[Ein Jahr, ein Roman] Deine Romanrecherchen

Hei, hallo und herzlich willkommen,

irgendwann wirst Du Deinen Roman geschrieben haben und dann sitzt Du da und denkst Dir, ich benötige da noch die eine oder andere Information. Es gibt Zeiten, da solltest Du Recherche betreiben und es gibt Zeiten, da solltest Du einfach nur schreiben.

Wann solltest Du nicht recherchieren?

Für mich persönlich ist die Antwort leicht: während des Schreibens der ersten Fassung!

Jetzt mal ernsthaft

Ja, ich meine das wirklich ernst. Natürlich kann es wichtig sein, dass Du bestimmte Informationen für eine Szene zur Hand hast. Gelegentlich kann diese Information sogar großen Einfluss auf Deine Geschichte haben. Das will ich gar nicht abstreiten. Ich sehe hier nur das Problem, dass Recherche eine hervorragende Möglichkeit der Selbstsabotage sein kann. Und zwar in der Hinsicht, nicht mehr schreiben zu müssen.

Denn seien wir mal ganz ehrlich. Wenn wir die eine Information gefunden haben, stoßen wir häufig auf die nächste Information. Und die könnte ja auch wichtig sein für die Geschichte. Wann und wo? Keine Ahnung, trotzdem kann man sich diese erarbeiten. Und dann stößt Du auf die nächste tolle Information, die Du ebenfalls weiter bearbeitest. So geht es weiter und weiter und weiter.

Vielleicht wolltest Du nur eine kleine Information suchen, damit es sofort weitergehen kann mit der Szene. Und am Ende hast Du mehrere Stunden damit verbracht Informationen zusammenzutragen, die Du am Ende vielleicht gar nicht brauchst.

Bei mir ist das aber nicht so!

Jetzt wirst Du vielleicht einwenden, dass es bei Dir nicht so ist. Wenn Du eine kleine Info brauchst, gehst Du kurz ins Internet, suchst danach, fügst diese in Deinem Text ein und es kann weiter gehen.

Wenn das so bei Dir ist, kann ich nur eines sagen: Glückwunsch. Denn dann gehörst Du zu denen, die sich wirklich kurz halten können. Aber was ist, wenn Du eine intensivere Suche starten musst? Ist es dann wirklich notwendig, dass Du sofort damit anfangen musst?

Insert Scene Here!

Wenn Du eine wichtige Information einfügen musst, dann schreibe das so hin. Das kann sein, dass Du eine Beschreibung eines Dieselmotors benötigst, wie der Aufbau eine Boeing 747 ist oder wie die Inneneinrichtung einer Kutsche von 1749 aussieht. Füge einen Absatz ein, schreibe die Frage in fetter Schrift auf und kümmere Dich dann weiter um die Szene und um den restlichen Roman.

Damit verhinderst Du, dass die Suche nach den dazugehörigen Informationen Deine Zeit auffrisst. Denn ich bin durchaus eine Anhängerin der ich-schreibe-meinen-Roman-in-einem-Rutsch-durch. Und es kann jederzeit passieren, dass während des Schreibprozesses neue Ideen oder auch nur neue Fragen kommen, die Dir beim Plotten nicht gekommen sind. Daher kannst Du vorher nicht alles bedenken.

Ist es vorher in Ordnung?

Während des Plottens kann es durchaus sinnig sein, die ersten Informationen einzuholen. Aber auch hier ist Vorsicht angesagt. Denn solange Du nicht Deine Geschichte kennst, kannst Du Dich bei der Recherche regelrecht verrennen. Auch hier gilt, dass Du von Hunderte in die Tausende kommst, nur weil Du glaubst, eine Information könnte wichtig sein. Hast Du aber eine Geschichte, weißt Du, ob eine Information wichtig ist, oder eben nicht.

Deswegen bleibe ich bei meiner Empfehlung, erst schreiben, dann suchen.

Jetzt bin ich fertig mit der Geschichte …

Während des Schreibens hast Du sicherlich/hoffentlich Deine Fragen aufgeschrieben, die Du geklärt haben willst. Jetzt darfst Du gerne aus den vollen Schöpfen. Während der Überarbeitung kannst Du anfangen im Internet, in Deinem bestehenden Bücherbestand oder in der nächsten Bibliothek recherchieren, was das Zeug hält. Solange Du die Überarbeitung nicht vergisst.

Am besten spezifizierst Du jetzt Deine Frage. Zum Beispiel musst Du wirklich wissen, wie eine Boeing 747 aufgebaut ist, wie sie funktioniert, wie sie gewartet wird, wie viel Personal am Bord ist und wie viele Leute reinpassen? Oder reicht es aus, dass Du nur die Aufgaben des Mechanikers kennst, der gerade die Wartungsarbeiten durchführt? Da ist ein gewaltiger Unterschied dabei. Mit dem ersten Frageblock wirst Du zur Spezialistin oder zum Spezialisten auf dem Gebiet. Konzentrierst Du aber Deine Fragen, wirst Du effektiv nach den Informationen suchen und dann diese auch effektiv einbauen.

Zu viele Informationen wollen bearbeitet werden

Vor Jahren habe ich einen historischen Roman gelesen, um genau zu seinen, einen historischen Krimi. Name des Autors bzw. der Autorin und Titel werde ich an dieser Stelle nicht nennen.

Das Buch war etwa 250 Seiten lang. Davon fallen ca. 100 Seiten auf den Krimi selbst ab. Die restlichen 150 Seiten hingegen hatten mit der Geschichte nichts zu tun. Sondern mit dem historischen Hintergrund. Der Autor / die Autorin fing dann einen kleinen Vortrag zu halten, wie es damals war in der Zeit zu leben, wie man zu einem bestimmten Titel kam, wie die Währung damals war und solche Informationen.

Für mich als Hobbyhistorikerin war das natürlich interessant. Bis zu einem gewissen Grad. Denn die Informationen hatten nichts mit der Geschichte zu tun. Und am Ende habe ich es nicht mehr geschafft, das Buch durchzulesen. Aber noch habe ich das Buch irgendwo in meinen Regalen. Sobald ich es finde, gebe ich ihm eine zweite Chance.

Das kann natürlich passieren, wenn man zu viele Informationen hat. Irgendwo tief in uns sitzt da wer, die oder der sagt, jetzt hast Du Dir schon so viel Mühe mit der Beschaffung der Informationen gemacht. Jetzt verwende sie auch. Um jeden Preis.

Zu wenige Informationen verderben die Geschichte

Auch das kann gefährlich werden. Denn ich hatte einen anderen Roman gelesen, wo ich kurz davor stand, das Buch regelrecht an die Wand zu klatschen (die arme Wand).

Zuvor hatte ich einige Bücher von Anne Perry gelesen und daher einen gewissen Einblick in das viktorianische London bekommen. Und ein ähnliches Thema verwendete die Autorin bzw. der Autor. Nur leider völlig falsch. Es ging bei dem Buch um eine versuchte Verführung. Ein Dienstmädchen wurde beinahe von ihrem Dienstherren zu, Du weißt schon was, genötigt. Sie kündigte ihre Stellung und drohte dies Publik zu machen. Wenn Du Anne Perry zuvor gelesen hast, dann weißt Du, dass damals sich niemand darum gekümmert hat, was ein Dienstmädchen zu sagen hat.

Hier hat eindeutig jemand nicht die Hausaufgaben gemacht. Und das hat man einfach gemerkt. Auch wenn ich eine Hobbyhistorikerin bin, so habe ich nicht von allen Epochen und von allen Feinheiten Ahnung. Aber wenn ich schon was bemerke, dann sollte man sich durchaus Gedanken machen.

Du hast Deine Frage konkretisiert?

Dann schaue erst einmal im Internet nach, was Du dort alles findest. Du kannst erst bei Wikipedia vorbeischauen. Zwar sind die Informationen dort immer mit Vorsicht zu genießen (da eben alle dort schreiben dürfen, können auch falsche Informationen hinterlegt werden), aber meistens sind die Link- und Literaturtipps am Ende eines Beitrages doch sehr wertvoll.

Und nach denen suche ich in erster Linie, wenn ich mir die Beiträge dort durchlese. Als erste Orientierung und eben wegen den ganzen Tipps am Ende.

Dann suche alles zusammen, was Du benötigst, um Deine Frage im Rahmen der Szene zu beantworten. Schreib Dir erst einmal die ganzen Informationen auf, die Du hast und die Du eben benötigst. Es kann als Auflistung der wichtigen Punkte sein oder als Essay. Je nachdem, was Dir mehr liegt.

Wenn Du damit fertig bist, das kann je nach Umfang mal schneller und mal langsamer gehen, kannst Du den nächsten Schritt angehen.

Notiere Dir immer die Quellen

Egal woher Du Deine Informationen herholst, ich empfehle Dir dringend, immer die Quellen zu notieren. Bei einer Internetseite ist das der Link und wann Du die Seite aufgesucht hast. Benutzt Du Scrivener, kannst Du dort auch die Datei der Internetseite einfügen.

Bei Büchern hingegen notiere Dir Titel, Autorin bzw. Autor, das Jahr der Erscheinung und den Verlag sowie die Seite, woher Du Deine Informationen herhast.

Eventuell nimmst Du auch eine Bewertung der einzelnen Quellen vor, die Du gefunden hast.

Und warum der ganze Aufwand, wenn Du doch schon alles zusammengetragen hast?

In erster Linie interessiert es aller Wahrscheinlichkeit Deine Leserinnen und Leser nicht, woher Du Deine Informationen herhast. Hauptsache sie sind richtig. Du kannst sie natürlich auf Deiner Internetseite zur Verfügung stellen. Aber das ist kein Muss.

Es geht eher darum, dass Du so Deine Quellen eher wiederfindest, wenn Du sie noch einmal brauchst. Nehmen wir mal an, Du hast ein tolles Buch in der Bibliothek gefunden, dass sich um Kutschen des 18ten Jahrhundert dreht. Dort steht wirklich alles, was Du Dir nur vorstellen kannst. Und Du kannst hervorragend damit arbeiten.

Jetzt ist es so, dass Du das Buch nicht unbedingt kaufen musst, es ist ja in der Bibliothek zu finden. Aber in einem oder zwei Jahren kann es sein, dass Du Dich nicht mehr an den Titel erinnerst. Doch Du hättest es gerne, weil Du eine weiterführende Information brauchst, die Du jetzt nicht recherchiert hast. Natürlich kannst Du zu den netten Leuten der Bibliothek hingehen und fragen, ob sie Dir weiterhelfen. Oder Du schaust in Deine Unterlagen und hast sofort alles parat.

Übersichtskarten herstellen

Dafür eignen sich durchaus große Karteikarten. Denn die kannst Du jederzeit mitnehmen, wenn Du mal in einen Buchladen gehst oder in die Bibliothek.

Auf der Vorderseite schreibst Du alle wichtigen Daten wie:

  • Titel
  • Untertitel (sofern vorhanden)
  • Autorin bzw. Autor
  • Verlag
  • ISBN-Nummer
  • Ort wo Du es gefunden hast (Bibliothek oder in Deinem Bücherregal)

Mein Tipp: Wenn Du ein Buch in Deinem Karteikartensystem aufnimmst, dann notiere vorne mit Bleistift, dass es dort gelandet ist. Gerade wenn Du Bücher verkaufst oder verschenkst und ein solches Buch dabei ist, kann es zu Frustrationen führen, wenn Du es dann irgendwann mal nicht wiederfindest.

Bei Internetseiten sind Karteikarten eher schwerer anzulegen. Denn wie willst Du denn die ellenlange URL aufschreiben? Da ist eine Datei durchaus gut. Bei kurzen Adressen hingegen würde ich trotzdem empfehlen, auf die Karteikarte zurückzugreifen. Schreibe dort ruhig Folgendes auf:

  • Titel der Seite (sofern vorhanden, nicht alle benennen ihre Seiten)
  • URL (also die Internetseite)
  • Datum, wann Du die Seite besucht hast
  • Eventuell die Unterseite (gerade bei komplizierten Seiten)

Gerade das Datum, wann Du die Seite besucht hast, kann wichtig sein. Denn auch SeitenbetreiberInnen ändern die Informationen auf ihren Internetseiten. Und wenn Du weißt, wann das letzte Mal die Seite ein Update erfuhr, kannst Du eher nachvollziehen, seit wann Deine Informationen veraltet sind.

Einarbeitung der Informationen

Die Einarbeitung Deiner Ergebnisse ist durchaus mit ein wenig Fingerspitzengefühl vorzunehmen. Einerseits willst Du die Informationen Deinen Leserinnen und Leser gut präsentieren, damit sie auch etwas lernen. Andererseits, zumindest gehe ich davon aus, dass Du es ebenso möchtest, willst Du nicht OberlehrerInnenhaft wirken und vor allem, die Informationen sollen nicht deplatziert wirken.

Daher solltest Du diese Dinge quasi nebenbei einfließen lassen. Sicherlich hast Du schon einige Bücher gelesen, wo Rechercheergebnisse in dem Text eingeflossen sind. Schau Dir diese Szenen an und vor allem, wie es die Autorinnen und Autoren dort gemacht haben. Besonders, wenn es nicht aufgesetzt wirkt, sondern sich alles harmonisch im Text einfügt.

Du kannst auch gerne vorab üben. Schnapp Dir irgendwelche Daten zu einer Königin oder einem Fürsten und schreibe daraus eine Szene. Dann siehst Du, wie man die Szene und die Information jongliert, sodass am Ende alles zusammenpasst.

Ich finde partout nichts!!!

Es passiert manchmal, dass man sich einen regelrechten Wolf sucht, aber nichts Gescheites findet. Das kann besonders dann passieren, wenn Du Exoten suchst. In solchen Fällen gibt es drei Möglichkeiten, wie Du weiter machen kannst.

  • Frage im Internet herum.
    Häufig findest Du dort Leute, die sich mit dem Thema beschäftigt haben und auskennen. Sie können Dir sicherlich helfen.
  • Frage Expertinnen bzw. Experten.
    Selbst für die kuriosesten Dinge gibt es sie.
  • Du lässt das Thema fallen.
    Frage Dich also, ob Du es wirklich brauchst oder ob Du die gestellte Frage nicht elegant umgehen kannst.

Manchmal reicht es aber auch aus, wenn Du das Thema erst einmal beiseitelegst und ein anderes Mal darauf zurückkommst. Mit einem frischen Kopf sucht es sich häufig leichter.

Kuriose Infos

Manche Leserinnen und Leser lieben sie. Kuriose Informationen, die man sich nur deswegen merkt, weil sie halt kurios sind. Leider habe ich spontan kein Beispiel dafür. Aber sicherlich kannst Du Dir darunter das Entsprechende vorstellen. Solltest Du da was finden, ich kann Dir nur empfehlen, bau sie an der richtigen Stelle ein. Mit richtig meine ich unter anderem auch, dass alles dann wirklich am Ende zusammenpassen sollte. Und nicht einfach etwas einfügst, weil es kurios ist.

Abschlussgedanken

Recherche betreiben und die Informationen in Deine Geschichte einfügen, das ist durchaus eine Herausforderung. Nächstes Jahr werde ich Dir von meinen Bemühungen zu dem Thema dann schreiben. Denn ich habe das jetzt auch vor mir.

Am besten behältst Du alles, was Du Dir erarbeitet hast. Seien es die Karteikarten und vor allem die ganzen Informationen dazu. Gerade wenn Du häufiger in einem Genre schreibst, können diese dann immer und immer wieder verwendet werden. Und ansonsten kannst Du sie auch weiterreichen.

Wie hältst Du es oder wie willst Du es mit Deinen Recherchen halten? Ich freue mich von Dir und Deinen Vorschlägen, Ratschlägen und Tipps zu lesen.
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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