Von Overwritern und Underwritern

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vor einigen Tagen habe ich einen sehr interessanten Beitrag bei Offen Schreiben entdeckt. Es ging dabei um die sogenannten Overwriter und Underwriter. Den Text fand ich sehr interessant und nach und nach kamen mir eigene Gedanken dazu. Und darum dreht sich der heutige Beitrag.

Kurze Vorgedanken

Den Beitrag teile ich in die Punkte Overwriter, Underwriter, was ich bin und was man voneinander lernen kann. In Detail gehe ich dann darauf ein, was diese beiden Schreibgruppen überhaupt sind, ihre Vor- und dann auch auf ihre Nachteile.

Zwar kannte ich die Begriffe selbst vorher nicht. Aber die Beschreibungen hingegen kamen mir sehr vertraut vor. Zum einen von einigen Gesprächen mit anderen Autorinnen und Autoren, aber auch von mir selbst.

Overwriter

Overwriter sind Autorinnen und Autoren, die sehr ausführlich schreiben. Und das schon in der ersten Version ihres Manuskripts. Vielleicht kennst Du ja diese Texte, die scheinbar nur aus Beschreibungen bestehen. Aus einem einfachen Satz, sagen wir mal „Sylvie läuft nach Hause“, wird eine Kaskade an Beschreibungen losgelassen.

Dann lesen wir von der Umgebung, von der emotionalen Lage von unserer Sylvie, wie ist die Wetterlage, warum ist Sylvie auf den Weg nach Hause, woher kommt sie und warum ist sie überhaupt dort, wo sie gerade ist und wenn Du glaubst, dass die Autorin oder der Autor fertig ist, dann legen sie erst recht los.

Overwriter haben vielleicht das Gefühl, dass sie alles bis ins letzte Detail erklären müssen, damit die Leserinnen und Leser alles verstehen, was die Overwriter mitteilen möchten. Dadurch kann es natürlich auch passieren, dass sie es ein wenig übertreiben.

Solange das alles in der ersten Version der Geschichte bleibt, ist das nicht unbedingt schlimm.

Es gibt aber auch Bücher, die leider nicht ordentlich gekürzt veröffentlicht werden. Nachdem die Heldin und ihre blühende Schönheit und der Held mit seinen Muskeln, die so groß wie Berge sind, eingeführt werden, geht es nicht immer mit der Geschichte weiter. Die Overwriter neigen manchmal dazu, sicherzugehen zu wollen. Das bedeutet, dass sie noch einmal erwähnen, wie schön und wie muskulös die Charaktere sind.

Gut, das muss natürlich nicht unbedingt eine Schwäche des Overwriters sein. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es bei diesen Texten passiert, ist um einiges größer. Denn sie neigen dazu, sehr viel zu schreiben.

Der Vorteil für die Overwriters

Die Overwriters haben aber einen Vorteil. Wenn sie sich in der zweiten Fassung zusammenreißen und kürzen können, dann haben sie schon eine gute Grundlage für die Endfassung. Die meisten Schreibratgeber sind zudem für die Overwriter ausgerichtet. Das bedeutet, dass Du in den Büchern fürs Selbstlektorat lernen kannst, wie Du Deine Texte kürzen kannst, wenn Du zu dieser Gruppe gehörst.

Daher ist es durchaus eine gute Idee, wenn Du Dir diese Bücher gönnst, kannst Du lernen, wie Du mit Deinen Texten umgehen kannst.

Vielleicht kennst Du ja den Spruch „Kill Your Darlings“. Das ist bzw. sollte Dein Leitspruch sein, wenn Du zu den Overwritern gehörst. Vielleicht bastelst Du Dir ein schönes Bild, druckst es aus und klebst dieses an Deinem Monitor.

Der Nachteil der Overwriter

Ein sehr großer Nachteil kann sein, dass Du für die erste Fassung Deines Romans länger brauchst. Denn es ist für viele wichtig, sich auf einzelne Formulierungen zu konzentrieren, als die Geschichte zu Ende zu schreiben.

Dadurch kann es sein, dass aus einem Text, der, sagen wir Mal, 300 Seiten lang sein sollte, am Ende vielleicht 400 oder mehr Seiten lang wird. Und natürlich müssen dann die notwendigen Formulierungen gekürzt werden, wenn sie nicht zur Geschichte passen.

Und ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber es fällt vielen doch schwer, ihre Darlings wirklich zu löschen. Das bedeutet, dass das Lektorat eine Menge zu tun hat oder ein Text mit sehr vielen Beschreibungen veröffentlicht werden könnte.

Underwriter

Das genaue Gegenteil von Overwriter sind die Underwriter. Das bedeutet, dass wir es hier mit Autorinnen und Autoren zu tun haben, die das Minimalste schreiben. Bei unserem Satz von oben, schreiben die Underwriter „Sylvie geht nach Hause“. Mehr nicht.

Wenn dann noch etwas Wichtiges zu erwähnen ist, dann erwähnen sie es in einem weiteren Satz. Und dann geht es weiter, mit dem Text. Kurz und knapp eben.

So kann es passieren, dass aus unserem 300 Seiten Text gerade Mal 100 Seiten lang wird. Dadurch stehen einige Underwriter unter dem Druck, wie sie aus diesem Text was halbwegs Gutes hinkriegen. Immerhin müssten sie nicht nur ihren Text überarbeiten, sondern es müssen noch gut und gerne 200 Seiten dazu geschrieben werden.

Hier mein Ratschlag an die Underwriter. Akzeptier erst einmal, wenn Du zu wenig schreibst. Was auch immer darunter zu verstehen ist. Immerhin schaffst Du es auf diese Weise, einen Text fertig zu schreiben.

Die Vorteile der Underwriter

Wie gerade schon erwähnt, die Underwriter können durchaus schneller einen fertigen Text fertig haben. Sie müssen sich nicht um Formulierungen Gedanken machen, weil sie sich einfach auf den Text selbst konzentrieren.

Sie schreiben einfach den Text und damit hat es sich erst einmal. Und wenn sie fertig sind, dann ist es in Ordnung. Erst einmal.

Der Nachteil der Underwriter

Wenn der Text fertig ist, dann ist noch eine Menge zu tun. Und manche wissen nicht, wie sie aus dem Text etwas Volles und Rundes machen können. Wie sollen sie also Beschreibungen hinzufügen, damit es zu einem Text wird, der am Ende veröffentlicht werden kann?

Und nur vereinzelt gibt es Tipps für die Underwriter, wie sie aus ihren Texten etwas machen können. Scheinbar sind die meisten Autorinnen und Autoren eher Overwriter. Und dementsprechend konzentrieren sie sich auf diese Gruppe.

In diesem Fall gibt es keine Ratschläge wie „Kill Your Darlings“. Zumindest fällt mir nichts in dieser Hinsicht ein.

Was bin ich?

Sicherlich kannst Du Dich in einen der beiden Beschreibungen wiederfinden. Ich selbst gehöre zu beiden Gruppen. Zwar bin ich mehr eine Overwriterin, aber sehr häufig neige ich dazu den Text zu tippen, damit ich ihn erst einmal habe. Ganz klar für mich, auch eine Underwriterin. Also ein Mischling.

Damit habe ich Textstellen, die sehr viel und sehr füllig sind. Und andere Textstellen sind dagegen sehr minimalistisch. Sehr häufig weiß ich, welche Textstellen ich schon überarbeiten bzw. löschen kann, während ich diese schreibe. Jedoch überlasse ich das der zweiten Überarbeitung. Mir ist es halt wichtig, dass ich einen fertigen Text habe, mit dem ich dann am Ende arbeiten kann.

Voneinander lernen

In diesem Fall ist es nicht so, dass Overwriter und Underwriter gegeneinander arbeiten. Denn jede Autorin und jeder Autor schreibt für sich. Und wenn sie in dem ersten Text zu viel oder zu wenig schreiben, dann ist es ihnen überlassen. Hier entstehen keine Konkurrenz und keine Probleme.

Das bedeutet aber nicht, dass man nicht voneinander lernen kann. In der ersten Fassung können sich die Overwriter durchaus an die Underwriter orientieren. Das bedeutet, dass sie in der ersten Fassung nur das Notwendige schreiben.

Die besten Formulierungen kommen selten in der ersten Fassung, sondern erst, wenn der Text fertig ist. Dann weiß man, wohin die Reise geht und welche Formulierungen man verwenden möchte und passen. Natürlich ist es in Ordnung, wenn Du als Overwriter die eine oder andere Stelle stärker ausarbeitest. Aber das wäre besser, wenn das nur in Ausnahmefällen passiert.

Die Underwriter können durchaus in der ersten Fassung dabei bleiben, wie sie bisher gearbeitet haben. Warum sollten sie es anders machen? Die zweite Fassung ist was anderes. Da können beide voneinander lernen.

Die Overwriter können sich ein wenig minimalistisch verhalten. Und die Underwriter können mehr Texte einarbeiten.

Warum nicht von den Schreibratgebern lernen? In einigen wird gezeigt, wie aus einem sehr überfrachteten Text am Ende ein schöner wird. Eben, nachdem die Darlings getötet wurden.

Underwriter können sich nicht an den Ausgangstext orientieren. Das stimmt. Aber sie können sich am Ergebnis hingegen ohne Weiteres orientieren und danach arbeiten. Wenn das Ergebnis für die für die Overwriter in Ordnung ist, warum sollen sie nicht für die Underwriter funktionieren?

Ich sehe keinen Grund. Und bevor Du verzweifelst und nicht weißt, wie Du mehr Pfiff in Deine Texte zaubern kannst, kannst Du es gerne mal ausprobieren. Und sicherlich werden einige ihren Nutzen daraus ziehen.

Abschlussgedanken

Natürlich habe ich bei den Beschreibungen an einigen Stellen etwas übertrieben. Aber ich denke, Du verstehst, worauf ich hinaus will. Mich würde schon interessieren, zu welcher Gruppe Du gehörst.

Ansonsten werde ich zukünftig versuchen Tipps und Tricks für die Bearbeitung der Texte zu suchen und zu erarbeiten. Eben nicht nur für die Overwriter, sondern auch für die Underwriter.

Kein Kopf machen

Erst einmal ist es ganz wichtig, mach Dir kein Kopf. Egal ob Du zu den Overwritern oder zu den Underwritern gehörst, wichtig ist, dass Du schreibst. Egal wie und egal was am Ende dabei herauskommt.

Daher ist immer das Wichtigste, schreib Deine Geschichte.

Für die OverwriterInnen

Versuch von den UnderwriterInnen zu lernen und schreib erst einmal das Notwendigste. In der zweiten Fassung kannst Du immer noch die Textstellen aufwerten. Aber ohne ein fertiges Manuskript hast Du nichts, was Du überarbeiten kannst. Versuch Dich also etwas kürzer zu halten.

Für die UnderwriterInnen

Wenn Du in der ersten Fassung Deines Manuskripts zu wenig schreibst, ist das erst einmal in Ordnung. Es geht dann um die zweite Fassung. Lern von den OverwriterInnen. Schnapp Dir die Lektoratsbücher, schau Dir die fertigen Ergebnisse an, wenn sie diese liefern, und überleg, wie Du damit arbeiten kannst.
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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18 Antworten zu Von Overwritern und Underwritern

  1. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Ich bin vermutlich die typischste Underwriterin. Bis hin dazu, dass ich eigentlich einen längeren Text schreiben will, bis zu einer bestimmten Stelle, aber dann einen Satz schreibe und mir denke „Das wäre das perfekte Ende“.
    Und schon hat der ganze Text vielleicht 500 Wörter, wenn es hochkommt.
    Was bei Kurzgeschichten meist (außer es gibt eine Mindestzeichenvorgabe oder so 😉 ) recht praktisch ist, ist dann bei Romanen gerne nervig. Ich sehe ja, dass kein Verlag dieser Welt ein Buch mit 92 Seiten als Teil einer Romanreihe ernstnehmen würde. Würde ich ja auch nicht als Leserin.
    Das einzige, was dagegen hilft, ist das von dir angesprochene „Es jetzt einfach mal hinnehmen, dass die Rohfassung lächerlich kurz ist“ und bei Fassung zwei dann ein wenig Fleisch auf die Knochen werfen. Und notfalls eben auch bei Fassung drei. Damit aus dem magersüchtigen Textchen ein normalproportionierter Roman wird.

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    • Carola vom schreibkasten schreibt:

      Danke für Deine Einsichten.

      Ich erlebe es bei mir, dass ich mich häufig selbst unter Druck setze, wenn ich die erste Fassung schreibe. Entweder es ist zu viel und ich denke mir, komm Mädel, hör auf zu übertreiben. Oder wenn es zu kurz ist, dann denke ich, das könnte ja noch ein wenig mehr sein.

      Aber bei der ersten Fassung muss man sich halt nicht unter Druck setzen. Denn es ist ja halt „nur“ die erste Fassung.

      Deine Gefühlswelt kann ich aber durchaus nachempfinden. Und auch die Gedanken, dass niemand eine Geschichte von 92 Seiten wirklich ernst nimmt. Es stimmt. Ein paar Seiten dürfen es ja dann doch sein. Aber Stück für Stück eben 🙂

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      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Eben. Aber der Weg zu diesem „die erste Fassung hat die Lizenz zum Schlechtsein“ ist ja auch relativ lang. Ich bin nach wie vor nie vollständig vor Rückfällen sicher, wo ich doch auch eine gute erste Fassung abliefern möchte. Allein schon, weil eine ZU schlechte Erstfassung einfach zu viel Mühe beim Überarbeiten macht xD.
        Es sei denn, man hat von Anfang an vor, eine Novelle zu schreiben. Aber so wie ich mich kenne, wird stattdessen eine längere KG draus, wenn ich das bewusst mache 😀

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      • Carola vom schreibkasten schreibt:

        Klar, jede und jeder muss einen eigenen Weg finden. Aber wenn ich mich andauernd unter Druck setze und mir sage, ich muss jetzt eine bessere erste Fassung abliefern, dann arbeite ich solange an der Geschichte herum, dass ich am Ende gar keine Lust mehr darauf habe. Und dann breche ich den Roman ab, fange was Neues an und der Kreislauf beginnt von vorne.

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      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        DAS ist ungünstig :/
        Hast du oft Romane abgebrochen? Ich eigentlich nur früher, aber da waren es auch wirklich Sackgassen ohne Sinn und Verstand.

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Letztes Jahr habe ich ein Roman zwar fertig geschrieben, werd den aber nicht überarbeiten, da ich mich mit dem überhaupt nicht mehr identifizieren kann. Und dieses Jahr eine dreiteilige Novelle. Die Idee selbst werde ich definitiv noch mal aufnehmen, aber nicht mehr die Geschichte, vorerst.

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      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Schade – aber es ist nie auch nur ein geschriebenes Wort umsonst geschrieben. Selbst im schlimmsten Fall war es eine Übung ❤

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Sehe ich genauso. Gerade die Novellengeschichte habe ich gern als Übung und als Inspiration für eventuell andere Geschichten genommen.

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  2. erinjsteen schreibt:

    Hallo Carola,
    spannender Beitrag. Ich selbst klassifiziere mich auch als Mischling. An manchen Stellen meines ersten Entwurfes werfe ich mit Details nur so um mich und an anderen Stellen will ich ganz schnell weiter und schreibe erstmal wenig. Das führt dazu, dass mir meine Texte in der ersten Version häufig total knubbelig vorkommen, weil an manchen Stellen Beulen entstehen, die zu einem Ungleichgewicht führen. Aber wie du sagst, lässt sich beides ausgleichen. Hier etwas streichen und dort etwas mehr Liebe zum Detail anfüttern.
    Viele Grüße
    Erin

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Erin,

      vielen Dank für Deinen Besuch und Deinen Kommentar. Du beschreibst im Grunde genommen sogar mein Schreibstil, da sind wir uns also sehr ähnlich. Wobei, solange das in der ersten Version ist, finde ich das nicht schlimm. Leider schaffen es aber einige Autorinnen bzw. Autoren nicht, das in der Endfassung auszubessern und schicken diese Werke in die Welt. Und dabei nehmen sich Verlags- und Selfpublishingautor*innen nichts.

      In dem Sinne, mit viel Liebe zum Detail.

      lg

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  3. Nora Bendzko schreibt:

    Interessant, hab mir da nie so viel Gedanken drüber gemacht, bin aber eindeutig eine Overwriterin 😀

    Gleichzeitig bin ich aber auch eine absolute Kürzungsfetischistin, bei mir kommt wahnsinnig viel weg in der Überarbeitung. Im Rahmen von Wettbewerben oder Ausschreibung, wenn wirklich kurze Prosa verlangt ist (sagen wir mal 5.000 Zeichen) passiert es mir oftmals, dass die Rohfassung meines Beitrags doppelt so lang wie das Limit wird, und trotzdem schaffe ich es hunderte von Wörtern zu streichen, ohne dass der Text an Inhalt verliert … Oftmals ist doch weniger mehr. Da achte ich auch sehr drauf, wenn ich lektoriere.

    Stelle mir das aber auch leichter vor, als eine Underwriterin zu sein. Denn wenn man einen Text aufspecken musst, kostet das einen ja zusätzliche kreative Kraft, anders als reines Streichen, das kann man übermüdet am Ende des Tages tun.

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Das finde ich auch gut. Bei mir ist es manchmal so, dass ich unglaublich viel löschen und entfernen kann. Und zugleich schreibe ich dann fast genauso viel wieder dazu. Aber ich denke Mal, dass es auch ein wenig Übung bedarf, dass man soweit kommt. Also das man wirklich bereit ist, die eigenen Darlings zu killen.

      Und ich denke auch, dass die Underwriter*innen dazu nur ein wenig Übung brauchen, um aus einem nüchternen Text am Ende was besonderes zu machen. Wobei es mir mehr Spaß macht, noch was dazu zu schreiben, als etwas zu löschen 🙂

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  4. Sascha schreibt:

    puh, es kommt darauf an. Wenn ich schreiben MUSS (Widerspruch gegen Entscheid, Businessplan, Diplomarbeit, offizielles Zeug für irgend etwas), dann bin ich extrem korrekt und minimalistisch. Wenn ich schreiben WILL (privater Blog, Kurzgeschichten für mich oder Freunde, Buch, Briefe), dann heißt es „vom Hölzchen zum Stöckchen“, wie man so schön sagt, und dann finde ich kein Ende und muss zigfach kürzen, damit es den anderen nicht einfach nur noch langweilt.

    ich habe das Gefühl, dass in den letzten Jahren immer mehr Overwriter auf dem Markt sind, es gibt so viele Mehrteiler, die von Beginn an darauf ausgelegt sind, und eigentlich könnte man dieses Sachen gut in einem, maximal zwei Bänden zusammenfassen. Viele Bücher lese ich schon gar nicht mehr, wenn ich den Eindruck habe, dass sie auf diese Weise verfasst wurden … (den Anfang im Deutschen machte Wolfgang Hohlbein. Ich stellte das in meiner Jugend fest, als ich für eine Szene von fünf Sekunden etwa drei oder vier Seiten lesen musste, als irgendein übernatürliches Wesen eine Fensterscheibe durchschlug und in den Raum eindrang, das empfand ich nur noch als lächerlich, keinesfalls als spannend)

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Sascha,

      ein interessanter Ansatz, dass die veröffentlichten Bücher mehrheitlich von Overwritern stammen könnte. Ehrlich gesagt, da bin ich mir selbst gar nicht einmal so sicher. Ich selbst liebe die Romanreihe von Robert Jordan (R.I.P.) „Das Rad der Zeit“. Am Anfang war das eine durchaus gestraffte Reihe, die mit großen Schritten durch die Geschichte lief. Doch dann bemerkte der Autor, dass die Serie erfolgreich ist und streckte dann die Geschichte, um mehr verkaufen zu können (oder der Verlag saß ihm im Nacken, ich weiß es nicht). Leider verstarb er, bevor er die Reihe selbst beenden konnte.

      Das mit den veröffentlichten Geschichten könnte nicht daran liegen, dass alle auf einmal ihre Overwriterseele entdeckten, sondern sie vielleicht auch einfach nur ihre Geschichte aufblähen wollten. Denn viele Geschichten lassen sich durchaus in gut 100 Seiten abfertigen. Warum auch immer. Nur mit diesem aufblähen werden diese dicker und lassen sich dann wohl auch zu einem bestimmten Preis überhaupt verkaufen. So mal ganz unter uns, würdest Du ein Roman mit 100 Seiten kaufen? Ich behaupte, dass es die wenigsten tun. Und daher findet man in einigen Bereichen einfach nur aufgeblähte Geschichten.

      Ob das jetzt mit den Overwritern und Underwritern zu tun haben, ich selbst bezweifele das ein wenig.

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      • Sascha schreibt:

        och, doch, ich kaufe gerne Romane mit 100 Seiten oder weniger. Nennt sich dann halt oft nicht Roman sondern eher Novelle oder Kurzgeschichte (viele verstehen unter Kurzgeschichte ja unter hundert Seiten, das wird immer mehr aufgeweicht) …

        einer, der zB sehr schöne Geschichten schreibt ohne aufzublähen, das ist Siegfried Langer, ich lese ihn nicht trotz sondern weil er so konsequent das Wesentliche notiert ohne zuviel drumherum zu labern. Oder – ganz ganz anderes Genre – Paulo Coelho, das sind ja eher moderne Märchen denn Romane, auch schön kurz verpackt …

        ich mag die Sachen vom Diogenes Verlag, das ist immer schön kompakt, passt gut in ´ne Hosentasche … also, ja, ich bin ganz definitiv einer von denen, die gerne auch Bücher unter 100 Seiten kaufen. Ich liebe dicke Wälzer (zB Harry Potter mögen 7 Bände sein, aber keiner davon ist zuviel, das war kein Overwriting sondern durchdacht), aber gerne mag ich es auch kurz und knapp …

        bei den Overwritern denke ich neben Hohlbein ganz ganz massiv an Bücher wie „der Schwarm“ und andere des Autors, der hat seine komplette Recherche darin verwurstet (und ich denke, ein guter Autor hat den Background im Hinterkopf, muss aber nicht alles erwähnen. Er kann ja, wie etwa Dan Brown, Zusatzbücher schreiben, die er extra verkauft. Aber wenn einer alles unbedingt reinpressen muss, dann wirkt das für mich sehr ermüdend. Ich wage zu behaupten, dass viele Leute sagen „ist toll“, obwohl es sie nervt, aber kaum einer würde zugeben, dass er sich von so viel Input, Info, Details erschlagen fühlt) …

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Hallo Sascha,

        dass Problem was wohl viele Verlage sehen, ist, dass nicht alle dünne Bücher mögen. Klar, es gibt sie, die Leser*innen, die Kurzgeschichten lesen oder Novellen (ich gehöre dazu). Und der eine oder andere Verlag lebt sogar davon (Diogenes, wie Du erwähntest). Es ist aber die Frage, wie es die Masse sieht. Und ich befürchte, die Masse ist es lieber, wenn sie für ihre zehn Euro Durchschnittspreis für ein Buch, mindestens 300 Seiten und mehr kriegen.

        Bei mir ist es auch so, lieber alles auf den Punkt gebracht, als zu langes BlaBla. Aber manchmal genieße ich auch längere Beschreibungen und mag es, wenn es ruhiger angegangen wird. Das kommt auf die Geschichte an und auf das Buch.

        Sonst stimme ich Dir zu. Unnötige Längen sollte man trotzdem vermeiden. Gerade wenn es darum geht zu zeigen, schau mal was ich so alles recherchiert und mir erarbeitet habe. Das ist irgendwie auch ein wenig Angeberei. Zumindest vom Gefühl her 🙂

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