[Samstagsgedanken] 5 Gründe, warum Dein Sequel NICHT gelesen wird

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es gibt gute Gründe, warum Deine Leserinnen und Leser Dein nächstes Band lesen wollen und auch, warum sie nicht einmal daran denken Band 2 oder die weiteren Bände kaufen werden. Über die Möglichkeiten, wie Du eine gute Fortsetzung schreiben kannst, unterhalten wir uns nächste Woche. Heute schauen wir uns an, welche Gründe oder auch Fehler Du machen kannst, damit Dein zweiter Band ein Ladenhüter wird.

1. Die Spannung endet nicht an ihrem höchsten Punkt

Deine Heldin oder Dein Held hat Deinem Bösewicht so richtig den Hintern versohlt, die Prinzessin gerettet, Drachen befreit und den Tag gerettet. Dabei wurde sie oder er vielleicht verletzt und wurde selbst ausgezählt, wie mit dem Antagonisten. Dann wacht sie oder er auf (Frodo zum Beispiel im Bett bei Herrn Elrond in Bruchtal).

Lasse sie nun alles einfach genießen. Immerhin haben Deine Figuren eine schwere Zeit hinter sich. Mit Band 1 sogar die schwerste Zeit in ihrem bisherigen Leben. Dass es noch schwerer und noch härter wird, ist etwas völlig anderes. Es mag sein, dass sie das bereits ahnen. Aber sie sehen es noch nicht, dass da noch mehr auf sie zukommt. Und vor allem, sie können es auch nicht wissen.

Lasse sie also am Ende emotional richtig ausgeglichen sein. Gerade in diesem Moment sind sie glücklich und haben alles geschafft und die schwere Zeit hinter sich gelassen. Und vor allem lasse sie auch dafür gerne dankbar sein.

Wenn sie eine schwere Zeit hinter sich haben und unsere Heldin hat die Frau ihres Lebens gefunden, dann sollte sie darüber dankbar und glücklich sein. Auch wenn sie weiß, dass der große Kampf noch bevorsteht, so ist er noch mindestens ein Band entfernt. Daher darf sie jetzt ihre Freundin küssen und den Moment genießen.

Das fühlen wir Leserinnen und Leser und wissen, dass sie es erst einmal geschafft hat. Und daher können wir uns auch mit der Figur identifizieren. Denn sie ist kein undankbares Miststück, sondern eben auch bescheiden.

2. Es gibt einfach zu viele rote Fäden am Ende

Es ist völlig in Ordnung, wenn Du eine oder zwei Fragen mit in das nächste Band mitnimmt. Und die übergeordnete Frage bis zum letzten Band aufbewahrst. Wird Harry Potter gegen Du-weißt-schon-wer gewinnen? Wird Rand alThor den dunklen König besiegen? Und so weiter. Das ist die übergeordnete Frage. Sie darf nur im letzten Band beantwortet werden. Ansonsten lohnen sich die sieben Bänder von Harry Potter oder die vierzehn Bänder vom Rad der Zeit nicht. Wenn Du diese Frage zu früh beantwortest, hast Du Deine Reihe zu früh beendet.

Aber es gibt auch kleine Fragen, die Du mit ins nächste Band mitnehmen kannst. Wer wird der nächste Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste zum Beispiel (Harry Potter). Oder werden die Heldin und der Held endlich ein Paar? Das sind Fragen, die auf längere Frist angelegt sind. Aber Du solltest diese Fragen nicht zu weit aufschieben. Deine Leserinnen und Leser wissen nur zu gut, was für Deine Figuren das Richtige ist. Und wenn Du sie zu lange auf die Folter spannst, kann die Auflösung nicht mehr so interessant sein, als wenn Du sie ein Band früher präsentiert hast.

Die Fragen, die das aktuelle Band aufgeworfen hat, solltest Du aber auch in diesem Band beantworten. Machst Du es nicht, fühlen sich Deine Leserinnen und Leser auf den Arm genommen. Warum sollten sie noch weiter lesen, wenn Du nicht in der Lage bist, eine abgerundete Geschichte zu schreiben? Das kann frustrierend sein.

Ich habe einen Roman in einer Reihe gelesen (die Geschichten spielen in einer Welt und jedes Band hat sein eigenes Hauptpaar), da wollte die Heldin immer und immer wieder wissen, wie der Held an ihre persönlichen Daten gekommen ist. Die erste Hälfte des Buches drehte sich um diese Frage. Und irgendwann hat die Autorin diese Frage unter dem Tisch fallen gelassen und es gab darauf nie eine Antwort.

Das Problem ist jedoch, diese Frage ist in meinem Kopf immer noch präsent und ich habe darauf keine befriedigende Antwort bekommen. Es mag vielleicht albern sein, wegen einer Sache, die man eventuell noch als unbedeutend bezeichnen könnte, solch einen Wert beizumessen. Das Problem ist, die Autorin hat dieser Information einen gewissen Wert beigemessen. Und dann hat sie darauf keine Antwort geliefert. Doch um eine runde Geschichte zu haben, benötige ich persönlich diese Antwort. Daher ist die Geschichte für mich immer noch nicht zu Ende. Das macht keinen Spaß.

3. Das Ende stellt eine völlig neue Geschichte im nächsten Band vor

Wenn ich das Ende lese, möchte ich das Gefühl bekommen, dass das nächste Band dort anfängt, wo das aktuelle aufhört. Harry Potter ist immer wieder nach Hause zurückgekehrt und von dort startete auch immer das folgende Band. Es fühlte sich irgendwann vertraut an, denn wir wussten, Band 2 fügt sich harmonisch in die komplette Geschichte ein.

Zeigst Du aber, dass Band 1 an einer Stelle endet, aber Band 2 irgendwo völlig woanders und dies nichts mit der Geschichte zu tun hat, dann reißt Du Deine Leserinnen und Leser völlig aus dem Konzept. Du kannst nicht mit einem Liebesroman anfangen und auf einmal zum Thriller wechseln.

Oder, wenn Harry Potter immer wieder zu seiner Familie zurückgeht, dann kann er nicht auf einmal zu den Weasleys gehen, um dort die Ferien zu verbringen. Er kann von zu Hause dorthin gehen, das ist in Ordnung, aber nicht direkt nach den Ferien. Das durchbricht das alles.

Sorge dafür, dass alles in vertrauten Bahnen bleibt, dann hast Du die Leserinnen und Leser auf Deiner Seite.

4. Besiege den Bösewicht am Ende des Bandes

Wenn der Bösewicht in dem Roman auftaucht, dann müssen Deine Charaktere ihn oder sie besiegen. Sie oder er darf nicht entkommen. Das mag vielleicht verwirrend klingen, sollst Du doch den Endkampf, also die große Frage der Geschichte, bis zum letzten Band aufbewahren. Aber so schlimm ist es nicht.

Lord Voldemort tauchte immer wieder in den Harry Potter Bänden auf. Man kann ihn aber als Schatten seines Selbst bezeichnen. Und dieser Schatten muss besiegt werden. Den Körper, der den Schatten wirft, der bleibt unversehrt. Denn diesen brauchen wir für den großen Endkampf.

Aber alles, was Du für Deine Heldinnen und Helden vorher in den Weg wirfst, muss aus dem Weg geräumt werden. Sie dürfen nicht entkommen, sondern müssen besiegt werden. Ansonsten lässt Du Deine Leserinnen und Leser in der Luft hängen und sie fühlen sich durch Deine Geschichte nicht befriedigt. Denn jedes Band soll für sich abgeschlossen sein. Dann können sie die Geschichte auch innerlich abschließen und freuen sich auf das nächste Band. Denn dort erwartet sie nicht das alte Böse, sondern etwas Neues. Und Du kannst sie mit dem neuen Bösen neu überraschen.

5. Deine Heldin oder Dein Held kehren nie nach Hause zurück

Wenn Deine Heldin oder Dein Held das Abenteuer bestanden haben, dann müssen sie zur Ruhe kommen. Und wo können sie das am besten als zu Hause? Lasse sie dorthin zurückkehren. Es muss nicht da zu Hause sein, von wo sie gestartet sind. Aber die Umgebung muss für sie vertraut sein. Also ein Ort wo sie sich sicher fühlen und Kräfte für Band 2 sammeln können.

Kehren Deine Heldin oder Dein Held nach Hause, können auch Deine Leserinnen und Leser nach Hause zurückkehren. Dann fühlt es sich für sie gut an. Die Figur hat einen Ort gefunden, wo sie erst einmal bleiben kann. Sie hängen nicht in der Luft und man muss sich nicht die ganze Zeit fragen, wo sind die Figuren, geht es ihnen gut und was machen sie gerade? Diese Fragen bleiben aus, denn wir wissen, wo sie sind und vermutlich auch, was sie machen. Und ob es ihnen gut geht, dass können wir uns denken. Der letzte Band beantwortet dann diese Frage.

Schlussgedanken – Wann es gut geht

Wenn Du diese Punkte am Ende Deiner Geschichte mit den Punkten aus dem nächsten Beitrag berücksichtigst, dann dürftest Du aller Wahrscheinlichkeit eine Serie entwickeln, die durchaus lesenswert ist. Deswegen wahrscheinlich, weil es noch ein wenig Originalität für Deine Idee und natürlich auch Charakterbildung, guter Plot und einen halbwegs angenehmen Schreibstil benötigst.

Aber diese Punkte bringen nicht, wenn Du die Regeln, die für eine gute Geschichte notwendig sind, nicht kennst. Denn kennst Du die Regeln, dann kannst Du sie notfalls auch brechen. Aber erst dann, wenn Du weißt, was Du tust.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg.

Melde Dich für meinen kostenfreien Newsletter an.

Hat Dir der Beitrag gefallen? Dann melde Dich gerne für meinen kostenfreien Newsletter an. Ich informiere Dich einmal im Monat über aktuelle Beiträge, interessante Links und vieles mehr. Und Du bekommst Informationen zum Thema „Wie erschaffe ich eine eigene Welt für meinen Roman“. Eine Reihe für Dich und Deine alternative Welt.

Ich freue mich auf Dich 🙂

Advertisements

Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
Dieser Beitrag wurde unter Samstag - Schreibratgeber abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu [Samstagsgedanken] 5 Gründe, warum Dein Sequel NICHT gelesen wird

  1. teaconny schreibt:

    Ich liebe deine Seite 🙂
    Vielen Dank, dass du uns immer so tolle Tipps gibst 🙂

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s