekte, welche Du kurzfristig umsetzen möchtest.
  3. Schreibe zu jedem der entsprechenden Projekte den Titel auf einen Zettel und füge sie in einem Behälter (Mütze, Kiste, was auch immer Du gerade zur Hand hast, ich finde es besser, wenn Du Deine Hand in den Behälter stecken kannst, als wenn alles auf dem Boden liegt und Du blind ziehst, aber auch das ist Dir überlassen)
  4. Ziehe einen Zettel und lese Dir den Titel durch – und vor allem, akzeptiere auch die Entscheidung (das bedeutet natürlich nicht, dass die anderen Projekte gestorben sind, sie werden nur jetzt nicht erfüllt, ihre Zeit kommt aber noch) – das ist nun Dein aktuelles Projekt.
  5. Arbeite an dem Roman!
  6. Wenn Dir Ideen zu anderen Geschichten einfallen, lege Deine aktuelle Geschichte für einen Tag (oder eine Stunde, je nachdem wie lange Du dafür brauchst) zur Seite, schreibe alles zu der neuen Geschichte in eine Worddatei oder einen Scrivenerunterordner nieder, speichere es ab und schließe die Datei.
    Danach widme Dich wieder Deinem aktuellen Projekt.
  7. Bist Du soweit und schreibst an Deinem ersten Projekt, kannst Du überlegen, ob Du die Vorarbeit für ein zweites Projekt beginnen möchtest.
    Überschätze Dich nicht, aber unterschätze Dich auch nicht 🙂

Ich hoffe, dass der Beitrag Dir ein wenig geholfen hat, Licht in dem Ideendschungel zu bringen. Wenn Du möchtest, kannst Du mir von Deinen Erfahrungen oder Deinen Ideen berichten, wie Du die Sache handhabst. Entweder als Kommentar zu diesem Blogbeitrag oder auf der schreibkasten-Facebookseite 🙂 (https://www.facebook.com/schreibkasten).

Ansonsten wünsche ich Dir viel Spaß mit Deinen Romanen.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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