[Samstagsgedanken] Warum es der Silver Surfer im Film verbockt hat

Hei, hallo und herzlich willkommen,

nachdem wir geklärt haben, was für mich ein Supporting Charakter und ein Nebencharakter ist, möchte ich heute über den Sinn dieser Gruppe schreiben. Und vor allem, war es der Silver Surfer im Film bei mir verbockt hat (bzw. die Macher und Macherinnen des Films).

Brauche ich Nebencharaktere?

Um es kurz zu sagen: nein. Lies Dir einfach „Die Wand“ von Marlen Haushofer durch und Du verstehst, was ich meine. In diesem Roman kommt nur die Hauptfigur (eine Ich-Erzählerin) und einige Tiere vor, sowie die Antagonistin die Wand. Natürlich können wir diskutieren, ob die Tiere nicht Nebencharkatere sind. Aber menschliche Nebencharaktere oder Supporting Charaktere tauchen zu keinem Zeitpunkt auf. Aus diesem Grund auch meine Aussage „Nein“.

Aber ich gehe mal davon aus, dass Du nicht vorhast, nur noch Romane zu schreiben, in der eine einzige Figur vorkommt. Sondern es dürfen schon mehrere sein. Also kann man doch eher dazu tendieren hier ja zu sagen.

Die Rolle von Supporting Charaktere

Supporting Charaktere sind für mich wie der Mond, sie sind da, auch selbstständig, haben ihre wichtige Bedeutung, aber letztendlich scheinen sie nur dann, wenn die Sonne, also der Hauptcharaktere anwesend ist.

Damit meine ich Folgendes: Man kann jede Figur einem Planeten im Sonnensystem zuordnen. Dabei ist der Hauptcharakter immer die Sonne. Denn sie ist das Zentrum der Geschichte und alle anderen Planeten drehen sich um sie. Sie erwärmt die anderen Planeten (die physikalischen Details ignoriere ich an dieser Stelle) und ermöglicht unter anderem, dass diese Leben hervorbringen. Und beim Mond ist die Sonne es, die ihn überhaupt zum Leuchten bringt.

Ohne die Sonne sind die anderen Figuren nichts. Aber das bedeutet nicht, dass die Supporting Charaktere keine wichtige Eigenschaft haben. Denn in ihnen kann sich auch die Hauptfigur spiegeln.

Der Klassiker ist natürlich die beste Freundin oder der beste Freund der Hauptfigur. Nehmen wir mal an, Du schreibst an einen frechen Frauenroman und willst die Hauptfigur charakterisieren. Das kannst Du machen, indem Du eine auktoriale Stimme wählst (was heutzutage doch eher unmodern ist) oder Du lässt Deine Heldin mit ihrer besten Freundin reden.

Sie können sich, zum Beispiel, in einem Café treffen und über die Probleme der Freundin reden. Hier kannst Du zeigen, wie selbstbewusst oder hilflos Deine Heldin ist (je nach Charakterisierung). Und das alles über einen einfachen Dialog. Und mit dem Dialog kannst Du noch zeigen, wie Deine Figur spricht. Denn der Dialog ist auch eine Möglichkeit, eine Figur darzustellen. Du kannst also zwei Fliegen mit einer Szene schlagen.

Aber Vorsicht, es gibt ja noch die Klischeedialoge. Und ich bin mir sicher, dass Du mindestens einmal über einen solchen Dialog gestolpert bist. Das sind diese Dialoge, die mehr uns als Leserinnen und Leser oder auch Zuseherin und Zuseher (bei Fernsehsendungen und Filmen) informieren sollen, als ein wirkliches Gespräch darstellen.

Dazu gehören zum Beispiel solche Dialoge:

Heldin: „Ach Freundin, mir geht es so gut.“
Freundin: „Ja, das kann ich mir vorstellen. Nachdem Du Deinen Freund vor zwei Wochen aus der Wohnung geschmissen hast.“Heldin: „Ja, das war die beste Entscheidung, die ich jemals treffen konnte.“
Freundin: „Gerade, nachdem er Dich so böse betrogen hat.“
Heldin: „Und Du warst die ganze Zeit an meiner Seite. Dafür bin ich Dir so dankbar.“
Freundin: „Das ist doch selbstverständlich. Immerhin kennen wir uns seit zwanzig Jahren.“

Schau Dir mal die Sendungen am Nachmittag bei den privaten Sendern an. Du wirst sicherlich ein oder zwei Mal über einen solchen Dialog stoßen. Dieser Dialog soll etwas über den Charakter sagen. Doch letztendlich werden wir hier informiert, weil wir ja wissen sollen, mit wem wir es hier zu tun haben. Denn niemals würde ich mit meinen Freundinnen oder Freunden darüber sprechen, was sie selbst miterlebt haben.

Aber das ist kein Beitrag über Dialoge, daher kürze ich das hier ab.

Supporting Charaktere helfen Dir als Autorin und als Autor dabei, die Figur besser darzustellen, aber auch ihr und ihm dabei, den Tag zu retten.

Gerade laufen bei mir die Musikvideos zum zweiten Teil von Captain America rauf und runter. Die Figur Sam Wilson ist ein guter Supporting Charakter. Denn er unterstützt den Captain dabei, dass er den Tag retten kann und doch ist er keine Hauptfigur. Und vor allem, nicht er rettet den Tag. Er unterstützt dabei nur. Denn in meinen Augen ist nur dann der Held auch wirklich der Held (oder die Heldin), wenn diese Figur die Situation rettet, den Feind besiegt und am Ende überlebt.

Wenn der Supporting Charakter zur Hauptfigur wird, auch wenn sie es nicht ist

In dem oben erwähnten Film „The Fantastic Four: The Rise of the Silver Surfer“ hat sich ein Supporting Charakter und durchaus auch Antagonist eigentlich zum Helden entwickelt.

Achtung SPOILER!!!

Zwar will der Silver Surfer eigentlich die Erde vernichten lassen (hier durch Galactus). Aber er ist es, der Galactus vernichtet und damit die Welt rettet. Nicht unsere Helden, die Titelgeber des Films, die fantastischen Vier. Einer der Gründe, warum ich das Ende dieses Films nicht mag. Denn hier hat jemand die Rollen schlichtweg verwechselt. Die fantastischen Vier hätten gegen Galactus kämpfen und ihn besiegen müssen. Niemand sonst. Denn sie sind die Helden.

Spoiler Ende

Sorge daher, dass Deine Supporting Charaktere den Helden und die Heldin unterstützen. Aber sie dürfen diese niemals überflügeln. Klar, sie dürfen am Endkampf teilnehmen. Sie dürfen auch einiges gewinnen. Aber niemals gegen das absolute Böse gewinnen.

So musste Harry Potter gegen Voldermort kämpfen, Frodo Beutlin den Ring in den Feuerberg werfen, Flavia deLuce die Mörder überführen und so weiter und so fort. Nebencharaktere dürfen Tipps geben. Aber niemals den Endkampf selbst gewinnen.

Nebencharaktere

Letztens habe ich eine Serie aus der Reihe Castle gesehen. Es ging dabei um den Mord an einem Baseballspieler. Als sie den Agenten des Mordopfers aufsuchten, trafen sie auf einen alten Baseballspieler. Während sich Castle ganz locker mit ihm unterhielt, war Beckett ziemlich nervös. Es zeigte sich hier, dass sie ein wirklicher Baseball-Fan ist und erkannte, mit wem sie es hier zu tun hatte. Kurz darauf erwähnte sie noch, dass sie unbedingt ihren Vater anrufen muss, um ihm zu erzählen, dass sie ihn getroffen hat.

Der alternde Baseballspieler ist ein typischer Nebencharakter (nach meiner Definition). Er taucht auf, kann ein wenig zur Angelegenheit beitragen und hilft bei der Charakterisierung. Immerhin hätten wir so nicht erwartet, dass Beckett auf einmal zu einer stammelnden Frau wird. Kurz zuvor war sie noch selbstbewusst und hatte kein Problem ein Termin bei einem sehr mächtigen Agenten zu „bitten“. Und als sie den Baseballspieler trifft, ist sie nicht mehr in der Lage ihren Namen in der richtigen Reihenfolge aufzusagen.

Wenn wir beim Astrologie / Astronomie Wortschatz bleiben, dann sind Nebenfiguren wie Kometen. Sie sind da, tauchen auf, helfen dabei die Figuren zu charakterisieren oder bei der Weiterentwicklung der Geschichte zu helfen und verschwinden danach wieder.

Nebencharaktere tauchen auf, sind kurz da und verschwinden wieder. Manchmal tragen sie nicht unbedingt zur Charakterisierung bei, sondern helfen Deiner Heldin oder Deinem Helden nur von A nach B zu kommen (zum Beispiel mit dem Taxi). Andere wieder herum können was zu einem Mord sagen, eine Übersetzung vornehmen und weitere Unterstützungen anbieten.

Ich habe mal gelesen, dass Nebencharaktere durchaus klischeehaft sein dürfen. Denn für eine richtige Charakterisierung reicht es einfach nicht aus. Dafür ist die Zeit, die sie auftreten schlicht zu kurz. Man soll in dem kurzen Auftritt, den sie haben, sofort erkennen, mit wem wir es zu tun haben. Mit der netten Oma von nebenan. Oder der hartgesottene Barbesitzer.

Zusammenfassung

Die Rollen Deiner Nebenfiguren und Supporting Charaktere solltest Du entsprechend abwägen. Welche Rolle sollen Sie in Deiner Geschichte spielen. Und hast Du die Rollen auch entsprechend berücksichtigt?

Schau Dir notfalls noch einmal Deine Figurenliste an. Hast Du allen Deinen Nebenfiguren und Supporting Charakteren eine entsprechende Rolle zugewiesen? Sollen sie einfach nur informieren oder Deiner Hauptfigur eine kleine Unterstützung geben? Oder sollen sie Deiner Heldin oder Deinem Helden helfen, den Endkampf zu überstehen?

Notfalls kläre das ab. Und dann konzentriere Dich auf Deine Figuren. Und vor allem, schreibe mit ihnen 🙂
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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