[Samstagsschreibratgeber] 5 romantische Elemente – auf die man gut und gerne verzichten kann

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn Du romantische Geschichten durchliest oder Filme ansiehst, kann es sehr wahrscheinlich sein, dass Du auf einen der folgenden fünf Punkte triffst, die im realen Leben eher für Bauchschmerzen sorgen. Aber kaum tauchen sie in einer Geschichte auf, sind sie akzeptabel und werden teilweise sogar bejubelt. Daher kommt hier mein Ratgeber, diese Punkte nicht anzuwenden, sondern ein wenig anders zu schreiben.

1 – Du schläfst? – Ich küsse Dich trotzdem

Wer kennt sie nicht, die Küsse von Dornröschen (englisch Sleeping Beauty) oder auch der Disney Kuss bei Schneewittchen. Da schlafen zwei Schönheiten und werden dann von ihrem Prinzen mit einem zärtlichen Kuss der Liebe geweckt.

Nur zur Info:
Im realen Märchen rettete der fallende Glassarg von Schneewittchen sie vom Tode. Denn der vergiftete Apfel steckte in ihren Hals, und da der Sarg fiel, kam das Stückchen frei und sie war gerettet. Also hier hatte eher der Zufall als der Prinz seinen Anteil an ihrer Rettung.

Aber jetzt stell Dir mal folgende Situation vor: Du liegst im Bett, schläfst tief und fest und da kommt ein fremder Mann in Dein Schlafzimmer und küsst Dich wach. Ich weiß nicht wie Du reagieren würdest, ich würde erst einmal die Polizei rufen, nachdem ich den Kerl aus meinem Schlafzimmer und Wohnung gescheucht hätte.

Was in Märchen noch funktioniert, ist im realen Leben eher unschön. Denn Dornröschen kannte den Prinzen gar nicht (gut, in der Disneyversion schon). Also ist er ein völlig fremder Mann. Er küsst sie und dann heiraten die? Wie romantisch (Achtung: Ironie!).

Zumal viele im realen Leben nachts schnarchen oder auch sabbern. Und das ist alles andere als romantisch. Und dann die Prinzessin küssen, die gerade sabbert?

Alternative Geschichtsinspirationen:

Wenn sich Deine Heldin und Dein Held nicht kennen, dann hat er nichts in ihrem Schlafzimmer zu suchen und sie nicht in seinem. Das ist Hausfriedensbruch und eindringen in die Privatsphäre der anderen Person. Wenn Du über eine selbstbewusste Heldin schreibst, sollte sie in einem solchen Fall einfach die Polizei rufen. Und dann hat es sich mit der Romantik zwischen den beiden.

Er darf sie dann wach küssen, wenn sie sich kennen und einander vertrauen. Das geht für mich als Leserin in Ordnung. Dann wird er sicherlich auch über ihren Sabber hinwegsehen. Ansonsten empfehle ich Dir, schmeiß solch eine Szene aus Deiner Geschichte und ersetze es durch ein romantisches Abendessen oder ein Picknick. Es gibt andere Möglichkeiten, um ihr den Hof zu machen und ihr Herz für sich zu gewinnen.

2 – Du bist mein bester Freund oder meine beste Freundin – Überraschungskuss

Vielleicht hast Du zwei Charaktere als beste Freundinnen / Freunde angelegt und auf einmal merkst Du oder die Figuren, dass sie mehr füreinander sind. Oder es war von Anfang an geplant, dass aus dieser Freundschaft eine Liebesbeziehung wird. Und das ist durchaus möglich. Häufig liest man, dass aus einer Freundschaft eine Beziehung wurde. Die Idee geht also.

Nur wie bitte schön kriegt man die beiden dazu, sich ihre Gefühle zu zeigen? Na klar, der Klassiker, einer der beiden Figuren stürmt auf den anderen zu, springt ab und küsst die andere Figur. Wie einfallsreich.

Ich stelle mir gerade vor, wie ich meinen besten Freund einfach so überrasche. Ehrlich gesagt, er würde aller Wahrscheinlichkeit die Herren mit der weißen Jacke rufen. Denn es ist nicht gesagt, nur weil ich diese Gefühle habe, dass die andere Person genau die gleichen hat.

Natürlich ist es im Buch oder im Film so. Nach dem Überraschungskuss ist man ein Paar. Nur im realen Leben sieht es häufig anders aus. Und das solltest Du durchaus für Deine Geschichte berücksichtigen. Denn auch diese Art des Kusses dringt in die Privatsphäre der anderen Person ein. Vielleicht möchte sie gar nicht in der Öffentlichkeit geküsst werden? Und vielleicht nicht von Deiner Figur?Zudem ist es auch eine Zuschaustellung, die viele nicht möchten.

Alternative Geschichtsinspirationen:

Natürlich ist reden schwieriger, als solch ein Überraschungskuss. Aber durchaus effektiv. Lasse Deine Heldin ihre Gefühle für Deinen Helden in Worte fassen. Oder auch den Helden, gerade wenn er ein Alphamann ist. Dann fällt es ihm sicherlich noch schwerer über Gefühle zu reden, als ihr.

Sie können sich auch zuerst zärtlich berühren und dann sehen, dass da mehr ist, als sie es sich eingestehen möchten. Und nachdem sie sich ihrer Gefühle klar sind, dann dürfen sie sich auch küssen. Dann ist das erlaubt.

3 – Lieb mich oder ich töte mich

Es kommt, wie es kommen muss, Deine Heldin und Dein Held haben einen ordentlichen Streit und trennen sich. Natürlich nur für ein paar Seiten, damit sie am Ende zusammenkommen. Um das zu beschleunigen und den Helden in die Arme der Heldin zu treiben, schreiben manche Autorinnen oder Autoren eine beinahe Selbsttötungsszene.

Jetzt mal Butter bei die Fische. Du willst ein romantisches Paar haben, dass aus freien und ehrlichen Stücken eine Beziehung eingeht? Sehr gut. Warum muss sie ihn dann erpressen? Denn, wenn Deine Heldin sich töten will, nur damit der Held sie rettet, ist das nicht mehr freiwillig, das ist eine Erpressung. Bleib bei mir, oder ich töte mich. Das ist alles andere als romantisch.

Natürlich darf Deine Heldin oder Dein Held am Boden zerstört sein, wenn die Beziehung kaputt geht. Wer wäre das nicht. Gerade wenn sie sehr romantisch war. Aber wenn sich die Heldin oder der Held umbringen will, nur um die andere Person an sich zu binden, zeugt das nicht von Stärke. Weder von der Heldin, die scheinbar ohne einen Mann an ihrer Seite nicht existieren kann und demnach sehr unselbstständig ist. Aber auch nicht vom Helden, der bei einer Trennung sofort jede Bodenhaftung verliert.

Alternative Geschichtsinspirationen:

Wenn es zu einer Trennung in Deiner Geschichte kommt oder kommen soll, ist das erst einmal völlig in Ordnung. Nicht umsonst werden Romance Geschichten wie folgt beschrieben:

Zuerst finden sie sich – dann lieben sie sich – dann streiten sie sich – dann trennen sie sich – dann kriegen sie sich wieder.

Doch solltest Du keine der beiden Figuren zu einer Selbstmordszene hin treiben. Es gibt andere Möglichkeiten die emotionale Trauer auszudrücken. Lass sie weinen, lass sie wütend sein. Du bist Autorin bzw. Autor, da gibt es viele Punkte, die Du berücksichtigen kannst.

Und wenn sie diese Phase überstanden haben, lass sie wie ein Phönix aus der Asche erheben und ihr Leben wieder in die Hand nehmen. Damit die Heldin und der Held als starke Persönlichkeit weiter durch die Seiten Deines Romans laufen können. Das ist um einiges sympathischer.

4- Egal wohin Du gehst, ich bin schon da

Deine Heldin oder Dein Held (ich bleibe beim Beispiel bei der Heldin) kommen neu in die Stadt oder treten eine neue Stelle an. Und überall wo sie hingeht, ist er schon da. Und das nicht nur als netter Begleiter, sondern als kleiner Eindringling in ihre Privatsphäre.

Häufig fällt den Autorinnen und Autoren nichts besser ein, die Heldin oder den Helden zusammenzubringen, als das sie eine der beiden Figuren zu einem Schatten der anderen Figur machen. Sie geht um die Ecke, dort steht er schon. Sie erledigt eine Arbeit, er unterstützt sie dabei.

Noch schlimmer wird es, wenn sie irgendwohin geht und er sie begleitet. Und die Krone setzt die ganze Sache auf, wenn sie sagt, dass sie nicht begleitet werden will und er ihren Wunsch nicht respektiert und ihr bis zum Ziel folgt.

Vielleicht wirst Du sagen, hei, das ist doch süß. Dann frage ich Dich, würdest Du das auch süß finden, wenn Dir das im realen Leben passieren würde? Ich fände das unheimlich. Und würde die Polizei rufen. Denn das ist nicht mehr süß, das ist aufdringlich und auch respektlos. Denn es zeigt, ihm sind die Meinung und die Entscheidung der Heldin völlig egal. Sie kann noch so oft sagen, ich will alleine sein, gehe weg oder lasse mich in Ruhe, er ist da und er bleibt da. Und natürlich erweicht er ihr Herz und sie verliebt sich in ihm. Nicht überzeugend.

Alternative Geschichtsinspirationen:

Wenn Deine Heldin (oder Dein Held) neu in die Stadt kommt und Du willst, dass sie aufeinandertreffen, dann lasse ihn nicht zu ihrem Schatten werden. Natürlich dürfen sie sich mal über den Weg laufen. Aber lasse doch ruhig den Zufall zuschlagen. Und wenn er sie begleitet, dann mit ausdrücklicher Erlaubnis der Heldin. Und wenn sie sagt, dass sie nichts von ihm will, dann hat er dies auch zu respektieren. Das macht ihn als Helden weitaus sympathischer, als wenn er zum Schatten wird.

Denn im realen Leben würde man im besten Fall solch ein Schatten einen Verfolger nennen, schlimmstenfalls vielleicht sogar Vergewaltiger. Und soll Dein Held solche Gedanken hervorrufen? Ich glaube kaum. Denn Dein Held soll die Herzen Deiner Leserinnen erweichen und sie nicht mit einem falschen Bild füttern.

Und ein Held, der die Wünsche der Heldin respektiert und eine Heldin, welche die Wünsche des Helden respektiert, ganz ehrlich, die sind ansprechender, romantischer und über die lese ich lieber.

5 – Ich tauche auf, wo immer Du bist

Ein nerviger Schatten (also Punkt 4) ist schon eine Sache. Aber wenn Dein Held oder Deine Heldin ungefragt überall erscheint, wo die andere Figur ist, dann wird es richtig unheimlich. Denn auch das ist nicht romantisch. Oder findest Du Stalkerinnen bzw. Stalker romantisch?

Wenn Du also das Bedürfnis hast, Deine Heldin zu der Wohnung Deines Helden zu schicken oder zu der Arbeitsstelle oder dorthin, wo er gerne einkauft, dann mag es einmal Zufall sein. Wenn Du es mehrmals machst, dann hat Deine Heldin einen an der Waffel und gehört auf die Couch eines Psychologen oder einer Psychiaterin, aber nicht in einen Liebesroman. Daher solltest Du hier doch schon vorsichtig sein.

Schick sie nur zu der Wohnung Deines Helden (oder ihn zu der Wohnung der Heldin), wenn sie einen sehr guten Grund hat. Sollte ihr Zucker aus sein, ist das ein besserer Grund, als ohne einen. Und wenn sie auf der Arbeitsstelle auftaucht, dann will sie dort etwas und trifft nur zufällig auf den Helden.

Alternative Geschichtsinspirationen:

Stalking ist kein Kavaliersdelikt, sondern zwischenzeitlich eine Straftat (§ 238 StGB – Nachstellung). Und ich weiß nicht, ob es romantisch ist, wenn Deine Heldin oder Dein Held wegen der Nachstellung erst einmal in den Knast muss. Immerhin kann es bis zu drei Jahre dafür geben.

Überlege Dir lieber, wie sie sich zufällig über den Weg laufen können, um eine gewisse romantische Stimmung aufzubauen. Natürlich kann eine Seite diese Treffen zufällig arrangieren. Warum nicht. Aber sie oder er sollte trotzdem den Respekt vor der Privatsphäre der anderen Seite haben. Ansonsten wirkt dies doch sehr komisch bei einer starken und selbstbewussten Heldin und bei einem starken und selbstbewussten Helden.

Abschlussgedanken

Was auf dem ersten Blick so romantisch aussah, sieht auf dem zweiten Blick in manchen Punkten eher nach einer Straftat aus. Und das sollte nicht unbedingt sein. Werde kreativ und überlege Dir, wie Deine Heldin und Dein Held aufeinandertreffen können, wie sie aneinander gebunden sein können und wie sie einander kriegen können, ohne dass die Persönlichkeit, die Rechte und die Privatsphäre der anderen Figur bedroht, verletzt oder zerstört werden.

Ein Beispiel wäre eine Geschäftsbeziehung. Was schweißt besser zwei Figuren zusammen, als, wenn sie zusammenarbeiten müssen, um ein Geschäft durchzubringen. Erst recht, wenn beide Interessen an diesem Geschäft haben. Und wenn Du was anderes willst, dann könntest Du sie über ein gemeinsames Interesse aneinander binden. Wie wäre es mit Vogelbeobachtung, Bücher oder eine Reise?

Es gibt genügend alternative Möglichkeiten. Und ich bin mir sicher, Dir fällt was ein. Gerne lese ich von Deinen Vorschlägen.

Ansonsten wünsche ich Dir viel Spaß beim Schreiben einer guten Liebesgeschichte.
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Ich freue mich auf Dich 🙂

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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