Klischee – Der Tod einer Lesbe

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vielleicht kennst Du die Serie The 100. Aber ich denke, dass Du Buffy – Im Bann der Dämonen kennst. In beiden Serien kommt, schon fast revolutionärerweise, ein lesbisches Paar vor. Und zudem finden in beiden Serien eine der beiden Frauen aus der Beziehung ein Ende, wo man sich fragt, musste das wirklich sein? Und nein, es hat nichts damit zu tun, dass eine der Frauen sterben musste, wie es in der Überschrift steht. Es geht um etwas anderes.

Anmerkung zum Bild: Das Schwein habe ich mit Hilfe dieses Tutorials gezeichnet.

Kurze Vorgedanken

Vor Jahren habe ich bei der feministischen Autorin Antje Schrupp eine Rezension zu einer Anthologie gelesen. Leider finde ich die Rezension nicht mehr, gerne hätte ich sie verlinkt. Aber ich kann mich noch sehr genau an den Inhalt erinnern.

Es ging dabei um eine englischsprachige Anthologie über lesbisch-schwule Geschichten. Ihr fiel dabei auf, dass die Geschichten der schwulen Charaktere immer ein Happy End hatten. Die Herren kamen irgendwie zusammen oder wurden auf einer anderen Art und Weise glücklich. Bei den lesbischen Charakteren sah dies anders aus.

Die Frauen hatten zumindest in dieser Anthologie kein glückliches Ende. Entweder entschied sich einer der beiden Frauen dafür, sich einem Mann zu zuwenden. Oder die Heldin der Geschichte starb.

Das an sich ist durchaus schon einmal bemerkenswert und verdient sicherlich noch einer genaueren Betrachtung. Aber ich wurde zufällig darauf hingewiesen, dass Lexa aus der Serie „The 100“ und Tara aus der Serie „Buffy“ ein noch unschöneres Schicksal erlitten, außer der Tatsache, dass sie nicht glücklich werden durften.

Ja, ACHTUNG SPOILER, sie starben. Und wie sie starben, das ist das Thema des heutigen Beitrages. Ich möchte darauf hinweisen, dass ich hier eventuell Spoilern werde. Wenn Du damit kein Problem hast, lade ich Dich gerne ein, diesen Beitrag weiterzulesen.

Worum dreht sich das Klischee?

Sowohl Lexa als auch Tara starben zufällig.

Im Fall von Lexa sollte eigentlich ihre Geliebte Clarke sterben. Doch ihr Diener verfehlte das Ziel und Lexa starb dabei. Bei Tara sah dies nicht anders aus. Der Charakter Warren wollte eigentlich Buffy mit einer Schusswaffe töten. Die Kugel traf jedoch eben nicht Buffy, sondern Tara und tötete sie.

In beiden Fällen starben die Frauen durch einen dummen Zufall. Der Diener von Lexa wollte Clarke töten (die Geliebte der Lexa) und traf eben zufällig die eigene Herrin. Und Warren wollte Buffy töten, noch nicht einmal Willow. Und durch einen dummen Zufall wurde eben Tara dabei getötet.

Wäre der Tod in irgendeiner Art und Weise heroisch gewesen, hätte ich sicherlich nichts gesagt. Aber für mich ist diese Art von Tod ganz klar, es ist verboten, dass Lesben irgendwie glücklich werden dürfen.

Das zeigt auch die oben erwähnte Anthologie. Lesben dürfen kein Happy End haben.

Das Problem mit diesem Klischee

Lesben dürfen eben nicht glücklich sein. Das ist schon einmal in vielen Geschichten das Problem (wenn man überhaupt mal über sie schreibt, da fängt schon häufig das eigentliche Problem an).

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ihnen das Glück nicht gegönnt wird, weil sie es wagen, sich von dem Mann abzuwenden. Schwule und heterosexuelle Frauen wenden sich dem Mann zu. Eine lesbische Frau hingegen wendet sich der Frau zu. Und wenn ich dann Geschichten über sie lese, kommt es mir manchmal so vor, als würden sie dafür regelrecht bestraft werden. Im Sinne von, wendest Du Dich vom Mann ab, dann darfst Du nicht mehr glücklich sein.

Wobei, wie geschrieben, das ist ein persönliches Gefühl und muss nicht mit der Realität übereinstimmen.

Stirbt sie dann, dann darf es nicht heroisch sein. In den beiden aufgeführten Fällen starb eine der beiden Frauen aus der Beziehung nicht deswegen, weil sie ihre Geliebte beschützen wollte. Oder ein Dorf, ein Kind, den letzten Dinosaurier der Welt oder wen auch immer. Ihr Tod ist reiner Zufall. Es hätte jede oder jeden anderen treffen. Aber es traf eben sie.

Und genau hier finde ich, liegt der Kern des Problems. Es mag sein, dass der Tod bei Lexa bestimmte Folgen ausgelöst hat. Da ich die Serie nicht richtig verfolge, kann ich darüber keine Aussagen machen. Bei Tara hingegen war es wichtig, dass die starb. Dadurch wurde Dark Willow geboren und leitete wichtige Geschehnisse in der Serie ein.

Ohne den Tod der beiden Frauen wäre sicherlich die Geschichte anders verlaufen. Und vermutlich hätte man die Dramatik, die dadurch entstanden ist, nicht so gut aufbauen können, wenn sie nicht verstorben wären.

Darüber diskutiere ich auch nicht. Doch ändert es nicht an der Tatsache, dass der Tod absolut sinnlos war.

Ihr Tod hätte durchaus heroische Ausmaße haben können. Was wäre, wenn Lexa sich für Clarke geopfert hätte? Oder Tara für Buffy? Sie wären ebenfalls gestorben. Aber ihr Tod hätte wenigstens einen Sinn gehabt.

Aber so bleibt ein fader Nachgeschmack, den man einfach nicht los wird. Zumindest ich nicht.

Was Du für Deine Geschichte mitnehmen kannst

Es gibt durchaus mehrere Möglichkeiten, wie Du mit einem lesbischen Paar umgehen kannst, ohne in diese Klischeefalle zu stolpern. Denn, auch wenn sich das in manchen Ohren albern anhören mag, aber auch Lesben haben durchaus ein Happy End verdient.

Erst einmal ist es schön, wenn überhaupt mehr lesbische Charaktere auftreten. Denn häufig lese ich zwar von schwulen Charakteren. Aber wenn es heißt, dass eine Frau Interesse an einer Frau hat, dann ist sie meistens Bi. Das ist keine Abwertung von bisexuellen Frauen, aber mir fällt halt auf, dass es rein lesbische Frauen in populären Büchern eher seltener vorkommen.

Daher wäre es durchaus faszinierend zu sehen, wie sich die beiden Frauen entwickeln und weiterkommen. Also, dass sie das Ende einer Geschichte durchaus erleben dürfen, als glückliches Paar. Dadurch würde sich natürlich die Dynamik der Geschichte ändern. Das ist klar. Und Du müsstest Dir überlegen, wie Du anders die Spannung rein kriegst. Aber es wäre durchaus was anderes.

Wenn Du Dich trotzdem entscheidest, dass Dein lesbisches Paar kein Happy End kriegen soll, was natürlich in Ordnung ist, dann wäre es doch auch eine Methode, eine der beiden Frauen wegzuschicken. Vielleicht verliebt sich eine in eine andere Frau (es muss ja nicht immer ein Mann sein). Oder es gibt woanders etwas zu tun, was sich nicht aufschieben lässt.

Da gibt es genügend Ideen, um eine der Frauen davon zu jagen, ohne sie gleich umzubringen. Und das könnte trotzdem die andere Frau runterziehen. Auf eine andere Art und Weise, aber sicherlich nicht uninteressanter.

Und natürlich, klar, wenn es nicht anders geht, dann darfst Du auch eine der beiden Frauen töten. Aber muss das solch ein Zufallmord sein? Wie wäre es, wenn sie einen heroischen Tod stirbt und dabei andere Menschen rettet?

Das könnte ihre Geliebte ebenfalls runterziehen und die Schuld an dem Tod ihrer großen Liebe der geretteten Person geben. Nehmen wir an, Tara hätte Buffy beschützt und wäre dabei getötet worden. Willow hätte Buffy die Schuld geben und trotzdem zur Black Willow werden können.

Es gibt also auch andere Methoden, wie Du eine Geliebte zur Weißglut treiben kannst, ohne dass ein sinnloser Tod herhalten muss.

Abschlussgedanken

Es sind die kleinen Dinge, die eine gute Geschichte ausmachen. Und für mich zählt durchaus dazu, wie die Beziehung zwischen zwei Lesben dargestellt wird. Das mit dem Tod habe ich selbst durch Recherchen im Internet erst bewusst wahrgenommen.

Zukünftig werde ich noch mehr darauf achten, wie mit den Frauen in den Geschichten umgegangen werden. Auf alle Fälle dürfen meine Lesben, sollte ich sie über die Klinge springen lassen, einen sinnvollen Tod sterben. Wie sieht es bei Dir aus?

Deine Erfahrungen

Wie sieht es bei Dir aus? Hast Du schon lesbische Geschichten gelesen? Und wenn ja, wie sahen deren Enden aus? Durften sie glücklich werden? Oder hat sich die Autorin bzw. der Autor entschieden, ihnen kein Happy End zu gönnen?

Wie wäre der Verlauf gewesen?

Wenn Du eine Geschichte kennst, die mit einem unglücklichen Ende oder gar dem Tod der lesbischen Figur endete, überleg Dir einfach mal, was wäre wenn. Was wäre, wenn der Charakter heroisch gestorben wäre, oder eben gar nicht? Wie wäre die Geschichte verlaufen? Alternativ kannst Du Lexa oder Tara als Grundlage benutzen.

Ein glückliches oder zumindest heroisches Ende

Vielleicht möchtest Du auch eine Geschichte mit einem lesbischen Paar schreiben. Gerne, die würde ich sofort lesen. Und noch mehr würde es mich freuen, wenn das Pärchen ein Happy End oder eine der beiden einen heroischen Tod hätte. Vielen Dank schon einmal.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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18 Antworten zu Klischee – Der Tod einer Lesbe

  1. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Ich wurde schon mal in einer Gruppe in der Schreibnacht auf das Phänomen des „Lesbian Pulp“ aufmerksam gemacht – es ist, wie du sagst. Die Frauen werden sozusagen dafür „bestraft“, dass sie lesbisch sind.
    Da ich keine Romance lese, tue ich mich mit gelesenen Beispielen schwer (und die Geschichten über lesbische Pärchen in Darkover habe ich vor zu langer Zeit gelesen, um mich vernünftig zu erinnern, wie die ausgegangen sind :/ ), aber ich achte bei meinen eigenen Geschichten darauf, wen ich töte und wie.
    Man kann oft Klischees allein schon vermeiden, indem man Autoren erzählt, dass es eins gibt 🙂

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Dann scheint das Problem noch größer zu sein, als ich dachte 😦 Ich bin ja langsam dabei, mich in einigen Gebieten immer mehr und mehr einzulesen (ja, auch in Rape Fiction) und werde dann mal sehen, wie sich das in modernen Fantasybüchern so verhält. Aber ich denke schon, dass gerade Lesbian Romance hier noch ordentlich viel Nachholbedarf hat.

      Und klar, wenn man einen guten Grund hat die Charaktere zu töten, kann man das machen. Aber diese Zufallmorde haben mich aufgeweckt und geärgert.

      Deinen letzten Satz habe ich bei Twitter geteilt. Denn er sagt so viel wahres aus, danke Dir dafür ❤

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      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Ja, leider :(. Auch im NaNo-Forum wird das Thema im Genreforum zu LGBT (so heißt das Genre auf dem NaNo-Portal) unter anderem diskutiert. Eben wenn man schon Nicht-Heterosexuelle töten MUSS, wie man das so anstellt, dass es eben nicht diesem furchtbaren Klischee entspringt.
        Gesehen und mich gefreut <3. Und auch gefreut, dass er gegendert wurde. Ich achte noch bei weitem nicht genug auf meine Sprache, was das angeht 😦

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Wenigstens machen sich einige Leute immerhin darum Gedanken. Das ist schon einmal ein erster und wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Jetzt heißt es nur noch das auch richtig anwenden.
        Und da ich mich lange mit Luise F. Pusch und der feministischen Linguistik beschäftigt habe (sollte ich wieder mal machen), achte ich auf bestimmte Dinge. Das ist mir zwischenzeitlich ins Fleisch und Blut übergegangen 🙂

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      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Ich habe ganz lange gedacht: Ich bin eine Frau. Ich muss nicht gendern, ich kann mich ja nicht selbst unterdrücken.
        Bis ich festgestellt habe: Doch, das können Frauen sehr wohl.
        Und außerdem will ich nichtbinäre Menschen mitmeinen.
        Aber oft vergesse ich es.

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Das musste ich auch erst einmal lernen, dass ist halt ein gedanklicher Prozess. Und da Frauen sich häufig mitmeinen wollen, auch wenn sie nichtgemeint sind, kann das manchmal ganz interessante Stilblüten entwickeln, bei denen ich nur den Kopf schütteln kann.

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  2. Isa schreibt:

    Danke für einen, wie immer, sehr wichtigen Beitrag!

    Es gibt inwzischen einige lesbische Verlage, die per se keine Manuskripte mehr annehmen, in denen ein Teil des Paares (oder beide) sterben oder Opfer von brutalen Übergriffen werden, und die sich mittlerweile darauf spezialisieren, lesbische Happy End-Geschichten zu verlegen. Das war z.T. eine Folge von Lexas Serientod, denn die Sache bei The 100 war ja, dass die Macher die Serie bei der queeren Community explizit als „sicher“ beworben haben, sodass Lexas Tod für Zuschauer ein doppelter Schlag ins Gesicht war – nicht nur schon wieder eine tote Lesbe, sondern auch noch, nachdem man versichert hat, so etwas würde in dieser Serie nicht passieren. Soweit ich mitbekommen habe, hat das Ganze gerade junge lesbische Zuschauerinnen sehr mitgenommen, weil ihnen (besonders dieses Jahr) eine „Repräsentantin“ nach der anderen vor der Nase weggemordet wurde.

    Die Sache ist die: Klar kann man lesbische Figuren sterben lassen – man kann sie auch zufällig sterben lassen, wie eben Lexa oder Tara. Das wäre kein Problem, wenn wir denn genug Alternativ-Szenarien mit Happy Ends oder ohne Morde hätten. Haben wir aber nicht, schon gar nicht im Mainstream, weder in der Literatur noch in Serien/Filmen. Es gibt kaum lesbische Happy Ends und oder natürliche Tode. Sehr oft wird eine Hälfte des Paars ermordet, entweder zufällig oder aus Hassgründen. Und mir kommt es so vor, als wäre die Sensibilität für das Thema überwiegend bei denen vorhanden, die davon „betroffen“ sind. Ein lesbisches Publikum ist praktisch gezwungen, auf Special Interest-Verlage/Serien/Filme auszuweichen, wenn es sich nicht selbst ständig auf dem Papier/auf dem Bildschirm sterben sehen will. Dass diese Entwicklung gerade für junge lesbische Frauen alles andere als ermutigend ist (vor allem, wenn sie im richtigen Leben aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Ablehnung, Ausgrenzung und Gewalt erfahren und zumindest in der Fiktion nach alternativen Szenarien suchen), ist klar. Denn, wie du schreibst, das alles impliziert auch die Message, dass Lesben nicht glücklich werden dürfen – zumindest nicht außerhalb der halbwegs komischen Genres.

    Dass viele „lesbische“ Figuren eigentlich bi sind (was aber so nie ausgesprochen wird) und ihre Partnerinnen für Männer verlassen und munter weiter das ANDERE Klischee ausloten, dass Frau niemals ohne Mann glücklich werden kann, ist nochmal ein ganz anderes Feld.

    Entschuldige diesen Roman von Kommentar, aber noch einmal danke für deinen Text. Es ist so wichtig, dass über das Thema gesprochen wird.
    Liebe Grüße!

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Was Du schreibst (und ich habe keine Probleme mit Romanen als Kommentar 🙂 ) entspricht meinen bisherigen Erfahrungen, auch wenn ich selbst jetzt sicherlich nicht DIE Expertin für diese Literatur bin. Doch was ich bisher lese oder auch nur mitbekomme, macht mich persönlich traurig und teilweise auch ein wenig gnatschig.
      Ich sag mal so, ich hab nichts gegen Geschichte, die eben kein Happy End haben. Es muss ja nicht immer sein. Aber wie Du schreibst, wenn man keine alternative hat, dann kann es durchaus wichtig sein, wenn man es gelegentlich erzwingt, eines zu erschaffen. Denn vor Jahren habe ich eine vielversprechende Reihe angefangen zu lesen (die ich dann nach Band 2 abbrach, weil sie einfach nur schlecht war) und ein Charakter sollte dann Sex mit einer Frau haben. Ja, toll, sie war aber „nur“ Bi. Sie durfte nicht ihre lesbische Seite entdecken.

      An sich wäre das nicht schlimm, wenn ich dann nicht eine andere Romanreihe entdeckt hätte, in der die Hauptfigur offen schwul sein darf. Sie hingegen darf natürlich nur ein bisschen Bi sein. Warum haben so viele Menschen überhaupt Probleme damit einen lesbischen Charakter zu erschaffen?

      Andererseits durfte ich mir vor Jahren in einem Chat durchlesen, dass es ja keine Lesben gäbe (an dieser Stelle muss/möchte ich erwähnen, dass dieser Satz von einem Schwulen kam). Vielleicht liegt schon hier der Hund begraben 😦

      Daher kommen vielleicht auch noch die ganzen anderen Klischees, also dass nur über bisexuelle Frauen geschrieben wird und das sie nur Glück mit einem Mann findet.

      Wird vielleicht doch mal Zeit für eine Gegenbewegung 🙂

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      • Isa schreibt:

        Du sagst es.
        Es muss nicht immer ein Happy End sein, und ich finde, queere/hier jetzt speziell lesbische Figuren brauchen auch nicht mit Samthandschuhen angefasst werden – dann dürften sie ja auch nicht raus, Abendeteuer erleben 😉 Aber so wie es jetzt ist, wiegen die ganzen Unhappy Ends mangels glücklichem Gegenpools einfach zu schwer und zu symbolisch. Und wenn ich lese, dass es einen solchen glücklichen Geschichten-Pool für schwule Charaktere gibt, für lesbische Figuren aber nicht, dann macht mich das wirklich sehr sauer. Allerdings kenne ich mich da auch nicht aus. Wenn es die entsprechenden Geschichten für Jungs gibt, finde ich das naturlich wundervoll. Aber ja, es ist definitiv Zeit für eine Gegenbewegung!

        „Andererseits durfte ich mir vor Jahren in einem Chat durchlesen, dass es ja keine Lesben gäbe (an dieser Stelle muss/möchte ich erwähnen, dass dieser Satz von einem Schwulen kam). Vielleicht liegt schon hier der Hund begraben😦“
        Was zur Hölle. Wie ist er denn auf die Idee gekommen? o.O

        „Daher kommen vielleicht auch noch die ganzen anderen Klischees, also dass nur über bisexuelle Frauen geschrieben wird und das sie nur Glück mit einem Mann findet.“

        Das ist aber auch nochmal ein anderes Problem, nämlich die Unsichtbarkeit von Bisexualität. Diese bisexuellen Figuren werden fast nie als solche benannt. Sie sind zumeist „Lesben“. Es gibt so viele Filme und Serien, wo eine Frau immer wieder beteuert: „Aber ich bin lesbisch!“, bevor sie mit einem Mann ins Bett geht, obwohl es dann einfach logischer wäre, wenn sie ihre Partnerin mit einer Frau betrügt (das passiert praktisch nie). Das ist gleich doppelt dumm, denn einerseits wird Bisexualität so unsichtbar gemacht (die Figuren sind ja „lesbisch“, und ja, meist Frauen – kenne jetzt nicht so viele Fälle, wo so etwas mit männlichen Figuren passiert), und Bisexuelle haben noch weniger Repräsention als Homosexuelle, und andererseits hält sich so diese bescheuerte Klischee, dass Frauen irgendwie doch immer einen Mann brauchen. Dann entweder die Labels gleich ganz weglassen, oder, noch besser, man verzichtet gleich auf die Klischees.

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Klar, Frauen dürfen Abenteuer erleben und dabei dürfen und vor allem sollen sie sich ruhig die Finger verbrennen (sowohl wörtlich, als auch im übertragenen Sinne). Aber so wie es gerade läuft oder zu laufen scheint, das finde ich nicht schön. Aber ab nächstes Jahr werde ich mich damit eingehender beschäftigen im Rahmen eines dritten Projektes. Dann werde ich darüber ausgiebig informieren 🙂
        Wobei mir heute auf der Queer Con (eine Unterveranstaltung von BerlinBuch) aufgefallen ist, dass diese Gegenbewegung dringend notwendig ist.

        Warum?

        Die Queer Con sollte eigentlich für LGBT Bücher stehen, also Lesbian, Gay, Bi und Transsexualität. Komischerweise kamen nur Gay Verlage und Gay Autor*innen zu Wort. Wo waren die anderen Bereiche? Nur eine Autorin erwähnte, dass sie gelegentlich lesbische Geschichten schreibt. Aber darauf wurde gar nicht weiter eingegangen.

        Das soll sich nicht anhören, dass ich gegen schwule Literatur bin. Ganz im Gegenteil, ich lese sie genauso gerne, wie alle anderen Bücher, die ich hier habe. Nur frage ich mich halt, warum alle anderen Bereiche so dermaßen ausgeklammert werden, als ob sie nicht existent sind? Denn es gibt sie auch, die Autor*innen, die über lesbische Charaktere schreiben. Und in Deutschland gibt es auch ein oder zwei Verlage, die lesbische Literatur veröffentlichen.

        Aber in diesem Fall will ich nicht ZU streng sein, weil es die erste Queer Con war. Vielleicht kommt da ja noch was in den nächsten Jahren. Zumindest hoffe ich es.

        Es gibt in der Tat einige Leute, die der festen Überzeugung sind, dass es keine Lesben gibt. So traurig das klingen mag, aber es ist wirklich so 😦 Warum das so ist, kann ich Dir nicht (mehr) sagen. Vor Jahren habe ich dazu einige radikalere feministische Bücher gelesen. Ehrlich gesagt, ich glaube nicht mehr, dass ich sie habe, um das noch nachvollziehen zu können.

        Jetzt wo Du es schreibst, es stimmt. Bisexuelle Menschen oder gar transsexuelle Menschen kommen kaum bis gar nicht in Geschichten vor. Vor Jahren hatte ich ein Buch in der Hand, in der ein Prinz in eine Prinzessin verwandelt wurde. Leider war es der vierte oder fünfte Teil eines Bandes und ich hatte die anderen nicht bekommen, daher habe ich es nicht gelesen. Aber das ist die einzige Geschichte, die mir jetzt einfällt, wo es um einen transsexuellen Charakter geht. Und auch so sind gerade diese beiden Gruppen überhaupt sehr unterpräsentiert.

        Das sind Gründe, warum ich mir überlege eine gewisse Größenwahnsinnigkeit auszuleben. Ansonsten kann ich Deinem Beitrag nur zustimmen.

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  3. langstrümpfin schreibt:

    Hallo! Wir haben dich für den „Liebster Award“ nominiert! Schau doch mal vorbei 🙂

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  4. Isa schreibt:

    Oh, das ist natürlich interessant! Toll, dass es die Queer Con überhaupt gibt. Vielleicht erweitert sich das Spektrum ja die nächsten Jahre noch. Aber dann ist es wirklich sehr bezeichnend, dass dort größtenteils Gay-Autoren und Verlage das Wort hatten Natürlich ist es großartig, dass es viel schwule Literatur gibt – das ist wichtig und richtig. Nur hätte ich das gerne auch für die Mädels, die Transsexuellen, und die anderen Gruppen, die das Große Akronym noch beinhaltet.
    Aber meine Güte, wenn es wirklich Leute gibt, die meinen, es gäbe gar keine Lesben, dann ist es umso wichtiger, aufzuklären, gerne auch mit Fiktion.
    In dem Sinne bin ich auch sehr gespannt, was du in Zukunft noch so zu dem Thema schreibst.

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Isa,

      zu der Queer Con habe ich ja einen Beitrag geschrieben, bzw. meine Meinung verfasst. Es war durchaus interessant, aber es hätte noch besser sein können. Doch für die erste Con dieser Art will ich noch nicht ZU streng sein. Wenn es aber in den nächsten Jahren nicht besser wird, werde ich strenger werden 😉

      In der Tat ist Deutschland im Bereich Queer Literatur noch ein Entwicklungsland. Daher wäre es durchaus schön, wenn sich da noch etwas entwickelt. Und meine Beiträge über die Queer Literatur behalte ich mir dann für Anfang nächsten Jahres vor 🙂

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      • Isa schreibt:

        Huhu, ja, hatte den Artikel gelesen, das war in der Tat sehr interessant. Für den Anfang darf man immer ein Auge zudrücken 🙂 Bin gespannt, wie sich das Ganze die nächsten Jahre weiterentwickelt, und ebenso gespannt auf deine Beiträge zum Thema Queer Literatur.
        Übrigens habe ich mir erlaubt, in meiner jüngsten Buchempfehlung auf deinen Artikel hier zu verweisen, ich hoffe, das ist okay? Das Buch (und der Verlag dahinter) kam mir während unserer Diskussion immer wieder in den Sinn, auch wenn es natürlich auch „Special Interest“ ist und der Verlag gezielt ein lesbisches Publikum anspricht. Aber ein Buch voller Happy Ends ist ein Buch voller Happy Ends 😉

        Liebe Grüße!

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Hallo Isa,

        ich bin auch gespannt ob und in welche Richtung sich die Queer Literatur in den nächsten Jahren noch entwickeln wird. Wobei man fast schon sagen kann, es kann ja nur noch besser werden. Denn schlimmer geht es ja eigentlich nicht.

        Und danke für die Verlinkung, wobei die pöse war. Dank Dir ist jetzt meine Wunschliste angewachsen 😉 Die Anthologie werde ich mir auf alle Fälle holen und beim zweiten werde ich mal sehen. Wobei ich vom Ylva Verlag was gehört habe. Da werde ich mich noch ein wenig genauer umsehen. Und wenigstens etwas, ein Buch voller Happy Ends, warum nicht. Ein wenig Abwechslung darf es gerne sein 🙂

        lg

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      • Isa schreibt:

        Was natürlich auch einfach nur ein trauriges Fazit ist. Aber positiv denken. Und aktiv daran mitarbeiten, dass sich etwas ändert, wenn möglich. Artikel wie deiner hier sind die eine Seite, entsprechende Fiktion dann die andere 🙂
        Heh, war zwar so nicht beabsichtigt, aber wo Cabal draufsteht, geht’s wohl nicht ohne böse 😉 Freut mich jedenfalls sehr, dass die Anthologie auf deiner Wunschliste gelandet ist. Ylva hat ein paar sehr interessante Sachen im Programm. Im englischen Zweig mehr als im deutschen, aber immerhin. Finde es immer wieder interessant, was sie für Bücher machen.

        Liebe Grüße 🙂

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Jupp, je eher man auf Probleme aller Art aufmerksam macht, desto eher könnte sich etwas ändern. Andererseits, wenn es keine Literatur dazu gibt, dann bleibt es nur beim erwähnen. Daher ist es durchaus wichtig, beides zu machen.
        Und ja, Büchertipps sind bei mir immer herzlichst willkommen ;=

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  5. Pingback: Buchempfehlungen: „Do You Feel What I Feel“ und Johannes Cabal – Silben-Alchemie

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