[Ein Jahr, ein Roman] Plot – Kommen wir zum Pitch

Ab heute fangen wir mit dem Plot an. Es gibt Menschen, die zuerst mit dem Plot anfangen und dann erst die Charaktere bearbeiten. Und andere eben so, wie ich es gemacht habe. Wenn Du also neu in dem Thema bist und gerne eher zuerst plottest als die Charaktere als erstes zu bearbeiten, dann ist heute ein sehr guter Start für Dich. Alles rund um die Charaktere findest Du in den früheren Beiträgen, die ich immer Freitags veröffentlicht habe.

Ansonsten legen wir einfach mal los.

Was ist überhaupt ein Pitch?

Stell Dir vor, Du willst Deine Geschichte über einen Verlag veröffentlichen und triffst jemanden von diesem Verlag im Fahrstuhl. Und diese Person bietet Dir an, während der Fahrt eine kurze Zusammenfassung Deines Romans anzuhören. Und danach will die Person entscheiden, ob Dein Roman in Deinem Lieblingsverlag veröffentlicht wird – auf Bestsellerkurs natürlich.

Wie wir alle wissen, sind Fahrstuhlfahrten normalerweise nicht sonderlich lang (es gibt Ausnahmen bei sehr hohen Hochhäusern, aber wann treffen wir dort mal jemanden von unserem Wunschverlag – ja gut, wann treffen wir überhaupt jemanden von unserem Wunschverlag, aber das zählt hier nicht.).

Du hast also, wenn überhaupt, eine Minute Zeit um dem Verlag von Deinem Roman zu überzeugen. Du könntest natürlich jetzt versuchen, Deine 300 bis 1.000 Seiten schnell zusammenzufassen. Oder Du hast einen Pitch auf einer Visitenkarte, liest es notfalls vor und siehst dann in der restlichen Zeit, wie die Person auf Deinen Pitch reagiert.

Man kann es als eine Werbung in einem Satz (gelegentlich auch etwas länger) bezeichnen. Es soll die Leute, denen Du Deinen Pitch vorstellst, neugierig auf Dein Werk machen. Daher ist er eigentlich ein Teil eines Exposés bzw. des Anschreibens (wenn Du Dich eines Tages bei einem Verlag bewerben willst und nicht über den Weg des SelfPublishing gehst), kann Dir aber auch bei den ersten Schritten zu Deinem Plot helfen.

Denn seien wir mal ehrlich, es ist ein Mythos, dass man Romane in Fahrstühlen verkauft. Es ist leider eher selten, dass Du auf die richtigen Personen auf diese Art und Weise triffst. Und vor allem, es ist noch unwahrscheinlicher das Du die richtigen Personen erkennst.

Aber wie oft wirst Du von Freundschaften gefragt, worum sich Dein Roman dreht? Sehr häufig ist es so, sobald Du erwähnst, ich schreibe, bzw. ich schreibe einen Roman, wollen die meisten Wissen, was für eine Geschichte Du schreibst. Doch hier ein kleines Geheimnis: Auf lange Erläuterungen haben sie nicht immer Lust. Sie wollen einen kurzen Satz hören und das war’s. Damit hat es sich. Keine langen Erläuterungen, sondern nur eine kurze Erwähnung. Zumindest habe ich das häufig erlebt.

Weiterer Sinn eines Pitch.

Es ist erst einmal ein gutes Gefühl, wenn Du Deine Geschichte in einem Satz zusammenfassen kannst. Es stärkt zudem Deine Verbundenheit für Dein Werk, wenn Du das machen kannst. Du hast es geschafft, dass Du Deine Geschichte auf einen Satz reduzieren kannst, der Dir dann als roten Faden dient. Alle wirren Ideen, alle Inspirationen und alle Gedanken fasst Du zusammen und kannst damit arbeiten.

Wenn das nicht was ist 😉

Schaffst Du Deinen Roman in einem Satz zusammen zu fassen, dann hast Du das Material unter Kontrolle. Es wird also wahrscheinlicher sein, dass Du am Ende einen Roman mit dem roten Faden da drinnen schreiben kannst.

Das muss natürlich nicht heißen, dass Du eine „kleine“ Geschichte schreibst. Es darf trotzdem ein Monument von einem Roman werden. Aber Du findest Dich selbst durch den ganzen Wirrwar Deiner eigenen Geschichte.

Manche behaupten sogar, wenn man nicht in der Lage ist, die eigene Geschichte auf einen Satz, maximal einen kurzen Absatz zusammen zu schreiben, dass man den Roman niemals schreiben kann. Harte Worte? Aber durchaus wahr. Wenn Du eine rote Linie hast, dann kannst Du ihr bis zum Schluss folgen.

Selbst ein solches Mammutwerk wie „Der Herr der Ringe“ lässt sich auf einen Satz reduzieren:

Ein unscheinbares Wesen muss den einen Ring vernichten, um Mittelerde und seine Heimat von dem Bösen zu befreien.

So ungefähr könnte man (in diesem Fall ich), direkt aus dem Stehgreif und ohne lange Überlegung, die drei Romane zusammenfassen. Die Gefährten, die Schlacht um Rohan, die romantischen Beziehungen zwischen einigen der Figuren, der große Rat von Herrn Elrond, was auch immer in den Romane noch vorkam, hat in diesem einen Satz keinen Platz. Das stimmt. Aber sie sind wunderbares Beiwerk, was mit der Grundstruktur nichts zu tun hat. Und doch machen sie den Roman bunter und schöner. Doch letztendlich geht es darum, dass Frodo den einen Ring vernichtet. Punkt.

Daher meine klare Empfehlung: nimm Dir etwas Zeit und fange an zu pitchen.

Wie erstelle ich einen Pitch?

Einen Pitch zu erstellen, der aus einem Satz besteht (bitte keine Bandwurmsätze), ist weitaus schwieriger, als Du am Anfang meinen magst. Denn Du musst ja das ganze schmückende Beiwerk erst einmal beiseite schieben. Und gerade dieses schmückende Beiwerk dürfte wohl gerade ziemlich Dein Gehirn bevölkern. Erst recht, wenn Du Dich sehr intensiv mit Deiner Welt, den Figuren und alles drum herum beschäftigt hast. Zumindest geht es mir immer so. Da muss ich schon mal Heckenschere, Harke und die Kettensäge aus meinem geistigen Gartenhaus holen, um das ganze Zeugs erst einmal loszuwerden.

Idealerweise fängst Du auch ganz am Anfang an. Du darfst Dich Ideenmässig gerne austoben, schreiben, notieren, kritzeln was und wie lange Du willst. Mach das ruhig vorher. Doch bevor Du anfängst zu schreiben, pitche ruhig erst einmal.

Finde heraus, wer ist Deine Hauptfigur (mit einer kurzen Beschreibung), wo ist sie/er gerade, was ist das Ziel. Dann geht es zur/zum AntagonistIn, wo Du die gleichen Daten ermittelst.

Und daraus entwickelst Du erst einmal ein Kurzexposé (wir müssen ja nicht gleich von Anfang an in die vollen gehen, dass würde wohl jeder/jeden überfordern).

Also eine kleine Übersicht zu den Daten:

  • Name der Hauptfigur
  • eine kurze Beschreibung
  • Umgebung wo sie/er sich gerade befindet
  • Ziel Deiner Hauptfigur
  • AntagonistIn (muss nicht immer ein Mensch sein, sondern eventuell auch ein Ereignis)
  • eine kurze Beschreibung (wenn es ein Sturm zum Beispiel ist, dann hier die Eckdaten, wie stark, wo genau, wie entstanden)
  • Ziel (da Stürme keine Ziele haben, ruhig allgemein bleiben 😉 )

Daraus entwickelst Du eben Dein Kurzexposé, der ruhig noch etwas länger bleiben kann. Es geht ja erst einmal darum, dass Du die ganzen Daten verarbeitest. Gerade wenn Du zum Plot noch nichts hast, kann das Bedürfnis stark sein, erst einmal alle wichtigen Daten aufzuschreiben und zu notieren, bevor Du eventuell alles vergisst (oder zumindest die Angst hast, alles zu vergessen). Daher tobe Dich hier ruhig ein wenig aus.

Rotstift nutzen

Nun streiche nach und nach Dein Exposé zusammen. Es geht ja im Pitch darum, dass Du nur den roten Faden suchst. Also brauchst Du keine Lösung der Geschichte. Wenn Du die aufgeschrieben hast, dann kannst Du die Lösung schon einmal streichen.

Danach schaust Du, wo alles eher schmückendes Beiwerk ist und die Informationen nicht zur Geschichte gehören. Das streichst Du auch, Stück für Stück, Satz für Satz, Teilsatz für Wort.

Am Ende hast Du dann einen Pitch, wo die Beziehung zwischen Deiner/Deinem ProtagonistIn und Deiner/Deinem AntagonistIn zu finden ist, wo das Setting ist und wie die Geschichte in kurzen Worten beschrieben ist.

Klingt das alles ZU abstrakt?

Beispiel für einen Pitch

  • Name der Hauptfigur: Harry Potter
  • eine kurze Beschreibung: Ein Waisenjunge, der bei seiner Tante, Onkel und Cousin lebt und fühlt, dass er etwas besonderes ist, sich dies aber nicht erklären kann. Denn was soll schon an ihm besonderes sein, außer einer Narbe auf seiner Stirn? Bis er eines Tages Briefe von der Schule Hogwarts bekommt.
  • Umgebung wo sie/er sich gerade befindet: Er lebt im Haus seiner Verwandten in einem Wandschrank
  • Ziel Deiner Hauptfigur: Nach Hogwarts gehen und dort ein Zauberer zu werden und gegen den Zauberer zu kämpfen, der seine Familie tötete.
  • Antagonist: Lord Voldermort – Der, der nicht beim Namen genannt werden darf
  • eine kurze Beschreibung: Er existiert gerade nur mit Hilfe anderer Menschen und versucht zum einen seinen Körper zurück zu bekommen und gleichzeitig seine Armee wieder aufzustellen, damit er sich an diejenigen rächen kann, die ihn einst besiegt haben – allen voran an Harry Potter
  • Ziel: Harry Potter zu vernichten und gleichzeitig den Stein der Weisen zu erhalten

Okay, ich habe den Film und das Buch schon länger nicht mehr gelesen, man möge mir etwaige Vermischungen mit den anderen Teilen und grobe Definitinen ausnahmsweise verzeihen 🙂

Kurzexposé:

Harry Potter lebt bei seinen Verwandten (Tante, Onkel und Cousin) und muss im Wandschrank leben. Er fühlt, dass etwas mit seinen Erinnerungen und den Geschichten seiner Verwandten wohl etwas nicht stimmt. Rund um seinen elften Geburtstag erscheinen auf einmal Briefe einer Schule, auf die er gehen soll. Während seine Verwandte dies verhindern wollen, geht er dorthin und erfährt Geheimnisse über den Tod seiner Eltern.

Während des ersten Schuljahrs erlebt er verschiedene Abenteuer und freundet sich mit Hermine und Ron an und muss am Ende einen Kampf gegen den Mörder seiner Eltern kämpfen und ihn besiegen, um die Menschen, die er liebt, zu beschützen.

Ich gebe zu, ich musste mich hier um einiges zurückhalten, um nur die nötigsten Dinge aufzuführen. Ansonsten wäre es eine Zusammenfassung des Romans geworden. Und das ist ja nicht Sinn der Sache (zumal der Pitch ja zu einem Roman geschrieben werden soll, der ja noch gar nicht existiert).

Wenn Du jetzt anfängst zu streichen, dann können wir den letzten Teil schon einmal streichen, also das Harry gegen den Dunklen Lord kämpft und letztendlich auch siegt.

Dann ist es natürlich fraglich, ist es wirklich so interessant, dass er in einem Wandschrank lebt oder das er Briefe bekommen hat, damit er nach Hogwarts geht? Das ist alles schmückendes Beiwerk, welche Deine Figuren zu individuellen Charakteren macht, hat aber nichts mit dem roten Faden durch diese Geschichte zu tun.

Am Ende würde (vielleicht etwas ungelenk, aber ich denke Du verstehst es), ungefähr folgender Satz heraus:

Ein scheinbar normaler Junge erfährt, dass er ein Zauberer ist und gegen den gefährlichsten Zauberer aller Zeiten kämpfen muss.

Natürlich kann man auch diesen Satz noch besser hinkriegen. Aber ich denke mal, für die Theorie reicht es erst einmal aus.

Nun kennst Du die Theorie dahinter. Richtig gut wird man bei solchen Sachen aber erst, wenn man sich hinsetzt und es selbst macht.

Schreibübung:

Schnapp Dir den letzten Roman, den Du gelesen hast und erarbeite Dir den Pitch dazu. Dir dürfte die Geschichte noch sehr präsent sein, daher ist es hier leichter.

Wenn Du damit fertig bist, dann nimm Dir noch ein oder zwei Deiner Lieblingsromane vor und schau mal, wie es hier klappt.

Und natürlich, ganz wichtig und darf nicht vergessen werden, nimm Dir auch Deine eigene Geschichte vor und leg los.

Wenn Du fragen hast oder den Beitrag kommentieren möchtest, ich freue mich hier oder auf meiner Facebookseite (http://www.facebook.com/schreibkasten) über eine entsprechende Nachricht.

Viel Spaß mit der Übung.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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