[Samstagsgedanken] Sequels – Wann solltest Du eines (nicht) schreiben?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

das letzte Mal haben wir uns mit den Vor- und Nachteilen zum Thema Sequel beschäftigt. Heute geht es um das Thema wann und wann man nicht ein Sequel schreiben sollte.

Das Gesetz der Drei

Ich vertrete ja eine Theorie, dass Trilogien eine gewisse Gesetzmäßigkeit verfolgt. Und die möchte ich Dir hier vorstellen.

Teil 1

Der erste Teil einer Reihe ist meistens DER Hammer schlechthin. Häufig ist es so, dass sie sogar neue Maßstäbe setzen. Sehe Dir Matrix 1 an. Dieser Film hat nicht nur neue Maßstäbe in der Kinokunst gesetzt, sondern auch philosophische Diskussionen ausgelöst. Es löste bei einigen auch eine Psychose aus.

Ich weiß nicht, wie es bei Dir ist, aber mir macht meistens Spaß Teil 1 einer Serie zu sehen. Egal, um welchen Film es sich handelt. Es handelt sich dabei um eine individuelle Angelegenheit und bietet etwas Neues.

Man kann sagen, wir haben hier 100 Prozent Filmgenialität erreicht.

Teil 2

Warum auch immer, doch Teil 2 ist meistens unterirdisch. Unterirdisch schlecht. Zumindest noch vor einigen Jahren konnte ich mir den zweiten Teil einer Trilogie nicht ansehen.

Häufig wird erklärt, dass der zweite Teil ein Übergang zwischen dem ersten und dem dritten Teil darstellen soll. Das mag stimmen, aber muss der zweite Teil deswegen schlecht sein? Man kann doch trotzdem das Beste aus dem Teil herausholen.

Doch schau Dir Matrix 2 an (oder auch nicht). Ehrlich gesagt, ich habe den Film damals in der Vorpremiere gesehen. Und soll ich Dir was verraten, ich kann mich nicht mehr an den Inhalt erinnern. Ich weiß nicht mehr, was alles dort erzählt wurde.

Und das ist bei vielen Filmreihen so.

Ich würde sagen, dass sie niveaumäßig bei unter 50 Prozent der Genialitätsskala sind.

Doch zwischenzeitlich ist da ein Wandel zu sehen. Denn viele zweite Teile einer Reihe sind genauso gut wie der erste Teil, wenn nicht sogar besser als der erste Teil.

Schau Dir einfach mal Captain America 2, Thor 2 oder auch Sherlock Holmes 2 (von Guy Ritchie) an. Entweder sie sind genauso genial wie Teil 1 oder sogar besser als dieser. Zwischenzeitlich haben die richtigen Leute dazu gelernt und machen nun die besseren Filme. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

Teil 3

Von den alten Trilogien ist Teil 3 besser als Teil 2, aber immer noch schlechter als Teil 1. Man kann sagen, dass in der Genialitätsskala Teil 3 bei 80 bis 90 Prozent liegt.

Mit dem dritten Teil rettet der Film noch einmal die Reihe. Es ist häufig ein episches Ereignis, dass die Reihe in ein harmonisches Ende zuführt. Das gilt natürlich nicht für alle dritte Teile, aber meistens kann man sich den dritten Teil noch ansehen und einen schönen Filmabend haben.

Doch was hat das nun mit den Gründen zu tun, eine Reihe zu schreiben? Ich wollte Dir damit zeigen, wie das Gesetz ist, mit dem Du Dich auseinandersetzen solltest, wenn Du planst, eine Reihe zu schreiben. Bei einigen Filmen frage ich mich, warum sich die Leute überhaupt hingesetzt haben, um einen weiteren Teil zu schreiben (also das dazugehörige Drehbuch).

Aber es gibt Gründe, warum es die Leute getan haben. Und das sind die, die ich dazu gefunden habe.

Schlechte Gründe einen Sequel zu schreiben

Geld

Viele glauben, dass ein Einzeltitel nicht so viel Geld abwirft, als wenn man eine Serie schreibt. Denn immerhin hat man ein gewisses Publikum, wenn man Band 1 geschrieben hat. Und das gleiche Publikum wird aller Wahrscheinlichkeit auch Band 2 lesen. Und es könnte sogar sein, dass noch mehr Leute dazu kommen, wenn die Fans von Band 1 Werbung für Deine Serie machen.

Theoretisch eine gute Idee. Aber praktisch gesehen nicht. Denn nur wegen Geld solltest Du niemals Band 2 schreiben. Denn die Leidenschaft, die Du bei Band 1 hattest, wirst Du so nicht mitnehmen können.

Ich sage nur Speed und Speed 2. Speed (der Film mit Sandra Bullock und Keanu Reeves) ist ein interessanter und genialer Film. Doch der war ein finanzieller Erfolg. Und daher dachten sich die Macher, dass sie einen zweiten Teil drehen könnten. Und der ist so gut, dass ich mich bis heute weigere, den Film zu sehen.

Meine Empfehlung schreibe bitte nicht einen zweiten Teil, nur weil Du hoffst, dafür Geld zu bekommen. Wenn es kommt, ist es in Ordnung. Aber schreibe es nicht nur deswegen.

Alle anderen tun es doch auch …

Wenn Du in eine Buchhandlung gehst oder in den Onlineshops suchst, dann wirst Du schnell feststellen, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass irgendwo noch Teil 2 oder Teil 7 auf Dich wartet.

Und ich kann mir auch vorstellen, dass Du mindestens eine Lieblingsautorin oder Lieblingsautor hast, die eine Reihe geschrieben haben. Mindestens eine. Manche sind da Wiederholungstäterinnen. Da könnte man doch auf den Gedanken kommen, wenn die das tun, dann muss ich das auch tun.

Auch eine ganz schlechte Idee. Nur weil die anderen etwas machen, heißt das noch lange nicht, dass Du es machen musst. Das gilt auch für Genres, die prädestiniert sind, Serien zu schreiben, wie zum Beispiel Paranormal Romance.

Es ist leichter …

Wenn man sich in Welten befindet, die man kennt, ist es vertrauter für Dich als Autorin oder als Autor. Denn Du musst Dir keine neuen Figuren ausdenken oder andere Welten erfinden. Du tauchst in eine vertraute Umgebung ein und weißt genau, wer wo lebt, wer wo arbeitet und wer mit wem was hat. Es ist alles bekannt. Immerhin hast Du mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate an diese Geschichte gearbeitet. Daher ist es wie eine zweite Haut für Dich.

Natürlich ist es vertrauter, es ist beruhigender mit etwas oder jemanden zu arbeiten, den man kennt. Aber es ist nicht unbedingt besser. Denn das bedeutet auch, dass Du nicht loslässt oder loslassen kannst. Und Du könntest Deine Figuren bis zum Ende auslutschen, wie einen alten Kaugummi. Das ist nicht schön.

Zu große Figurenliebe

Wie gerade geschrieben, ist es vertraut mit Figuren und Umgebung zu arbeiten, die man kennt. Und ich habe es häufig erlebt, auch bei mir, dass man Figuren sehr liebt. Zu sehr liebt. Daher neigen einige dazu, ihre Figuren nicht loslassen zu wollen. Aus diesem Grund wollen sie ihre Figuren immer und immer wieder aufleben lassen, um ihre Liebe noch länger leben zu lassen.

Das bedeutet aber auch, dass ihre Entwicklung zu lange hinausgezögert wird. Immer und immer wieder müssen sie hinaus und etwas erleben. Und immer und immer wieder müssen sie sich entwickeln oder irgendetwas Neues tun.

Daher ist es eine gute Idee, dass Du lernst, Deine Figuren loszulassen. Dann hast Du Zeit, Dich um neue Figuren zu kümmern und neue Wesen zu erschaffen.

Wenn Du ein Beispiel brauchst, dann schau Dir eine Serie an, die mehrere Hundert Folgen haben und von mir gerne als endlos Serie bezeichnet werden. Dann wirst Du verstehen, dass zu viel nicht gut ist.

Beispiele von mir sind:

  • Sailor Moon

  • Charmed

Wann Du kein Sequel schreiben solltest

Es gibt aber auch einfach keine guten Gründe, warum man überhaupt kein Sequel schreiben sollte. Die sehe ich nicht als schlechte Gründe, sondern einfach als Gründe, warum Du Dir überhaupt keine Gedanken machen solltest, überhaupt ein Sequel zu schreiben.

Die Figuren geben keine weitere Geschichte her

Die Überschrift sagt es schon. Wenn Deine Figuren kein Material hergeben, eine zweite Geschichte zu schreiben, dann solltest Du es auch lassen. Denn häufig erzählen die Figuren in einer Geschichte ihre komplette Geschichte. Wenn Du dann sie zwingst, eine weitere Geschichte zu erleben, dann sind sie erschöpft und leisten nicht das, was sie ansonsten leisten könnten.

Wenn ihr Charakterbogen erzählt ist, dann solltest Du dies akzeptieren und Dich lieber auf eine neue Geschichte und neue Figuren konzentrieren.

Wann ist es gut eine weitere Geschichte zu schreiben?

Es gibt Gründe, warum Du doch eine weitere Geschichte zu Deinem Roman schreiben kannst. Dabei empfehle ich Dir, nicht auf mögliche äußere Stimmen zu hören oder auf Gründe, die vielleicht auf dem ersten Blick logisch klingen, aber nicht logisch sind. Dazu habe ich oben meine Meinung geschrieben.

Kommen wir zu den Gründen, warum Du doch überlegen solltest, einen zweiten Teil oder gar eine komplette Serie zu schreiben.

Absolute Leidenschaft für Deine Figuren und Deine Geschichte

Liebe für Deine Figuren ist eine gute Sache, wenn sie die richtigen Figuren und die richtige Welt betrifft. Denn wenn Deine Figur Potenzial für weitere Geschichten bietet, dann kannst und solltest Du gerne weitere Geschichten erzählen und schreiben.

Denn häufig spürt man, dass die Geschichte eines Charakters noch nicht komplett mit einem Band erzählt wurde. Daher ist es notwendig, dass man sich noch einmal hinsetzt und weiter schreibt.

Was wäre gewesen, wenn die Geschichte von Harry Potter nach dem ersten Schuljahr zu Ende gewesen wäre? Seine Geschichte war noch nicht komplett erzählt. Hier haben wir weiter Bänder benötigt, um alles zu sehen und zu erleben.

Und manchmal ist die Geschichte einfach zu groß, um sie in einem Band zu erzählen. Auch wenn Robert Jordan die Geschichte seines Epos „Das Rad der Zeit“ an manchen Stellen unnötig verlängert hatte, so konnte er den kompletten Verlauf seiner Handlungen nicht in einem einzigen Band unterbringen. Aus diesem Grund war es hier notwendig, dass er mehrere Bänder schrieb (am Ende wurden es 14 Bänder).

Solange Du Deine Geschichte und vor allem Deine Figuren liebst, wirklich liebst und ihnen auch notfalls wehtun kannst (damit es spannend bleibt), kannst Du gerne weitere Bänder schreiben. Solange Du die weiteren Punkte erfüllen kannst. Dann läuft es runder.

Deine Leserinnen und Leser haben Interesse an Deinen Geschichten

Viele Leserinnen und Leser werden Deine Geschichten lesen und sie lieben. Das dürfte sicher sein. Das bedeutet aber nicht, dass Du allein deswegen einen zweiten Teil schreiben musst. Wenn die Geschichte erzählt ist, dann ist sie halt erzählt.

Doch sehr häufig wissen sie besser, ob die Geschichte erzählt wurde oder nicht. Denn wir als Autorinnen und Autoren sind durchaus blind für das, was wir geschrieben haben (ich nenne es Betriebsblindheit). Das bedeutet, dass wir denken, dass wir alles getan haben, um die bestmögliche Geschichte zu schreiben. Und häufig stimmt es auch.

Aber dann kommen Deine Leserinnen und Leser und spüren, da gibt es noch mehr, da kann man noch mehr erleben. Und sie werden es Dir (hoffentlich) auch mitteilen. Wenn ein oder zwei Dir sagen, schreib doch bitte eine weitere Geschichte, kannst Du überlegen, ob es sich lohnt. Aber wenn es viele sagen, dann solltest Du schon darauf hören.

Denn häufig fragen sie einfach, was ist denn aus XYZ passiert. Oder was ist die Geschichte um UIZ. Viele Fans wollen zum Beispiel wissen, was in die Black Widow und Hawkeye (Marvels The Avengers) in Budapest erlebt haben.

Natürlich kannst Du solche Punkte stehen lassen, wenn Du diese Geschichte nicht erzählen möchtest, um auch die Fantasie Deiner Leserinnen und Leser zu beflügeln. Aber Du kannst diese Fragen in einer eigenen Geschichte erzählen und ihnen schenken (gerne als Buch gegen ein Entgelt).

Hör also ruhig darauf und überprüfe die Fragen. Wärst Du bereit ihre Fragen in einer eigenen Geschichte zu beantworten?

Du hast genügend neue und erfrischende Ideen

Der beste Grund eine weitere Geschichte zu erzählen ist ganz klar, wenn Du neue oder frische Ideen hast, um einen weiteren Band zu rechtfertigen. Wenn Du nur Band 1 mit anderen Vorzeichen erzählen willst, solltest Du es lieber lassen. Dazu sage ich nur Speed und Speed 2.

Kannst Du wirklich eine komplett neue Geschichte erzählen, die sich von Band 1 abhebt und uns neue Perspektiven auf Deine Charaktere und Deine Welt bieten, dann ist es eine gute Idee weiter zu schreiben.

Lies Dir ruhig die Harry-Potter-Bänder durch. Sie spielen zwar alle an einem Ort, aber sie alle erzählen eine komplett andere Geschichte. Hingegen erzählt Speed 2 die Geschichte von Speed unter anderen Bedingungen (gut, wie erwähnt, ich habe den Film nicht im Detail gesehen, aber die Ausschnitte haben mir persönlich ausgereicht).

Zusammenfassung

Es gibt also gute Gründe und schlechte Gründe, warum Du Dir überlegen solltest ein Sequel (nicht) zu schreiben. Heutzutage ist es ja schon fast eine Rarität einen Roman zu lesen, der in sich geschlossen ist. Meistens findest Du endlose Serien, die manchmal lose, manchmal fest aufeinander aufbauen.

Aber wichtig ist, dass Deine Geschichte wirklich Material für einen zweiten Teil bietet. Wenn nicht, dann ist es eben so. Bedanke Dich bei Deinen Figuren, dass Du ihre Geschichte erzählen durftest (und ja, das meine ich ernst), lasse sie los und kümmere Dich um die nächsten Figuren.

Vielleicht kommst Du in einigen Jahren dazu, dass Dir doch etwas zu einer alten Geschichte einfällt und Du gerne noch etwas über sie erzählen möchtest. Wenn nicht, akzeptiere es, genauso, wenn es so sein sollte.

Wie sieht es bei Dir aus? Möchtest Du unbedingt ein Sequel schreiben, weil es alle anderen machen? Oder bieten Deine Figuren und Deine Welt genügend Material für weitere Geschichten? Und was sind Deine Gründe, warum Du ein Sequel (nicht) schreiben würdest? Erzähle mir davon, ich freue mich auf Deine Erfahrungen und Deine Meinungen.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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2 Antworten zu [Samstagsgedanken] Sequels – Wann solltest Du eines (nicht) schreiben?

  1. anuka93 schreibt:

    Ich nehme es da bei Mara Laues Tipp in „Von der Idee zum fertigen Text“. Man sollte ein Buch immer abschließen, aber die Möglichkeit einer Fortführung offen lassen ( wenn es sich ergibt ). Ich muss ehrlich sagen, dass mich die ganzen Mehrteiler langsam stören. Ich habe nichts gegen Fortführungen, aber ich will selber entscheiden dürfen, ob ich mehr von den Charakteren erleben möchte und wann, ohne mitten in der Geschichte stoppen zu müssen.

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    • erdkatze schreibt:

      Hallo @anuka93

      vielen Dank für Dein Kommentar. Wo ich ihn mir durchgelesen habe, vielen mir die Schuppen von den Augen. Denn diesen Tipp hatte ich vor Jahren selbst mal irgendwo gelesen. Und Du bzw. Mara Laue haben recht. Und im Grunde genommen finde ich persönlich solche Geschichten auch sehr interessant. Es könnte ja theoretisch in der Tat eine Fortsetzung geben. Ansonsten gibt es diese im Kopf der Leserinnen und Leser.

      Und zu Deinem zweiten Punkt muss ich Dir auch Recht geben, leider. Momentan werden fast nur noch Sequels geschrieben. Da ist es schon eine angenehme Überraschung, wenn man es mit einem Einzeltitel zu tun hat.

      Vielen Dank für Deine Sicht der Dinge.

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