Die Chancen des Selfpublishing

Hei, hallo und herzlich willkommen,

gerade in den letzten Wochen hatte ich doch den einen oder anderen Beitrag geschrieben, der sich mit der Rolle der Charaktere in den Geschichten beschäftigt. Und auch wenn es öfters erwähnt wurde, gestern Abend viel irgendwie der Groschen für den heutigen Beitrag.

Kurze Vorgedanken

Zuerst möchte ich auf den Unterschied in der Veröffentlichungsweise bei Verlagen und im Selfpublishing eingehen. Wobei ich hier eher grob bleiben werde. Danach, welche Chancen sich dadurch fürs Selfpublishing ergeben. Und dann natürlich möchte ich darauf eingehen, welche Chancen das Selfpublishing bei bestimmten Themen haben kann.

Der kleine Unterschied

Die Veröffentlichungsweise

Verlage haben einen Verlagsprogramm, wonach sie sich richten. Das bedeutet, wenn Du ein Buch heute bei Deinem Wunschverlag einreichst und es sogar angenommen wird, wird es nicht sofort veröffentlicht. Verlage sagen ganz klar, dass es bis zu einem Jahr dauern kann, bis sie Deinen Roman in ihrem Programm unterbringen können.

Wenn Du über ein Thema geschrieben hast, dass gerade superaktuell ist, dann kann es sein, dass es schneller geht. Ansonsten heißt es wirklich Geduld haben und weiter schreiben. In diesem Fall kannst Du nichts erzwingen.

Beim Selfpublishing sieht dies komplett anders aus. Wenn Du das Gefühl hast, dass Deine Geschichte fertig ist, dann kannst Du es veröffentlichen. Du musst Dich lediglich an Dein eigenes Programm halten, wenn Du eines erstellt hast.

Das bedeutet für Dich, dass Du jederzeit über ein Thema schreiben kannst, es dann überarbeitest, lektorieren lässt, ein Cover raufpackst und los geht es.

Deine Themenwahl

Dazu werde ich mich gleich noch ausführlich äußern, hier nur eine kurze Anmerkung. Aber wenn Du kein Verlag im Nacken hast, musst Du Dir keine Gedanken über das Genre machen. Nun gut, wegen der Einordnung in den Shops zumindest weniger.

Du bekommst keine Absagen für Deinen Roman, weil es nicht zum Verlag passt. Denn die meisten Verlage veröffentlichen nur bestimmte Genres, damit sie sich eindeutig positionieren können. Das macht durchaus Sinn, kann aber frustrierend sein, wenn Du ein wenig experimentiert hast.

Für viele Verlage gilt, können sie es nicht eindeutig zu einem Genre zuordnen, wird es schwierig mit dem Buchhandel. Denn wie sollen sie einen Science-Fiction-Krimi wirklich einordnen? Das ist schwierig. Und daher kann ich schon verstehen, dass sich einige Verlage gegen Experimente sträuben.

Dadurch ist es aber natürlich auch schwierig, neue Ideen oder Geschichten zu präsentieren. Denn letztendlich kann es passieren, dass ein gewisser Einheitsbrei veröffentlicht wird. Hauptsache es passt zum Programm und Hauptsache, wir können es irgendwo im Buchhandel einsortieren lassen.

Mit einem Genremix oder Themen, die jenseits von dem sind, die man allgemein kennt, wagst Du Dich in absolutes Neuland. Das kann natürlich absolut in die Hose gehen. Aber es kann auch passieren, dass Du damit eine einzigartige Positionierung für Dich findest.

Die Möglichkeiten fürs Selfpublishing

Durch die schnellere Veröffentlichungsweise (zumindest die Möglichkeit, dass Du diese hast) und der Tatsache, dass Du nur Dir und Deinen Leserinnen bzw. Leser gerecht werden kannst/möchtest/solltest (wenn überhaupt), hast Du sehr viele Freiheiten.

Du kannst entscheiden, wann und was Du veröffentlichst. Und das gilt letztendlich auf für die Themen. Wenn gerade ein bestimmtes Thema total beliebt ist, kannst Du sofort darauf reagieren (theoretisch kann man Bücher in zwei bis drei Monate schreiben und veröffentlichen).

Das bedeutet, dass Du schneller reagieren kannst, sobald Du eine interessante Idee hast. Denn häufig kann es passieren, dass innerhalb kurzer Zeit ein neues Genre, eine neue Idee, ein neuer Hype entsteht. Und wenn Du dazu selbst was schreiben möchtest, kannst Du jederzeit aufspringen. Wobei das nicht bedeutet, dass Du es machen musst.

Aber Du hast bei der Veröffentlichung und bei der Themenwahl absolut freie Wahl. Niemand kann Dir reinreden, außer Du lässt es zu.

Die Möglichkeiten bei der Themenwahl

Um endlich zu dem eigentlichen Thema dieses Beitrages zu kommen.

Öfters hatte ich hier auf dem Blog Diskussionen gehabt, zum Thema Klischeecharakter, Sexismus und Charaktere bzw. Beziehungsstrukturen, die falsch oder gar nicht dargestellt werden. Warum das gemacht wird? Ich vermute, dass es zwei Gründe gibt.

Der erste Grund ist einfach, dass man sich selbst hinterfragen muss. Was für Gedankengänge habe ich? Wie sehe ich die Welt? Und ist das, was ich denke, fühle, glaube und meine wirklich korrekt? Dazu gehört sehr viel Selbstkritik. Und ich denke, dass manche das nicht wollen, vielleicht auch nicht können.

Ein zweiter Grund könnte der sein, dass es einfach ist. Wenn ich einen männlichen Charakter erschaffe, kann ich mich anhand einer Liste bei bestimmten Verhaltensweisen und Eigenschaften bedienen (wenn ich es so einfach beschreiben kann). Mich jetzt hinzusetzen und aus dem männlichen Charakter wirklich was absolut Einzigartiges zu machen, das kostet Arbeit.

Wobei das nicht nur für Autorinnen und Autoren gehört, sondern auch für Verlage. Denn sich hinzusetzen und etwas Neues zu wagen, dazu gehört auch Mut. Das wäre dann ein dritter Grund.

Es ist halt leichter seichte Romancebücher zu schreiben, womit man garantiert Leserinnen gewinnt, anstatt über einen Transgendercharakter. Damit könnte man den Leuten durchaus vor dem Kopf stoßen und sie sagen sich, schön für die Autorin oder dem Autor, ich lese es trotzdem nicht. Und leider kann es auch passieren, dass man bei manchen Themen angefeindet wird. Das Leben ist leider nicht fair.

Trotzdem liegt hier die Stärke. Du kannst über Themen schreiben, an die sich sonst niemand heranwagt. Und damit aus dem Klischeewahn und Sexismusbücherwald hervortreten.

Denn ich erlebe es immer mehr und mehr, dass bestimmte Typen von Geschichten einfach nicht mehr gemocht werden. Zwar versuchen uns Verlage, Filmindustrie und wer auch immer weiß zu machen, dass es nicht so ist. Aber letztendlich entscheiden immer noch die Konsumentinnen und Konsumenten.

Haben sie aber keine Auswahl, wird es durchaus schwierig. Daher greifen immer wieder die Leute zu englischsprachigen Büchern, weil dort die Auswahl und der Mut in einigen Bereichen größer ist.

Schau Dir einfach mal diese Liste an. Dort findest Du auf 29 Internetseiten populäre Transgender Bücher. Zwar ist Goodreads eine englischsprachige Seite. Aber wenn ich mir jetzt die Mühe machen würde, um herauszufinden, welche Bücher davon auf Deutsch erschienen sind, ich denke, das Ergebnis wäre ernüchternd.

Dort sind gut 1.400 Bücher zu finden. Wenn nur zehn Prozent davon übersetzt wären (also vierzehn Bücher), ich behaupte, dass das viel wäre. Und das betrifft auch sehr viele andere Themen, die Dich oder andere Leserinnen und Leser interessieren könnten.

Abschlussgedanken

Auch wenn es sich vielleicht liest, es ist keine Werbung für Selfpublishing, sondern es ist eine Möglichkeit. Und die sollte man durchaus ergreifen. Heutzutage ist es möglich, auch als Hybridautorin bzw. Hybridautor zu arbeiten. Das bedeutet, Du kannst sowohl in Verlage Deine Geschichten veröffentlichen, als auch im Selfpublishing.

Daher kann ich Dir nur vorschlagen, überleg es Dir, wenn Du es nicht bereits für Dich entdeckt hast.

Dein Wunschthema

Worüber würdest Du wirklich gerne Mal schreiben, hast Dich aber bisher immer gescheut? Notiere Dir einfach alles, was dazugehört. Du musst nicht darüber schreiben, aber vielleicht kitzelt es Dich doch und beginnst mit etwas, was völlig anderes ist.

Eine Kurzgeschichte

Vielleicht möchtest Du über etwas völlig Neues eine Kurzgeschichte schreiben. Fernab der bisherigen Geschichten, die man bisher liest. Eine Kurzgeschichte benötigt weniger Zeit und Energie, als ein ganzer Roman. Und Du kannst für Dich entdecken, ob es der richtige Weg ist.
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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4 Antworten zu Die Chancen des Selfpublishing

  1. nikeleonhard schreibt:

    Der Ehrlichkeit halber muss man wohl dazu sagen, dass leider auch im Selfpublishing seichte Romances dominieren (und oft gerade deren Autorinnen als Selfpublishing Stars gefeiert und hervorgehoben werden).
    Aber das nur am Rande, denn ich stimme mit der Quintessenz deines Artikels vollkommen überein: Selfpublishing ist DIE Chance für alles, was sich abseits des Mainstream bewegt. Das gilt durchaus nicht nur für Genremixes, Beziehungskisten abseits der Boy-meets-Girl Story oder den herkömmlichen Rollenmodellen, sondern auch für das Format. Kaum ein Verlag traut sich an Stoffe mit weniger als 300 Seiten und man muss schon J. K. Rowling heißen, um als moderne Autorin mit einem Theaterstück in die Buchläden zu kommen.

    Allerdings liegen auch die Nachteile des Selfpublishing klar auf der Hand. Ein Buch zu veröffentlichen, heißt nicht, dass es auch gelesen wird. Um als Selfpublisherin Erfolg zu haben, muss man Autorin und Marketingabteilung in Personalunion sein, sonst erfährt niemand, dass das Buch überhaupt existiert. Als Verlagsautorin darf man zwar auch nicht mit immensen Werbebudgets und -kampagnen seitens des Verlags rechnen – aber immerhin taucht das Buch in den Vorschauen auf, und man muss nicht gegen Vorbehalte seitens Buchhändlern ankämpfen.

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    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Hallo Nike,

      *seufZ* leider hast Du vollkommen Recht. Immerhin ist die erste deutsche E-Book Millionärin nicht mit kritischer Literatur zu dieser geworden, sondern eben mit, wie Du so schön erwähntest, seichten Romances. Natürlich freue ich mich für jede Autorin und für jeden Autor, die von ihrer Arbeit leben. Aber ich vermisse, dass niemand von denen die Chance nutzt und über den Tellerrand schaut.

      Gut, seien wir fair und gönnen wir ihnen die ersten Bücher in einem sicheren Genre. Warum dann, wenn der Erfolg da ist, nicht trotzdem wenigstens ein Buch in einem völlig anderen Ende schreiben? Immerhin ist da kein Verlag im Nacken, der sich nicht traut, der mich hindert und sagt, was man zu schreiben hat und was nicht.

      Und klar, wenn Du nicht berühmt bist, kann es passieren, dass gerade diese Geschichten nicht gelesen werden und man sich denkt, was ist das denn für ein Freak. Man muss ohne einen Verlag härter arbeiten, als mit einem. Aber ich vor Jahren von einer Schreibcoach gehört, dass ihre Freundin in einem Verlag untergekommen ist. Beide haben sich gewundert, dass der Verlag gar keinen Finger gerührt hat, um Werbung zu rühren. Eben weil sie nicht bekannt genug war. In dem Sinne, auch mit einem Verlag musst Du Werbung für Dich selbst machen.

      Klar, mit einem Verlag sind ein oder zwei Punkte leichter. Aber man kann schon fast sagen, so groß ist in manchen Bereichen der Unterschied zwischen Verlagsautor*innen und Selfpublishingautor*innen nicht. Solange man nicht berühmt ist.

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      • nikeleonhard schreibt:

        Hallo Carola,
        ich denke, es kommen drei Dinge zusammen:

        1. Viele der Erfolgsautorinnen „wildern“ auf dem Gebiet der Heftromane, bzw. schreiben deren Entsprechung, nur für ein anderes Medium. Die Themen sind identisch (Liebe/Leidenschaft) Länge ist ähnlich und sogar im Preis sind eBooks allenfalls minimal günstiger. Der einzige Unterschied ist die Zielgruppe: Die klassischen Heftromane um Ärzte, Fürstenhäuser und Alpenglühen richten sich an Frauen über 30 (wobei ich vermute, dass die typische Leserin noch mal 20 Jahre älter ist). Die meisten der Newcomerinnen zielen auf ein viel jüngeres Publikum und haben dementsprechend ein anderes Setting.
        Dass das von den Verlagen bisher nicht angesteuert wurde, liegt m. E. daran, dass dort zu sehr in eingefahrenen Bahnen gedacht wird. Wie eingefahren sieht man, an den Anforderungen, die von dort an die Geschichten gestellt werden. Bis vor kurzem war es z. B. ein No Go, dass ein/e Prota Brille trägt. Inzwischen dürfen Nebenfiguren aber angeblich sogar geschieden sein und der erste Kuss darf sogar schon vor dem Ende gewechselt werden!
        Als Selfpublisherin kann man sich viel größere Freiheiten erlauben – auch wenn sich inhaltlich nichts Wesentliches ändert.

        2. Wenn du mit einer Geschichte Erfolg hast, ist es leichter, da weiter zu machen, als die Leser mit etwas grundsätzlich anderem „vor den Kopf zu stoßen.“ Ich zitiere hier mal einen empörten Leser von „Ein plötzlicher Todesfall“ von J. K. Rowling: „Nachdem ich die Harry Potter Bände verschlungen habe, hatte ich hier etwas anderes erwartet!!!! Die ersten 150 Seiten sind grauenhaft langweilig, durchblätteren und schon mal nch hinten schielen, brachte auch nichts. J.K.Rowling? Nie wieder!!!!1“ Viele der Leser betonen zwar, vorurteilsfrei an den Roman herangegangen zu sein, machen aber deutlich, dass sie das Buch ausschließlich wegen des Namens gekauft haben und jetzt enttäuscht sind, dass es so ganz anders ist.
        Ich bin sicher, dass die Kritiken im Schnitt besser gewesen wären, wenn Rowling unter einem anderen Pseudonym veröffentlicht hätte. Das entspricht auch dem Ratschlag, den ich von mehreren Seiten bekommen habe: Bei einem Genrewechsel unbedingt einen anderen Namen verwenden.

        3. Verlag heißt nicht Himmel auf Erden, das ist klar. Im Verlag redet man dir noch mehr rein, nicht nur, was den Inhalt angeht. Eine Bekannte hat sich mal ausgekotzt, weil ihr harter Großstadtkrimi ein Cover mit Landschaftsidyll in rosa Rahmen auf dem Cover bekommen sollte. Weil: Ist ja von einer AutorIN und Frauen stehen bekanntlich auf rosa.
        Und dass Verlag nicht bedeutet, sich nicht ums Marketing kümmern zu müssen, dürfte sich inzwischen auch rumgesprochen haben. Gerade in unbekannte Autoren wird kaum investiert. Der Unterschied liegt einzig darin, dass die Verlagsautorin in jedem Fall den Vorschuss in Höhe des vermuteten Verkaufsanteils bekommt (und mehr, wenn der überschritten wird), während die Selfpublisherin leer ausgeht, wenn sie nichts verkauft.
        Wenn du von den Einnahmen leben musst, kann es daher gerade für Selfpublisherinnen elementar sein, möglichst nahe am Publikumsgeschmack zu schreiben und niemanden durch Experimente zu vergrätzen.

        Allerdings würde ich daraus nicht den Schluss ziehen, dass dir als Selfpublisherin nichts bleibt, als dem Markt nachzuhecheln. Im Gegenteil: Ich gebe dir vollkommen recht, dass im eBook Bereich wegen der niedrigen Produktionskosten viel Spielraum für Experimente besteht. Man sollte die aber nicht unbedingt unter dem Namen veröffentlichen, den die Leser mit einem anderen Gebiet verknüpfen und muss sich nur klar sein, dass Experimente selten Bestseller werden.

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      • Carola vom schreibkasten schreibt:

        Wow, vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und die Mühe, die Du Dir damit gemacht hast.

        1. Das ist mir durchaus aufgefallen, da ich durchaus den einen oder anderen Roman gelesen habe, der aus dieser Ecke gekommen ist. Ich dachte mir, warum passiert denn da nichts, warum wird da nur Händchen gehalten und so weiter. Tja, danke für die Aufklärung, jetzt verstehe ich es um einiges besser.
        Klar, wenn man Erfolg haben will, schreibt man eben das, was die Leserinnen (und teilweise auch Leser) wollen. Auf Facebook verfolge ich einige Buchempfehlungsseiten und lese immer wieder anfragen, ich suche jemanden, der oder die wie jemand anderes schreibt.
        In dem Sinne, wäre man durchaus schon fast lebensmüde, wenn man dem Geschmack nicht beliefert. Andererseits, ich bin naiv und glaube einfach auch daran, dass viele Leute mal was ganz neues, was anderes, was noch nie dagewesenes lesen wollen (ja, naiv kann ich).
        Wobei ich glaube, dass kleine Verlage durchaus experementierfreudig sind, es dürften eher die größeren sein, die ängstlich in der Ecke stehen und ihre Regeln haben, an die man sich zu halten hat (Ausnahmen bestätigen die Regel, doch lese ich eher von kleineren Verlagen, dass sie sich gelegentlich an neue Themen heranwagen, wohlgemerkt, gelegentlich).
        Aber das mit der Brille (ich nehme das jetzt als Beispiel auf) finde ich ja doch ein wenig albern. Dann dürften Heldinnen nicht dick sein oder Helden einen Ansatz eines Bauches haben. Ich finde, dass damit einfach zu viele gute Geschichten verhindert werden, wenn man sich an solche Dinge zu halten hat.

        2. Nenn mich jetzt Siebgehirn, aber wurde ihr erster Krimi nicht unter einem Pseudonym veröffentlicht? Zumindest war es mir so. Und klar, wenn man einen Namen mit einem bestimmten Buchgenre oder Reihe in Verbindung bringt, dann fällt es schwer, sich mit einem neuen Genre zu positionieren. Da reagiert wohl wieder das langsame Gehirn. Bei Rowling wäre ich noch gnädig und gönne ihr den Krimi (vielleicht ist das dem Wissen geschuldet, dass Harry Potter eben nur sieben Bände haben konnte). Aber seien wir mal ehrlich, mir würde es schwer fallen Stephen King in einem anderen Genre zu lesen. Er benötigte schon einen Pseudonym (https://schreibkasten.wordpress.com/2015/05/30/samstagsgedanken-pseudonym-oder-nicht-pseudonym-na-du-weist-schon/).
        Denn leider verbinden wir mit einem Namen immer auch ein bestimmtes Leseerlebnis. Und mir ist bewusst, dass es vielen schwer fällt, da etwas anderes zu akzeptieren. Daher sind Pseudonyme leider in der Tat notwendig.

        3. Bei der letzten LoveLetter Convention hat ein Verlag aus dem Nähkästchen geplaudert und erzählt, wie sie letztendlich auf das Cover kommen. Dabei erwähnten sie, dass sogar der Buchhandel einen schwachen Einfluss auf das Cover hat. Denn sie haben tatsächlich ein Buch wegen dem Cover abgelehnt auszustellen. Da fasse ich mich immer noch an den Kopf. Die Autor*innen haben einen sehr geringen Mitspracherecht an dem, was auf ihre Geschichte kommt. Aber der Buchhandel kann den Verlag zwingen ein Cover zurückzunehmen? Finde den Fehler.
        Klar, ein oder zwei Vorteile hat man noch als Verlagsautor*in. Aber die meisten bekommt man, wenn man einen Bestseller geschrieben hat (sei es im Verlag oder vorher als Selfpublisherin). Jedoch sagte eine Autorin (ebenfalls auf der letzten LLC), bei einem Verlagsbuch können alle davon leben, der Verlag, das Lektor, Marketing, Designabteilung und so weiter, nur nicht die Autorin oder der Autor. Klar, es gibt einen Vorschuss. Wobei man von dem auch nicht unbedingt leben kann (von einer Autorin habe ich gelesen, dass ihr erster Vorschuss 1.000 Euro betrug).
        Wobei ich einige Selfpublisher*innen in meiner Freundschaftsliste bei Facebook habe. Und die meisten meinen, wenn sie solch „seichte“ Literatur schreiben würden, nur um überleben zu müssen, würden sie mit dem Schreiben aufhören. Und wohlgemerkt, die meisten von denen leben von ihrer Arbeit. Man kann es also so oder so sehen. Es kommt also vielleicht nicht darauf an, ob man davon leben kann (das tun durchaus einige), sondern wie viel man damit verdient. Und mit der seichten Literatur kann man (auch wenn mir das persönlich nicht ganz so gefällt, wie geschrieben, ich bin jetzt mal so richtig naiv 😉 ) mehr verdienen.

        Aber ich denke, wir beide sind uns in einem Punkt einig. Selfpublishing kann eine Bereicherung sein und vor allem, kann es dafür genutzt werden, um über den Tellerrand zu schauen. Andere Literatur schreiben, als bisher verlangt wird. Und letztendlich, ja, es kann passieren, dass man damit den Nerv der Zeit trifft und es trotz allem ein Erfolg wird. Obwohl oder gerade vielleicht, weil man nicht nach dem Mainstream schreibt.

        Und wenn nicht, für mich persönlich wäre es auch in Ordnung. Dann fülle ich mit dem einen oder anderen Buch eben eine kleine Nische und kann sagen, hei, das ist mein Buch. Ich hab es geschrieben und ich kann stolz darauf sein. Das wäre es mir wert, auch wenn ich die Kosten für dieses Buch nicht hereinbekommen würde.

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