Sexismus: Der Mann als einsamer Wolf ohne Rudel

Hei, hallo und herzlich willkommen,

willkommen zum zweiten Oktoberbeitrag über den Sexismus gegenüber dem Mann. Heute dreht sich der Beitrag rund um das Thema „einsamer Wolf“. Es handelt sich hierbei um ein durchaus beliebtes Motiv, besonders in Filmen.

Ein Typ kommt in die Stadt, hat keine sozialen Beziehungen und rettet letztendlich die Geschichte. Und häufig wird er dann von einer Frau gerettet. Aber auch in Geschichten finden wir diesen Figurentypus. Selbst wenn er zu einem Rudel gehört, so macht er sämtliche Probleme mit sich selbst aus. Er ist der Mann und scheinbar darf ihm niemand helfen, um aus dem Problemkreislauf herauszufinden.

Schauen wir uns doch mal diese Geschichten etwas näher an.

Zum heutigen Bild. Den kleinen Wolf habe ich mithilfe dieses Tutorials gezeichnet (freihändig).

Kurze Vorgedanken

Wölfe sind eigentlich Rudeltiere. Und mich hat immer gewundert, warum man Männer immer als einsame Wölfe bezeichnet, wenn sie allein durch die Geschichte streifen. Daher habe ich mich erkundigt und Folgendes herausgefunden:

Junge, erwachsene Wölfe sind häufig auf Wanderschaft, gerade wenn sie auf der Suche nach einem neuen Rudel sind. Währenddessen können sie sich auch alleine ernähren.

Das bedeutet, die Geschichten um einen einsamen Wolf haben durchaus einen realen Bezug. Aber das bedeutet auch, dass die einsamen Wölfe zuvor ein Rudel hatten und am Ende wieder eines haben werden. Denn trotz allem, Wölfe sind Rudeltiere. Und es sind nur die jungen Wölfe, die einsam durch die Wälder streifen. Ältere finden sich dann zu einem Rudel zusammen.

Der Aufbau dieser Beitragsreihe dürfte sicherlich zwischenzeitlich bekannt: Zuerst gehe ich darauf ein, was der Inhalt dieser Idee ist, warum es geschrieben wird, was daran so fatal ist und letztendlich, wie man es anders schreiben kann.

Der Inhalt

Es kann eine Stadt sein, ein Dorf oder auch nur eine Wohngemeinschaft. Dort leben Menschen, die aufeinander Achten und eigentlich in Frieden leben. Doch dann kommt eine Gefahr auf, welche diese kleine Gemeinschaft bedroht. Und genau zur rechten Zeit taucht unser einsamer Wolf auf. Doch er will eigentlich nur seine Ruhe haben. Als er sieht, dass die Gemeinschaft nicht alleine zurechtkommt, schreitet er ein. Widerwillig, aber er tut es. Und natürlich gewinnt die Gemeinschaft am Ende ihre Freiheit mit der Hilfe ihres einsamen Wolfes.

Die Idee hinter der Geschichte des einsamen Mannes oder des einsamen Wolfes ist einfach, echte Männer brauchen niemanden. Keine Familie, keine Freundschaften, noch nicht einmal einen Sidekick.

Er ist unabhängig und kann dorthin reisen, wohin ihn der Wind treibt. Gleichzeitig ist er häufig nicht in der Lage Gefühle auszudrücken oder wirklich zu empfinden. In seinem Gepäck begleitet ihn mindestens ein Trauma. Seine Ehefrau und/oder sein Kind (häufig ein Sohn) wurden zuvor getötet.

Kurze Anmerkung noch von mir:
Wenn die Ehefrau zuvor getötet wurde, ist das auch nicht einfach so hinzunehmen. Denn hier zeigt sich eine destruktive Art gegenüber der Frau. Sie ist wichtig für den Mann, wenn er sich erinnern muss, was er verloren hat, ansonsten spielt sie keine Rolle.
Das kann man durchaus als Sexismus gegenüber der Frau bezeichnen. Auf englischsprachige Seiten habe ich gelernt, dass man so etwas „Fridge Woman“ nennt. Also Kühlschrankfrau. Man holt die Frau dann hervor, wenn es wichtig ist (um den Mann zu quälen zum Beispiel), ansonsten ist sie bedeutungslos.

Es kann sein, dass er kurzfristig Beziehungen eingeht. Sei es freundschaftlich oder auch romantisch. Doch meistens wird auch diese Beziehung aus irgendwelchen Gründen aus seinem Leben gerissen. Die romantische Beziehung sieht ein, dass sie nie den Mann haben kann, weil er ihr nicht allein gehört. Oder sie wird ebenfalls getötet. Und bei freundschaftlichen Beziehungen zieht er sich zurück, weil er einsieht, dass es für seine Umgebung zu gefährlich ist, wenn er weiterhin in deren Nähe bleibt.

Es passiert auch, dass er einfach geht, ohne sich zu verabschieden, auch wenn er gerade der ganzen Welt das Leben gerettet hat. Denn er ist, wie oben schon geschrieben, nicht dazu in der Lage seine Gefühle zu zeigen. Wie soll er sich also verabschieden können?

So reitet er einsam in den Sonnenuntergang hinein und ganz zufrieden mit der Aussicht, dass bei einer schweren Verletzung niemand da ist, der oder die ihm hilft (wenn er körperlich verletzt wurde). Und er somit einen qualvollen Tod sterben könnte. Sehr heroisch. Aber zumindest ist er ganz alleine mit seinem seelischen Schmerz.

Das Problem

Männer brauchen niemanden an ihrer Seite. Sie sind so unabhängig, dass sie schon sozial isoliert sind. Menschen aus ihrer Vergangenheit spielen entweder keine Rolle (wie Eltern) oder sie wurden ermordet (Ehefrau, eventuell die eigenen Kinder). Um nicht noch einmal jemanden zu verlieren, lassen sie also niemanden an sich heran.

Damit werden diese Männertypen als unsozial dargestellt. Denn sie sind absolut nicht in der Lage sich mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Oder auch in ihr zu leben. Weiterhin wird das Klischee genährt, dass sie zu allem in der Lage sind und niemals um Hilfe fragen. Warum sollten sie denn? Sie werden schon allein mit dem Problem fertig.

Und wenn er doch mal in die Lage kommt, dass er Hilfe braucht und ihm jemand hilft, kann es passieren, dass er ärgerlich wird. Denn er hätte es ja auch allein geschafft. Das es nicht stimmt wissen wir Leserinnen bzw. Leser der Geschichte oder Zuschauende des Films.

Damit zeigt sich ebenfalls seine emotionale Inkompetenz. Anstatt zu akzeptieren, dass er es nicht alleine schafft, bestraft er verbal die Leute, die ihm geholfen, vielleicht sogar gerettet haben.

Da stellt man sich doch schon die Frage, warum bitte schön soll man emotional diesem Mann überhaupt folgen? Dabei ist es egal, ob es sich hierbei um einen einfachen Helden handelt oder gar um einen sogenannten Love Interest für unsere Heldin.

Warum wird das geschrieben?

Es geht unter anderem darum, dass der Held allein heldenhaft reagieren kann und dafür Ruhm und Glanz ernten darf. Wenn er allein arbeitet, muss er mit niemandem den Ruhm teilen. Immerhin hat er es geschafft, das Böse zu besiegen, das Gute zu bewahren und all diese Dinge.

Für den Ruhm und die Ehre nimmt er die Isolation in Kauf, die damit einhergeht. Auch wenn er sagt, er will die anderen beschützen, wenn er sie nicht in seine Nähe lässt. Doch ist diese Aussage nicht unbedingt überzeugend.

Denn letztendlich kann er die ganze Geschichte mit seinem Alleingang gefährden. Wenn er schwer verletzt wird, wie soll er sich dem Endgegner stellen? Oder wenn er mal mit seiner Weisheit nicht weiter weiß? Immerhin kann der Held nicht alles wissen oder nicht alles können, da er ansonsten doch eher unglaubwürdig wirkt.

Ein weiterer Grund könnte wohl auch der sein, dass Männer ungebunden sein dürfen. Frauen haben in einer Beziehung zu enden, spätestens zum Ende des Buches. Bei Männern ist das etwas anderes. Sie können keine alte Jungfern werden (wie Frauen ab einem gewissen Alter). Und dementsprechend stehen sie nicht unter dem Druck unbedingt eine emotionale, romantische und/oder sexuelle Beziehung einzugehen.

Daher ist es für viele Autorinnen und Autoren in Ordnung, ihren Helden wieder allein in die Wüste zu schicken, damit er neue Abenteuer besteht. Denn, wenn er nicht gebunden ist, kann man ihn an jeden Ort der Welt schicken, um neue Geschichten erleben zu lassen.

In meinen Augen ist dieser Held jedoch nicht der Starke, wie man sich ihn wünscht. Er ist schwach. Denn er vertraut niemanden und holt sich auch keine Hilfe. Und wenn er diese bekommt, dann reagiert er nicht immer freundlich. Dieser Held zeigt sich nicht immer von seiner besten Seite und ist so gesehen noch nicht gerade ein Vorbild.

Wie Du es anders schreiben könntest

Es gibt eigentlich einen ganz einfachen Tipp. Stell Deinem Helden jemanden an die Seite. Gib ihm Beziehungen. Das dürfen Freundschaften sein, romantische, es dürfen die Eltern dabei sein, die Geschwister, ein Lehrmeister (oder auch gerne mal eine Lehrmeisterin), egal was.

Du musst Dir keine Gedanken machen, dass die Eltern oder die kleine nervige Schwester im finalen Endkampf dabei sein müssen. Du kannst diese nach und nach zurücklassen (aber nicht, indem Du sie tötest).

Im ersten Band von Harry Potter sieht man es sehr gut. Harry muss sowohl Hermine als auch Ron nach und nach zurücklassen und stellt sich alleine dem dunklen Lord. Er ist der Held, er ist männlich und er ist alleine mit dem Endgegner. Und trotzdem ist er nicht sozial isoliert.

Wenn er aus dem Endkampf zurückkehrt, warten die Freundschaften auf ihn, um sich um Harry zu kümmern. Sie bauen ihn emotional auf, unterstützen ihn wieder im nächsten Kampf und sind da, sollte er mal fallen. Dadurch wirkt Harry um einiges menschlicher, als viele einsame Wölfe, die wir in den Geschichten erleben.

Mithilfe der Menschen an seiner Seite zeigst Du die menschliche Seite Deines Helden. Er kann lachen, er kann seine Freundschaften auch mal umarmen oder sich mit diesen streiten. Du kannst Dir damit sogar bei der Charakterisierung ein paar Sätze sparen. Und das nur, weil Du Deinen Helden mit anderen Charakteren interagieren lässt.

Die Charaktere an der Seite Deines Helden müssen nicht im Zentrum des Geschehens rücken. Sie müssen auch nicht an seiner Seite sein, wenn er dem finalen Endgegner entgegen tritt. Aber er kann zuvor von seinen Mitmenschen etwas lernen, etwas mitnehmen, welche er dann im Endkampf benutzen kann. Weisheit, Waffen, was auch immer.

Aber das Wichtigste was er mitnimmt, ist, der Grund, warum er überhaupt kämpft. Hat er keine sozialen Beziehungen, dann fragt man sich schon, warum er sich um die anderen überhaupt bemüht. Warum riskiert er sein Leben für Menschen, die ihm nichts bedeuten? Und diese Frage zu beantworten ist schwerer, wenn Du über den einsamen Wolf schreibst. Das Rudeltier hat seine Antwort bereits gefunden.

Er beschützt seinen Rudel.

Abschlussgedanken

Der einsame Wolf kann tatsächlich einsam sein, wenn ihm sein Rudel fehlt. Aber auch innerhalb eines Rudels kann er den einsamen Wolf mimen. Wenn er sich selbst sozial und emotional isoliert und alles im Alleingang regeln will.

Dass es jedoch anders funktionieren kann und idealerweise funktionieren sollte, zeigt uns Harry Potter. Er ist im Endkampf mit dem dunklen Lord alleine. Aber den Weg dorthin muss er nicht alleine gehen. Und das macht diese Charaktere um einiges interessanter und menschlicher.

Zudem bekommt unser Held noch von außen Informationen, Wissen, Unterstützung und Rückendeckung, damit er den Endkampf bestreiten kann. Alles wichtige Faktoren, damit wir mitfiebern können und mitleiden. Denn wir wollen beim Helden sein. Und das mit jeder Faser seiner Existenz.

Lasst uns den einsamen Wolf also gerne sein Rudel geben.

Analyse der einsamen Wölfe

Schau Dir ein paar entsprechende Filme oder lies Dir Bücher zu solchen Charakteren durch. Was genau macht diese einsame Wölfe aus. Wo reagieren sie vorteilhaft und wo denkst Du Dir, das hätte er besser machen können.

Mach Dir gerne dazu einige Stichpunkte.

Änderung der Charaktere

Überleg Dir nun, wie man diese Charaktere hätte anders schreiben können. Was wäre gewesen, wenn einer dieser Figuren jemand an der Seite gehabt hätte, um ihm den Rücken zu stärken? Oder für eine emotionale Stabilität gesorgt hätte?

Was meinst Du, wie hätte sich das alles auf die Geschichte ausgewirkt? Wäre sie interessanter geworden? Oder gar langweiliger?
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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2 Antworten zu Sexismus: Der Mann als einsamer Wolf ohne Rudel

  1. Sascha schreibt:

    Aber Du kannst doch nicht all die ach so männlichen Monomythen zerstören 😉
    https://de.wikipedia.org/wiki/Heldenreise

    Als ich damals viel analysiert habe aber noch nicht so den Background habe, habe ich diesen Monomythos ein bisschen scherzhaft beschrieben, weil es ja doch immer wieder so ultratypisch abläuft:

    http://www.saschasalamander.de/kommentare/ich-bastel-mir-einen-wuh-hohlbein-roman-i….30/

    http://www.saschasalamander.de/kommentare/ich-bastel-mir-einen-wuh-hohlbein-roman-ii….31/

    Wie gesagt, das ist eine Art von Thema, die ich liebe und die mir nahegeht (auch wenn ich es mit Humor sehe, da viele Klischees drinstecken), und ganz so kritisch wie Du sehe ich das nicht … (wobei der Gedanke mit der Fridge-Frau schon interessant ist, so hab ich das noch nie betrachtet. Denke, der Tod ist weniger, dass man die Frau dadurch objektifiziert und herholt, wie es passt, sondern es ist einfach die tiefe Verletzung, die er auf diese Weise in sich trägt. Was kann mehr verletzen als der Tod eines geliebten Menschen?)

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Ja, ich weiß, ich schäme mich mal eine Runde und mach dann weiter, hüstel 😉

      Ne, Spaß beiseite. Ich gestehe, ich schaue mir durchaus gelegentlich auch die Wolfstypen an, weil das natürlich auch irgendwo eine Gewohnheit ist (ich sage nur Wolverine). Deswegen, manche Themen beschreibe ich zwar kritisch, gehe damit aber privat auch anders um. Das ist es halt. Aber mein Wunsch ist es auch, dass ich auch mal völlig andere Geschichten schreibe bzw. schreiben möchte. Und daher möchte ich auch mal hinter die Kulissen schauen, um das zu verstehen.

      Klar kann man den Tod einer Frau als Verletzung ansehen. Aber es ist doch sehr auffällig, dass sie immer dann in Erinnerung kommt, wenn man dem Helden den Teppich unter den Füßen wegreißen will. Es könnte ja auch die Schwester sein, der Bruder, Eltern, Kinder und so weiter. Daher sollte man dieses Thema durchaus kritisch betrachten (wenn man das denn will) und vorsichtiger sein, wenn man die tote Frau aus dem Kühlschrank holt 🙂

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