Plot: Die 5-Akt-Struktur

Hei, hallo und herzlich willkommen,

nach der 3-Akt-Struktur, möchte ich Dir eine weitere Möglichkeit vorstellen, wie Du plotten kannst.

Kurze Vorgedanken

Man kann durchaus die 5-Akt-Struktur als ein Teil der 3-Akt-Struktur sehen. Das bedeutet, wenn Du möchtest, kannst Du erst einmal mit der 3-Akt-Struktur anfangen und mit der 5-Akt-Struktur weitermachen. Oder Du behandelst diese Struktur als eigenständiges Plotmittel und steigst an dieser Stelle ein.

Wie Du Dich entscheidest, liegt letztendlich an Dir. Aber damit Du weißt, was die 5-Akt-Struktur überhaupt ist, stelle ich sie Dir hier einmal vor.

Die Prämisse – Akt 1

Hierbei geht es um die Vorgeschichte Deines Romans. Wobei man mit dem Wort Vorgeschichte durchaus vorsichtig sein darf, finde ich zumindest. Denn Vorgeschichte bedeutet natürlich nicht, dass Du hier die Vorgeschichte Deiner Figuren erzählen musst. Es geht eher um die wichtigen Figuren innerhalb Deines Romans und deren Anfang in Deiner Geschichte.

Das bedeutet, dass Du hier die wichtigsten Figuren vorstellen kannst, die Stimmung, den Ort, die Stimme der Geschichte, das Genre und alles, was für Dich und Deine Geschichte wichtig ist.

Was Du in der 3-Akt-Struktur fast den kompletten ersten Akt zur Verfügung hast, ist bei der 5-Akt-Struktur dieser Part nur ein Teil vom ersten Akt. Man kann keine genaue Seitenzahl benennen, wie viel Du für diesen Teil benutzen sollst. Denn es liegt eindeutig auch daran, wie lang letztendlich Dein Roman werden soll.

Wenn Dein Roman so um die 300 Seiten lang wird, dann kann man sagen, dass dieser Teil so um die zwanzig Seiten lang sein darf. Aber je länger Dein Roman wird, desto länger kannst Du das letztendlich schreiben. Denn Du wirst aller Wahrscheinlichkeit dann auch mehr Figuren einführen wollen, mit denen wir es dann im Laufe der Geschichte zu tun bekommen.

Plot Point 1 – Akt 1

Während der Prämisse lernen wir Deine Figuren in ihrer normalen Welt kennen. Beim Plot Point 1 ist es nun wichtig, dass Du Deine Heldin oder Dein Held aus der normalen Welt, in der sie sich befinden, wirfst und damit die Geschichte zum laufen kommt.

Es muss also etwas passieren, dass die Figuren quasi aufweckt werden und es sich zeigt, ab hier beginnt die Geschichte. Wir haben es hier mit dem Wendepunkt der Geschichte zu tun. Deine Figur geht also durch die erste Tür einer Geschichte und Du entscheidest, ob sie sich danach, nachdem die Figur durchgegangen ist, fest verschließt oder Du sie noch durch eine weitere Tür gehen lassen musst.

Mein Tipp: Spätestens bei der zweiten Tür sollte Schluss sein. Die Türen stehen übrigens für die Möglichkeit, dass Deine Figuren noch einmal zurückkehren können. In ihr normales Leben. Lässt Du diese Möglichkeit einmal zu, ist das in Ordnung. Ein zweites Mal hingegen wirkt, als könne sich die Figur und Du als Autorin oder als Autor nicht entscheiden. Soll die Geschichte nun losgehen oder nicht?

Diese beiden Türen kannst Du dann auch in diesem Teil gerne einbauen. Überlege Dir aber gleichzeitig einen Auslöser, damit die Geschichte wirklich zum Laufen kommt. Und dieser Auslöser bleibt dann bis zum Ende des ersten Aktes dann bestehen. Ist er dann erledigt, befinden wir uns im zweiten Akt.

Midpoint – Akt 2

Wir befinden uns ungefähr in der Mitte des Romans. Deine Leserinnen und Leser kennen nun Deine Figuren, ihre Welt und wie sie in den Schlamassel geraten sind, in die sie sich jetzt hoffentlich befinden. Das bedeutet, es muss etwas Neues kommen, da es ansonsten zu langweilig wird.

Es wäre ansonsten so, als würde alles einfach vor sich hinplätschern und es passiert immer wieder das Gleiche. Das will niemand lesen. Und vermutlich Du noch nicht einmal schreiben. Hier muss etwas komplett anderes geschehen, als wir es bisher hatten.

Dazu könntest Du jemanden sterben lassen, einer aus den Reihen Deiner Hauptfigur ist auf einmal ein Verräter oder eine Verräterin. Es könnte aber auch sein, dass eine überraschende Nachricht kommt, eine Entführung, egal was. Das Wichtigste hierbei ist, dass Deine Figur aus dem aktuellen Trott herausgerissen wird und sich nun überlegen muss, wie es jetzt weitergehen soll.

Ich bezeichne es als ein paar ordentliche Stolpersteine, die Deine Heldin oder Dein Held daran hindern soll, ans Ziel zu gelangen. Dabei muss es nicht nur ein Stolperstein im äußeren Bereich sein. Sondern Du kannst auch so zuschlagen, dass Deine Figur emotional verletzt wird.

Hauptsache, Du machst es Deiner Figur nicht so leicht.

Plot Point 2 – Akt 2

Ab hier bereitest Du dann Deine Geschichte auf das große Finale vor, also Akt 3. Bisher kann es sein, dass Deine Heldin oder Dein Held zwischen aktiver und passiver Handlung hin- und hergewechselt ist. Man hat sie oder ihn also eher herum geschubst und nur gelegentlich wurde Deine Figur aktiv.

An dieser Stelle wird Deine Figur zum Handeln gedrängt und muss sich anstrengen, um dafür zu sorgen, dass alles gut ausgeht. Zumindest für Deine Figur soll es letztendlich gut ausgehen.

Also, egal was bisher mit Deiner Figur passiert ist. Jetzt ist es Zeit, dass sie die Spielregeln bestimmt. Kennst Du die Filme, wo auf einmal, der zumeist männliche Held, Sachen zusammensucht, um in die sprichwörtliche Schlacht zu ziehen? Das kann man hier durchaus vergleichen.

Deine Figur ist sich bewusst, es müssen Entscheidungen getroffen werden. Und es gibt niemanden, die oder der das für Deine Figur übernehmen kann, wie noch am Anfang Deiner Geschichte. Im ersten Akt kann jemand oder etwas Deine Figur unterstützen, in die Reise drängen oder auch die wichtigen Gegenstände geben, die sie oder er braucht. Nun heißt es, kein mächtiger Zauberer, keine allmächtige Hexe, keine Eltern, niemand hilft Deiner Figur. An dieser Stelle ist sie oder er gezwungen, selbst zu entscheiden. Und genau das wollen wir Leserinnen und Leser.

Ich möchte, dass die Heldin oder der Held selbst aktiv wird und Entscheidungen trifft. Alles andere wäre ein Verrat. Sowohl an mich als Leserin als auch an der Figur. Denn sie hat es verdient, dass sie eine ordentliche Geschichtswendung bekommt und aktiv werden darf.

Climax – Akt 3

Hier geht es natürlich darum, dass die Pläne Deiner Heldin oder Deines Helden in die Tat umgesetzt werden. Ob sie oder siegt oder verliert, das kommt auf Deine Geschichte an. Aber hier ist es Zeit, dass eine Entscheidung getroffen und umgesetzt wird.

Und vor allem ist es wichtig, dass Du uns eine Lösung präsentierst, irgendeine. Ob das ursprüngliche Problem gelöst wurde, oder sich diese in Luft aufgelöst hat und ein anderes Problem an deren Stelle getreten ist. Dass alles ist fast egal. Hauptsache, Du kommst zu einem Schluss.

Wobei es zwei Arten von Enden für eine Geschichte gibt. Diese richten sich jedoch nach der Art des Buches. Bei einem Einzeltitel ist es wichtig, dass alle roten Fäden zum Schluss zusammengetragen werden und eine fertige Lösung präsentiert wird. Das bedeutet nicht, dass Du nicht ein offenes Ende haben darfst. Für mich bedeutet es eher, dass die Geschichte so beendet wird, dass wir einen Schluss haben, mit dem es sich leben lässt.

Bei einem Mehrteiler (der Klassiker ist ja immer noch die Trilogie) ist es so, dass häufig das Ende nicht nur ein positiver Effekt hat. Es darf auch ein Hauch von Negativität mit sich bringen. Immerhin darf ein drohender Schatten noch existieren, damit Deine Leserinnen und Leser sich fragen, wie es im nächsten Teil weiter geht.

Eine zeichnerische Übersicht

Im Folgenden siehst Du die Punkte in einer Übersicht, damit Du grob erahnen kannst, wo sich welcher der oben aufgeführten Punkte befindet.

Damit kannst Du sicherlich erkennen, wo die Steigung erfolgt und wie weit Du gehen kannst, darfst, oder auch solltest.

Meine Arbeit mit der 5-Akt Struktur

Auch hier nutze ich gerne das Tarot, um mir einen tieferen Einblick in die Szene durch die Karten zu ermöglichen. Hierbei habe ich jedoch die Bedeutung der Karten der ersten Methode, also die der 3-Akt-Struktur weiterhin im Kopf.

Das bedeutet Folgendes: Wenn ich eine Karte ziehe, dann deute ich nicht rein aufgrund der Karte selbst die entsprechende Position. Sondern ich suche auch den Zusammenhang aus den Karten, die ich zuvor für die andere Struktur gezogen habe. Daher ist es für mich immer sehr wichtig, alle Karten aufzuschreiben, die ich für eine Legung ziehe.

Das gilt übrigens auch für das Deck, das ich dafür benutzt habe. Denn nur so kann ich immer wieder darauf zurückgreifen und die individuellen Symbole dafür noch einmal deuten. Ein anderes Deck hat häufig andere Symbole und für eine Geschichte damit eine andere Aussage.

Es mag eine Einbildung sein, aber wenn ich die Karten ziehe, dann habe ich das Gefühl, dass die Aussagen aus dem 3-Akter noch einmal bestätigt und intensiviert werden. Es ist eher selten, dass ich eine Karte ziehe, die komplett was anderes aussagt, als was ich mir zuvor erarbeitet habe. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht schon mal dazu gekommen ist.

In solchen Fällen überlege ich mir, warum genau ich eine andere Aussage erhalten habe. Es kann durchaus vorkommen, dass ich weiter an den Figuren gearbeitet habe, oder auch andere Ideen bekam, sodass sich die Energie der Geschichte geändert hat. Und das schlägt sich dann auch in der Bedeutung wieder.

Daher kann ich nur empfehlen, dafür offen zu sein, was die Karten Dir sagen. Denn es hat durchaus seine Bedeutung. Und natürlich notiere Dir bitte alles, was Du in diesem Zusammenhang gezogen und gedeutet hast. Es lohnt sich auf alle Fälle.

Abschlussgedanken

Mit der 5-Akt-Methode geht es, meiner Meinung nach, um einiges tiefer, als die 3-Akt-Methode. Denn hier findest Du mehr „Fragen“, die Du beantworten kannst, um die Geschichte zu finden.

Meine Methode ist, nachdem ich die grobe Richtung gefunden habe, die ich mit der 3-Akt-Struktur mir erarbeite, geht es dann tiefer. Das bedeutet für mich, dass ich danach mich an den 5-Akter setze und die Details noch mehr ausarbeite.

Das macht in der Tat mehr Arbeit, als wenn man sich für eine Methode entscheidet. Daher ist das, meiner Meinung nach, eher für längere Geschichten oder ganze Reihen durchaus eher geeignet, als für kurze Geschichten. Aber das ist dann wieder eine persönliche Ansichtssache.

Solltest Du aber diesen Teil benutzen, dann bekommst Du einen weitaus detaillierteren Plot. Daher kann ich Dir nur empfehlen, diese Plotmethode auszuprobieren.

Analyse

Gerne kannst Du Dir den einen oder anderen Film nehmen und ansehen. Dabei analysiere einfach Mal, ob Du die 5 Akte dort erkennen kannst. Notiere Dir, an welchen Punkte Du der Meinung bist, dass es einer der oben aufgeführten Punkte ist und wie der Übergang stattfindet.

Wenn Du möchtest, kannst Du das auch mit Deinem aktuellen Lesestoff machen.

Analyse Deiner eigenen Geschichte

Schau Dir mal Dein Material an, sowohl Deine Notizen zum Plot, als auch alles, was Du bisher geschrieben hast. Arbeitest Du eventuell schon unbewusst mit der 5-Akt-Struktur? Oder kannst Du mit dieser Methode Deine Geschichte vielleicht ein wenig verbessern?
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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