Düstere Kerle

Hei, hallo und herzlich willkommen,

auf der letzten LoveLetter Convention 2016 habe ich etwas über düstere Kerle gelernt. Hier ist mein Beitrag dazu.

Kurze Vorgedanken

Es gibt sie, die guten Helden, die wie ein Licht in unseren Alltag hineinscheinen. Zwar dürfen sie düster sein, haben aber einen gewissen moralischen Kodex, an den sie sich zu halten haben. Und wenn nicht, dann geht man eher mit der Feile an dem Charakterdesign, als dass man den Charakter so belässt.

Wenn der Charakter nicht gut war, im Sinne der aktuellen moralischen Konventionen, dann handelt es sich hierbei um den Bösewicht. Der Held unserer Geschichte, er kann niemals negative Charakterzüge haben.

Das waren zumindest Gedanken, die man noch vielleicht vor einigen Jahren geschrieben hätte. Und das sind durchaus Ansichten, die für einige Genres immer noch gelten. Aber eben schon lange nicht mehr alle. Heute möchte ich direkt über düstere Kerle bzw. düstere Helden schreiben.

Die Aufgabe unseres Helden

Wenn wir über einen Helden schreiben, was für eine Aufgabe hat er eigentlich? Ganz klar, er soll den Bösewicht besiegen, gerne mit der Heldin den Tag retten und uns ein gutes Gefühl geben. Ein Gefühl, das selbst in der dunkelsten Nacht irgendwo doch noch Hoffnung besteht.

Doch seine wichtigste Aufgabe ist, dass er die Geschichte vorantreiben soll. Denn wieso sonst sollten wir eine wildfremde Person folgen? Sie soll sympathisch sein, eine Aufgabe haben und alles daran tun, damit wir am Ende sehen, dass er es schafft. Haben wir es mit einem weinerlichen Charakter zu tun, dann wird es auf Dauer langweilig. Das bedeutet, dass die meisten von uns das Buch zuschlagen und sich lieber einer Geschichte widmen, die einen überzeugenderen Helden haben.

Daher war es durchaus eine gute Idee, wenn die Helden eine Art Lichtgestalt waren. Sie waren gut, schlugen keine Frauen und Kinder, begingen keine Verbrechen. Und wenn sie doch hinter Gitter landeten, dann waren sie meistens unschuldig. Sie wurden für ein Verbrechen bestraft, welches sie niemals begangen haben.

Sicherlich kommt Dir der Text durchaus vertraut vor. Vielleicht hast Du auch bisher immer gedacht, mein Held muss absolut gut sein und auf keinen Fall darf er in irgendeiner Art und Weise ein Schmutzfleck auf seiner Weste tragen.

Selbst ich vertrat ja noch die Meinung, ein Held darf zwar ein wenig grober sein, durchaus Gewalt anwenden, aber immer für das Gute. Dazu zählt also auch, keine Gewalt gegen Frauen und Kinder anzuwenden.

Was hat sich geändert?

Zwischenzeitlich hat sich diese Einstellung bei einigen Autorinnen und Autoren geändert. Nun gut, eigentlich hat sich das auch schon vor über hundert Jahren. Aber der Zeitgeist lässt immer wieder Trends aufkommen und verschwinden. Und aktuell steht der Trend eindeutig auf das Thema düstere Kerle.

Das bedeutet, dass der Held zwar immer noch die Rolle des Helden einnehmen darf und soll. Aber seine Vorzeichen haben sich geändert. Zumindest für die aktuelle Rolle unseres Helden. Und dadurch bietet sich Dir eine durchaus größere Möglichkeit an der Charakterarbeit.

Er darf böse sein …

Und das darfst Du wörtlich nehmen. Denn zwischenzeitlich kommt unser Held nicht deswegen in den Knast, weil man ihn ein Verbrechen vorgeworfen hat, welches er nicht begangen hat. Er ist im Knast, weil er tatsächlich ein Verbrechen beging. Und zwar so, wie es auch in der Anklage stand.

Er darf auch zu einer Gang gehören und dabei brutale Methoden anwenden. Und wenn er die Heldin entführt, um ein Lösegeld zu erpressen, zwischenzeitlich ist das auch in Ordnung. Du darfst also die moralische Instanz zwischenzeitlich ein wenig tiefer ansetzen, als es Dir vielleicht bewusst ist.

… oder einfach nur ein Egoist

Wenn er aber auch nur an sich denkt und die Welt ihn nicht interessiert, dann musst Du ihn noch nicht einmal in den Knast schicken. Sherlock Holmes dürfte da eines der besten Beispiele dafür sein.

Er ist ein absolut brillanter Geist und kann Fälle lösen, die als unlösbar gelten. Und tut er dies aus Nächstenliebe, aus Menschenfreundlichkeit? Eher aus dem Grund, dass er sich eben für absolut genial hält und dies der Welt beweisen will. Dass er nebenbei der Gerechtigkeit einen gewissen Dienst erweist, nimmt er wohl in Kauf.

Wie weit darfst Du gehen?

Theoretisch so weit, wie Du möchtest und es selbst erträgst. Dein Held darf ein Mörder sein, er darf Leute verprügeln und darf gleichzeitig sympathisch sein und von einem schönen Leben träumen. Wenn Du in Deiner Geschichte eine brutale Prügelszene einbaust, ist das zwischenzeitlich auch in Ordnung. Sie darf sogar relativ sinnlos sein. Relativ deswegen, weil sie zumindest den Sinn haben soll, den Charakter uns seine Persönlichkeit vorzustellen.

Eine Warnung!

Wenn Du bereit bist, aufs Volle zu gehen, ist das, wie schon erwähnt, nun durchaus in Ordnung. Aber denk bitte daran, dass viele Leserinnen und Leser vielleicht gar nicht so weit mit Dir mitkommen wollen. Schreibst Du also über einem Gangmitglied, der Drogen vertickt, einen Mörder oder auch einen Straßenkämpfer (engl. Street Fighter), dann mag es für Dich in Ordnung sein, aber Deine Leserinnen und Leser könnten sich eventuell vor dem Kopf gestoßen fühlen. Und das könnte dazu führen, dass sie sich entscheiden, Deine Geschichte nicht weiterzulesen.

Andererseits sollte Dir auch bewusst sein, dass es Leserinnen und Leser gibt, die durchaus auf eine solche Geschichte warten und diese gerne lesen würden. Du wirst schon Deine Leserinnen finden.

Was ist mit den Heldinnen?

Natürlich dürfen Heldinnen auch düstere Damen sein. Jedoch bekommen sie nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie die Männer (das ist ein Fakt). Frauen haben meistens lieb und nett zu sein. Dass sie auch eine dunkle Seite an sich haben können, unser rationaler Verstand sagt, dass das natürlich möglich ist. Aber viele wollen das nicht unbedingt wahr haben. Und aus diesem Grund bleibt es bei ihnen halt, dass sie nicht solche Schattengestalten sein können. Oder es wird ihnen eher erschwert.

Du kannst aber sehr wohl aus Deiner Heldin gerne eine düstere Dame machen, um sie auf Deine Geschichte und damit auch auf Deine Leserinnen und Leser loszulassen.

Abschlussgedanken: Wo ist eigentlich der Unterschied zum Antihelden?

Ganz ehrlich? Ich lasse mir gerade noch einmal den Workshop durch den Kopf gehen, einige der Charakterbeispiele und auch mein Beitrag, aber mir will so richtig der Unterschied nicht einfallen.

Vermutlich war die Besonderheit des Workshops der, dass die düsteren Kerle so richtig düster sein dürfen. Andererseits, es gibt sie ja schon in der Form der Antihelden (und ja, auch in die der Antiheldinnen). Es ist also durchaus die Zeit, wenn Du schon immer davon geträumt hast, so richtig düstere Typen in Deine Geschichte zu schicken.

Wobei ich, ganz ehrlich, bestimmte Typen niemals aufführen würde. Einer, der wild um sich schießt und kleine Kinder tötet. Oder jemand, der vergewaltigt. Solche Charaktere könnte ich am Ende nicht als Helden verkaufen. Will ich auch nicht. Daher würde ich solche Typen niemals aufführen.

Ich werde mir jetzt ein paar Gedanken über Antihelden und Antiheldinnen machen und ab nächste Woche den einen oder anderen Beitrag dazu schreiben. Darauf freue ich mich selbst schon.

Deine Gedanken

Wie sieht es bei Dir aus. Wie weit würdest Du mit einem düsteren Kerl gehen? Könnte er bestimmte Verbrechen begehen? Oder wäre das alles gar nichts für Dich?

Diese Gedanken kannst Du Dir konkret machen und die Ergebnisse in Deinem Notizbuch niederschreiben. Schreib ruhig mit der Hand. Es könnte sein, dass Du dabei kreative Ideen bekommst, mit denen Du gar nicht gerechnet hättest.

Der Unterschied

Was meinst Du? Siehst Du einen unterschied zwischen einem Antihelden und einem düsteren Kerl? Wie sieht er aus und wie genau könnte man den definieren?
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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2 Antworten zu Düstere Kerle

  1. Nora Bendzko schreibt:

    Wieder ein sehr interessanter Artikel! Ich würde auch sagen, dass der Trend zum düsteren Kerl wieder da ist, vor allem in der Liebes- und Erotik-Literatur. Dort ist es gerade wahnsinnig beliebt, den scheinbar bösen Kerl mit einem doch weichen Kern auszustatten, sodass er sich letztlich für die Protagonistin und gegen seine „dunkle Seite“ entscheidet.

    Über den Hinweis mit den Frauen musste ich erst einmal nachdenken … und würde tatsächlich aus einigen Lesererfahrungen sagen: „Hm, stimmt, düstere Frauen gibt es wenige.“ Wenn, dann sind sie in der Regel auf der Antagonisten-Seite verortet, aber nicht auf der Helden-Seite.

    Vielleicht ist das nur ein literarisches Phänomen, aus der Popkultur würden mir schon ein paar Beispiele einfallen. Alice aus „American Mc Gee’s Alice“ zum Beispiel, oder überhaupt die ganzen Yandere-Typen (= Mädchen, dessen Obsession für einen Love Interest zu einer Psychose wird), welche die Animé-Welt in Gaming und Filme gebracht hat. Selbst in Hollywood-Filmen gibt es da immer wieder Beispiele, wie Lara Croft aus „Tomb Raider“.

    Vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis die Bücher nachziehen 😉

    Gefällt mir

    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Hallo Nora,

      ich denke, dass es sich bei den düsteren Kerlen um dunkle Alpha Helden handelt. Die sind ja schon (zumindest in der allgemeinen Ansicht gesehen), schon eine eigene Nummer. Wenn die dann noch ein wenig düster sind, dann ist es noch einmal etwas besonderes für sie, also als Charakter. Und wie jemand auf Twitter auch schon schrieb, die Licht und Lichtgestalt Helden sind auf Dauer langweilig. Es darf durchaus für viele düsterer zugehen, als es bisher der Fall war.

      Bei düstere Heldinnen ist mir gerade, wo ich diesen Kommentar schreibe, Ellen Ripley aus der „Alien“-Reihe eingefallen. Sie ist keine klassische Heldin und kann durchaus den Leuten und den Aliens gleichermaßen in den Hintern treten.

      Und es gibt viele Themen, die man in Büchern nachziehen kann und sollte. Gerade was die weiblichen Charaktere betrifft. Zumindest sehe ich das so 😉

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