[Advent 2015] 7 Schritte zu einer Kurzgeschichte

Hei, hallo und herzlich willkommen,

letztes Jahr hatte ich den kompletten Dezember Dir Beiträge rund um verschiedene Themen geschrieben. Dieses Jahr möchte ich Dir an allen Adventssonntagen, an den Weihnachtsfeiertagen und rund um das Neujahr Beiträge rund um das Schreiben der Kurzgeschichte als Feiertagsgeschenk geben. Aber am Ende kommt es dann ganz Dick. Ich freue mich schon darauf.

Und hier kommt der erste Beitrag.

Kurze Vorbemerkung

Es gibt viele Methoden um eine Kurzgeschichte zu schreiben. Davon ist nur die wirklich gut, mit der Du am Ende auch arbeiten kannst. Aus diesem Grund lasse Dich von den Beiträgen inspirieren und schau, mit welcher Du am besten arbeiten kannst.

Einleitung

Sicherlich hast Du unzählige Ideen. Und gerne würdest Du sie alle in einem Roman verwenden. Doch da gibt es zwei Probleme. Zumindest habe ich diese beiden Probleme. Zum einen eignen sich nicht alle Ideen dafür, um ein Roman zu schreiben. Und zum anderen, leider lebe ich nicht einmal annähernd so lange, um alle Ideen zu einem Roman zu verwandeln. Zumal mein Gehirn weiter arbeitet und am Ende noch mehr Ideen produziert.

Eine Alternative ist, dass Du die besten Ideen in einem Roman verwendest und die anderen guten in einer Kurzgeschichte. Eine Kurzgeschichte schreiben ist kein Hexenwerk. Nur erfordert sie mehr Arbeit, als ein Roman.

1. Schritt: Benenne das Problem

Hierbei geht es wirklich nur um die Benennung des Problems. Das kann von banal und trivial bis hin zu einer komplexen Idee sein, welche sich tief in Deiner Seele versteckt hat und nun darauf wartet, an die Oberfläche zu kommen.

Schreib einfach das Problem auf, egal wie banal es auf dem ersten Blick klingen mag. Am Ende bekommt Deine Notizen niemand zu sehen. Also musst Du Dir darüber keine Gedanken machen.

  • Ein Drache schläft im Vogelhaus, in der Winterzeit.
  • Ein USB-Stick mit wichtigen Daten, welche seiner Schwester das Leben zerstören könnte.
  • Wolle für ein Häkelprojekt finden.

Du siehst, es kann alles dabei sein.

2. Schritt: Kreiere einen Charakter, der dieses Problem hat

Du musst dabei nicht extrem kreativ sein und alle Details zu dem Charakter erfinden, der in Deiner Kurzgeschichte auftaucht. Denn es ist immer noch eine Kurzgeschichte. Find die Eckdaten heraus und lege dann los. Die große Arbeit kannst Du Dir für Deine Romane aufheben.

  • Eine junge Frau.
  • Ein Mann, mittleren Alters, Geschäftsmann.
  • Ein Junge im Teenageralter.

3. Schritt: Beschreibe nun, warum das Problem Deine Charaktere beschäftigt

Es geht hierbei darum, dass das Problem und der Charakter zueinanderfinden. Wenn sie nichts miteinander zu tun haben, hast Du keine Geschichte. Und wenn Du keine Geschichte hast, lohnt sich nicht die Mühe sich hinzusetzen und etwas zu schreiben.

Doch je wichtiger das Problem Deinen Figuren ist, desto intensiver wird die Geschichte und desto mehr werden wir Leserinnen und Leser Deinen Worten folgen. Mache Dir also Gedanken darum, was die Verbindung ist.

  • Die junge Frau hatte als Kind ein Erlebnis der besonderen Art. Sie wurde in eine andere Welt hineingerissen und erlebte dort Abenteuer, mit denen sie noch heute seelisch zu kämpfen hat. Denn sie wurde danach in eine Nervenheilanstalt gesteckt, weil ihr niemand glauben wollte. Und jetzt will sie nie wieder mit diesen Wesen etwas zu tun haben.
  • Der Geschäftsmann hat wichtige Daten bekommen, damit er einem korrupten Politiker stürzen kann. Denn dieser hat das Leben seiner Frau und seines Kindes auf dem Gewissen und nun will er sich an ihm damit rächen.
  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Wenn Du fertig bist, dann schau Dir noch einmal die Verbindung zwischen dem Problem und den Charaktere an. Steckt da wirklich ein guter Grund dahinter?

Kleines Beispiel:

  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Das ist das Endergebnis. Als ich den Text doch zuerst schrieb, sah er so aus.

  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Der durchgestrichene Teil hatte ich vergessen. Wie liest sich der Text für Dich, wenn der eine Teil nicht wäre?

4. Schritt: Zeige das Hindernis, was sie zurückhält

Eine gute Geschichte baut immer mehrere Hindernisse auf, damit die Heldin oder der Held nicht ans Ziel kommt. Auf keinen Fall dürfen sie kurz vor Schluss den Drachen töten, den Mafiaboss zur Strecke bringen oder den Mörder entdecken. In einer Kurzgeschichte reicht ein Hindernis aus. Aber der muss da sein und zu den vorherigen Punkten passen.

  • Sie hat Angst, dass die Erlebnisse, die sie ganz hinten ihrem Unterbewusstsein eingesperrt hat, wieder hervorkommen und noch schrecklichere Dinge passieren, als beim letzten Mal. Und das sie dieses Mal für den Rest ihres Lebens in eine Nervenheilanstalt kommt. Denn dorthin will sie niemals wieder zurück.
  • Seine Schwester ist die Ehefrau des korrupten Politikers und er weiß nicht, ob sie etwas mit der Sache zu tun hat. Er ist der festen Überzeugung, dass sie unschuldig ist. Dann würde er sie mit stürzen. Denn sie ist ebenfalls aktiv an der Arbeit des Politikers beteiligt. Und nach ihren Depressionen tut ihr das Ganze wirklich gut.
  • Er hat seine Schwester geliebt, weil sie ihm nicht nur seine sensible Seite unterstützt hat (durch die Handarbeiten), sondern ihn auch noch vor dem gewalttätigen Vater beschützte. Nun ist sie tot und niemand stellt sich zwischen den beiden. Zudem hat er kein Geld, um die Wolle für einen Gedenkschal zu kaufen, weil er kaum Taschengeld zur Verfügung hat. Und seine Eltern würden sich über ihn lustig machen, wenn er sie um etwas Geld bitten würde.

5. Schritt: Finde einen bis drei Versuche, für eine Lösung

In der Überschrift steht Versuch, weil Deine Heldin oder Dein Held nicht beim ersten Mal die Lösung finden soll. Dann wäre die Geschichte schlichtweg langweilig. Der Held oder die Heldin muss scheitern und am Ende immer schlechter dastehen, als hätte sie oder er nicht gewagt aufzustehen und etwas zu unternehmen. Erst am Ende dürfen sie gewinnen. Aber soweit sind wir noch nicht.

  • Sie ignoriert zuerst den Drachen, weil sie hofft, dass dieser frieren wird und dann verschwindet. Doch gleichzeitig hat sie Angst, dass die Nachbarn mitbekommen, dass ein Drache in ihrem Garten schläft und vor allem, dass sie realisieren, dass es Drachen gibt.
    Also holt sie ihn ins Haus und dieser erschreckt so dermaßen, dass er immer wieder Feuer spuckt und kleine Brandherde verursacht. Diese kann sie löschen. Doch dann kündigt sich Besuch an. Ihre Eltern wollen spontan vorbeikommen.
  • Zuerst versucht er mit seiner Schwester zu reden, um herauszufinden, ob sie etwas von der Sache weiß. Doch er bekommt nichts heraus. Zudem erzählt sie ihm, wie gut es ihr geht, seit sie in der Politik aktiv ist. Sie muss kaum noch Medikamente gegen ihre Depressionen nehmen und Selbstmordgedanken habe sie auch nicht mehr. Während des Essens trinkt sie kein Alkohol, weil sie ihrem Bruder eröffnet, dass er demnächst Onkel wird.
  • Zuerst sucht er alle Wollreste auf den Sachen seiner Schwester zusammen. Doch seine Mutter bekommt dies mit und verbietet ihm, das Zimmer seiner toten Schwester noch einmal zu betreten und erst recht zu plündern. Daher schaut er in dem Wollladen der Stadt vorbei, um dort welche zu stehlen. Doch er wird erwischt und die Polizei bringt ihn nach Hause. Nachdem sein älterer Bruder ihm verrät, dass es auf dem Dachboden Wolle gibt, bricht er dort ein. Denn eigentlich dürfen sie nicht auf den Dachboden gehen.

In der Katastrophe muss es auch immer Hoffnung geben. Das bedeutet, dass jeder Fehlschlag die Charaktere dorthin bringen soll, die Lösung zu finden, damit die Geschichte einen guten Ausgang hat.

6. Schritt: Schaffe den kritischen Wendepunkt

Jetzt ist Deine Heldin oder Dein Held so weit, den Wendepunkt zu beschreiten. Denn sie haben alles, was sie brauchen, um die Lösung umzusetzen. Sowohl die Erfahrung als auch die Weisheit wurde ihn mitgegeben, damit sie die letzten Schritte gehen können.

  • Sie begreift, dass sie sich ihren inneren Dämonen stellen muss. Das bedeutet für sie, dass sie ihre Eltern hereinlassen muss, wenn sie da sind, um ihnen den Drachen zu zeigen. Auch wenn er eventuell nur in ihrem Kopf existiert und zudem stehen, was sie einst war und nun immer noch ist.
  • Wenn er seine Familie rächen und zugleich beschützen will, muss er die Daten einsetzen. Denn er will nicht, dass seine Nichte oder sein Neffe in dieser Umgebung aufwächst, die Gift für ihn sein könnte.
  • Obwohl er Angst vor seinem Vater hat, wagt er doch den Aufstieg auf den Dachboden. Denn der Wunsch, den Gedenkschal für seine Schwester zu häkeln ist stärker als die Angst vor seinem Vater.

Es muss natürlich kein glückliches Ende sein, das am Ende herauskommt. Es liegt an Dir, wohin die Reise geht. Wenn Du das unglückliche Ende planst, dann sollte Deine Heldin oder Dein Held spätestens jetzt realisieren, dass die Gedankengänge und die Handlungen falsch waren und alles in eine komplett andere Richtung hätte gehen sollen. Deine Leserinnen und Leser sollten an dieser Stelle spüren, Erfolg wäre durchaus möglich.

7. Schritt: Zeig, was als nächstes passiert

Du hast nun Deine Charaktere an diesen kritischen Punkt gebracht. Nun ist es Zeit, dass Deine Heldin oder Dein Held ihre Wahl treffen. Und es ist an der Zeit, dass Du zeigst, was diese Wahl ist und wie sie ausgeht.

  • Sie entschließt sich, ihren Eltern alles zu sagen. Und als sie durch die Tür treten, sehen sie den Drachen und realisieren, dass ihre Tochter ihnen all die Jahre die Wahrheit gesagt hat.
  • Er geht am nächsten Tag zu der Presse und zeigt ihnen den USB-Stick mit den ganzen Daten. Damit hat er den Stein ins Rollen gebracht, sodass sein Schwager definitiv für seine Verbrechen bezahlen muss. An seine Schwester hat er dabei nicht gedacht.
  • Auf dem Dachboden findet er die gewünschte Wolle und fängt dort sogar sofort an zu häkeln. Doch dann kommt sein Vater hoch und entdeckt seinen Sohn dort.

Du musst nicht unbedingt die Geschichte komplett bis zum Ende schreiben. Denn oft wird erklärt, eine Kurzgeschichte hat ein offenes Ende. Gerne kannst Du alles weitere der Fantasie Deiner Leserinnen und Leser überlassen. Immerhin hast Du sie bis an diese Stelle geführt. Nun kannst Du sie auch gerne alleine weiterreisen lassen. Aber bis hierhin solltest Du kommen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, damit sie weitergehen können.

Schlussworte

Die Vorarbeit mag noch einfach sein. Aber wenn es wirklich an Deine Idee geht, kann es sein, dass Du vor dem weißen Blatt Papier sitzt und Dir überlegst, was Du nun tun sollst. Auf dem ersten Blick sehen die Schritte schon einfach aus, aber sie haben auch ihren Schwierigkeitsgrad.

Und vor allem, Du hast noch nicht die Kurzgeschichte geschrieben. Das kommt dann noch einmal dazu. Aber wenn Dir diese Methode nicht zusagt, nächsten Sonntag kommt die nächste.

In dem Sinne, einen schönen 1. Advent wünsche ich Dir. Und gerne höre ich von Deinen Erfahrungsberichten.
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Ich freue mich auf Dich 🙂

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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7 Antworten zu [Advent 2015] 7 Schritte zu einer Kurzgeschichte

  1. Pingback: So kommt man auch auf Schreibideen… | Tinte und Schwert

  2. Yannick Signard schreibt:

    Eine interessante Herangehensweise. Bei mir fängt aber alles überwiegend mit der Idee zum Charakter an. Ich habe einen Charakter im Kopf und der hat dann ein Problem.
    Der Rest ist aber durchaus ein brauchbarer Plan. Ich versuche das mal so zu machen. Ich sage Dir dann bescheid, wie ich damit klar gekommen bin.

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    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Letztendlich hat jede und jeder eine andere Herangehensweise. Und das ist auch gut so. Ich verstehe diesen Beitrag als Inspiration. Nimm mit was dir gut tut und lass alles andere Fallen. So mache ich es zumindest ☺

      Gefällt 1 Person

  3. Yannick Signard schreibt:

    Ich habe es eben in ca 30 Minuten geschafft, die Punkte mal durchzugehen und auch, wenn ich bei Punkt 1 die Frage aus Punkt 2 schon beantworten konnte, habe ich doch erstaunlich leicht einen kleinen Plot zusammenbauen können. Ich werde nachher und morgen mal versuchen, die Geschichte zu schreiben.

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    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Danke für Dein Bericht. Das hört sich gut an. Und ich denke mal, man muss es einfach probieren und sehen, was gefällt und was nicht. Letztendlich macht der Versuch schlau und vor allem, man schreibt drauf los und sieht, wo man am Ende ankommt 🙂

      Viel Erfolg beim Schreiben Deiner Geschichte.

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  4. dotpencil schreibt:

    … und was passiert mit dem Jungen auf dem Dachboden jetzt?

    Das ist ein äußerst interessantes Vorgehen. Wenn ich mich an so etwas halten könnte (!), wären meine Sachen vielleicht nicht immer so undurchdacht von vorne bis hinten … bei mir hätte der Junge vermutlich eine Leiche gefunden. Oder den Klon seiner Schwester 🙂

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    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Das hört sich definitiv interessant an. Es kommt letztendlich darauf an, was Du aus Deiner Geschichte machst.

      Ich verrate Dir aber was, ich bin auch ziemlich durcheinander bei meinen Sachen. Das merke ich spätestens dann, wenn ich meine alten Beiträge durchlese, weia 🙂

      Bei den Geschichten ist es nicht anders 🙂

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