[Advent 2015] 11 Gründe, warum Du Kurzgeschichten schreiben solltest

Hei, hallo und herzlich willkommen,

während des Advents in diesem Jahr habe ich Dir eine Menge Beiträge zum Thema Kurzgeschichte geschrieben. Jetzt wirst Du Dich vielleicht fragen, warum Du Dich bitte schön mit diesem Thema beschäftigen sollst? Immerhin willst Du Romane schreiben und nicht Deine Zeit mit einer Kurzgeschichte verschwenden. Ich habe daher Dir ein paar Gründe zusammengetragen, warum Du Dich doch mit diesem Thema beschäftigen solltest.

Kurze Vorgedanken

Eine Kurzgeschichte hat unterschiedliche Längen. Das können 5.000 Wörter sein oder auch 10.000 Zeichen mit Leerzeichen. Wenn Du an einer Ausschreibung teilnimmst, entscheidet der Verlag über die Länge. Ansonsten kannst Du Dich an diese orientieren oder an die Länge Deiner Lieblingskurzgeschichte in einer Anthologie.

Aufgrund dieser Kürze bist Du gezwungen, ökonomisch zu arbeiten. Und ja, ich gebe es gerne zu, mir fällt es nicht immer leicht. Manchmal habe ich durchaus das Bedürfnis lange und epische Texte zu schreiben. Jedoch ist es nicht der Sinn einer Kurzgeschichte. Doch warum sollte ich oder Du Dir den Stress antun und überhaupt eine zu schreiben?

1. Du kannst im Kleinen Form und Struktur erlernen

Eine Kurzgeschichte ist nicht mit einer Novelle oder gar mit einem Roman zu vergleichen. Das ist klar. Aber trotzdem enthält eine Kurzgeschichte wichtige Elemente, die man auch bei den anderen Geschichtsformen findet. Unter anderem auch Beginn, Mittelteil und Ende.

Du kannst somit lernen, wie man am besten in eine Geschichte einsteigt, wie man zum Höhepunkt kommt und auch, wie man eine Geschichte abschließt. Weiterhin auch, wie Du Informationen mitteilst, ohne Deine Leserinnen und Leser zu überladen. Dazu gehören Informationen zu den einzelnen Charakteren, Hintergrundinformationen oder auch Informationen über die komplette Welt.

Mit der Kurzgeschichte kannst Du lernen, wie Du mit den Charakteren umgehst, wie Du eine Geschichte aufbaust und Dich auf das Wesentliche konzentrierst und wie Du auf wenigen Seiten Spannung aufbaust, sodass Deine Leserinnen und Leser mehr wollen.

2. Du kannst mit Plotbesonderheiten experimentieren

Es gibt verschiedene Formen, wie Du eine Geschichte aufbauen kannst. Wenn Du alle Formen anhand eines Romans ausprobieren wolltest, würdest Du ein halbes Leben allein damit verbringen. Daher lohnen sich Kurzgeschichten, damit Du dort üben kannst.

Im Laufe der Geschichte gab es verschiedene Möglichkeiten, um eine Kurzgeschichte einzuleiten und diese zu beenden. Mal wurde am Ende wichtige Informationen gegeben, um das Verständnis für die Geschichte auf eine andere Ebene zu bringen. Und dann wurde auch mal eine Kurzgeschichte quasi mittendrin beendet und wir Leserinnen und Leser werden in der Luft gelassen, wie es nun weitergeht.

Solltest Du mal eine interessante Methode entdecken, sei es in einem Schreibratgeber oder in einer Geschichte, wie man eine Szene schreiben kann, musst Du nicht warten, bis Du in Deinem aktuellen Roman diese Methode verwenden kannst. Schreib einfach eine Kurzgeschichte und übe damit.

3. Du kannst leichter Deine Lieblinge töten

Sicherlich hast Du schon mal den Spruch „kill your darlings“ gelesen oder gehört. Dieser Spruch stammt von den beiden Autoren Arthur Quiller-Crouch und William Faulkner. Damit ist nicht zwangsläufig gemeint, dass Du Deine Figuren töten sollst. Sondern Du sollst Deine Geschichte überarbeiten und auch Sätze, Absätze und ganze Szenen löschen.

In Romanen verzeiht man eher unnötige Längen, solange es nicht übertrieben wird. Denn man mag schon mal gerne einige Absätze über die Umgebung lesen oder über die Charaktere. Gerne kann auch mal ein wenig mehr Wissen vermittelt werden. Das alles ist in Romanen möglich, weil man irgendwie ja vierhundert oder mehr Seiten füllen soll.

Kurzgeschichten hingegen müssen auf den Punkt gebracht werden. Das bedeutet also, keine unnötigen Längen, kein blabla. Komm zum Punkt und erzähle mir dann Hintergrundinformationen, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Du kannst also lernen, wie man auf den Punkt kommt. Und vor allem auch, wie man auf den Punkt kommt. Denn das ist durchaus eine Kunst für sich. Beherrschst Du dies dann in Deinen Kurzgeschichten, kannst Du diese Technik auch auf Deine Romane übertragen.

4. Du kannst Deinen Charakter klar und bündig darstellen

Sehr häufig findest Du in Romanen Charakterbeschreibungen, die einfach nur elendiglich lang sind, nichtssagend, aus Rückblenden bestehen oder wo man das Gefühl hat, die Autorin oder der Autor setzt sich hin und liest Dir aus den Unterlagen vor. So bekommt man kein Gefühl für die Charaktere. Und vor allem gelingt es dann nicht, mit ihnen zu leben und zu leiden. Immerhin sollen wir ja gute dreihundert und mehr Seiten an ihrer Seite ihre Abenteuer erleben. Da muss also eine gute Charakterbeschreibung her.

Das sind aber Punkte, die man eventuell noch in einem Roman verzeihen kann. Aber in einer Kurzgeschichte hast Du kein Platz dafür. Das bedeutet also, Du musst Dir eine andere Methode überlegen, wie Du das hinbekommst, die Charaktere kurz und bündig vorzustellen, sodass ich als Leserin ein Bild von denen bekomme und zugleich keine unnötigen Beschreibungen folgen.

Daher kannst Du lernen, wie man einen Charakter bündig vorstellt und das mit wenigen Worten. Am Ende entsteht dann ein komplexes Bild von Deiner Figur, mit denen wir dann, im Idealfall die nächsten Seiten folgen und wir mit der Figur leben und leiden.

5. Du kannst lernen, wie man gute Stimmen gibt

Im Idealfall hat jeder Charakter eine eigene Stimme. Sowohl, wenn sie spricht, als auch, wenn sie handelt und agiert. Wenn ein Charakter auftritt, dann ist es gut, dass man sie anhand der ersten Sätze erkennt. Denn jede Figur hat eine eigene Stimme. Doch das muss man üben, üben und nochmals üben.

Daher kannst Du jeder Deiner Figuren eine eigene Stimme geben, damit man erkennt, mit wem man es zu tun hat. Denn jede Figur denkt auf ihre eigene Art und Weise. Und zwei Figuren würden niemals die exakt gleichen Gedanken zu einer Situation oder Person haben. Noch nicht einmal Zwillinge. Aus diesem Grund kannst Du mit den Kurzgeschichten üben, wie man das am besten darstellt.

6. Du kannst Grundlagenarbeit für Deine Romane leisten

Ich erwähnte bereits die Idee, dass man mithilfe der Kurzgeschichte den kompletten Roman plotten kann. Du musst Dich dabei nur auf den Hauptfaden konzentrieren, der sich komplett durch Deinen Roman zieht.

Wenn Du also möchtest, kann jedes große Thema in Deinem Roman erst einmal in einer Kurzgeschichte aufgearbeitet werden. Und wenn Du Dir sicher bist, dass die Idee gut ist, kannst Du sie danach in Deiner Plotarbeit einfließen lassen. Wenn nicht, verschwendest Du nicht so viel Zeit mit der Plotarbeit, sondern kannst dann überlegen, was Du da besser machen kannst. Denn Du hast einen literarischen Text in der Hand, der mehr aussagt, als die Idee, die dahinter steckt.

7. Du kannst Dein Schreibstil verbessern

Jeder Text, jede Szene, jede Kurzgeschichte, die Du schreibst, verbessert Dein Schreibstil. Denn jede Geschichte ist eine Schreibübung. Nur im Gegensatz zu einer Schreibübung, die eventuell etwas abstrakt ist, hast Du hier am Ende auch noch etwas Konkretes in der Hand. Eine ganz kleine Novelle (ja, ich habe oben geschrieben, dass Kurzgeschichten mit Novellen oder Romanen nichts zu tun haben, das Gefühl sagt etwas anderes).

Du wirst also immer besser und immer geschickter darin werden, Szenen, Orte oder Landschaften zu beschreiben. Zielsicherer und gekonnter, als noch am Anfang.

8. Du kannst die Veränderungen in Deinem Schreibstil verfolgen

Theoretisch kannst Du innerhalb eines Jahres 52 Kurzgeschichten schreiben. Wenn Du dann die Geschichten miteinander vergleichst, also eine Geschichte vom Anfang des Jahres und dann vom Ende des Jahres, wirst Du aller Wahrscheinlichkeit eine Steigerung Deines Schreibstils entdecken. Wenn Du fleißig dabei bist, kann es eigentlich nicht anders sein, als dass Du Dich immer weiter verbesserst.

9. Du kannst verschiedene Erzähltechniken verwenden

Sicherlich hast Du schon mal von der Du-Erzählperspektive gehört. Oder das eine Geschichte niemals dort anfangen soll, wo eine Figur aus einem Traum erwacht. Am besten noch ein Albtraum. Doch seien wir mal ganz ehrlich, gerne würden wir mal diese ganzen Techniken oder auch Fehler einmal anwenden. Einfach mal, um zu sehen, wie es ist, wenn unsere Hauptfigur aus einem Traum erwacht. Was soll schon daran so schwierig sein?

Du kommst mit der Kurzgeschichte schneller zur Lösung, ob sich die von Dir gewählte Technik überhaupt lohnt oder Du damit klarkommst.

10. Du kannst verschiedene Erzählperspektiven einnehmen

Wenn Du mindestens zwei Figuren hast, die in Deiner Geschichte auftauchen sollen, kannst Du üben, wie man am besten zwischen den beiden Perspektiven hin- und herwechselt. Es gibt zum Beispiel die eiserne Regel, dass man innerhalb einer Szene nicht die Perspektive wechseln soll. Probiere es einfach aus und sieh, wie es Dir gelingt und gefällt.

Es gibt aber auch die Möglichkeit zwischen dem Ich und der Sie- bzw. Er-Perspektive zu wechseln. Auch das kannst Du testen, ohne danach einen ganzen Roman umzuschreiben, weil Dir diese Perspektive am Ende doch nicht so gut gefällt.

11. Du kannst lernen, wie man Spannung aufbaut

Egal was für eine Geschichte Du schreibst, ohne Spannung wirst Du kaum Leserinnen und Leser finden. Doch da hapert es bei vielen, weil sie nicht wissen, wie sie an diese Spannung herankommen können. In der Kurzgeschichte kannst Du sehen, welche Elemente sich lohnen, um die Spannung aufzubauen und welche hingegen nicht. Und, wie oben schon beschrieben, kannst Du sehen, welcher Spannungsbogen sich für Deinen Roman eignet.

Abschlussworte

Du siehst, es gibt sehr gute Gründe, warum Du Dich durchaus mit dem Thema Kurzgeschichte beschäftigen solltest. Natürlich frisst auch eine Kurzgeschichte Deine Schreibzeit. Das will ich auf keinen Fall kleinreden. Dem ist halt so. Aber es ist nun einmal halt so, dass Du eine Menge gewinnst. Deine Schreibfertigkeiten werden dadurch wachsen, Du wirst lernen, worauf es in Deinem Roman ankommt und zudem, kannst Du auch eine Menge Zeit beim Plotten Deines aktuellen Projektes sparen.

Daher empfehle ich Dir ganz klar, setz Dich hin, überlege Dir eine maximale Zeichenanzahl für Dein Projekt (am Anfang kann dies ein wenig großzügiger ausfallen, doch nach und nach kannst Du die Zeichenanzahl auch reduzieren) und leg los.

Dabei wünsche ich Dir viel Energie und Erfolg.
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Ich freue mich auf Dich 🙂

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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