[Samstagsgedanken] Meine Name ist … Rüdiger

Das Meer rauschte und leckte den Strand sauber. Eine wunderschöne Frau in einem sehr knappen Bikini schaute auf das Meer hinaus und betrachtete den gut aussehenden Mann, der dort schwamm. Dieser kam heraus und er erblickte sie. Er ging auf sie zu und lehnte sich an die Tresen und schaute ihr tief in die Augen.

Hallo mein Schöner, sagte sie und trank sinnlich aus ihrem Glas. Mein Name ist Gillian.Sie lächelte ihn an.

Schön Dich kennen zu lernen, mein Name ist Rüdiger.

Hei, hallo und herzlich willkommen,

den richtigen Namen für ein Kind auszuwählen ist sehr wichtig. Immerhin muss das Kind ein ganzes Leben diesen tragen und sich damit identifizieren. Das Gleiche gilt auch für Deine Romanfigur. Und sie kann älter werden, als ein menschliches Kind. Denn wir kennen noch heute die Figuren der Romane von Jane Eyre oder auch Charles Dickens. Und die sind schon mindestens ein Jahrhundert alt.

Zugleich möchte ich mich bei allen Rüdiger, Stefans, Annas und alle anderen Personen entschuldigen, deren Name ich heute verwende. Aber sicherlich habt auch ihr Namen, mit denen ihr nicht klarkommt. 🙂

Die Magie der Namen

Dein Vorteil bei einem Roman ist, dass Du Deinen Kindern (also Deinen Figuren) den Namen geben kannst, den Du willst. Wenn Du einen bestimmten Namen selbst gerne gehabt hättest, aber diesen nicht bekommen hast, dann kannst Du wenigstens Deiner Figur diesen Namen geben. Oder auch jeden Namen, den Du haben möchtest.

In meinem Fall hätte ich eigentlich Desirée heißen sollen. Aber aufgrund diverser Umstände wäre ich beinahe eine Caroline geworden. Dank meiner Mama wurde ich wenigstens eine Carola. Und sicherlich hast auch Du eine Geschichte zu Deinem Vornamen (und eventuell zweiten, dritten oder auch siebten Vornamen).

Doch mit dem Namen geht auch eine wichtige Verantwortung einher. Denn Du möchtest ja mit den Namen etwas vermitteln, eine Botschaft zu Deiner Figur übermitteln ohne es Deinen Leserinnen oder Leser direkt auf die Nase binden. Wenn Du eine starke Figur hast, die sich gegen alle Widrigkeiten des Lebens wehrt und eine Kriegerin oder Krieger ist (oder zumindest eine entsprechende Natur hat) kannst Du ihr keinen Namen geben, die sie süß und niedlich erscheinen lässt.

Nehmen wir mal Tony Stark (IronMan). Auch im englischen klingt der Name des Marvelhelden nach jemand, der willensstark ist. Sprich mal den Namen Stark aus. Dieses St ist spitz und zeigt auch etwas von dem Wort Stärke. Er ist kantig und eigenwillig. Hätte Marvel ihm den Namen Swan oder einen anderen sanften Namen gegeben, die Figur hätte nicht die gleiche Wirkung auf uns gehabt, wie sie es hat.

Mit Namen kannst Du schon eine Idee, ein Gefühl vermitteln, was Du mit Deiner Figur sagen möchtest. Jetzt nehmen wir mal an, Du hast eben einen Geschäftsführer, der stark ist, der weiß was er will und der weiß, wie er es bekommt. Ein Frauenheld und ein genialer Erfinder. Wie könnte solch eine Figur heißen? Bestimmt nicht Tony Swan.

Natürlich könntest Du ihn so nennen. Damit könntest Du versuchen, die Leute zu verwirren. Und genau das passiert. Wenn er jetzt jemand zusammenschlägt, also richtig mit Baseballschlager und alles drum herum, könntest Du ihn dann wirklich noch Tony Swan nennen? Ein sanfter Schwan, der andere Leute verprügelt? Könntest Du Dir was wirklich vorstellen? Ich nicht. Und sicherlich auch nicht die Leserinnen und Leser Deiner Bücher.

Es kann passieren, dass sie bei solchen Namen aufschrecken und sich fragen, was stimmt hier nicht? Und dieses Gefühl sollte man als Autorin oder Autor niemals vermitteln. Sie sollen sich in Deine Geschichte verlieren und nicht die Stirn runzeln. Nur dann haben sie auch Spaß daran, Deinen Roman zu lesen. Und ich behaupte immer wieder, dass es doch letztendlich Dein Ziel als Autorin oder Autor ist. Oder?

Was für Figuren hast Du?

Schau Dir mal Deine Figuren an und welche Berufe sie haben. Diese Kombination kann wichtig sein, wenn Du dieses Gefühl vermitteln willst, dass Du mit Deiner Geschichte sagen willst.

Schreibe gerne eine Liste auf mit Deinen Figuren und den Berufen. Aller Wahrscheinlichkeit hast Du auch schon Ideen für die Namen Deiner Figuren. Notiere sie auch. Sehr wahrscheinlich ist Dein Gefühl für die Namen durchaus richtig. Aber das bedeutet noch nicht, dass Du nicht den einen oder anderen Namen optimieren kannst.

Bei meinem Herzensprojekt hat meine männliche Hauptfigur mehrere Namensevolutionen hinter sich. Am Ende hatte er wohl drei oder vier Namensveränderungen durch. Und der letzte Name ist der Beste, den ich für ihn aussuchen konnte. Aus diesem Grund bin ich zufrieden, dass ich nicht beim ersten Namen geblieben bin. Auch wenn es mir am Anfang schwergefallen ist, den Namen zu ändern, ich bin froh, dass ich dazu übergegangen ist.

Dafür hat die weibliche Hauptfigur von Anfang an einen Namen bekommen und bei dem bin ich bis heute geblieben. Oder anders ausgedrückt, die Figur ist bis heute dabei geblieben.

Es ist also gut auf das Bauchgefühl zu hören. Und wenn Dein erstes Gefühl ein bestimmter Name Dir sagt, dann nimm ihn. Doch schau Dir ruhig alle Namen Deiner Figuren an und überprüfen, ob es wirklich der optimalste Name ist.

Der optimalste Name

Was ist der optimalste Name? Das ist immer eine gute Frage. Der eine kann einen Namen für perfekt halten und die Nächste hält genau diesen Namen für schlecht. Es kommt also in erster Linie darauf an, was Dir gefällt. Damit fängt es schon einmal an.

Welche Namen Deiner Figuren gefallen Dir wirklich? Und welche Namen hast Du nur als Lückenfüller genommen? Auch solche Namen gibt es. Namen, die Du nur deswegen genommen hast, weil Dir gerade nichts Besseres eingefallen ist. Meiner Meinung nach solltest Du gerade diese Namen unbedingt austauschen. Denn diese Namen sind nicht gut und das weißt Du genau.

Markier diese Namen in Deiner Tabelle, damit Du definitiv diese noch einmal genauer ansiehst. Es kann natürlich sein, dass diese Lückenfüller perfekt sind. Aber ich würde Dir empfehlen, dass Du sie nicht ungeprüft übernimmst und sie wohlmöglich veröffentlichst.

Woher die Namen nehmen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Du an Namen kommst. Zum Beispiel Onlinedatenbanken, Bücher für Kindernamen und Deine Fantasie. Und natürlich kannst Du Dich auch von anderen Werken inspirieren lassen.

Es ist niemals eine gute Idee, die Namen 1:1 zu übernehmen. Das könnt Dich zum einen als ideenlos markieren. Und zum anderen könntest Du Dir damit sogar Ärger einhandeln. In einem Beitrag habe ich vor Jahren mal gelesen, dass der Name „Harry Potter“ für die nächsten siebzig Jahre geschützt ist. Daher auch das TM (Trading Mark) hinter seinen Namen. Achte Mal auf solche Bezeichnungen, wenn Du einen Beitrag über Harry Potter liest. Da sind alle Namen entsprechend damit gekennzeichnet.

Das bedeutet für Dich, solltest Du Deine männliche Hauptfigur nicht Harry Potter nennen, kann es sehr wahrscheinlich sein, dass Du einen Brief von Joanne K. Rowlings Anwältinnen und/oder Anwälten bekommst (oder von den deutschen Verlagen). Eine Ausnahme ist natürlich, Du schreibst Fanfiktion.

Fantasy oder Sciencefiction Namen

Wenn Du eine schöne Fantasy oder Sciencefiction Welt beschreibst, hast Du es leichter mit den Namen. Denn Du kannst schön in Deinem Kreativtopf greifen und schauen, was dort auf Dich wartet.

Doch Du solltest eins bitte beachten. Der Name darf ruhig leichter ausgesprochen werden. Damit möchte ich sagen, dass ZU komplizierte Namen niemanden helfen. Wenn Deine Leserinnen und Leser Probleme haben, den Namen auszusprechen (und sei es auch nur in Gedanken), dann hält es sie beim Lesen auf und sie überlesen bei Gelegenheit sogar den Namen. Dann erinnern sie sich nicht an Deine Figur bzw. den Namen, und Du hast Dir umsonst die Mühe gemacht, den Namen auszuwählen.

Ist er leicht, also mit Konsonanten und Vokalen, aber viele sprechen ihn unterschiedlich aus, dann ist das eine andere Sache.

Beispiele:

Aus der Welt „Das Rad der Zeit“ fällt mir der Name Nynaeve al’ Meare ein. Meine Mutter nennt sie immer Niniviju (Aussprache). Ich hingegen wechsle zwischen Nünaeve oder auch Neinieve (diese Aussprache wird auch im Glossar erwähnt). Das ist eine individuelle Färbung. Und meine Mutter und ich diskutieren auch gelegentlich, wie man den Namen richtig ausspricht. Aber wir beide wissen genau, von wem wir hier reden. Das ist das Wichtigste.

Aber wenn Du eine Figur mit den Namen Wxlrdngrmlvroa hast, wie soll man DEN Namen richtig aussprechen? Und ich habe schon das eine oder andere Buch in den Händen gehabt, wo sich die Autorinnen und Autoren mit solchen Namensgebungen ausgetobt haben (okay, es gab den einen oder anderen Vokal, mit dem man leichter den Namen aussprechen konnte).

Meine Empfehlung ist ganz klar, schaffe schöne, aber leicht auszusprechende Namen. Dir fällt es leichter, diesen Namen zu schreiben (ohne immer auf Copy & Paste zurückzugreifen). Und Deinen Leserinnen und Leser fällt es leichter, den Namen auszusprechen. Zudem macht es Spaß, wenn es verschiedene Möglichkeiten gibt, den Namen auszusprechen, darüber zu diskutieren.

Verbrannte“ Namen

Berühmte Namen würde ich Dir auch nicht empfehlen zu nehmen. Wenn Du die Buch- und Filmreihe um „Twilight“ kennst, dann kennst Du sicherlich den Namen Edward oder auch Bella Swan. Momentan sind die Namen so dermaßen berühmt, dass es schwer ist, sich von der Wirkung um diese Namen abzusetzen.

Das bedeutet, wenn Du Deine Figur Edward oder Bella nennst, wohlmöglich mit einem Vampirbezug, dann entstehen bei denen Leserinnen und Leser eine Assoziation zu den berühmteren Namensvettern. Und wohlmöglich hörst Du dann Vergleiche wie, der Edward aus Twilight würde nicht so reagieren. Natürlich nicht, immerhin sind es zwei verschiedene Romanfiguren.

Um diesen Zusammenhang zu verstehen, warum wir Menschen gerne Verbindungen aufbauen, um uns die Welt leichter zu machen, empfehle ich Dir das Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahnemann. Er erklärt dieses Phänomen sehr anschaulich. Du wirst auch verstehen, dass dieses Verhalten natürlich ist und wir noch nicht einmal was dagegen tun können (auf den ersten Blick, ich bin selbst noch nicht durch das Buch durch).

Es ist also eine gute Idee, dass Du Deine Vampirfigur vielleicht nicht unbedingt Edward nennst. Zumindest aktuell nicht. In einigen Jahren sieht die Welt sicherlich anders aus. Aber aktuell sind solche berühmten Namen eher für bestimmte Rollen reserviert.

Natürlich kannst Du Deine Figuren Edward und Bella nennen. Erst recht, wenn sie nicht in einem Vampirmillieu spielen. Aber die Kombination kann ich aktuell nicht empfehlen. Das schafft unnötig Verwirrung.

Zusammenfassung

Es gibt Namen, die darfst Du nicht verwenden, weil sie urheberrechtlich geschützt sind. Harry Potter ist ein Beispiel davon. Oder Namen, die aktuell mit einer bestimmten Figur assoziiert werden, wie Edward und Bella.

Namen, die sich schon über Generationen halten, wie Tony Stark und mit einer bestimmten Figur in Verbindung gebracht wird, ist auch keine gute Idee.

Und zu komplizierte Namen sind auch keine gute Idee.

Das sind die sogenannten „Dont’s“ in der Namensvergebung. Aber ich bin mir sicher, dass in Dir und Deiner Seele etwas klingelt, wenn Du Deinem Charakter den richtigen Namen gibst. Es fühlt sich einfach gut an und Du wirst verstehen, dass Dein Romancharakter nur darauf gewartet hat, dass sie diesen Namen bekommen.

Bis es so weit ist, dürfen es auch gerne Platzhalternamen sein. Aber wenn Du Deinen Roman ins Lektorat gibst, spätestens dann empfehle ich Dir, dass alle Figuren ihre fertigen Namen bekommen haben. Da hast diesen Teil erledigt und Du kannst Dich auf die Überarbeitung Deiner Geschichte konzentrieren und auch auf die Veröffentlichung.

Auch wenn mir persönlich die Namenvergebung Spaß macht, so möchte ich doch, dass dieser Teil irgendwann abgeschlossen ist. Denn mit den Namen verbinde ich auch meine Charaktere. Und ich möchte, dass die richtigen Charaktere auf die Reise in meinem Roman gehen. Das sind ja nicht irgendwelche Figuren, mit denen ich die nächsten Tage, Wochen, Monate auf Reise gehe und mit denen ich die nächsten Jahre lebe (also nach der Veröffentlichung). Sondern es sind auch irgendwo meine Kinder, denen ich geholfen habe, auf die Welt zu kommen. Daher möchte ich auch, dass sie die besten Namen bekommen, die sie haben können.

Daher nutze die Zeit bis zur Überarbeitung und bei der Charakterisierung und vergib die besten Namen, die Du ihnen geben kannst. Dann hast Du einen der wichtigsten Schritte erledigt, die Du machen kannst. Und alles andere wird sich dann entsprechend harmonisch einfügen. Der richtige Namen erleichtert bei mir nämlich alles.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß. Und ich freue mich zu hören, welche Namen Du Deinen Figuren gegeben hast. Gerne hier als Kommentar. Auf bald.

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Ich freue mich auf Dich 🙂

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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