Plot: Das 7-Punkte-System

Hei, hallo und herzlich willkommen,

nach dem 3-Akter und dem 5-Akter kommen wir zum 7-Punkte-System nach Dan Wells.

Kurze Vorgedanken

Diese Methode geht auf den Autor Dan Wells zurück. Zwar hat er diese Methode nicht erfunden, aber er hat sie verfeinert und aufbereitet. Seine Inspirationsquelle ist der „Star Trek Narrator Guide„.

Auf YouTube findest Du einige Videos zu einem Vortrag von ihm (die ich hier verlinkt habe). Es ist eine weitere Methode, mit der Du eine Geschichte planen und plotten kannst.

Entweder Du nimmst die Informationen, die Du mit dem 3-Akter und dem 5-Akter Dir erarbeitet hast, und arbeitest hier noch tiefer und intensiver daran. Oder Du arbeitest nur mit dieser Methode. Wie so oft, die Entscheidung liegt an Dir.

Aufbauübersicht

Erst einmal möchte ich Dir die Punkte vorstellen, auf denen die 7-Punkte-Struktur beruht.

  1. Der Aufhänger (Hook) – Hier stellst Du Deine Heldin oder Deinen Helden vor, die Welt in die sie sich befinden, dass Setting, was auch immer wichtig ist.
  2. Erste Wendung (Plot Turn 1) – Hier geschieht DAS Ereignis, welche Deine Foguren dazu zwingt zu reagieren. Die Welt verändert sich und Spannung wird aufgebaut.
  3. Erster Kniff (Pinch 1) – Die Situation verschlechtert sich, etwas geht schief und dadurch wird Deine Heldin oder Dein gezwungen, etwas zu unternehmen.
  4. Mittelpunkt (Midpoint) – Deine Heldin oder Dein Held wird aktiv und beginnt etwas an der Situation zu ändern.
  5. Zweiter Kniff (Pinch 2) – Es geht wieder etwas schief, wodurch sich die Situation noch einmal verschlechtert. Dadurch steigt der Druck auf Deine Heldin oder Dein Held und erst einmal erscheint die Situation aussichtslos.
  6. Zweite Wendung (Plot Turn 2) – Deine Heldin oder Dein Held findet eine überraschende Möglichkeit, dass sie oder er doch etwas unternehmen kann, und kann die Situation noch in letzter Sekunde herumdrehen.
  7. Auflösung (Resolution) – Deine Heldin oder Dein Held siegt über das Problem.

Bevor Du beginnst

Du könntest jetzt theoretisch schon anfangen zu plotten. Immerhin kennst Du jetzt die Übersicht. Doch wenn Du direkt nach der Methode von Wells arbeiten möchtest, solltest Du Dir noch einige Dinge überlegen.

  • Um was geht es in Deiner Geschichte?
  • Was ist Deine Kernaussage, die Du gerne vermitteln möchtest?
  • Was ist der Grund, warum Du gerade diese Geschichte und keine andere schreiben willst?
  • Wer sind Deine Charaktere?
  • Was ist das Setting?
  • Kannst Du Dein Hauptkonflikt benennen?

Wenn Du all diese Punkte benennen kannst, dann bist Du bereit für den nächsten Schritt. Sagst Du Dir aber, dass Du eher grob alles beschreiben kannst, dann wäre jetzt Zeit noch einmal darüber nachzudenken und diese Punkte Dir zu erarbeiten.

Denn mit je mehr Wissen Du ans Plotten herangehst, desto besser kannst Du Dir alles erarbeiten. Daher empfehle ich Dir, nutz die Zeit und arbeite noch einmal an den oben aufgeführten Punkten. Danach kannst Du sofort weitermachen.

Eine weitere Besonderheit an der Methode von Wells ist sein Beginn. Normalerweise fangen wir alle bei Akt 1 an. Also ganz am Anfang. Wells hingegen beginnt am Ende seiner Geschichte. Er ist der Meinung, dass Du die wichtigen Punkte Deiner Geschichte eher herausfinden und erarbeiten kannst, wenn Du weißt, wohin die Reise überhaupt geht.

Das bedeutet, wenn Du weißt, wo Deine Heldin oder Dein Held endet, kannst Du sehen, wo er angefangen hat. Wells selbst wählt als Beispiel Harry Potter. Am Ende der kompletten Geschichte ist er ein mächtiger Zauberer, der es geschafft hat Lord Voldermort zu besiegen. Wenn Du das auf Deinem Blatt Papier siehst, dann kannst Du Dir überlegen, wo solch eine Geschichte anfangen könnte. In diesem Fall als Waisenkind, der bei ungeliebten Verwandten unter der Treppe lebt und keine Freundschaften hat. Das perfekte Beispiel, oder?

Die 7 Punkte detailliert erklärt

Auch wenn Dan Wells empfiehlt, mit dem 7. Punkt anzufangen, also der Auflösung, bleibe ich, aus Übersichtsgründen, bei der klassischen Reihenfolge. Wenn Du Dich dann an die Bearbeitung Deines Plots machst, kannst Du dann den siebten Punkt als erstes nehmen und die restlichen danach abarbeiten.

1 Der Aufhänger – Hook

Hier sind wir beim genauen Gegenteil zur der Auflösung unter Punkt 7. Hier beginnt die Reise Deiner Heldin oder Deines Helden. Wir befinden uns also in seiner Alltagswelt. Das bedeutet, Du kannst diesen Teil dafür benutzen, um uns zu zeigen, wo wir sind, mit wem wir es zu tun haben, wie die Stimmung ist, das Setting, sowie das Genre.

Diese Punkte kennst Du auch aus den anderen Plotbeschreibungen. Wichtig ist vielleicht noch zu erwähnen, dass der Beginn der Reise ganz woanders anfängt, als sie dann am Ende endet.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass Deine Heldin oder Dein Held nicht an den gleichen Ort zurückkehren kann. Sondern die Figur muss sich innerlich so weit geändert haben, dass sie als eine völlig andere Figur zurückkehrt.

Weiterhin kannst Du hier auch wichtige Nebenfiguren einführen, die für die Geschichte besonders wichtig sind oder werden. Jedoch ist es durchaus gut, wenn Du Deinen Hauptfiguren genügend Platz lässt, damit Du ihre Charakterentwicklung zeigst. Mit wem haben wir es hier zu tun, wo fängt ihre Reise an, wie sind sie und was für ein mögliches Potenzial haben wir hier?

Weiter kannst Du hier ein Konflikt, ein Geheimnis oder ein Problem aufbauen, was dann in der Geschichte und eventuell in der kompletten Reihe sich dann durchzieht.

2 Erste Wendung (Plot Turn 1)

Ein unerwartetes Ereignis tritt ein und dadurch verändert sich die Welt unserer Heldin oder unseres Helden unwiederbringlich (selbst wenn sie oder er den Ruf ablehnen würde, es hat sich etwas geändert). Dadurch wird die Handlung in eine neue Richtung gelenkt und die Handlung kommt dadurch so richtig in Gang.

Gleichzeitig lernen wir neue Figuren und Geheimnisse werden gelüftet. Es dürfen neue Geheimnisse dann durchaus dazu kommen.

3 Erster Kniff – Pinch 1

Du kannst Dir merken, dass Pinches Stellen sind, an denen besonders viel Druck auf Deine Heldin bzw. Helden ausgeübt wird. Zumindest sollte es so sein.

Hier muss sie oder er handeln, ansonsten kann der weitere Verlauf der Geschichte eher katastrophale Wendungen annehmen. Daher ist für Dich als Autorin oder Autor der ideale Platz für eine erste große Katastrophe in Deiner Geschichte. Achte aber dabei, dass es noch möglich sein sollte, die Situation erneut zu verschlechtern. Es bringt also nichts, hier die größtmögliche Katastrophe einzubauen und beim nächsten Pinch eine Katastrophe zu erwähnen, die nur halb so stark oder einfach unrealistisch stark ist.

Diesen Pinch kannst Du auch nutzen, um Deine Antagonistin oder Deinen Antagonisten vorzustellen. Dabei muss sie oder er nicht gleich als Person eingeführt wird. Es kann auch nur der Name fallen oder die Auswirkungen des Handelns dieser Figur.

4 Mittelpunkt (Midpoint)

Wir sind nun in der Mitte Deiner Geschichte. Hier haben wir es mit der Verbindung bzw. dem Übergang von der Anfangssituation zur Endsituation zu tun. Bisher hatte Deine Heldin oder Dein Held nur reagiert, wenn etwas auf sie oder ihn hinabfiel. Durch den Druck aus Punkt 3 ist sie bzw. er dazu gebracht worden, nicht mehr nur zu reagieren. Es ist Zeit, endlich aktiv zu werden und zu agieren.

Sie oder er ändert damit das eigene Verhalten und hat damit einen wichtigen Entwicklungsschritt getan. Deine Heldin oder Dein Held beginnt das Ziel klar zu sehen. Und von nun an wird darauf hingearbeitet, um es zu erreichen.

5 Zweiter Kniff – Pinch 2

Wie geschrieben, Pinches eignen sich immer, um den Druck zu erhöhen. Hier kannst Du diesen so weit erhöhen, dass die Situation sich so dermaßen verschlimmert, dass es erst einmal so wirkt, als gäbe es keinen Ausweg mehr.

Bei der entsprechenden Geschichte könntest Du hier die Gefährtinnen oder Gefährten Deiner Hauptfigur sterben lassen. Oder sie zumindest so dermaßen behindern, dass Deine Heldin oder Dein Held sich allein dem eigenen Schicksal am Ende stellen muss. Sie oder er muss sich allein dem Problem stellen. Trotz allem kann hier das Gefühl stehen, als würden die Gegenspieler allesamt gewinnen.

Hier ist Deine Heldin oder Dein Held am absoluten Tiefpunkt. Sie oder er muss das Gefühl haben, alles zu verlieren. Und egal wie sehr sich Deine Figur anstrengt, die anderen werden gewinnen und alles wird in eine Katastrophe enden.

6 Zweite Wendung – Plot Turn 2

Hier bekommt Deine Heldin oder Dein Held einen wichtigen Hinweis auf den Schlüssel, um die ganze Katastrophe abzuwenden und zu einer, aus der Sicht Deiner Figur, erfolgreiche Lösung zu kommen.

In einem Drama gibt dieser Punkt noch einmal den entscheidenden Schubs in das eher bittere Ende.

Je nachdem in was für ein Genre Du schreibst, kann es hier dann noch einmal kitschig werden. Es können die großen Gefühle hier auftauchen, Überraschungsmomente, Informationen, mit denen niemand gerechnet hat, Enthüllungen, was auch immer für Deine Geschichte notwendig und typisch für Dein Genre ist.

7 Auflösung – Resolution

Hier wird alles gelöst, wobei sich die Lösung nach dem Genre richtet, in dem Du schreibst. So könnten in einem Drama alle am Ende sterben. In einem Liebesroman hingegen findet sich das Paar und so weiter.

Meistens wird jedoch die Antagonistin oder der Antagonist besiegt und bestraft. Alternativ kann sie oder er zum Guten bekehrt werden.

Doch wichtiger ist, Deine Heldin oder Dein Held hat eine wichtige Entwicklung durchgemacht. Am Anfang war sie oder er auf einer gewissen Stufe und nun wurde dieser Punkt verlassen und wir finden am Ende eine veränderte Figur vor. Sie kann mutiger oder auch stärker geworden sein. Hat Freundschaften geschlossen oder sonst wie ein Platz im Leben gefunden.

Mehrere Plots damit plotten

Vielleicht hast Du schon mal gehört, dass eine Geschichte mehrere Plots beinhalten kann. Dazu gehört die Geschichte selbst. Dann die Charakterentwicklung und vielleicht noch eine kleine Liebesgeschichte.

Das bedeutet, dass Du erst einmal die komplette Geschichte anhand der oben aufgeführten Liste durcharbeitest (wenn Du nach Dan Wells arbeitest, dann fängst Du mit Punkt 7 an und gehst dann weiter zu Punkt 1). Dabei lässt Du die Charakterentwicklung und die kleine Liebesgeschichte knallhart links liegen.

Als Nächstes machst Du das Gleiche noch einmal mit der Charakterentwicklung Deiner wichtigen Figuren. Wenn Du drei Figuren hast, die eine Entwicklung hinter sich bringen, bedeutet das für Dich, diesen Teil drei Mal durchzuarbeiten.

Und als Letztes erarbeitest Du Dir die kleine Liebesgeschichte, die für Deine Geschichte wichtig ist. Auf diese Art und Weise hast Du alles erst einmal übersichtlich einzeln aufgelistet. Am Ende kannst Du entweder alles zusammentragen, oder weiterhin getrennt halten.

Vor Jahren habe ich die Empfehlung bekommen, dass man sowieso von allen Figuren immer die komplette Geschichte plotten sollte. Dabei ist es völlig egal, ob sie an bestimmten Stellen auftauchen.

Nehmen wir an, Deine Antagonistin oder Dein Antagonist taucht als Person erst gegen Ende der Geschichte auf. Das kann durchaus vorkommen und in einigen Krimis ist das durchaus der Fall. Das bedeutet aber nicht, dass Du nicht wissen solltest, was sie oder er die ganze Zeit macht.

Denn auch im Hintergrund können die Figuren Einfluss auf die Geschichte haben. Gerade die Antagonistinnen und Antagonisten können ihre Ränkespiele schmieden. Und wenn Du weißt, wo sie aktuell sind, kannst Du auch deren Einfluss auf Deine Geschichte besser abschätzen.

Meine Arbeit mit diesem System

Bisher habe ich noch sehr wenig mit dieser Methode gearbeitet. Aber während ich diesen Beitrag geschrieben habe, bekam ich schon so viele Ideen für meine Geschichte, an der ich schon so lange schreibe, dass ich mich ransetzen werde, um damit zu plotten. Ein Versuch ist es auf alle Fälle Wert.

Auch hier werde ich sicherlich mit dem Tarot arbeiten und schauen, was mir die Karten alles verraten. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dadurch einige interessante Informationen erhalten werde.

Abschlussgedanken

Von einigen habe ich schon gelesen, dass sie gerne die Methode benutzen. Wobei wohl im Internet diverse Abwandlungen davon existieren. Wundere Dich daher bitte nicht, wenn Du danach selbst suchst und eine andere Version findest. Das ist wohl normal.

Aber lass Dich ruhig auf diese Methode ein und sieh, was sie Dir bringt. Ich bin mir sicher, die eine oder andere Überraschung dürfte sicherlich dabei sein.

Analyse

Gerne kannst Du Dir den einen oder anderen Film nehmen und ansehen. Dabei analysiere einfach Mal, ob Du die 7 Akte dort erkennen kannst. Notiere Dir, an welchen Punkte Du der Meinung bist, dass es einer der oben aufgeführten Punkte ist und wie der Übergang stattfindet.

Wenn Du möchtest, kannst Du das auch mit Deinem aktuellen Lesestoff machen. Wie wäre es denn mit Harry Potter?

Analyse Deiner eigenen Geschichte

Schau Dir mal Dein Material an, sowohl Deine Notizen zum Plot, als auch alles, was Du bisher geschrieben hast. Arbeitest Du eventuell schon unbewusst mit dem 7 Punkte System? Oder kannst Du mit dieser Methode Deine Geschichte vielleicht ein wenig verbessern?

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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