[Ein Tag, ein Roman] Von der Schattenkreatur zur Lichtgestalt

In den letzten Wochen haben wir uns verschiedene Plotformen angesehen und ich bin mir so gut wie sicher, Du hast Deine Form gefunden, mit der Du aktuell arbeiten willst. Das bedeutet natürlich nicht, dass Du die nicht in der Zukunft die Art Deines Arbeitens ändern kannst, aber für das aktuelle Projekt hast Du dann mal eine Grundlage.

Doch jetzt kommt die Frage: Mit welcher Figur hast Du angefangen zu arbeiten?

Ich kann schon fast hören, wie Du sagst, natürlich mit dem Helden bzw. mit der Heldin, mit wem denn sonst?

Genau, mit wem denn sonst? Und das ist das Thema in dem heutigen Blogbeitrag. Und dazu heiße ich Dich hiermit herzlich willkommen.

Mit wem sollte ich denn nun anfangen?

Und zwar aus der Sicht der Figur, welche die Geschichte antreibt.

Bevor Du Luft holst und sagst, hei, das ist der Held oder die Heldin, dann sage ich schon mal Stopp, Nein, das sind sie nicht.

Nehmen wir mal einen ganz klassischen Krimi. Der Ermittler erscheint in irgendeinem kleinen Dorf und will dort etwas tun. Tja, nur gibt es dort nichts zu tun, weil dort kein Verbrechen passiert ist. Unser Ermittler ist also umsonst da. Er kann ja die Leute befragen und schauen, ob er irgendetwas herausfindet. Nur wenn kein Diebstahl oder Mord passiert ist, ist seine Anwesenheit in unserem Dörfchen also völlig überflüssig.

Aber wenn dort der garstige Tom ermordet wurde, den niemand leiden konnte, dann ist unser Ermittler natürlich gefragt. Er kann die Leute befragen, er kann Spuren sichern und was auch immer.

Doch was soll er denn ermitteln, wenn Du vielleicht noch selbst nicht weißt, welche Spuren unser Mörder oder unsere Mörderin vom garstigen Tom hinterlassen hat? Daher ist es immer wichtig, dass Du aus der Perspektive anfängst, welche letztendlich die Geschichte überhaupt zum Laufen bringt.

Unser Held oder unsere Heldin dürfen den Tag retten, aber sie fangen den Tag nicht an, das sind die Bösewichter.

Fange aus der Sicht des Schattens an.

Egal ob Krimi oder doch Fantasy, Science-Fiction, ein Romance mit der Schwiegermutter, es sind immer die Schatten, die AntagonistInnen, welche die Geschichte zum Laufen bringen. Ihre Entscheidung überhaupt etwas zu wollen (oder nicht zu wollen, wie, dass man herausfindet, dass sie/er den garstigen Tom ermordet haben), sorgt dafür, dass alle anderen Figuren überhaupt etwas tun.

Wenn der Imperator in Star Wars gesagt hätte, ach nein danke, ich muss das Universum nicht erobern, hätten unsere Rebellen schön blöd aus der Wäsche geschaut (und wir im Kino auch). Und was wäre Sherlock Holmes ohne Proffesor Moriaty?

Es ist daher wichtig, dass Du nicht nur die Beweggründe Deiner AntagonistInnen kennst. Sondern Du solltest auch sehen, wie ihre Geschichte ist, wann sie was tun und welche Spuren (gerade bei Krimis) sie hinterlassen. Wenn Du das weißt, weißt Du auch, was Deine ProtagonistInnen tun müssen, um eben den Tag zu retten.

Daher schau Dir ruhig an, was genau Deine AntagonistInnen machen. Natürlich müssen sie nicht allesamt böse sein, das Universum erobern, den garstigen Tom töten. Aber sie sollten die Geschichte überhaupt erst ins Rollen bringen. Wenn Du das geschafft hast, dann können Deine HeldInnen auftreten und ihre Arbeit machen.

Also fang an mit den AntagonistInnen und schau Dir deren Geschichte an. Dann können Deine HeldInnen in deren Geschichte darauf reagieren.

Wenn Du mit den AntagonistInnen fertig bist, dann kannst Du Dich den HeldInnen widmen.

Wie gehe ich da am besten vor?

Du solltest natürlich immer die Geschichte Deiner AntagonistInnen vor Auge haben. Es bringt nichts, wenn Du ein Beweis (wir sind gerade noch beim garstigen Tom und sein Krimi) findest, den DeinE MörderIn nicht hinterlassen hat. Oder Deine HeldInnen übersehen einen Beweis, der extra für Dich hinterlassen wurde (nein, ich schreibe jetzt nicht von falschen Spuren anderer Verdächtige, sondern das, was die/der AntagonistIn hinterlassen hat).

Schaue Dir also genau an, was Deine Bösewichter machen und schaue dann, wie Deine HeldInnen darauf reagieren können (und sie werden in erster Linie reagieren, ab der Mitte der Geschichte können sie dann auch agieren, aber erst einmal müssen sie den Weg hinein finden).

Erst einmal kannst Du eine grobe Struktur erarbeiten, um zu schauen, wo ist der Bösewicht und wo ist meine Lichtgestalt. Wenn Du das dann geschafft hast, kannst Du diese grobe Struktur ausarbeiten und zeigen, welche Feinheiten Du dann noch machen kannst.

Damit meine ich die persönlichen Beziehungen, der Kaffee am Morgen und solche Dinge halt. Danach kannst Du eben schauen, was Deine Geschichte so einzigartig macht.

Mir fällt es schwer mit dem Bösewicht anzufangen.

Ganz ehrlich? Da bist Du nicht alleine. Ich fange auch gerne lieber mit den HeldInnen an, weil sie halt viel länger meinen Weg begleiten. Am liebsten würde ich sogar schon anfangen zu schreiben, bevor mein Bösewicht einen Namen hat. Da bin ich ganz bei Dir.

Aber das bringt halt leider nichts, wenn Du nicht die Geschichte hinter Deiner Geschichte kennst. Daher ist es über kurz oder lang besser, wenn Du die Geschichte des „Bösens“ kennst.

Ein Praxisbeispiel?

Mein Baby, von dem ich sicherlich schon öfters geschrieben habe, liegt mir unglaublich an Herzen. Ich liebe die Hauptfiguren, ich liebe das Setting, ich liebe einfach alles. Und trotzdem kann ich immer noch nicht die Geschichte schreiben, weil ich einfach immer noch nicht weiß, wer mein Bösewicht ist und warum sie/er überhaupt mein Bösewicht ist. Ich habe da noch immer keine Grundlage gefunden.

Aber das ist auch erst einmal in Ordnung. Sobald ich sie kenne, haue ich ordentlich in die Tasten 🙂

Ein Schlusswort

Natürlich kannst Du es auch andersherum versuchen. Da gibt es keine Regel. Aber ich kann Dir wirklich nur ans Herz legen, dass Du die Reihenfolge, wie von mir vorgeschlagen, anwendest. Zuerst die Schattenfigur und dann kommen wir zu den HeldInnen.

Wenn Du das geschafft hast, dann rockst Du regelrecht Deine Geschichte.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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