[Samstagsgedanken] Ein Recherchebogen

Aktuell verabrede ich mit einer Designerin mein Cover für eine zukünftige Novelle (es soll nur um die 200 Seiten dick/dünn werden). Da die Geschichte im viktorianischen England spielen soll, kreisen sich meine Gedanken aktuell nur noch um Recherchen.

Natürlich habe ich dazu schon einige Beiträge geschrieben (siehe dazu bitte am Ende des Beitrages), doch jetzt möchte ich mal Butter bei die Fische geben und einen konkreten Recherchebogen ausarbeiten. Und zwar so, wie ich mir da ganze denke.

Ich stelle Dir daher hier Schritt für Schritt einen möglichen Recherchebogen vor, den Du Dir dann selbst erstellen kannst. Es soll Dir als Inspiration dienen, damit Du entweder diesen direkt übernehmen oder nach Deinen Wünschen umgestalten kannst.

Also, fangen wir doch einfach mal an 🙂

Die Fragestellung

Jeder Mensch, zumindest behaupte ich das jetzt mal, recherchiert mit einer gewissen Fragestellung. Ich denke mir einfach mal, dass niemand in die, sagen wir mal einfach, Bibliothek gehen wird, sich ein paar Bücher schnappt und drauf los liest, um zu sehen, was am Ende dabei herauskommt. Die meisten werden mit einer gewissen Fragestellung in die Bibliothek gehen. Das kann natürlich eine sehr grobe sein, wie zum Beispiel, was sind Wurmlöcher (da gibt es eine Menge zu recherchieren, von der Relativitätstheorie von Einstein bis hin zur Stringtheorie, die Biographien der PhysikerInnen, die das alles erforschten, die Theorien drum herum und natürlich alles zu den Wurmlöchern, deren Funktionen, mögliche Aufenthaltsorten, ob sie möglich sind, Schwarze Löcher und so weiter und so fort). Oder eine ganz konkrete Frage, wie zum Beispiel, wie sahen die Trauerkleider für Frauen im viktorianischen England im Jahre 1867 für den Tod der Schwiegermutter aus.

Es kommt immer darauf an, was Du genau wissen willst und vor allem, was Du für Deine Geschichte brauchst.

Wenn Du, zum Beispiel gar keine Ahnung von Trauerkleider im viktorianischen England hast, wirst Du Dir vielleicht erst einmal eine Übersicht schaffen wollen, damit Du weißt, in welche Richtung die Recherche gehen darf. Hast Du aber Ahnung von Wurmlöchern, wirst Du eher eine Richtung haben, wohin Dich Deine Suche führen wird.

Ich kann nur empfehlen eine konkretere Frage zu stellen, damit Du weißt, wohin Deine Suche gehen soll. Zumal eine solche Frage Dich auch schlichtweg nicht überlastet. Wenn Du, zum Beispiel, die Geschichte der Trauerkleider der Damen im viktorianischen Zeitalter aufrollst und die Möglichkeiten der Kleidung zur vollen Trauer und zur Halbtrauer und dann noch in den ganzen möglichen Familienbeziehungen zusammentragen willst, wäre das zu viel. Zumal Du eben nur die Information des Zeitraumes für den Tod der Schwiegermama wissen willst. Und eben, was sie da zu tragen hat.

Und wenn Du nur diese Info brauchst, warum willst Du dann Deine Schreibzeit mit der Recherche der anderen Familienmitglieder verschwenden?

Klar, vielleicht wirst Du einwenden wollen, dass es Dich vielleicht weiter inspirieren könnte und Du zu einer besseren Geschichte findest. Und Du wirst nicht noch so schnell erleben, dass ich dieses Argument ablehne. Lies daher ruhig alles rund um Trauerkleider im viktorianischen Zeitalter. Aber bleib erst einmal bei Deinem Thema. Und wenn Du beim lesen noch mehr Inspirationen bekommst, notiere sie Dir auf einem Zettel und eventuell baust Du sie noch ein. Aber wenn es nicht Dein Thema ist, lass es erst einmal liegen und kümmere Dich dann später darum.

Also, stelle eine Frage, mit der Du arbeiten kannst und willst und die sich direkt auf Deine Geschichte bezieht. Schreibe sie auf. Notfalls überarbeite die Frage, wenn Du es benötigst. Aber bleibe bei einem Thema und werde durchaus konkret.

Quellen

Der nächste Schritt ist das Sichten möglicher Quellen. Wenn Du noch gar keine Ahnung hast, wo Du anfangen könntest, schau Dich ruhig erst einmal bei Wikipedia um. Sowohl das deutsche Portal (http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite) als auch das englische (http://en.wikipedia.org/wiki/Main_Page) können für eine erste Übersicht durchaus nützlich sein. Wenn ich aber etwas aus meinen fehlgeschlagenen Versuchen zu studieren gelernt habe (außer der Tatsache, dass ich vielleicht doch mal das richtige Fach hätte wählen sollen, hüstel) ist, dass man sich niemals auf Wikipedia verlassen darf und soll.

Der Grund ist einfach, da darf jede und jeder mit mischen darf und es auch tut. Und dabei kann es schon passieren, dass fehlerhafte oder gar falsche Informationen zur Verfügung gestellt werden. Aber trotzdem empfehle ich Wikipedia aus einem guten Grund: um einen Einstieg in das Thema zu finden.

Nehmen wir mal an, Du interessierst Dich für die Quantenmechanik. Dann liest Du Dir den Beitrag durch, um erst einmal festzustellen, was das überhaupt ist. Und das ist völlig richtig so. Doch dann wirst Du feststellen, dass sie eine ordentliche Liste an Literatur zusammengetragen haben (http://de.wikipedia.org/wiki/Quantenmechanik#Literatur), wo Du weiter suchen und lesen und recherchieren kannst. Und dann passiert es, Du kommst von Tausenden in die Milliarden.

Wenn Du bei einem gewissen Onlinebuchhändler nach einigen dieser Titel suchst, wirst Du schnell auf andere verwiesen. In den Rezensionen findest Du dann noch weitere Empfehlungen und am Ende hast Du mehr Bücher auf Deiner Wunschliste, als Dir lieb ist. Dabei wolltest Du ja nur ein oder zwei und nicht vierzig oder fünfzig haben (was mir mal passiert ist, nicht gelogen).

Tun wir jetzt mal so, dass Du Dich auf drei Bücher einigen kannst (wie auch immer Du das geschafft haben magst 😉 ), welche Du besitzt (oder geliehen oder gekauft hast) und für Deine gewählte Fragestellung die richtigen sind. Schreibe diese auf. Gehören die Bücher Dir, dann reicht aus, wenn Du AutorInname und den Titel aufschreibst (solltest Du mehrere Regale verwenden, dann überlege Dir auch den Standort aufzuschreiben, bei mir wäre das sicherlich notwendig 😉 ). Ansonsten schreibe weitere Daten auf, wie zum Beispiel das Erscheinungsjahr oder aus welcher Bibliothek Du es Dir geliehen hast (gerade wenn Du mehrere hast, aus denen Du Deine Bücher leihst).

Wenn Du Internetseiten noch verwendest, empfehle ich Dir den Link zu kopieren und in die entsprechende Tabelle einzutragen und auch das Datum, wann Du die Seite gesichtet hast. Denn das Internet verändert sich unglaublich schnell und so kann eine Info, die noch heute auf einer Seite stand im nächsten Moment nicht mehr vorhanden sein. Du könntest Dir auch überlegen, alles abzuspeichern und eventuell auszudrucken. Aber das ist Dir überlassen.

Arbeitest Du mit Zeitschriften (und es gibt zu fast jedem Thema irgendeine Zeitschrift), dann kannst Du den Beitrag entsprechend herausreißen (sofern es Deine ist) und zu Deinem Rechercheblatt hinzufügen. Und klar, Du kannst auch die Buchseiten kopieren, wenn sie nicht Dir gehören. Aber das alles überlasse ich Deiner Fantasie 🙂

Meine Empfehlung ist, trage Deine Quellliste zusammen und vergib für jeden Titel eine Nummer. Du wirst im nächsten Punkt sehen, warum ich Dir das empfehle. Das soll am Ende so aussehen:

  1. Autor: Buchtitel
  2. Autorin: Buchtitel
  3. Zeitschriftentitel, Beitragsname
  4. Datum: Internetlink

Oder wie auch immer Du es zusammentragen willst. Aber ich denke, Du verstehst was ich meine 🙂

Es reicht aus, wenn Du so viele Daten zusammenträgst, wie Du benötigst, um den Titel sicher zu identifizieren. Was das für Daten sind, entscheidest letztendlich Du selbst. Wenn Du damit fertig bist, kommen wir zum Löwinnenanteil der Arbeit.

Der Rechercheteil

Im Rechercheteil trägst Du alles zusammen, was Du benötigst. Das kann von einfachen Zitaten bis hin zu einer Zusammenfassung der Stringtheorie alles sein. Wie so oft, es kommt auf Deine Geschichte und Dich selbst an, mehr nicht.

Anfänglich kann es ausreichen, wenn Du Stichpunkte zusammenträgst, damit Du erst einmal eine Übersicht über das Thema hast. Damit meine ich folgendes:

  • ich bin irgendeine wichtige Information
  • und ich bin eine andere wichtige Information
  • ob ich eine wichtige Information bin, weiß ich nicht, deswegen bin ich kursiv 😉

Ob Du sofort in die Vollen gehst oder Dir erst einmal eine Übersicht schaffen willst, liegt an Dir und Deiner Arbeitsweise. Du kannst natürlich auch sofort einen Text schreiben, wenn Dir das mehr zusagt. Ich persönlich finde nur die Stichpunkte übersichtlicher, damit ich sofort sehe, wo ich was finde und welche Informationen ich zusammengetragen habe.

Und hier kommen wir zu den Zahlen vor Deiner Quellenliste. Wenn Du eine Information aus einem Buch entnommen hast, notiere Dir dahinter einfach die Zahl und die Seite. Als Beispiel:

  • ich bin weiterhin eine wichtige Information (1 – S. 12)

Nehmen wir mal, dass Du heute die Information notiert hast und in einigen Wochen diese verwenden willst. Dann stehst Du da und denkst Dir (wir gehen mal kurz davon aus, dass Du Dir nicht die Nummer und Seitenzahl notiert hast), wo habe ich die Info noch einmal her? Ich müsste noch mal was nachschlagen!

Jetzt könnte es sein, dass Du Dich noch erinnerst, woher Du die Info hast und sie auch schnell findest. Aber lassen wir mal einige Monate (oder warum auch immer) ein Jahr vergehen. Viel Spaß beim suchen. Daher ist es emphelenswert, einfach die Nummer der Quelle zu notieren und die Seitenanzahl. Dann suchst Du nur noch das Buch (oder leihst es Dir aus, wenn Du es aus der Bibliothek hattest), schlägst die Seite auf und suchst nur noch auf einer Seite.

Ja, natürlich, Du kannst auch die Seiten kopieren und am Ende Deines Rechercheblattes antackern. Aber das liegt an Dir, wie es Dir gefällt und ob Du das wirklich willst.

Verwendung

Das sehe ich als Optional an. Am Ende kannst Du Dir notieren, wo genau die Information verwenden willst. Dann hast Du eine Richtlinie, für was Du auch letztendlich arbeitest.

Das kann eine kurze Notiz sein, ein Satz, die Szenennummer oder Kapitelübersicht oder was auch immer. Solange Du mit der Information etwas anfangen kannst.

Im Roman

Wenn Du die benötigten Informationen (oder zumindest die erste Phase davon) zusammengetragen hast, kannst Du jedem Datenblatt ein Nummer geben (so ungefähr wie eine Seitenzahl). Einfach durch nummerieren und fertig ist (mögliche Anlagen oder zweite Seiten bleiben davon einfach unberührt).

Die Nummerierung hat eine einfache Funktion. Jetzt nehmen wir mal an, Du bist bei einer Szene, wo Du Deine Recherche einbringen kannst. Aber gerade hast Du keine Muse dazu, die Informationen einzutragen. Oder keine Zeit oder keine Nerven. Oder Du hast das Gefühl, es ist gerade nicht genug, Du brauchst noch mehr Material. Dann kannst Du einfach die Nummer des Rechercheblattes eintragen und es zu einem späteren Zeitpunkt nachtragen. Zum Beispiel im Rahmen der Überarbeitung.

Das ist eben auch mal etwas für Faule. Du musst das nicht machen, aber es kann gelegentlich hilfreich sein. Vielleicht hast Du auch schon angefangen zu schreiben, weißt genau, dass Du eine bestimmte Frage hast und bist noch nicht so weit gekommen. Oder Du bist während des Schreibens auf eine Frage gestoßen und hast dazu noch gar keine Informationen zusammengetragen. Dann kannst Du ein Rechercheblatt fertig machen, die Frage stellen, ihr eine Nummer geben, diese im Text eintragen und später wieder kommen.

Das ist gut, damit Du den Schreibfluss nicht unterbrechen musst. Und Du hast schon einmal die Vorlage für die nächste Rechercherunde.

Fazit

Es mag sich, aufgrund des Texte, durchaus anhören, als ob das viel Arbeit wäre. Aber letztendlich ist das durchaus übersichtlich. Was Du davon für Dich anwenden willst oder nicht, liegt natürlich an Dir selbst.

Ich selbst habe gerne ein wenig Struktur in meine Arbeit und mag es daher, wenn ich mit einem Griff alles in der Hand habe. Ob Du das auch so machen möchtest, ist was anderes.

Gerne höre ich von Dir, wie Dein Rechercheblatt am Ende aussieht. Entweder als Kommentar unter diesem Beitrag oder auf der dazugehörigen Facebookseite (https://www.facebook.com/schreibkasten).

Zum weiterlesen …

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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