Die Gefahren einer Dorfidylle

Hei, hallo und herzlich willkommen,

nach den ganzen längeren Beiträgen möchte ich mit Dir heute über den Ort der Handlung sprechen. Und das dürfte ein eher kurzer Beitrag werden.

Kurze Vorgedanken

Sicherlich kennst Du Serien wie Buffy (immer noch meine Lieblingsserie), Vampire Diaries (ehrlich gesagt, nie gesehen) oder auch Gimore Girls (geniale Dialoge). Was haben all diese Serien gemeinsam? Genau, sie spielen in einer Kleinstadt mit einem Dorfgefühl. Man könnte fast sagen, jede dort kennt jede. Wo die Stärke und das Problem sein können, darüber mache ich mir in diesem Beitrag Gedanken.

Die Idee der Kleinstadt

Es hat durchaus was Interessantes, wenn man sich eine Kleinstadt als Ort der Handlung aussucht. Und eine Menge Vorteile gegenüber einer Großstadt oder gar einer Weltmetropole.

Der Wert der Erfindung

Sunnydale (Buffy), Mystic Falls (Vampire Diaries) oder auch Stars Hollows (Gilmore Girls) sind allesamt fiktive Orte, die Du vergeblich auf der Landkarte suchen wirst. Trotzdem funktionieren sie, weil sie wie eine reale Kleinstadt aufgebaut sind.

Wir in Europa kennen viele amerikanische Kleinstädte aus anderen Serien und Filmen und haben durchaus ein Gefühl dafür, ob diese Serien an diesen Orten funktionieren können oder nicht. Und die Menschen in Amerika wissen, solche Orte könnten in der Tat ein paar Kilometer weiter tatsächlich existieren. Es ist also ein vertrautes Gefühl, was hierbei mitspielt.

Das bedeutet also, dass Du, wenn Du selbst eine Kleinstadt erfinden möchtest, es durchaus machen kannst. Denn es kann funktionieren, wenn Du ein paar simple Regeln beachtest. Das bedeutet eigentlich in erster Linie, dass diese Stadt die Orte haben muss, die in einer echten Kleinstadt wirklich gibt. Also Schulen, Geschäfte, Reihenhäuser, ein Ort, wo sich die Jugendlichen treffen und Ähnliches.

Sollte ein Gebäude fehlen, sagen wir mal ein Spezialgeschäft, kannst Du es immer noch damit erklären, dass es eben eine Kleinstadt ist. Daher muss man in die nächste Großstadt fahren, damit man das Gewünschte kaufen kann. Eventuell wäre das sogar interessant für Deine Geschichte. Und die Großstadt kann durchaus real sein.

So fuhr einmal Rory Gilmore mit dem Bus nach New York (dürfte also nicht zu weit entfernt sein), um dort jemanden zu treffen. Damit ist klar, wo Stars Hollow ungefähr sein könnte.

Aber es ist auch möglich, den Ort nicht genauer zu benennen, wenn die Umgebung keine Rolle spielt. Wenn Deine komplette Geschichte nur in dieser Kleinstadt spielt, dann kannst die nächsten Orte (wie andere Kleinstädte oder auch Metropolen) einfach ignorieren.

Das Beste an der ganzen Geschichte ist aber ganz klar, Du kannst die Kleinstadt nach Deinem individuellen Vorlieben erschaffen. Und niemand kann Dir reinreden, im Sinne von, dieses Gebäude gibt es in der Stadt nicht. Da es eine fiktive Stadt ist, entscheidest Du komplett darüber.

Versuch das mal bei einer bestehenden Stadt oder auch einer Metropole. Da würden Dich die Leute zerreißen, wenn Du diese Orte nicht originalgetreu wiedergibst.

Der Nachteil zu der Großstadt oder bestehenden Städten

Wie schon geschrieben, Du musst Dich eher bei bestehenden Städten oder gar Großstädten daran halten, was vor Ort existiert. Bis zu einem gewissen Grad kannst Du einzelne Gebäude reanimieren (wenn es sie mal gab, aber zwischenzeitlich stillgelegt wurden) oder hinzufügen, wenn es sie gar nicht gibt. Aber zu viele Freiheiten kannst Du Dir hier nicht herausnehmen.

Gerade wenn Du Leserinnen oder Leser hast, die aus der Stadt stammen, in der Du Deine Geschichte angesiedelt hast, werden diese sehr aufmerksam sein. Wenn ich solche Romane lesen würde, dann würde ich schon gerne sehen, wo ich denn gerade in meiner Heimatstadt bin. Und wurde der Ort zumindest größtenteils korrekt dargestellt? Wenn nicht, dann würde ich dies in einer Rezension entsprechend berücksichtigen. Also definitiv nicht positiv.

Es gibt aber auch einige, die an den Orten ihrer Lieblingsromane reisen, die den Weg ihrer Heldin oder ihres Helden nachverfolgen möchten. Wenn Du dann nicht korrekt gearbeitet hast, bedeutet das eine Enttäuschung für Deine Leserinnen und Leser. Und das wäre doch sehr schade, oder?

Kleinstadtadel

Ein weiterer Vorteil ist ganz klar, dass alte Familien in kleineren Städten eher auffallen, als in Großen. Oder könntest Du jetzt, sofern Du aus einer Großstadt kommst, jetzt irgendwelche Familien benennen, deren Vorfahren schon seit Jahrhunderten dort leben? Ich nicht und ich stamme aus einer Großstadt.

Dagegen hast Du in einer Kleinstadt den Vorteil, dass man eher voneinander weiß. Sagen wir mal, Deine Stadt besteht aus etwa 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Da ist es schon einmal wahrscheinlich, dass man voneinander gehört hat. Und vor allem, dass man die alten Familien der Stadt kennt. Gerade die, welche die Stadt gegründet haben oder dort schon seit gefühlten Ewigkeiten leben.

Dadurch hast Du die Möglichkeit, eine völlig andere Art von Geschichte zu schreiben, wenn Du es möchtest und brauchst. In einer Großstadt ist das natürlich auch möglich, das will ich nicht sagen. Aber dort hat es eine andere Dynamik, als in einer Kleinstadt. Denn wie geschrieben, in einer Großstadt kann eine Adelsfamilie eher untergehen oder nur etwas für Eingeweihte sein. Das hat natürlich Vor- und Nachteile.

Die Gefahren der Kleinstadt

Kommen wir aber zum eigentlichen Kern dieses Beitrages. Denn, wer eine Kleinstadt wählt, muss mit einigen Schwierigkeiten rechnen. Und mich wundert es ein wenig, dass darauf in den meisten Serien kaum bis gar nicht eingegangen wird. Entweder sie denken nicht daran, haben es vergessen oder ignorieren es. Ich weiß es nicht.

Es fällt doch alles auf

Klatsch und Tratsch gehören zum Leben irgendwie dazu. Darüber sind wir uns alle irgendwie bewusst, auch wenn wir das Selbst niemals machen würden. Das bedeutet aber auch, dass Dinge sehr wahrscheinlich auffallen, die in einer eher kleineren Gemeinschaft geschehen. Wobei ich im Folgenden bei einer Kleinstadt so um die 20.000 Menschen bleibe.

In Sunnydale oder auch Mystic Falls (so was ich in Ausschnitten gesehen habe), verschwinden Menschen. Sie werden getötet und sind somit nicht mehr da. Und das nehmen die Menschen einfach so hin? Gut, wenn Mal ein Mensch stirbt, dann ist das so. Das kann immer passieren. Aber wenn dieses gelegentliche Sterben zur Routine wird, dann muss das doch auffallen?

Sicherlich wird es irgendwo eine Reporterin oder einen Reporter geben, der das alles ein wenig seltsam findet und daher da einige Nachforschungen betreiben. Und wenn wir eine Lois Lane haben, also eine Sorte Reporterin, die durchaus als hartnäckig zu beschreiben ist, würde irgendwann das Geheimnis dahinter aufgedeckt werden.

Doch scheinbar kann man in Sunnydale oder auch in Mystic Falls munter vor sich hinarbeiten (egal an was) und man kommt damit durch. An der Sunnydale High kommen so einige Schülerinnen und Schüler um und es fällt niemanden auf. In einem kurzen Abschnitt, den ich bei Vampire Diaries gesehen habe, werden dort Menschen auf offener Straße getötet. Und es geschieht nichts.

Kleines Universum

Und gerade die Kleinstadtidylle kann durchaus auch ein Hemmnis sein. Immerhin kennt man sich dort. Selbst bei 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist es sehr wahrscheinlich, dass man jemanden kennt, die jemanden kennt, der wieder herum jemanden kennt. Und schon kann der Tratsch losgehen.

Man entkommt also nicht so leicht dieser kleinen Stadt und deren Traditionen und eingefahren Sitten. Und es kann durchaus schwer sein, den jährlichen Festen und Zusammenkünfte zu entkommen, selbst für die alte Adelsfamilie, die vielleicht den Grundstein dafür gelegt hat.

Rory (Gilmore Girls) sollte einmal eine Rolle für eine Herbstkönigin übernehmen (da bin ich mir jetzt nicht sicher, aber darauf kommt es nicht an). Da sie sich aber fürs College vorbereiten wollte (Einkäufe unter anderem) hatte sie keine Zeit. Die Enttäuschung war natürlich groß auf der einen Seite. Und das schlechte Gewissen bei ihr auf der anderen Seite.

Weiterhin gibt es bei vielen immer noch das Gefühl, ihrer Kleinstadt nicht zu entkommen. Sicherlich hast Du schon einmal den Spruch in der Art von „Ich bin hier geboren, ich werde hier sterben und dazwischen erlebe ich nichts“ gehört. Nun gut, der ist jetzt von mir, aber die Richtung ist schon korrekt.

Ein Entkommen aus dieser Welt ist also sehr schwer. Sowohl aus der Stadt selbst als auch aus den vielen Dingen, die dort geschehen. Es könnte also interessant sein, solche Traditionen einzubauen.

Abschlussgedanken

Eine Kleinstadt kann ihre interessanten Vorteile haben. Aber auch ihre Nachteile. Gerade dann, wenn Du planst, dass dort ungewöhnliche Dinge geschehen. Denn es ist, realistisch gesehen, eher unwahrscheinlich, dass wirklich niemanden auffällt, dass in der Heimatstadt seltsame Dinge geschehen. Zumindest kann ich es mir vorstellen.

Welche Vor- und Nachteile habe ich als Großstädterin noch übersehen? Wenn Du magst, kannst Du mich gerne aufklären. Ich freue mich sehr darüber.

Serien und Filme über Kleinstädte

Ich denke, dass Serien hierfür besser geeignet sind, als Filme, da sie mehr Raum und Zeit haben, die Kleinstadtidylle aufzubauen. Aber vielleicht schaust Du auch eine Serie zu diesem Thema. Erinnere Dich an die Serie (oder schau sie Dir an) und notiere Dir die Punkte, die Dich interessieren, faszinieren oder (nach dem Beitrag) seltsam vorkommen.

Überleg Dir, wie Du es für Deinen Roman oder Romanreihe (sofern Du eine schreiben willst) es übernehmen oder besser machen möchtest.

Bearbeitung der Punkte

In dem Beitrag habe ich Dir einige Punkte vorgegeben, wie eine Kleinstadt aussehen könnte. Wie würdest Du Deine planen? Was würde ich dort finden, wenn ich dort zu Besuch wäre. Was würde dort fehlen? Welche Schulmöglichkeiten gibt es, wo könnten die Menschen hingehen und so weiter. Gerade dann, wenn Du einen Roman oder eine Serie mit einer Kleinstadt planst, kann diese Übung für Dich interessant sein.
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Erste Aktualisierung: 19. April 2016

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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2 Antworten zu Die Gefahren einer Dorfidylle

  1. Florian Eckardt schreibt:

    Du, es kann durchaus vorkommen, dass manche Dinge wirklich unbemerkt geschehen, wenn man in der Kleinstadt ist. Bei mir zu Hause, in einer Stadt mit ungefähr 24000 Einwohnern, kennt eben nicht jeder jeden. Das liegt einfach daran, dass es fast überall die alten Menschen gibt, deren Familien schon seit Jahrhunderten in dieser Kleinstadt leben. Wenn einem von denen etwas passiert, spricht sich das in der Stadt herum. Diese Menschen kennt einfach jeder. Auf der anderen Seite gibt es aber auch mehr als genug Menschen, die irgendwann dazu gezogen sind. Diese Menschen passen nirgendwo rein und wenn denen irgendwas passiert, ist das auch egal.
    Was ich damit sagen will: Je mehr Menschen es gibt, desto weniger fallen Verbrechen auf. Wenn an meiner Schule (1850 Schüler, viele von außerhalb) irgendjemand verschwinden würde, dann würde es vielleicht den Klassenkameraden auffallen. Spätestens nach zwei Wochen wäre dann aber wieder Ruhe und keiner würde sich dafür interessieren. So wie du es beschrieben hast, trifft das auf ein Dorf zu. Bei Städten ab 10000 Einwohnern ist das in den meisten Fällen unrealistisch.

    Gefällt mir

    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Hallo Florian,

      danke für Deine Ansicht zum Beitrag. Aber sagen wir mal so, die Serien, die ich gesehen habe, da ist ja nicht nur ein Schüler oder eine Schülerin verschwunden, sondern regelmäßig jemand. Und ich denke, dass da irgendwann doch mal so richtig der Buschfunk losgehen müsste.

      Nehmen wir mal an in Deiner Klasse verschwindet jemand (und ich erkläre Dich mal hier zum Mörder). Jemand aus Deiner Klasse erzählt es dann in einem Kurs jemand anderen. Diese Person erzählt das in der Klasse herum. Und dieser ist sitzen geblieben und hat dadurch Kontakte zum höheren Jahrgang. So können halt Gerüchte entstehen.

      Es mag sein, dass bei einem Mord noch nichts geschieht (die Person ist nur verschwunden und niemand weiß, dass es ein Mord ist, also geht es erst einmal unter). Aber wenn Du dann die nächste Person tötest, erinnern sich dann eher die Leute daran, hei, da war doch was. Und dann geht es weiter und weiter.

      Und in einer Geschichte darf genau das geschehen.

      Wobei ich die Zahl der Einwohner von 50.000 auf 20.000 Einwohnerinnen und Einwohner reduziert habe. Da habe ich die Kleinstadt mit der Mittelstadt verwechselt.

      Gefällt 1 Person

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