Warum schreibe ich eigentlich?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es gibt Dinge, die tut man in seinem Leben, ohne diese zu hinterfragen. Daher ist es manchmal gut, wenn man sich hinsetzt und darüber nachdenkt oder von anderen darauf hingewiesen wird.

Vorgedanken

Florian Eckardt von Tinte und Schwert hat die Frage gestellt, warum Schriftstellerinnen und Schriftsteller überhaupt schreiben. Auch wenn ich die Antwort im Blut habe, ehrlich gesagt, so richtig Gedanken habe ich mir darüber noch nicht gemacht. Das soll sich heute ändern.

Ich schreibe … weil ich nicht anders kann

Vor gut einem Jahr habe ich beschlossen, was soll das alles, ich höre mit dem Schreiben auf. Das waren die schlimmsten zwei Minuten meines Lebens. Nicht lachen, solange konnte ich die Entscheidung aufrechterhalten.

Es war schon immer so, dass ich geschrieben habe. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich als ganz kleines Mädchen mir mal einen Briefblock gekauft habe und meinen ersten Roman darauf schrieb. Der war fürchterlich und enthielt kein Plot und ich habe ihn nicht zu Ende geschafft. Aber ich habe jeden Tag mich an meinem Block gesetzt, geschrieben und war unheimlich stolz, wenn ich eine Seite vollgeschrieben habe.

Damals habe ich nichts von Plots oder Charakterarbeit gehört. Aber ich wollte schon immer schreiben. Und immer wieder habe ich an Geschichten gearbeitet, die mich fesselten, aber fallen lassen musste, weil ich halt noch nichts von der Grundarbeit verstand. Damit beschäftige ich mich erst seit den letzten Jahren und ich gestehe, da merkt man ein Unterschied.

Es gab dann eine Zeit, wo ich über mich selbst sehr frustriert war. Es funktionierte nichts so, wie ich es mir vorstellte und wie ich es mir wünschte. Damals lief es mit der Arbeit mies und auch das Schreiben entwickelte sich nicht so, wie ich es wollte. Daher hatte ich mir dann Gedanken gemacht, was wäre, wenn ich das Ganze beende und nie wieder eine Geschichte schreibe.

Als ich diesen Entschluss gefasst habe, stieg ein innerliches Unwohlsein in mir auf. Ich fühlte mich krank und schwach und matt und völlig erschöpft und noch einiges mehr. Da kamen auf einmal so viele negative Gefühle in mir hoch, dass ich den Gedanken den Gnadenschuss gab. Egal wie sich meine schriftstellerische Zukunft entwickelt, aber das tue ich mir nicht noch einmal an.

Ohne Schreiben bin ich nicht ganz.

Ich schreibe … weil es mein erster Berufswunsch war

Bevor ich wusste, dass man arbeiten musste um Geld zu verdienen, hatte ich zwei Berufswünsche: Archäologin und Autorin.

Als Kind interessierte ich mich besonders für Ägypten und wollte eigentlich Archäologin werden. Und all das, was ich dann erforsche, wollte ich in Büchern zusammenfassen und veröffentlichen. Sowie natürlich fantastische Geschichten erfinden und schreiben.

In meiner Grundschulzeit war es so, dass wir zum Berufsinformationszentrum gegangen sind (gibt es das heute eigentlich noch?) und uns über unsere Wunschberufe informieren konnten. Natürlich habe ich mich auf den Beruf der Archäologin gestürzt und gesehen, wie viele Sprachen man dafür lernen sollte. Leider dachte ich damals, dass ich das sofort können muss, und beerdigte meinen Traum, bevor er richtig Gestalt angenommen hatte. Und damals fing mich niemand auf, sodass er auch nicht mehr wiederbelebt werden konnte.

Doch ich wollte mich über die Jahre nicht ganz geschlagen geben. Denn Archäologin zu sein bedeutet zu graben. Nicht nur in der Erde, sondern auch in Büchern oder in den Seelen der Menschen. Also wollte ich mein Interesse für Geschichte (diese Leidenschaft habe ich noch heute) dafür nutzen, um das gesammelte Wissen in meinen Geschichten einzubauen.

Denn meinen zweiten Traumberuf, Autorin bzw. Schriftstellerin werden, habe ich über die Jahre nie aufgegeben. Auch wenn ich vielleicht niemals von dieser Arbeit vollständig leben kann, so will ich diesen Traum auf keinen Fall beerdigen. Und aus diesem Grund halte ich daran fest. Eines Tages werde ich meine Romane veröffentlichen und in Seelen graben.

Ich schreibe … wegen der kleinen Hexe

Die kleine Hexe von Otfried Preußler war das erste Buch, was ich ganz alleine gelesen habe. Ich kann mich noch heute sehr genau daran erinnern, dass es auch das erste Buch war, dass ich abgeschrieben habe. Denn ich wollte ja das Buch immer und immer wieder lesen. Da es aber ausgeliehen war, ging das ja nicht. Also war es ja logisch für mich (Kinderlogik wohlgemerkt), dass ich es abschreiben wollte. Nur komischerweise konnte ich das Buch schneller lesen, als abschreiben. Damals habe ich den Zusammenhang noch nicht genau verstanden (wie geschrieben, Kinderlogik). Jetzt kannst Du sicherlich vermuten, wie jung ich damals gewesen war.

Damals erwus durch den Roman und durch die Geschichte, dass ich den Roman abschreiben wollte, langsam aber sicher der Wunsch, selbst solche Geschichten zu erfinden. Ich wusste noch nicht, wie ich da überhaupt herangehen sollte (also das mit dem Plot und den Charakteren), aber ich war auch noch ganz klein, ich durfte damals also durchaus naiv sein.

Aber scheinbar ist dieses „Ich kann nicht ohne Schreiben sein“ mir wirklich in die Wiege gelegt. Denn schon als kleines Kind liebte ich Romane und ich wollte selbst welche erfinden. Aber die Geschichte zeigt auch, dass ich Geschichten von anderen Autorinnen und Autoren liebe und dementsprechend erklärt sich meine heutige Bibliothek.

Ich schreibe … um etwas zu hinterlassen

Es wäre sicherlich gelogen, wenn man nicht schreibt, um etwas zu hinterlassen. Die Zeiten der ewigen Literatur mögen vorbei sein. Aber immerhin muss man ein Pflichtexemplar abgeben, wenn man einen Roman veröffentlicht hat. Und wenn man es so will, ist man mit dieser Abgabe unsterblich.

Aber sicherlich möchte man zumindest versuchen, mit den eigenen Geschichten im Leben der Leserinnen und Leser einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Wenn sie Bücher aussortieren, um Platz in den Regalen zu schaffen, so möchte man, dass die eigenen Werke dort ihren festen Platz haben. Man möchte sie also berühren, direkt im Herzen.

Letztens habe ich gelesen, dass eine Autorin von einer Mutter eine E-Mail bekommen hat, dass ihr inzwischen erwachsenes Kind viele Kinderbücher aussortierte. Nur nicht die Bücher dieser Autorin. Denn diese haben das Leben des Kindes entscheidend mitgeprägt. Was kann es für ein schöneres Kompliment als solch eine Mail geben? Ich kenne keines.

Und wenn ich das mit einer meiner Geschichten schaffen könnte, was gäbe es Schöneres? Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit nicht riesig, dass es klappt. Aber wenn ich es erst gar nicht versuche, dann werde ich nicht herausfinden, ob ich nicht doch jemanden berühren könnte.

Ich schreibe … für mich

Diesen Satz wirst Du sicherlich von vielen Schriftstellerinnen und Schriftsteller hören. Daher möchte ich das ausführen, wie ich das für mich meine.

Fakt ist, wir leben nicht ewig. Eines Tages werden wir alt sein und viel Zeit haben, was wir in unserem Leben erreicht haben und was wir eigentlich erreicht haben wollen. Und wenn ich diese Rückschau gestalte, dann will ich mir selbst nicht vorwerfen, dass ich mich nicht getraut habe, den einen Schritt zu gehen. Den einen Schritt und meine Geschichten an die Öffentlichkeit getragen zu haben.

Ich möchte eines Tages zu mir selbst sagen können, auch wenn mein Leben nicht perfekt war, ich habe es geliebt und kann in Ruhe abtreten. Und aus diesem Grund ist es mir wichtig, dass ich versuche, mein Leben so zu leben, dass ich damit zufrieden kann.

Ich schreibe … Abschlussgedanken

Das ist ein sehr persönlicher Beitrag. Es tut aber durchaus mal gut, die Richtung des Kompasses zu überprüfen und auszurichten. Denn nur so kann man überprüfen, ob man auf dem richtigen Weg ist, oder ob man an einer Weggabelung falsch abgebogen ist.

Daher lade ich Dich ein, Dir selbst diese Frage zu stellen. Ich freue mich auf Deine Antwort.
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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11 Antworten zu Warum schreibe ich eigentlich?

  1. Gott schreibt:

    Hey, bin gerade über deinen Artikel gestolpert und bei mir war es fast dasselbe. Ich war im Berufsinformationszentrum und wollte Ärcheologe (auch Ägypten) oder Autor werden. 🙂 Wurde ich dann beides nicht. Das Schreiben wollte ich dann auch mal aufgeben, aber konnte es nicht… Und jetzt schreibe ich… weil ich schreiben will und es mir Freude bereitet. Ist doch schön, wenn man merkt, dass es anderen Leuten ähnlich ergeht und man nicht alleine ist. 🙂

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    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Hallo Matthias,

      vielen Dank für Deine Antwort. Und wie ich lese, ein Seelenverwandter 🙂

      Das mit der Archäologie habe ich leider aufgegeben, was ich ja jetzt ein wenig bereue. Wenigstens Geschichte hätte ich studieren können. Aber gut, das kann ich erst einmal nicht ändern. Mal sehen was die Zukunft bringt. Aber schreiben ist auf alle Fälle etwas, was ich niemals aufgeben will.

      Wer weiß was da die Zukunft für mich und für Dich bringt 🙂

      LG
      Carola

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  2. Yannick Signard schreibt:

    Ein sehr schöner Beitrag. Viele Dinge kenne ich – bis auf das ich noch nie ein kleines Mädchen war in meinem Leben 😀 – selber ganz gut.

    Das wichtigste ist doch, dass man Spaß daran hat, zu schreiben. Auch wenn das nicht jeder verstehen kann. Andere sammeln Briefmarken (gähn) oder gehen an die frische Luft (Arg, Sonne!!!) oder machen irgend etwas anderes, was man wirklich mögen muss und gut finden muss, damit man es… nun ja… gut findet.

    Schreiben ist auch so ein Drang. Der ist da. Der geht nicht weg. Auch wenn man mal zweifelt und nicht voran kommt. Man kann einfach den Gedanken daran nie wirklich fallen lassen.

    Liebe Grüße

    Yannick

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    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Hallo Yannick,

      vielen Dank für Dein Kommentar. Den kann ich so unterschreiben. Es ist in der Tat ein Drang. Immer wenn ich nicht schreibe, fühle ich mich nicht ganz, nicht vollständig. Und das finde ich überhaupt nicht gut 😉 Und wie oft habe ich schon an mir gezweifelt, ob ich jemals einen Roman fertig schreiben kann oder ob das jemals gut wird. Aber irgendwie muss man darüber stehen und weiter machen. Erst dann findet man das alles raus.

      lg
      carola

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  3. Pingback: Warum ich schreibe – Yannick Signard

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