5 Vorschläge, um bessere weibliche Charaktere zu erschaffen

Hei, hallo und herzlich willkommen,

da Frauen häufiger als Schlumpfinen und Kerzenständer enden, habe ich hier fünf Vorschläge zusammengetragen, damit Du stärkere Frauencharaktere erschaffen kannst. Wobei diese Liste definitiv nicht erschöpfend ist. Sobald mir mehr einfällt, werde ich einen weiteren Beitrag dazu schreiben.

Vorgedanken

Es gibt sie, die starke Heldin, die man ernst nehmen kann. Sowohl im Buch als auch im Film. Zwar sind sie als Titelheldin eines Filmes noch eher selten (angeblich wollen wir ja solche Filme nicht sehen, sodass sich die Produktion nicht lohnt). Aber immerhin darf sie in der zweiten Reihe eine starke Figur machen.

Aber häufig sind sie zu wenige reine Klischeebündel, die man, beim besten Willen, nicht so richtig ernst nehmen kann. Zumindest fällt es mir immer schwerer, je mehr ich mich mit dem Thema Charakterisierung und starke Figuren beschäftige.

Jetzt wirst Du vielleicht sagen, dass ich übertreibe. In so gut wie jeden Film tauchen doch Frauenfiguren auf. Warum soll man noch mehr in Filme bringen. Wobei ich behaupte, dass viele Bücher vor dem gleichen Problem stehen.

Leider ist das überhaupt nicht übertrieben. Ich habe eine Statistik gefunden, in der Dr. Martha Lauzen von „Center for the Study of Women in Television and Film“ von der Sand Diego State University. Laut dieser waren im Jahre 2014 gerade mal 12 Prozent der Protagonisten in Filmen gerade mal Frauen. 29 Prozent der Hauptcharaktere und 30 Prozent der Sprechrollen waren in den Top 100 Filmen waren entweder Frauen oder Mädchen.

Einer anderen Statistik zufolge besteht jedoch die Weltbevölkerung zu 52 Prozent aus Frauen. Wo ist da also die Relation? Und wie oben geschrieben, die Studie wurde im Jahre 2014 erstellt. Also vor zwei Jahren. In einer Zeit, wo doch alle gleichberechtigt sind und der Feminismus eigentlich überholt sei.

Vielleicht helfen die fünf folgenden Punkte dazu, zumindest in Büchern dieses Ungleichgewicht zu lösen. Sie sind zwar nicht neu, aber ab und an muss man sich diese Sachen auch einfach nur realisieren.

Vorschlag 1: Sie ist mehr als nur ihr Äußeres und Oberflächlichkeiten

Schon oft habe ich Romane gelesen, wo Frauen nur auf einige wenige Punkte reduziert wurden. Sie sahen entweder schön aus, hässlich oder hatten ein strenges Gesicht. Doch waren sie dumm oder streng oder hatten andere, eher einseitige Charakterzüge.

Bei Hauptfiguren gaben sich die Autorinnen oder Autoren noch halbwegs Mühe. Aber auch da fehlte mir einiges an Tiefe. Seit ich Romane lese, um von ihnen zu lernen, habe ich da einen weitaus sensibleren Sinn dafür. Natürlich gibt es auch oberflächlich bearbeitete Männerfiguren. Aber das wird nicht so extrem betrieben, wie bei den Frauen.

Daher erlaube Deiner weiblichen Figur mehr zu sein, als ihr Aussehen und vielleicht ein Charakterzug. Gerade, wenn sie noch eine Rolle im Roman spielt. Sie hat genauso das Recht auf Stärken und Schwächen, wie jede andere Figur auch.

Vorschlag 2: Sie darf auch lustig sein

Ich überlege gerade, wie oft ich weibliche Charaktere in Büchern getroffen habe, die ich als wirklich lustig bezeichnen konnte. Damit meine ich, dass es nicht gerade viele Szenen gab, wo ich wirklich über das gesagte oder ihr Handeln wirklich lachen konnte.

Schau Dir mal dazu die Comedyszene an. In Deutschland gibt es vielleicht zwei oder drei bekannte weibliche Comedians. Männer hingegen, die kann ich kaum noch zählen. In Filmen ist es genauso. Es gibt einige Frauen, die sehr wohl Ruhm und Ehre als lustige Darstellerinnen feiern.

Gut, Bücher haben nicht unbedingt etwas mit dieser Szene zu tun. Aber wenn ich über Szenen gelacht habe, weil sie eben lustig waren, hatte der Mann häufig die Zügel in der Hand. Selten bis gar nicht eine Frau. Als ob Frauen nicht auch lustig wären. Das kenne ich privat anders.

Erlaub Frauen ruhig in Deinem Buch, dass sie mal auf die Nase fallen, dass sie frech sind, lustig, dass sie eine Szene haben, wo (hoffentlich) Deine Leserinnen und Leser richtig lachen dürfen. Das macht durchaus sympathisch. Und warum nicht einen sympathischen Charakter haben? Frauen dürfen das auch mal sein.

Vorschlag 3: Ändere mal das Geschlecht für eine Rolle

Über den Geschlechtertausch habe ich schon einmal einen ausführlichen Beitrag geschrieben. Das ist durchaus immer eine gute Idee.

Wenn Du eine Hauptrolle für einen Mann reserviert hast. Dann nimm Dir ruhig mal die eine oder andere Minute Zeit und frage Dich, was wäre, wenn diese Position von einer Frau ausgefüllt werden würde?

Ellen Ripley aus den Alienfilmen sollte ursprünglich von einem Mann gespielt werden. Doch James Cameron entschied sich, eine Frau an diese Stelle zu setzen und damit wurde Sigourney Weaver zur beliebtesten Actionheldin. Sogar noch vor Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone (vor Jahren gab es mal dazu eine Umfrage).

Schau Dir also Deine Figuren an und überlege Dir, was wäre, wenn Du einfach mal das Geschlecht ändern würdest (das geht auch in die andere Richtung, also aus einer Frau wird ein Mann)? Wäre es immer noch eine gute Geschichte, vielleicht sogar eine bessere?

Manchmal ändert sich alles, wenn man einfach die Perspektive ändert.

Vorschlag 4: Im Zweifel, wende den Bechdel-Test an

Den Bechdel-Test hatte ich Dir in dem „Schlumpfinden und Kerzenständer“ vorgestellt und in einem eigenen Beitrag.

Drei Fragen und Du kannst sehen, ob Deine Geschichte starke Frauenfiguren hat oder nicht. Damit Du Dich nicht durch die beiden Beiträge durchwühlen musst, hier die drei Fragen in der Übersicht:

  1. Sind mindestens zwei oder mehr Frauen im Roman enthalten?
  2. Reden sie miteinander?
  3. Und reden sie über andere Themen als Männer (oder typische Männerthemen)?

Alles Weitere kannst Du aber gerne in den anderen Beiträgen lesen. Ich möchte Dich nicht mit sinnlosen Wiederholungen langweilen.

Vorschlag 5: Sie darf gerne wie ein Mensch behandelt werden

Weder sind Frauen aus Zucker, noch verkleidete Männer, noch sind sie nur Äußerlichkeiten oder nur ein einziger Charakterzug. George R. R. Martin erklärte Mal, dass er seine weiblichen Charaktere wie Menschen behandelt und aufbaut.

Das bedeutet, dass die Frauen in solchen Romanen voll von Fehlern, Schwächen und gleichzeitig Stärken und Weisheiten sein dürfen. Behandele also Deine weiblichen Charaktere genauso wie Deine männlichen. Und damit hat es sich schon. Mit diesem kleinen Trick musst Du Dir keine Gedanken machen, ob sie realistisch sind oder nicht. Denn das werden sie automatisch.

Abschlussgedanken

Wenn man es genau nimmt, sind das alles Informationen, die logisch sind (außer vielleicht das mit dem Humor, das ist Ansichtssache). Ansonsten finde ich Vorschlag 5 am logischsten und nachvollziehbarsten. Daher wäre es mein Wunsch, wenn Du überprüfen könntest, wie Deine weiblichen Charaktere aufgebaut sind und ob Du da nicht noch ein bisschen nachbessern kannst.

Ich bin mir sicher, dass es Deiner Geschichte gut tun wird.

Recherche bei anderen Geschichten

Schau Dir mal die Hollywoodfilme an oder lies Dir Bücher durch, die weit oben auf den Bestsellerlisten sind. Was für ein Frauentyp wird Dir dort vorgestellt. Und stimmen noch die Prozentangaben von Dr. Martha Lauzen in der Einleitung? Ich befürchte zwar ja, aber es könnte sich ja gebessert haben.

Überprüfe Deine eigene Geschichte

Nun schaue Dir Deine eigene Geschichte an und frag Dich, welchen der fünf Punkte hast Du bereits umgesetzt und welche fehlen. Und möchtest Du die Vorschläge, die fehlen, vielleicht noch umsetzen? Und wenn ja, wie willst Du es am besten machen?
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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6 Antworten zu 5 Vorschläge, um bessere weibliche Charaktere zu erschaffen

  1. Yannick Signard schreibt:

    Gute Ideen. Werde das bei Viktoria mal abwenden.
    Auch wenn ich nicht weiß, ob sie wirklich lustig sein sollte. 😀

    Gefällt mir

  2. chickinwhite schreibt:

    Tja, so wie es aussieht schreibe ich gerade einen echten Frauenroman… Fantasy mit weiblicher Heldin und weiblicher Co Heldin, von Männern sowohl geachtet wie gefürchtet und begehrt, ab und an in tiefer Verzeiflung, und auch mal reichlich unbeholfen, aber jenseits des Damsel-in-distress-Syndroms, auf das die Mädels immer gerne reduziert werden…
    Ich glaube fast, es könnte dir gefallen… 😀

    Gefällt 1 Person

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