[Rezension] Von Jessica Valenti: He’s a Stud, She’s a Slut …

  • … and 49 Others Double Standards Every Woman Should Know
  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: Seal Press (6. Mai 2008)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 1580052452
  • ISBN-13: 978-1580052450

Kurze Vorbemerkung

Nachdem ich doch einige feministische Beiträge geschrieben habe, stand ich letztens in einer Buchhandlung und schaute mich bewusst nach entsprechender Literatur um. Unter anderem stand dieses Buch im Regal und es sprach mich an. Es ist dünn und für die Handtasche durchaus geeignet.

Dieses Buch spricht diverse sexuelle Doppelstandards an, die es in unserer Gesellschaft leider immer noch gibt. Einige waren mir bekannt, andere hingegen kannte ich entweder noch nicht oder waren mir nicht so dermaßen präsent.

In der Rezension werde ich zuerst auf das Buch selbst eingehen und es bewerten. Danach möchte ich Dir noch erklären, warum dieses Buch für Dich als Schriftstellerin bzw. als Schriftsteller interessant sein könnte.

Das Buch

Der Aufbau

Nach einer kurzen Einleitung durch die Autorin geht es schon los. In der Überschrift sieht man, worum es in dem Kapitel geht. Da wären zum Beispiel:

  • Er ist ein Hengst, Sie eine Schlampe,
  • Er ist Mr. Erselbst (Himself), Sie ist Mrs. Erselbst (Himself)
  • Er ist kinderlos, Sie ist egoistisch,
  • etc.

Sie hat die Themen so zusammengeschrieben, dass sie immer vier Seiten pro Thema benutzt. Die Erklärung zu der Überschrift wird meistens auf drei Seiten abgehandelt, gelegentlich benötigt sie noch die vierte Seite.

Auf der vierten Seite gibt sie dann Ratschläge, wie man mit diesem Doppelstandard umgehen kann. Es sind meist alltägliche Ratschläge, die man durchaus im Alltag umsetzen kann. Sofern man sich traut.

Der Inhalt

Wer jetzt vielleicht erwartet, dass die Autorin eine Art wissenschaftliche Abhandlung zu den Doppelstandards abliefert, wird definitiv enttäuscht sein. Denn hier geht es um einen direkten Praxisbezug. Denn die Autorin erzählt, wie sie diese Doppelstandards entweder am eigenen Leib erlebt hat oder es zumindest theoretisch aussieht.

Dabei redet sie nicht um das Thema herum, sondern benennt alles direkt beim Namen. Gelegentlich schluckte ich bei dem einen oder anderen Punkt schon heftig. Auch wenn ich mir das dachte. Aber es tat schon gut, darüber zu lesen. So wurde es mir vor Augen geführt, dass diese Punkte immer noch ein Thema sind.

Jedoch erhebt die Autorin nicht den moralischen Finger und erzählt, wie böse die Welt doch ist. Sie bleibt beim Text immer locker und hat durchaus einen witzigen Tonfall. Wenn Du die Feinheiten der englischen Sprache verstehst, könntest Du sicherlich auch bei der einen oder anderen Textstelle zumindest schmunzeln. Meine Sprachkenntnisse haben das nicht immer ganz zugelassen.

Zu den Texten

Zumeist schreibt die Autorin aus der Sicht der Frau. Denn zumeist ist sie die Verliererin bei diesen Doppelstandards. Der Mann hat meistens, zumindest in sexueller Hinsicht, die Gewinnerkarte. Damit will ich sagen, wenn er eben mit einer viel jüngeren Frau was anfängt, ist das keine Katastrophe. Sie hingegen hat verloren. Schläft er mit mehreren Frauen, kein Problem. Sie ist die Schlampe. Und so weiter.

Jedoch zeigt sie auch, dass nicht immer die Männer gewinnen können. Auch diese haben ihr Päckchen zu tragen. Und das macht das Buch doch etwas ausgewogener. Da die Autorin sich aber an die Frauen richtet (wie es die Überschrift auch sagt), zeigt sie ganz klar auf, wo es bei ihnen hakt.

Die Ratschläge, wie man sich dagegen zu Wehr setzen kann, sind durchaus alltagstauglich. So empfiehlt sie, die Themen anzusprechen, wenn man erlebt, dass jemand sexistische Doppelstandards an den Tag legt. Oder einfach auch das zu leben, was man will.

Nur einmal viel ihr nichts Gescheites ein. Aber wie soll man reagieren, wenn (ich nenne nur ein Beispiel, was sich regelrecht in mein Gehirn eingebrannt hat) die Justiz bei Gericht verbietet, den sexuellen Missbrauch als Vergewaltigung zu bezeichnen. Das Opfer sollte es Sex nennen. Bei aller Liebe, da würde mir auch nichts mehr einfallen, wie man sich dagegen wehren sollte.

Die Schwächen

In meinen Augen hat das Buch zwei Schwächen, die aber durchaus vernachlässigbar sind. Zum einen das Erscheinungsjahr und der fehlende wissenschaftliche Bezug.

Das Buch erschien 2008, also vor acht Jahren. Zwischenzeitlich hat sich vieles geändert. Mit einer Neuauflage hätte die Autorin neue Munition für ihre Texte bekommen. Denn bei vielen Beispielen habe ich genickt und mir nur gedacht, es gibt aber zwischenzeitlich sogar noch bessere Beispiele dafür.

Oder auch die Tatsache, dass Hillary Clinton Präsidentinnenkandidatin ist, hätte sie in ihrem Buch erwähnen können (dazu gab es auch ein Text). Da es aber älter ist, sind einige Beispiele veraltet.

Auch wenn es nicht die Intention des Buches bzw. der Autorin war, ein wissenschaftliches Buch zu schreiben, vermisse ich das irgendwo. Oder zumindest eine Literaturliste, mit der ich mich hätte weiter informieren können. So muss ich mich auf ihre Erfahrungen verlassen und selbst recherchieren, wo ich weitere Informationen herbekomme.

Mein Fazit

Auch wenn das Buch ein wenig älter ist und mir persönlich der wissenschaftliche Bezug fehlt (also woher kommen diese Doppelstandards und wieso halten sie sich so hartnäckig), ist das Buch empfehlenswert. Es öffnet viele Augen und zeigt deutlich, dass wir in vielen Bereichen noch einen langen Weg vor uns haben.

Da kann man nur hoffen, dass eines Tages solche Bücher nicht mehr notwendig sind und in Museen gehören.

Der Bezug zu Deiner Arbeit als Schriftstellerin bzw. als Schriftsteller

Jetzt möchte ich noch auf die oben gestellte Frage zurückkommen, warum Du Dir das Buch vielleicht besorgen solltest. Denn es ist ja kein Schreibratgeber, wie man eine Geschichte schreibt.

Jedoch ziehen sich durch so viele Geschichten immer noch unzählige sexistische Klischees, dass einer und einem schon Mal schwindelig werden kann. Und viele wissen noch nicht einmal, dass sie das tun.

Daher ist es gut, wenn man auf einige Klischees hingewiesen wird, um zu sehen, was so eigentlich aktuell genutzt wird. Du kannst das Buch nutzen, um in anderen Romanen zu schauen, was dort geschrieben wird. Oder auch in Filmen bzw. Serien. So wird man sensibler für diese Themen. Und das kann sich dann auf Deine Geschichten auswirken.

Das bedeutet noch nicht, dass Du diese Themen besser schreibst. Aber ich denke, dass Du für diese Punkte sensibler wirst. Und damit hat sich, meiner Meinung nach, die Investition schon gelohnt.

Mein Fazit

Vielleicht gibt es noch bessere Bücher zu diesem Thema da draußen. Aber für den Einstieg ist dieses goldwert. Was ich bemängele (der fehlende wissenschaftliche Hintergrund), kann für viele eher interessant sein. Denn es geht direkt in die Praxis und Du liest, was für Themen interessant sein könnten.

Aus diesem Grund kann ich das Buch nur empfehlen. Gerade, wenn Du das eine oder andere Klischee meiden möchtest.
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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