Die Initative Selfpublishing Rocks

Hei, hallo und herzlich willkommen,

ich bin über eine interessante Initiative gestoßen, die ich Dir hier gerne vorstellen möchte.

Kurze Vorgedanken

Selfpublishing ist durchaus besser, als sein Ruf. Aber es bedarf noch eine Menge Arbeit, um das noch mehr Leuten klar zu machen. Denn im Gegensatz zu den USA ist in Deutschland das Wort Selfpublishing noch mit dem einen oder anderen Vorurteil behaftet.

In der letzten Zeit habe ich einige Buchblogs aufgesucht und mir deren Bedingungen durchgelesen. Also, was für Bücher sie lesen und welche man ihnen zusenden darf, wenn man es denn darf (einige sind einfach überlastet und froh, wenn sie erst einmal keine Bücher bekommen).

Dabei habe ich öfters auch gelesen, dass sie auf keinen Fall Bücher lesen werden, die als Selfpublishingbücher erschienen sind. Denn, so die allgemeine Meinung bei ihnen, die können ja nicht gut sein. Wieso sind die nicht sonst in einem Verlag erschienen?

An dieser Stelle möchte ich keine Beweggründe auflisten, warum sich Selfpublishing Autorinnen und Autoren eben für diesen Weg entscheiden könnten bzw. entschieden haben. Es geht eher um eine Initiative von Stephan Waldscheidt mit dem Namen „Selfpublishing Rocks“. Diesen Beitrag habe ich bei Nike Leonhard entdeckt.

Bei dieser Initiative geht es darum, dass Du, sofern Du Dich fürs Selfpublishing entscheidest, Dich an bestimmte Spielregeln zu halten. Ziel dabei ist, den Ruf des Selfpublishing Buches zu verbessern. Dazu hat Stephan Waldscheidt ein paar Punkte aufgelistet, an die man sich orientieren kann.

Freiwillige Selbstverpflichtung für Selfpublisherinnen und Selfpublisher


1. Ich respektiere meine Leserinnen und Leser und nehme sie und ihre Ansprüche ernst.

2. Ich biete die beste mir mögliche Qualität an – in Inhalt und Aufmachung.
Das heißt unter anderem:
+ gründliche und mehrfache Überarbeitung des Geschriebenen
+ Fakten-Check bei Sachbüchern und Ratgebern
+ zitieren nur mit Quellen-Angaben
+ Respekt vor der Leistung von anderen: Beachtung des Urheberrechts
+ keine Plagiate
+ keins meiner Bücher erscheint, ohne dass es zuvor von Test-Lesern und Test-Leserinnen geprüft wurde, egal ob das Bekannte sind oder bezahlte Profis
+ gründliches Lektorat und Korrektorat von mir selbst und / oder Dritten
+ ein zumindest ordentliches und liebevoll gestaltetes Cover, zu dem ich die Meinung von Dritten einhole oder das Fachleute für mich erstellen

3. Ich biete meine Bücher zu fairen, sich im Rahmen des Üblichen bewegenden Preisen an und garantiere ein gutes Verhältnis von Preis und Leistung.
Ich verzichte dabei insbesondere auf extrem überhöhte Mondpreise, die das Ansehen der Selfpublisher schädigen, ebenso wie auf dauerhafte Gratisaktionen oder extrem niedrige Preise. Mit Letzterem soll verhindert werden, dass bei den Leserinnen und Lesern eine Umsonst- oder Billig-Mentalität einreißt, die längerfristig das ganze Selfpublishing gefährdet. Die Buchpreisbindung in Deutschland sorgt bis heute dafür, dass unsere Buchlandschaft noch immer sehr vielfältig ist. Wenn sich die Leser daran gewöhnen, so gut wie gar kein Geld mehr für Bücher ausgeben zu müssen, schadet das langfristig allen Autorinnen und Autoren, Verlagen und Händlerinnen und Händlern – und am Ende auch den Lesern und Leserinnen selbst.

4. Ich vermarkte und bewerbe meine Bücher selbstbewusst – aber ich spamme niemanden mit Werbung voll, nicht in den sozialen Netzen und erst recht nicht per Mail. Dabei bemühe ich mich um inhaltlich korrekte und informative oder unterhaltsame Werbung in erträglichen Dosierungen und verzichte auf marktschreierisches Feilbieten meiner Bücher.

5. Ich respektiere die Arbeit anderer Selfpublisher und Selfpublisherinnen. Ich will kein Hauen und Stechen, keinen brutalen Wettbewerb, stattdessen gesundes und beflügelndes Konkurrenzdenken und ein faires Miteinander in einem Markt, der groß genug für alle ist, die Qualität anbieten.

6. Ich respektiere die Arbeit von Verlagen und Buchhändlern und Buchhändlerinnen. Beide sind nach wie vor essenziell für eine Verbreitung des Buchs und für sein Image.

7. Ich respektiere auch die Autorenkollegen und Autorinnenkolleginnen, die sowohl mit Verlagen zusammenarbeiten als auch andere Bücher selbst veröffentlichen (Hybrid-Autoren und -Autorinnen).

8. Ich will als Selbstverleger oder Selbstverlegerin permanent besser werden und bilde mich weiter – als Autor bzw. Autorin und als Unternehmer bzw. Unternehmerin.

9. Ich verfolge meine Autorenkarrierebzw. Autorinnenkarriere  mit Nachhaltigkeit. Vor jeder Veröffentlichung stelle ich mir die folgenden Fragen: Muss dieser Text, an dem ich gerade arbeite, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden? Ist dieses das richtige Buch für mich als Autor oder Autorin zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere? Ist es tatsächlich gut genug? Stehe ich hinter dem Inhalt? Kann ich auch noch morgen dazu stehen? Oder schade ich mir damit selbst? Ich respektiere eben nicht nur meine Leser und Leserinne, sondern auch mich selbst als Autor und Autorin.

(Anmerkung: Ich habe kleine Anpassung bei den Berufen vorgenommen und immer die weibliche Form noch hinzugefügt.)

Warum solch eine Aktion?

Eine sehr gute Erklärung kannst Du auf der Internetseite von Stephan Waldscheidt lesen. Viele Autorinnen und Autoren entscheiden sich heute durchaus selbstbewusst dafür, nicht bei Verlagen zu veröffentlichen. Sie sagen sich von vornherein, ich bin gut genug, um die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Und sie sind zudem auch in der Lage gut genug zu schreiben und zu veröffentlichen, um davon zu leben.

Andere hingegen haben ihre Romane an einen Verlag gesendet und wurden abgelehnt. Teilweise zu unrecht. Es gibt genügend Geschichten von den Bestsellerbüchern, die im Selfpublishing erschienen sind, die Verlage jedoch ablehnten, weil es sich für eine Veröffentlichung nicht lohnt.

Aber es gibt auch Geschichten, die zurecht abgelehnt wurden. Doch leider haben die Autorinnen und Autoren genügend Selbstbewusstsein und veröffentlichten diese Geschichten dann im Selfpublishing. Und sie sind leider schlecht. Entweder gibt es Plotlöcher oder einfach eine schlechte Geschichte. Grammatik, Rechtschreibung, alles findet man, wo ein ordentliches Lektorat hätte helfen können.

Und gerade die Letzten können durchaus den Ruf derer zerstören, die hart an ihren Geschichten arbeiten. Öfters sehe ich die Covers von Selfpublishingbüchern und denke mir, was soll das? Du willst damit Geld verdienen. Dann respektiere doch erst einmal Deine eigene Geschichte.

Das meine ich ernst. Wenn Du eine Geschichte veröffentlichst, dann solltest Du vor ihr den größten Respekt haben. Denn sie ist es sicherlich wert erzählt zu werden. Aber wenn Du sie in einer fahlen Packung legst und ihr nicht die Würdigung zuteil kommen lässt, warum sollte ich mich damit dann beschäftigen?

Mit der oben aufgeführten Liste hat man einen guten Start, um professionell das Thema Selfpublishing anzugehen. Auf alle Fälle machst Du dann das Leben von anderen Selfpublishingautorinnen- und autoren nicht unnötig schwerer. Das trifft auch auf die ganzen Gratisaktionen zu. Häufig beobachte ich, wie Autorinnen und Autoren ihre Bücher verschenken. Und bei einer Autorin habe ich mir sogar den Spaß erlaubt zu beobachten, wie viele ihrer Bücher ich dann abstauben kann. Es war ein Sport. Und es war fast ihre komplette Reihe. Man möge sich das bitte auf der Zunge zergehen lassen.

Daher ist der Ansatz mit dem respektvollen Umgang sehr schön. Denn der fehlt mir häufig unter den Autorinnen. Und ich wünschte, ich könnte sagen, dass es nur die Selfpublishingszene betrifft. Dem ist aber definitiv nicht so.

Abschlussgedanken

Das sind freiwillige Selbstverpflichtungen, über die Du gerne mal nachdenken kannst. Denn einige Punkte sind doch sehr weit gefasst und sehr locker gehalten. Aber ich denke mal, so eine Art Ehrenkodex wäre nicht schlecht, damit wir uns das Leben nicht unnötig schwer machen. Immerhin ist das Leben dafür einfach zu kurz.

Aber wenn Du Dich dafür entscheidest, Deine Geschichte im Rahmen des Selfpublishing zu veröffentlichen, dann solltest Du es vernünftig angehen. Das bedeutet also ganz klar, entscheide Dich für einen konkreten Weg und verfolge diesen auch direkt.

Ich kann nur sagen, je professioneller die Autorinnen und Autoren bei der Veröffentlichung ihrer Bücher sind, desto eher erregen sie Aufmerksamkeit. Zumindest erlebe ich das bei mir. Daher wäre es zumindest eine Überlegung wert, wie weit Du diesen Weg gehen willst.

Daher finde Deinen eigenen Weg und Deinen eigenen Kodex.

Notizen

Druck Dir einfach mal die oben aufgeführten Punkte der Selbstverpflichtung erst einmal aus. Dann bearbeite die Punkte in der Hinsicht, was Du gut findest, was weniger und warum, was Du übernehmen möchtest und wovon Du eher Abstand nimmst. Es geht erst einmal um eine persönliche Feststellung Deines eigenen Standpunktes.

Deine Notizen

Mach Dir nun Gedanken darüber, was Dir bei der Veröffentlichung eines Buches wichtig ist. Es reichen erst einmal nur Notizen. Inwiefern unterscheiden sie sich von der oben aufgeführten Selbstverpflichtung. Bist Du genauer oder noch allgemeiner? Und lassen sich Deine Punkte auch wirklich alle umsetzen, wie Du es Dir vorstellst?

Dein eigener Kodex?

Wie wäre es, wenn Du Dir Deinen eigenen Kodex als Selfpublishingautorin oder -autor schreibst? Also, Regeln und Verhaltensweisen, die Du gut findest und denen Du folgen würdest, sobald Du Deine erste Geschichte veröffentlichst. Oder, wenn Du schon ein oder mehrere Bücher veröffentlich hast, dann für Deine nächsten Publikationen gilt.

Denn schreibst Du Dir einen eigenen Kodex, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du Dich daran hältst, um einiges größer, als wenn Du ein anderen übernimmst. Dabei kannst Du die oben aufgeführten Punkte zur Selbstverpflichtung gerne als Leitfaden verwenden.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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2 Antworten zu Die Initative Selfpublishing Rocks

  1. buchstapelsalat schreibt:

    ja, selfpublishing hat im gesamten deutschen sprachraum leider immer noch einen sehr schlechten ruf. man stellt lektoren und verleger auf ein podest, gibt ihnen zepter und krone und erklärt sie beinahe zu übermenschen, die über „gut“ und „schlecht“ zu entscheiden haben. aber genau genommen nehmen wir, als autoren, uns damit eine große menge an freiheit. wir stellen eine kleine gruppe von menschen in den mittelpunkt der literarischen szene, und lassen sie über deren stilistische und thematische richtung entscheiden. wir halten eigenverlegte bücher für „minder“, dabei sind deren autoren doch genau die menschen, die unsere heutige gesellschaft am allermeisten braucht: solche, die sich nicht anpassen wollen, themen aufgreifen und ansprechen, die ein großteil der bevölkerung für unangenehm oder unwichtig hält. vor allem aber sind es menschen, die nicht aufgeben, auch wenn sie abgelehnt werden. es sind autoren, die weiterschreiben, obwohl ihre manuskripte von verlagen abgelehnt wurden und genau genommen ist das doch das, was wir alle anstreben. durchhaltevermögen und mut dazu, man selbst zu bleiben.

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    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Hallo,

      und vielen Dank für den Kommentar 🙂
      Natürlich haben Lektorinnen/Lektoren und Verlage durchaus ihre Daseinsberechtigung. Ansonsten würden sie wohl nicht mehr existieren. Aber ich finde es halt schade, dass prinzipiell gesagt wird, wer Selfpublishing betreibt kann nur schlechte Texte veröffentlichen. Ansonsten würden die Geschichten in einem Verlag erscheinen. Und es ist halt so, dass viele Selbstbewusst sich dafür entscheiden lieber im Selfpublishing ihre Geschichten zu veröffentlichen, als im Verlag.

      Wobei ich in der Selfpublisher-Bibel gelesen habe, dass in diesem Bereich mehr kommerzielle Titel veröffentlicht werden (also in Genres, die eben Geld abwerfen), als alternative Literatur veröffentlichen. Ob das stimmt, das kann ich nicht sagen. Wäre zumindest interessant darüber mehr zu erfahren. Aber ich habe hier ein Titel für eine neue Blogidee, der soll sehr gut sein (ich werde ihn erst demnächst lesen). Und vermutlich wäre diese Geschichte niemals in einem Verlag erschienen, weil es ein Theaterstück ist.

      Daher sollten Selfpublisherinnen und Selfpublisher noch mehr für ihr Ansehen tun. Das kann ihnen nur nützen und nicht schaden.

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