[Ein Jahr, ein Roman] Mach disch nackisch … Geschichte

Einleitung

Eine Handlungsstruktur soll Dir die Möglichkeit geben, dass Du die Abfolge der Ereignisse in Deinem Roman vorab kennst und diesen wie einem roten Faden verfolgen kannst. Für die meisten ist das interessant, weil sie mit dieser Methode sich vollständig auf das Schreiben der Geschichte und die Entwicklung der Figuren konzentrieren können. Damit musst Du Dir keine Gedanken machen, mmh, wo muss meine Figur jetzt hin, was könnte nun passieren und was sollte dann geschehen und habe ich genügend Konflikte und so weiter und noch viel weiter.

Das gilt natürlich nur, wenn Du zu den sogenannten Polterinnen gehörst. Wenn nicht, dann dürfte das wohl kein Beitrag für Dich sein. Auch wenn ich dem Sportanschreiben zwischenzeitlich durchaus etwas abgewinnen kann. Ich gehöre doch definitiv zu den Schreiberinnen, die gerne zumindest im groben weiß, wohin die Reise geht.

Stell Dir das plotten mit den folgenden Strukturen wie eine Landkarte mit Markierungen vor, die Du in Deinem Urlaub abhacken willst. Du hast eine Landkarte mit bestimmten Punkten markiert, die Du gerne abgrasen möchtest. Damit hast Du eine grobe Struktur, wohin Du alles gehen kannst und bist nicht so ganz verloren. Aber das bedeutet natürlich nicht, dass Du nicht spontan sein darfst. Wenn Du auf dem Weg zu einem Zielpunkt etwas schönes entdeckst, dann kannst Du anhalten, einen Umweg machen und dorthin gehen, fahren, reisen. Gerade weil Du weißt, wohin ursprünglich die Reise geht, kannst Du offen für alles andere in der Umgebung sein.

Und aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, das ist durchaus möglich. Oft hatte ich durch das plotten und planen weitaus mehr gute Ideen, als wenn ich einfach nur so drauf los schreiben würde. Beide Seiten erlebe ich gerade in einem Selbstversuch. Mehr werde ich dazu schreiben, wenn ich da mehr Erfahrungen gesammelt habe und Ergebnisse vorweisen kann.

Ich hatte schon mal von der Schneeflockenmethode berichtet. Die sogenannte Helden- und Heldinnenreise werde ich noch einmal gesondert berichten. Heute geht es um den Aktaufbauin verschiedener Art und Weise.

Bei meiner Recherche habe ich die folgenden Versionen gefunden:

  • Die Drei-Akte-Struktur

  • Lester Dents Master-Plot-Struktur (Vier-Akt-Struktur)

  • Die Fünf-Akte-Struktur

  • Das Sieben-Punkte-System

Weitere Methoden werde ich dann nach und nach aufnehmen und Dir davon berichten.

Die Drei-Akte-Struktur

Es geht hierbei um die einfachste Struktur, um eine Geschichte aufzubauen. Sie ist in der Tat sehr grob und lässt vieles offen, Dir aber auch viele Freiheiten. Wenn Du mit dieser Methode arbeitest, musst Du sehr streng arbeiten und brauchst Du auch sehr viel Fantasie. Immerhin musst Du viele Details, die nicht im Plotplan drinnen stehen aufschreiben und in Deiner Geschichte entsprechend verarbeiten.

Gerne kannst Du diese Methode aber auch als erste Grundlage benutzen, um danach dann in die weiteren Feinheiten überzugehen. Oder Du bleibst bei dieser Struktur, um damit zu arbeiten.

  • Erster Akt: Der Anfang
    Erst einmal geht es um die Figuren in der Geschichte. Wer spielt mit und was wollen sie? Was für Ziele hat sie und wie wollen sie diese erreichen? Es geht also für Dich darum mir als Leserin zu erklären, mit wem ich es zu tun habe und worin das zentrale Konflikt besteht.

  • Zweiter Akt: Hauptteil
    Hier geht es darum zu sehen, was die Figuren tun, um den Konflikt so richtig auf die Spitze zu treiben. Was ist der Höhepunkt der Handlung? Hierbei geht es dann auch um den Tiefpunkt der Heldin. In diesem Teil soll der Konflikt der Heldin den Teppich unter den Füßen wegreißen. Hier geht es wirklich bis zum Mark und noch tiefer hinab.

  • Dritter Akt: Auflösung
    Die Heldin muss den Tiefpunkt überwinden. Doch nun stellt sich die Frage, wie? Wie wird der Konflikt gelöst und wie überwindet die Heldin eben diesen Tiefpunkt?

Jeder Akt muss mit einem Wendepunkt enden und damit zum nächsten Akt überleiten. Diese Wendepunkte sind entscheidende Ereignisse, Überraschungen oder ähnliches.

Lester Dents Master-Plot-Struktur (Vier-Akte-Struktur)

Von dieser Struktur hatte ich zuvor noch nie etwas gehört, ich gestehe.

Lester Dent war ein Schriftsteller in den 1930ern und zwar in dem Pulp-Fiction Genre. Man kann sagen, dass er Groschenheftromane geschrieben hat. Seine berühmteste Schöpfung war Doc Savage. Von dem haben sicherlich viele nichts gehört, ich zumindest gehöre dazu. Trotzdem ist seine Struktur durchaus interessant.

  • Erster Teil
    Auch hier wird die Heldin so früh wie nur möglich vorgestellt. Dabei muss sie auch gleich am Anfang, bzw. sehr schnell in richtige Schwierigkeiten gelangen.
    Es soll auch gleich geklärt werden, dass es ein Geheimnis oder ein Rätsel gibt, dass gelöst werden oder auch abgewendet oder bewältigt werden soll.
    Wenn weitere wichtige Figuren auftauchen sollen, dann ist hier der richtige Zeitpunkt sie vorzustellen.
    Was auch immer die Heldin tut, diese Taten, Bemühungen bringen sie in Konflikte, durchaus physische und es gibt eine überraschende Wendung.

  • Zweiter Teil
    Es geht weiter mit ihren Bemühungen und diese enden in weiteren physischen Konflikten und in einer weiteren überraschenden Wendung.

  • Dritter Teil
    Hier macht die Heldin Fortschritte und sie ist in der Lage den Schurken in die Ecke zu drängen. Es kommt hier zu einem physischen Konflikt (gern durchaus in einer Prügelei) und in einer neuen überraschenden Wendung. Sie erreicht den Tiefpunkt im Konflikt.

  • Vierter Teil
    Wie jede gute Geschichte schafft es die Heldin sich selbst aus dem Ärger zu ziehen. Das schafft sie, indem sie ihre besonderen Talente und Fähigkeiten benutzt (nicht verwechseln mit vielleicht magischen Fähigkeiten oder so, sondern einfach eine besondere Gabe, die Deine Figur einzigartig macht, das darfst Du in der Personenanalyse entsprechend herausfinden, was das ist). Wenn Geheimnisse noch offen sind, müssen sie hier gelüftet und aufgeklärt werden. Und zwar in dem finalen physischen Konflikt.
    Es kommt noch einmal zu einer überraschenden Wendung und die bringt dann alles zum Ende.

Diese Struktur eignet sich unter anderem für die Hard-Boiled Romane. Aber nicht nur für Heftromane, sondern auch für die heutigen Thriller. Es soll dafür Sorgen, dass immer wieder Aufregendes passiert und uns Leserinnen atemlos da sitzen lassen, um auch wirklich nicht das Buch wegzulegen.

Wenn ich das jetzt so schreibe, dann muss ich an Jim Butchers Romanreihe um Harry Dresden denken. Vermutlich hat er sich auch von dieser Struktur inspirieren lassen.

Die Fünf-Akte-Struktur

Hierbei handelt es sich um eine feinere Struktur der Drei-Akte-Struktur. Hier stellst Du genauer und feiner und tiefgehender fest, was in Deiner Geschichte spielt. Und vor allem siehst Du wo und wie die Spannung organisiert ist.

  • Erster Akt: Figuren und Konflikt vorstellen
    Auch hier fängt es mit den folgenden Fragen an: Wer ist die Heldin, was will sie und wer sind die anderen Figuren? Wer steht ihr im Weg, also wer ist die antagonistische Kraft.

  • Zweiter Akt: Komplikation
    Hier kannst Du aufführen, warum es nicht klappt, dass die Heldin und die Antagonistin sich einfach die Hand reichen und fröhlich in den Sonnenuntergang laufen.
    Zeige also den Konflikt genau auf.

  • Dritter Akt: Höhepunkt
    Irgendetwas müssen die Figuren tun, damit der Konflikt schön auf die Spitze getrieben wird (Du willst ja die Leserinnen wie mich an der Stange halten) – was ist das genau? Immer schön ein Konflikt nach dem anderen und so weiter und noch mehr 🙂

  • Vierter Akt: Verlangsamung
    Hier kommt eine Verzögerung hin. Etwas geschieht, was Deine Heldin abhält, den Konflikt zu lösen. Ich als Leserin soll noch ein wenig zappeln, bis es endlich zur Lösung geht.
    Du kannst Dir vorstellen, dass Deine Heldin vor der Tür der Lösung steht und nicht rein kann. Sie ist abgeschlossen. Und dahinter werden die Beweise gerade weggeräumt. Sie muss sich also noch einmal ordentlich anstrengen.

  • Fünfter Akt: Auflösung
    Natürlich geht es hier um zu zeigen, wie die Heldin doch noch hinter das Geheimnis kommt, das Rätsel löst und so weiter. Ich als Leserin möchte natürlich nicht in der Luft hängen bleiben, sondern sehen, wie sich alles fügt.

Das Sieben-Punkte-System

Das Sieben-Punkte-System ist eine weitere Form des Fünf-Punkte-Systems und geht noch einmal noch mehr in die Tiefe.

  • Hook / Aufhänger
    Sie ist das Gegenteil der Resolution, also des letzten Teils (ganz unten). Die Reise beginnt hier und sollte an einer völlig anderen Stelle anfangen, als die Reise endet. Wobei das nicht unbedingt der Ort gemeint sein muss, sondern es reicht auch die geistige Haltung Deiner Heldin. Wenn Du möchtest, dass Deine Heldin am Ende stark und selbstbewusst ist, sollte sie hier schwach und ängstlich sein.
    Aber auch hier gilt, mit wem haben wir es zu tun.

  • Plot Turn 1 / Erste Wendung
    Hier wird die Welt unserer Heldin auf den Kopf gestellt, sie verändert sich. Es geht nun um den Konflikt der Heldin. Was unterbricht den Alltag von ihr und was bringt die Handlung in Gang? Es kommen neue Leute hinzu und erste Geheimnisse werden gelüftet. Gleichzeitig werden neue Geheimnisse aufgetan, damit die Leserinnen weiterhin schön am Ball bleiben.

  • Pinch 1 / Erster Kniff
    Bei einem Pinch handelt es sich um eine Stelle, die besonders schön viel Druck auf die Heldinnen ausüben. Jetzt muss sie handeln, ansonsten wird der Verlauf der Geschichte unschöne bis katastrophale Ausmaßen annehmen. Hier geht etwas schief. Jetzt greifen die Bösen an und der Friede wird unterbrochen, gestört oder auch zerstört, erst einmal.
    Den ersten Pinch kannst Du nutzen, um die Antagonistin vorzustellen. Du kannst sie auftreten und entsprechend handeln lassen.

  • Midpoint / Mittelpunkt
    Mittelpunkt sagt schon eine Menge aus. Es handelt sich um eine Verbindungsstelle zwischen dem Anfang und dem Ende. Deine Heldin geht von einem Zustand zum anderen über. Sie reagiert nicht mehr, sie agiert, sie handelt endlich. Es muss etwas getan werden und das realisiert sie und ist auch bereit zu handeln. Sie wacht quasi auf.

  • Pinch 2 / Zweiter Kniff
    Es wird noch mehr Druck erzeugt. Für unsere Heldin erscheint die Situation hoffnungslos. Ihre Pläne gehen schief, Gefährten verabschieden sich oder verschwinden oder sterben. Nun steht unsere Heldin ganz alleine da mit den erdrückenden Problemen und dem Gefühl, dass die Feindinnen gewinnen werden.
    Wichtig ist, dass dies ein wirklicher Tiefpunkt für Deine Heldin ist. Sie und auch wir müssen das Gefühl haben, dass sie wirklich alles verliert (trotz des Wissens, dass es gut ausgeht, weil es eben ein Roman ist, hier dürfen wir noch nicht wissen, dass es geht und vor allem wie).

  • Plot Turn 2 / Zweite Wendung
    Sie stellt fest, dass sie etwas tun muss und genau das tut sie nun auch. Hier findet sie das Schlüsselstück, um die Lösung herbeizuführen. Die Macht ist in Deiner Heldin und wenn Du möchtest, dann nutze diesen Plot Turn um das zu zeigen. Natürlich muss es keine Magie sein, aber ich denke, dass haben wir schon durch 😉 Hauptsache sie versteht, was sie kann und wozu sie in der Lage ist.

  • Resolution / Auflösung
    Hier löst Deine Heldin endlich das Konflikt und besiegt die Antagonistinnen. Dabei hat sie auch eine persönliche Entwicklung durchgemacht und ist daran gewachsen. Wenn sie nach Hause zurückkehrt (also zum Hook), dann ist sie eine andere, auch wenn es der gleiche Ort ist, wo sie zurückkehrt. Denn sie wird diese Welt nicht mehr so sehen, wie sie es zuvor getan hat.

Du kannst, wenn Du möchtest, erst einmal mit der Drei-Akt-Struktur anfangen, dann zur Vier-Akt-Struktur weitergehen, danach geht es zur Fünf-Akt-Struktur und zu guter letzt mit der Sieben-Akt-Struktur aufhören. Und das meine ich wörtlich. Du fängst erst einmal mit einer groben Struktur an und gehst dann immer weiter und weiter in die Details hinein. Am Ende dürftest Du Deine Geschichte so gut kennen, dass Du sie schreiben kannst.

Zur Übung kannst Du Dir Deine Lieblingsfilme schnappen und sie anhand der Strukturen, besonders der Sieben-Akt-Struktur, analysieren. Damit lernst Du den Aufbau der Filme besser kennen und zudem bekommst Du ein besseres Gefühl für die Geschichte hinter dem Film. Und Du weißt, wie Du eine Geschichte aufbauen kannst, um sie am Ende entsprechend aufzubauen.

Und genau das wünsche ich Dir.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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