[Ein Jahr, ein Roman] Charakter – Typische Handlungen und einmal den Tagesablauf bitte

Es gibt Dinge, die gelten als ein sogenanntes No-Go im Roman. Also als etwas, dass man bitte schön zu vermeiden hat. Dazu gehören bestimmte Anfänge (zum Beispiel sollte eine Figur nicht aus einem Traum erwachen, man sollte sie nicht in derem Traum kennenlernen oder während einer Auseinandersetzung). Aber auch, dass man niemals einen ganzen Tag in einem Roman beschreiben sollte.

Das meine ich übrigens wortwörtlich. Beschreibe nicht, wie Dein Charakter am morgen aufsteht, aufs Klo geht, sich danach die Zähne putzt oder erst frühstückt, sich anzieht und was weiß ich. Suchs Dir aus. Solche Sachen kommen bitte niemals in Detail in Deinem Roman vor.

Denn, um es mal nett auszudrücken, das interessiert niemanden. Wenn Du meinst, dass es anders ist, natürlich, schreib es. Rechne nur mit entsprechenden Reaktionen. Oder stell Dir vor, Du liest einen Roman von Deiner / Deinem LieblingsautorIn und musst solche Szenen lesen. Wie würdest Du Dich dabei fühlen?

Aber es bedeutet nicht, dass Du diese Szenen nicht schreiben darfst (bei der Überschrift wäre es auch sicherlich verwunderlich, wenn wir nicht bald zu diesem Thema gekommen wären 😉 ).

Jeder Mensch entwickelt im Laufe des Lebens gewisse Routinen, was eine Menge über sie und ihn aussagt. Wenn jemand stundenlang im Bad verbringt um sich aufzubrezeln, sagt das etwas anderes über die Person aus, als jemand, wer nur, für alles, zwanzig Minuten benötigt.

Schminkt sich die Person oder bleibt sie / er natürlich? Wie sieht es mit der morgendlichen Pflege aus, wie kleidet sie / er sich? Und so weiter und so fort.

Vermutlich denken die wenigsten von uns nach, wie sie oder er etwas macht. Wir machen es, es ist reine Routine und wir müssen dabei nicht nachdenken. Es geht von der Hand und hat sich in den letzten Jahren bewährt und damit ist es gut. Zumindest geht es mir so.

Jetzt, wo ich darüber schreibe, sieht es ein wenig anders aus. Aber ansonsten ist es Routine. Genau wie das, was ich Frühstücke. Wie ich mich kleide, ich aus dem Haus gehe. Überall haben sich Routinen eingeschlichen. Und die machen mich von Dir einzigartig. Auch wenn wir die gleiche Arbeit nachgehen müssten, den gleichen Weg zur Arbeit hätten und all diese Dinge. Wie wir den Tag begegnen, macht und beide absolut einzigartig.

Das gilt natürlich auch für Deine Figur. Sie hat auch gewisse Rituale im Alltag, über die sie vermutlich nicht nachdenkt. Kaum ist sie / er auf der Arbeit, wird erst einmal ein Kaffee geholt. Oder vielleicht doch einen Tee? Wie sieht es mit Säften aus? Muss der Computer angeschaltet werden oder ist er schon an? (Kann auch an den Richtlinien der Firma liegen, wo Deine Figur arbeitet, um diese Frage zu klären.)

Alle Handlungen, Gestiken, Phrasen, Gewohnheiten oder auch Macken machen aus Deiner Figur etwas einzigartiges. Ich denke mal, dass sogar eineiige Zwillinge Rituale haben, welche sie einmalig machen.

Und das gilt für Dich herauszufinden. Dabei ist die Hintergrundarbeit um einiges aufwändiger, als was am Ende in einer Geschichte landen könnte.

Überlege Dir zu folgenden Punkten Eigenschaften, die Deiner Figur eigen sind:

  • typische Mimik und Gestik (was macht Deine Figur bei Handlungen, die in der Geschichte vorkommen, sind sie normal für die Figur oder eher ausnahmsweise),
  • typische Phrasen (wie zum Beispiel „Geht klar“, „Na Logo“ oder auch „Lecker“),
  • welche Gewohnheiten hat Deine Figur (also Rituale, Routinen und so weiter)
    und
  • welche Macken hat sie (und geht damit eventuell der Umgebung auf die Nerven?).

Notiere Dir das alles in aller Ruhe. Falls Dir spontan nichts einfallen sollte (das kenne ich nur zu gut, also mach Dir dabei keine Gedanken), dann gehe einfach mal raus und fahre mit der Bahn, setze Dich in ein Cafè oder gehe mal spazieren. Dabei beobachte natürlich die Menschen um Dich herum, höre ihnen zu und mache Dir Notizen (vielleicht nicht zu offensichtlich, es könnte eventuell die eine oder den anderen stören, wenn sie sich beobachtet fühlen, dass nur als Hinweis).

Sicherlich wirst Du dabei eine Menge lernen können. Oder Du gönnst Deinen Gehirnzellen eine Auszeit und guckst Dir die Serien an, die in den privaten Sendern um die Mittagszeit herumlaufen. Da sollte auch einiges zu finden sein.

Bisher habe ich noch nicht mit den Tarotkarten bei der Suche solcher Handlungen benutzt. Aber warum nicht? Schau Dir die Karte genau an und überlege Dir, was sie Dir zu sagen hat. Bestimmt findest Du auch über sie gewisse Inspirationen.

Wenn Du genügend Material zusammengestellt hast, nimm Dir ein oder zwei Stunden Zeit und schreibe einen ganz normalen Tag im Leben Deiner Figur. Wann steht sie normalerweise auf, was macht sie danach, was frühstückt sie, wann geht sie zur Arbeit, was macht sie als ersters auf Arbeit und so weiter und so fort.

Einen ganzen normalen Tag im Leben Deiner Figur eben. Und hier darfst Du Dich so richtig auslassen. Es muss nichts besonderes passieren, außer es gehört eben dazu. Wenn Deine Figur permanent mit jemanden Krach hat, weil sie / er andauernd falsch parkt, dann gehört das in Deinen Text rein. Wenn nicht, lasse es erst einmal raus.

Dieser Text hat gleich zwei Vorteile. Zum einen lernst Du Deine Figur so besser kennen und kannst in dem Text selbst dann gewisse Handlungen einbauen. Diese werden Dir dann natürlicher von der Hand gehen, als wenn Du sie dir erst einmal mühevoll während des Schreibens überlegen musst.

Weiter dürfte der Text wohl die langweilste literarische Leistung sein, die Du jemals schaffen wirst. Das Du dies in Deinem Roman wiederholst, sollte dann etwas unwahrscheinlich sein. Also kann man das als Heilungsprozess von zu langweiligen Texten ansehen 🙂

Als nächstes kannst Du noch einen Stundenplan erstellen, wann normalerweise Deine Figur in der Woche was macht. Wann würde sie / er zur / zum FriseurIn gehen, wann Essen, wann schlafen und so weiter.

Markiere dann mit rot und grün, welche Termine ihr wichtig sind (grün) und welche nicht (rot). Die roten Termine müssen wir trotzdem häufig einhalten, weil sie zum Leben dazu gehören (Besuch beim Zaharzt oder der Zahnärztin, einkaufen und so weiter). Damit weißt Du auch, welche Routinen Deine Figur wichtig findet (zum Beispiel mit einer Freundin treffen, Sex haben und so weiter) und daher ungerne unterbrechen würde und welche nicht (Kinder zum Sport bringen 😉 ) und das dann lieber „vergessen“ möchte (oder jemand anderen damit beauftragen dies für sie/ihn zu tun).

Der Aufwand kann dabei sehr hoch sein, das ist mir bewusst. Daher empfehle ich Dir, dies nur für die Personen zu machen, aus deren Perspektive Du schreibst und eventuell noch die wichtigsten anderen Person. Beispiel?

Liebesroman:

  • Heldin (aus ihrer Perspektive wird geschrieben)
  • Held
  • AntagonistIn (sofern vorhanden)

Krimi

  • ErmittlerIn I (wichtige Figur, aber aus ihrer Perspektive wird nicht geschrieben)
  • ErmittlerIn II (aus ihrer/seiner Perspektive wird geschrieben)
  • MörderIn
  • eventuell Opfer

Ich hoffe Du verstehst was ich meine. Damit schaffst Du Tiefe in Deine Geschichte. Und je länger Du über die Figuren schreiben möchtest (ich schreibe von den Fortsetzungsbänden), desto eher kann das für Dich interessant werden.

Advertisements

Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
Dieser Beitrag wurde unter Ein Jahr, ein Roman abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s