Sexistische Elemente für Deine Geschichte – Teil 1

Hei, hallo und herzlich willkommen,

mit diesem Beitrag greife ich vermutlich so richtig ins Spinnennest.

Vorgedanken

In letzter Zeit taucht in meiner Timeline auf Facebook immer mehr kritische Beiträge zum Thema „Sexismus“ auf. Die Beiträge sind durchaus gut verfasst, häufen sich aber überraschend. Daher habe ich beschlossen, jetzt schon mit dieser Reihe anzufangen. Das ich sie schreiben wollte, war sowieso klar. Nur der Zeitpunkt, darüber war ich mir bisher noch nicht sicher.

Da es leider sehr viele Elemente gibt, die man durchaus als sexistisch bezeichnen kann, werde ich pro Beitrag nur drei bis maximal vier aufführen. Mehr, denke ich, muss man sich nicht auf einmal antun. Wenn Du noch Beispiele hast, welche Elemente eher als sexistisch angesehen werden können, freue ich mich von Dir in den Kommentaren zu lesen. Ansonsten geht es einfach los.

Die Komaohrfeige

Der Inhalt

Sicherlich hast Du dieses Klischee schon das eine oder andere Mal im Fernsehen gesehen und richtet sich eindeutig gegen beide Geschlechter.

Meistens kommt die Komaohrfeige in einem Kampf zu tragen. Ein Gegner oder eine Gruppe von Gegnern trifft auf eine Frau und einen Mann (in diversen Gruppenmöglichkeiten, ich bleibe jetzt bei einem Duo). Der Bösewicht muss bei dem Mann alle Register ziehen, zu denen er in der Lage ist. Dazu zählen unter anderem durch Wände schleudern, ihm einen Toaster auf dem Kopf zerschlagen, ein Stuhl zur Hilfe nehmen und aus dem Fenster werfen. Doch dieser kann immer noch aufstehen und dem Gegner einem ordentlichen Kinnhacken geben, um diesen auszuschalten.

Trifft der Gegner auf die Frau, dann reicht häufig eine ordentliche Ohrfeige und sie ist mindestens für drei Wochen im Koma. Nun gut, zwischenzeitlich darf es auch ein Kinnhacken sein. Vielleicht auch zwei.

Das Problem

Das Problem an der Komaohrfeige ist, dass es gegenüber beiden Geschlechtern unfair ist. Auch wenn die obige Beschreibung natürlich übertrieben ist, so habe ich eine abgeschwächte Version davon bei „Spectre“ gesehen. Nur das es hier Holzwände eines Zuges waren.

Wenn wir dieses Bild immer und immer wieder aufwärmen, da kann man doch nur ein falsches Bild von dem starken Mann zeigen. Egal wie der Gegner mit ihm umspringt, er hat aufzustehen und ihn doch noch in den Hintern zu treten, weil es die Filmhelden ja auch schaffen. Nur das die realen Männer eben keine Filmhelden sind. Sie sind Menschen. Und auch denen tut eine Ohrfeige weh.

Und zugleich sind nicht alle Frauen schwache, hilflose Wesen, die man nur schräg angucken muss und sie fallen ins Koma. Wenn das so wäre, dann sähe die Gegenwart definitiv anders aus. Und die Weltgeschichte ebenfalls. Frauen sind physisch nicht genauso stark wie ein Mann. Das ist ein biologischer Fakt. Darüber diskutiere ich nicht. Aber das bedeutet nicht, dass sie deswegen schwach sind.

Warum wird das geschrieben?

Ich glaube, dass es aus den Zeiten stammt, wo Frauen wirklich noch als das schwache Geschlecht galten. Also in den Anfängen der Filmindustrie. Da galt ein Mann noch was und musste natürlich seine zukünftige Ehefrau und die Mutter seiner Kinder beschützen. Das stilisierte den Mann als Helden des Alltages und die Frau als schützenswertes Daueropfer.

Zwischenzeitlich hat sich die Sicht auf die Geschlechter doch ein wenig geändert. Der Mann kann gerne eine Frau beschützen. Dagegen sagt niemand etwas. Aber eine Frau kann auch gerne einen Mann beschützen (und sämtliche Mischungen, die es noch so geben kann). Warum letztendlich nicht?

Wie Du es anders schreiben könntest

Ich würde lügen, wenn ich Dir jetzt versuchen würde zu erklären, wie das Ganze medizinisch korrekt abläuft. Also, wie stark ein Schlag sein müsste, damit ein Mensch (egal ob Weiblein oder Männlein) ohnmächtig wird.

Natürlich dürfen Deine Figuren auch den einen oder anderen Schlag abbekommen. Aber versuche es durchaus realistisch zu gestalten. Notfalls erkundige Dich im Internet oder bei richtigen Ärztinnen oder Ärzten, wie stark man eben zuschlagen müsste, um jemanden k.o. zu schlagen.

Kleiner Tipp an dieser Stelle, sag am besten vorher, dass es für Deine Romanrecherche ist und Du nicht vorhast, wirklich jemanden zu verprügeln. Sicher ist sicher.

In der Serie „Agents of S.H.I.E.L.D“ ist die Agentin Melinda May eine durchaus geübte Kämpferin. In der folgenden Szene siehst Du, wie sie gegen Giyera kämpft. Es geht für beide ziemlich hart zur Sache und trotzdem fällt sie nach einem wirklich ordentlichen Tritt nicht gleich ins Koma. Ja, sie trägt Verletzungen davon. Aber sie steht auf und kann weitermachen.

Sicherlich verstehst Du damit, worauf ich da hinauswill.

Schöne Frauen – Starke Männer

Der Inhalt

Dieses Klischee habe ich ZU oft bei Robert Jordans „Das Rad der Zeit“ gelesen, aber auch bei einigen anderen Romanen. Und sehr häufig läuft es gleich ab.

Häufig werden die Figuren mit einfachsten Mitteln beschrieben. Die Frau ist atemberaubend schön und zugleich dumm. Und der Mann hat so viele Muskeln, dass er schon fast gar nicht mehr laufen kann. Mit der Intelligenz sieht es bei ihm häufig besser aus, aber es kommt darauf an.

Aber überhaupt werden hübsche Menschen als hohl bzw. als dumm dargestellt. Als würde es sich automatisch ausschließen, dass schöne Menschen auch einen normalen IQ haben könnten. Gerade dann, wenn sie noch blond sind. Dabei gibt es zwischenzeitlich eine Studie, die erklärt, dass Blondinen nicht dümmer sind, als Frauen mit anderen Haarfarben (auch wenn man diese Studie durchaus mit Vorsicht genießen sollte).

Es werden auch hübsche Männer als blöd bezeichnet, ich bin aber jetzt persönlich der Meinung, nicht so häufig wie Frauen. Aber das kann auch eine subjektive Fehleinschätzung sein.

Das Problem

Als ich mal vor Jahren ein Jugendbuch schreiben wollte, durfte meine Heldin auf keinen Fall hübsch sein. Intelligent ja, aber aufs Verrecken durfte sie nicht schön sein. Warum eigentlich nicht? Weil Schönheit und Intelligenz sich zwischenzeitlich in unserer Gesellschaft ausschließen.

Es kann nicht sein, dass jemand schön ist und dann auch noch was im Kopf hat. Damit wären diese Leute ja doppelt belohnt. Natürlich, ja, es gibt auch Leute, die wirklich schön sind und selbst eine Stulle mehr Intelligenz hat als sie. Das will ich nicht unter dem Tisch fallen lassen. Aber es gibt auch schöne Menschen, die eben auch was im Kopf haben.

Warum wird das geschrieben?

Vermutlich, weil es zwischenzeitlich einfach ein gängiges Klischee ist. Wir haben uns so dermaßen gewöhnt, dass die unscheinbare Maus eine Intelligenzbestie ist und nur darauf wartet, ihr Talent zu zeigen. Und die Schönheitskönigin oder der Frauenschwarm siegen vielleicht in der Schlacht, aber den Krieg verlieren sie.

Ich könnte mir auch denken, dass viele gar nicht mehr darüber nachdenken. Wir schalten den Fernseher ein und sehen, wie schöne Menschen dumme Dinge tun, und sehen uns einfach in unseren Vorurteilen bestätigt. Und wenn sie mal was Intelligentes tun, nun, dann hatten sie mal Glück gehabt. Aber sobald sie wieder was Dummes tun, ist die vorherige Tat wieder vergessen.

Wie Du es anders schreiben könntest

Du könntest Dir überlegen, keinen Wert auf das Äußere zu legen, sondern die Figuren einfach so beschreiben, wie sie sind. Hier ist natürlich Charakterarbeit notwendig. Es wäre durchaus eine Überlegung wert, dass Du die erste Fassung schreibst, ohne dabei die Figuren zu beschreiben. Und erst in der zweiten Fassung dies hinzufügst. Sofern Du es möchtest. Denn es gibt auch Romane, wo dieser Teil schlichtweg weggelassen wird.

Oder Du schockst die Leute, indem Du mal von intelligenten Schönlingen und dummen, nun sagen wir mal, unattraktiven Menschen schreibst (was man auch immer letztendlich darunter verstehen kann, das ist letztendlich alles Definitionssache).

Die erzwungene Schwangerschaft

Der Inhalt

Es gibt einige Serien und auch Filme, wo dieses Thema zum tragen kommt. Eine Frau wird mit einem Dämonenbaby schwanger oder dem nächsten Messias oder etwas in der Richtung. Und das zumeist gegen ihren Willen.

Und wir setzen dem Ganzen auch noch die Krone auf. Wenn sie das Kind zur Welt bringt, dann ist ihr Leben nichts mehr wert. Entweder sie stirbt noch während der Geburt oder kurz darauf. Weiterhin kommt es noch dazu, dass höhere Mächte hinter ihr her sein können, um sie umzubringen. Als ob sie etwas dafür könnte, dass sie mit dem Kind schwanger ist.

Gut, ich habe hier jetzt einige Sachen zusammengefügt und es ein wenig überspitzt. Aber wenn ich das in einer Serie oder einem Film bisher gesehen habe, habe ich es irgendwie hingenommen und nie kritisch hinterfragt. Zwischenzeitlich sehe ich das nun doch ein wenig anders.

Hier ist noch ein Video von feministfrequency zu dem Thema. Zwar auf englisch, aber was sie sagt, das hat immer Hand und Fuß.

Das Problem

Ich denke, da muss ich nicht viel schreiben, oder? Da kommt das Böse daher und schwängert eine Frau, eventuell unsere Heldin auf irgendeine Art und Weise. Häufig ist es magischer Natur. Und meistens weiß sie noch nicht einmal, dass sie geschwängert wurde und somit ist sie um ihren freien Willen beraubt worden.

Zusätzlich wird oder soll sie dann auch noch um ihr Leben fürchten. Entweder, weil ihr eigenes Kind sie umbringen will, weil die Geburt mörderisch ist oder eine dritte Partei ihr nach dem Leben trachtet. Na wunderbar.

Und letztendlich können nur Frauen von dieser Geschichte das Opfer werden. Denn zumindest Menschenmänner können nicht schwanger werden.

Warum wird das geschrieben?

Da könnte man auch fragen, warum machen sich Männer um die Gebärfähigkeit und Reproduktionsfähigkeit von Frauen Gedanken? Einerseits, weil sie es können und andererseits, bei einigen dürfte hier wohl auch der Wunsch, Macht über die Schwangerschaft einer Frau auszuüben, durchaus Mutter bzw. Vater der Gedanken sein. Mag sich bösartig anhören, aber ich kann mir zwischenzeitlich so einiges vorstellen.

Man könnte ja jetzt schreiben, weil es schon so viele Geschichten gibt, warum soll man es abschaffen? Weil hier der freie Wille eines Menschen übergangen wird. Und das ist alles andere als respektvoll. Frag Dich mal Folgendes, wenn ein Mann doch schwanger werden könnte und dies gegen seinen Willen geschieht, was löst das in Dir aus?

Für viele wird die Ungerechtigkeit erst real, wenn man diese auf einen Mann ummünzt. Keine Ahnung wieso. Deswegen dieser kleine Einschub.

Wie könntest Du es anders schreiben

Indem Du, als Beispiel, diese Thematik gar nicht erst aufgreifst. Warum muss eine Frau in Deiner Geschichte gegen ihren Willen schwanger werden? Gibt es nicht eine andere Möglichkeit, wie Du ein Dämonenbaby in Deine Geschichte reinbringen kannst? Sicherlich, auch wenn es über Umwege geschehen muss.

Oder die Schwangerschaft ist von der Frau und zukünftigen Mami absolut gewollt und erfährt erst später, dass es, aufgrund irgendwelcher Ereignisse, die in Deiner Geschichte eine Bedeutung hat, ein Engel oder ein Dämon da zur Welt kommt. Dann wäre ihr freier Wille nicht beeinträchtigt und Du könntest trotzdem ihre Schwangerschaft dafür, nun ja, missbrauchen.

Und außerdem, wenn Dein Bösewicht so mächtig ist, dass er eine Frau gegen ihren Willen schwängern kann, dann kann er auch andere Möglichkeiten finden, um an sein Dämonenbaby zu kommen. Dazu muss er nicht neun Monate warten.

Abschlussgedanken

Das waren die ersten drei Beispiele, wie Du sexistische Elemente in Deine Geschichte einbauen kannst, oder eben auch nicht.Wenn Du sie verwenden willst, dann ist es Deine Entscheidung. Ich werde sie Dir nicht madig machen. Du solltest halt nur wissen, dass sie auch aus einer anderen Perspektive nun gesehen werden und bei einigen nicht mehr so gut ankommen, wie noch vor einigen Jahren.

Wenn Du Dich also dafür entscheidest, dann kannst Du es bewusst machen, weil Du weißt, was dahinter steckt. Und das Du es auch genauso willst. Wobei ich, ehrlich gesagt, hoffe, dass Du Dich von nun an, gegen solche Elemente in Deiner Geschichte entscheidest. Ich fände es schön.

Wenn Dir andere einfallen, dann freue ich mich, von Dir zu hören. Nächste Woche werde ich dann die nächsten Elemente aufführen.

Kennst Du solche Geschichten?

Überprüfe mal Dein Bücherregal oder Deine Filmecke und schaue nach, ob Du nicht Serien, Bücher oder Filme mit den oben aufgeführten Elementen findest. Wie wurden sie dargestellt und wie findest Du sie jetzt, nachdem Du den Beitrag gelesen hast. Möchtest Du diese Elemente selbst verwenden oder wie sieht es bei Dir aus?

Deine Entscheidung

Wie sieht es bei Dir nun aus? Möchtest Du diese Elemente in Deinen Geschichten einsetzen? Schnapp Dir Dein Notizbuch und schreibe darüber. Was findest Du gut an diesen Elementen, was schlecht und wie würdest Du es einsetzen wollen. Setze Dich gerne mit diesen Themen bewusst auseinander. Dann kannst Du eine bessere Wahl treffen.
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  • Erste Aktualisierung: 16. April 2016
  • Zweite Aktualisierung: 17. April 2016
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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10 Antworten zu Sexistische Elemente für Deine Geschichte – Teil 1

  1. Nora Bendzko schreibt:

    Wow, danke für diesen Artikel! Ich beschäftige mich, auch als moderne Literaturstudentin, sehr stark mit dem Thema Sexismus in Literatur. Es gibt so viel zu diesem Thema zu sagen, das von den meisten ungemein unterschätzt wird. Die Dinge, die du hier aufführst, sind so offensichtlich, und doch fallen sie den meisten Lesern nicht auf, weil man sich nichts dabei denkt.

    Ich habe was Neues gelernt mit der „Koma-Ohrfeige“ 😉 Das Phänomen habe ich zwar oft beobachtet, wusste aber nicht, wie es offiziell heißt.

    „Als ich mal vor Jahren ein Jugendbuch schreiben wollte, durfte meine Heldin auf keinen Fall hübsch sein. Intelligent ja, aber aufs Verrecken durfte sie nicht schön sein. Warum eigentlich nicht? Weil Schönheit und Intelligenz sich zwischenzeitlich in unserer Gesellschaft ausschließen.“

    Echt jetzt? O.o Das finde ich ganz schön heftig und ziemlich empörend. War das die Rückmeldung von Testlesern oder gar vom Verlag?

    Erinnert mich an einen Freund, der gerade an einem Jugendroman arbeitet, wo sein Protagonist dick ist. Da kam doch tatsächlich von einer Testleserin, dass sie keine Geschichte mit einem dicken Jungen lesen will (was ihre freie Meinung ist, für mich trotzdem schockierend). Ich dagegen fand es total sympatisch, einen solchen Protagonisten zu haben. Zumal sein Körper auch Teil seiner pubertären Ängste war und etwas, womit man sich wahnsinnig als junger Mensch identifizieren kann, wenn man unter dem Druck des Schönheitsideals steht.

    Zu „Schöne Frauen – Starke Männer“ hatte ich vor einiger Zeit eine Diskussion im Rahmen von Romance- und Erotikliteratur angestoßen. Mir ist damals richtig aufgefallen, dass viele Liebesgeschichten sich auf den Hollywood-Schönheitsidealen aussuchen. Der Mann ist ein muskelschwerer Hottie, die Frau denkt sich „Wow, er ist so geil!“, und dann ist die Entwicklung der Beziehung für den kompletten Roman vorbei, sobald man im Bett gelandet ist (meist Seite 5). Wie es anschließend vom Bett zur Liebe kommt, wann man sich konkret verliebt und nicht nur einfach denkt, der Typ ist obersexy … geht in erstaunlich vielen Romanen komplett verloren. Das gilt für Romance und Erotik, Hetero, Gay u.A. gleichermaßen. Als ich das kritisierte, gab es mehrere Vorwürfe der Prüderie aus der Ecke der Erotik-Schreiber, dabei ging es nur um offensichtliche Erzählmangel.

    Dem möchte ich hinzufügen: Seximsus gegenüber von Lesergruppen. Wenn jemand mein Alter liest und mein Geschlecht, bekomme ich sofort ein romantisches Manuskript angeboten, meist Romantasy, weil ich dunkle Fantastik gerne habe. Ich kann noch so oft sagen, Romantasy lese ich nicht. Oftmals werde ich gar nicht in Ruhe gelassen, bis ich einen konkreten Ablehnungsgrund nenne, wie „Ich kann die seichten Frauenfiguren nicht ausstehen.“ (nur als Beispiel – das gilt natürlich nicht für alle!) Mein persönlicher Geschmack und meine Meinung werden total übergangen, weil ich ja eine junge Frau bin, und junge Frauen MÜSSEN so was lesen. Ansonsten ist man die goldene Ausnahme Oder, als ich noch nicht in einer Beziehung war: „Wenn du erstmal weißt, was Liebe ist, dann wirst du nicht genug kriegen davon!“ Was in diesem Kontext auch eine kleine, feine Form von Sexismus ist.

    Auf dem Buchmarkt wird anscheinend noch gerne übersehen, dass es einen großen, großen Teil im Massenpublikum gibt, der dieser Genderstereotypen müde ist – Hetero wie Gay und Emanzipative wie Feministinnen und Quere oder Alternative. So viele Lebenskonzepte entsprechen schon lange nicht mehr der Vater-Mutter-KindHeteronormativität, was ja auch Heterosexuelle mit einschließt. Und doch scheint eine Abweichung von den Gendernormen immer so ein Risiko zu sein, frei nach dem Motto „Das kauft dann keiner“. Frauenfiguren wie Catniss in „The Hunger Games“ und subtil genderkritische Serien wie „Stephen Universe“ sollten uns mit ihren enormen Erfolgen längst das Gegenteil bewiesen haben.

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    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Hallo Nora,

      danke für Deinen sehr ausführlichen Kommentar. Da bin ich beeindruckt, für Deine Zeit, die Du Dir gemacht hast. Danke dafür. Ich werde mir erlauben, diesen Kommentar Stück für Stück zu beantworten 🙂

      Du schreibst, dass die Punkte eigentlich offensichtlich, aber unterschätzt werden. Ich behaupte, genau das ist ja das Problem mit Sexismus, Rassismus oder auch Antisemitismus. Irgendwo sind diese Punkte alltäglich geworden, dass man mit Phrasen um sich wirft oder Handlungen durchführt (wie dem Klatschen auf dem Po der Bedienung), dass so alltäglich geworden ist, es empfinden nicht alle als „falsch“. Es ist ja so üblich. Oder auch, machen doch alle. Und eben hier, finde ich, ist das Problem. Nur, weil es alltäglich ist oder wurde, bedeutet das noch lange nicht, dass es richtig oder richtiger ist. Das ich auch solche Phasen habe, ist leider so. Denn mein System A („Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahnemann) ist da leider ab und an auch faul. Das bedeutet, ich muss mich selbst immer wieder daran erinnern, was richtig und was falsch ist.

      Die Bezeichnung „Koma-Ohfeige“ ist leider keine offizielle Bezeichnung. Denn dies wird wohl immer noch nicht als ein Problem anerkannt und aus diesem Grund musste ich mir was einfallen lassen, um das zu beschreiben. Und ich bin dabei durchaus drastisch vorgegangen. Aber Du kannst es gerne verwenden und mein Namen drunter setzen, vielleicht lande ich damit doch noch in den Geschichtsbüchern 😉

      Diese Empfindung, die ich mit dem Jugendbuch geschrieben habe, war meine persönliche. Diese schoss mir sofort durch den Kopf, als ich meine damalige Heldin schuf. Da siehst Du, wie tief diese Gefühle in mir drinnen sitzen. Da ich das Buch nie weiter verfolgt habe (sie beruht auf der ersten und bisher einzigen Kurzgeschichte, die ich veröffentlicht habe), haben auch nie Testleserinnen oder Testleser diesen Roman erhalten. Vielleicht sollte ich das noch einmal genauer herausarbeiten. Aber das ist ja das Problem. Wenn man anfängt, sich aus irgendwelchen Gründen selbst zu zensieren.

      Das mit dem Jugendroman und dem dicken Jungen. Ich finde es wichtig, dass es Geschichten über dicke Mädchen und Jungen gibt. Denn sie bzw. wir werden immer noch mit unzähligen Vorurteilen bedacht (ja, ich bin definitiv dick). Von wegen, wir denken nur ans Essen und sind faul und zu nichts in der Lage. Dabei ist die Sache durchaus komplizierter. Denn es gibt ja das sogenannte „Binge Eating Disorder“. Das ist so etwas wie Bulimie, nur das der Gang auf die Toilette fehlt. Oder auch sonstige seelische Gründe, warum man nicht aufhört zu essen. Neben physischen Schwierigkeiten. Das sollte man meiner Meinung nach nie unterschätzen. Vermutlich ist es aber so, dass es sehr viele Geschichten dazu gibt (ich kenne den Markt nicht), sodass einige da genervt sind (wie ich von den Vampiren). Oder es erinnert die Leute daran, dass sie selbst eigentlich nur einen Schritt davon entfernt sind, selbst so zu Enden. Ich bin mir da nicht sicher, aber ich denke durchaus, dass da auch negative Gefühle aus sich selbst heraus eine Rolle spielen.

      Was Du zu den Romance- und Erotikliteratur schreibst, kann ich nur unterschreiben. Klar, ich lese sie auch. Aber manchmal muss ich mich regelrecht zwingen, die Romane zu Ende zu lesen. Denn sehr häufig wird die Erotik (okay, schreiben wir es aus, der Sex) dafür benutzt, eine schlechte Geschichte halbwegs zu retten. Gelingt nur extremst selten. Ich habe hier einen Roman, der so dermaßen schlecht geschrieben war, dass ich echt Mühe hatte, meine weitere Lebenszeit darauf zu verschwenden. Und ich wünschte, ich wäre einfach nur prüde. Dann könnte ich das verstehen. Aber einen schlechten Roman kann man nicht dadurch retten, dass man die Beiden ins Bett schickt.
      Aber auch sonst ist vieles sehr stereotypisch. Wie Du schreibst, er ist der Hottie und sie ist die Süße. Sollte ich vielleicht auch in meine Reihe aufnehmen. Wobei ich in einem VHS-Kurs für den Bereich Erotik gelernt habe, schreiben viele Verlage vor, dass mindestens drei Erotikszenen in einem entsprechenden Buch vorkommen sollen. Dabei ist es dann völlig egal, wie unlogisch die Handlung dadurch wird. Da hatte ich einen anderen Roman (aus einer Reihe). Die Idee hörte sich gut an, teilweise, aber wirklich nur teilweise, war es die Geschichte auch. Doch dann kam der Sex …

      Was Du über den Sexismus gegenüber Leserinnen und Leser schreibst, stimmt. So sind ja viele der Meinung, Frauen lesen keine Sciencefiction Geschichten oder nur bestimmte Richtungen von Fantasy. Oder, wie Du schreibst, eben nur Romantasy. Da versuche ich mich reinzulesen, wirklich, ich versuche es, aber auch wenn die Ideen hinter der Geschichte teilweise wirklich interessant sind, sie fesseln mich nicht so, wie „Das Rad der Zeit“, was ich gerade lese. Es ist um einiges spannender, auch wenn ich die Geschichte kenne.
      Wobei ich Deine Geschichte wohl noch toppen kann. Vor gut einem Jahrzehnt hatte ich mal eine heftige Diskussion zum Thema Matriarchat mit einer, die noch nicht einmal wusste, was das ist. Als sie erfuhr, dass ich Single bin, wurde ich gleich als Männerhasserin abgestempelt. Zum Glück war das eine Onlinediskussion. Ich habe sie dann gebloggt. Das musste ich mir nicht geben. Und nein, ich hasse keine Männer.

      Dein Beitrag zu den Büchern, welche die Verlage veröffentlichen oder nicht veröffentlichen, das ist leider immer noch richtig. Nicht umsonst lehnt Hollywood (ich liebe die Marvelfilme, deswegen verfolge ich da gewisse Themen) immer noch Heldinnen als Titelrolle ab. Angeblich würde das Publikum das ablehnen. Was aber noch vor zehn Jahren stimmte, muss heute nicht mehr stimmen. Immerhin gibt es schon sehr gute Serien und auch Filme mit Heldinnen, die teilweise besser sind, als ihr männliche Pendants.
      Und das gilt auch für Bücher. Gerade im Fantasybereich besteht hier ja sehr viel Nachholbedarf. Denn hier sind, meinem empfinden nach, Heldinnen als Titelträgerin, immer noch extreme Mangelware. Aber wenn ein Verlag Dich ablehnt, blieb Dir bisher nichts anderes übrig, als die Rolle umzuschreiben. Das hatte mir eine Autorin mal gestanden, als ich ihr Buch rezensierte. Das der Held ursprünglich eine Frau war. Aber wegen der Veröffentlichung wegen hat sie auf die Weiblichkeit verzichtet und aus ihr einen Mann gemacht.
      Doch zwischenzeitlich gibt es ja eine ernst zu nehmende Alternative, eben das Selfpublishing. Das könnte durchaus eine Plattform sein, dass auch solche Bücher immer stärker veröffentlicht werden (wenn sich denn die Autorinnen und Autoren endlich mal trauen würden) und dann wäre das vielleicht auch ein Hinweis für die Verlage, dass sie doch endlich mal mutiger werden. Sie müssen ja nicht gleich ihr ganzes Sortiment umwerfen. Aber einige Titel sollten sie sich ruhig trauen. Und wer weiß, sicherlich wird ihnen der Erfolg recht geben.

      Danke Dir noch einmal für Dein Kommentar. Er hat mich sehr inspiriert ❤

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      • Nora Bendzko schreibt:

        Da danke ich widerum für deine ausführliche Antwort 🙂 Freut mich wenn ich dich inspirieren konnte!

        Ich bin einfach tief in dem Thema drin, weil es mich auch schon persönlich betroffen hat. Ist aber auch erst seit einiger Zeit so, dass ich den Blick dafür entwickle … in meiner Anfangszeit waren ein paar sehr sexistische Elemente in meinen Geschichten, was zu mir eigentlich gar nicht passte. Aber ich hatte es eben so von einigen „Großen“ abgeguckt, ohne zu merken, was da eigentlich dahinter steckt. Heute bin ich froh, wenn ich bewusst „starke“ und „andere“ Frauen in meinen Geschichten habe und ihnen die Stimme gebe, die sie verdienen.

        Deshalb kann ich dir mit der Alltäglichkeit nur unglaublich zustimmen! Man bemerkt es einfach nicht mehr. Viele argumentieren auch wegen dieser Alltäglichkeit (egal ob Frauen oder Männer), das „sei nicht so schlimm“, „es ist halt so“ und „Mann ist eben Mann“. Deswegen finde ich es sehr wichtig, darauf hinzuweisen, auch wenn das oft zu Empörung und Streitigkeiten führt.

        Alles klar, ich merke mir, dass die „Koma-Ohrfeige“ von dir kommt und werde sie stets in deinem Namen benutzen *lach*

        Ah, so war das mit dem Jugendbuch. Ist wahnsinnig interessant, dass unsere innere Zensoren so stark sein können.

        Dass wir heute in einer Kultur leben, die dicke Menschen so verdammt (man zögert ja schon das Wort „dick“ in den Mund zu nehmen, weil es sich nach einer Beleidigung anhören könnte), finde ich wahnsinnig unfair. Zumal das vor ein paar 100 Jahren noch das absolute Schönheitsideal war … und in ein paar anderen Kulturen auf dieser Erde immer noch ist. Dass Menschen einen dicken Körper schön und ästhetisch finden können, ist in der Vorstellung vieler nicht existent oder nur als Fetisch abgewertet. Ich kann mich nur an eine einzige Erotik-Geschichte in meinen ganzen Leben erinnern, wo die Protagonistin nicht dem Standardmodell entsprach, sondern echt was auf den Hüften hatte. Das Geniale war aber der Plot: Sie wollte dünn werden, weil ihre Dickleibigkeit sie gesundheitlich beeinträchtigt hat. Ihr unglaublich toller Lover aber stand auf dicke Frauen, weshalb sie Angst hatte, dass er sie dann nicht mehr begehren würde. Ich fand es so toll und erfrischend zu lesen, dass es auch ganz anders geht. Und die Liebesszenen waren sooooo heiß ❤

        Dass es eine große Scharte für Erotik-Literatur mit dicken Frauen gibt, halte ich übrigens für ein Gerücht … sicher wird es eine Nische geben, die in der Fetisch-Ecke verortet wird (siehe oben). Dennoch wird diese Nische verschwindend gering zu dem restlichen Markt sein, in dem Männer und Frauen alle nach dem Hollywood-Ideal geformt sind.

        Dann sind wir ja auch gleich wieder bei der Erotik: "Aber einen schlechten Roman kann man nicht dadurch retten, dass man die Beiden ins Bett schickt." Genau das ist es! Leider habe ich immer wieder die Erfahrung mit Erotik-Schreibern gemacht (das gilt längst nicht für alle und betrifft vor allem Arbeitserfahrungen aus dem Autorenforum), dass hier kein Arbeitsbedarf ist … dabei ist das vor allem der Faktor, mit dem ich von seriösen und unseriösen Erotik-Schreibern unterscheide. Ein seriöser Autor hat einen guten Stil, ausgefleischte Charaktere, einen klasse umgesetzten Plot. Das gilt für Erotik genauso. Wenn Story und Charaktere hinter den Sexszenen verschwinden, sodass sie nicht mehr erkennbar sind, ist es nicht verwunderlich, dass einige Leser das als pornographisch empfinden. Trotzdem ist die Kommunikation oftmals nicht leicht …

        Ach ja, ich weiß noch … eine Zeit lang habe ich in der Pubertät immer Bücher zum Geburtstag und zu Weihnachten geschenkt bekommen, weil ich so wahnsinnig viele davon verschlungen habe. Entweder kannten mich die Leute so gut, dass es ein Fantasy-Buch war (juchhuuuuuu!), oder es war eine Liebesgeschichte. Warum? Na, wenn die Leute in den Laden gehen und sagen: "Ich suche ein Buch für ein junges Mädchen", drückt einem der Verkäufer das ohne weitere Fragen in die Hand. Ich war irgendwann richtig traurig, diese Bücher geschenkt zu bekommen, weil ich wirklich nichts mit ihnen anfangen konnte – ich habe sie immer weiter verschenkt und irgendwann gesagt: "Ich möchte keine Bücher mehr, gebt mir lieber Gutscheine dafür." Immerhin wurde mir nicht Twilight geschenkt, da hat zum Glück jemand vorher nachgefragt … Was ist so schwer daran, einfach zu fragen, was man gern hat, und dann den Verkäufer zu fragen?

        Und ja, das passiert leider immer wieder, dass Leute auf die persönliche Ebene gehen, wenn es um Themen wie Sexismus geht (gilt aber für Rassismus und Ähnliches genauso). Manche werden dann sogar sexistisch, ohne es zu merken … Also gleich als "Männerhasserin" abgestempelt zu werden ist schon ein starkes Stück. Musste ich mir noch nicht geben.

        Dass besagte Autorin echt das Geschlecht ihrer Prota ändern musste … da fehlen mir die Worte. Da hätte ich echt gedacht, wir wären weiter. Ich hoffe sehr auf den Tag, da Marvel (endlich!!!) einen Film mit einer Titelheldin verfilmt. Wir brauchen so was. Solche Dinge werden hoffentlich die Industrie ändern, zeigen, dass es eben doch nicht wahr ist, dass eine Frau die Verkaufszahlen einbrechen lässt.

        Wo du gerade das Selfpublishing erwähnst, da werde ich demnächst selbst mit einem Titel starten, der die etwas "andere" Titelheldin hat. Ich bin auch wahnsinnig gespannt wie das ankommt … Das Setting ist schon sehr dramatisch und bedient auch kein klassisches Happy-End, weil es in dieser Form von Plot einach nur konstruiert gewesen wäre. Aber ich habe auch schon einige andere Werke im Selfpublishing entdeckt, die sich einiges trauen – da gibt es wirklich tolle Sachen. Und nicht einmal so versteckt. Ein paar dieser Bücher haben wahnsinnigen Erfolg, und das, obwohl Verlage ihnen das nicht zugetraut hätten. Noch ein paar mehr Selfpublishing-Bestseller dieser Art und der Markt wird hoffentlich umdenken. Wusstest du zum Beispiel, dass der größer werdende Markt des Gay Romance nur durch die Selfpublishing-Autoren möglich war? Die Verlage hätten nie gedacht, dass das so eine Marktlücke sein könnte. Und plötzlich, als es Selfpublishing gab, kamen die ganzen Gay-Romance-Autoren aus den FanFiction-Foren und haben den Markt aufgemischt … Ja, wir Leser und Autoren können tatsächlich was ändern!

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      • Carola vom schreibkasten schreibt:

        Hallo liebe Nora,

        na das nenne ich mal eine seeehr lange Antwort 🙂 Vielen Dank für die Mühe, die Du Dir damit machst.

        Klar, wenn man täglich mit dieser Thematik direkt oder indirekt zu tun hat, dann sieht man die Angelegenheit anders. Schade, dass Du das, wie ich verstanden hast, am eigenen Leib erfahren musstest 😦

        Zwar schreibe ich selbst, dass man ruhig von den Großen lernen soll. Immerhin müssen sie ja doch etwas richtig gemacht haben, wenn so viele Leserinnen und Leser deren Werke regelrecht verschlingen. Aber es stimmt, dabei besteht die Gefahr, dass man auch die „negativen“ Dinge lernt und übernimmt. Denn viele gehen da einfach ZU unrefklektiert an diese ganze Angelegenheit. Und sie übernehmen eben einfach irgendwelche Dinge, die man als sexistisch oder rassistisch bezeichnen kann. Da muss man dann doch hinterfragen.
        Und ehrlich gesagt, ich bin einfach müde, was diese Thematik betrifft. Warum muss man sich überhaupt Gedanken dazu machen? Kann man einfach nicht mal vernünftig sein und akzeptieren, dass beide Geschlechter ein Anrecht darauf haben, vernünftig behandelt zu werden? In allen Bereichen.

        In der Tat werden „dicke“ Menschen zwischenzeitlich von der Seite angeguckt, wo man sich fragt, ist alles in Ordnung? Dabei leisten „dicke“ Menschen ebenfalls ihren Teil für die Gesellschaft und liegen nicht faul auf der Haut herum. Das sehen nur viele Menschen nicht. Und das finde ich schade. Klar, es gilt in manchen Teilen der Welt immer noch als Schönheitsideal. Mir ist es nur wichtig, dass die Menschen sich selbst akzeptieren und sich selbst lieben, auch wenn sie ein paar Kilos mehr auf den Hüften haben. Bis gestern hatte ich damit noch heftigste Probleme. Doch dann hatte ich selbst ein aufmunterndes Gespräch und eine selbstkritische Betrachtung gestartet und seitdem bin ich diesbezüglich etwas lockerer geworden. Es geht letztendlich nicht darum, was andere über mich oder Dich oder sonst wen denken, es geht darum, was ich über mich denke. Und wenn man diesen Punkt erreicht hat, dann sieht man die Sache teilweise ein wenig lockerer. Und damit kann man sogar eher die Welt verändern, als wenn man sich in Gedanken verkrampft.

        Bezüglich der Erotikgeschichte, da habe ich mal von Poppy J. Anderson den ersten Roman ihrer Titanserie gelesen. Da ist die Hauptfigur auch mollig und ihr Schatz akzeptiert sie so, wie sie ist. Im Gegensatz zu ihr und die Öffentlichkeit (als Footballspieler steht er natürlich im Mittelpunkt des Medieninteresses). Ich muss zugeben, als ich den Roman gelesen habe, das war eine sehr angenehme Abwechslung zu den ganzen anderen Romanceromanen, die ich zuvor gelesen habe.

        Der Erotikmarkt selbst ist groß und wird größer. Ich denke mal, darüber müssen wir nicht diskutieren. Aber nein, Geschichten für Menschen, welche von der „Norm“ abweichen (was auch letztendlich immer das ist, denn selbst Menschen, die man als hübsch einstuft kommen auf keinen gemeinsamen Nenner), dazu zähle ich jetzt mollige Frauen, zu große Menschen, zu kleine Menschen oder ähnliches, da findest Du kaum bis gar nichts. Oder eben im Fetischbereich. Das ist irgendwie schade. Denn ich denke, dass einige dieser Geschichten durchaus gelesen werden würden, wenn man sie den Leuten anbieten würde.

        Einige Erotikgeschichten, oder Geschichten die als Erotik verkauft haben, haben manchmal für mich den Touch eines Pornos. Und dann ist das noch nicht einmal ein guter Porno. Auch wenn es nur ein persönliches Gefühl ist, doch manchmal ist es für mich auch so, dass sich die Autorinnen oder auch Autoren nicht drum scheren, ob ihre Geschichte gut geworden ist oder nicht. Hauptsache sie ist fertig, einmal, wenn überhaupt, drüber gelesen, ab zum Verlag und um den Rest sollen sie sich kümmern.
        Wie geschrieben, das mag ein persönliches Gefühl sein. Doch leider wird er immer stärker und stärker. Das finde ich schade. Immerhin verbringen sie doch ihre Lebenszeit mit diesem Roman. Warum dann nicht die beste Geschichte schreiben, zu der sie in der Lage sind? Aber mir scheint es, dass es vielen zwischenzeitlich egal geworden ist, was sie da machen. Hauptsache sie sind das Projekt los.
        Und ja, Jugendbücher. Ich schaue heute noch in den entsprechenden Abteilungen, um mich eventuell inspirieren zu lassen. Aber man sieht heute deutlicher als früher, was sogenannte Mädchenbücher und was sogenannte Jungenbücher sind. Es war ja schon immer so, dass Helden eben nur was für Jungs sind (erst recht, wenn die Bücher von Autoren geschrieben wurden) und Heldinnen sind eben für Mädchen und von Autorinnen. Das war auch eine der Gründe, warum Joanne K. Rowling zuerst ihre Harry Potter Bücher als J.K. Rowling veröffentlicht hat. Da kann man nicht nachvollziehen, ob sie eine Frau oder ein Mann ist.
        Aber auch sonst, Mädchenbücher sind rosa oder lila und zwischenzeitlich sogar mit Glitzer versehen. Das stimmt mich ein wenig traurig. Wobei Twilight ein Thema für sich ist. Ich bin froh, dass meine Familie mir eher die freie Wahl ließen, was ich lesen konnte und was nicht. Und meine Mutter hat es nie interessiert, ob das Buch, was sie mir geschenkt hat ein typisches Mädchen- oder Jungebuch ist. Hauptsache es ist spannend. Deswegen hatte ich auch mal Kalle Blomquist von Astrid Lindgren geschenkt bekommen.

        Sagen wir mal so, es gibt ja schon Filme, mit starken Heldinnen. Wie zum Beispiel „Die Tribute von Panem“. Und ich habe schon öfters gelesen, dass im Film „Batman vs. Superman“ das Publikum den Auftritt von Wonder Woman gefeiert hat. Das sollte doch für Heldinnen sprechen. Aber es fehlen einfach noch ein paar Heldinnen. Ich bin erst zufrieden, wenn 50 Prozent der Filme von Heldinnen versehen ist. Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben 😉

        Schön, dass Selfpublishing im Bereich Gay Romance ein wenig aufräumen konnte. Und klar, wenn Du keinen Verlag im Nacken hast, dann bist Du um einiges freier zu probieren und zu sehen, was ist möglich und was nicht. Jetzt wird es Zeit, dass Lesbian Romance Fuß in Deutschland fasst. 🙂

        lg

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      • Nora Bendzko schreibt:

        Abend Carola,

        jetzt habe ich endlich mal Zeit, Sinn und Verstand dir zu antworten – auch wenn ich mich diesmal etwas kürzer fasse 😉

        Mit „am eigenem Leib“ stimmt, aber zumindest nie in Form von körperlicher Gewalt – sagen wir so, ich habe gelernt mich zur Wehr zu setzen und Worte zu finden, also ist alles gut. ^_^

        Gerade erst hatte ich eine Diskussion in meinem Autorenforum, da musste ich an dich denken: Ein Autor hat die Frage gestellt, was der Unterschied zwischen Frauen und Männern ist, wenn sie reden (er wollte eigentlich nur seinen ersten Liebesroman mit einer Frau in der Hauptrolle schreiben). In der anschließenden hitzigen Debatte habe ich vor allem gelesen, dass der naturalistische Fehlschluss bei manchennoch starken Bestand hat: „Natürlich muss es diese Unterschiede geben, sonst würden wir nicht unterschiedlich geboren.“ Auch war die Argumentation sehr stark, dass das den Markt dominierende Ideal ja seinen Wahrheitsgehalt haben muss, sonst würde es uns nicht umgeben und gekauft werden.

        Darauf fruchtet eine Bodyshaming-Ideologie natürlich, und eine Denke von: Mann ist so, Frau so, wenn wir an Jungen und Mädchen verkaufen, muss das so und so sein … ist schwierig. Wobei, eigentlich nicht. Ich konnte nur gegenhalten: Wie war das denn in der Geschichte? War das Frauenbild der Nazi-Zeit etwa wahr? Das wurde doch auch als natürlich hingestellt und gekauft ohne Ende.

        Ich glaube, wir Autoren und Leser schlucken manchmal zu sehr, was der Markt uns an Geschlechterrollen vorgibt. Hast du 2013 die Geschichte um Oetingers Jugendbuch „Die inneren Werte von Tanjas BH“ mitbekommen (ja, das ist der Original-Titel)? Wenn nicht, googel mal. Meines Erachtens ein Paradebeispiel für ein forciertes Gender- und Jugendmarketing, das so was von verschifft wurde.

        Es ist längst klar, dass es ein riesiges Publikum gibt, das mit heteronormativen Inhalten nichts anfangen kann (oder sie in allzu abgrenzenden Fällen sogar als diskriminierend empfindet, entsprechend nicht kauf)… Und dennoch werden „andere“ Bücher wie unter der Hand behandelt. Deswegen finde ich großartig, dass es Selfpublishing gibt. So viel Schund da auch publiziert wurde, so viel versteckte Perlen gibt es auch, denen Verlage einfach keine Chance gegeben haben. Wir werden uns unsere Heldinnen schon holen – auf die Lesbian Romance hoffe ich auch sehr 😀

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      • Carola vom schreibkasten schreibt:

        Nabend Nora,

        tut mir Leid, dass es bei mir länger gedauert hat. Aber ich war in den letzten Tagen nicht online. Und wenn ich antworte, dann will ich auch richtig antworten und nicht halbherzig.

        Das mit dem Marktdominierenden Gehalt ist ja durchaus faszinierend. Daraus lese ich jetzt, dass wir also wollen, dass wir rosa Einhörner und überproportionierte Puppen haben wollen. Das erinnert mich an einen Beitrag, wo Mädchen und Jungen aus England in ein Haus quasi gesteckt wurden und sich zeigen soll, wie sie sich benehmen. Die Mädchen stürzten sich auf die Schminke und die Klamotten von erwachsenen Frauen. Das Experiment sollte zeigen, dass Mädchen und Jungen eben total unterschiedlich sind. Und das die Erziehung überhaupt keinen Einfluss darauf hat.
        Trotzdem hängt mir, wenn ich an diesen Beitrag denke, immer ein Satz der Reporterin in den Ohren „Wie die Mama“.
        Immer wieder wurde darauf herum geritten, dass die Mädchen sich wie die Mama benehmen. Wie neutral ist also die Erziehung, wenn ihr Vorbild eine Frau ist, die sich eben schminkt und sich für rosa Sachen interessiert. Und wenn die Werbung uns suggeriert, dass rosa eben eine Mädchenfarbe ist.

        Immerhin war das ja nicht immer so. Denn bis in die zwanziger wurde rosa als das kleine rot angesehen. Und rot ist die Farbe der Königi und Regenten. Und somit ist rosa die Farbe der Prinzen. Türkis hingegen ist das kleine blau. Und welche Farbe hat der Umhang von Maria, Mutter Jesu? Genau, blau. Muss ich dazu noch irgendetwas sagen? Blau ist eigentlich eine Mädchenfarbe.

        Nur weil sich das nach und nach geändert hat, heißt das noch lange nicht, dass wir es deswegen schlucken müssen. Zumindest bin ich mal so frech und behaupte es.

        Das Buch „Die inneren Werte von Tanjas BH“ habe ich noch nicht gelesen oder davon gehört. Danke für den Tipp. Ich werde mal danach suchen und schauen, was das überhaupt ist 😉

        Genau. Selfpublishing ist natürlich ein Hort für Plagiate, Betrug, Schund und Schrott. Und gleichzeitig kommen da so viele Perlen hervor, dass ich immer wieder staune. Immerhin gibt es viele erfolgreiche Selfpublisherinnen und Selfpublisher, die in einem Verlag niemals das hätten leisten können. Das finde ich grandios. Aus diesem Grund will ich selbst diesen Weg gehen, um meine Geschichten ohne zensur zu schreiben. Und vielleicht beginne ich die Lesbian Romance Revolution, eheheh 🙂

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      • Nora Bendzko schreibt:

        Hallo Carola,

        macht doch überhaupt nichts! Schau an, da hab ich wieder was Neues gelernt mit Rosa und Blau 😉 Ich bin sehr vorsichtig mit diesen pseudo-wissenschaftlichen Gender-Experimenten … Schade, dass das trotzdem bei so vielen Leuten zieht. Wenn man darüber nachdenkt, sollte man eigentlich von allein darauf kommen, dass vieles einfach nur Erziehungssache und Gesellschaftserwartung ist. Das gilt sogar besonders für eine Farbe wie „Rosa“.

        Ja, guck dir das mal an … vielleicht inspiriert es dich ja weiter zu deiner Sexismus-Reihe (muss auch noch die neuen Teile lesen). Haha, lass was hören wenn du im Bereich Lesbian Romance einsteigen möchtest, da würde ich mich ja zu gern als Co-Autorin bewerben! 😀

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      • Carola vom schreibkasten schreibt:

        Hallo Nora,

        das mit dem Rosa und dem Blau habe ich aus einem Wikipedia-Artikel. Zwar habe ich das schon mal vorher gehört, aber dort habe ich diese Geschichte dann bestätigt gefunden. Aber ehrlich gesagt, ich bin mir nicht sicher, ich glaube, es war bei dem Beitrag „Rosa“. Aber da würde ich jetzt lügen.

        Aber da sieht man halt, dass es wirklich irgendwo nur Erziehungssache ist. Und das fängt schon im Babyalter an. Denn man hatte Eltern oder überhaupt Erwachsene mal hereingelegt. Und zwar hatte man Mädchen im Säuglingsalter in blaue Kleidung gesteckt und Jungs eben in rosafarbene Kleider. Es stellte sich heraus, dass man die „blauen“ Babys um einiges „ruppiger“ behandelt hatte, als die „rosa“ Babys. Allein die Vermutung, dass es Mädchen sein könnte, reichte aus, um sie vorsichtiger zu behandeln. Dabei waren es ja Jungs.

        Zwar habe ich die Reihe erst einmal beendet, aber die Betonung liegt auf erst einmal. Ich mache hier eine kleine Pause, werde weitere Punkte suchen und dann noch einmal loslegen. Denn leider habe ich hier noch nicht alle Punkte besprochen, die mir so einfallen und über die man sicherlich noch schreiben kann.

        Und ich werde gerne auf Dich zukommen, wenn ich meine Lesbian Romances schreibe. Zwar habe ich jetzt noch ein Roman und eine Novelle auf dem Schirm, aber ich werde dann noch eine Novelle schreiben. Und dann kann es gerne eine Lesbian Romance sein. Und gerne können wir was gemeinsam machen 🙂

        lg
        Carola

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      • Nora Bendzko schreibt:

        Hm, schon sehr interessant, diese blau-rosa-Experimente … vielleicht beschäftige ich mich damit mal mehr. Wenn kurz Pause mit der Reihe ist, kommt mir das eigentlich gelegen, ich will ja noch die anderen Artikel kommentieren 😉 Kann man was über deine Projekte irgendwo lesen? Würde gerne mehr erfahren was du so schreibst. Also wenn ich mal in Lesbian Romance einsteige, werde ich definitiv an dich denken ^_^

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      • Carola vom schreibkasten schreibt:

        Das war zwar in einer dieser Boulevardsendungen, die ich früher öfters gesehen habe. Aber ich denke, da gibt es genügend, wo Du Dich informatorisch austoben kannst 😉

        Und hau rein. Da gibt es sicherlich noch einiges für Dich 😉 Wobei ich schon wieder neue Ideen habe, wie ich die Reihe fortführen kann.

        Dank Dir, werde ich den heutigen Stripteasebeitrag über meine Projekte schreiben. Danke für die Inspiration ❤

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