Sexismus – Die Heilige und die Hure

Hei, hallo und herzlich willkommen,

mir Nora Bendzko hatte ich mal ein Gespräch über das Thema „Die Heilige und die Hure“ gehabt. Da sie ihre Geschichte auf Basis dieser Thematik geschrieben hatte, möchte ich das Thema als dritten Beitrag in der Wolfssucht-Reihe nehmen.

Daher baue ich diesen Beitrag genauso auf, wie meine bisherigen Beiträge zum Thema „Sexistische Elemente für Deine Geschichte“ (hier Teil 1, Teil 2 und Teil 3). Zuerst gehe ich auf den Inhalt dieses sexistische Element ein, danach auf das Problem, was man damit haben kann und warum das geschrieben wird. Zum Abschluss ein paar Inspirationen, wie man beide Punkte anders schreiben könnte.

Natürlich könnte ich auf den dritten Teil meiner Reihe verweisen, aber ich möchte komplett das Thema neu betrachten und daher den Beitrag als Hinweis, und nicht als Referenz für diesen Beitrag nutzen.

Kurze Vorgedanken

Die Heilige und die Hure ist eine immer noch wie ein Damoklesschwert, welche über die Köpfe der Menschen, insbesondere Frauen, schwebt. Diese Bezeichnungen degradieren Frauen in zwei Gruppen. Und zwar in die Gruppe, dass Frauen gar keine sexuelle Kontakte haben (die Heilige) und in die der Hure (die ein paar bis viele sexuelle Kontakte hat).

Aufgrund der Genderbenennung richtet sich diese Bezeichnung Hure nur gegen Frauen. Oder kennst Du eine entsprechende Bezeichnung von Hure für Männer? Und damit meine ich nicht Callboy. Mir zumindest ist keine bekannt.

Wobei natürlich auch Männer sich mit dieser Aufteilung unterwerfen müssen. Jedoch nicht so schlimm, wie bei den Frauen. Denn in keinem Buch und in keinem Film habe ich jemals mitbekommen, dass man einem Mann einen Vorwurf gemacht hätte, wenn er mit mehr als einer Frau im Bett war. Ganz im Gegenteil, er muss sogar mit mehr als einer Frau schlafen, damit er auch als wirklicher Mann gilt. Er wird bis zu einem gewissen Grad sogar als Frauenheld gefeiert. Auf alle Fälle ist das gesellschaftlich akzeptiert.

Darauf möchte ich jetzt näher eingehen. Und zwar sowohl aus weiblicher als auch aus männlicher Sicht. Dabei werde ich die Bezeichnung Heilige und Hure synonym für Frauen und auch Männer benutzen.

Die Heilige

Der Inhalt für Frauen

Die Heilige ist eine Frau, die mit keinem Mann (und eventuell keiner Frau) bisher ins Bett gegangen ist. Oder, wenn sie jemanden geschlafen hat, dann war es ihr langjähriger Geliebter, dem sie bisher treu war.

Auf alle Fälle hebt sie ihre Sexualität und sogar ihre Jungfräulichkeit für den einen Mann auf. Gerade Letzteres ist wichtig, wenn sie noch kein Mal mit jemandem im Bett war. Dann hat sie ihre Jungfräulichkeit nicht in einem One-Night-Stand zu verlieren, sondern aufzubewahren. Und zwar für den einen. Ach ja, natürlich ist es auch so, dass die erste Nacht mit ihrem Mann natürlich DER Hammer wird.

Es kann sogar passieren, dass die Jungfräulichkeit massiv beschützt wird. In Nora Bendzkos Buch „Wolfssucht“ ließ Skandar die Heldin Irina von zwei Dorfmitgliedern im Haus ihrer Großmutter bewachen. Sie sollte nicht nachts durch die Gegend wandern, um wohlmöglich ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. Das wäre für ihren zukünftigen Ehemann ein Skandal.

Vor Jahren habe ich ein Bericht über diverse Hochzeitsriten gesehen. Die frisch verheiratete Braut musste sich nach der Zeremonie noch einer Überprüfung durch ihre Schwiegermutter ergehen lassen. Und zwar, ob sie noch eine Jungfrau ist. Leider weiß ich nicht mehr, in welchem Kulturkreis das stattfindet. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass die Frau sehr eingeschüchtert war.

In keiner mir bekannten Kultur wird die Jungfräulichkeit des Mannes so dermaßen in die Höhe gehoben, wie das der Frau. Und das schon seit Jahrhunderten und länger. Jetzt hätte ich noch als Beweis des sogenannten Keuschheitsgürtels anführen können. Zumal es das Gerücht gab/gibt, dass eine Frau mit einem solchen Gürtel sogar beerdigt wurde. Doch zwischenzeitlich ist man sich nicht sicher, ob es sie wirklich gab. Daher gehe ich auf dieses Thema nicht weiter ein.

In der Literatur geht dies weiter. In vielen Liebesromanen lese ich von Frauen, die bisher noch nie eine Beziehung hatten und natürlich auf den einen Mann in ihrem Leben warten. Wenn sie vorher doch eine Beziehung haben durften, dann war es eher eine lieblose, wo die Heldin dann froh ist, dass diese auseinandergegangen ist. Eine alternative Beziehungsvariante ist, dass der Geliebte unserer Heldin verstorben ist.

Dadurch muss sie sich nicht durch die Trennung mit einem Geliebten Menschen kämpfen. Denn es könnte ja auch sein, dass man einen netten Menschen als Ex hat. Oder das sich die Frau auch mit einem falschen Mann eingelassen hat. Denn auch fiktionale Frauen sind einfach nur Frauen (mehr oder weniger).

Der Inhalt für Männer

Wehe ein Mann ist noch jungfräulich. Dann bricht eine Welt zusammen. Er hat natürlich mit einer ordentlichen Anzahl von Frauen zu schlafen, um dann als echter Mann zu gelten. Zumindest ist das eine gesellschaftliche Ansicht, welche von vielen (glücklicherweise nicht von allen) geteilt wird.

Das bedeutet im Gegenzug, ein jungfräulicher Mann, eine Heilige, ist ein absolutes No-Go. Und je älter der Mann in der Geschichte ist, desto schlimmer ist es für ihn. Denn er darf auf keinen Fall jungfräulich in eine Beziehung gehen. Er sollte schon gewisse Erfahrungen haben, damit er seine zukünftige beglücken kann. Denn es ist seine Aufgabe sie in die Sexualität einzuführen und nicht andersherum.

Um seine Jungfräulichkeit wird kein Wort verloren, im Gegensatz zu der Jungfräulichkeit der Frauen (siehe oben). Ganz im Gegenteil, es wird kaum darüber gesprochen oder geschrieben. Spontan fallen mir nur ein Film und eine Serie ein, wo der Mann offen zu seiner Jungfräulichkeit stand: einmal in Police Academy und einmal Outlander (was ich in einem Schnipsel gesehen habe). Ansonsten wird nicht viel Aufhebens darum gemacht (gut, kann sein, dass ich auch die falschen Filme sehe). Und in der Literatur habe ich das bisher noch nie gelesen.

Wenn ein Mann in eine Beziehung geht und sagt, dass er noch nie mit einer Frau geschlafen hat, dann fallen die Augen aller aus. Auch die der Leserinnen. Ein Mann, der noch nie mit einer Frau geschlafen hat? Das geht doch gar nicht. Man erwartet doch irgendwie, dass Männer vorher sich ihre Hörner abstoßen und eben mit einer ordentlichen Anzahl von Frauen geschlafen hat. Und wenn es eine höhere Anzahl ist, dann ist es auch in Ordnung.

Oder hat es jemanden gestört, dass Tony Stark in IronMan 1 mit der einen oder anderen Dame ins Bett gegangen ist?

Das Problem bei den Frauen

Warum müssen Frauen eine sexuelle Heilige sein? Warum dürfen sie nicht mit jemand anderen ins Bett, wenn sie Lust auf einen ordentlichen Abend mit Sex haben? Und warum wird dieses Bild immer noch in Büchern und Filmen vermittelt?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Man verwehrt aber auf diese Art und Weise der Frau das natürliche Recht auf ihre eigene Sexualität. Ein fiktiver Frauencharakter mag zwar keine echte Frau sein, logischerweise. Aber letztendlich transportiert sie ein Bild einer Frau, welches nicht mehr real sein sollte.

Denn auf diese Art und Weise wird immer wieder das Bild vermittelt, dass Frauen jungfräulich in die Beziehung zu gehen haben und alles andere nicht akzeptabel ist. Damit wird dieses Bild immer weiter getragen und verfestigt sich, wenn auch unbewusst, im unseren Kopf wie eine Frau sich zu benehmen hat.

Dadurch manifestiert sich ein Bild, was man nicht mehr durchbrechen kann. Zumindest literarisch. Oder würdest Du einen Roman über eine sexuell aktive Frau lesen bzw. schreiben? Es fällt immer schwerer, weil es dieses Vorbild kaum gibt.

Sehr häufig ist es auch noch so, dass sie scheinbar (zumindest in vielen Büchern) keine Ahnung über Sex hat. Als ob sie nie in ihrem Leben Jugendzeitschriften gelesen hat, in denen aufgeklärt wird, wie es geht. Oder Pornos im Internet gesehen hat (vorausgesetzt, es gibt diese Sachen in der Geschichte bzw. entsprechende Alternativen). Ein Wunder, dass sie ihre eigenen Körperteile dann noch richtig benennen kann.

Und natürlich hat er den Job sie aufzuklären, bzw. einzuweisen. Damit legt sie sämtliche Verantwortung auf den Mann. Sie selbst legt sich zurück (im wahrsten Sinne des Wortes) und lässt sich aufklären.

Das Problem bei den Männern

Wie bei den Frauen gibt es solche und solche Männer. Männer wollen mit Frauen ins Bett (genauso wie andersherum) und es gibt auch Männer, die eben nicht mit jeder Frau ins Bett gehen wollen. Wenn man einem Mann verweigert, dass er sich entscheiden darf, ob er mit einer Frau ins Bett gehen muss oder nicht, dann wird er ebenfalls unter Druck gesetzt.

Auch Männer dürfen sich entscheiden, auf die eine Frau in ihrem Leben zu warten und zu sagen, dass sie sich für sie aufheben. Also die Entscheidungsgewalt über die eigene Sexualität. Doch, wenn man ihm sagt, dass er sich die Hörner vor der Beziehung abzustoßen hat, dann nimmt man ihm die Entscheidung. Er muss tun, was die Gesellschaft von ihm verlangt.

Ein jungfräulicher Mann wird nicht akzeptiert, sondern dient häufig als Grundlage für Hohn und Spott. Wie kommt es, dass er noch nie mit einem Mädchen gevögelt hat. Es gibt sogar Filme, die sich darum drehen, dass pubertierende Jungs ihre Jungfräulichkeit verlieren. Dass es solche Filme von Frauen gibt, ich meine mich zu erinnern, nie von so etwas gelesen oder einen solchen gesehen zu haben.

Warum wird das geschrieben?

Wir haben es hier mit einem sehr hartnäckigen Bild der Gesellschaft zu tun, dass man nur schwer aus den Köpfen bekommt. Zumal gerade Filme ihren Teil dazu beitragen. Denn, wenn man sich über die Jungfräulichkeit eines Mannes lustig macht, wer will da als Mann noch Jungfrau sein? Auch wenn wir sagen, dass wir uns nicht von solchen Medien beeinflussen lassen, so ist es dem nicht so. Film und Fernsehen haben einen weitaus stärkeren Einfluss auf uns, als wir es vielleicht wahrhaben wollen.

Frauen haben eben Heilige zu sein und Männer eben nicht. Männer werden schräg angesehen, wenn man sie selbst als Heilige einstuft. Das ist das Erbe einer solch langer Zeit der patriarchalischen Herrschaft und der Definitionsgewalt, welche dieses System auf uns alle ausübt.

Das bedeutet, dass wir immer wieder ein Bild weiter und weiter getragen wird und wir dadurch nicht aus dieser Welt hinauskommen. Wenn wir immer wieder etwas Gleiches machen, dann sehen wir nur noch dieses eine Bild. Und wir sind nicht in der Lage uns weiterzuentwickeln. Und das ist letztendlich schade.

Gerade literarisch verlieren wir auf diese Art und Weise viele tolle Möglichkeiten für Charaktere und Geschichten. Denn wir bleiben immer in einer ähnlichen Rolle stecken und können uns nicht für neue Möglichkeiten begeistern.

Die Hure

Der Inhalt für Frauen

Offiziell wird mit der Bezeichnung „Hure“ eine Prostituierte abwertend bezeichnet. Also eine Frau, die sexuelle Dienstleistungen gegen Geld anbietet. Im Laufe der Zeit wurden und werden damit auch Frauen bezeichnet, die nicht als Prostituierte arbeiten, um sie als Person, besonders als Frau, abzuwerten. Dabei muss sie noch nicht einmal verschiedene Geschlechtspartner haben, hilft aber ungemein, um sich den Ruf als Hure zu erarbeiten (Achtung, Ironie).

Das bedeutet, wir haben es hier mit einer Frau zu tun, die frei über ihre Sexualität entscheidet und sich nicht scheut, Spaß am Leben und an ihrem Körper zu haben. Das klingt eindeutig anders, als wenn wir von einer Frau sprechen, die mit jedem x-beliebigen Mann in die Kiste springt.

Aber man kann sogar noch Jungfrau sein, und wird prinzipiell als Hure bezeichnet. Das passierte mir selbst, als ich etwa fünfzehn war und ein weißes Spitzenkleid trug. Ein männlicher Mitschüler, mit dem ich nichts zu tun hatte (ich kannte den noch nicht einmal), bezeichnete mich als solche. Warum, das habe ich nie erfahren. Damals traute ich mich leider nicht, ihn die Leviten zu lesen.

Jedoch werden in der realen Welt Frauen immer noch abgewertet, wenn sie zu viele Sexualkontakte hatte. Oder sich anders benehmen, als es der männlich geprägte Geist dieser Gesellschaft es sich wünscht.

Bei den Sexualkontakten kann man sich jedoch nie sicher sein, ab wann sind denn viele Kontakte zu viel? So könnten drei Männer schon zu viel sein, aber auch zehn. Das liegt an der Definitionsgewalt einer anderen Person. Und darüber haben Frauen, die eben als solche bezeichnet werden, keine Macht. Sie müssen sich gefallen lassen, dass jemand anderes über sie urteilt, sie sei eine Hure oder eben auch nicht. Zumal er sich dann anschickt zu entscheiden, dass Frauen überhaupt Huren sind, auch wenn sie technisch gesehen, eigentlich noch Jungfrauen sind.

In der Geschichte „Wolfssucht“ entschied auch Skandar darüber, dass Irina eine zweifelhafte Person ist. Freiwillig und selbstbestimmt. Da es aber eben nicht Skandar war, fühlte er sich in seiner Ehre verletzt. Und aus diesem Grund entschied er, sie zu verurteilen. Und in der Gesellschaft des 17ten Jahrhunderts hat das ein völlig anderes Gewicht, als vielleicht heute.

Auf diese Weise verweigert man der Frau, trotz sexueller Revolution in den 1960er Jahren, das Recht, über ihre eigene Sexualität zu bestimmen. Denn seien wir doch mal ehrlich, wer möchte schon gerne als Hure oder Schlampe bezeichnet werden? Daher werden Frauen in die Defensive gedrängt, um sich selbst zu verteidigen. Sie sind ja keine Huren, sie haben nicht mit vielen Männern geschlafen und so weiter.

Und das wirkt sich letztendlich auch auf die Geschichten aus. Die Heldin hat kaum, bis gar keine Sexualpartner gehabt, bevor sie auf unseren Helden trifft. Wenn sie es doch tut, kann es passieren, dass er sie vielleicht nicht als Wert sieht, sich weiter mit ihr zu beschäftigen.

Vor etwa zwei Jahren habe ich einem Roman gelesen, wo unser Held sich durch die Betten vieler, sehr vieler Frauen hindurchgeschlafen hat. Für ihn war das natürlich absolut in Ordnung. Aber als das Gespräch aufkam, dass auch seine Geliebte sich ja in dem einen oder anderen Bett fröhlich vergnügt haben könnte (und das im 18. Jahrhundert, natürlich), wäre das für unseren Helden absolut unerträglich geworden.

Was für ihn also beinahe selbstverständlich gewesen war, wäre für sie ein absolutes Unding. Sie hatte sich gefälligst für ihn aufzubewahren. Ansonsten wäre sie nicht mehr die Geliebte, von denen er träumte, während er andere Frauen vögelte.

Schreiende Ungerechtigkeit? Nein, literarischer Alltag.

Der Inhalt für Männer

Für Männer ist es hingegen völlig in Ordnung, ja beinahe schon gesellschaftlicher Standard, dass er mit mehr als nur einer Frau vögelt, bevor er in den Hafen der Ehe eintrudelt. Sofern er überhaupt heiratet, denn es ist auch völlig in Ordnung, wenn er ein lebenlang Single bleibt (sie hingegen ist die alte Jungfer).

In dem gerade eben genannten Beispiel hatte die Heldin zwar ein Problem, dass ihr Geliebter sie so lange im Stich ließ und durchaus sexuelle Kontakte hatte. Aber natürlich verzieh sie ihm und warf sich in seinen Armen. Wenn die Gute wüsste, dass er ihr das Gleiche nicht verziehen hätte.

Immerhin hat sie auch dadurch einen gewissen Vorteil. Er hat sexuelle Erfahrungen und weiß, wie er seine Geliebte beglücken kann (neben der Nachricht, dass er vielleicht Vater von dem einen oder anderen Kind ist und eventuell eine übertragbare Geschlechtskrankheit hat).

Und genau hier beißt sich die Katze eigentlich in den Schwanz. Während es gesellschaftlich akzeptabel ist, dass ein Mann mit mehr als nur einer Frau (also der zukünftigen Ehefrau) ins Bett geht, ist es für die Frau, so gesehen, verboten. Doch wie bitte schön soll der Mann auf seine Kosten kommen, wenn es die Frau nicht darf?

Das Problem bei den Frauen

Wie in dem Beispiel geschrieben, ist eine Frau nicht mehr als Partnerin interessant, sobald sie mit zu vielen Männern ins Bett gegangen ist. Das betrifft sowohl die reale Frau als auch die Heldin in bestimmten Genres. Andere bestimmen also darüber, was sich für sie als Frau schickt und was nicht. Und damit nehmen sie ihr die Definitionsgewalt über die eigene Sexualität.

Würde eine Frau mit dem einen oder anderen Mann ins Bett gehen dürfen, wüsste sie, was sie mit ihrem wahren Geliebten erwartet. Sie hätte Erfahrungen. Und gemeinsam könnten die beiden ein anderes Level ihrer Sexualität ausüben. Immerhin muss er sich nicht bemühen ihr zu erklären, was ein Orgasmus ist (um es an dieser Stelle zu übertreiben).

Aber für viele, letztendlich auch für Frauen (denn der Roman wurde von einer Frau geschrieben), ist solch eine Heldin untragbar. Sie hat ihren Geliebten hinterherzuschmachten, wenn er das Bett verlässt.

Da lobe ich mir die Marvel Serie „Jessica Jones“. Zwar habe ich noch keine Folge gesehen, aber diverse Berichte über ihre Sexualität gelesen. Und zwar schläft sie öfters mit Luke Cage. Am nächsten Tag schmachtet sie ihn eben nicht hinterher, sondern geht an ihre Arbeit, wie so gut wie jede andere Frau auf diesen Planeten.

Das Problem bei den Männern

Geht genau in die andere Richtung. Von ihm wird verlangt, dass er mit mehreren Frauen ins Bett geht. Oder es wird gar nicht darüber gesprochen bzw. geschrieben. Zumindest ist es völlig in Ordnung.

Aber es stellt sich eigentlich niemand die Frage, ob es für ihn in Ordnung geht. Vielleicht möchte unser Held kein Sexgott sein, der mit jeder Frau ins Bett muss, die ihm über den Weg läuft (gut ich übertreibe es ein wenig, aber Du verstehst sicherlich). Vielleicht möchte er auch mit niemandem ins Bett, weil er asexuell ist. Oder, weil er auf die Richtige wartet.

Und warum wird er nicht als Hure bezeichnet, wenn er mit so vielen Frauen in die Kiste hüpfen muss? Weil Hure eher weiblich ausgerichtet ist? Frauen müssen sich so oft sagen lassen, dass sie immer mitgemeint werden, wenn man nur die männliche Form einer Bezeichnung benutzt (Autor für Autoren und Autorinnen). Daher habe ich auch kein Problem damit, Männer als Huren zu bezeichnen, wenn sie sich als solche benehmen.

Warum wird das geschrieben?

Ich kann nur vermuten, dass die meisten Autorinnen und Autoren sich nicht mit diesem Bild der Gesellschaft kritisch auseinandersetzen. Seien wir doch mal ehrlich, wir alle übernehmen und verbreiten Bilder und Wortphrasen, ohne wirklich darüber nachzudenken. Und dann kommt jemand und klärt auf, dass das nicht richtig ist. Mit einem Male fallen uns die Tomaten von den Augen und wir müssen erkennen, was die Person da sagt, hat Hand und Fuß. Und danach gehen wir kritischer mit dieser Angelegenheit um.

Doch bis dahin sind wir einfach nur blind für das, was um uns vor sich geht. Und ich denke auch, dass viele sich nicht kritisch mit der Gesellschaft auseinandersetzen wollen. Denn es ist viel einfacher, wenn man weiter blind durch die Welt läuft und sich sagt, dass alles in Ordnung ist. Und wenn man sich lange genug das einredet, vielleicht stimmt es sogar.

Aber damit trägt man eben das falsche Bild von Menschen weiter, was nicht schön ist. Und der Fokus der Geschichte wird auf den falschen Punkt gerichtet. Eben auf das Sexleben der beiden Figuren. Und nicht darauf, dass die beiden einfach Spaß daran haben und danach ihre Wege ziehen können.

Wie kann man es anders schreiben?

Eine Alternative wäre, nicht den Fokus auf das Sexualleben der Figuren zu werfen. Natürlich, sie dürfen Sex haben. Gerade in Liebesromanen oder erotischen Geschichten gehört das ja dazu. Aber auch in anderen Genres dürfen die Figuren gerne miteinander ins Bett gehen.

Aber der Fokus kann einfach auf die Charaktere liegen, die Sex miteinander haben. Und nicht darauf, dass jemand von denen Jungfrau ist oder eben nicht.

Eine andere Idee wäre durchaus, dass auch sie sexuelle Erfahrungen mit anderen Männern gehabt hat, ohne sie gleich als Hure dastehen zu lassen. Sie hat einfach Spaß am Leben und am Sex. Und ja, sie nutzt es aus, dass es Kondome und die Pille gibt.

Und er könnte auch mal völlig unbedarft an die Sache herangehen und nicht wissen, wie er eine Frau verwöhnen kann. Auch sie darf gerne aktiv werden und ihn einweisen, ohne gleich eine Dekade älter als er zu sein.

Wenn die Sexualität als etwas Natürliches anerkannt wird, dann gehen die Figuren mit dem vielleicht auch unverkrampfter vor. Das kommt natürlich auch darauf an, wie Du Deine Figuren anlegst. Aber es wäre durchaus eine Alternative.

Den Spieß umdrehen und die sexuellen Aktivitäten einer Frau als normal zu bewerten und die des Mannes nicht, das wäre in einer gesellschaftskritischen Geschichte eventuell interessant. Doch zu oft kann man das nicht nehmen, da Dir ansonsten die Leserinnen und Leser wohl aufs Dach steigen werden. Das die andere Variante kein Aufsehen erregt ist der Tatsache geschuldet, dass es einfach ZU normal geworden ist.

Ansonsten kann ich Dir nur empfehlen, konzentrier Dich auf die Geschichte. Wer sind Deine Charaktere, was macht sie aus, woher kommen sie und wohin wollen sie. Natürlich spielt ihr Sexualleben dabei auch eine Rolle. Selbst dann, wenn in Deiner Geschichte keine erotischen Szenen vorkommen. Das macht sie rund.

Sei Dir aber bewusst, dass es diese Aufteilung gibt, und überlege Dir, wie man sie in Deiner Geschichte umgehen kann (ich gehe jetzt einfach davon aus, dass es ein Thema ist). Wie umgehst Du die leidige Diskussion, dass Dein Held zu wenig Sex und Deine Heldin zu viel Sex hat?

Mach Dir Notizen, wie das harmonisch in Deine Geschichte eingefügt werden kann und schreib dann darüber. Und mach Dir nicht zu viele Gedanken über die Sexualität. Das kannst Du Deinen Leserinnen und Lesern überlassen. Und glaub mir, sie werden sich darüber Gedanken machen.

Abschlussgedanken

Sex kann was Herrliches sein. Sowohl im realen Leben als auch in Deiner Geschichte. Wenn man es richtig schreibt, wirkt es bei einigen sogar antörnend. Aber über kurz oder lang wirkt es auch mich abtörnend, wenn man mit Klischees um sich wirft und Rollen weiterträgt, die eigentlich überholt sein sollten.

Daher ist es immer schön, wenn jemand mal außerhalb der gesellschaftlichen Box denkt und zeigt, was alles noch möglich ist. Leider passiert dies (noch) zu selten. Vielleicht motiviert Dich dieser Beitrag doch ein wenig über den Tellerrand zu schauen und zu sagen, was alles noch so möglich ist. Zu wünschen wäre es.

Filme und Bücher

Schau Dir gerade im Romanzebereich Filme an, wie sie dort mit der Sexualität der Figuren umgehen. Oder überleg Dir, wie es in den Romanen geschehen ist, die Du bisher so gelesen hast. Was davon hat Dir gefallen und was würdest Du am liebsten sofort ändern?

Notiere Dir das alles und verwende es eventuell in Deiner nächsten Geschichte.

Deine eigene Geschichte

Schau Dir jetzt noch einmal kritisch Deine eigene Geschichte an. Was davon entspricht dem Klischee von oben und was könnte man durchaus als alternativ bezeichnen? Und was würdest Du jetzt noch einmal ändern?
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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9 Antworten zu Sexismus – Die Heilige und die Hure

  1. Nora Bendzko schreibt:

    Hat dies auf Nora Bendzko rebloggt und kommentierte:
    Stichwort Schreitbtipps, diemals bezüglich Frauenfiguren! Wie immer hat sich der schreibkasten ein paar sehr interessante Gedanken zu Klischees in der Literatur gemacht. Der „Heiligen“ und der „Hure“ dürft ihr alle schon begegnet sein, ohne es bemerkt zu haben … wer sie nicht kennt, sollte sich den Artikel unbedingt geben! Ich freue mich besonders, mit „Wolfssucht“ ein Beispiel für diesen Beitrag geliefert zu haben 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. nikeleonhard schreibt:

    Es gibt doch ein paar Beispiele für die männliche Heilige. Ein sehr prominentes ist Edward Cullen aus der Twilight Serie. Aber auch Peeta Mellark aus den Tributen von Panem lebt das sehr amerikanische Ideal, sich bis zur Hochzeit für die Richtige aufzusparen.
    Trotzdem gebe ich dir bei den Frauen weitgehend recht. Sexuell aktive Frauen, die nicht als Folie (männlicher) Wichsfantasien konzipiert sind, sind in Literatur und Film die absolute Ausnahme. Männer haben es da deutlich leichter.
    Insgesamt gestehe ich aber, dass ich die ganze Sexthematik für deutlich überbewertet halte. Ja, Liebe und Sexualität sind ein wesentlicher Bestandteil des Lebens. Trotzdem nervt es mich, dass in jedem Roman offenbar zwangsweise ein Liebesgeschichte und mindestens eine scharfe Sexszene enthalten sein muss. Zum Vergleich ein anderes Beispiel: Essen und Verdauung sind auch ein wesentlicher Bestandteil des Lebens. Aber deshalb kommt niemand auf die Idee, in jedem Roman müsse ausführlich über das Zubereiten, Einnehmen und Ausscheiden der Mahlzeiten berichtet werden.

    Gefällt 2 Personen

    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Hallo Nike,

      danke für die Beispiele zu männlichen Heilige. (Memo an mich, endlich die Tribute von Panem lesen). Die beiden sind an mir vorbeigegangen, da ich die Serien nicht gelesen habe.
      Ansonsten stimme ich Deinem Kommentar zu. Wobei es ja nicht unbedingt sein muss, dass die Frau aktiv in der Geschichte mit anderen Männern ins Bett gehen muss (also die berühmte Sexszene wird beschrieben). Es reicht völlig aus, dass das Wissen darum besteht. Jadzia Dax hatte bei Deep Space 9 auch ein sehr aktives Sexleben. Man hat es nur nie gezeigt.

      Es reicht auch aus, wenn man über das Sexualleben der Figur spricht, um sie in die Schubladen zu stecken.

      Gefällt 1 Person

  3. Isa schreibt:

    Ich habe gerade deine ganze Sexismus-Serie am Stück gelesen und vier Artikel lang heftig genickt. Vielen Dank für diese wahnsinnig guten Texte und für das Auseinanderpflücken der sexistischen Elemente! Die tauchen so oft in allen möglichen Büchern, Filmen und Serien auf – mir verdirbt der Sexismus bisweilen ernstlich den Lesespaß.

    Ein paar Dinge gingen mir beim Lesen durch den Kopf:
    1) ganz viele Sexismus- und Klischeekeulen entstehen, finde ich, schlichtweg dadurch, dass der jeweilige Autor sein Handwerk nicht richtig beherrscht. Zum schriftstellerischen Handwerk gehört es, dass man runde, tiefgründige Figuren erschafft. Wenn man stattdessen nur auf Klischees zurückgreift (die ja, wie du sehr treffend aufgezeigt hast, oftmals vor Sexismus triefen), dann ist das schlichtweg Faulheit seitens des Autors. Vielleicht nicht einmal absichtlich, vielleicht sind sich die jeweiligen Autoren dessen auch gar nicht bewusst, dass sie bestimmte Figuren nur als Krücken benutzen. Aber ganz viele dieser Klischeeklatschen könnten durch ordentliches Handwerk vermieden werden – indem man sich eben damit auseinandersetzt, warum welche Figur was macht und vor allem, was ihre Motive sind.
    2) Das Hure-Heilige-Phänomen finde ich auch extrem problematisch, aber gerade der Jungrauenkult ist in so vielen Kulturen verwurzelt, dass es scheinbar wirklich schwer ist, dem entgegenzuwirken. Gerade aus diesem Grund finde ich es aber umso wichtiger, dass man, wenn man selbst schreibt, nicht noch in die gleiche Kerbe haut, sondern die Sache einfach mal anders abwickelt.
    3) Zu den Single-Frauen aus dem letzten Beitrag: Deine Überlegung fand ich sehr interessant, aus dem Blickwinkel habe ich nie darüber nachgedacht. Gerade bei den Dreiecksgeschichten hatte ich immer gemutmaßt, dass es etwas mit der Zielgruppe zu tun hat. Auch bei Romantic Comedies ist die Konstellation ja immer 2Männer, 1Frau; ich kann mich gerade wirklich nicht an eine umgekehrte Konstellation erinnern, aber andererseits zielen diese Filme (oder ihre Buchkollegen) ja auch auf ein weibliches Publikum ab, also ist es vielleicht eine Art vermutetes Wunschdenken? (jetzt mal abgesehen davon, dass Dreieckskonstellationen furchtbar ausgelutscht sind …). Aber die (unbewusste?) Überzeugung, dass eine Frau als Single nicht glücklich werden kann, spielt ja vielleicht wirklich mit hinein. Andererseits gibt es die tolkiensche Tradition, dass der Held bei erfolgreicher Erfüllung seiner Mission heiraten und eine Familie gründen darf (Sam, Aragorn…), während der gescheiterte Held auf ewig allein bleiben muss (Frodo), aber das ist ja eher selten.
    4) Zu meiner Freude habe ich während des Lesens festgestellt, dass mein Herzensprojekt ungefähr für jeden Sexismus-Punkt ungefähr das genaue Gegenteil in petto hat. Sollte sich je ein Verlag dafür interessieren, bin ich mal sehr gespannt darauf, ob ich dazu angehalten werde, diese Sachen zu verändern und sie „klassischer“ (hust) zu machen.

    Liebe Grüße!

    Gefällt 2 Personen

    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Hallo Isa,

      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Und schön, dass Du bei vielen Punkte mir zustimmst. Bei mir ist das auch so, dass ich zwischenzeitlich bei vielen Serien, Filmen und auch Büchern mir nur noch denke, bitte, nicht schon wieder. Das hatten wir doch schon, das sollte nicht mehr sein und so weiter. Daher kann ich Dir in diesem Punkt absolut nachfühlen. Mir geht es sehr ähnlich.

      1) Du schreibst, dass viele Autorinnen und Autoren ihr Handwerk nicht verstehen und daher mit der Klischeekeule um sich werfen. Ich denke, damit hast Du größtenteils recht. Ich behaupte selbst noch, dass dazu noch eine gewisse Ignoranz gewisser Themen dazu kommt. Damit will ich sagen, dass man mit offenen Augen durch die Welt laufen sollte, um zu verstehen, wo der Sexismusschuh drückt. Doch häufig lese und höre ich, dass es ja keine Probleme gäbe, Frauen sich das nur einreden, es kein Sexismus gibt und so weiter. Und somit bleiben viele unsensibel. Fehlendes Handwerk und eine gewisse Unsensibilität gehen hier wohl Hand in Hand. Ansonsten unterschreibe ich Deine Aussage voll und ganz.

      2) Gerade weil der Jungfrauenkult so tief verwurzelt ist (letztendlich auch bei uns), sollte man kritisch damit umgehen und sich Gedanken machen. Allein das reicht ja schon häufig aus und man kann damit viel mehr erreichen. Wenn ich dieses Thema immer weiter und weiter trage, wird sich definitiv nichts ändern. Daher war es mein Anliegen, dass die Leserinnen und Leser zumindest darüber nachdenken. Damit hätten wir alle schon einiges gewonnen.

      3) Zu der Single-Frauen Problematik: Es gibt in der Tat einen Film, wo es um einen Mann und zwei Frauen geht. Und zwar „Ein Mann für zwei“ mit Robert Downey Jr. (ist aus seiner Anfangsphase als Schauspieler). Interessanterweise heißt der Originaltitel „Two Girls and a Guy“, ein Schelm wer jetzt böses denkt (wegen der Negierung der Frauen, die im Titel nicht mehr zu finden sind, https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Mann_f%C3%BCr_zwei). Zwar habe ich den Film noch nicht gesehen, aber immerhin, es gibt einen.
      Ich denke, es geht aber in beide Richtungen. Also einmal, dass Frau in einer Beziehung zu sein hat, alleine kann sie ja nicht glücklich werden. Und dadurch hat sie als Belohnung für den Helden quasi herzuhalten, also heiraten und Kinder kriegen (das mit Tolkien habe ich so noch nicht gesehen, vielen Dank).

      4) Schön, dass Dein Projekt Klischee- und Sexismusfrei ist. Da wünsche ich Dir auf alle Fälle viel Glück, dass es trotz oder gerade deswegen ein Heim in einem Verlag bekommt. Und wenn sie es doch ZU sehr ändern wollen, es gibt ja noch das Selfpublishing 😉

      Liebe Grüße zurück

      Gefällt 2 Personen

      • Isa schreibt:

        Ja, die Unwissenheit bezüglich des Sexismus-Schuhs ist auf jeden Fall da, das hast du ja auch geschrieben, das Handwerkliche war ergänzend gemeint 😉 Das Unwissen ist sicherlich das größere Problem, und wie du schon sagtest, auch, dass ständig behauptet wird, es gäbe keinen Sexismus mehr, Feminismus sei überflüssig, etc. Verständlich, dass dann so mancher Autor und so manche Autorin keine Lust hat, sich näher damit zu beschäftigen und über den eigenen Tellerrand zu schauen. Gut ist das aber trotzdem nicht. Bzw. führt es einfach dazu, dass es zu wenig andere Darstellungen gibt und die Klischees so extrem vorherrschen.
        Der „Ein Mann für zwei“-Film ist ein interessantes Gegenbeispiel. Die Wikipedia-Zusammenfassung klingt irgendwie grausam, allerdings überlege ich fast, ob ich ihn mir mal anschaue, nur um herauszufinden, wie das am Ende für die Damen ausgeht, bzw. ob es eine gibt, die übrig bleibt und was mit ihr passiert…

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      • Carola vom schreibkasten schreibt:

        Okay, dann verstehen wir uns in dieser Hinsicht. Man muss ja nicht alles wissen, was gesellschaftlich relevant ist. Das verlangt ja niemand. Man darf aber gerne kritisch mit der ganzen Thematik umgehen, gerade was Frauen- und Männerrollen betrifft. Und genau hier hapert es häufig. Ab und an mal ein feministisches Buch lesen, da bricht den Leuten kein Zacken aus der Krone 🙂

        Doch wenn wir selbst den Anfang machen, vielleicht hilft das ja was.

        Und den Film will ich mir auch mal ansehen, unter anderem weil ich den Schauspieler Robert Downey Jr. sehr schätze. Aber nach der ganzen Diskussion muss ich auch einfach sehen, wie sie das Thema angegangen sind. Jetzt ist es ja schon fast Pflicht 🙂

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  4. LiehsaH schreibt:

    Liebe Carola,

    einen sehr schönen und wahren Artikel hast du da geschrieben! 🙂 Ich habe ihn gerne gelesen. Und auch ich finde Sexismus sehr problematisch und auch die seltsamen Rollenbilder, die dadurch vermittelt werden. Besonders in übersetzten Romanen aus Amerika fällt mir das Heiligen-Klischee bei Frauen auf. Gab es da nicht mal vor ein paar Jahren diese Bewegung, wo alle Ringe trugen, um ihre Jungfräulichkeit zu zeigen oder so was? Möglicherweise ist daraus auch wieder der momentane Hype um Mitt- bis Endzwanzigerinnen entstanden, welche auf den Richtigen warten…
    Grundsätzlich denke ich aber, dass das Heiligen-Klischee bei Frauen von früher stammt. Ich kann den Zeitpunkt leider nicht genau definieren. 😀 Aber man stelle sich mal vor, dass die Damen im 18. Jahrhundert sexuell selbstbestimmt gelebt hätten. Leider gab es damals keine Vaterschaftstests und die Herren der Schöpfung hatten wenig Lust, fremde Kinder durchzufüttern und aufzuziehen. Daher das strenge Keuschheitsding. Obwohl es heutzutage Vaterschaftstests gibt und man Kuckuckskinder daher einwandfrei nachweisen lassen könnte, haben Männer doch immer wieder Angst davor. Zumindest nehme ich das so wahr. Natürlich gibt es Patchworkfamilien, aber da stammen die Kinder ja auch aus früheren Verhältnissen. Aber während man zusammen ist, hat Frau gefälligst und unter gar keinen Umständen ein Kind von jemand anderem auszutragen! Das erwarten die Frauen auch von ihren Partnern, aber das Ding ist ja: Wenn er jemanden schwängert, muss er nicht zwangsläufig Kontakt zu dem Kind haben. So gesehen kann er wie im Mittelalter in der Gegend rumvögeln und seine Frau erfährt vielleicht nie, dass er ständig fremdgeht und zig Kinder hat. Das ist natürlich alles sehr übertrieben dargestellt, aber ich denke, du verstehst, was ich meine. Irgendwie steckt auch da noch die alte Denkweise drin, wodurch das Klischee am Leben gehalten wird.

    Liebe Grüße
    Lisa

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    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Hallo Liehsa,

      jegliche Art von Klischee ist erst einmal als problematisch anzusehen, zumindest sehe ich das. Und Rollenbilder, die sich aus Klischees speisen, gehören da definitiv dazu. Und stimmt, jetzt wo du es erwähnst, es gab in der Tat dieses Bewegung, wo Frauen und Männer ihren Jungfrauenring trugen. Quasi als Beweis, dass sie jungfräulich in die Ehe gingen. Ob es diese Bewegung noch gibt, ehrlich gesagt, ich weiß es gar nicht. Wobei ich einige Berichte gelesen bzw. gesehen habe, dass sich viele gar nicht an ihr Versprechen gehalten haben. Nun ja.

      Die erzwungene Jungfrauennummer dürfte sogar länger ein Thema sein. Und zwar seit die Vaterschaft an Bedeutung gewonnen hat (ich bin überzeugt, dass es auch früher Matriarchate gab). Seit das Erbe nicht mehr von der Mutter aud die Kinder (entweder älteste oder jüngste Tochter) ging, sondern Vater auf Sohn, musste natürlich bewiesen werden, dass der Sohn auch wirklich von diesem einen Vater abstammt. Es dürfte sicherlich klar sein, wenn eine Frau ein Kind zur Welt bringt, dass diese eben die Mutter des Kindes ist. Die Vaterschaft war ja bei einigen Kulturen unbekannt und/oder spielte keine Rolle. Daher war der Onkel (also Bruder der Mutter) die wichtigere Bezugsperson. Nicht umsonst gibt es in einigen Sprachen nur ein Wort für Vater und Onkel.

      Ansonsten stimme ich Deinem Kommentar zu. Wobei das gesellschaftliche Bild hier in die Romane mit übernommen wird, ohne diesen kritisch zu hinterfragen. Und das finde ich schade. Denn in Romanen kann man durchaus mehr erreichen, als man bisher zumindest versucht. Man bleibt lieber bei dem, was man bisher geschrieben oder gelesen hat. Damit hat es sich.
      Gestern bin ich, zum Beispiel, zufällig über eine Buchempfehlung gestoßen, wo eine Frau verheiratet ist und sich dann noch zusätzlich in einen zweiten Mann verliebt. Dabei will sie ihren Ehemann nicht verlassen, sondern lieber eine Dreierbeziehung eingehen. Das ist definitiv etwas Neues.

      Und das wünsche ich mir auch bei den Geschlechterklischees. Das die Autorinnen und Autoren einfach etwas Neues wagen. Vielleicht erleben wir es ja noch.

      Liebe Grüße
      Carola

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