Plot: Der 3-Akter

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn man mit einem Thema Probleme hat, dann sollte man sich besonders um dieses Thema kümmern. Also plotten wir doch einmal, bzw. ich.

Kurze Vorgedanken

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu plotten. Welche Methode Du letztendlich verwendest, ist Deinem persönlichen Stil und Deinem Geschmack überlassen.

Die wohl bekannteste Plotstruktur ist wohl immer noch der 3-Akter. Das besagt doch ganz klar, dass es aus den drei Teilen Einleitung, Hauptteil und Schluss besteht. Da könnte man sich doch glatt fragen, wenn das so einfach ist, wieso dann darüber einen Beitrag schreiben? Na, legen wir einfach mal los.

Akt I

Der erste Akt dürfte immer noch der leichteste von allen sein. Am Anfang stellst Du Deine Heldin oder Deinen Helden vor. Mit wem haben wir es zu tun, ist Deine Heldin oder Dein Held gut oder schlecht? Und vor allem werde ich als Leserin diese Figur überhaupt mögen?

Weiterhin ist es eine gute Idee alle wichtigen Figuren dieser Geschichte schon im ersten Akt vorzustellen. Also die wichtigsten Nebenfiguren und zumindest den Schatten der Antagonistin oder des Antagonisten. Wenn diese Figur erst später auftauchen soll, dann ist es durchaus eine gute Idee, wenn Du zumindest Andeutungen machst, dass es sie oder ihn gibt.

Denn je schneller wir wissen, dass das Böse da draußen lauert, desto eher werden wir uns Gedanken machen, wann es in der Geschichte auftaucht und unseren Figuren das Leben schwer macht.

Weiterhin ist der erste Akt der Ort, wo Du den Ort der Handlung und die Zeit vorstellen kannst. Dabei ist es egal, ob es sich um eine reale Umgebung handelt oder um eine Fantasygeschichte. Im ersten Akt kannst Du eben genau das zeigen, wo wir sind und worauf wir uns gefasst machen können.

Und natürlich das Wichtigste, hier legst Du die Grundlagen für das Problem, was dann während der weiteren Geschichte gelöst werden soll. Aus irgendwelchen Gründen möchtest Du ja, dass ich Deine Geschichte lese. Also, es sollte ein Problem geben, was gelöst werden darf.

Im ersten Akt kann die Leiche gefunden werden, damit Dein Krimi zum Laufen kommt. Die Heldin trifft ihren Helden und gemeinsam kämpfen sie um ihre Liebe. Oder ein dunkles Etwas kommt über Deine Fantasywelt und versucht die Macht an sich zu reißen.

Zeige uns im ersten Akt das Problem und warum es Deinen Figuren wert ist, dieses zu lösen. Bei einem Polizisten oder einer Polizistin mag die Motivation noch leicht zu erklären sein. Es ist deren Job (auch wenn Du gerne noch etwas über deren wahren Hintergrund erzählen kannst). Aber warum sollte Deine Fantasyheldin die Welt retten, wenn diese sie bisher nur schlecht behandelt hat? Hier kommt Deine Kreativität zum Einsatz.

Man kann also sagen, im ersten Akt legst Du die wichtigen Grundlagen für Deine Geschichte. Hier kannst Du auch die Sprache für Deine Geschichte entscheiden. Willst Du eher eine Geschichte mit einem sarkastischen Tonfall erzählen, nüchtern oder auch auktorial. All das hat Platz im ersten Akt.

Gegen Ende des ersten Aktes solltest Du also die wichtigsten Figuren vorgestellt haben, den Ort, die Handlung, zumindest den Schatten des Antagonisten und die Stimme der Geschichte.

Das bedeutet übrigens nicht, dass Du nicht später nicht noch weitere Figuren in die Handlung aufnehmen kannst. Aber ich empfehle Dir durchaus, dass es dann nur noch Nebenfiguren sind, die Du dann vorstellst.

In einem Roman hatte ich nämlich den Fall gehabt, dass kurz vor Ende des zweiten Akts eine Nebenfigur auftauchte, die auf einmal unheimlich wichtig wurde. Jedoch gab es vorher noch keine Anzeichen dafür, dass dieser Charakter überhaupt existierte. Aus diesem Grund machte sich bei mir dieses Gefühl breit, dass die Figur nur deswegen eingeführt wurde, weil die Autorin nicht mehr wusste, wie sie den Tag retten sollte.

Seit dem mag ich den Gedanken nicht mehr, dass man eine wichtige Figur, auch wenn es nur ein Nebencharakter ist, dann eingeführt wird, wenn es eigentlich zu spät ist. Es ist einfach dieses Gefühl, dass solche Figuren nur einen nicht ganz fertigen Plot retten sollen.

Akt II

Der zweite Akt ist der wichtigste Teil der Geschichte. Denn hier wird der Großteil Deines Romans erzählt (man kann durchaus sagen, so zwischen 70 bis 80 Prozent der Geschichte findet im zweiten Akt statt). Hier wird, mehr oder weniger, Deine Geschichte erzählt und alles, was Du im ersten Akt eingeführt hast, findet hier seine Rolle und seine Wichtigkeit.

Alles, was Du im ersten Akt eingeführt hast, sollte natürlich im zweiten Akt weitergeführt werden. Figuren, die aufgetaucht sind, sollten jetzt nicht auf einmal verschwinden. Natürlich, sie dürfen sterben. Aber dann informiere mich bitte darüber und lass sie nicht einfach unter dem Tisch fallen, weil Du nicht weißt, wohin mit denen.

Vor Jahren habe ich mal eine Filmrezension gelesen, dass eine Figur auf einmal abgetaucht ist, ohne dass man gesagt bekommen hat, was aus dieser Figur wurde. Wenn Du Dich entscheidest, eine Figur abtreten zu lassen, dann erwähne es bitte in einem Halbsatz, wo sie nun ist. Lass sie sterben, lass sie umziehen, was auch immer. Aber informiere mich, dann bin ich zufrieden und kann mich auf die restliche Geschichte konzentrieren. Ansonsten würde ich mich die ganze Zeit fragen, wo ist denn die eine Figur. Und dadurch kann ich mich nicht mehr auf die Geschichte so konzentrieren, wie sie es verdient hätte.

Aber es gilt auch für die Sprache, der Ort, die Zeit und die Handlung. Wenn Du was davon auf einmal änderst, kann es durchaus Irritationen bringen (gut, beim Ort weniger, eventuell auch bei der Zeit). Wenn Du bisher eher sarkastisch geschrieben hast und dann seriös wirst, dann würde ich mich fragen, was das werden soll.

Im zweiten Akt geht es aber insbesondere um das Problem, dass Du im ersten Akt eingeführt hast. Hier darf er noch größer werden, beinahe übermächtig, sodass wir das Gefühl haben, die Figuren ersticken regelrecht daran.

Vielleicht kennst Du ja Filme, wo Du das Gefühl hast, dass sich wirklich alles gegen die Hauptfigur verschworen hat. Familie, Freundschaften und die Welt wendet sich von ihr oder ihm ab. Egal was die Figur auch versucht, um aus der Situation herauszukommen, sie gerät noch tiefer in den Strudel.

Meistens sitze ich dann vor dem Fernseher und ärgere mich über alles, weil es so grausam ist, dann leide ich mit der Figur und hoffe, dass alles gut ist. Auch wenn ich durchaus weiß, dass es gut werden muss. Immerhin ist es ein Film. Doch wenn man mitten in der Geschichte drin steckt, hat man das Gefühl, es kann nur noch schlimmer werden.

Auf alle Fälle geht es im zweiten Akt um das Problem und wie Deine Figuren es lösen wollen. Dabei dürfen sie sehr kreativ sein, dürfen gewalttätig sein, was auch immer dafür notwendig ist. Und vor allem, wie auch immer Du Deine Figuren angelegt hast. Es wäre schön, wenn die Figuren weiterhin konstant bleiben und sich zugleich entwickeln. Und zwar so, wie es sich logisch anfühlt.

Während im ersten Akt häufig empfohlen wird keine Rückblenden zu schreiben, sondern nur Handlung und Dialoge, kannst Du im zweiten Akt es ein wenig ruhiger angehen lassen. Mit Rückblenden oder auch Erzählungen aus dem Leben vor der ersten Seite Deiner Geschichte kannst Du eine Beziehung zwischen den Figuren und Deinen Leserinnen und Leser aufbauen.

Auf alle Fälle darfst Du Dich hier gerne so richtig ins Zeug legen und uns zeigen, wie tief Deine Figur landen kann. Du musst Dich dabei noch nicht einmal wirklich zurückhalten.

Und am Ende darfst Du sogar sämtliche Pläne Deines Helden oder Deiner Heldin zerstören. Also Deine Figuren wirklich unten landen lassen, damit sie sich umsehen und neue Pläne schmieden müssen. Das Alte hat sich nicht bewährt. Auch in Ordnung, dann muss etwas Neues her.

Doch Vorsicht, die Lösung darf noch nicht im zweiten Akt auftauchen.

Akt III

Nun wird es Zeit, wir wollen die Probleme lösen und Deine Heldin oder Deinen Helden retten. Immerhin wollen die meisten Leserinnen und Leser ein Happy End (wie immer dieser letztendlich aussehen mag). Das bedeutet natürlich, dass Deine Heldin oder Dein Held aufsteht und dafür sorgt, dass sich die Probleme lösen. Und zwar so, dass sie oder er als Gewinnerin am Ende dasteht.

Alle roten Fäden sollten spätestens hier zusammengeführt und ein Ende finden. Zwar kannst Du schon im zweiten Akt den einen oder anderen roten Faden zur Lösung führen. Aber im dritten Akt darf dann alles nach und nach zum Ende führen, sodass ich als Leserin nicht das Gefühl habe, dass irgendetwas noch fehlt.

Deine Heldin oder Dein Held findet einen neuen Plan, um zur Lösung zu kommen. Sie besiegen das Böse, finden zu ihren Liebsten, was auch immer. Wenn es ein Einzelband ist, dann sollte hier alles gelöst werden. Schreibst Du eine Reihe, dann darfst Du hier natürlich gerne den einen oder anderen roten Faden offen lassen und dann im nächsten Band damit weiterarbeiten.

Am Ende des dritten Aktes sollte auch Deine Geschichte ein gutes Ende finden. Es darf rund werden und dann werden sich Deine Leserinnen und Leser auch wohlfühlen. Und wenn sie sich wohlfühlen, freuen sie sich darauf, Deine nächste Geschichte zu lesen. Denn dann wissen sie, worauf sie sich einlassen, wenn sie einen Deiner Romane in die Hände nehmen.

Mein Umgang mit dem 3-Akter

Wenn ich einen Roman oder eine Novelle plotte, dann fange ich gerne mit dem 3-Akter an. Damit habe ich erst einmal eine Grundstruktur, die ich dann nach und nach verfeinere. Hier bekomme ich meine Grundlage, mit der ich überhaupt anfangen kann. Und erst einmal wird die Angst vor dem Ungetüm Geschichte genommen.

Dabei gibt es verschiedene Methoden, die man anwenden kann. Ich selbe benutze zwei bis drei Methoden sehr gerne, die ich Dir hier noch gerne vorstellen möchte.

Mind Map

Für die folgende Methode benötigst Du drei Blätter weißes Papier. Auf jeden schreibst Du in der Mitte Akt I, Akt II und Akt III und kreist diese ein. Und dann schreibst Du alles auf, was Du dort Dir gut vorstellen kannst, was in dem jeweiligen Akt eine Rolle spielen könnte.

Hier ist es auf keinen Fall gut, wenn Du Deinen inneren Zensor oder Deine innere Zensorin rauslässt. Hier haben sie absolutes Spielverbot. Wenn sie in der Überarbeitung vorbeischauen, ist das was anderes. Aber hier darfst Du Dich so richtig austoben und sogar Dinge aufschreiben, die letztendlich niemals in Deiner Geschichte auftauchen werden. Das ist völlig in Ordnung.

In einem zweiten Schritt kannst Du dann alle Punkte einkreisen, von denen Du überzeugt bist, dass sie eine gute Geschichte bieten. Fass Punkte zusammen, wenn Du bestimmte Überpunkte findest. Und dann trage diese Worte auf einer eigenen Liste zusammen.

Wenn Du das getan hast, kannst Du dann daraus einen Text schreiben, damit Du eine Grundlage hast, um danach entweder noch einmal tiefer zu plotten oder um zu schreiben.

Eine Kurzgeschichte schreiben

Die Idee hatte ich Ende letzten Jahres spontan gehabt. Schreib Deine Geschichte erst einmal als Kurzgeschichte. Dabei lässt Du alle Nebenplots und Wendungen erst einmal vor der Tür. Du konzentrierst Dich dabei vollständig auf den wichtigen Teil der Geschichte und schreibst es erst einmal.

Dadurch überwindest Du die erste Hürde bezüglich der Geschichte. Denn damit hast Du die Sache mit dem Plot erst einmal überwunden. Alles andere ist dann nur noch die Feinarbeit.

Tarotkarten

Ich liebe besonders die Arbeit mit den Tarotkarten. Du ziehst für die drei Positionen (Beginn, Mittelteil und Ende) jeweils eine Karte. Dann schreibst Du auf, was Du auf den Karten siehst und was Du für Deine Geschichte gebrauchen kannst.

Du wirst es vielleicht nicht glauben, dass die Tarotkarten Dir eine Geschichte weisen. Aber ich arbeite schon seit Jahren mit dieser Methode immer und immer wieder. Und ich bin dabei jedes Mal erneut erstaunt, wie gut diese Methode funktioniert.

Denn mit den Karten bekommst Du kreative Ideen, auf die Du häufig nicht gekommen wärst, wenn Du nicht die mit Tarotkarten arbeitest. Glaub mir, dadurch hatte ich schon einige nette Ideen gehabt.

Vor Jahren arbeitete ich an einem Charakter und war der festen Überzeugung, dass er ein Hochschulabschluss haben müsste. Dann zog ich eine Karte (welche es genau war, erinnere ich mich nicht mehr, zumal die Geschichte zwischenzeitlich drei Mal gestorben ist) und sie sagte mir, dass diese Figur sich unterlegen fühlt. Und schon war die Idee mit dem Hochschulstudium gestorben und der Charakter wurde dadurch interessanter. Leider nur nicht die Geschichte. Deswegen habe ich nicht mehr daran weiter gearbeitet.

Abschlussgedanken

Der 3-Akter ist durchaus eine gute Methode, um überhaupt zu plotten. Aber Du kannst damit auch den Anfang eines Plotmarathons starten. Je nachdem, wie Du das Dir erarbeitest. Mit dem 3-Akter kannst Du auch die erste Grundlage schaffen, um dann weiter zu arbeiten und dann die Grundlage zu haben, die Du nutzen kannst.

Überlege Dir, wie Du diese Methode für Dich anwenden kannst, und versuche es einfach Mal. Vielleicht ist da auch etwas für Dich dabei, mit dem Du dann am Ende richtig gut arbeiten kannst.

Andere Geschichten

Schau Dir Dein Lieblingsfilm an und überleg genau, wo Akt I ist und ab wann der zweite Akt anfängt und dann der dritte Akt. Schreib Dir die Informationen auf und was in dem jeweiligen Akt vor sich geht. Wenn Du da noch ein wenig Übung brauchst, dann nimm Dir einen zweiten und dritten Film vor. Hierbei geht es erst einmal um das Gefühl, mit diesen drei Akten umzugehen.

Die Grundlage

Erarbeite Dir erst einmal die Information für Deine eigene Geschichte. Nutze gerne eine der Methoden, die ich oben beschrieben habe, und arbeite damit. Oder such Dir eine eigene Methode, mit der Du zu Deinen Informationen kommst.

Schreib Deine Geschichte

Mithilfe der Informationen wird es nun Zeit anzufangen und Deine Geschichte zu schreiben. Schreib eine erste Version, damit Du etwas in der Hand hast. Die zweite Version lässt sich danach um einiges leichter verfassen.
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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