[Ein Jahr, ein Roman] Mögen die Streitereien beginnen

Wer sich streitet, zeigt meistens die wahre Natur. Zumindest eine Natur, die wir meistens erfolgreich vor allen anderen verbergen.

Wenn ich wütend werde, dann, ich gestehe, erschrecke ich schon mal selbst vor mir. Daher ist es dann eine sehr gute Idee in Deckung zu gehen, damit ich mich abregen kann, um wieder klar denken zu können.

Andere gehen mit Wut, die sich dann in Streitereien münden, völlig anders um. Entweder sie ziehen sich zurück und maulen, sie werden unfair oder brüllen wie ein Löwe / eine Löwin herum.

Und hier schließt sich die heutige Schreibinspiration und der Schreibratgeber zu Deinem Roman an. Es muss nicht sein, dass in Deiner Geschichte ein Streit vorkommt. Gerade wenn Du mehrere Geschichten schreibst, eventuell eine Reihe zu Deinen Figuren, dann bringt es nichts, in jedem Band einen Streit aufzuführen. Aber Du wirst sehr tief in die Seele Deiner Figur hineinschauen können, wenn Du siehst, wie sie sich in einer, zumeist unangenehmen, Situation benimmt.

Gerade wenn Deine Figur eher zu den ruhigeren Persönlichkeiten gehören, kannst Du sehen, wie sie sich in einer Ausnahmesituation benimmt. Und Ausnahmesituationen sind nicht nur die, wenn sie in Lebensgefahr befinden.

Ich erinnere mich an ein Sachbuch von Marshall B. Rosenberg (R.I.P), welcher die „Gewaltfreie Kommunikation“ quasi erfand und weltberühmt machte. In seinem Buch erzählt er die Geschichte einer Schülerin von ihm. Wenn ich mich nicht irre (ich habe das Buch vor gut acht Jahren gelesen und weiß nicht, wo ich es habe, daher kann ich es nicht mehr nachschauen), arbeitete die Frau in einer psychiatrischen Anstalt oder Krankenhaus. Auf alle Fälle war es Nachts und sie wurde von einem Typen überfallen, der ihr ein Messer an die Kehle hielt. Die ganze Nacht über redete sie mit ihm und versuchte ihn zu überzeugen, sie nicht zu töten. Eben mit der gewaltfreien Kommunikation. Und letztendlich schaffte sie es auch.

Diese Geschichte erzählte sie Marshall B. Rosenberg und er meinte, dass sie ihn doch gar nicht mehr brauche. Wenn sie mit einem Beinahmörder und Psychopathen fertig werde, dann müsse er doch bei ihr Unterricht nehmen. Da erwiderte sie, ein paar Tage redete ich mit meiner Mutter und es kam zu Streit. Und ich sagte „Aber Mama …“, was in der Gewaltfreien Kommunikation nicht so gaaaanz erwünscht ist 😉

Was will ich mit der Geschichte sagen? Wenn Deine Figur in einer Ausnahmesituation ist, kann sie völlig anders reagieren, als sie normalerweise gestrickt ist. Sie könnte mutiger werden, ängstlicher oder verrückter, als Du sie letztendlich angelegt hat. Aber wenn Deine Figur mit dem besten Freund, der besten Freundin oder der Mama streitet (gerne auch den Papa bei den Männer, da herrscht ja auch eine eigene Dynamik, genauso wie bei Töchtern und Mütter und alle Querbeziehungen), dann zeigt sich eine Natur, die anders ist.

Denn häufig verlieren wir einfach die Kontrolle über uns, wenn wir streiten und brüllen einfach hinaus, was uns stinkt. Und manchmal sind das auch Themen, die weit in der Vergangenheit liegen und nie richtig aufgearbeitet wurde. Zwar heißt es ja, dass man in Streitereien nie alte Themen aufnehmen soll. Aber wenn sie noch nicht verarbeitet sind, dann bleibt wohl nichts anderes übrig, als sie dann, wenn der Sturm in der eigenen Seele herrscht, diese Themen doch hervorzuholen. Nur wenn sie wirklich erledigt sind, dann sollte man sie ruhen lassen (okay, das war jetzt wohl auch gleich ein Streittip, na gut, weiter im Text 😉 ).

Also lasse Deine Figur auf die anderen los und breche einen Streit vom Zaun. Nehme wichtige Personen im Leben Deiner Figur und lasse sie streiten. Finde heraus, welche Themen so brisant sind, dass der Streit überhaupt ausbrechen kann, wie der Streit geführt wird und was für Themen besprochen werden.

Zu den wichtigen Figuren können gehören:

  • Mutter
  • Vater
  • eventuell Geschwister
  • wichtige MentorInnen
  • Ehefrau / Ehemann bzw. GeliebteR
  • Kinder
  • beste FreundInnen
  • ArbeitskollegInnen
  • Vorgesetze

Du kannst eine Szene schreiben, Du kannst aber auch einfach ein Dialog schreiben. Also im folgenden Sinne:

Figur A: Blabla und so weiter
Figur B: BlaBlablubb und Du kannst Dir denken was jetzt kommt 😉

Und so weiter. Mach ruhig eine Tabelle mit zwei Spalten. In der ersten Spalte kommt der Name und in der zweiten der Text. Wenn Du willst, kannst Du kursiv auch die Gefühle beschreiben.

Natürlich geht das alles auch in einer Szene, wo Du beschreibst, wie es in den Figuren brodelt, kocht und wächst. Doch achte auch darauf, was und wie Deine Figur die Wut mitteilt. Denn das ist durchaus wichtig.

Such Dir aber auch Figuren aus, die entweder nicht so wichtig im Leben Deiner Figur sind oder die Deine Figur sogar hasst bzw. zu den AntagonistInnen gehören.

Wenn mir ein Mensch nicht so wichtig ist, dann streite ich mit dieser Person völlig anders. Dann geht es mir durchaus auch am Popo vorbei, ob ich deren Gefühle verletze. Daher kannst Du auch mal sehen, wie hier die Streitereien vor sich gehen.

Und wenn Deine Figur mit jemanden streitet, die er oder sie zutiefst hasst und verachtet, dann könnte sich die Figur erst so richtig ins Zeug legen, nur um zu zeigen, was für eine kümmerliche Person der Gegner bzw. die Gegnerin ist.

Tobe Dich hierbei gerne aus und siehe, was am Ende dabei herauskommt. Du wirst auf alle Fälle Deine Figur anders kennen lernen. Davon bin ich überzeugt.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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