[Samstagsgedanken] Sequel – Wie man einen erfolgreicheren Teil 2 schreibt

Hei, hallo und herzlich willkommen,

in den letzten Wochen haben wir uns darüber unterhalten, was Sequels sind, warum man sie schreiben kann und welche Fehler Du idealerweise meiden solltest. Doch was macht eine gute Fortsetzung nun aus? Hier sind meine Gedanken dazu.

Fang nicht da an, wo Du aufgehört hast

Deine Leserinnen und Leser wollen wissen, wie es weiter geht, was passiert als Nächstes. Sie wollen weiter gehen und wissen, was als Nächstes kommt, was den Figuren als Nächstes passiert. Wiederhole nicht die alte Geschichte in irgendeiner Art und Weise, sondern erzähle eine neue Geschichte.

Ich erwähne gerne noch einmal Speed 2. Es handelt sich hierbei letztendlich um die Geschichte, die im ersten Teil erzählt wurde. Wir fangen also da an, wo Teil 1 aufgehört hat. Das interessiert niemanden mehr.

Gebe Deinen Leserinnen und Lesern nicht das Gefühl, das Du mit der ersten Geschichte nicht alles erzählt hast. Schreibe die erste Geschichte fertig, erzähle alles, was Du in der ersten Geschichte erzählen wolltest und schließe sie ab. Nimm nicht Teile von Band 1 mit in Band 2, was nicht mitgenommen gehört.

Die übergeordnete Frage musst Du natürlich mitnehmen und gerne auch ein oder zwei Fragen, welche die Charaktere betreffen. Mehr nicht.

Gib uns etwas neues, irgendetwas

Das ist letztendlich die Herausforderung, wenn Du einen zweiten Teil schreiben willst. Es geht niemals darum, die zweite Geschichte zu wiederholen. Niemals! Denn mit dem Ende des ersten Bandes hast Du die erste Geschichte beendet. Da wiederhole ich mich auch gerne.

Es mag sein, dass Du das Gefühl hast, hei, Band 1 war so erfolgreich, da muss ich doch die Geschichte wiederholen. Und es mag sein, dass Deine Leserinnen und Leser auch gerne die erste Geschichte noch einmal lesen möchten. Gib sie ihnen nicht. Zwar glauben sie, dass sie gerne eine zweite Version des ersten Bandes lesen wollen. Aber wenn Du sie ihnen gibst, dann langweilen sie sich. Denn die erste Geschichte ist einmalig und das sollte sie auch bleiben.

Überlege Dir also, wie Du etwas völlig neues, etwas völlig anderes einbringen kannst. Somit fesselst Du die Leserinnen und Leser an die neue Geschichte.

Idealerweise bringst Du Deine Figuren an einen neuen Ort und lässt sie etwas Neues erleben. Aber das ist nicht immer möglich. Harry Potter kann aber nicht an einen neuen Ort gehen, er muss zurück zur Schule gehen. Das bedeutet, dass Du Dir an einem festen Ort etwas Neues einfallen lassen musst, damit Du Band 2 von Band 1 abheben musst.

Gib den Leserinnen und Leser etwas Neues, etwas anderes. Sie werden sich freuen und dann hast Du sie auf Deiner Seite. Das ist das Wichtigste dabei.

Ändere die Hürden für Deine Figuren

Wenn Du Dir die Bücher von Harry Potter durchgelesen hast (ich empfehle es Dir auf alle Fälle), dann wirst Du sehen, dass mit jedem Band die Messlatte für die Schwierigkeiten immer höher wird. Mit jeder Geschichte solltest Du die Schwierigkeiten erhöhen, mit denen sich Deine Figuren messen müssen.

Als Beispiel, wenn Deine Figuren im ersten Band mit einem Endgegner zu tun hatten, dann muss im nächsten Band entweder der Endgegner entweder bösartiger werden oder zwei Personen sein. Und dann im dritten Band erhöhst Du dann noch einmal diesen Druck. Der Endgegner wird noch einmal bösartiger oder es werden noch mehr Personen.

Egal was Du machst, es sollte immer intensiver werden und immer leidenschaftlicher. Während die erste Geschichte noch locker einhergeht, wird der letzte Band absolut schwer. Harry Potter und der Stein der Weisen ist noch wie ein wahr gewordener Traum. Auch der Kampf gegen den dunklen Lord ist vergleichsweise einfach. Doch im Endkampf im letzten Band erleben unsere Heldinnen und Helden einen realen Albtraum. Geliebte Menschen werden ermordet und der Kampf geht direkt an die Nieren und ins Herz.

Merke Dir das für Deine Geschichte und wende das auch an. Egal wie die Fortsetzung aussieht, es muss immer schwerer sein.

Spiele mit den Erwartungen und erfülle sie, während Du sie enttäuschst

Joanne K. Rowling hat etwas gemacht, was mir jedes die Schuppen von den Augen riss. Denn jedes Mal war etwas mit dem Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste. Mal war er ein Freund und mal war er ein Feind. Aber jedes Mal war etwas mit ihm und mich selbst hatte sie damit jedes Mal überrascht, ich gestehe.

Du kannst das auch machen. Wenn Du in einem Band jemanden einführst, der oder die ein Feind/Feindin ist, dann kannst Du im nächsten Band diese Figur einführen und zur Freundin bzw. zum Freund machen. Oder, wenn Du eine Gruppe hast, welche eigentlich zu den Verbündeten gehört und sich diese dann als Feind herausstellen, dann überraschst Du Deine Leserinnen und Leser damit immer wieder mal.

Mit solch einer Gruppe solltest Du aber nicht zu extrem herumspielen, weil das dann auch schon Mal langweilig werden kann. Wenn in jedem Band aus einer Gruppe mal Freund mal Feind wird, um dann wieder Freund zu werden, nervst Du die Leserinnen und Leser gegebenenfalls. Aber Du kannst mit solchen Erwartungen durchaus spielen.

Führe immer wieder eine neue wichtige Figur ein

Eine Möglichkeit, um frisches Blut in die Geschichte zu bringen, ist, wenn Du immer wieder eine neue wichtige Figur einführst und ihnen auch eine entscheidende Rolle zugestehst. Diese Figur solltest Du natürlich so gut kennen, wie die Heldin oder den Helden. Denn sie haben dann in der aktuellen Geschichte eine tragende Rolle und helfen dann den Hauptfiguren, den Tag zu retten.

Gib ihnen also gewisse Eigenschaften, damit sie sich von der Masse hervorheben. Gerne kannst Du sie auch mal in früheren Bänden erwähnen, dass sie mal durch einen der Seiten laufen. Aber wenn sie ihren ersten Auftritt haben, solltest Du dies mit Pauken und Trompeten machen. Sie sind da und sie haben nun ihre Rolle.

Sie dürfen auch gerne mal sterben, aber das sollte nicht zur Gewohnheit werden. Schiebe sie notfalls zur Seite, wenn sie ihre Rolle gespielt haben. Harry hatte sich in einem Band in Cho Chang verliebt. In dem entsprechenden Band hatte sie auch eine wichtige Rolle gespielt und war sehr präsent. Später wurde sie aber konsequent an den Rand geschoben, damit jemand anderes die Rolle der neuen Figur in der Geschichte spielen konnte, wie Luna Lovegood.

Trenne Dich notfalls auch von geliebten Figuren

Gerne kannst Du auch neu eingeführte Figuren töten. Wenn eine Figur nichts mehr zur Geschichte beizutragen hat, dann solltest Du das akzeptieren. Cho Chang hatte in der Geschichte nichts mehr zu sagen und musste daher weichen. Luna hingegen durfte bis zum Ende dabei sein, weil sie eine gewisse Rolle gespielt hatte.

Du kannst sie also sanft aus der Geschichte drängen, damit sie diese nicht unnütze überfüllen. Überlege Dir mal, welche Rolle Cho in den späteren Bändern hätte spielen können, wenn sie weiterhin eine große, aktive Rolle hätte spielen dürfen? Mir fällt da nichts Besonderes ein. Daher war es gut, dass Rowling sich von ihr verabschiedet hat.

Sollte sich die Figur aber nicht ohne Weiteres aus der Geschichte drängen lassen, dann gibt es eine etwas brutalere Methode, um sie loszuwerden: Töte sie! Wäre Yoda nicht gestorben, hätte Luke Skywalker sich nicht von ihm gelöst und wäre nie zu dem Jedi geworden, der er am Ende ist. Denn er hatte das Gefühl, dass seine Ausbildung nicht zu Ende ist. Und er wäre aller Wahrscheinlichkeit immer wieder zu ihm zurückgelaufen, um seine Ausbildung zu beenden. Doch Yoda hatte ihm nichts mehr zu sagen. Er musste alleine laufen und seinen eigenen Weg gehen. In diesem Fall hatte Yoda nicht nur nichts mehr zu sagen, er wäre sogar zu einem Hindernis in der Geschichte geworden.

Wenn Du Figuren tötest, kannst Du dies auch symbolisch vornehmen. Harrys Eule Hedwig war ein Symbol für seine unbeschwerte Kindheit. Er hatte sie ja in seinem ersten Jahr geschenkt bekommen, als sein neues Leben als Schüler einer Zaubererschule begonnen hat. Hedwig hätte ihn und letztendlich auch uns immer daran erinnert, dass Harry noch ein Kind ist. Der elfjährige Junge, der voller Aufregung seinen ersten Schultag entgegen zitterte. Doch in den letzten Bändern musste er erwachsen werden, damit er den Kampf gegen den dunklen Lord aufnehmen kann. Das schafft kein Kind, sondern nur ein junger Erwachsener. Und daher musste er sein zu Hause verlassen und letztendlich auch die Symbole seiner Kindheit verabschieden, hier die Schnee-Eule Hedwig.

Es ist keine gute Idee alle neu eingeführten Figuren um die Ecke zu bringen, solange sie kein rotes Hemd tragen (Stichwort: Star Trek). Außer es ist ein Running Gag in Deiner Geschichte. Dann ist das was anderes. Das musst Du jedoch gut vorbereiten, damit Du es auch wirklich in jedem Band einbringen kannst. Ansonsten schubs die Figuren zur Seite, wenn sie gesagt haben, was sie sagen mussten.

Überlege Dir, was Band 1 so erfolgreich gemacht hat und nimm das mit in Band 2

Okay, das ist natürlich ein Widerspruch zu der obigen Warnung, dass Du bitte nicht aus Band 2 eine Wiederholung von Band 1 machen sollst. Zumal ich bei dieser Warnung bleibe.

Schreibe was Neues, was Frisches, was Einzigartiges, sodass Deine Leserinnen und Leser jedes Mal Spaß haben, sich ein weiteres Band von Dir zu holen.

Aber irgendetwas an Band 1 hat ihnen so dermaßen gefallen, dass sie ungeduldig auf die Fortsetzung warten. Darüber sind wir uns beide sicherlich einige. Und genau das solltest Du herausfinden. Ist es die Geschichte, die neuen Ideen, die Figuren, der einzigartige Plot? Was auch immer es war, versuche dies zu identifizieren. Und dann übernimm es in die nächste Geschichte, mit einem völlig neuen Anstrich und den oben erwähnten Ratschlägen.

Finde das Alte und mache daraus etwas Neues.

Zusammenfassung: Hier sind noch einmal die wichtigsten Regeln (wie ich finde), um ein Sequel zu schreiben

Behalte die Stimmen der Figuren bei

Jede Figur hat eine eigene Stimme. Sie kann weinerlich sein oder sehr aggressiv. Das musst Du entscheiden, wie Du sie damals angelegt hast. Wenn Du sie so angelegt hast, kannst Du nicht von einem Band zu nächsten diese vollständig ändern. War Deine Figur im vorherigen Band eher eine Heulsuse, dann kann sie im nächsten Band nicht auf einmal zu einer Superheldin werden. Eine Wandlung ist in Ordnung, aber sie muss immer nachvollziehbar sein. Stück für Stück ist das in Ordnung.

Respektiere Deine Leserinnen und Leser

Versuche sie nicht über den Tisch zu ziehen. Sie wissen manchmal besser, was in den vorherigen Bändern passiert ist, als Du. Denn manche lesen die Bücher einige Male und können sogar Szenen rezitieren. Wenn also etwas passiert ist, dann behalte es bei, auch wenn es Dir im Nachhinein auf die Nerven geht. Tina Folsom hatte auf der LLC 2015 erwähnt, dass es ihr auf die Nerven geht, dass ihr Scanguard Vampire sich nicht im Spiegel sehen können. Das kann sie aber nun nicht ändern. Immerhin hat sie die Welt so aufgebaut. Behalt also die Regeln bei.

Und wenn in den vorherigen Bändern ein Ereignis passiert ist, dann nimm es auf und bleibe dabei. Auch dann, wenn es sich im Nachhinein als Fehler darstellte, dass Du diese Situation erwähnt hattest.

Plane die Reihe, bevor Du Band 1 schreibst

Zumindest in groben Zügen solltest Du wissen, was wann wo passiert, damit Du die entsprechenden roten Fäden auslegen kannst. Je mehr Du weißt, wohin die Reise geht und wo sie endet, desto eher kannst Du die Geschichte aufbauen und erzählen.

Wiederhole nicht Band 1

Du kannst gerne im ersten Kapitel die vorherige Geschichte zusammenfassen. Das tut Yasemin Galenorn mit ihren Schwestern des Mondes (zumindest in den ersten Bändern, die ich gelesen habe). Aber da sollte es auch bleiben. Alles andere sollte in Band 1 erzählt sein und damit hat es sich. Keine Wiederholung des Themas und keine Übernahme wichtiger Fragen aus Band 1 in Band 2, wenn diese im Band 1 hätten beantwortet werden sollen.

Wenn Du diese Vorschläge berücksichtigst und etwas Frisches aufnimmst, dürfte es sehr wahrscheinlich sein, dass Du eine interessante Reihe schreibst. Dabei ist es egal, ob die Geschichten aufeinander basieren oder sie alle für sich alleine stehen, wie es gerade im Paranormal Romance Bereich Mode ist. Hauptsache Du erzählst eine spannende und einmalige Geschichte. Und zwar Band für Band für Band.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß. Und ich freue mich von Dir zu hören, wie es bei Dir geklappt hat mit dem planen und plotten. Erzähle mir von Dir und Deinem Projekt.

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Ich freue mich auf Dich 🙂

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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