Sexistische Elemente für Deine Geschichte – Teil 2

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es geht in die nächste Runde mit den sexistischen Elementen.

Kurze Vorgedanken

In dem letzten Beitrag habe ich verschiedene Aspekte einer Geschichte beleuchtet, in denen durchaus sexistisches Material zu finden ist. Während ich mir Gedanken zu dem zweiten Teil gemacht habe, viel mir auch, dass es auch viele Beispiel gibt, die sich rund um Gruppen drehen.

Daher dreht sich der heutige Beitrag rund um Gruppen von Frauen und Männern, wo wir Material finden, das ich persönlich gar nicht finden möchte.

Männer, noch mehr Männer – Männerüberschuss

Der Inhalt

Wenn wir es mit einer Gruppe zu tun haben, sei es auf einem Schiff, einem Raumschiff oder eine Abenteuergruppe, dann fällt mir persönlich ab einer Anzahl von drei Personen Folgendes auf: Zwei davon sind Männer, mindestens. Und der Rest sind Frauen bzw. eine Frau.

Du kannst fast jede beliebige Serie, jeden Film oder auch jeden Roman nehmen, den Du gerade zur Hand hast. Ich bin mir sicher, dass Du zu neunzig Prozent dort mehr Männer finden wirst, als Frauen. Viel mehr Männer wohlgemerkt. Es ist sogar so, dass es egal ist, wie groß die Gruppe letztendlich ist, meistens haben wir es, zwischenzeitlich immerhin, mit zwei Frauen im Hauptteam zu tun.

Wobei ich natürlich von den Serien, Filmen und Büchern der Gegenwart spreche. Je weiter wir in der Zeit zurück reisen, desto schlimmer wird es. Oder wie viele Frauen in der Hauptbesetzung gibt es bei Stark Trek Classic? Klar, Uhura. Die noch nicht einmal offiziell einen Vornamen hat. Zwischenzeitlich gewährt man ihr den Namen Nyota. Aber dieser ist in der Ursprungsserie nie aufgetaucht und ist eigentlich umstritten.

Und „Der Herr der Ringe“ setzt sowieso der ganzen Angelegenheit die Krone auf. Als Hauptfigur finden wir dort gar keine Frau (ich rede vom Buch, nicht vom Film, wo Arwen doch eine etwas größere Rolle hat). Oder wie viele Frauen finden wir in der Ringgemeinschaft? Nicht einmal die Quotenfrau ist dort zu finden, im Gegensatz zu vielen anderen Geschichten.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Deswegen habe ich oben auch nur von neunzig Prozent geschrieben. Aber solange man diese Geschichten als Ausnahmen bezeichnet, solange sehe ich darin auch ein Problem.

Das Problem

Zwischenzeitlich habe ich von diversen Statistiken gehört, dass die Weltbevölkerung des Planeten Erde von 48 bis 52 Prozent aus Frauen besteht. Wenn ich mir aber die Serien oder Filme ansehe (und teilweise auch in den Büchern), dann scheint es mir manchmal so, dass die Frauen gerade Mal so um die 20, vielleicht auch 30 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen.

Früher hatte man eine Quotenfrau in einer Gruppe von unzähligen Männern. Zwischenzeitlich hat die Quotenfrau Unterstützung bekommen, sodass wir es immerhin schon mit zweien zu tun haben. Selten, sehr selten sogar mal mit einer dritten Frau. Aber ich müsste ernsthaft nachdenken, wenn ich jetzt ein Film mit drei Frauen benennen sollte.

Dieses Ungleichgewicht spiegelt nicht die realen Tatsachen wieder, die wir auf diesen Planeten haben. Es gibt nun einmal mehr Frauen auf dem Planeten. Warum dann nicht in den Filmen oder Serien? Von der Rolle innerhalb dieser Serien, Bücher oder Filme möchte ich an dieser Stelle nicht schreiben, das würde schlicht zu weit führen. Also ob die Rolle gut ausbalanciert ist oder eigentlich ein wandelndes Klischee ist.

Und natürlich schreibe ich auch nicht von den Statistinnen, die einmal durch das Bild laufen dürfen, um das Gefühl zu vermitteln, es gibt doch mehr Frauen dort, solange die Hauptmannschaft nur aus maximal zwei Frauen besteht.

Warum wird das geschrieben?

Früher saßen auf dem Regiestuhl fast ausnahmslos nur Männer. Ich glaube, auf alle Regisseure der früheren Zeiten (wo in den Filmen unter anderem nur eine Frau mitspielen durfte) kamen gut und gerne ein Dutzend Frauen. Und ich rede schon von so um die 100 und mehr Regisseure.

Dadurch hat sich natürlich ein starkes männliches Bild etabliert und leider auch bis heute durchgesetzt. Vor Jahren habe ich mal eine Rezension zu einem Buch gelesen (leider weiß ich nicht mehr den Titel). Da beschwerte sich, ich glaube, es war eine Frau, darüber, dass alle wichtigen Rollen in diesem Buch mit Frauen besetzt waren. Wenn es genau andersherum läuft, also die wichtigsten Rollen von Männern besetzt werden, danach schreit kein Hahn. Leider. Denn es fällt schon gar nicht mehr auf. Nur wenn es in die andere Richtung geht, bemerkt man das und schon ist es eine Katastrophe.

Und heute hat sich dieses Bild nicht nur in Hollywood festgefressen, sondern auch bei der schreibenden Zunft. Nicht umsonst gibt es immer und immer wieder Diskussionen darüber, wie wenig Frauen in den Filmen zu finden sind. Oder darüber, dass viele Filme den Bechdel-Test nicht bestehen oder über viele andere Themen.

Marvel erklärte, dass sie nicht glauben, dass Frauen wirklich als Titelheldin funktionieren könnten. Wobei Kevin Feige wohl doch daran glaubt und dementsprechend doch Filme mit Frauen in der Titelrolle produzieren lassen will. Da heißt es wohl abwarten und Tee trinken.

Wie Du es anders schreiben könntest

Ganz klar, die Hälfte Deiner Rollen besetzt Du mit Frauen. Punkt! So einfach kann das gehen.

Schauen wir uns das ein wenig detaillierter an. Wie viele Rollen hast Du überhaupt in Deinem Buch zu vergeben. Wenn es eine gerade Zahl ist, dann kannst Du in der Tat 50:50 die Rollen aufteilen. Bei einer ungeraden Zahl kannst Du auch mutig sein und die letzte Rolle mit einer Frau besetzen. Dann wäre in der Tat mal ein Überschuss an Frauen zu finden.

Wenn Du jetzt sagst, aber es gibt doch Rollen, die eher männlich geprägt sind. Dazu zählt der Mechaniker oder der Krieger. Dann sage ich nur, es gibt die Möglichkeit, schlichtweg solche Rollen prinzipiell mit Frauen zu besetzen. Du wirst überrascht sein, wie sich die Sicht Deiner Geschichte danach ändert.

Und ein kleiner Hinweis noch: Wie wäre es denn auch mal mit einer Titelheldin? Es mag schwerer sein, dann das Buch an den Mann zu bringen. Aber sicherlich nicht unmöglich. Aber da lohnt es sich schon wieder, einen eigenen Beitrag zu schreiben.

Die Männerhassende Lesbengruppe

Der Inhalt

Eine kleine oder größere Gruppe von Frauen, und zwar nur von Frauen, jagen einzelne Männer oder eine Gruppe von Männern, um diese entweder zu versklaven, unterjochen oder zu vernichten. Nichts soll jemals an sie erinnern, wenn es nach dieser Frauengruppe geht.

Diese Gruppe verweigert beinahe schon hysterisch jegliche Unterstützung von Männern, selbst wenn es bei anderen Gruppen der gleichen Organisation es Tradition ist. Sie hassen Männer und wollen dementsprechend kaum, bis gar nichts mit ihnen zu tun haben.

Und um das Klischee zu bedienen, dann sind alle natürlich auch noch Lesben. Ihr Männerhass soll natürlich auf die höchste Spitze getrieben werden.

Die Männer sind häufig reine Opfer, die noch nicht einmal wissen, warum diese Frauengruppe sie überhaupt vernichten wollen. Manche von den Männern sind natürlich schlechte Menschen. Das soll zeigen, dass die Arbeit der Frauen durchaus einen wertvollen Beitrag leistet. Aber die anderen sind reine Opfer, die einfach nur überleben wollen. Und eben diese Frauen wollen das verhindern.

Das Problem

Wo soll ich anfangen, wo das Problem ist. Wie viele Frauengruppen kennst Du, die ohne Grund hinausziehen, um Männer ohne einen ersichtlichen Grund zu vernichten. Es gibt durchaus Frauengruppen, die sich gegen Männer wehren. In Indien zum Beispiel ist das gerade so.

Aber mir fällt jetzt wirklich partout keine Frauengruppe ein, die aus welchen Gründen auch immer, sich aufmachen, um Männer zu vernichten. Das gilt auch im historischen Kontext. Wenn Du was weißt, ich lerne gerne dazu.

Aber da fängt es schon einmal an. Eine Frauengruppe will die armen, armen Männer oder gar die ganze Männerwelt vernichten. Und das aus einer verqueren Ideologie heraus. Und zumeist wissen die Männer noch nicht einmal, warum sie die Opfer dieser Frauengruppe sind.

Zugleich haben wir auch das nächste Problem. Und zwar die vollständige Ablehnung der Unterstützung durch die Männer. Es ist zwar in Ordnung, wenn Frauen erst einmal selbst versuchen, Lösungen für ihre Probleme zu finden. Aber warum soll man vollständig auf die Unterstützung anderer, egal ob Frau oder Mann verzichtet? Denn die Hilfe von Frauen wird ebenfalls abgelehnt, wenn sie deren Ideologie nicht teilen.

Doch wenn man diesen Klischees glaubt, dann würden die Frauen niemals die Hilfe annehmen, weil das schlichtweg schlecht ist. Die Hilfe der Männer ist schlecht. Und Männer können ihnen sowieso nicht helfen. Also braucht man sie sowieso nicht. Manche würden sogar eher sterben, bevor sie einen Mann um Unterstützung bitten. Und das darfst Du übrigens auch wortwörtlich nehmen.

Vielleicht kennst Du die Romanreihe „Das Rad der Zeit„. Dort gibt es die Aes Sedai, eine reine Frauengruppe, die übernatürliche Fähigkeiten haben. Die wieder herum sind in verschiedenen Ajahs unterteilt. Die roten Ajah sind unsere Männerhassende Gruppe, welche jeden Mann, der die sogenannte eine Quelle, die eine Macht berühren kann, jagen und vernichten wollen.

Normalerweise haben die Aes Sedai einen Behüter an ihrer Seite. Denn sie dürfen die Quelle nicht benutzen, um andere Menschen zu gefährden oder gar zu töten, solange sie nicht zu den Schatten gehören. Das übernimmt dann der Behüter, wenn es notwendig ist. Aber eben nicht die rote Ajah.

Die Krönung solcher Gruppen ist eben halt auch, dass sie sich auch sexuell nicht für Männer interessieren. Wenn sie also überhaupt sexuelle Interessen haben, dann eben nur für Frauen.

Das sind alles im Grunde genommen nur Aneinanderreihungen von Klischees. Frauen, die Männer hassen. Frauen, die Männer jagen. Frauen, die dann eben Lesben sind. Das ist dann die Krönung der Angelegenheit.

Warum wird das geschrieben?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass einige Männer heftige Vorurteile haben, wenn Frauen sich zusammenschließen. Was könnten Frauen schon machen, wenn sie Männer aussperren, weil sie ein wenig Zeit für sich haben wollen? Natürlich eben die Männer vernichten. So einfach ist das.

Zumindest, wenn man meinem Gefühl folgt.

Eine Gruppe von Frauen, die eben Männer jagen und zugleich auch noch Lesben sind. Das ist irgendwie eine Mischung von allen negativen Vorurteilen, die man in diesem Bereich haben kann.

Denn wenn Frauen sich zusammenschließen und Männer keinen Zugang gewähren, dann planen sie eben deren Vernichtung. Und wenn sie keine Hilfe von Männern wollen und nicht mit ihnen arbeiten und reden oder was auch immer, dann müssen sie eben Lesben sein.

Irgendwann hat wohl jemand diese Gruppe von Frauen erfunden. Und das hat sich dann über Laufe der Jahre und Romane regelrecht festgefressen und wird bis heute ohne es zu hinterfragen benutzt.

Gerade dann, wenn wir es mit einem männlichen Helden zu tun haben (wie bei „Das Rad der Zeit“ der Fall ist), dann ist es gut, wenn man ihm eine ganze Gruppe entgegensetzen kann, damit er niemals Ruhe findet. Jede Frau, mit dem er sich unterhält, könnte letztendlich einen Strick in ihrer Handtasche haben.

Natürlich kann das schwierig für ihn werden. Gerade dann, wenn er vielleicht noch ein Frauenschwarm ist. Das könnte auch eine interessante Geschichte werden.

Wie Du es anders schreiben kannst

Natürlich könntest Du jetzt eine Männergruppe ins Rennen schicken und diese entweder ebenfalls die Männer jagen oder auch Frauen. Aber das wäre nicht viel besser, als das, was ich oben geschrieben habe. Also lassen wir das.

Nehmen wir mal an, Du willst unbedingt eine Frauengruppe haben, damit sie sich um die Männer kümmern. Das kann durchaus in Ordnung sein. Aber dazu solltest Du ein paar Punkte ändern. Effektiver können diese Frauen sein, wenn sie eben nicht auf die Unterstützung von Männern verzichten würden. Wie wäre es, wenn sie Männer nutzen, um ihre Ziele erreichen? Aber diese nicht allesamt töten?

Aber wie wäre es, wenn Du aus der reinen Frauengruppe eine Mischgruppe machst, die eben einer Ideologie verfolgen. Warum sollten nur Frauen sich vor einer bestimmten Gruppe fürchten und diese dann zu vernichten versuchen? Das können Männer durchaus auch.

Misch also die Menschengruppen miteinander und lasse sie nicht nur Männer verfolgen, sondern auch Frauen und Kinder. Vielleicht willst Du, dass die Männer besondere Fähigkeiten haben? Dann ist das in Ordnung. Aber sie sind Söhne ihrer Eltern, vielleicht Brüder oder auch Ehemänner und Väter. Warum sollte diese ihren Sohn, Bruder, Vater oder wer auch immer verraten und verlassen?

Daher könnte sich die Familie schuldig machen, weil sie den gesuchten Mann unterstützen. Und aus diesem Grund könnten auch sie verfolgt werden. Es gibt also genügend Gründe, wie Du die Gruppendynamik verändern kannst.

Die Amazonen lechzen nach einem Mann … in einer reinen Frauenwelt

Der Inhalt

In diesem Fall dreht es sich in der Tat um eine reine Frauenwelt. Entweder haben wir es mit einer Gruppe von Frauen zu tun, eben den Amazonen, die abgeschieden leben und kein Interesse haben, dass ein Mann an ihrer Seite oder in ihrer Gesellschaft lebt. Oder aus irgendwelchen Gründen existieren auf einen Planeten nur Frauen. Die Männer sind entweder abgehauen oder ausgestorben. Das kommt immer auf die Geschichte an.

Und dann kommt er, der Retter der einsamen Frauenherzen: ein Mann!

Während die Amazonengruppe, die in einer gemischtgeschlechtlichen Umgebung lebt, sicherlich den Umgang mit Männern gewohnt ist, sind Amazonen an abgeschiedenen Orten oder gar Planeten, wo sie nur den Umgang mit Frauen pflegen, Männer nicht gewohnt zuweilen auch nicht bekannt.

Doch, wie schon erwähnt, irgendwann taucht der Mann in der Geschichte auf. Und was passiert? Er macht die Frauen, gelinde gesagt, ganz wuschig. Während ein Teil der Amazonengruppe versucht ihn zu töten (hatten wir das nicht schon einmal?), wollen die anderen Frauen ihn für sich ganz alleine haben.

Dadurch kann sogar ein Kampf zwischen den einstigen Schwestern entbrennen und der Mann ist der Mittelpunkt dieses Streites. Und es kommt, wie es kommen muss, der Mann schlichtet dann häufig diesen. Wenn er es denn darf, weil die Geschichte das zulässt und nicht mit der schönsten Amazone den Rückzug antretet.

Das Problem

Im Grunde genommen muss man dieses Problem in zwei Teile aufteilen. Und das mache ich hier einmal.

Zum einen gibt es die Amazonengruppe, die sich sehr wohl bewusst ist, dass es Männer gibt. Und dann eben die Gruppe, die noch nie einen getroffen hat.

Die erste Gruppe hält sich meistens eher zurück, um den Männern nicht zu nahe zu kommen. Vielleicht die einen eher freiwillig, während die Kinder und Kindeskinder dazu erzogen werden (wie sie jetzt zu Kindern kommen, ist nicht das Thema dieses Beitrages, daher nehmen wir bitte diesen Punkt einfach als gegeben hin, vielen Dank).

Sie haben sich trotzdem bewusst dafür entschieden, ansonsten könnten sie auch das Dorf verlassen und bei den gemischtgeschlechtlichen Dörfern der Umgebung oder weit entfernt sicherlich jemanden finden, der sie heiratet. Aus diesem Grund spreche ich davon, dass es sich hierbei schon um eine etwas freiwilligere Entscheidung handelt (wie man das auch immer in der Erziehung auch sonst nennen mag).

Bei der zweiten Gruppe hingegen sehe ich das durchaus problematischer. Denn es mag schon seit Generationen oder länger kein Mann in ihrer Nähe gewesen sein, sodass sie noch nicht einmal wissen dürften, wie einer überhaupt aussieht und was ihn von Frauen unterscheidet. Gerade dann, wenn sie noch nie was vom anderen Geschlecht gehört haben. Und ja, ich meine hier durchaus die Unterschiede, an die Du wahrscheinlich gerade denkst.

Trotzdem schafft unserer Adonis es in diese Gruppe und sofort drehen sich alle Köpfe nach ihm um. Okay, natürlich, er ist etwas neues und anderes. Das macht ihn durchaus interessant. Da möchte sicherlich jede Frau schon einmal einen Mann sehen, ihn vielleicht anfassen. Aber ist es jetzt wirklich sicher, dass sie weiß, was sie mit einem Mann überhaupt anfangen soll?

Aber natürlich kommt es früher oder später dazu, dass sich so gut wie alle Frauen letztendlich um ihn prügeln. Dadurch nimmt die Gesellschaft teilweise solche Schäden an, dass man diesen nicht mehr reparieren kann.

Ich werde mich jetzt nicht hinstellen und behaupten, dass es nicht Frauen gibt, die sich um einen Kerl prügeln und noch Schlimmeres machen. Das ist ein Fakt. Darüber könnte ich jetzt eine soziologische Diskussion anführen, warum Frauen die Männer in den Mittelpunkt ihres Lebens setzen. Das hat durchaus etwas mit patriarchalischen Strukturen zu tun. Aber ich werde da jetzt nicht tiefer gehen.

Doch wenn Männer niemals im Leben einer Frau eine Rolle gespielt hat, warum soll dieser dann auf einmal so wichtig sein, dass sie deswegen ihre Schwester in Gefahr bringt oder gar umbringen würde? Eher unwahrscheinlich. Denn sie sind nach einem anderen System aufgezogen worden und da spielen eben Männer keine Rolle.

Daher wundert es mich, wie man solche Geschichten überzeugend schreiben kann. Aber ich lese solche Geschichten eher weniger, ehrlich gesagt.

Warum wird das geschrieben?

Jetzt könnte ich schreiben, dass es wohl Männern der Gedanke gefällt, dass sich eine Gruppe von Frauen um sie prügeln. Aber ich kann Dir garantieren, dass nicht nur Männer solche Geschichten schreiben. Es gibt auch Frauen, die man in dieser Reihe findet.

Aber ich glaube, die ursprüngliche Idee kommt daher, dass sich manche einfach nicht vorstellen können, dass Frauen sich nicht um Männer kümmern (siehe auch den Beitrag oben). Oder das es eine funktionierende Gesellschaft gibt, in denen die Männer überhaupt keine Rolle spielen.

Allein schon durch die Tatsache, wie kommen diese Frauen zu ihren Kindern? Da muss man doch Männer haben. Und wie soll das mit dem Sex zwischen den Frauen gehen? Das können sich immer noch viele nicht vorstellen. Lesbensex ist kein richtiger Sex. Zumindest durfte ich das schon öfter lesen und hören.

Es gibt Geschichten wie „Herland“ von Charlotte Perkins Gilman, welche diese Thematik durchaus aus feministischer Sicht betrachten. Aber die meisten Romane kann man eher als Fantasiegeschichten bezeichnen, die eben ein seltsames Bild von der Gesellschaft einer Frau liefern.

Wie Du es anders schreiben kannst

Du kannst natürlich über eine Amazonengesellschaft schreiben. Doch warum müssen sie, kaum trifft ein Mann in ihrer Gesellschaft ein, gleich den Kopf verlieren und sich eben diese einschlagen?

Zwar kann man die Comicindustrie nicht unbedingt als sehr feministisch bezeichnen, aber die Geschichte um Wonder Woman dürfte da durchaus in diese Richtung gehen. Eine der vielen Zeichentrickfilme um sie, gibt es zwar ein oder zwei Amazonen, die bei der Ankunft eines Mannes den Kopf verlieren. Doch Wonder Woman eben nicht. Sie hilft einen Mann und letztendlich der Gesellschaft außerhalb ihrer Heimat, ist aber sich ihrer selbst immer noch bewusst und weiß, was sie kann und was sie will.

Es ist völlig in Ordnung, wenn eine Frau mal ihren Kopf verliert, warum nicht? Aber warum sollte gleich die ganze Gesellschaft dem gleichen Wahn verfallen? Das sehe ich als eher unwahrscheinlich an.

Wie wäre eine Geschichte, in der die Amazone und der Mann oder die Männer miteinander arbeiten und sich auf gleicher Höhe begegnen. Das wäre mal eine sehr angenehme Abwechslung.

Weiterhin könnte auch eine Frau in dieser Männergruppe teilhaben (mindestens eine Frau) und sie sieht in dieser Gesellschaft für sich etwas, was sie in ihr Leben übernehmen möchte. Immerhin können beide Gruppen voneinander etwas lernen.

Also könnte auch die Amazonengruppe etwas von den Männern und letztendlich auch die Frauen (sofern es eine dabei gibt) lernen. Und eben auch anders herum. Alle sehen sich auf gleicher Augenhöhe und betrachten sich als gleichwertig.

Und es muss nicht am Ende passieren, dass sich eine der Amazonen Hals über Kopf in einen der Männer verliebt. Warum muss das überhaupt sein? Immerhin hat sie nur Frauen um sich herum. Wäre es da nicht wahrscheinlicher, dass sie sich sogar in einen der Frauen verliebt, als in einen der Männer?

Zumindest wäre das für mich logischer in solchen Geschichten. Aber das musst Du dann entscheiden, wenn Du einen solchen Roman schreiben willst.

Überall nur das Patriarchat, sogar im Weltall 

Der Inhalt

Wir reisen durch das All. Weit entfernt von der Erde. Und treffen auf Zivilisationen, die kein Mensch zuvor je getroffen hat.

Und trotzdem ist alles beim Alten. Denn der Mann herrscht, die Frau hat zu kuschen, wo ist da der große Unterschied?

Das patriarchale System auf der Erde, also die „Vaterherrschaft“ (nicht Männerherrschaft, mehr unter dem Link, den ich eingefügt habe), scheint wie ein Virus das komplette Universum befallen zu haben. Denn überall finden wir die gleichen Bedingungen vor.

Der Mann ist das Oberhaupt. Es ist völlig in Ordnung, wenn er zwei oder mehr Ehefrauen hat. Und die Ehefrauen sagen nichts dagegen oder dürfen selbst nicht zwei oder mehr Ehemänner haben (Ausnahmen bestätigen die Regel, glücklicherweise).

Es kann sogar so weit gehen, dass Frauen überhaupt nicht aus dem Haus dürfen oder gar das Recht haben, Kleidung anzulegen (ein extremes Beispiel, aber Star Trek hat es aufgenommen).

Im Grunde genommen ist es egal, welche Punkte letztendlich in der Gesellschaft aufgenommen werden, man sieht jedoch viele Parallelen zu der Kultur der Erde. Daher kann man sagen, dass überall die gleiche Entwicklung in der Gesellschaft stattgefunden hat. Irgendwann ist der Mann als Herr des Hauses und der Gesellschaft hervorgegangen und die Frau hat das nachsehen.

Das Problem

Ich sehe hier durchaus zwei Probleme.

Das erste Problem ist, dass teilweise unbewusst suggeriert wird, dass diese Gesellschaftsnorm die absolut natürlichste ist. Dabei haben wir sogar auf der Erde matriarchalische Gesellschaften, die bis heute noch existieren. Und viele Forscherinnen und Forscher gehen auch davon aus, dass sie die ursprüngliche Gesellschaftsform waren und nicht das, was wir heute kennen.

Somit wird dieses Bild manifestiert, dass der Vater über die Gesellschaft herrscht und das sich diese Gesellschaftsform im ganzen Universum verbreitet hat. Andere Gesellschaftsformen scheinen dabei tabu zu sein. Oder sie sind mit Vorurteilen besetzt, dass mir persönlich schlecht wird.

So wurde das Thema „Matriarchat“ in der Serie Star Trek: Enterprise aufgenommen. Jedoch mit Vorurteilen, welche die moderne Matriarchatsforschung so nicht bestätigen kann.

Vermutlich stellen sich die Autorinnen und Autoren nicht hin und überlegen, wie sie die Säulen dieser Gesellschaft festigen können. Sie schreiben einfach diese Geschichten und nehmen die Kultur als Vorbild, die sie eben kennen. Das bedeutet, dass die patriarchalische Kultur einfach mal ins komplette Weltall mitgeschleppt wird.

Und da kommen wir schon zum zweiten Problem an dieser Geschichte.

Es ist nun wirklich nicht besonders kreativ, wenn ich immer und immer wieder die gleiche Geschichte erzähle. Und das gilt auch für die gleiche Gesellschaftsform. Wieso nicht mal komplett alles auf den Kopf stellen und komplett etwas Neues erfinden? Dafür sind Fantasy- und Science-Fiction-Gesellschaften doch regelrecht prädestiniert dafür.

Warum werden also immer die gleichen alten Geschichten und Gesellschaftsstrukturen genommen und aufgewärmt?

Warum wird das geschrieben?

Es wäre schön, wenn man es einfach auf den Sexismus der Autorinnen und Autoren schieben könnte, dass sie solche Geschichten und / oder Drehbücher schreiben. Bei einigen mag es durchaus sein. Aber ich glaube, dass diese Gesellschaft, in der wir leben, einfach so alltäglich geworden ist, dass wir gar nicht mehr aus ihr herauskommen. Denn wir denken einfach nicht mehr weit genug, um kritisch zu sein. Zumindest die meisten von uns nicht (und ich zähle mich Zeitweile auch dazu).

Das bedeutet, dass die Leute eben zu dem gewohnten greifen, als eben sich darüber Gedanken machen, wie man es anders machen könnte. Natürlich ist das schwierig, denn gerade in gesellschaftlichen Fragen wäre es schön, wenn wir Vorbilder haben. Da diese uns zeitweilig fehlen, greifen wir eben auf die uns bekannte Form zurück.

Wenn wir eine neue Gesellschaftsform in unseren Geschichten einführen, dann müssten wir über den Tellerrand hinaus schauen und sehen, was überhaupt an dieser eventuell fehlerhaft sein könnte. Der nächste Schritt wäre dann zu überlegen, was man ihr verändern / verbessern würde und so käme man Schritt für Schritt zu einer neuen Gesellschaftsform, die man dann in der Geschichte vorstellen könnte.

Doch solange wir nicht aus diesem Trott herauskommen, solange werden diese Geschichten geschrieben. Und dies häufig zum Nachteil der Frau. Und letztendlich auch zum Mann, weil er ja immer der Held und Ernährer sein muss.

Wie Du es anders schreiben kannst

Wie oben schon beschrieben, dieser Punkt ist eigentlich nicht sehr leicht umzusetzen. Denn dazu gehört schon sehr viel Fantasie, um aus dem bestehenden Kreis dieser Gesellschaft auszubrechen.

Du kannst Dir eine Gesellschaft vorstellen, die das Schlimmste in uns repräsentieren kann. Und dann auch das Beste. Wie sähe diese aus? Notiere Dir alles, was Du dazu findest. Erkundige Dich auch über vergangene Gesellschaftsformen und gegenwärtige. Mische sie und überlege Dir, wie sie in die heutige Zeit passen könnten.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, um mit dieser Idee zu spielen. Und sie alle sind richtig, solange sie etwas Neues erschaffen.

Hier gibt es keinen richtigen Plan, da es natürlich schwer ist, eine eigene Gesellschaft zu erschaffen. Aber das wäre durchaus auch ein Thema für den Newsletter.

Abschlussgedanken

Geschichten, die sich um eine Gruppe oder eine Gesellschaft drehen, sind durchaus interessant. Warum auch nicht? Nur haben sich hier auch Klischees und der Sexismus festgefressen, dass man da gerne einen zweiten oder auch einen dritten Blick darauf werfen kann und sollte, bevor man diese Möglichkeiten verwendet.

Wenn Du Dich doch dafür entscheidest, genau diese Punkte zu verwenden, dann weißt Du über die Hintergründe nun Bescheid. Und damit ist es eine bewusste Entscheidung, die Du nun treffen kannst.

Egal wie Du Dich entscheidest, ich wünsche Dir viel Spaß.

Kennst Du solche Geschichten?

Überprüfe mal Dein Bücherregal oder Deine Filmecke und schaue nach, ob Du nicht Serien, Bücher oder Filme mit den oben aufgeführten Elementen findest. Wie wurden sie dargestellt und wie findest Du sie jetzt, nachdem Du den Beitrag gelesen hast. Möchtest Du diese Elemente selbst verwenden oder wie sieht es bei Dir aus?

Deine Entscheidung

Wie sieht es bei Dir nun aus? Möchtest Du diese Elemente in Deinen Geschichten einsetzen? Schnapp Dir Dein Notizbuch und schreibe darüber. Was findest Du gut an diesen Elementen, was schlecht und wie würdest Du es einsetzen wollen. Setze Dich gerne mit diesen Themen bewusst auseinander. Dann kannst Du eine bessere Wahl treffen.
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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10 Antworten zu Sexistische Elemente für Deine Geschichte – Teil 2

  1. chickinwhite schreibt:

    Ich finde die Art und Weise wie du an dieses Theam herangehst einfach klasse 😀

    Ich selbst bin geprägt von meinem Fandom (Legend of the Seeker). Da spielte in der ersten Staffel eine starke Frauenfigur quasi die Hauptrolle, neben dem klassischen Held, der jeder „Damsel in Distress“ aus der Klemme helfen musste :eyeroll:
    Die nette, klassische Story von der fast nicht möglichen, aber unsterblichen Liebe inklusive.
    Als es hieß, das eine zweite Frauenfigur die zweite Staffel bereichern sollte, war ich zunächst ziemlich entnervt: Ja klar, dann werden die beiden Ladies sich um den Kerl kloppen und Eifersucht beherrscht die Thematik…
    Aber Pustekuchen!
    Die Macher haben eine so grandiose Beziehung zwischen den beiden Ladies aufgebaut, Spannung, Emotion, Leidenschaftliches Gegeneinander und MIteinander, dass die Mädels den männlichen Helden glatt an die Wand spielten.. Wirklich großartig! (Meine Meinung.)

    Seitdem schreibe ich. Und es geht immer um starke Frauenfiguren, die nicht auf den jugendlichen Helden warten, nur um ihm aus dem Stand mit Haut und Haaren zu verfallen…
    Ich finde deren Entwicklung selbst extrem spannend, und bin zuversichtlich, dass es dafür einen richtig großen Markt gibt…
    (YEP! Den ich zu erobern bereit bin… – wenn ich mal irgendwann fertig bin mit meinem Werk… :P)

    Gefällt 2 Personen

    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Hallo,

      danke für Dein Kommentar und Deine Ansicht zu der Sache. Es stimmt, dass es natürlich gefährlich werden kann, wenn eine zweite Frau hinzukommt und sich die Macherinnen (auch Frauen sind davon noch nicht befreit) oder die Macher sich den klassischen Klischees bedienen. Zwei Frauen, ein Mann, was kann dabei schon herauskommen? Wenn man es richtig macht, dann, wie Du es beschreibst, eine hervorragende Geschichte.

      Dazu benötigt man jedoch auch ein bisschen Mut, über den Schatten zu springen und zu sagen, Frauen können sich zwar den Schädel einprügeln, sie können aber auch gemeinsam an einem Strang ziehen und sagen, hei, wir sind Frauen, wir halten zusammen, Tschakaa, wir retten den Tag. Und hier ist es scheinbar geschehen.

      Und schön, dass es Dich ermutigt und inspiriert hat, Deine Form der Geschichte mit starken Heldinnen zu schreiben. Dann hat die Serie alles richtig gemacht.

      Klasse 🙂 Und ich freue mich schon auf Deine Geschichte.

      Gefällt 1 Person

    • teaconny schreibt:

      Wenn ich mich da mal einmischen darf: Ich persönlich bin überhaupt kein Fan von Dreiergeschichten. Kennst du die Plötzlich Fee Reihe? Da streiten sich im Prinzip zwei Helden(Ash und Puck) um die Heldin(Meghan).
      Als ich das gelesen habe dachte ich mir: Wirklich? Muss das sein? (Denn das kam erst im zweiten Band dazu. Im ersten Band entstand klar die Liebe zu Ash) Kann man nicht irgendwie anders Spannung aufbauen? Und natürlich „verrät“ Meghan dann ihren eigentlichen Lover(Ash) mit dessen Widersacher(Puck), als Ash mal nicht zur Stelle ist, weil sie sich „so einsam“ fühlt.(Oder was auch immer der Grund war)
      Ich finde das muss nicht sein. Ich muss zugeben, dass ich am Anfang auch mit dem Gedanken gespielt habe, hmmm, soll ich da jetzt ne Dreiergeschichte in meine Geschichte einbauen? Aber dann habe ich mich dagegen entschieden.
      Ich versuche auch ganz bewusst, meine weiblichen Figuren nicht hilflos erscheinen zu lassen. Ist ja auch irgendwie unglaubwürdig und kommt so in der realen Welt kaum vor.

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      • Carola vom schreibkasten schreibt:

        Hallo Tea,

        Du darfst Dich immer einmischen 🙂 Dreiergeschichten im Romancebereich haben eine völlig andere Dynamik, als eine Dreiergeschichte, wo sich alle auf gleicher Augenhöhe betrachten und eben sich nicht alle in die Heldin oder den Helden verlieben. Aber dazu will ich mich noch nächste Woche äußern. Denn auch das ist durchaus ein Klischee und enhält bis zu einem gewissen Grad sexistische Tendenzen (dazu aber nächste Woche mehr, ich will nicht zu viel verraten).

        Die Reihe kenne ich nicht und es scheint mir auch, dass das nichts für mich ist. Denn mir gehen solche Konstellationen durchaus auf die Nerven. Denn man kennt sie. Zwei Jungs verlieben sich in das Mädchen und sie muss sich entscheiden. Zwar habe ich jetzt noch keine Ideen dafür, aber das lässt sich sicherlich noch völlig anders entscheiden. Das notiere ich mir auf meiner „Beitragsliste“ und werde mir dazu was überlegen.

        Ansonsten finde ich es Klasse, dass Du über starke Heldinnen schreibst. Denn so etwas finde ich persönlich immer sehr angenehm 🙂

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  2. Nora Bendzko schreibt:

    Danke für diesen sehr informativen zweiten Teil! Der Männer-Überschuss war mir noch gegenwärtig. Die männerhassenden Lesben und Frauengesellschaften, die plötzlich dem Mann hinterher laufen … da würde mich mal echt interessieren, wie viele so etwas heute noch schreiben. Für mich persönlich wäre das längst „out-dated“ und etwas, das ich keinem Publikum zumuten würde. Aber vielleicht denkt ja jemand anders auf dieser Welt 😉

    Ja, die vielen Männer und das Patriarchat … Offensichtlich, aber etwas, worauf man als Autor erst einmal kommen muss. Zumindest war es bei mir so, dass ich erst ab einem gewissen Alter einen kritischeren Blick für die Gender-Rollen in meinen Geschichten bekam. Dann kam auch erst Lust und Bedürfnis, diese in Frage zu stellen und etwas „Anderes“ zu machen.

    Mein erstes, unbeendetes Fantasy-Unwerk war eine typisch patriarchalische Geschichte, wo die Männer die Geschichte dominieren und starke Frauen zwar vorkommen, jedoch nur in der Romanze mit einem der Typen existieren können. Urgh. Mir graut, wenn ich heute daran denke … *lach* Aber damals beim Schreiben (ich war 15) habe ich einfach nicht drüber nachgedacht. Da war ich medial viel zu sehr von solchen Inhalten umgeben und musste erst einmal checken, dass es etwas Anderes gibt.

    In Sachen Völker von fremde Planeten möchte ich noch hinzufügen, dass es mir irgendwann richtig aufgestoßen ist, dass viele Autoren davon auszugehen scheinen, alle Alien-Völker müssten aus Männchen und Weibchen bestehen. Ist es nicht viel spannender, wenn es nicht so wäre? Warum kann ein Alien-Volk nicht drei, vier oder einfach nur kein Geschlecht haben? (Ich habe dann tatsächlich mal ein Alien-Volk konzipiert, dass geschlechterlos durch ein kollektives Bewusstsein verbunden ist, sich also vornehmlich in einer „Wir“-Einheit begreift, und darüber hinaus keine Vorstellung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hatte, sondern das Universum als eine einzige Zeiteinheit wahrgenommen hat … das wahr ein großartiges Gedankenexperiment ^^)

    Es wurden ja auch schon Dreier-Beziehungen genannt (die mir persönlich in Sachen Romantasy seit Twilight unglaublich auf die Nerven gehen … eine progressive Beziehung ist viel spannender als ein ewiges: „Will ich ihn, oder ihn, oder … hmmmmmmmmm!“). Ich finde gerade daran sieht man auch, dass viele Geschichten nicht über eine duale Beziehung hinausdenken; immer wird sich für den einen Mann, die eine Frau entschieden. Allein die einfache Idee, dass der Prota doch mehrere Erfahrungen innerhalb der Jahre machen könnte, liest man wahnsinnig selten. Trudi Canavan hat das eindrucksvoll in „Die Gilde der Schwarzen Magier“ gemacht, aber ansonsten könnte ich mich an kein prägnantes Beispiel erinnern.

    Ich habe neulich in einem Sci Fi mal etwas ganz Anderes ausprobiert und eine polygame Lebensgemeinschaft von zwei Männern und zwei Frauen gehabt – das war wahnsinnig erfrischend! Aber auch hier musste mich erst einmal eine Meinung von außen zum Nachdenken bringen. Ursprünglich wollte ich einen Typen und drei Frauen machen, worauf meine Schwester meinte. „Das ist doch total Klischée, der Mann und sein Harem!“ Ja, und sie hatte recht … da hätte ich auch von allein draufkommen können ^_^

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    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Gerne. Mich freut es, dass der Beitrag gut bei Dir ankommt.
      Leider sind diese Gesellschaftsformen nicht so ganz ad acta gelegt, wie wir es uns wünschen. Das Rad der Zeit ist eine relativ jüngere Geschichte. Und die Amazonenwelt, ob Du es glaubst oder nicht, vor einigen Jahren hat solch eine Geschichte eine Frau geschrieben. Ich bin mal so dreist und enthalte mich eines Kommentars dazu. Und bisher habe ich mich auch geweigert diese Geschichte zu lesen. Aber vielleicht sollte ich es mal machen, um zu sehen, ob meine Meinung bestätigt wird oder sie sogar etwas erfrischend anderes geschrieben hat. Ohne es gelesen zu haben, kann ich mir eigentlich gar kein Urteil darüber erlauben. Aber bisher konnte ich mich dazu noch nicht durchringen. Immerhin habe ich einen ordentlichen SuB hier.

      Klar. Man muss erst einmal lernen und genau hinsehen, dass etwas nicht stimmt oder stimmen könnte. Man ist halt ein Teil dieser Gesellschaft und aus diesem Grund fällt es zumindest mir persönlich schwer kritisch zu sein und zu sagen, hei, das ist sexistisch oder was auch immer. Man muss selbst sehr kritisch sein. Und manchmal fällt es leider sehr schwer.

      Mit 15 Jahren ist es klar, dass man noch kein Blick für diese kritischen Themen hat. Zumindest behaupte ich es mal. Und erst recht, wenn man selbst kein Vorbild hat, welche selbst kritisch ist und mir beibringt kritisch zu denken. Wenn ich daran denke, was ich früher für Geschichten geschrieben habe, da bin ich froh, dass so gut wie alles zwischenzeitlich in irgendwelchen dunklen Löchern verschwunden sind. Mir tut es um keine der Geschichten Leid 😉

      Jetzt wo Du es sagst, danke für den Hinweis, es stimmt, es gibt immer nur weibliche und männliche Mitglieder eines Volkes. Ich bin der Meinung, dass es nur ein einziges Mal in irgendeiner Serie es mal war, dass das Volk geschlechtslos war. Nagle mich bitte nicht fest, aber ich glaube, es war bei Star Trek. Aber ansonsten beschreiben wir letztendlich nur das, was wir kennen. Denn ich müsste schon grübeln, wie ein drittes oder auch viertes Geschlecht aussehen könnte. Aber ansonsten stimme ich Dir vorbehaltslos zu. Das ist in der Tat ein interessantes Phänomen. Und die Idee zu Deinem Volk finde ich sehr faszinierend.

      Zwischenzeitlich ist es ja schon fast ein Klischee, wenn eine Frau sich zwischen zwei Männern entscheiden muss. Denn es könnte ja auch anders herum sein, also das sich ein Mann zwischen zwei Frauen entscheiden müsste. Das wäre definitiv mal was anderes. Aber immerhin schreiben viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass die monogame Beziehung vor dem Aus stehen soll. Daher wäre es durchaus interessant von Polyandren Beziehungen zu lesen.
      Zumal es in matriarchalen Gesellschaften durchaus üblich war, dass eine Frau alle Söhne einer anderen Mutter geheiratet hatte. So wurde die Überbevölkerung verhindert. Denn wie oft können zwei Männer eine Frau schwängern? Und wie oft kann ein Mann zwei Frauen schwängern? Da ist ja schon ein gewisser Unterschied zu sehen.
      Aber noch wird nicht über eine mögliche alternative Lebensform geschrieben, was ich durchaus schade finde. Es wäre dafür Zeit.

      Oder auch mal der Wechsel von LebenspartnerInnen. Denn das Leben ist halt nicht so, dass man immer nur bei einem Menschen bleibt, sondern es kann durchaus passieren, dass man den Partner oder die Partnerin wechselt. Aber vermutlich käme man im Romancebereich damit überhaupt nicht weiter. Da muss ja alles ein HEA haben.

      Und ja, polygame Beziehungen sind zwischenzeitlich auch ein Klischee. Schau Dir mal TLC an, dann weißt Du, was Deine Schwester meint 😉

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      • Nora Bendzko schreibt:

        Abend liebe Carola! Mich freut es total, dass du dir für so ausführliche Antworten Zeit nimmst. Ich glaube, wir könnten uns stundenlang über das Thema unterhalten 😉

        „Das Rad der Zeit“ ist ja öfter in deiner Reihe vorgekommen, scheint ja ein richtiges Paradebeispiel zu sein. Hast du zufällig den Namen von dem Amazonen-Roman? Dass Sexismus gegen Frauen auch von Frauen kommen kann, ist ja eigentlich kein Geheimnis … obwohl, ich denke mir, dass es sicher noch für viele überrachend ist.

        Ja, die alten Geschichten … Eines Tages krame ich sie hervor und schreibe sie mit meinem neuen Blick komplett um ^_^

        Haha, klar, ich fordere jetzt nicht von allen Science-Fiction-Autoren, dass sie sich wegen Geschlecht was Neues einfallen lassen sollen. Ich wollte nur hervorheben, dass wir gerade vom Gesellschaftlichen und der Biologie manche Strukturen für so natürlich nehmen, dass wir beim fantastischen Schreiben gar nicht auf die Idee kommen, was Neues zu machen. Wie du ja auch geschrieben hast, warum muss es immer Patriarchat sein? Es ist woh wahrscheinlicher, dass ein Alien-Volk mit einer anderen Biologie auch eine ganz andere Gesellschaft ist.

        Das freut mich übrigens ❤ Momentan habe ich nur eine Geschichte mit diesem Volk, aber mir gefällt die Idee so gut, dass ich eigentlich mehr drauß machen möchte. Ob Novelle oder Roman in der Perspektive möglich sind, muss ich noch ausprobieren, aber ich werde dieses Volk sicher öfter aufgreifen.

        Und wirklich, sagen Wissenschaftler das? In meinem Umfeld ist eher das Monogame noch gegeben, aber vielleicht ist das, eh, Herdentum ^^ Spannend, sich vorzustellen, wie die Welt von Morgen dann sein könnte.

        Ich finde es faszinierend, dass du in Sachen Matriarchat so viel weißt. Wieder was gelernt! Und die alternativen Lebensformen gibt es ja längst, sie kriegen nur nicht in der Populärkultur die Bühne, die sie längst verdient hätten. Wahrscheinlich muss sich noch einiges tun im Romance-Bereich, bevor wir das, wechselnde Partner und Anderes im Standard-Verlag erleben, und nicht nur in der Nische, weil man es dem Großpublikum nicht zutraut.

        Und ich wünschte, ich hätte TLC nicht gegoogelt *lach*

        Wünsche dir einen schönen Abend!

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      • Carola vom schreibkasten schreibt:

        Hallo Nora,

        um es mal kurz zu sagen: Ich respektiere Deine Zeit und Deine Energie, die Du in Deine Kommentare steckst. Denn das ist nicht selbstverständlich. Und ich freue mich, wenn ich mit jemanden diskutieren kann und dadurch auch neue Dinge lernen kann. Denn durch viele Beiträge wurde ich schon zu Teilen für meine Geschichten inspiriert, habe neue Dinge gelernt oder wurde auf Fehler meinerseits hingewiesen.

        An sich finde ich die Romanreihe „Das Rad der Zeit“ durchaus sehr gut. Aber es hat halt auch seine Schwächen. Unter anderem eben in dem Bild, was die Frauen betrifft. Leider. Aber gerade lese ich Band 1 wieder und muss trotzdem sagen, es ist gut geschrieben, hätte aber natürlich auch besser sein können.

        Den Namen der Autorin hatte ich Dir ja über Facebook schon geschrieben. Ich denke Mal, ich werde mir doch das Buch kaufen und sehen, ob es wirklich so schlecht ist, wie ich selbst fürchte und dann darüber auch eine Rezension schreiben. Es könnte ja sein, dass mich die Autorin doch überrascht. Man sollte ja durchaus aufgeschlossen sein.

        Ja stimmt, nicht alle AutorInnen sollen jetzt neue Geschlechter erschaffen. Andererseits wäre es doch interessant, wenn das überhaupt mal passieren würde. Zwar habe ich nicht viele Romane aus diesem Bereich gelesen, aber in diesen kamen überhaupt keine anderen Geschlechter erschaffen haben. Es wäre definitiv mal interessant, wenn man sich hinsetzt und etwas komplett neues erschaffen könnte. Vielleicht bin ich ja mal verrückt genug und werde mir dazu Gedanken machen.

        Und schön, wenn Du Dein Volk gefunden hast und mit diesem arbeiten möchtest. Das ist immer ein gutes Gefühl.

        Immer mehr WissenschaftlerInnen sagen, dass Monogamie eigentlich nicht natürlich ist. Und erzählmirnix (ein Blog hier auf WordPress und eine Seite auf Facebook) hat dazu ein interessanten Comic gezeichnet. Und zwar sehen wir es also komisch an, wenn eine erwachsene Person zwei weitere Personen liebt. Aber Eltern dürfen zwei und mehr Kinder lieben, neben Schatzi. Und das sehen wir als normal an. Da hat sie recht. Wie kommt dieses Bild zustande.

        Vor einigen Jahren habe ich mich sehr intensiv mit dem Matriarchat beschäftigt. Wenn Du selbst da zwei gute Bücher lesen möchtest, ich kann Dir Irene Fleiss (R.I.P.) empfehlen. Sie hat zwei so wunderbare Bücher dazu geschrieben, die kann ich nur empfehlen. Ich denke mal, dass ich das Thema auch für eine Newsletterausgabe mal aufbereiten werde. Das kann sicherlich interessant werden.

        Ich denke mal, bevor alternative Lebensgemeinschaften in Deutschland bei Verlagen Einzug halten, muss noch einiges passieren. Denn im englischen Sprachraum sind Polyamoregeschichten durchaus sehr beliebt (gerade im Gay Bereich). Jetzt muss es nur noch nach Deutschland schwappen. Und ich sehe, da gibt es noch sehr viele Beiträge, die ich dazu schreiben kann, werde und muss 🙂

        Und ja, TLC ist so … 😉

        Einen schönen Abend wünsche ich Dir auch ❤

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      • Nora Bendzko schreibt:

        Abend liebe Carola, endlich kann ich mal meine überfällige Antwort nachholen … bitte und gerne ^_^

        Hat nicht jedes gute Buch seine Schwächen? Ich bin bis heute traurig darüber, dass Tolkien nicht auf starke Frauenfiguren stand. So was ist verzeihbar 😉

        Danke übrigens für den Namen via FB, ich war schon seeehr erstaunt. Was es nicht alles gibt.

        Also mich würde es total interessieren, wie dein „erfundenes Geschlecht“ aussehen könnte! Vielleicht kommt das ja mal in die Liste deiner Projekte, wer weiß …

        Finde ich eine sehr interessante Argumentation mit der Monogamie und den Kindern, so habe ich das nie betrachtet. Ist irgendwo schlagkräftig. Irene Fleiss, das merke ich mir garantiert!

        „im englischen Sprachraum sind Polyamoregeschichten durchaus sehr beliebt (gerade im Gay Bereich)“ Sieh an, das wusste ich gar nicht! Wäre total interessant, wenn der Liebesroman auch im deutschsprachigen Bereich so aufgelockert würde. Und du bringst mich da auf richtige Ideen … Jetzt habe ich noch mehr Lust, mal eine Geschichte mit so einer Gemeinschaft in den Hauptrollen zu schreiben. Ach was, eine Geschichte, auf ein Buch hätte ich gar Lust! 😉

        Ich vermerke es als kleine Randnotiz im Hinterstübchen meines Hirns … danke für die Inspration ❤

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      • Carola vom schreibkasten schreibt:

        Guten Abend liebe Nora,

        vielen Dank für Deine Antwort 🙂

        Natürlich hat jedes Buch seine Schwächen. Das liegt sicherlich daran, dass wir Menschen einfach unsere Schwächen haben. Ich mag dieses lieber, Du magst jenes lieber und der Dritte etwas anderes. Und wenn wir dann über bestimmte Konventionen nicht nachdenken, dann kommt eben alles zusammen. Halt der Alltagssexismus.
        Und wenn man so nimmt, Tolkien hat ja überhaupt nur drei Frauen in seinen „Der Herr der Ringe“ auftauchen lassen. Aber das ist wohl auch seiner Zeit geschuldet. Aus diesem Grund kann ich das durchaus entschuldigen, aber andererseits, wenn heute jemand so schreiben würde, ich würde da nun sehr genau hinsehen.

        Kann ich mir vorstellen, dass Du ein wenig erstaunt bis. Bin und war ich.
        @ All. Ich habe Nora den Namen der Autorin, welche die Amazonengeschichte geschrieben hat, per Nachricht gesendet. Solange ich das Buch hier nicht rezensiere, werde ich Namen von Kolleginnen und Kollegen nicht öffentlich nennen, deren Werke ich nicht mag.

        Jetzt habe ich mich wohl ins Fettnäpchen gesetzt *lachZ*. Da werde ich mir mal Gedanken machen, wie ein erfundenes Geschlecht aussehen könnte. Momentan fällt mir noch nichts ein, das hat aber nichts zu bedeuten. Ich werde es mir auf alle Fälle notieren und dann sehen, was daraus kommt.

        Das mit der Monogamie und den Kindern habe ich bei erzählmirnix entdeckt. Das ist eine Comiczeichnerin, die sich auf solche Themen spezialisiert hat. Du findest ihre Seite auch auf FB, vielleicht ist da auch die eine oder andere Inspiration für Dich dabei.
        Und Irene Fleiss hat wirklich zwei wundervolle Bücher geschrieben, ich kann sie nur empfehlen. Und ich sollte mir ihre Werke mal wieder zu Gemüte führen.

        Wenn das so weiter geht, werden wir hier noch eine kleine Revolution starten, so in Richtung, wir verändern den Romance Bereich 😉 Zwar gibt es wohl schon einige Bücher, die übersetzt wurden. Aber mehrheitlich gibt es sie nur im englischen. Und hei, dafür bin ich, die Leute zu verführen zu schreiben. Und das um jeden Preis, koste es was es wolle 😉 ehehehe.

        Mmh, jetzt habe ich Lust in dieser Richtung was zu schreiben … menno, so haben wir nicht gewettet 😉

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