Rassismus: Die fremde Frau ist exotisch … und erotisch zugleich

Hei, hallo und herzlich willkommen,

heute möchte ich mit einer weiteren kleinen Reihe anfangen, die aller Wahrscheinlichkeit eher stärker in Filmen niederschlag finden (das dürfte für Dich also interessant sein, wenn Du Drehbücher schreibst). Aber sicherlich findet man auch in Büchern das eine oder andere Beispiel.

Rassismus ist eine Ideologie, welche ihren Anfang im 20. Jahrhundert gefunden hat. Sicherlich gab es schon früher die entsprechenden Begleiterscheinungen, aber die Begrifflichkeit stammt aus der Zeit. Mit diesem Begriff wurden Menschen in sogenannte „Rassen“ eingeteilt und man sprach ihnen bestimmte „Qualitäten“ zu.

Zumeist waren diese „Qualitäten“ von Vorurteilen geprägt, als dass sie auf realen Grundlagen basierten. Und leider halten sich viele dieser rassistischen Vorurteile immer noch. Genau wie viele sexistische Beispiele sind einige dieser rassistischen Punkte noch gegenwärtig und spiegeln sich auch in unseren Geschichten wieder.

Vielleicht hilft es, darauf aufmerksam zu machen, um bei der einen oder anderen Geschichte diese Punkte zukünftig zu meiden. Oder zumindest bewusster damit umzugehen. Damit wäre eine Menge gewonnen.

Kurze Vorgedanken

Wenn wir mit einer Gruppe von Menschen mit gleicher Hautfarbe zu tun haben und es kommt jemand zu ihnen, der nicht ihre Hautfarbe hat, wird es interessant. Denn dann spielen sich interessante Szenen ab, die durchaus von Rassismusgedanken geprägt sind.

Im Idealfall ist es egal, welcher Zugehörigkeit ein Mensch hat, wenn diese Person zu uns kommt. Leider leben wir eben nicht in einer Idealen Welt und auch unsere Geschichte kann gelegentlich weit entfernt sein vom Punkt halbwegs ideal.

Wenn Du die Figuren Garona aus dem Film „Warcraft: The Beginning“ und K’Ehleyr aus „Star Trek: The Next Generation“ kennst (die Letztere ist die Mutter von Alexander und war die Ehefrau von Worf), bist Du für diesen Beitrag gut gerüstet.

Der Inhalt

Wenn zu einer Gruppe von meist weißen Personen Menschen anderer Minderheiten kommen, dann teilt sich die Reaktionen dahin auf, welches Geschlecht die Gruppe der Minderheiten hat.

Männer werden dabei häufig misstrauisch beobachtet, wer sie sind und was sie wollen. Es kann dabei sogar vorkommen, dass man denen vowirft dass sie die ehrbaren weißen Frauen verführen oder gar vergewaltigen wollen. Dass dies selten bis gar nicht auf Tatsachen beruht, ist eine andere Geschichte und im Roman gelegentlich sogar gewollt.

Die Frau oder die Frauen der Minderheit, da sieht es natürlich völlig anders aus. Sie sind freigegeben für das sexuelle Interesse des Mannes. Da gibt es kein Problem, dass man sie eventuell sexuell belästigen könnte. Sie hat nicht den Schein der Heiligen, sondern ist sexuell erregend, weil sie eben anders ist.

Asiatische Frauen werden häufig in die Rolle der Geisha gesteckt. Dabei ist es egal, ob sie aus Japan kommt oder nicht. Latinas oder Frauen afrikanischer Herkunft sind sexuell attraktiver. Wobei ich noch gelernt habe, dass Latinas (nach dem Vorurteil) teilweise auch unterwürfiger sind, als weiße Frauen.

Mir ist das besonders bei Garona aufgefallen. Während die Königin als regelrechte Heilige auftrat, war Garona durchaus das Objekt sexuellen Interesses. Damit wollen viele Autor*innen ihre Geschichte noch einem romantischen Plot geben.

Das Problem

Wenn mit den Vorurteilen der Hautfarbe dann noch mit einem romantischen Plot verbunden ist, kann das in der einen oder anderen Magengegend durchaus übel enden. Denn hier heißt es ganz klar, erst einmal ist die fremde Frau exotisch. Denn sie kommt in einer Gruppe von zumeist Menschen, die sich äußerlich alle sehr ähneln. Das trifft sogar auf die Hautfarbe zu (es gibt immer eine Person, welche zur Minderheit gehört, selten mehr).

Hier wird eine Beziehung konstruiert, die lediglich darauf beruht, dass sie exotisch ist, weil sie eben zu einer Minderheit gehört. Selten interessiert sich der andere Teil für ihren Charakter, der vielleicht gar nicht so toll ist, wie sie aussieht.

In dieser romantischen Beziehung geht es nicht darum, dass die Charaktere sich deswegen ineinander verlieben, weil sie sich gegenseitig interessant finden. Es geht in erster Linie darum, dass sie sich ineinander verlieben, weil sie anders aussieht. Das als Begründung für eine romantische Geschichte zu nehmen, ist durchaus fragwürdig.

Warum wird das geschrieben?

Natürlich ist es so, wenn jemand aus der Norm fällt (was wir auch immer als Norm definieren oder definiert bekommen), fällt das erst einmal auf. Vor Jahren stand auf einmal ein Mangamädchen in der U-Bahn. Natürlich erregte sie auch bei mir die Aufmerksamkeit.

Wenn man also zu einer Gruppe von Weißen gehört und auf einmal taucht jemand mit einer anderen Hautfarbe oder gar von einer anderen Spezies (sei es Fantasy oder Science-Fiction, das ist hier egal), es erregt erst einmal Aufmerksamkeit. Und man findet diese Leute interessant, weil sie nicht dem entsprechen, was wir bisher kennen.

Ganz ehrlich, das kann ich sogar verstehen und komme damit sogar bis zu einem gewissen Grad klar. Das es aber da stecken bleibt und nicht auf die Ebene des Charakters weitergeht, sondern bei Stereotypen bleibt, damit habe ich selbst ein Problem.

Würde man sämtliche Stereotypen und die Hautfarbe einfach mal wegnehmen, was bliebe übrig von der romantischen Beziehung? Leider nicht mehr viel. Worauf fußt sie also? Auf nicht unbedingt viel.

Wie Du es anders schreiben könntest

Wenn Du einen Charakter erschaffst, dann erschaffe bitte, bitte zuerst einen Charakter. Es ist dabei völlig egal welche Hautfarbe oder zu welcher Spezies Deine Figur gehört. Wenn der Charakter nicht funktioniert, dann liegt es an Deiner Arbeit. Da bringt es nichts, wenn man mit Stereotypen um sich wirft, um die Figur zu retten.

Natürlich darfst Du eine romantische Beziehung zu der Frau mit der anderen Hautfarbe oder von der anderen Rasse erschaffen, wenn Du das möchtest und Deiner Geschichte dient. Das will ich niemanden mit diesem Beitrag verbieten. Es kann sogar ganz interessant werden, wenn man das richtig schreibt. Immerhin könnten hier auch kulturelle Konflikte eine interessante Rolle spielen.

Jedoch ist es empfehlenswert zuerst den Charakter zu erschaffen und dann die Rolle als Minderheit. Denn damit reduzierst Du sie nicht auf eine Hautfarbe, sondern eröffnest ihr mehr Möglichkeiten. Natürlich haben die Wurzeln eines Charakters ungemein Auswirkung auf die heutige Person, die Du uns in Deiner Geschichte zeigst. Das stimmt.

Aber einen Charakter nur auf die Hautfarbe und auf eventuelle Wurzeln zu reduzieren, das ist der Figur gegenüber nicht fair. Aber es ist halt leichter den Punkt zu vergessen, dass auch Charakter nicht weißer Herkunft ebenfalls Charaktere sind, wenn man sie als exotisch und erotisch betrachtet.

Wenn Du also eine Frau (oder auch einen Mann) aus einer Gruppe von Minderheiten erschaffst, dann ist das schon einmal eine gute Sache. Jetzt ist es wichtig einen Schritt weiter zu gehen, und aus einer Person mit einer anderen Hautfarbe einen richtigen Charakter zu erschaffen. Dann kann die Geschichte noch einmal gut werden.

Abschlussgedanken

Sehr häufig sind Frauen von dem Punkt betroffen, dass sie eben dann erotisch sind, wenn sie exotisch aussehen. Und exotisch meint hier, dass sie nicht eine weiße Hautfarbe haben. Wenn Du aber eine Frau in Deine Geschichte einbauen möchtest, die eben einer Minderheit angehört, ist das erst einmal gut. Der nächste Schritt ist dann wichtig. Wie erschaffst Du sie und wie wird sie zu einem Charakter.

Wenn Du diesen Sprung schaffst, dann brauchst Du Dir weniger Gedanken um Deine Geschichte zu machen. Da bin ich mir sicher.

Klischee vs. Charakter

Erschaffe einen Charakter mit einer anderen Hautfarbe, der regelrecht nach Klischee stinkt. Lass Deiner Fantasie einfach freien Lauf und gönn es Dir einmal. Wie wirkt dieser Charakter auf Dich?

Und dann erschaffe einen Charakter, der eben nicht voller Klischees ist, sondern einfach nur ein Charakter ist. Vergleiche diese danach. Wie unterscheiden sie sich und welcher ist für Dich besser?
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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