Rezension: Arbeitsbuch für Schriftsteller von Tanja Hanika

Hei, hallo und herzlich willkommen,

heute möchte ich Dir ein Arbeitsbuch vorstellen, der ausnahmsweise nicht auf Englisch ist.

Eckdaten zum Buch:

 

  • Taschenbuch: 74 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (23. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1532793731
  • ISBN-13: 978-1532793738
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 0,4 x 27,9 cm

Kurze Vorbemerkung

Vor einigen Wochen habe ich eine E-Mail von der Autorin Tanja Hanika erhalten, welche mir anbot, ihr neues Arbeitsbuch zum Thema Buch schreiben zu zusenden, wenn ich dafür eine Rezension schreibe. Das bedeutet, es handelt sich hierbei um mein erstes Rezensionsexemplar, was ich jemals bekommen habe und hier bewerten darf.

Doch als Bedingung habe ich selbst in der Antwort geschrieben, wenn ich meine Meinung offen und ehrlich sagen darf, dann mache ich es. Ansonsten eben nicht. Und hier kommt meine ehrliche und offene Meinung zu diesem Buch.

Zum Buch selbst

Da ich keine Verlagsangaben gefunden habe, kann ich wohl davon ausgehen, dass es im Selfpublishing erschienen ist. Daher interessiert es mich natürlich um einiges mehr, wie die Qualität des Drucks ist. Auf der amazon Seite zu diesem Buch kann man dann sehen, dass es bei denen gedruckt wurde. Es ist also definitiv ein Selfpublishingbuch.

Was auffällt, ist erst einmal die Größe des Buches. Sie ist fast so groß wie eine DIN-A4-Seite. Einfach so in die Tasche mitnehmen ist also nicht so leicht möglich. Aber wenn man mit dem Buch zu Hause arbeitet, ist das dann wieder herum kein Problem.

Jedoch springt nach einigen Tagen noch etwas ins Auge, wenn man darauf achtet. Und ich gehöre leider zu denen, die da doch ein wenig genauer hinsieht. Als ich das Buch bekommen habe, war es ohne Makel. Als ich es dann einige Male durchgeblättert habe, mir einzelne Seiten durchlas und es dann zuschlug, bemerkte ich, dass die Seiten des Einbandes nach oben gingen. Sie schlossen sich also nicht mehr ganz normal, wie man es bei einem Buch kennt, sondern hatten eine leichte Delle.

Und das kann man wohl auch nicht mehr rückgängig machen (außer vielleicht, mal legt ein ganz schweres Buch darauf, aber es dürfte wohl nicht dauerhaft sein). Das liegt wohl an der Dünne des Kartons. Aber das ist nur eine Erwähnung wert und per se kein Makel. Denn das Buch fällt ja nicht auseinander. Und das ist auch etwas, was ich der Autorin nicht ankreiden will.

Cover und Rückseite

Auf dem Cover sieht man eine Schreibmaschine, in dem ein Blatt Papier eingespannt wurde, auf dem der Titel des Buches steht. Zusätzlich kann man den Titel des eigenen Projektes dann dort vermerken. An sich eine süße Idee. Das bedeutet natürlich, wenn man ein zweites Projekt mit diesem Buch schreiben möchte, benötigt man eine neue Version.

Die Rückseite enthält nur das Bild einer Schreibtischplatte und die ISBN-Nummer. Also kein Klappentext oder sonstige mögliche Informationen. Da es wohl in erster Linie nur online vertrieben wird (SP Titel haben es schwerer in den Buchladen zu kommen), ist das kein Problem. Aber es wäre schon schön gewesen, wenn dort die Autorin ein Klappentext verfasst hätte, einfach auch um zu zeigen, wie man es richtiger machen könnte. Auf der amazonseite findet man übrigens einen Klappentext.

Der Inhalt

Auf der allerersten Seite findest Du eine Information der Autorin, worum sich das Buch dreht und wie Du das Buch verwenden kannst. Auf der Seite kannst Du dann noch einmal Dein Projekttitel eintragen und dann auch, wann Du mit dem Projekt begonnen und diesen dann auch beendet hast. Das finde ich eine gute Idee. Denn häufig fangen wir mit einem Projekt an und wissen gar nicht, wann das genau war oder wann wir es beendet haben.

Nach dem Inhaltsverzeichnis geht es auch schon los. Ich werde hier nur einige Auszüge aus dem Buch präsentieren, da es ansonsten zu viel wäre, wirklich alles zu besprechen. Aber ich denke mal, dass es auch ausreicht, um sich ein Bild von dem Buch zu machen.

Das Buch fängt erst einmal mit einer Mindmap an und dann geht es auch schon in die Vollen. Such Dir einen Titel aus, wie könnte Dein Cover aussehen, wie wäre es mit einem Klappentext. Also eine völlig andere Grundlagenarbeit, als es viele andere empfehlen würden.

Dann gibt es unter anderem auch die Möglichkeit, sich Gedanken über das eigene Genre zu machen. Vor allem die Regeln, die man einhalten möchte und die man selbst brechen will. Hier solltest Du natürlich die Regeln Deines Wunschgenres kennen. Ansonsten kann dieses Arbeitsblatt Dir ein paar Schwierigkeiten bereiten. Als Nächstes wurden sehr viele Seiten mit einem Vordruck (Steckbrief) für die Figurenplanung gefüllt und für Dich bereitgestellt.

Und dann geht es auch schon in die Plotplanung. Du bekommst einige Vorlagen für diverse Plotmöglichkeiten geliefert, wie der Heldenreise oder auch die Sieben-Punkte-Struktur. Dann eine Liste für offene Fragen und Platz für Deinen Plotplan.

Danach kommen einige Übersichten wie Kapitelübersicht, Korrekturdurchgänge oder auch eine Korrekturcheckliste. Dann kannst Du die Arbeiten, die Du am Anfang grob gemacht hast (also Coverarbeit und Klappentext) noch einmal ordentlich durcharbeiten.

Was ich hier zum ersten Mal sehe, ist, dass es Tipps und Tricks zum Marketing gibt. Welche Möglichkeiten könnte ich in Betracht nehmen (wieder Mindmaps), an welche Blogs wurde mein Buch gesendet (bestimmt ist auf einen dieser Liste auch mein Blog verzeichnet, mir gefällt gerade der Gedanke), Kontaktdaten und noch einige Seiten für Notizen.

Wie geschrieben, dass waren jetzt nicht wirklich alle Punkte. Aber auf der amazonseite kannst Du in das Buch reinschauen und Dir das Inhaltsverzeichnis ansehen. Dann bekommst Du eine Übersicht über die kompletten Themen.

Meine Bewertung

Als ich das Buch in den Händen hielt, war ich doch ein wenig überrascht. Denn es ist dünn. Wirklich dünn, mit gerade mal 74 Seiten. Und damit soll ich einen Roman plotten? Wohlmöglich ein Buch mit 1.000 Seiten? Ja, es mag übertrieben sein, also das mit den 1.000 Seiten, wo doch die meisten Bücher zwischen 300 und 400 Seiten dick sind. Das ist aber immer eine Frage, die ich mir stelle, wenn ich mit Arbeitsbücher zu diesem Thema näher ansehe (und ich meine Arbeitsbücher, keine Schreibratgeber).

Die Reihenfolge der Aufgaben hat mich als Nächstes überrascht (mir fällt gerade auf, ich bin leicht zu erstaunen). Das eine Ideen Mindmap am Anfang steht, finde ich gut. So mache ich es zwischenzeitlich auch. Aber dann kommen sofort die nächsten Aufgaben wie ein Klappentext und ein Pitch. Im Nachhinein finde ich das auch keine schlechte Idee aber, wie bereits erwähnt, überrascht hat es mich doch im ersten Augenblick.

Und kaum ist man damit fertig, geht es ja Schritt auf Schritt weiter. Figurenplanung, Plotplanung und weitere Punkte. Aber ich finde keinen einzigen Punkt, der sich ausgiebig mit der Recherche beschäftigt. Natürlich gibt es Hinweise, wo Deine Figuren sich aufhalten, also die Örtlichkeit. Aber es gibt kein Datenblatt, wie man eine Recherche betreiben könnte. Und es gibt einige Genres, da sind Recherchen und Planungen durchaus wichtig (Historicals zum Beispiel).

Bei Seite 50 ist dann der Teil, mit dem Du Dich für Dein Buch beschäftigst, auch schon vorbei. Die restlichen Seiten kümmern sich dann um das Marketing. Und bei so wenigen Seiten fällt das dann doch sehr deutlich ins Gewicht.

Was mir noch sehr deutlich auffällt, ist, dass es kaum erklärende Texte gibt. Dazu ein konkretes Beispiel anhand der Heldenreise:

Vor einigen Jahren habe ich „Tarot for Writers“ von Corrine Kenner gelesen. Auch dort ist die Heldenreise enthalten gewesen. Ich habe damit gearbeitet, verstand aber nicht, was ich da eigentlich tat und ignorierte eher die Möglichkeiten, mit diesem Pfad zu arbeiten. Erst als ich das Buch „The Writer’s Journey“ von Christopher Vogler las, verstand ich, womit ich es hier zu tun habe.

Doch immerhin gibt es bei der Heldenreise wenigstens ein paar Informationen. Beim Klappentext (als ein weiteres Beispiel) steht nichts da. Und ehrlich gesagt, bisher habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, wie man einen erfolgreichen Klappentext schreibt. Per se war ich erst einmal mit dieser Übung völlig überfordert. Zwischenzeitlich habe ich dazu einiges recherchiert (dazu gibt es nächsten Montag auch einen entsprechenden Beitrag). Doch wenn man solche Sachen nicht weiß, kann man schon dasitzen und weiß nicht, was man machen soll.

Das zieht sich konsequent durch das ganze Buch. Meistens gibt es gar keine Infos, da die Autorin wohl davon ausgeht, dass alles selbsterklärend ist (was durchaus für einen Großteil der Seiten auch stimmt). Und der Rest ist eher minimalistisch gehalten.

Meine persönliche Ansicht

Zwischenzeitlich habe ich schon einige Arbeitsbücher zum Thema „Wie schreibe ich einen Roman innerhalb einer gewissen Zeit“ gelesen, auch wenn sie natürlich andere Titel hatten. Das ist jedoch das Erste auf Deutsch. Und ich gebe zu, das ist angenehm. Ich muss nicht immer einzelne Wörter übersetzen, um dann den Sinn eines Satzes oder einer Übung zu verstehen. Hier kann ich einfach lesen und sofort loslegen.

Gerade dann, wenn Du mit den Themen durchaus Deine Erfahrungen gesammelt hast oder Kenntnisse besitzt, wie Du sie angehen musst. Dann ist dieses Buch durchaus als Grundlage für Deine eigene Struktur sehr gut geeignet. Denn häufig haben viele Autorinnen und Autoren Probleme damit, ihren Roman deswegen zu schreiben, weil ihnen eine vernünftige Struktur fehlt. Und das ist ein Buch, der könnte Dir helfen, Deine eigene Struktur zu entwickeln.

Würde ich Dir aber das Buch empfehlen, wenn Du eine absolute Anfängerin bist und noch gar keine Ahnung hast, wie man einen Roman schreibt? Nur mit Zähnen knirschen und ein wenig Bauchschmerzen.

Okay, okay, so schlimm ist es auch nicht. Aber wenn Du gar keine Ahnung von den verschiedenen Themen hast, bedeutet das für Dich, dass Du Dir sehr viel erarbeiten musst. Das muss jetzt nicht als reinen Nachteil gesehen werden. Immerhin ist das eine Möglichkeit in die Themen hineinzutauchen und direkt zu erfahren, was es damit auf sich hat.

Doch wäre das mein erstes Buch zu diesem Thema und ich sollte danach arbeiten, ganz ehrlich, ich wäre heillos überfordert gewesen. Einfach, weil die erklärenden Texte fehlen. Und das hat durchaus einen eigenwilligen Beigeschmack für mich.

Meine Bewertung

Kommen wir endlich zum spannenden Teil der Rezension, die Bewertung.

Das Buch ist für mich eine solide drei (oder anders ausgedrückt, drei Sterne). Es ist eine gute Grundlage um anzufangen und eine eigene Struktur zu erarbeiten und zu erhalten. Aber es fehlt noch eine Menge, um dem Ganzen mehr als drei Sterne zu geben.

Eben die erklärenden Texte und dazu noch einige Arbeitsblätter. Sicherlich helfen diese Arbeitsblätter der Autorin ohne Weiteres ihre Geschichten zu schreiben. Sie hat damit ihre Erfahrungen und zudem weiß sie genau, was sich hinter jedem Punkt verbirgt. Das trifft auf mich nicht zu. Denn ich bin da eine völlig andere Person. Und mir fehlt der Hintergrund, warum etwas so gemacht wird, wie sie es letztendlich empfiehlt.

Das Ganze wird durch die Arbeitsblätter für das Marketing noch einmal aufgewertet. Denn das lese ich so zum ersten Mal in einem Buch. Und man sollte sich durchaus bewusst sein, wer einen Roman schreibt, um ihn zu veröffentlichen, sollte rechtzeitig mit dem Marketing anfangen. Daher werten diese Arbeitsblätter dieses Buch auf.

Alles in allem kann ich selbst sagen, es ist ein solides Buch, das jedoch nicht alleine stehen kann. Wer damit arbeiten will, muss für sich entscheiden, ob sie oder er genügend Wissen hat, um die Punkte für sich auszufüllen. Oder genügend Zeit und Motivation mit sich bringt, um sie sich nach und nach das Wissen anzuarbeiten.

Ansonsten, reinsehen und selbst entscheiden.

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Anmerkung: Eine gekürzte Version dieser Rezension findest Du auch auf amazon.de

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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6 Antworten zu Rezension: Arbeitsbuch für Schriftsteller von Tanja Hanika

  1. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Interessant, deine Rezension dazu zu lesen. Ich habe das Buch auch erhalten, gehe aber anders ran. Bei mir muss es durch den Praxistest, indem ich damit meine nächste Reihe vorplane.
    Ich bin gespannt, wie es sich schlägt und was mir bei meinem Ansatz auffällt 🙂

    Gefällt mir

    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Das will ich im zweiten Gang noch machen. Aber erst einmal wollte ich das Buch in der Theorie beschreiben. Denn ich lese mir Ratgeber immer erst einmal durch und dann kommt die Umsetzung.

      Gefällt 1 Person

      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Ah, dann bin ich umso gespannter, zu vergleichen!
        Es ist das erste Mal, dass ich mit Ratgebern arbeite. Sonst bin ich sehr „learning by doing“ und so 😀

        Gefällt mir

      • Carola vom schreibkasten schreibt:

        Ich letztendlich auch. Da werde ich auf alle Fälle noch was schreiben und Deinen Beitrag entsprechend verfolgen.

        Und ich lerne auch gerne durch Ratgeber und ebenfalls durchs Schreiben.

        Gefällt 1 Person

      • Tanja Hanika schreibt:

        Eine kurze Anmerkung, damit es nicht zu Missverständnissen kommt:
        Es handelt sich ausdrücklich NICHT um einen Schreibratgeber, sondern um ein Arbeitsbuch zum Plotten, ähnlich einem Notizbuch, das man nur noch ausfüllen muss. Das handwerkliche Wissen wird eher rudimentär vermittelt und sollte größtenteils schon vorhanden sein. 🙂
        Viele Grüße
        Tanja Hanika

        Gefällt 1 Person

      • Carola vom schreibkasten schreibt:

        Hallo Tanja,

        danke für Deine Erklärung (Mail kommt noch, am We hatte ich es völlig vergessen). Wenn ich solche Bücher bewerte, dann schaue ich halt durchaus durch zwei Brillen (zumindest versuche ich es). Und zwar aus die der reinen Anfängerin und die einer etwas besser Informierten.

        Als Anfängerin hätte ich mich über ein solches Buch durchaus gefreut, wäre aber heillos überfordert, wie Du schreibst, war das ja auch nicht Deine Intention (Dein gutes Recht das zu schreiben, mein gutes Recht das anzumerken 😉 ). Als Fortgeschrittene oder als Expertin (was ich selbst nicht bin, ich meine das allgemein) kann man sich da sicherlich sehr viele Ratschläge noch herausziehen. Andererseits stelle ich mir die Frage, ob man nicht dann schon einen eigenen Plan habe.

        Aber letztendlich, macht Euch selbst ein Bild davon. Sicherlich ist das für die eine oder den anderen durchaus interessant.

        lg
        carola

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