[Rezension] Wolfssucht von Nora Bendzko

Hei, hallo und herzlich willkommen,

heute fängt der Monat der „Wolfssucht“ an. Zuerst gibt es eine Rezension zum Buch, dann ein Interview mit der Autorin Nora Bendzko, als Nächstes ein Beitrag (inspiriert durch die Autorin) zum Thema Sexismus und zu guter Letzt ein Gastbeitrag von ihr (das Thema darf sie sich aussuchen). In dem Sinne, ich freue mich darauf.

  • Taschenbuch: 124 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform; Auflage: 1 (14. Mai 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1530278643
  • ISBN-13: 978-1530278640

Zur Novelle selbst

Es handelt sich hierbei um eine Novelle von etwas mehr als 100 Seiten. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Irina in der dritten Person erzählt. Kurz vor Ende gibt es eine Rückblende, die aus der Sicht ihrer Großmutter aus der Ichperspektive geschrieben wurde.

Irina muss als Kind mit erleben, wir ihre Eltern und ihre ältere Schwester ermordet werden, als sie vor den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges in ihrem Dorf fliehen müssen. Sie selbst überlebt nur, weil der Jäger Skandar ihr das Leben rettet und sie fortan beschützt.

Doch das Leben im neuen Dorf der Großmutter ist für Irina schwer zu ertragen. Denn sie fühlt sich einfach nicht heimisch. Nur die rote Kappe und ein Ruf aus dem Wald geben ihr so etwas wie Halt.

Wenn da nicht der böse Wolf und der Jäger wären.

An dieser Stelle möchte ich nicht zu viel verraten. Zum einen gibt es da sehr viele gute Rezensionen zum Inhalt der Novelle. Und zum anderen möchte ich auch nicht riskieren, versehentlich zu Spoilern. Am besten machst Du Dir selbst ein Bild von diesem Buch.

Das Cover

Es passt eindeutig zu der Novelle. Denn es ist genauso verstörend, wie die Geschichte mich am Ende zurückgelassen hat. Es zeigt alle Elemente dieser Geschichte, welche miteinander vermischt wurden und am Ende dieses Kaleidoskop an verschiedenen Eindrücken hinterlässt.

Man kann da sehr viel hineininterpretieren. Und ich denke auch, dass das die Autorin und der Coverdesigner Emanuel Santer beabsichtigt haben. Das Cover beeindruckt mich.

Wenn ich mir Covers ansehe, dann frage ich mich zugleich, ob ich in einer Buchhandlung zu diesem Buch gegriffen hätte. Da bin ich mir nicht so ganz sicher. Vielleicht aus Neugierde, um zu sehen, was es ist.

Auf alle Fälle ist es ein Cover, worüber man diskutieren und sprechen kann. Denn es ist nicht zuckersüß, wie viele „klassiche“ Covers. Und das meine ich an dieser Stelle noch nicht einmal negativ. Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele es nicht ansprechend finden.

Meine Bewertung

Was mir gefallen hat …

An sich hat mir die Geschichte komplett gefallen. Denn theoretisch hätte sie wirklich so geschehen können, wie die Autorin sie hier beschreibt. Das ist durchaus das Faszinierende. Sowohl im Dreißigjährigen Krieg, im letzten Jahrhundert oder auch in den 1960er Jahren.

Ich könnte mir sogar gut vorstellen, dass die Geschichte um das Rotkäppchen genauso verlaufen ist. Und durch die Weitererzählung dieser Geschichte und das Hinzufügen und entfernen einiger Elemente könnte am Ende das Märchen von Rotkäppchen entstanden sein, welches wir kennen.

Aber es hat mir auch sehr viel Spaß gemacht, die klassischen Elemente des Märchens hier zu suchen und zu finden. Denn so gut wie alle wichtigen Punkte, die Du aus dem Märchen kennst, wurden hier verarbeitet. Aber nicht immer in der Weise, die Du kennst.

Zudem ist es spannend bis zum Schluss. Man fragt sich die ganze Zeit, wie es denn nun ausgeht. Gerade, wenn man nur noch wenige Seiten hat, bis das Buch zu Ende ist. Denn es ist nicht klar, wie es endet oder auch nur enden könnte. Das finde ich gerade das faszinierende am Buch. Man kann bis zum Ende rätseln, gibt es ein Happy End oder nicht.

Was mir nicht gefallen hat …

Die Sprache. Und damit meine ich, wie quasi im Buch miteinander gesprochen wird. Aber auch den Umgang mit der Sprache. Denn sie ist mir sehr gegenwärtig angelegt. Wie ich oben schrieb, man hat das Gefühl, dass die Geschichte in verschiedenen Epochen spielen könnte.

So etwas kann durchaus ein Vorteil sein. Da die Autorin aber im Klappentext explizit anspricht, dass die Geschichte während des Dreißigjährigen Krieges spielt (also zwischen 1618 und 1648), sehe ich das persönlich als großer Nachteil.

Es gibt keinerlei Hinweise darauf, in welchem Jahr wir uns wirklich befinden. Hätte ich zuvor nicht den Klappentext gelesen, ich wüsste gar nicht, wo ich wirklich bin. Und das blieb leider bis zum Ende des Buches.

Und sonst so …

Ansonsten kam ich mit der Geschichte sehr gut klar. Es war nicht so abstoßend, wie eine Rezensentin auf amazon.de behauptete. Klar, es gibt da eine spezielle sexuelle Beziehung. Da könnte man sich durchaus am Kopf fassen. Aber ich selbst kam, trotz allem, damit klar.

Auch wenn es sich vielleicht nicht so anhören mag, ich kann das Buch durchaus empfehlen. Und das tue ich hiermit.

Meine Ansicht

Das Buch ist durchaus sehr interessant. An manchen Stellen hätte ich selbst noch einiges anderes geschrieben, vielleicht mehr altertümliche Worte verwendet, ein Hinweis auf die aktuelle politische Lage (wer regiert gerade, wer kämpft gegen wen). Einfach nur deswegen, damit man wirklich das Gefühl hat, während des Dreißigjährigen Krieges zu sein.

So hingegen fehlt noch etwas, dieses kleine i-Tüpfelchen, der das Buch perfekt macht.

Aber es hat mir auf alle Fälle Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Und an einem schönen Nachmittag, wenn man es sich mit Ruhe durchliest, wird man durchaus sehr gut unterhalten.

Daher kann ich, trotz der sprachlichen Schwäche, dieses Buch empfehlen. Und ich freue mich schon darauf, welches Märchen die Autorin als Nächstes bearbeiten wird.
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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3 Antworten zu [Rezension] Wolfssucht von Nora Bendzko

  1. Nora Bendzko schreibt:

    Hallo Carola!

    Danke, dass ich mit meinem Buch hier vertreten sein durfte. Ich freue mich besonders, dass es neben dem Lob auch eine konstruktive Kritik gibt, an der ich anknüpfen kann 🙂 Es ist witzig, dass du diese eine schlechte Rezension ansprichst. Gerade habe ich einen Blogbeitrag dazu geschrieben, sicher für Autoren interessant, auf die das noch zukommt. Ich hoffe, ich darf das hier verlinken, ansonsten lösch es gerne aus meinem Beitrag:

    https://norabendzko.com/2016/08/06/die-erste-schlechte-rezension-und-nun

    Ich freue mich schon wahnsinnig auf den Gastbeitrag!

    Gefällt mir

    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Hallo Nora,

      Danke, dass ich Dein Buch lesen und bewerten durfte 🙂
      Wenn ich ein Buch nicht ganz ansprechend finde, dann möchte ich das entsprechend mitteilen. Höflich, Respektvoll, aber zugleich auch ehrlich. Denn, ich denke mir einfach, dass es nichts bringt, wenn ich den Leuten nur Honig um den Mund schmiere. Das bringt niemanden weiter. Solange ich aber auch erklären kann, was mir nicht gefallen hat, hoffe ich, dass die Leute (auch wenn es die Autorin oder der Autor nicht selbst sind), etwas mitnehmen können.

      Und Deinen Beitrag zu der negativen Rezi habe ich zwischenzeitlich auch schon kommentiert. Und solange die Links etwas mit dem Beitrag zu tun haben, lasse ich sie gerne stehen.

      lg
      carola

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Reblog: [Interview] Nora Bendzko – Schriftstellerin | Nora Bendzko

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