Wie Du es schaffst Dein Interesse an Deiner Geschichte zu behalten

Hei, hallo und herzlich willkommen,

sicherlich kennst Du es, Du liebst Deine Geschichte heiß und innig, wenn Du gerade an ihr arbeitest. Und irgendwann, puff, ist diese heiße und innige Liebe weg. Darum geht es in dem heutigen Beitrag.

Vorgedanken

Ich weiß nicht, wie es Dir so geht, aber mir ist das schon öfters passiert. Ich hatte die absolut tollste Idee der Welt für meinen Roman und arbeite leidenschaftlich an ihr, an dem Plot, an den Charakteren und schreibe dann. Und irgendwann denke ich mir, warum fand ich diese Idee noch mal so toll? Dann kommen die Plotbunnys vorbei und locken mich zu einer anderen Geschichte. Und schlimmstenfalls fängt alles wieder von vorne an.

Das ist kein schönes Problem, aber durchaus ein Problem, mit dem Du nicht alleine da stehst. Es gibt genügend Leute da draußen, die mit Dir dieses Schicksal teilen. Und letztendlich haben sie alle ihre eigene Methode, um damit umzugehen und die Liebe und die Leidenschaft zu ihrer Geschichte entweder frisch zu halten oder wieder neu aufleben zu lassen.

Mein Baby, also meine absolute Lieblingsgeschichte, habe ich regelrecht kaputt gearbeitet. Denn ich habe über mehrere Jahre an der Geschichte gearbeitet und dazu Dutzende von Kursen besucht. Trotzdem sind die Charaktere so dermaßen faszinierend, dass ich den Roman schreiben will. Nur mit der Geschichte hapert es noch ein wenig.

Was passiert da eigentlich?

Warum also verlieren wir eigentlich die Liebe zu unserer Geschichte? Immerhin dachten wir zu Anfang, dass sie so genial ist, so neu, dass sie eine völlig neue Perspektive auf die Welt ermöglicht. Und dann ist auf einmal alles weg und wir sehen uns nach dieser heißen und innigen Liebe zurück, die wir am Anfang für unsere Geschichte hatten.

Das ist nichts Ungewöhnliches. Denn irgendwann ist uns diese Geschichte so dermaßen vertraut, dass sie uns nicht mehr überraschen kann. Selbst wenn Du den spannendsten Krimi der Welt schreiben solltest, irgendwann kennst Du alle Figuren, alle Plotttwists und alle Gemeinheiten, die Du Deinen Charakteren widmen möchtest, so dermaßen in und auswendig, dass Dich nichts mehr überraschen kann. Und dadurch stellt sich eine gewisse Gewohnheit ein und es wirkt so, als hättest Du Deine heiße Leidenschaft verloren.

Es ist wie mit der Liebe zu Deiner Partnerin oder Partner. Irgendwann kennst Du so gut wie alle Marotten, die Deine bessere Hälfte hat und eigentlich kann euch beide nichts mehr überraschen. Aber sicherlich würdest Du jetzt nicht sagen, ach Schatz, ich hatte Dich mal lieb, aber da ist nichts mehr, ich suche mir jemand Neues. Ihr beide würdet (hoffentlich) an der Beziehung arbeiten und frischen Wind reinbringen.

Du und Deine Geschichte

Dein Part bei Deinem Roman ist, erinnere Dich, was Dich am Anfang so fasziniert hat. Vielleicht schreibst Du auch in Deinem Tagebuch (was ich Dir sehr empfehlen kann) und erforschst Deine Gefühle im Hinblick auf Deine Geschichte. Was war also das Besondere an Deinem Roman, was war so neu an Deinen Charakteren, an der Idee, am Konzept? Schreib alles auf, was Dich damals fasziniert hat und gehe Deiner damaligen Leidenschaft noch einmal so richtig auf den Grund.

Sehr häufig macht dieser erste Schritt einen gewaltigen Unterschied zu dem, was Du jetzt fühlst. Bei mir ist es ein Charakter, die ich unbedingt in meinem Roman sehen will. Wie soll ich schreiben, ich liebe sie einfach. Bestimmt ist sie jetzt nicht die originellste Figur, die es gibt. Aber sie ist für mich einfach frech, leidenschaftlich, klug und etwas ganz Besonderes. Und daher hält diese Liebe schon so lange an, dass es schon verrückt ist, wie sehr ich mich doch danach verzehre, endlich die Geschichte zu schreiben.

Auch die anderen Figuren und das Konzept der Welt sagen mir zu. Daher will ich sie weiter erforschen und herausfinden, was ich noch alles mit dieser Geschichte anstellen kann.

Deine emotionale Verbindung

Es ist durchaus wichtig, dass Du eine emotionale Verbindung zu Deinem Roman aufbaust, und vor allem, dass Du diese hältst. Wenn Du Dir immer bewusst bist, warum Du diese Geschichte eigentlich liebst, wird es Dir leichter fallen, auch wirklich dran zu bleiben.

Es gibt aber auch ein paar Tricks, wie Du eine emotionale Verbindung zu Deiner Geschichte aufbauen kannst.

Deine Heldin bzw. Dein Held – Eine Investition in Deine Geschichte

Deine Heldin oder Dein Held ist die Figur, mit der Du die meiste Zeit verbringst. Nicht nur in der Geschichte, sondern auch noch in Deinem Kopf. Bei mir ist es selten, dass ich mich mit meinen Antagonistinnen oder dem Bösen schlechthin beschäftige. Natürlich mache ich mir über sie Gedanken. Aber immer wieder kehrt mein ganzes Denken und Sein zu meiner Heldin oder zu meinem Helden zurück. Immerhin verbringe ich durchaus eine längere Zeit mit denen. Daher sollten sie auch durchaus interessant sein.

Daher solltest Du durchaus Energie in Deine Heldin stecken und herausfinden, was sie eigentlich wirklich will. Hast Du eher einen zweidimensionalen Charakter, wird es Zeit, dass Du Dich ihr noch einmal ordentlich widmest. Wer ist sie, was will sie, wohin geht sie, woher kommt sie, einfach alles, was wichtig sein kann.

Wenn Du der Meinung bist, dass Deine Charakterarbeit gut ist, dann schau Dir ihr Problem an. Mit was für einem Problem muss sich Deine Heldin herumschlagen? Welches muss sie überwinden, um auf der letzten Seite Deines Romans einen Seufzer der Erleichterung auszustoßen? Wenn Du dieses Problem konkretisieren kannst, hast Du es schon einmal leichter den weiteren Weg zu folgen.

Hast Du diese beiden Punkte zusammengefasst, schau Dir noch an, wie sich Dein Charakter über die komplette Geschichte entwickelt. Von einem Mäuschen zu einem Adler zum Beispiel. Oder von einem Großmaul zu einem Samariter wäre auch eine Möglichkeit. Der Charakterbogen soll zeigen, wie sehr die Geschichte Deine Figur ändert. Tut sie es nicht, solltest Du genau überprüfen, was hier fehlerhaft ist.

Welche Idee hast Du hinter der Geschichte?

Die Idee oder das Thema sollte natürlich auch genau beleuchtet werden. Wenn Du weißt, was Du mit Deiner Geschichte übermitteln möchtest, ist es natürlich leichter. Aber je weniger Du darüber weißt, desto schwerer wird es Dir fallen, diese eine Idee in Worten zu fassen.

Versuch es einmal? Was für eine Idee willst Du mit Deiner Geschichte mir als Leserin vermitteln? Es kann sein, dass Du ein umweltbezogenes Thema hast, vielleicht willst Du den Leuten auch einfach nur ein wenig Spaß gönnen (was schon fast ein Klischee ist) oder Du willst sie auf etwas anderes hinweisen.

Hast Du das Thema oder die Idee gefunden, dann schau Dich in Deiner Umwelt um. Durchforste das Internet, schau Dir entsprechende Sendungen an oder lies Artikel dazu. Was auch immer dazugehört, je mehr Du darüber weißt, desto eher wirst Du eine gewisse Leidenschaft fühlen, die wieder wach wird. Ich beschreibe das so, dass ich ein Date mit meinem Roman vorbereite. Wenn ich jemanden ausführen würde, würde ich auch genau gucken, wohin es geht und was wir dort machen können. Und das sind diese Recherchen auch. Du recherchierst nicht, Du inspirierst Dich. Und das ist durchaus wichtig.

Finde alles, was Dir möglich ist, zu Deinem Thema, zu Deinem Konzept und vielleicht findest Du ja auch etwas, was Du einbinden möchtest. Aber auch das Lesen, das Sehen und das bewusste Auseinandersetzen mit Deiner Idee reicht häufig aus, dass Du wieder Lust bekommst, weiter zu machen.

Und darum geht es uns ja hierbei.

Ließ ein paar Bücher

Sicherlich hast Du auch das eine oder andere Buch, dass Dich zu Deiner Geschichte inspiriert oder es Dir einfach Spaß gemacht hat, sie zu lesen. Greife genau zu diesen Büchern und lese sie noch einmal, beschäftige Dich mit ihnen. Was hat Dir damals Spaß gemacht und warum inspirieren Dich diese Bücher (nicht unbedingt zu Deiner aktuellen Geschichte, aber sicherlich hat dieser Roman etwas, was Dich fasziniert, darum geht es mir).

Du sollst jetzt keine Analyse schreiben, wie wir es in der Schule tun durften. Damit tötet man jeden kreativen Impuls, der auch nur ein kleines Pflänzchen ist. Das ist nicht der Sinn des erneuten Lesens.

Hol Dir die Energie fürs Schreiben aus dem Lesen spannender und toller Bücher von Autorinnen oder Autoren, die Du magst. Und wenn Du dazu ein Buch zwei oder drei Mal oder auch sieben Mal liest, ist das völlig in Ordnung. Hauptsache Du hast dabei Deinen Spaß.

Schreibe so schnell wie nur möglich die erste Fassung

Eine weitere Methode, die Liebe noch heiß zu halten ist sehr pragmatisch. Denn je schneller Du die erste Fassung schreibst, desto weniger nutzt sie sich in Deiner Leidenschaft ab. Damit ist natürlich nicht die Planung gemeint. Es geht hierbei wirklich um das reine Schreiben. Je schneller Du das schaffst, desto eher kannst Du Dich um die Überarbeitung kümmern und das Beste aus der Geschichte holen.

Für Planung und plotten kannst Du gerne Deine Zeit gebrauchen. Aber für das reine Schreiben würde ich Dir empfehlen, dass Du maximal drei Monate brauchst. Je schneller, desto besser ist das. Denn hier geht es nur noch darum, Deine Gedanken in Schriftform zu verfassen. Wenn Du beim Schreiben eine neue Idee hast, baue sie sofort ein und mache einfach weiter. Halte nicht an, sondern schreibe alles runter. Mache Dir erst danach Gedanken, wenn Du fertig bist. Du hast danach noch genügend Zeit, um alles umzuwerfen.

Abschlussgedanken

Natürlich hat jede Autorin oder jeder Autor eigene Methoden, um die Liebe zur Geschichte am Leben zu halten. Die oben aufgeführten Punkte sind eine Inspiration für Dich. Such Dir Deine Möglichkeiten zusammen, wie Du mit dieser Angelegenheit umgehst.

Und wenn es so weit ist, dass Du die Liebe zu Deiner Geschichte verlierst, greife in Deinen Werkzeugkasten und wirke dem entgegen. Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg.

Deine Geschichte – liebst Du sie noch?

Hast Du noch die Leidenschaft für Deine aktuelle Geschichte oder flaut diese schon ab? Überlege Dir, woran es bei Dir liegen kann (Du bist eine völlig andere Person als ich, also musst Du schauen, woran es bei Dir liegt und nicht woran es liegen könnte).

Schreibe in Deinem Tagebuch, was gerade in Dir so vor sich geht. Keine Wertung, kein schlechtreden oder derartiges, es geht hierbei um eine einfache Übersicht über das, was ist.

Dein Werkzeugkasten

Überlege Dir nun, welche Mittel Du verwenden willst, um Deine Geschichte zu retten. Es bringt nichts, wenn Du etwas anwendest, was Dir nicht zusagt. Nimm Dir diesen Beitrag als Inspiration. Wenn es für Dich funktioniert, dann ist es gut. Passe aber alles nach Deinen eigenen Bedürfnissen an, damit es Dir letztendlich wirklich hilft.
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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