[Schreibübung] Szenenanalyse und Szenenumschreibung

Hei, hallo und herzlich willkommen,

ich wette mit Dir, Du hast bestimmt ein Buch oder eine Szene, wo Du da sitzt und Dir denkst, das ist wohl die beste Szene, die ich in meinem bisherigen Leben lesen durfte. Und sicherlich trifft auch das Gegenteil zu, wo Du Dir denkst, wie bitte schön hat dieses Buch einen Verlag gefunden?

Und genau darum geht es heute.

Analysen

Ich gebe zu, ein Heftchenroman von Julia London hat bei mir regelrechte Verzückungen ausgelöst. Denn in ihrem Buch kommen so dermaßen erotische Szenen vor, ohne das die Heldin und der Held ins Bett hüpfen und es wirklich zum Akt kommen lassen.

Sicherlich hast Du auch solch eine oder gar mehrere Szenen, die Du einfach nur liebst und an die Du gerne zurückdenkst. Und genau diese Szene brauchen wir jetzt für die Übung.

Für den Anfang reicht eine kurze Szene, die nicht über eine Seite hinausgeht, völlig aus. Wenn Du dann Übung hast, kannst Du Dir auch längere Texte aussuchen und mit ihnen arbeiten.

Kopiere Dir die Stelle oder schreibe sie am PC ab. Da Du es im privaten Bereich benutzt und nicht für Deine eigenen Texte verwendest, geht das durchaus in Ordnung. Dann drucke es aus und schnapp Dir ein paar Stifte. Welche Wortkonstellationen gefallen Dir? Mit welchen Mitteln erreicht die Autorin oder der Autor die Stimmung in der Szene? Wie lässt sie/er es knistern? Die Luft erstarren? Welche Worttypen werden überhaupt verwendet?

Bei Übersetzungen kann es sich durchaus lohnen, auch das Original zu lesen. Zwar ist es der gleiche Text. Aber es geht hierbei darum, dass Du siehst, wie die Autorin / der Autor den Text geschrieben hat und nicht von einer Übersetzerin oder einem Übersetzer das Original umgewandelt wurde.

Denn wir Deutsche sind keine großen Freundinnen und Freunde von Wortwiederholungen innerhalb eines bestimmten Textabschnittes. Der Duden Korrektor markiert sogar die Textwiederholungen, damit Du als Anwenderin das bitte änderst. Ich habe aber gelernt, dass das im englischen Sprachraum nicht so eng gesehen wird. Das als Beispiel, warum ich dafür plädiere, zusätzlich das Original zu lesen (wenn Du das nicht sowieso schon tust).

Sinn der Sache

Du sollst nicht lernen zu kopieren. Das ist nicht Sinn und Zweck dieser Angelegenheit. Du sollst nur lernen, wie andere schreiben und das hervorrufen, was Dir Freude bereitet. Denn häufig ist es so, dass die Szenen, die mir Freude und Spaß bereiten genau die Qualität beinhalten, die ich auch gerne selbst schreiben möchte.

Jetzt könnte ich natürlich üben und üben und noch mehr üben, bis ich diesen Wunschstil erreicht habe. Oder ich mache es, wie die alten Meister in der Malerei, und lerne von denen, die es bereits können. Ich analysiere sie. Denn in der Malerei ist es auch so, dass man auch die Meister kopiert, bis man sich dann an das eigene Werk heranwagt. Warum soll es also bei uns Autorinnen und Autoren nicht auch so etwas möglich sein?

Analysiere die Texte und verstehe, wie sie es gemacht haben. Es können alte Texte sein oder Texte, die erst dieses Jahr veröffentlicht wurden. Das ist egal. Hauptsache sie haben Dir gefallen.

Umschreiben

Jetzt darfst Du kreativ werden. Hier kannst Du Szenen verwenden, die Du überhaupt nicht magst, aber auch gerne Szenen, die Du liebst.

Hier würde ich Dir empfehlen die Szene abzuschreiben. Einfach am PC und dann speichere sie. Danach kannst Du loslegen. Wie würdest Du die Szene umschreiben, damit sie Dir richtig gefällt? Was würdest Du löschen? Was darf bleiben? Wo würdest Du mehr Beschreibungen einfließen lassen? Und wo fehlt ein Dialog?

Du kannst also die Szene also so umschreiben, wie Du sie gerne in dem Roman gelesen hättest. Und gerne darfst Du Dich hier so richtig austoben.

Und wenn Du möchtest, kannst Du natürlich auch die Szene überarbeiten, die Du magst. Denn sicherlich kannst Du das auch noch aufbessern. Damit siehst Du, dass auch die scheinbar perfekte Szene für Dich immer noch ein wenig besser, anders geschrieben werden kann, damit Du Dich damit am wohlsten fühlst.

Sinn der Übung

Es geht zum einen darum, dieses Gefühl, ich könnte das besser schreiben, durchaus mal zu befriedigen. Damit kannst Du sehen, ob Du wirklich die Szene besser schreiben könntest, wenn Du darfst. Und ja, jetzt darfst Du das gerne mal machen.

Zudem kannst Du lernen, was Dir fehlt, um aus einer Szene Deine perfekte Szene zu machen. Es geht nicht darum, DIE perfekte Szene zu schreiben. Das ist unmöglich, weil hier der Geschmack eine entscheidende Rolle spielt. Aber Du kannst sehen, was nötig ist, damit Du mit dem Text am Ende zufrieden bist. Und dafür eignen sich fremde Texte besser als eigene. Denn die emotionale Nähe fehlt. Daher fällt es vielen leichter, an diesen zu arbeiten. Bei unseren Eigenen ist das leider nicht so leicht.

Abschlussgedanken

Ich wiederhole es gerne noch einmal. Das ist KEIN Aufruf ein Plagiat zu schreiben. Die Texte, die Du schreibst, überarbeitest und fertigstellst, bleiben natürlich in der Schublade. Vielleicht kannst Du sie mal herumzeigen, mehr sollte aber nicht drinnen sein. Ansonsten geschieht das auf DEINE eigene Gefahr.

Ansonsten soll die Übung durchaus Spaß bringen. Daher eignet sich das auch für eine Schreibaufgabe innerhalb einer Gruppe. Jemand von euch könnte eine Szene heraussuchen, ihr überarbeitet sie und am Ende analysiert ihr die geschriebenen Szenen. Was ist gut und was nicht?

Und dabei wünsche ich Dir und eventuell auch euch viel Spaß.
Melde Dich für meinen kostenfreien Newsletter an.

Hat Dir der Beitrag gefallen? Dann melde Dich gerne für meinen kostenfreien Newsletter an. Ich informiere Dich einmal im Monat über aktuelle Beiträge, interessante Links und vieles mehr. Und Du bekommst Informationen zum Thema „Wie erschaffe ich eine eigene Welt für meinen Roman“. Eine Reihe für Dich und Deine alternative Welt.

Ich freue mich auf Dich 🙂

Advertisements

Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
Dieser Beitrag wurde unter Sonntag - Schreibübung abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s