Sexismus: Die Rolle des Vaters

Hei, hallo und herzlich willkommen,

man könnte meinen, dass in einem sexistischen System, in dem wir leben, die Väter eine starke Rolle zukommen. Aber die Rolle des Vaters ist nicht immer die des liebevollen Menschen, der sich um seine Kinder kümmert. Er zeigt sich so dermaßen distanziert, dass man das Gefühl hat, in der Geschichte ist er nicht anwesend.

Und darum dreht sich der heutige Beitrag.

Kurze Vorgedanken

Der Vater sollte sich, neben der Mutter, eigentlich um das eigene Kind kümmern. Jedoch ist er in vielen Filmen so fern, wie der Pluto zur Erde. Jetzt werden vielleicht einige sagen, so ist es nun einmal in der Realität so. Zumal es diverse Berichte gibt, in denen Kindern genau diese Problematik beschreibt, zudem auch einige wissenschaftliche Arbeiten. Aber in den Geschichten wird es teilweise so dermaßen auf die Spitze getrieben, dass es teilweise sehr stark an der Realität vieler neuer Väter vorbei geht.

Sehr häufig wird in diesen Konstellationen die Mutter als der sehr liebevolle Teil gezeigt, der Vater als distanziert oder auch wertend. Für beide Elternteile ist das nicht unbedingt ein schönes Bild.

Daher werde ich im folgenden Beitrag über dieses Thema mir Gedanken machen. Natürlich im altbekannten Schema, in dem ich erst über den Inhalt schreibe, dann das Problem benenne, warum es beschrieben wird und dann Möglichkeiten nennen, wie man es anders schreiben könnte.

Der Inhalt

Die Beziehung in diesen Geschichten spielt sich vornehmlich zwischen dem Vater und den Kindern ab. Wenn eine Tochter als emotionale Gegenspielerin zum Vater auftritt, ist sie herzlich, liebevoll und fürsorglich. Dadurch tritt die Kälte und teilweise sogar seine Inkompetenz des Vaters seine Kinder aufzuziehen deutlichst hervor.

Es kann sogar so weit gehen, dass der Vater gar nicht in der Lage ist, den Alltag zu meistern und die Tochter schon fast die Ehefrau ersetzt (die dann häufig auch fehlt, weil sie verstorben ist oder sich hat scheiden lassen bzw. weggelaufen ist). Das bedeutet für die Tochter, dass sie sich selbst um ihre Schulangelegenheiten kümmert, den Haushalt organisiert und darüber hinaus auch noch das Leben von Papa.

Dass daran niemand irgendwelche Zweifel hat, dass das nicht korrekt ist, ist schon verwunderlich. Denn es ist ja nicht die Aufgabe eines Kindes sich um die Eltern zu kümmern (solange sie selbst dazu in der Lage sind, gesundheitliche Einschränkungen sind etwas anderes), sondern eigentlich die der Eltern bzw. die des Vaters. Und doch wird die Rolle der „Tochterehefrau“ kritiklos hingenommen. Von der Seite des Vaters, wie die der Tochter. Die sogar die Situation häufig verteidigt.

Bei den Söhnen geht es in eine andere Richtung. Aber auch hier bleiben wir in dem Bereich der Klischees. Er kann sein Sohn bewundern, ist aber überhaupt nicht in der Lage dies in Worten oder Taten auszudrücken. Daher zieht er sich zurück. Er kann aber auch sehr hart gegenüber seinem Sohn sein, wenn dieser eigentlich die Hilfe seines Vaters braucht. Oder er stellt sich ganz offen als Gegner seines eigenen Kindes hin.

Das kann so aussehen, dass der Sohn eigentlich die Anerkennung seines Vaters möchte. Doch dieser ist emotional nicht in der Lage. Sehr häufig wurde dieser durch den Verlust der Mutter so sehr emotional verletzt, dass dieser niemanden mehr an sich heranlassen möchte, nicht einmal seinen Sohn.

Trotz dieser Zurückweisung will der Sohn immer noch die Anerkennung seines Vaters haben. Dabei kann es vorkommen, dass er sogar ungewöhnliche Wege geht. Dabei ist es eigentlich nicht die Aufgabe des Sohnes, um die Liebe des Vaters zu kämpfen. Die sollte da sein. Eigentlich.

Das Problem

Das zeigt, dass Männer scheinbar nicht in der Lage oder nicht gewillt sind, sich um ihre Kinder zu kümmern. Je kleiner sie sind, desto weniger können sie mit dem eigenen Kind etwas anfangen. Nicht umsonst gibt es Filme darum, wie erwachsene Männer nicht in der Lage sind, sich um ein einziges Bündel Leben zu kümmern, indem sie dessen Grundbedürfnisse stillen (essen, trinken, Windel wechseln).

Es mag durchaus stimmen, dass Christa Mulack recht hat und Väter ein Vertrauensvorschuss bekommen, den sie eigentlich nicht verdient haben. Das bedeutet, dass man Väter liebt, die aber nichts dafür tun müssen. Einfach ihre Anwesenheit oder sogar ihre Abwesenheit reicht aus, sie als Vater zu akzeptieren und anzuerkennen. Sie werden in jedem Fall geliebt. Jedoch verfestigen solche Geschichten ein negatives Bild, den es doch hoffentlich zu überwinden gilt.

Natürlich sind nicht alle Väter gleich. Jedoch zeigt dieses Bild des Vaters eine Person, die schon so dermaßen klischeehaft ist, dass es fast wehtut. Aus diesem Grund wäre es schön, wenn man über eine andere Form von Vätern schreiben würde. Und nicht darüber, wie man sich am besten lustig über sie machen kann.

Wobei ich hier mit der Rolle der Mutter noch ein Problem sehe. Würde die Mutter sich in solchen Geschichten so verhalten, sie würde bestraft werden. Die Tochter würde ihre Mutter hassen und alles dafür tun, dass sie niemals so wird wie sie. Und der Sohn würde sie ignorieren (bestenfalls).

Zumindest habe ich bisher noch keinen Roman gelesen oder Film gesehen, wo die Kinder sich genauso stark um die Liebe ihrer Mutter bemüht haben, wie um die des Vaters. Denn man erwartet, dass die Mutter ihre Kinder bedingungslos lieben, egal was kommt. Da sieht man eigentlich auch das gesellschaftliche Problem, welche die Liebe des Vaters einnehmen kann (zumindest behaupte ich es an dieser Stelle).

Warum wird das geschrieben?

Das ist eine sehr gute Frage. Diese Form des Sexismus gegenüber Väter habe ich so oft gesehen, dass es mir schon aus den Ohren heraushängt. Aber warum dieses Thema geschrieben bzw. behandelt wird, das wäre sicherlich ein gutes Thema für eine Abhandlung im Rahmen der Psychologie oder auch Soziologie.

Vielleicht zeigen hier einige Autorinnen bzw. Autoren ein reales Bild, welches sie einfach nur überspitzt darstellen. Oder sie wollen den Bruch zwischen Vater und Kind zeigen, der es in der Geschichte zu überwinden gilt. Hier soll scheinbar der Vater durch das Kind gerettet werden, damit sie einander näherkommen.

Die Initiative geht meistens von dem Kind aus, nicht vom Vater. Er ist weiterhin distanziert, so wie ich das öfters in der entsprechenden Literatur gelesen habe. Und die Filme zeigen dies auch. Das Kind hält an den eigenen Vorstellungen oder Träume fest. Das können ganz Reale sein, wie Mitglied in einem Ballettverein zu werden oder fantastische, das Wetter so zu manipulieren, dass Lebensmittel regnet. Obwohl der Vater dies verbietet (in vielen Filmen spielt die Mutter keine Rolle, da sie entweder fortgegangen ist – seltener – oder verstorben ist – fast immer).

Nachdem das Kind an den Vorstellungen und / oder Träumen nicht nur festgehalten hat, sondern diese auch umsetzte, kommen sich Vater und Kind näher. Häufig braucht das Kind die Hilfe des Vaters. Zuerst zögert dieser, und erst nachdem er einsieht, dass sein eigenes Kind doch recht hatte (in was auch immer), unterstützt er es, um dabei zu helfen, zur Lösung des Problems zu kommen.

Diese Geschichte soll zeigen, dass das Kind den Vater rettet, damit dieser das Kind retten kann. Dabei behaupte ich, dass es nicht die Aufgabe der Kinder ist, die Väter zu retten. Das sehen aber wohl viele anders.

Wie Du es anders schreiben könntest

Nicht jede Geschichte dreht sich um die Familie und um die Erziehung und Aufzucht der lieben Kleinen. Gehen wir davon aus, dass der Vater lebt, was spricht dagegen, sich bei ihm einen väterlichen Rat zu holen?

Natürlich, nicht alle Väter sind liebevolle, umsorgende Väter. Das ist menschlich. Und das darf man durchaus berücksichtigen. Aber er könnte ein paar gute Ratschläge geben, damit Deine Heldin oder Dein Held auf die richtige Spur kommt. Ganz nebenbei kann die eine oder andere Anekdote aus der Kindheit fallen. Das bedeutet, Du kannst ganz nebenbei noch einmal Deine Figur dadurch charakterisieren. Fast kostenfrei.

Als ein gutes Beispiel dafür würde ich die Serie „Psych“ an dieser Stelle erwähnen.

Wenn doch die Familienstruktur eine Rolle spielt (wie zum Beispiel bei Jugendbüchern), dann könnte man doch auch die Rollen tauschen. Damit meine ich, dass die Mutter mal die strengere ist und der Vater sich liebevoll um die Kinder kümmert.

Das bedeutet, dass er die Kleinen ins Bett bringt und ihnen mal eine gute Nachtgeschichte vorliest. Wobei es natürlich auch schön wäre, wenn beide Elternteile sowohl liebevoll, als auch disziplinierend wären. Denn wieso soll immer nur der eine Teil der böse Elternteil und der andere, der gute Elternteil sein.

Es geht dabei, dass beide Elternteile sich um die Kinder kümmern. Und nicht darum, dass die Kinder ihre Eltern retten. Weder den Vater noch die Mutter. Gerade, wenn sie selbst noch sehr jung sind, jedes normale Kind wäre doch überfordert, wenn es seelisch und emotional sich um die Eltern kümmern müsste.

Immerhin dürfte es, wenn es noch im Haushalt der Eltern lebt, noch ein Kind sein, eine jugendliche Person. Das bedeutet, dass das Kind selbst noch gewisse Probleme hat, mit dem es zurechtkommen muss. Dazu zählt unter anderem, den eigenen Platz im Leben zu finden. Und dann sich noch um die Eltern kümmern? Das wäre doch ein wenig zu viel.

Daher wäre es schön, wenn die Eltern ihre Elternrolle einnehmen und daher das Kind ein Kind sein darf.

Abschlussgedanken

Mir ist bewusst, dass viele Ideen für Geschichten wegfallen, wenn die Kinder sich nicht mehr um ihre Eltern kümmern würden. Mir fallen allein zwei animierte Filme ein, die auf dieser Idee basieren. Aber im Grunde genommen ist die Rolle des abwesenden Vaters nicht notwendig. Denn häufig könnte dieser Teil des Plots durch etwas anderes ersetzt werden.

Wenn Du aber diesen Teil weglässt, hast Du Platz für neue Möglichkeiten in Deiner Geschichte. Es mag ein wenig schwieriger sein, aber andererseits könnte Dich das Ergebnis vielleicht mehr befriedigen, als wenn Du Dich auf den distanzierten Vater verlässt.

Alternativen

Welche Idee würde Dir einfallen, wenn Du nicht den Plotteil mit dem distanzierten Vater verwenden würdest. Überleg Dir mindestens drei Möglichkeiten, welche Rolle Du einem Vater in Deiner Geschichte zuweisen würdest.

Zwei Kurzgeschichten

Schreibe eine Kurzgeschichte (sie muss nicht länger als zwei oder drei Seiten sein) mit dem distanzierten Vater. Dann überarbeite die Geschichte, wo der Vater nicht distanziert ist, sondern sich um sein Kind kümmert. Wie ändert sich dabei die Dynamik?

Buch

Christa Mulack – Die Wurzeln weiblicher Macht: Gibt es nur noch gebraucht und erklärt die Rolle des Vaters in der Gesellschaft (auch wenn das nur ein Teil des Buches ausmacht).

Serie

Psych: Der Vater des Helden ist emotional durchaus distanziert, zeigt sich aber als väterlicher Freund und Ratgeber. Also ein Positivbeispiel.

Filme

Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen: Eher ein Negativbeispiel, wo der Vater nicht in der Lage ist, seine Gefühle zu zeigen. Soweit ich mich erinnere, spricht er im Allgemeinen eher weniger.

Himmel und Huhn: In meinen Augen auch ein Negativbeispiel. Hier wird der Vater emotional von dem Sohn gerettet, damit der Vater dann den Sohn retten kann.
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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2 Antworten zu Sexismus: Die Rolle des Vaters

  1. kitsune_miyagi schreibt:

    Hach, wenn ich sowas lese/höre und dann meinen Mann sehe, der nicht erst seit der schwierigen Geburt so eine riesen Stütze war/ist, weiß ich jedes Mal wieder, dass ich mich für den richtigen entschieden habe. ❤

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Glücklicherweise gibt es die Ausnahmen und ich habe durchaus das Gefühl, dass sie zunehmen. Aber noch gibt es die anderen Väter. Und darüber muss letztendlich auch geschrieben werden 🙂 Vielleicht ändert sich ja was in der Literatur und im Film.

      Gefällt 1 Person

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