[Genrevorstellung] Der Kriminalroman und seine Untergattungen

Ich möchte Dir heute das Genre des „Krimis“ mit seinen Untergattungen in Kurzform vorstellen, damit Du ein Bild hast, was es im Bereich Kriminalroman überhaupt gibt. Wenn Du einen Krimi schreibst, hast Du verschiedene Möglichkeiten, in welcher Untergattung Du Deine Geschichte einordnen kannst. Und dieser Beitrag soll Dir ein wenig Licht im Dunkeln bringen. Wobei ich mich eher an die bekannteren Bezeichnungen halte und keine Exoten hier aufführe. Das wäre vielleicht eine Idee für einen zweiten Beitrag 🙂

Kurze Beschreibung des Genres „Krimi“

Ein Kriminalroman beinhaltet im Grunde genommen einen Täter oder eine Täterin (ich gehe immer von der Mindestzahl aus), mindestens einem Opfer das ermordet wurde (in den aktuellen Krimiromanen muss es jedoch meistens ein Serienmörder sein, also sind ein Dutzend Opfer für viele immer noch nicht genug) und mindestens eine oder einen ErmittlerIn.

Je nachdem was für eine Geschichte Du erzählen möchtest, variieren natürlich die oben genannten Daten. Aber als Eckpfeiler kann man diese Ausrichtung durchaus benutzen.

Die verschiedenen Untergattungen

Detektivgeschichten

Bei Detektivgeschichten ist das Verbrechen zu Beginn der Geschichte bereits abgeschlossen, oder mit anderen Worten ausgedrückt, der Mord ist bereits geschehen, bevor wir in die Geschichte eintauchen. Alternativ geschieht der Mord ganz am Anfang, so im ersten oder zweiten Kapitel bzw. am Anfang des ersten Aktes.

Im Roman oder in der Novelle selbst verfolgen wir dann unserem Helden oder unserer Heldin (ich habe erfahren, dass erst mit den neunziger des letzten Jahrhunderts Detektivinnen erst stärker auftraten, vorher hat P.D. James in den siebzigern eine Heldin eingeführt, die danach zur Nebenfigur degradiert wurde), wie sie/er den Mord aufklärt.

Einer der berühmtesten Figuren dieses Genres ist Auguste Dupin von Edgar Ellen Poe (immerhin der Erste). Aber natürlich auch unser guter Freund Sherlock Holmes von Sir Arthur Conan Doyle. Oder auch Anne Catharine Green, deren Werk „Der Fall Leavenworth“ (1878) was sogar eine Zeitlang die Pflichtlektüre in der Yale Law School war.

Whodunit

Whodunit – also wer hat es getan – sind Romane, wo die/der HeldIn mit uns als LeserIn quasi in ein Wettstreit treten. Denn für viele ist es durchaus ein Reiz durch die ganzen Köder, welche die AutorInnen in der Geschichte ausgelegt haben, herauszufinden, wer nun die/der MörderIn ist.

Das ist ein besonderer Reiz der Geschichte und ich behaupte auch mal, dass es nicht gerade einfach ist, einen guten Whodunit zu schreiben, ohne zu viel oder zu wenig verraten. Denn es sollte durchaus schon sein, dass man bis zum Schluss mitraten kann, wer es war und ab und an darf man auch in die Irre geführt werden.

VertreterInnen dieses Genres sind natürlich Agatha Christie (Miss Marple und Hercule Poirot) aber auch Sir Arthur Conan Doyle (Sherlock Holmes).

Hardboiled Detective

Während der Whodunit ein bisschen „heile Welt“ spielt (weil am Ende der Mörderin oder die Mörderin geschnappt wird und ihre gerechte Strafe bekommen – zumindest dürfen wir davon ausgehen), ist das amerikanische Pendant anders. Die ErmittlerInnen (es gibt auch Damen in diesem Genre) sind zynisch, illusionslos und stehen mit dem Gesetz, auf deren Seite sie einst gearbeitet und gekämpft haben, eher auf Kriegsfuß.

Sie schlagen schon mal zu und stellen dann die Fragen oder gebrauchen Schusswaffen, wenn es die Situation erfordert oder sie der Meinung sind, dass es jetzt mal an der Zeit war.

Hierbei ist nicht unbedingt die Aufklärung des Falles ein vordergründiges Thema, sondern die Geschichte der Figuren und die Atmosphäre.

Polizeiroman

Dieses Genre spielt, wie die Bezeichnung schon sagt, rund um ein Polizeirevier. Aber das muss nicht immer in der Gegenwart oder nahen Vergangenheit sein. Es kann sein, dass wir hier die Ermittlung bis ins alte Ägypten oder weit in die Zukunft verfolgen.

Hier ermittelt jedoch die offizielle Behörde in einem Mordfall, die man über kurz oder lang als Polizei bezeichnen kann.

Aber auch andere Behörden spielen rund um den Polizeiroman eine wichtige Rolle. Klar zu nennen ist die Pathologie, Forensik und ähnliche Bereiche (man nehme die ganzen Serien wie CSI oder auch Bones als Beispiele).

Weiter treffen irgendwelche NichtpolizistInnen auf PolizistInnen und ermitteln gemeinsam mit ihnen bei einem Verbrechen (ich denke da jetzt an die TV Serien wie Castle oder The Mentalist).

Thriller

In den oben genannten Genres ist der Ermittler und die Ermittlerin eine unantasbare Figur. Vielleicht gibt es mal eine Ohrfeige oder ähnliches (im übertragenen Sinne), aber die Person als ErmittlerIn wird nicht angerührt.

Beim Thriller ist es anders. Unser Täter oder Täterin hat sich unsere ermittelnde Person direkt ausgesucht und will ihr/ihm an den Kragen. Daher muss sich unserE HeldIn mit allen Händen und Füßen zu Wehr setzen und daher auch Gewalt einsetzen, um zu überleben.

Dabei wissen wir als LeserIn mehr als unsere HeldInnen. Dadurch entsteht auch die Spannung. Wann wird sie/er herausfinden, wer der Mörder / die Mörderin ist und wird sie/er das ganze überhaupt überleben?

Schwarze Serie

Eine Abwandlung der „Hardboiled Detectives“, auch als Roman noir bezeichnet. Unsere HeldInnen sind in der Großstadt beheimatet und durchaus als zynisch zu bezeichnen. Hier geht es eben etwas harter zur Sache (es werden Schläge verteilt und eingesteckt) und meistens haben wir es mit dem einsamen Wolf zu tun. Sie/Er schafft das schon irgendwie, die Probleme mit dem Alkohol (oder auch Drogen), mit der Ex-Frau und eben den Fall zu lösen, zu klären, abzuwickeln.

Gangsterballaden

Diese Geschichten werden nicht aus der Sicht der „normalen“ HeldInnen erzählt, sondern eben aus der von den Gangstern (Al Capone, Bonny & Clyde). Es wird ihre Geschichte erzählt und manchmal kann man hierbei auch eine gewisse Sympathie mit den Figuren entwickeln.

Es gibt auch eine Erweiterung hiervon und zwar die Gefängnisgeschichten (also wenn unsere Hauptfigur schon hinter den schwedischen Gardinen sitzt).

Komischer Krimi

Ein klassischer Krimi mit komischen Elementen, so könnte man dieses Genre zusammen fassen. Gerade wenn es durchaus düster ist, können komische Elemente die Geschichte aufheitern und die Angelegenheit etwas lockerer gestalten.

Da muss ich an „Harry Dresden“ von Jim Butcher denken. Ohne die komischen Elemente im ersten Band wäre das doch eine sehr schwer zu verdauende Kost gewesen, die der Autor uns da vorgesetzt hätte.

Aber auch in Kinder- und Jugendkrimis findest Du entsprechende Elemente (vermutlich würden ansonsten die Kinder diese Art von Literatur nicht lesen). Dazu zählen Kalle Blomquist von Astrid Lindgren (habs gelesen und ich fands toll) oder auch TKKG.

Der Regionalkrimi

Jeder Krimi spielt an einem bestimmten Ort, aber das macht ihn noch lange nicht zu einem Regionalkrimi. Erst wenn dieser Ort genau beschrieben wird, dazu zählen auch Licht- und Schattenseiten der Gesellschaft, kann man anfangen ihn als Regionalkrimi zu bezeichnen.

Hier wird die Nebenhandlung im Ortskontext teilweise wichtiger als die Handlung selbst.

Schlusswort

Ich hoffe, Du hast mit diesem Beitrag eine kleine Übersicht über die möglichen Genres, die Du in Deinem Krimi verwenden könntest, bekommen. Das dient eben nur als Grundlage und bedeutet nicht, dass Du Dich nicht über die Feinheiten Deines Wunschgenres nicht weiter zu informieren hast 🙂

Wenn Du ein Krimi schreiben willst, heißt das jetzt, Untergattung auswählen, recherchieren, die Regeln können und dann entsprechend losschreiben.

Was ist Deine Lieblingsgattung. Schreib mir gerne ein Kommentar unter diesem Beitrag oder auf meine Facebookseite 🙂

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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