[Rezension] Dr. Charley Ferrer – BDSM for Writers

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es gibt die verschiedensten Schreibratgeber zu den verschiedensten Themen da draußen. Heute möchte ich Dir einen doch eher Ungewöhnlichen vorstellen. Und zwar das Buch der amerikanischen klinischen Sexologin und Domina Dr. Charley Ferrer. Der Beitrag selbst ist jugendfrei, was aber für das Buch nicht unbedingt gilt. Daher mein Hinweis, wenn Du unter 18 Jahre alt bist, bitte dieses Buch nicht kaufen – vielen Dank.

Eckdaten zum Buch

  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Dateigröße für E-Book: 829 KB
  • Verlag: Institute of Pleasure, The (23. Dezember 2011)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 0977006395
  • ISBN-13: 978-0977006397
  • ASIN: B005FA75CQ

Kurze Vorgedanken

BDSM Geschichten wurden schon lange geschrieben. Und das schon lange, bevor eine gewisse Romanreihe veröffentlicht wurde. Aber vielleicht war die Reihe dafür verantwortlich, dass nun einige Autor*innen mehr in dieser Richtung schreiben und natürlich auch veröffentlichen wollen.

Dr. Charley Ferrer hat sich dieser Thematik angenommen und dazu ein Handbuch geschrieben, wie man selbst eine romantische Geschichte rund um das Thema BDSM schreiben kann. Zudem ist sie die Gründerin der BDSM Writer Con in Amerika. Dort kannst Du lernen, wie man entsprechende Geschichten überzeugend schreiben kann. Und, soweit ich gelesen habe, gibt es auch praktische Vorführungen gewisser Techniken.

Inhaltsverzeichnis

  1. BDSM in Our Daily Lives
  2. BDSM Fundamentals
  3. BDSM Definitions
  4. Primary Personalities
  5. For All the Wrong Reasons
  6. Personality Traits & Character Development
  7. Those deliciously wicked things we do!
  8. Training a Slave: Protocols, Rituals and Corrective Measures
  9. Punishment and Humiliation Play
  10. What’s it look like in writing?
  11. BDSM for Writers Checklist
  12. Resources

Vorwort, Nachwort und Ähnliches habe ich in der Auflistung ignoriert.

Zum Buch selbst

Wer jetzt hier erwartet, dass die Autorin praktische Techniken zeigt, wie man eine Session abhält, mit welcher Peitsche man am besten wählt und diese Dinge, wird erst einmal ganz klar enttäuscht sein. Denn darum geht es der Autorin gar nicht.

Ihr ist es wichtiger, dass wir als Autor*innen lernen, wieso jemand sich für BDSM interessiert. Das gilt sowohl für die Seite der Meisterin bzw. Meisters als auch für die Seite der Sklavin oder Sklaven.

Dabei fängt sie jedoch erst einmal klein an. Sie erwartet also nicht, dass alle Leser*innen dieses Buches wissen, was eine Domina ist, ein Sadist oder ein Switcher. Daher nimmt sie sich erst einmal die Zeit, um uns diese Begriffe vorzustellen.

Ein wichtiges Thema für die Dr. Charley (wie sie sich selbst auch nennt) ist auch zu erklären, warum sich die Leute für diese Sexualität interessieren. Und welche Gründe falsch sind, sich damit zu beschäftigen (For All the Wrong Reasons). Denn gerade die, die selbst kein Teil dieser Welt sind oder jemanden kennen, haben durchaus gewisse Vorstellungen, wieso jemand sich auspeitschen lässt oder doch lieber auspeitscht. Dass dabei die Personen immer eine krankhafte Vergangenheit haben, die von Gewalt so trifft, ist dabei das gängige Klischee, was jedoch nicht stimmt (Stichwort Fifty Shades of Grey).

Mit ihren Erklärungen taucht man in die Welt des BDSM ein, auch wenn man selbst keine praktischen Erfahrungen hat. Und trotzdem kann man die psychologischen Hintergründe der Leute nachvollziehen, die sich dafür interessieren. Man muss zumindest keine Domina oder Dominius sein, um diese Welt zu verstehen.

Die Autorin gibt doch ein paar praktische Hinweise, wie sich wohl ein Sub fühlen könnte, wenn sie oder er gewisse Praktiken ausführt. Daher kann es sich lohnen, sich mal hinzuknien und die von ihr beschriebene Technik einfach nachzumachen. Und wenn man gesundheitliche Schwierigkeiten hat, dann einfach ein Kissen benutzen. Denn die Autorin macht sich durchaus auch Gedanken um Personen, denen es gesundheitlich nicht gut geht.

Es gibt auch drei Szenen in dem Buch, in denen die Autorin sehr explizit schreibt (daher auch mein FSK 18 Hinweis). Mit diesen drei Szenen beschreibt sie sehr anschaulich, was sie zuvor beschrieben und erklärt hat.

Der interessanteste Teil dürfte ihre erfundene BDSM for Writer Checkliste sein, um die entsprechenden Charaktere zu erschaffen. So kannst Du herausfinden, welche Vorlieben oder auch Abneigungen die Figuren haben, um sie dann nach und nach in Deiner Geschichte einzubauen.

Dort hat sie diverse Punkte aufgeführt, damit Du diese ausfüllen und auch eine Erklärung, wie Du damit am besten umgehst. Es gibt auch leere Stellen, damit Du weitere Punkte jeweils einfügen kannst, wenn Du noch mehr Anregungen für Deine Geschichte benötigst.

Das Einzige, was ich hier eventuell kritisieren könnte, wäre das Format dieser Seiten. Es wirkt ein wenig lieblos hingeklatscht, Hauptsache es steht und das Schreibprogramm bleibt am Ende am Leben. Man kann sich das herauskopieren oder eben abschreiben und dann immer und immer wieder benutzen.

Zudem gibt sie auch zwei Beispiele für Charaktere (einen Sklaven und eine Domina), damit Du nachvollziehen kannst, wie man diese Liste richtig ausfüllt. Sie hat für diese beiden Charaktere die Liste bearbeitet und danach noch einen Text verfasst, damit Du sehen kannst, was sie mit den einzelnen Punkten genau gemeint hat.

Englischkenntnisse

Wenn Du Englisch kannst und regelmäßig englische Bücher liest, solltest Du eigentlich keine Probleme mit dem Buch haben. Natürlich kam es bei mir vor, dass ich das eine oder andere Wort nicht verstanden habe. Aber es war nicht so schlimm, dass ich deswegen das Buch nicht verstanden hätte.

Die Leseprobe (kein Affiliate Link) sollte Dir sicherlich helfen zu sehen, ob Du mit der Sprache klarkommst.

Meine Meinung

Zugegeben, ich hatte eigentlich gar keine Erwartungen an das Buch. Ich hatte doch gehofft, dass es doch mehr in die Praxis geht. Doch im Nachhinein, bin ich sehr froh, dass ich dieses Buch als Erstes gekauft habe, bevor ich mir irgendwelche Praxisbücher gegönnt habe. Denn hier beschreibt die Autorin die Gedankenwelt der Menschen, die in der Welt des BDSM leben.

Dadurch verstehe ich persönlich mehr, warum Menschen sich dafür entscheiden und wie die Psychologie zwischen Dom und Sub abgeht.

Aus diesem Grund verstehe ich einige Bücher besser, bzw. gar nicht mehr. Denn hier kann man dann genau sagen, welche Autorin bzw. Autor sich die Mühe gemacht hat, wirklich auf die Charaktere einzugehen und wer nicht.

Mein Fazit

Wer sich überlegt eine BDSM-Geschichte zu schreiben, sollte gerne entsprechende Anwendungsbücher kaufen. Aber zwischenzeitlich kann ich dieses Buch als Einstiegslektüre nur empfehlen.

Man merkt durchaus, dass sich die Autorin an manchen Stellen absichert, indem sie einige Praktiken nur denen empfiehlt, die damit mehr Erfahrung haben. Es kann also auch als psychologisches Einstiegsbuch benutzen, um selbst in diese Welt einzutauchen.

Aber für Autor*innen ist es mit Sicherheit eine wertvolle Quelle von Hintergrundwissen. Wer also wirklich die eine oder andere Geschichte dazu schreibt, sollte dieses Buch in der Bibliothek haben.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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