[Advent 2015] Eine Kurzgeschichte in einer Woche schreiben

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vielleicht fragst Du Dich, wie lange es braucht, um eine Kurzgeschichte zu schreiben. Im Grunde genommen benötigst Du nur eine komplette Woche. Wie das gehen soll? Das stelle ich Dir heute vor.

Kurze Vorgedanken

Es ist nicht möglich, dass Du all Deine Ideen in einem Roman präsentieren kannst. Darüber hatte ich schon einmal geschrieben. Doch in einer Kurzgeschichte hingegen schon. Und, wie Ray Bradbury einmal sagte, es ist nicht möglich, wenn Du Woche für Woche eine Kurzgeschichte schreibst, dass am Ende 52 schlechte Kurzgeschichten herauskommen. Aus diesem Grund legen wir einfach mal los.

Montag: Arbeite an Deiner Idee

Natürlich brauchst Du eine Idee, mit der Du arbeiten kannst. Schau Dir Deine Notizen an, worüber Du gerne schreiben möchtest und picke Dir eine heraus, die sich für eine Kurzgeschichte eignet, aber nicht für einen Roman. Und darum baust Du dann Deine Geschichte auf.

Solltest Du gar keine Ideen für eine Kurzgeschichte haben, dann nimm Dir für heute ein wenig Zeit und schreibe alle Themen auf, die Dir gefallen. Worüber wolltest Du schon immer Schreiben und hattest bisher nur noch nie die Zeit gehabt, weil Du Dir dachtest, das reicht nicht aus für eine längere Geschichte. Jetzt ist die Gelegenheit gekommen.

Und dann plotte Deine Kurzgeschichte. Da ich oben einen Link für das Plotten bereits eingefügt habe und es im heutigen Beitrag eher um die Wochenaufteilung geht, werde ich Dir heute keine Tipps zum Plotten geben.

Dienstag: Der ersten Akt – Die Eröffnungsszene

Es gibt mehrere Formen der Geschichtsstruktur. Die Bekannteste dürfte immer noch der 3-Akter sein. Und auf diesen konzentriere ich mich hier im Beitrag.

Im Eröffnungsakt stellst Du die wichtigen Figuren vor und das Setting, wo die Geschichte spielt. Also Ort und Zeit. Mit dieser Szene stellst Du auch klar, in was für einer Welt wir uns befinden und in welchem Genre.

Hier legst Du auch schon die ersten Fäden für den Hauptkonflikt, damit ich Dir als Leserin überhaupt weiterfolge. Wenn Du hier alles richtig machst, wird es später in der Kurzgeschichte leichter werden.

Mittwoch: Der zweite Akt – Der Höhepunkt

Nun sind wir im zweiten Akt und es ist der längste Teil der Kurzgeschichte. Denn hier wird die Geschichte erzählt. Die Schlüsselelemente werden richtig eingeführt und weitergeführt, Deine Heldinnen und Helden erleben die Geschichte und Deine Leserinnen und Leser müssen innerhalb kürzester Zeit die komplette Geschichte verstehen und nachvollziehen können.

Merke Dir bitte eines, in einer Kurzgeschichte hast Du keine Zeit für Blabla. Jeder Satz muss sitzen und jede Aussage muss irgendeine Bedeutung haben. Längere Passagen, wo Du nur beschreibst, wie der Wind über eine Wiese gleitet, kannst Du Dir hier sparen, sofern es nicht die Geschichte weiterbringt. Ansonsten schneide diese Szene aus und hebe Dir das für Deinen nächsten Roman auf.

Schreibe so viel, wie es Dir nur möglich ist. Am besten bis zum Wendepunkt, der Dich dann in den dritten Akt führt. Dann hast Du am Donnerstag mehr Zeit für einen guten Schluss.

Donnerstag: Der dritte Akt – Beende die Geschichte

Nun kommen wir zu der Lösung der Geschichte. Hier kommen alle Elemente aus den ersten beiden Akte zusammen und beenden die Geschichte in einer Lösung. Das bedeutet nicht, dass Du ein geschlossenes Ende schreiben musst. Also ein Ende, wo sich alles auflöst, erklärt und wir ein Ergebnis präsentiert bekommen. Immerhin heißt es nicht umsonst, dass Kurzgeschichten eigentlich mit einem offenen Ende arbeiten.

Wichtig ist nur, dass Du Deinen Leserinnen und Lesern irgendein Ende präsentierst. Und zwar ein Nachvollziehbares, der sich logisch auf dem ersten und dem zweiten Akt berufen kann. Alles andere enttäuscht und hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Und wenn Du das alles geschafft hast, darfst Du gerne einmal durch Deine Wohnung tanzen. Du hast die erste Fassung Deiner Kurzgeschichte geschrieben. Glückwunsch dazu.

Freitag: Überarbeite Deine Geschichte

Wenn Du fertig bist, dann wird es Zeit, dass Du Deine erste Fassung überarbeitest. Und das ist eine weitaus härtere Arbeit, als es sich auf dem ersten Blick anhören mag.

Jetzt kannst Du die Zeit nutzen und noch einmal genau hinschauen, wo die Geschichte unnötige Längen hat, wo Du Sätze verwendet hast, die die Geschichte nicht vorwärts bringen und all diese Dinge, die in Deiner Kurzgeschichte nichts, aber auch wirklich gar nichts zu suchen hat.

Nimm Dir jeden Satz vor und überprüfe diesen. Lies ihn laut vor und schau, ob er sich gut anhört. Passt der Satzbau, passt er zu dem nächsten Satz und zum vorherigen. Was sagt er aus? Und passt die Aussage wirklich zur Geschichte? Gibt es irgendwo eine Wendung, die nur du verstehst (das kann schneller passieren, als es Dir lieb ist, ich spreche da leider aus Erfahrung). Notfalls schreibst Du ein paar Sätze mehr rein, um sie bei der nächsten Überarbeitung dann wieder zu löschen, wenn Du den Teil umgeschrieben hast.

Samstag und Sonntag: Noch mehr Überarbeitung

Es kann sein, dass Du am Freitag noch nicht fertig geworden bist. Daher ist das Wochenende immer noch eine gute Zeit zum Überarbeiten. Oder Du bist fertig geworden, möchtest aber noch einmal drüber lesen. Auch dafür ist das Wochenende eine sehr gute Zeit.

Wenn Du möchtest, kannst Du Dir die Geschichte ausdrucken und dann auf Papier überarbeiten (gerne auch mehrere Seiten auf einem Blatt Papier, das spart eine Menge). Komischerweise habe ich da immer die besten Erfolge, wenn ich eine Geschichte überarbeite. Vermutlich, weil der störende Monitor weg ist.

Welche Methode für Dich auch wirksam ist, nutze alle, um nach einer Woche einer fertige Kurzgeschichte in den Händen zu halten.

Warum es deiner Schreibfertigkeit hilft, wenn Du Kurzgeschichten schreibst

Wenn Du eine Kurzgeschichte geschrieben hast, dann weißt Du, es verlangt eine Menge von Dir ab. Sagen wir es also ganz klar: Es ist harte Arbeit. Aber diese harte Arbeit lohnt sich.

Jedes Mal, wenn Du eine Kurzgeschichte geschrieben hast, lernst Du, wie Du etwas besser, detaillierter und kürzer darstellen kannst. Natürlich kannst Du einen Sachverhalt über zehn Seiten darstellen. Aber wenn Du regelmäßig Kurzgeschichten schreibst, lernst Du, wie Du den gleichen Sachverhalt in zehn Sätzen beschreiben kannst.

Weiterhin lernst Du auch, wie man eine Geschichte plottet. Wenn etwas im Kleinen klappt, dann wird es auch im Großen klappen. Das funktioniert auch bei Modellen für Erfindungen. Warum also nicht auch bei einer Kurzgeschichte?

Als ich den vorherigen Satz geschrieben habe, ist mir spontan was eingefallen. Daher hier meine Idee für Deinen nächsten Roman. Schreibe doch erst einmal die komplette Geschichte als Kurzgeschichte. Die ganzen Nebenstränge und die ganzen Plotttwists lässt Du erst einmal vor der Tür und konzentrierst Dich nur auf die Grundgeschichte, die Du erzählen möchtest. Schreibe diese auf und siehe, ob die Geschichte auch funktionieren könnte. Damit dürftest Du Dir eine Menge Zeit sparen, wenn Du einen kompletten Roman schreibst und dann siehst, dass es an allen Ecken und Enden hapert.

Wie geschrieben, mir ist die Idee gerade spontan beim Schreiben des Absatzes eingefallen. Daher habe ich noch keine Erfahrungen damit.

Abschlussgedanken

Wenn Du Deine Kurzgeschichte geschrieben hast, kannst Du sie am Ende in einer eigenen Anthologie veröffentlichen oder auf Deiner Internetseite als kleinen Schmankerl veröffentlichen. Es gibt also genügend Gründe, warum Du morgen mit dem Schreiben Deiner ersten Kurzgeschichte anfangen kannst. Und es gibt auch gute Gründe, warum wir uns am dritten Advent hier sehen.

Bis dahin wünsche ich Dir einen schönen zweiten Advent.

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Ich freue mich auf Dich 🙂

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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